Wunder der Verwandlung
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte, Lehre, Verwandlung & Erstattung | 604 x gelesenUralt und tief in die Herzen eingewurzelt ist die Sehnsucht der Menschheit, sich aus dem Staub und Elend der Erde in das Licht einer höheren, wesenhaften Welt zu erheben, die immer unhaltbarer werdenden Zustände neu zu gestalten oder, bildlich gesprochen, Steine in Gold zu verwandeln. Sie trägt eine selig-unselige Rückerinnerung an die Freuden und Wonnen des Paradieses unbewußt in sich und erahnt und ersehnt etwas von den großen Gottesverheißungen, die der gequälten Schöpfung gegeben sind.
Lesen wir doch von mancherlei Wandlungen, die der Vater der Liebe zustande bringt. “Gott wandelt Fluch in Segen”, sagen uns 5. Mose 23, 5 und Neh. 13, 2. Kann Er das nicht auch bei uns im Vollumfang tun? Vermag der Herr in der scheinbaren Ausweglosigkeit unsres enttäuschten und müden Lebens das nicht wahr zu machen, was Er einst an Seinem Volk Israel bei seinem Auszug aus Ägypten als Vorbild auf uns tat: “Er wandelte das Meer in trockenes Land, sie gingen zu Fuß durch den Strom; da freuten wir uns in Ihm” (Ps. 66, 6)? Warum sollte nicht auch über uns und alle der Geist Gottes geraten, so daß wir, wie einst Saul, in völlig andre Menschen verwandelt werden (1. Sam. 10, 6)? Weshalb sollten nicht auch wir, ja die ganze gequälte Menschheit und die gesamte Schöpfung gleich den Juden zur Zeit des Ahasveros Ruhe erlangen vor allen Feinden, so daß sich jeder Kummer in Freude und alle Trauer in einen Festtag verwandelt (Esther 9, 22)?
Alle diese Verwandlungen sind “Wunder”, d. h. sie entsprechen nicht den täglichen Erfahrungen und den kontrollierten und anerkannten “Wissenschaftlichen Tatsachen”. Und doch sind sie Wirklichkeiten, weit wesenhaftere Wirklichkeiten als all das, was die kleinen, armseligen, für Gott und Sein Wort blinden Menschlein mit ihrem verfinsterten Verstand begreifen und darum huldvoll bejahen und gelten lassen.
Es gibt tatsächlich Wunder der Verwandlung. Von ihnen wollen wir einige betrachten und uns fragen, ob und wieweit wir in diesem köstlichen Prozeß der Umgestaltung und Erneuerung persönlich stehen.
1. Die Notwendigkeit der Verwandlung
“Wir müssen alle verwandelt werden”, sagt Gottes Wort. “So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben”, murrt die Welt. Solcherlei Äußerungen hörte man schon vor dem ersten Weltkrieg, erst recht von 1914-1918 und danach in der Revolutions- und Inflationszeit. So klang es vor und nach 1933, und besonders stark ertönte dieser Notschrei in den Kriegsjahren und nach dem Zusammenbruch, bis hinein in unsre notvollen Tage. ja, es muß eine Änderung, eine Umgestaltung auf allen Gebieten des Lebens geben. Das sagt auch Gottes Wort, und daraus ersehen wir die Notwendigkeit der Verwandlung.
“Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben (1. Kor. 15). Das Gesetz der Sünde hat alles dermaßen gefangen und gefesselt, entwertet und verdorben, daß jeder, der in das Wesen der Welt wirklich hineinschauen lernt, tief erschüttert ist. Die Bosheit der Menschen zu erfahren, bleibt uns nicht erspart. Und das nicht nur hinsichtlich andrer, sondern gerade im Blick auf uns selbst. Wir sind tief überzeugt von der Notwendigkeit einer totalen, d. h. alle Lebensgebiete umfassenden, und radikalen, d.h. bis in die tiefsten, geheimsten Wurzeln reichenden Lebenserneuerung. Allmählich geht diese Erkenntnis wohl den meisten Menschen auf, und davon will und wird Gott auch Seine gesamte Schöpfung überführen.
Es hat wenig Zweck, darzulegen, wie schlecht die Welt ist. Das wissen wir. Gottes Wort und Geist enthüllen uns die eigne und allgemeine Bosheit und Verdorbenheit sehr gründlich. Eine Umwandlung der Welt und der Menschen ist dringend nötig, wenn nicht alles in einem unsagbaren Fäulnisprozeß und Bankrott untergehen und sich auflösen soll.
2. Die Möglichkeit der Verwandlung
Eine Erneuerung der Welt ist nötig. Das sahen wir. Ob sie aber auch möglich ist, das ist für viele mehr als fraglich. Die Botschaft des Evangeliums sagt: ja, sie ist möglich! Die lebenserneuernden Kräfte der Liebe Gottes, des Blutes und Geistes Christi, von denen so viel geredet und so wenig erfahren wird, erleben wir auf einem ganz einfachen Weg. Diesen Weg finden wir in Eph. 5, 13 gezeigt: “Alles, was bloßgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht.” Oder: “Alles, was offenbar gemacht wird, das ist Licht.”
Die Möglichkeit der totalen und radikalen Erneuerung unsres Lebens besteht darin, daß wir einmal alles Finsterniswesen vor Gott ins Licht bringen. Wo etwas Verborgenes, Quälendes, Belastendes in Buße und Beugung vor Gott ausgebreitet wird, da setzt eine Erneuerung, eine Umgestaltung ein. Das ist eine köstliche, beseligende Wahrheit. Jeder von Gott berufene und beglaubigte Diener am Evangelium darf immer und immer wieder erfahren, daß Menschen aus Not und Nacht, aus Angst und Schuldbelastung zum lebendigen Glauben durchbrechen und daß da, wo man sein Finsterniswesen preisgibt und ins Licht Gottes stellt, ein wunderbarer Heilungsprozeß beginnt, der den ganzen Menschen bis in die letzten verborgenen Tiefen ergreift.
Wenn wir als Gemeinde einmal in den kommenden Äonen diese Botschaft und diese Lebenskräfte in die Finsternisabgründe hineintragen sollen, wenn wir gefangenen Wesen und Welten das Licht der Erlösung vermitteln dürfen, dann ist eine Grundvoraussetzung die, daß wir alles, was Schuld und Qual in unserm Leben ist, unserm Gott darbringen und so selber zuerst eine gründliche und völlige Verwandlung erleben. Nicht nur unsre Sünde, sondern alles, was uns belastet, ängstet und bedrängt, dürfen wir unserm Herrn enthüllen. Dann wird immer wieder Seine heilige Freude in uns aufbrechen und jede Furcht austreiben, wie geschrieben steht, daß die vollkommene Liebe die Furcht austreibt (1. Joh. 4, 18).
Völlige Erneuerung findet nur dann statt, wenn alles Ungöttliche aufgedeckt und herausgegeben wird. Dann nur wird es im Herzen und Leben licht. Wie groß ist bei vielen die Gefahr, daß sie zu großen Wert auf religiöses Wissen (das noch lange keine göttliche Erkenntnis im Sinne der Schrift ist!) legen und sich, wie einst die heidnischen Gnostiker und Mystiker, auf verschiedene Weise in einen Rauschzustand versetzen, um in die Gottheit einzugehen. Die gottgemäße Verwandlung der Welt beginnt in deinem und meinem Herzen und vollzieht sich dadurch, daß wir unsre Schuld und Sünde vor Gott bloßstellen und dadurch erst wirklich befähigt werden, Sein Heil und Seine Herrlichkeit wesenhaft im Glaubensgehorsam zu ergreifen.
3. Die Art und Weise der Verwandlung
“Wir alle, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist” (2. Kor. 3, 18). In diesem überaus wichtigen Zeugnis begegnen wir dreimal dem Wort Herrlichkeit. Die biblische Lehre von der doxa Gottes und Christi ist etwas Zentrales, Wesenhaftes; und wenn man die Briefe des Apostels Paulus liest, so hat man den Eindruck, daß ihm die menschlichen Sprachgefäße kaum genügen, um die Glorie des Vaters und des Sohnes geziemend darzulegen.
Der Feind hat das Ziel, die Herrlichkeit des Christus zu verdunkeln. Er versucht, Gott und Seinen Sohn als unfähig und ohnmächtig hinzustellen, und er möchte den Lichtglanz göttlicher Liebesmacht und Glorie leugnen oder doch verkleinern. Viele glauben in scheinbarer Demut, ihr Angesicht vor Gottes Herrlichkeit verhüllen zu sollen, wie es die Engel tun. Es steht aber geschrieben, daß wir mit aufgedecktem oder enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen sollen. Ohne Zweifel betrachten wir immer wieder die Niedrigkeit Jesu, Seine Lammesart, Sein Schweigen, Sein Herabsteigen bis zum Tod am Kreuz, — aber unsre Umgestaltung, unser Fertigwerden für Ihn geschieht nach unserm Korinther-Zeugnis nicht in erster Linie durch das Anschauen Seiner Niedrigkeit (auch diese ist nach Joh. 1, 14 Herrlichkeit!), sondern Seiner überirdischen Glorie als erhöhtes Haupt über alles.
Unsre Verwandlung in Christi Herrlichkeit ist allein Gottes Werk. Und dennoch vollzieht sie sich nicht ohne unser Zutun. Wir müssen den Herrn anschauen. Dieses Anschauen bedeutet, daß wir Ihn mit allen Sinnen des Geistes und der Seele in uns aufnehmen.
Was muß ich also tun, um herauszukommen aus Angst und Druck und Sorge, aus Gleichgültigkeit und Gereiztheit, aus Ichsucht und Neid, die sich selbst in den Kreisen der Gläubigen immer wieder breitzumachen suchen? Nur eines hilft, hilft aber auch wirklich: anbetendes Versenken in Christus und völlige Hingabe an den Herrn der Herrlichkeit. Dieses Anschauen und das damit verbundene Verwandeltwerden ist demnach Gottes Werk und Menschenwerk; die Wahrheit liegt nicht etwa in der Mitte, daß der Herr etwas täte und der Mensch den Rest, — beides ist ungeteilt der Fall: alles ist von Gott, und doch gehört der ganze Mensch dazu!
Römer 12, 2 ermahnt uns: “Seid nicht gleichförmig (wörtlich: in einem Schema) mit der Welt (diesem Äon oder Zeitlauf), sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen möget, welches der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.” Wenn wir aufgefordert werden, verwandelt zu werden, so geht schon daraus hervor, daß unsre Umgestaltung nicht ohne und gegen unsern Willen geschieht, sondern daß wir ganz “dabei sein” müssen! Wie aber können und sollen wir diese innere Verwandlung erfahren? Was müssen wir tun, um ihrer teilhaftig zu werden? Es gilt, die paulinische Mahnung zu verstehen, “inbrünstig im Geist” zu werden (Römer 12, 11), also nicht mehr das Fleischliche und Seelische über uns herrschen zu lassen, sondern dem Geist Gottes und Christi Raum und Herrschaft in uns zu gewähren. Nur so kommt man von dem Zwang der Grobstofflichkeit dieser Welt, vom Gesetz der Sünde und dem Betrug des Feindes los. In der Sphäre der Erdgebundenheit werden unsre Herzen niemals glücklich. Wesenhafte Erlösung finden wir nur dann, wenn wir in Gottes ureigenstes Sein, in Seine Heils- und Rettungsgedanken hineinwachsen. Dann vermögen wir auch zu prüfen, was Sein Wille ist.
Dieser Wille ist nach unserm Wort dreifach gegliedert. Da ist zunächst die Rede von dem guten Willen Gottes. Als Gott den Menschen schuf, war er “sehr gut”. Gut bedeutet nach dem Urtext: zweckentsprechend und fähig, das zu leisten, wozu etwas oder jemand bestimmt ist und was man darum von ihm erwarten kann. Dieser gute Gotteswille war in Adam personifiziert.
Adam war gut, sogar sehr gut, aber Gott hatte kein Wohlgefallen an ihm! Darum ist das zweite: der wohlgefällige Gotteswille. Woran hatte der Vater Wohlgefallen? An Seinem geliebten Sohn, an Jesus! Das bezeugt Er dreimal vom Himmel her. Der Herr stieg von der Herrlichkeit des Vaters, aus der Sphäre der doxa hernieder, um Sich als Schuldopfer für die Schöpfung hinzugeben. Daran hatte der Vater Wohlgefallen. So ist Jesus das fleischgewordene Wohlgefallen des Willens Gottes.
Darüber hinaus gibt es aber noch eine dritte Art des Gotteswillens. Wenn dieser vor uns aufleuchtet, so erfüllt uns heilige Freude und Anbetung. Es ist der vollkommene oder zielstrebige Wille Gottes. Der Vater kommt zum Ziel durch Seinen Christus, der aus Haupt und Gliedern besteht, durch den “vollkommenen Mann”, zu dem wir nach Eph. 4,13 alle hingelangen sollen. Das Haupt und Seine Glieder, der glorifizierte, zur Herrlichkeit gebrachte Gottessohn, entspricht in Seiner Einheit dem vollkommenen Gotteswillen.
Wir sollen prüfen, was der gute (Adam), der wohlgefällige (der Herr Jesus) und der zielstrebige oder vollkommene (Haupt und Glieder des Christus) Wille Gottes sei. Dadurch werden wir verwandelt. Dieses Prüfen ist sowohl der Weg zur Umgestaltung als auch die Folge unsrer inneren Verwandlung. Je besser wir Gott kennen und lieben lernen, um so zielstrebiger kann uns Sein Geist verwandeln in Christi Bild und Art; und je mehr wir in das Wesen des Sohnes Gottes hineinwachsen, um so besser verstehen wir Gott und um so inniger wird unsre Gemeinschaft mit Ihm.
4. Die Verwandlung unsres Leibes
Die gläubige Gemeinde schaut voll Sehnsucht nach dem Augenblick aus, da unser Leib der Niedrigkeit nicht mehr der Armseligkeit und Schwachheit, der Krankheit und dem Tod unterworfen sein wird, sondern als Körper der Herrlichkeit ersteht. Das ist die Verwandlung, auf die wir warten, mit der wir uns viel mehr beschäftigen sollten. Dieser Ausblick sollte unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen viel stärker gestalten, als das gemeinhin der Fall ist.
Phil. 3, 21 lehrt, daß der Herr unsern Leib der Niedrigkeit verwandeln wird in die Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit, entsprechend der Wirksamkeit der Kraft, mit der Er auch das All sich gehorsam zu machen vermag. Dieses Ziel wird Gott erreichen; Seine Kraft, die sich sowohl als Stärke und Heiligkeit wie auch als Liebe und Gnade offenbart, genügt völlig. “Er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen”, lesen wir in Römer 8, 11.
Unser Körper mit seinen vielen demütigenden Funktionen, dieser Leib der Schwachheit, der Krankheit und des Todes, gerät in einen solchen Verwandlungsprozeß, daß eine Gleichförmigkeit mit dem Auferstehungs- und Herrlichkeitskörper Christi erreicht wird. Fürwahr, dieses Leibesleben auf Erden ist etwas rasch Vorübergebendes! Unser wirklicher, bleibender Körper wird einmal so klar und leuchtend sein wie der des Herrn! Er zerfällt und verdirbt nicht mehr, er wird nicht mehr elend noch von den armseligen Dingen dieser Welt beherrscht sein, — er wird in jeder Beziehung christusgleich sein!
Was unsre Vorfahren an Erbsünde in sich trugen, rollt auch in unserm Blute. Bedenken wir doch, daß sogar im Stammbaum Christi, des einzig völlig Reinen, eine Hure Rahab, eine Ehebrecherin Bathseba und eine Blutschänderin Tamar waren, obgleich sich das in dem heiligen Blut Jesu nicht auswirkte. Der Herr ist eben von Gottes Geist gezeugt, während wir aus gefallenem, verderbtem Menschensamen gezeugt sind. Unser Blut ist Träger aller Sündenanlagen. Waren unsre Vorfahren etwa besser und edler als die des Herrn Jesu? Wie beseligend und tröstlich ist es doch, zu wissen, daß unser sündenvergifteter Leib total und radikal erneuert wird!
Das leuchtende Hochziel, das wir immer anschauen sollten, ist die Entrückung der Gemeinde Christi. Sie vollzieht sich in einem Augenblick. Davon lesen wir in 1. Kor. 15, 51-53: “Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird Er, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen.”
In dem Leben, das wir hier auf Erden im Fleische führen, hängen fast alle Probleme und Sorgen, oberflächlich geschaut, mit unserm sterblichen Leibe zusammen. Denken wir nur an die Heimatlosen und Flüchtlinge des letzten Krieges! Welch eine erschütternde Rolle spielten da Wohnungsnot, Berufsnot, Lebensmittelnot, Liebesnot usw. In dem Augenblick aber, da wir den gleichen Leib wie Christus haben, ist das alles ganz anders. Unser äußeres Leibesleben, das letztlich ja nur ein Verbrennen und Verfaulen ist, ist dann vorbei; wir sind verwandelt, in Gottes Herrlichkeit verklärt und beseligt. Doch wird der Klarheitsgrad unsres äußeren Erneuertseins genau dem unsres inneren Erneuertseins entsprechen. Durch unsre Treue und Sterbensbereitschaft, unser Sich-demütigen und Eingehen auf Gottes Wege bestimmen wir, menschlich gesprochen, den Grad des Lichtglanzes unsres zukünftigen Herrlichkeitsleibes. Denn unsre Auferstehungskörper unterscheiden sich wie Stern von Stern an Herrlichkeit. Unser Leib wird einmal so schön und strahlend sein, als wir jetzt bereit und gewillt sind, uns Gott zu erschließen und Ihm hinzugeben. Das ist ein unabänderliches Gesetz des Geistes.
In wuchtigen Worten spricht Dan. 12, 2.3 von diesen Gesetzen der Auferstehung. “Viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.” Das ist ein ernstes Zeugnis. Gibt es denn, so möchte man fragen, Mittel und Möglichkeiten, durch deren Gebrauch wir mithelfen können am Lichtsbau des künftigen Auferstehungsleibes? Ja! Jedes Gebet ist ein Atmen des inwendigen Menschen; jedes Lesen und Hören des Wortes ist ein Essen heiligen Lebensbrotes; jedes Abendmahl, das wir im Glauben nehmen, ist ein inneres Nähren und Vollendenhelfen des Auferstehungsleibes; jeder Segen, den wir empfangen oder mit oder ohne Handauflegung vermitteln, ist eine wesentliche Mitteilung von Gottes Lichts- und Liebeskräften. Das alles sind köstliche Tatsachen, von denen leider viele Gläubige nichts wissen und die sie deshalb auch nicht üben und pflegen.
Bewirken können wir unsre Auferstehungsherrlichkeit nie und nimmer; das ist ganz allein Gottes Sache. Aber wir können uns Gott erschließen oder verschließen, d.h. zu Gott “ja” und zum Fleische “nein” sagen. Die unerretteten Menschen machen es meist umgekehrt: sie sagen “ja” zu den Lüsten und Begierden ihres Fleisches und “nein” zu der mahnenden, werbenden Stimme Gottes. Wie einfach ist doch das Geheimnis unsrer inneren Umgestaltung und Vollendung!
5. Die Verwandlung Israels
Das Volk, das als erstes in seiner Gesamtheit eine Umgestaltung erfahren wird, ist Israel, Gottes erstgeborener Sohn unter den Nationen der Erde (2. Mose 4, 22). Den natürlichen Ursprung Israels beschreibt Gott selbst in Hes. 16, 3-14: “So spricht der Herr: Dein Ursprung und deine Abstammung ist aus dem Lande der Kanaaniter; dein Vater war ein Amoriter und deine Mutter eine Hethiterin. An dem Tage, da du geboren wurdest, wurde dein Nabel nicht abgeschnitten und du wurdest nicht in Wasser gebadet zur Reinigung und nicht mit Salz abgerieben und nicht in Windeln gewickelt. Kein Auge blickte mitleidig auf dich hin, um dir eines dieser Dinge zu tun und sich deiner zu erbarmen; du wurdest auf das freie Feld geworfen vor Abscheu an deinem Leben, an dem Tage, da du geboren wurdest. Da ging Ich vorüber und sah dich zappeln in deinem Blute; und Ich sprach zu dir: In deinem Blute lebe! … Und Ich schwur dir und trat in einen Bund mit dir und du wurdest Mein. Und Ich badete dich in Wasser und spülte dein Blut von dir ab und salbte dich mit Öl. Und Ich bekleidete dich und du warst überaus schön und gelangtest zum Königtum. Und dein Ruf ging aus unter die Nationen wegen deiner Schönheit, denn sie war vollkommen durch Meine Herrlichkeit, die Ich auf dich gelegt hatte.”
Israels Versagen und Untreue werden als Hurerei seinem rechtmäßigen Ehemann, dem Herrn, gegenüber geschildert. Man lese die folgenden Verse 15-38! “Wie schmachtend ist dein Herz!” ruft Gott in ergreifendem Mitgefühl aus. Nicht nur tadelt Er die oft auch ganz wörtlich zu nehmende Unzucht bei den Götzenfesten der Heiden, an denen sich Israel beteiligte, Er sieht in das Innere Seines geliebten Volkes und empfindet dessen ungestilltes Weh. Welch ein wunderbarer Gott!
Auch in unserm Kapitel Hes. 16 sind ernste und schwere Gerichtsandrohungen enthalten, wie wir so viele in den heiligen Büchern Alten und Neuen Testaments finden. Lesen wir die Verse 39-43: “Ich werde dich in die Hand der Nationen geben, damit sie deine Gewölbe zerstören und deine Höhen niederreißen, dir deine Kleider ausziehen und deine prächtigen Geschmeide nehmen und dich nackt und bloß liegen lassen. Und sie werden eine Versammlung wider dich heraufführen und dich steinigen und werden dich mit ihren Schwertern durchbohren. Und sie werden deine Häuser mit Feuer verbrennen und Gerichte an dir üben vor den Augen vieler Weiber. Und so werde Ich dich aufhören lassen, eine Hure zu sein, und du wirst auch keinen Lohn mehr geben. Und Ich werde Meinen Grimm an dir stillen. Weil du nicht gedacht hast an die Tage deiner Jugend und Mich durch alles dieses gereizt hast, siehe, so habe auch Ich deinen Weg auf deinen Kopf gebracht, spricht der Herr.”
Weil nun gewissermaßen die natürliche Geburt Israels ein Fehlschlag war, muß das Volk göttlicher Wahl eine Wiedergeburt, eine Geburt von oben her erfahren. Auch davon reden die Schriften des Alten und Neuen Testamentes oft und ausführlich. Das Wunderbare an dieser Sache ist, daß sich die Erneuerung und Verwandlung Israels plötzlich vollzieht! Nicht eine Evolution, eine langsame, natürliche Entwicklung, sondern eine heilige Revolution, ein unerwarteter Durchbruch himmlischer Kräfte, kennzeichnet die Errettung Israels. Lesen wir nur etwa Jes. 66, 8.9, wo Gott fragt: “Kann ein Land an einem Tage zur Welt gebracht oder eine Nation mit einem Male geboren werden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren. Sollte Ich zum Durchbruch bringen und nicht gebären lassen? spricht der Herr; oder sollte Ich, der gebären läßt, verschließen? spricht dein Gott.” Der rasche, geradezu plötzliche Wandel von Trauer in Freude wird in den nächstfolgenden herzbewegenden Versen 10-14a beschrieben.
Jes. 35 schildert die Wandlung des unter Fluch und Gericht stehenden Volkes Israel, die sich beim Übergang von der Drangsalszeit zur tausendjährigen, messianischen Friedenszeit vollzieht. Lesen wir nur einige Verse dieses köstlichen Hoheliedes zukünftiger Königsherrlichkeit Jesu Christi und Seines Eigentumsvolkes: “Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse. Sie wird in voller Blüte stehen und frohlocken, ja, frohlockend und jubelnd; die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht des Karmel und Sarons: sehen werden sie die Herrlichkeit des Herrn und die Pracht unsres Gottes. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge des Stummen. Die Erlösten werden (auf dem Hochweg) wandeln. Und die Losgekauften des Herrn werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; sie werden Wonne und Freude erlangen, und Kummer und Seufzen werden entfliehen.”
Das Volk der Wahl läuft auf der Linie irdischer Segnung, es wird dereinst ein Volk von Königspriestern werden, wie es die Erde noch nie gesehen hat. Israel, das so lange ein Anstoß und ein Fluch für die Nationen war, wird ein Segen sein für die ganze Erde, so daß sich das Herrenwort, daß das Heil aus den Juden kommt, in ungeahntem Vollumfang erfüllen wird. Es wird das Volk zum Besitztum, d.h. das Schatzvolk Gottes sein, der kostbare Schatz im Acker der Nationenwelt.
Aus den köstlichen Zeugnissen, die von der Wiederherstellung Israels reden, seien noch einige Zusammenhänge aus Jer. 29-31 angeführt. Sie sind deshalb so wertvoll und wohltuend, weil sie, in persönlich-erbaulichem Sinne gesehen, auch uns, der Gemeinde des Leibes Christi, auf unserm Sterbens- und Werdeweg auf Erden so viel Licht und Kraft vermitteln. Jer. 29, 11-14: “Ich weiß ja die Gedanken, die Ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Ausgang und Hoffnung zu gewähren. Und ihr werdet Mich anrufen und hingehen und zu Mir beten, und Ich werde auf euch hören. Und ihr werdet Mich suchen und finden, denn ihr werdet nach Mir fragen mit eurem ganzen Herzen, und Ich werde Mich von euch finden lassen, spricht der Herr. Und Ich werde eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Nationen und aus allen Orten, wohin Ich euch vertrieben habe, spricht der Herr, und Ich werde euch an den Ort zurückbringen, von wo Ich euch weggeführt habe.” Gibt es eine Sprache, die inniger zum Herzen redete und zugleich großartigere politische Programme aufwiese als solche Worte? Hier enthüllt Gott nicht nur Seine Gedanken, sondern Sein ganzes Sein und Wesen und läßt uns etwas von dem Pulsschlag Seiner Liebe spüren. Wer aber diese Verheißungen einmal auf sich anwenden lernte in großer äußerer Not und innerer Zerrissenheit, der begreift auch, was sie für Israel bedeuten und erst recht einmal bedeuten werden am Tage seiner Zurechtbringung. Uns waren einmal diese Worte vor Jahrzehnten ein unaussprechliches Labsal in einem Kriegsgefangenen-Hungerlager, und wir erlebten damals etwas von der wunderbaren Lichtskraft und Liebesdynamik, die den Aussprüchen aus Gottes Munde innewohnt und von denen erfaßt und erfahren wird, die zerbrochenen Geistes und gedemütigten Herzens davon und darin leben.
Die Zurechtbringung Israels ist ebensowenig wie unsre Vollendung — obwohl grundsätzlich Israel durch Gerichte, wir aber durch Gnade errettet werden (Eph. 2, 5) — ein lieblicher Vorgang, der unser Fleisch schont; nein, es geht durch tiefe Ängste und Selbstgerichte. Darum ist mit der Botschaft der Verwandlung des Volkes der Wahl, mit köstlichen Schilderungen der Wohltaten und Erquickungen des tausendjährigen Friedensreiches immer wieder die Kunde der Drangsalszeit verknüpft, wie ja auch die paulinischen Füllebriefe, die das Letzte und Höchste künden, was es an Heilserweisen Gottes gibt, uns immer wieder zum bewußten Bleiben im Gestorbensein mit Christo ermahnen. Wer diese beiden Seiten nicht sieht oder sehen will, betrügt sich selbst!
In Jer. 31, 4 nennt der Herr Sein abgefallenes Volk, das Er so oft “Witwe” und “Hure” nannte, “Jungfrau Israel”. Nur wer einen Blick hat für die Drohungen und Segensverheißungen Gottes, weiß, was das bedeutet. Darum steht auch in diesem Zusammenhang die köstliche Zusage vom Schmuck der Tamburine und dem Reigen der Tanzenden. Die Frühgeschichte Israels, sein Auszug aus Ägypten, wiederholt sich am Ende dieses Zeitalters in gesteigerter Fülle. Dann erst erreicht der in der Wüste schmählich zu Ende gegangene Heimzug derer, die aus Ägypten von Gottes starkem Arm aus der Knechtschaft geführt worden waren, das Ziel Zion (Vers 6). Jubel, Jauchzen und Lobgesang brechen dann in unvorstellbarem Maße über Israel aus, das nicht mehr “Schwanz”, sondern “Haupt der Nationen” sein wird (Vers 7). Das oft genannte “Land des Nordens” (von Israel aus gesehen), das “äußerste Ende der Erde”, wird das aus Weinenden, Blinden und Lahmen bestehende Volk herausgeben müssen (Jer. 31, 8.9).
Heute erleben wir die einleitenden, erschütternden Geburtswehen, die der Verwandlung Israels zum Segensträger und Heilsvermittler der Erde vorangehen. Möchten wir mit erleuchteten Augen des Herzens all das sehen lernen, was auf die Wiederherstellung des Volkes der Wahl hindeutet! –
6. Die Verwandlung der Völker
Nicht nur die Gemeinde und Israel werden einmal das Wunder der Umwandlung erleben: auch alle Nationen dürfen dereinst eine völlige Erneuerung erfahren. Wir wollen, statt auf das menschliche Für und Wider zu hören, auf das achten, was Gott selbst in Seinen heiligen Urkunden darüber sagt. Aus der Fülle biblischer Zeugnisse schlagen wir eines nach, das uns deutlich die Umwandlung der Völker bezeugt.
In Zeph. 3, 8.9 steht geschrieben: “Harret auf Mich, spricht der Herr, auf den Tag, da Ich Mich aufmache zur Beute! Denn Mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um Meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut Meines Zornes, denn durch das Feuer Meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden. Denn alsdann werde Ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen des Herrn anrufen und Ihm einmütig dienen.”
Das ist ein gar gewaltiges Wort. Gott fordert die Nationen auf, zu harren, Ausschau zu halten auf den Gerichtstag Seiner Beute. In früheren Zeiten war die Beute, die man einem geschlagenen Feind abnahm, das rechtliche, unantastbare Eigentum des Siegers. So wird der Herr im gesamten Weltgeschehen zuletzt Sieger sein, der den “Starken”, d. i. Satan, binden und seinen gesamten Hausrat, d.h. alles, was der Feind gefangen und gefesselt hält, erbeuten und in die Freiheit führen wird (vgl. Matth. 12, 25-29).
Der Weg bis dahin ist aber ein mühsamer, schmerzlicher Pfad der Gerichte über Menschen und Engel. Das wird etwas sein, wenn Gott Seinen Grimm, “die ganze Glut Seines Zornes” über die empörerischen Nationen ausgießen wird! Denn dieser Feuerprozeß gewinnt einen solchen Umfang, daß die ganze Erde davon verzehrt werden wird.
Nun müßte nichts mehr übrig sein von der Erde und allen ihren Völkern. Alles müßte ausgelöscht sein und gänzlich aufhören zu existieren. Aber das gerade Gegenteil ist der Fall! Die Nationen sind nicht nur auf wunderbare Art und Weise erhalten geblieben, bzw. wiederhergestellt worden, sondern ihre Lippen werden gereinigt und verwandelt, damit sie alle den Namen des Herrn anrufen und Ihm einmütig dienen. Wer aber den Namen des Herrn anruft, wird errettet!
Welch ein Wandel und Wechsel, wenn einst die Nationen, die gegen Gott und Seinen Christus tobten (Ps. 2, 1.2), die die göttlichen Bande der Ordnung und die heiligen Seile der Liebe zu zerreißen suchten (Vers 3), Ihm nun einmütig dienen! Die Völker, die einst, von höllischem Haß entzündet, nicht nur gegen Gott, sondern auch gegeneinander wüteten und tobten, sich gegenseitig quälten und verdammten, stehen nun “einmütig” im Dienst der Anbetung des Herrn. Welch eine wunderbare Verwandlung!
Wieviel Gerichtsprozesse muß aber die Erde, müssen die Nationen, muß jeder einzelne durchlaufen, bis sich diese wesenhafte Erneuerung vollzogen haben wird! Wir wagen kaum, die Zielerreichung dieses herrlichen Zustandes zu fassen. Aber Gott, der nicht lügen kann, hat solches versprochen und zugesagt, und daran hält der Glaube getrost und zuversichtlich fest.
7. Die Verwandlung von Erde und Himmel
Zusammen mit den Völkern wird auch das Antlitz der Erde verwandelt werden. Dann werden die Einöden und Wüsten unsrer Kontinente zu Paradiesesgärten gestaltet. Dort, wo jetzt Dornen und Brennesseln wachsen, gedeihen dann in üppiger Fülle Trauben und Oliven und köstliches Obst aller Art, so daß die Nationen überreich beseligt davon leben werden und es keinen quälenden Mangel mehr gibt. Das Alter der Menschen wird hinaufschnellen, und Kraft und Freude, Wonne und Wohlergehen werden in ungeahntem Maße die Völker der Erde beglücken. Dann wird auf Erden endlich einmal Friede sein. Diese totale Erneuerung vollzieht sich aber nicht nur auf der Erde und unter den Nationen, sie ergreift auch die Himmel. Darüber lesen wir in 2. Petri 3, 10-13: “Es wird der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden. Des Tages Gottes wegen werden die Himmel, in Feuer geraten, aufgelöst, und die Elemente im Brande zerschmelzen. Wir erwarten aber nach Seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.”
Die Schrift kennt vier “Tage”: den “Tag des Menschen” oder den “Menschentag”; den “Tag Christi” oder den “Tag Jesu Christi”; den “Tag des Herrn” oder den “Herrentag” und den “Tag Gottes”. Heute leben wir am Tag des Menschen. Der Mensch darf herrschen und regieren. Was er fertigbringt, sehen wir nur allzu deutlich. Alle politischen Systeme haben versucht und versuchen noch, die Welt zu verbessern und die Nationen zu beglücken. Doch der gefallene Mensch offenbart nur seine vollkommene Unfähigkeit.
Der “Tag Christi (oder Jesu Christi)” ist der Freuden- und Ehrentag unsres Herrn und Hauptes, an dem Er Seine vollendete Gemeinde zuerst vor sich und dann vor den Vater stellt. Davon redet sonderlich Paulus des öfteren (1. Kor. 1, 8; 5, 5; 2. Kor. 1, 14; Phil. 1, 6.10; 2, 16; 2. Tim. 1, 12.18; 4, 8). Der “Tag des Herrn” bezieht sich auf die Erde und ihre Völker und ist zunächst ein Gerichtstag für Israel und die Nationen. Die Schrift redet breit und ausführlich von dieser “Letztzeit” oder “Zeit des Endes”, die den “Tag des Herrn” im weiteren Sinne, das tausendjährige messianische Friedensreich, einleitet.
Der “Tag Gottes” zielt, wie wir oben lasen, auf die Neugestaltung auch der Himmel. Das Ergebnis aller Gerichtsprozesse ist die in verschiedenen Stufen und Graden sich vollziehende, durch scheinbare Katastrophen und heilsnotwendige Gerichte unterbrochene bzw. beschleunigte Erneuerung des gesamten Alls.
Diese Erneuerung wird letztlich durch eine Neuzeugung herbeigeführt. Denn alles, was geschaffen, was mit Händen gemacht ist, zerbricht, verfault, verbrennt. Aber alles, was von Gott gezeugt und aus Gott geboren ist, ist dadurch Teilhaber Seines Wesens und bleibt bestehen. Unsre Not ist ja die, daß wir dem Geiste nach von Gott gezeugte und aus Gott geborene Wesen, dem Fleische nach jedoch Geschaffene sind, so daß zwei Naturen in uns nebeneinander wohnen. Es ist so ähnlich, wie wenn zwei grundverschieden geartete, in Herkunft, Bildung und Weltanschauung völlig entgegengesetzte Familien gemeinsam in einer Wohnung zu hausen gezwungen sind und nur eine gemeinsame Küche, einen gemeinsamen Keller usw. besitzen. Da ergeben sich viele Möglichkeiten, ja, geradezu Notwendigkeiten zu Spannungen und Reibereien. Wir sind alter und neuer Mensch zugleich. Wer aber regiert in dir und mir? Dieses Zusammenwohnen der beiden Naturen in einem Leibe ist unser Kampf, der erst dann endet, wenn der Herr uns zu sich nimmt und uns auch dem Leibe nach völlig erneuert. Bis dahin gilt es in täglichem Kampf des Glaubens das Fleisch im Tode zu halten und bewußt im Gehorsam des Geistes zu wandeln.
Paulus lehrt einmal in 1. Tim. 6, 13, daß Gott “alles ins Leben (Gottesleben) zeugt” (so wörtlich). Davon ist die Gemeinde erst der Anbruch. Der vollkommene, aus Haupt und Gliedern bestehende Christus wird das Leben Gottes liebend und zeugend weiter vermitteln. Israel wird einmal die Braut, das Weib sein, und der “vollkommene Mann” von Eph. 4, 13, der das Maß des vollen Wuchses der Christusfülle genannt wird, wird mit Israel neues Gottesleben zeugen.
Steht nicht in 1. Kor. 13, 12 geschrieben, daß wir einmal, wenn das Vollkommene gekommen sein wird, “erkennen” werden, und zwar in der Art, wie auch wir von Gott “erkannt” worden sind? Erkennen bedeutet aber nach der Schrift zutiefst immer Zeugung neuen Lebens aus überströmender Liebe.
Hier haben wir die letzte und eigentliche Lösung der Liebessehnsucht der ganzen Schöpfung. Das sind heilige und überaus köstliche Dinge, die die Welt nicht versteht; wir aber dürfen diese großen, beseligenden Gottesgedanken in demütiger Glaubensfreude erfassen und in den kommenden Äonen, wenn wir mit unserm verklärten Herrn und Haupt wesenhaft vereinigt sind, zum Heil der ganzen Schöpfung verwirklichen. Wir versuchten etwas darzulegen von dem, was Gottes Wort über Wunder der Verwandlung sagt. Gewaltiger und umfassender, reicher und beseligender als unser kühnstes Hoffen und inbrünstigstes Bitten ist das, was Gott verheißen hat, und auch, da Er ja nicht lügen kann, zu Seiner Zeit und auf Seine Art gewiß tun wird. Im Glauben dürfen wir das jetzt schon fassen und uns der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Möchten wir mit geöffneten Augen des Herzens immer klarer hineinschauen in die Überfülle der Heilsgedanken unsres Vaters der Liebe, auf daß wir lernen, würdig des Evangeliums zu wandeln und mit tiefer und heiliger Freude Seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten!
(Quelle: “Leben aus Glauben und Gnade”; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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