Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken    0

Zwölf Verheißungen für die, die Christus Jesus sind (nach Römer 8)

Autor: Herbst, Gerhard  |  Kategorie(n): Gemeinde, Paulusbriefe  |  808 x gelesen

Den Brief des Apostels Paulus an die Römer hat man eine Kurzfassung der Heiligen Schrift genannt. Hätten wir von der Bibel nichts weiter als nur den Römerbrief, so könnten wir allein aus ihm die Gedanken Gottes über den Menschen erfahren und Einblick in Seinen Heilsplan und Seine Vollendungsziele mit den Nationen, dem Volke Israel und den Gliedern des Körpers Christi erhalten.

Den Höhepunkt des Römerbriefes bildet das 8. Kapitel. Neben vielen anderen wichtigen Aussagen enthält es zwölf kostbare Verheißungen, mit denen wir uns im folgenden beschäftigen wollen.

Es ist zunächst die Frage zu stellen, wem diese Verheißungen gelten. Die Ant­wort finden wir, wenn wir uns den ersten und den letzten Vers des Kapitels ansehen.

Im ersten Vers lesen wir: “Also ist jetzt keine Verurteilung für die, welche in Christo Jesu sind.” Im letzten Vers heißt es: “Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.” Hieraus ist zu erkennen, daß die im 8. Kapitel enthaltenen Verheißungen für diejenigen bestimmt sind, welche in Christo sind. Sie gelten also weder dem Volke Israel noch den ungläubigen Nationen.

Was sind das für Menschen, “welche in Christo sind”? Der Ausdruck “in Christo” wird fast ausschließlich vom Apostel Paulus gebraucht. Das deutet schon darauf hin, daß es Menschen sind, für die das paulinische Evangelium der Gnade und der Herrlichkeit bestimmt ist. Was es heißt, in Christo zu sein, kann uns deshalb nur der Apostel Paulus beantworten. Die entscheidende Antwort finden wir in Eph. 1, 3-5: “Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo, wie Er uns auserwählt hat in Ihm vor dem Niederwurf der Welt. Er hat uns zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst nach dem Wohlgefallen Seines Willens.” Dazu Röm. 8, 30: “Welche Er zuvorbestimmt hat, diese hat Er auch berufen, und welche Er berufen, diese hat Er auch gerechtfertigt; welche Er aber gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht.” Aus der Betonung erkennen wir schon: Wir selbst haben nicht das geringste Verdienst, in Christo zu sein. Alles hat Gott allein getan, nicht, weil wir so brav waren, sondern, weil es Ihm so wohlgefiel (Eph. 1, 5). Er hat uns auserwählt, als an uns noch gar nicht zu denken war, ja, als die Erde in ihrer jetzigen Gestalt noch gar nicht da war.

Über das Wesen des “In-Christo-Seins” erfahren wir vom Apostel Paulus noch viele kostbare Dinge:

“Aus Gott seid ihr in Christo!” (1. Kor. 1, 30). Welch edle Herkunft: Aus Gott selbst herausgenommen und in Christus hineingelegt!

Dazu die Kehrseite (Gal. 2, 20): “Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.” Ich in Christo — Christus in mir! — Was schließt das alles ein?

  • 2. Kor. 5, 17: “Wir sind in Christo eine neue Schöpfung.”
  • Röm. 12, 5: “Wir, die Vielen, sind ein Leib in Christo.”
  • Gal. 3, 28: “Wir sind alle einer in Christo.”

Alles, was Christus tut, erleben wir mit. 2. Kor. 2, 14: “Wir werden allezeit im Triumphzug umhergeführt in Christo.” Wir sind nicht nur mit Christus gekreuzigt, sondern auch mit Ihm lebendig gemacht. Er hat uns mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo (Eph. 2, 6). “In Christo sind wir befestigt” (2. Kor. 1, 21). “In Christo sind wir bewährt” (Röm. 16, 10). “In Christo sind wir klug” (1. Kor. 4, 10). “In Christo haben wir Freimütigkeit” (Philemon 8). “In Ihm sind wir Geheiligte” (1. Kor. 1, 2). “In Christo haben wir Ermunterung” (Phil. 2, 1). “In Christo können wir gottselig leben” (2. Tim. 3, 12). “In Christo können wir schließlich entschlafen” (1. Kor. 15, 18).

Aber das ist nicht das Letzte. Paulus nennt im 8. Kapitel des Römerbriefes zwölf Verheißungen für die, welche in Christo sind. Hast du, lieber Leser, schon die Gewißheit, zu diesem Personenkreis zu gehören?

1. Keine Verurteilung

Vers 1: “Also ist jetzt keine Verurteilung für die, welche in Christo sind.” Wer in Christo ist, kommt nicht ins Gericht. Wir werden nicht mit der Welt vor dem Gerichtsthron Gottes — Johannes nennt ihn in Offb. 20, 11 den großen weißen Thron — erscheinen müssen. Der Herr Jesus sagt in Joh. 5, 24: “Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat äonisches Leben und kommt nicht ins Gericht.”

Wer in Christo ist, kommt auch nicht in das Gericht der großen Drangsalszeit, das am Ende dieses Äons über diese Erde geht; denn Paulus sagt in 1. Thess. 1, 10, daß Gott uns errettet von dem kommenden Zorn. Auch in Röm. 5, 9 und in 1. Thess. 5, 9 lesen wir, daß Gott uns vom Zorn gerettet hat. In der Zeit, in der die Gerichte der Drangsalszeit auf dieser Erde stattfinden, werden wir als die Glieder Seines Leibes vor der himmlischen Preisrichterbühne erscheinen. 2. Kor. 5, 10: “Wir müssen alle vor der Preisrichterbühne des Christus offenbar werden.” Haben wir dann aber nicht doch ein Gericht zu erwarten? Ja, aber ein Preisgericht, keine Verurteilung! Wer sich in diesem Leben selbst gerichtet hat, für den hat Christus die Strafe getragen, und er ist unwiderruflich gerecht gemacht.

Welch kostbare Verheißung: Es ist keine Verurteilung für die, welche in Christo sind!

2. Lebendigmachung der sterblichen Leiber

Vers 11: “Er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines in euch wohnenden Geistes.” Das ist eine Hoffnung für den Leib. Warum erwähnt Paulus hier nur die sterblichen Leiber, nicht aber Seele und Geist? Nun, diese beiden sind ohnehin in einer unauflöslichen Lebensgemeinschaft mit Gott. Aber den Leib müssen auch die in Christo Entschlafenen hier auf dieser Erde lassen, weil er verweslich ist. Ohne den Leib sind auch die in Christo Entschlafenen funktionsunfähig. Wenn schon der Christus einen Leib braucht, um Seine Vollendungsziele auszuführen, dann brauchen auch wir einen Leib, einen Geistleib, um unsere Aufgaben im Kosmos ausführen zu können. Beachten wir, daß Paulus sagt: “… eure sterblichen Leiber lebendig machen.” Das ist mehr als auferwecken. Ein Auferweckter kann wieder sterben. Ein Lebendiggemachter dagegen hat Unsterblichkeit angezogen.

Diese Verheißung gilt nicht nur für die Entschlafenen, denn sonst müßten wir uns ja nach dem Tode sehnen, damit unsere Leiber lebendig gemacht werden. Paulus sagt hier nicht: “Er wird eure gestorbenen Leiber lebendig machen”, sondern “eure sterblichen Leiber”. Darin sind auch wir Lebenden eingeschlossen, denn auch unsere Leiber sind sterblich von Adam an. Durch die Verwandlung der lebenden Gläubigen wird einmal der Todeskeim auch aus unserm Leib genommen werden.

3. Miterben Christi

Vers 17: “Wir sind Mitlosteilnießer”, oder Miterben Christi, wie die Elberfelder Bibel übersetzt. – Ein Losteil besitzen wir an dem, was Gott gehört. Gott gehört das ganze Weltall.

Als das Volk Israel in das Land Kanaan einzog, wurde das Land durch Losung auf die zwölf Stämme verteilt. Innerhalb des Stammes wurde jedem einzelnen sein Stück Land zugelost. So müssen wir das verstehen: Mitlosteilnießer Christi. Uns wird einmal ein bestimmtes Gebiet im Weltall zugelost, das wir zu verwalten, das wir neu ins Leben zu zeugen haben. “Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Wisset ihr nicht, daß wir Engel richten werden?” fragt Paulus in 1. Kor. 6. Für diese großen Aufgaben müssen wir uns schon hier in diesem Leben zubereiten lassen. Unser Leib der Niedrigkeit ist für die Durchführung dieser Aufgaben untauglich. Wir brauchen dazu einen Geistleib, wie ihn der Herr Jesus nach Seiner Auferstehung empfing, einen Leib, der nicht an Raum und Zeit gebunden ist. Einen solchen Leib werden wir einmal bekommen.

4. Verherrlichte mit Christus

Vers 17: “Wenn wir mitleiden, so werden wir auch mitverherrlicht werden.” Wer in Christo ist, muß auch den Leidensweg des Christus mitgehen. “Aus Gott seid ihr in Christo.” Wir waren bereits in Christo, als dieser noch in der Herrlichkeit des Vaters war. Wir sind mit Ihm den Weg der Erniedrigung gegangen, sind mit Ihm gekreuzigt, mit Ihm gestorben, mit Ihm auferstanden. Nicht die Erniedrigung ist jedoch das Endziel, sondern die Erhöhung. Und so sind wir mit Ihm auch in die Himmel versetzt, wo Er zur Rechten des Vaters ist, um einmal mit Christus verherrlicht zu werden. Die Verherrlichung erfolgt erst, wenn vor der Preisrichterbühne alle Flecken und Runzeln von uns entfernt sind. Das Ausmaß unserer Herrlichkeit, die wir empfangen werden, hängt von dem Maß unserer Leiden ab. Die Leiden des Christus waren nicht mit Seinem Kreuzestod beendet. Paulus sagt in Kol. 1, 24: “Ich ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für Seinen Leib.” Christus hat als das Haupt gelitten. Die Leiden des Christus sind aber erst beendet, wenn die Leiden des letzten Gliedes des Leibes Christi beendet sind. Das wird erst am Tage der Entrückung sein. Dann beginnt die Herrlichkeit des zur Fülle gebrachten Christus.

5. Offenbarwerdung der Söhne Gottes

Vers 19: “Das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.” Die Söhne Gottes werden mit dem Christus in Herrlichkeit offenbar werden. Das steht Kol. 3, 4. Jetzt ist unser Leben noch verborgen mit dem Christus in Gott. Einmal wird unsere Herrlichkeit offenbar werden. Es werden sie nicht nur alle Menschen sehen, sondern die ganze Kreatur, alle Wesen, die die Himmel bevölkern: Engel, Fürstentümer und Gewalten, aber auch alle Wesen, die die Erde bewohnen, dazu gehören auch die Tiere. Das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Die Schöpfung seufzt und sehnt sich nach diesem Tag.

Wer viele Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft zugebracht hat, weiß, was es heißt, sehnsüchtig auf den Tag der Entlassung zu warten! Oder beobachten wir einmal einen Löwen oder Tiger, den man im Zoo in einen Käfig gesperrt hat! In seinen Augen kann man etwas von der Sehnsucht nach Freiheit erkennen und von der Sehnsucht nach dem Tag, wo einmal Friede auch unter der Tierwelt sein wird, wo der Löwe und das Lamm friedlich nebeneinander liegen werden. Das tausendjährige Friedensreich bricht mit der Offenbarung der Söhne Gottes an, auf die die ganze Schöpfung sehnsüchtig wartet.

6. Erlösung unseres Leibes

Vers 23: “Auch wir selbst seufzen, erwartend die Sohnschaft, nämlich die Erlösung unseres Leibes.” Den Geist der Sohnschaft tragen wir schon jetzt in uns, den Zustand der vollendeten Sohnschaft erwarten wir noch. In Vers 11 lasen wir die Verheißung, daß unsere sterblichen Leiber lebendig gemacht werden sollen. Hier nun geht es in erster Linie um die Lebenden. Mit diesem Leib der Niedrigkeit können wir niemals die Vollendungsaufgaben der Söhne Gottes ausführen. Darum seufzen auch wir und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes der Niedrigkeit und der Schwachheit, der behaftet ist mit vielerlei Mängeln und Gebrechen und Krankheiten, der uns immer wieder nach unten zieht zur Erde, wenn unser Geist nach droben will. Deshalb sagt Paulus in Phil. 3, 20.21: “Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der Er vermag, sich das All zu unterwerfen.”

Für die Umgestaltung unseres Leibes der Niedrigkeit in einen Herrlichkeitsleib, einen Geistleib, der nicht an Raum und Zeit gebunden ist, muß selbst Christus eine gewaltige Kraft aufwenden, die gleiche Kraft, mit der Er sich einmal das ganze Weltall unterwerfen wird. Wie stark müssen doch die Fesseln der Sünde und des Todes auch heute noch sein, daß es der ganzen Machtentfaltung des Christus bedarf, sie zu besiegen!

7. Mitwirkung aller Dinge zum Guten

Vers 28: “Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, die nach dem Vorsatz berufen sind, alle Dinge zum Guten mitwirken.” Dies ist ein oft zitierter Vers. Aber wie wenig rechnen wir wirklich damit! Solange uns die Dinge, die uns widerfahren, erfreuen, ist es leicht, diesem Wort zu glauben. Aber wenn es Dinge sind, die uns viel zu schaffen machen, dann wird es schwierig. Nun beachten wir: Es steht hier nicht: denen sollen alle Dinge zum Guten mitwirken, sondern: sie wirken mit! Es kommt also gar nicht auf unsere Einstellung zu diesen Dingen an. Sie wirken dadurch, daß sie uns widerfahren, zum Guten mit.

Br. Heinz Schumacher stellt in seiner Auslegung des Römerbriefes fest, daß dieser Vers eine Gewißheit, eine Bedingung, eine Verheißung und eine Erklärung enthält. Paulus sagt: Wir wissen aber. Das griechische Wort bedeutet ein sicheres, überzeugtes, durch eine Erfahrung erhärtetes Wissen. Weil Gott der Seiende, der Wirkliche, der Verheißungstreue und der Allmächtige ist, kann Er die nicht enttäuschen, im Stich lassen, preisgeben, ja auch nur unnötige und unzweckmäßige, geistlich und zielmäßig “unrentable” Wege führen, die Ihn lieben.

Die Bedingung lautet: die Ihn lieben. Wer den Sohn und den Vater liebt, den liebt auch der Vater und macht Wohnung in ihm. Er empfängt Gnade, ungeahnte Herrlichkeit, die Krone und die Fähigkeit, auch Gottes Kinder zu lieben.

Und nun die Verheißung: Gott wirkt solchen Menschen alles zum Guten zusammen. Er allein vermag alles Hereinwirken guter und böser Mächte in unser Leben so zu lenken, auch alle unsere eigenen Fehler, Schwachheiten, Irrungen und Dummheiten so zu gebrauchen, daß das Gute dabei herauskommt. Das vermag eben nur einer, der allen Mächten überlegen ist, sie alle in Seiner Hand hat und sie sogar ohne oder gegen ihren Willen in Seine Pläne einordnet. — Das Gute, das hier gemeint ist, ist das Ziel, das im nächsten Vers genannt ist: dem Bilde Seines Sohnes gleichgestaltet zu sein. Diesem Ziel dienen alle Lebensumstände und Lebensführungen derer, die Ihn lieben.

Ob sie durch Glück und Segen, Erfolg und Freude zum Danken kommen, oder durch irdische Enttäuschung, Leid, Verzicht und Not zum stärkeren Anklammern an Ihn, ob durch Versagen und Untreue zu tieferer Selbsterkenntnis, ob durch Kampf und Mühen zum Erfahren eigener Ohnmacht und Seiner Macht, alle Umstände und Erfahrungen drängen die Ihn Liebenden letztlich in die Richtung der Umgestaltung in Sein Bild.

Schließlich enthält der Vers noch die Erklärung: denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Gott weiß von jeher, wer die sind, die Ihn suchen, wollen und lieben. Die Liebenden haben nach Gottes Heilsplan, den Er vor äonischen Zeiten gefaßt hat, eine besondere Rolle zu spielen. Sie sollen Heilsvermittler für den ganzen Kosmos sein.

8. Gleichförmig dem Bilde Seines Sohnes

Vers 29: “Er hat uns zuvorbestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein.” Den ersten Menschen — Adam — schuf Gott in Seinem Bilde (1. Mos. 1, 27). Welches besondere Merkmal hatte dieses Bild? Die Antwort folgt im nächsten Vers: Männlich-weiblich schuf Er ihn. In Adam waren das männliche und das weibliche Prinzip vereinigt. In diesem Zustand setzte Gott ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und über die Tiere herrsche. Wie lange dieser sündlose Zustand dauerte, wissen wir nicht. Nach den Beobachtungen bei den Tieren, die Gott paarweise geschaffen hatte, sehnte sich auch Adam nach einer Gefährtin. Gott konnte diesen Wunsch Adams verstehen, denn auch Er selbst konnte nicht allein bleiben, sondern brauchte Geschöpfe, denen Er Seine Liebe offenbaren konnte. So sagt Gott: “Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.” Er nimmt aus Adam das weibliche Prinzip heraus und stellt ihm das Weib Eva zur Seite. Damit hatte der Mensch zwar die Möglichkeit zu lieben, andererseits aber wurde durch die Trennung auch der Urkeim zur Sünde gelegt. Und wenn wir die Menschheitsgeschichte seit Adam überblicken, müssen wir feststellen, daß der überwiegende Teil allen Unrechts, aller Verbrechen im tiefsten Grunde seine Ursache in der Trennung der Geschlechter hat.

Doch der zweite Mensch — Christus — bringt die Lösung aus diesem Dilemma: Er führt die ganze Menschheit einmal aus der Zweiheit wieder in die Einheit zurück. Paulus sagt: “In Christus ist weder Mann noch Frau, sondern sie sind all­zumal einer.” Im Geist dürfen wir schon heute in dieser Einheit leben. Und wir haben die Verheißung, daß auch unser Leib einmal dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig sein wird. In der Auferstehung oder bei der Verwandlung unseres Leibes bei der Entrückung werden wir einen Geistleib erhalten, der wie Christus selbst das männliche und das weibliche Prinzip in sich vereinigt. In diesem Geistleib werden wir einmal, ohne Flecken und Runzeln, sowohl das All neu ins Leben zeugen als auch neues Leben gebären können.

Welch kostbare Verheißung für die, welche in Christo sind!

9. Gott für uns — kein Feind wider uns

Vers 31: “Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns sein?” Dies ist eins der kraftvollsten Trostworte, die es für die gibt, welche in Christo sind. Gott ist so mächtig, daß alle Feinde, die nur denkbar sind, zusammengenommen es nicht mit Ihm aufnehmen können. Ein Hauch Seines Mundes wischt sie hinweg. Aber wer von uns hat schon alle Feinde zusammen gegen sich? Meist haben wir doch, wenn überhaupt, nur einen oder einige menschliche Widersacher. Was können uns diese denn tun? Der Herr hat verheißen: “Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen, so daß wir kühn sagen mögen: Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten. Was wird mir ein Mensch tun?” (Hebr. 13, 5.6). – Also: Menschen können uns nichts tun. Aber wie ist es mit den Geistesmächten? Paulus sagt Eph. 6, 12: “Unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.” Wenn die Geistesmächte der Finsternis auf uns eindringen, dann dürfen wir die ganze Waffenrüstung Gottes nehmen, auf daß wir an dem bösen Tage zu widerstehen vermögen. Ja, wir können nicht nur diesen Geistesmächten widerstehen, sondern sogar dem Satan selbst. Er verklagt ja die Brüder Tag und Nacht vor unserm Gott (Offb. 12, 10). In diesem Kampf steht uns der Heilige Geist bei. Er nimmt sich unserer Schwachheit an. Er verwendet sich für uns (Röm. 8, 26). Wir dürfen jetzt schon wissen, daß Satan einmal aus dem Himmel auf die Erde geworfen wird (Offb. 12, 10). Und diejenigen, die in Christo sind, haben die Verheißung, daß der Gott des Friedens den Satan in Kürze unter ihren Füßen zertreten wird (Röm. 16, 20).

    Ist Gott für mich, so trete
    gleich alles wider mich!
    Sooft ich ruf’ und bete,
    weicht alles hinter sich.
    Hab’ ich das Haupt zum Freunde
    und bin geliebt bei Gott,
    was kann mir tun der Feinde
    und Widersacher Rott?

10. Das All als Geschenk

Vers 32: “Er wird uns mit Ihm das All schenken” (die Elberfelder Bibel sagt “alles”, im Griechischen steht: ta panta). Welch ein Trost für alle, die ihr ganzes Leben als “arme Schlucker” leben müssen, die aus ihren vier Wänden und aus ihrer Heimatstadt nicht herauskommen, die nur mit dem Bus fahren, die noch nie in einem Flugzeug gesessen haben: Den Gliedern Seines Leibes wird Christus nicht nur einmal das ganze Weltall zeigen, sondern Er wird es ihnen schenken, sie werden es besitzen. Wollen wir da noch mit irgendeinem Großen dieser Welt tauschen, dessen Reichtum von den Motten gefressen wird und der nichts mitnehmen kann, wenn er stirbt? Unser Reichtum in Christo ist unvergänglich und unermeßlich. Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, ja was nicht einmal in eines Menschen Sinn gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die Ihn lieben.

11. Christus unser Anwalt

Vers 34: “Er verwendet sich für uns.” Christus ist der beste Rechtsanwalt, den es gibt. In Ihm haben wir einen gerechten Fürsprecher, denn Er sieht uns ins Herz. Er verwendet sich für die Seinen beim Vater, wenn ihr größter Feind, Satan, als Verkläger auftritt. Und je weniger Zeit Satan hat, desto wütender sind seine Beschuldigungen der Gläubigen. Er versucht mit allen Mitteln der Lüge und Verdrehung Christus so viele Glieder wie nur möglich zu entreißen. Aber unser Anwalt ist mächtiger. Am Ende werden diejenigen, die Satan heute noch verklagt, ihn selbst unter ihren Füßen haben.

Wir kommen zur letzten, aber auch schönsten Verheißung:

12. Keine Gewalt vermag uns von der Liebe Christi zu scheiden

Vers 35-39: “Nichts vermag uns zu scheiden von der Liebe Christi.” Sieben Dinge führt Paulus auf: Weder Drangsal, noch Angst, noch Verfolgung, Hungersnot, Blöße, Gefahr und Schwert vermag uns von der Liebe Christi zu scheiden. Aber damit nicht genug: Paulus nennt noch weitere zehn Mächte und Kräfte, die nach seiner felsenfesten Überzeugung uns nicht zu scheiden vermögen werden von der Liebe Gottes (bitte beachten wir den feinen Unterschied: Liebe Christi und Liebe Gottes!): weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf. Gibt es da im weiten Weltall noch irgend etwas, das uns vielleicht doch noch schaden könnte? Nein, nichts und niemanden! Nicht einmal Tod und Scheol können diejenigen, die in Christo sind, von der Liebe Gottes scheiden. Das soll der Trost für die Älteren sein, die der Herr vielleicht doch noch vor Seiner baldigen Wiederkunft abrufen wird: Wir sind für alle Zeit und Ewigkeit von der Liebe Gottes umgeben. Unser Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werden auch wir mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit!

“Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!” (2. Kor. 5, 17).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit; 4/1977; Paulus-Verlag; Heilbronn)

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wichtige Hinweise:
1.) Eingereichte Leser-Kommentare geben nicht zwangsweise die geistliche Sicht und Meinung des Betreibers dieser Website wider.
2.) Der Betreiber hält sich vor, dem Wesen und Anliegen dieser Website zuwiderlaufende Kommentare nicht freizugeben resp. zu löschen. Dies geschieht selbstverständlich auf jeden Fall bei Kommentaren mit antichristlichen, beleidigenden, obszönen oder anderweitig gegen die guten Sitten oder den christlichen Geist verstoßenden Inhalten. Eine kritische und/oder kontroverse Haltung zu einem der hier verfügbaren Artikel und Texte ist dagegen keineswegs Grund für eine Nichtfreigabe, solange diese sachlich erfolgt und begründet wird.
3.) Bitte erwarten Sie nicht, dass der Betreiber dieser Website generell auf jeden abgegebenen Leser-Kommentar eingeht.
4.) Gelegentlich landen Kommentare auch ohne Spam-verdächtigem Inhalt im Moderationsordner. Woran das liegt, wissen wir nicht. Erstkommentatoren gehen generell über die Moderation. In diesen Fällen bitten wir um Nachsicht und ein wenig Geduld. Ihr Kommentar wird schnellstmöglich freigeschaltet.
5.) Wenn Sie ggf. einzusetzende Links nicht über das Quicktag/den Button "link" einbinden, bitte die URLs vorher bei short4u.de oder tinyurl.com kürzen!


468 Artikel online •
7 Besucher online