Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Wohnstätten Gottes im Himmel und auf Erden

Autor: Herbst, Gerhard  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes  |  746 x gelesen

»Gott wohnt in einem Licht, da niemand hinkommen kann« (1. Tim. 6, 16).
»Die Himmel und der Himmel Himmel können Ihn nicht fassen« (2. Chron. 2, 5).
»Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist« (Jes. 57, 15).

Unser Gott ist so groß, dass Ihn die Himmel nicht fassen können. »Er wohnt in einem unzugänglichen Licht, da kein Mensch hinkommen kann (dem kein Mensch nahekommen kann)« (1. Tim. 6, 16). »Er verbirgt den Anblick Seines Thrones und zieht eine Grenze dort, wo Licht und Finsternis zusammentrifft« (Hiob 26, 9.10).

So unermessen groß ist unser Gott und so unendlich fern ist die Wohnung unseres Gottes, dass kein Mensch jemals in der Lage wäre oder es wagen könnte, Ihm dort zu nahen. Gott hat den Menschen aber nicht in Seinem Bilde geschaffen, damit dieser für immer durch unendliche Fernen von Ihm getrennt sei, sondern um ihm Seine Liebe zu erweisen. Er will Seinen Geschöpfen nahe sein und von ihnen erfahren werden. Darum steigt Er in Seinem Sohn Jesus Christus herab, um bei den Menschen und auch in ihnen zu wohnen. Was mag es den Sohn Gottes gekostet haben, die unermessliche Herrlichkeit, die Er bei Seinem Vater in den Himmeln hatte, zu verlassen, um durch den engen Mutterschoß einer Frau hindurch Mensch auf dieser Erde zu werden und um Sein sündloses Leben am Kreuz auf Golgatha als Sühnung für die Sünden der Welt freiwillig dahinzugeben? Johannes spricht davon, dass »das Wort, der logos, Fleisch wurde und unter uns wohnte« (Joh. 1, 14). Eigentlich heißt es: Es zeltete unter uns, womit angedeutet wurde, dass es eine vorübergehende Wohnstatt war, die wieder abgebaut wurde.

Schon lange vor der Fleischwerdung des Sohnes Gottes hatte dieser sich für Seinen Geist eine Wohnstatt auf dieser Erde bereitet. Hierzu erwählte Er sich ein Volk aus allen Völkern und ein Land, in dem dieses Volk und auch Er selbst wohnen sollten. Mit Abram, dem Stammvater des jüdischen Volkes, schloss Er einen Bund und verhieß ihm, dass Er seinen Nachkommen das Land Israel zum ewigen Besitz geben werde. Als Mose die Israeliten aus der Gefangenschaft Ägyptens herausführte, in der sie zu einem Millionenvolk geworden waren, gab Gott ihnen am Horeb eine theokratische Verfassung. In diesem von Ihm auserwählten Volk wollte Gott sich eine Wohnung bereiten. Die Stiftshütte oder das Zelt der Zusammenkunft war die erste Wohnstätte Gottes auf dieser Erde. In 2. Mose 40 finden wir genaue Anweisungen für die Errichtung der Stiftshütte. In ihr stand die Bundeslade mit den beiden Cherubim. Vers. 34: »Und die Wolke bedeckte das Zelt der Zusammenkunft, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung.« In ihr redete Gott mit Mose auf eigenartige Weise. 2. Mose 33, 9: »Und es geschah, wenn Mose in das Zelt trat, so stieg die Wolkensäule hernieder und stand am Eingang des Zeltes.« 4. Mose 7, 89: »Und wenn Mose in das Zelt der Zusammenkunft hineinging, um mit Ihm zu reden, so hörte er die Stimme zu sich reden von dem Deckel herab, der auf der Lade des Zeugnisses war, zwischen den beiden Cherubim, und Er redete zu ihm.«

Die Kinder Israel hatten keinen direkten Zugang zu Gott, sondern brauchten Mose als Mittler, um zu erfahren, was Gott ihnen sagen wollte. Wie viel besser haben wir es heute, wenn wir ohne einen Mittler direkt zum Vater kommen und rufen können: Abba, lieber Vater!

Die zweite Wohnstatt Gottes auf der Erde war der Tempel in Jerusalem, den Salomo auf Anweisung Gottes als festen Ort für die Bundeslade und als Anbetungsstätte gebaut hatte. Der Tempel stand auf dem Berg Zion. In der Schrift ist mit »Zion« meist nicht nur der Tempelberg, sondern in weiterem Sinne ganz Jerusalem gemeint.

David sagt in Psalm 132, 13.14: »Denn Jahweh hat Zion erwählt, hat es begehrt zu Seiner Wohnstätte. Dies ist meine Ruhe immerdar, hier will ich wohnen, denn ich habe Zion begehrt.« In Psalm 135, 21 lesen wir: »Gepriesen sei Jahweh von Zion aus, der zu Jerusalem wohnt.« Asaph sagt in Psalm 76, 2: »Und in Salem ist Seine Hütte, und Seine Wohnung in Zion.« Der Tempelplatz ist nach 5. Mose 12, 5 der Ort, den der Herr, der Gott Israels, erwählt hat, um Seinen Namen dahin zu setzen, dass Er dort wohne (aramäisch: Schechina = wohnende Gegenwart). Auf den Tempel war die Sehnsucht Israels gerichtet. Ps. 84, 1.2: »Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr der Heerscharen! Es sehnt sich, ja es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn.«

Mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. und der Zerstreuung des jüdischen Volkes unter alle Nationen fand auch die Wohnstätte Gottes aus Stein im Tempel von Jerusalem ein Ende. Doch blieb Gott nicht ohne Wohnstatt auf der Erde. Mit Beginn der Sammlung der Gemeinde Jesu Christi aus den Nationen schuf Gott sich neue Wohnstätten aus Fleisch und Blut in den Herzen der Gläubigen. Dies war etwas ganz Neues, und es ist auf die Zeit der Gemeinde Jesu Christi auf dieser Erde beschränkt. Dass Gott sich heute Wohnstätten aus Fleisch und Blut für Seinen Geist schafft, hängt auch mit den unterschiedlichen Berufungen Israels und der Gemeinde zusammen. Während Israels Segensverheißungen irdischer Art sind, zielen die Verheißungen der Gemeinde nach droben. Sie ist gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Ör­tern (Eph. 1, 3). Sie sucht und sinnt auf das, was droben ist, wo der Christus ist (Kol. 3, 2). Christus lebt in ihren Herzen, die Er sich zu Tempeln des Heiligen Geistes erwählt hat (Gal. 2, 20). Dieses Vorrecht legt uns eine große Verpflichtung auf. »Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr« (1. Kor. 3, 16.17).

»Wisset ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? … Verherrlicht nun Gott in eurem Leibe« (1. Kor. 6, 19.20). Diese organische Lebensverbindung hört nicht bei unserm Tode oder der Entrückung auf. In der Himmelswelt hat Jesus uns bleibende Wohnstätten bereitet. Joh. 14, 2.3: »In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid.«

Wenn nach der Entrückung der Gemeinde und nach der Drangsal der 70. Jahrwoche ganz Israel bei der sichtbaren Wiederkunft des Messias gerettet worden ist (Röm. 11, 25.26), wird dieses in die verheißene Ruhe des 1000-jährigen Friedensreiches eingehen (Hebr. 4, 9).

Dann wird sich auch Gott wieder eine Wohnstatt inmitten Seines Volkes errichten. Sach. 8, 3: »Ich kehre nach Zion zurück und will inmitten Jerusalems wohnen; und Jerusalem wird genannt werden: Stadt der Wahrheit«. Joel 4, 17: »Und ihr werdet erkennen, dass ich, Jahweh, euer Gott bin, der auf Zion wohnt, meinem heiligen Berge.« In Zion wird der wiederkommende Herr nicht nur Seinen Thron aufrichten, sondern auch den dritten Tempel errichten lassen. Hes. 43, 7: »Dies ist der Ort meines Thrones und der Ort meiner Fußsohlen, wo ich inmitten der Kinder Israel wohnen werde ewiglich.« Jerusalem, die Stadt der Wahrheit, wird dann Anziehungspunkt für alle Nationen werden. Jes. 2, 2.3: »Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn feststehen hoch über allen Bergen und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs. Und Er wird uns belehren aus Seinen Wegen, und wir wollen wandeln in Seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.« Das alles wird für Israel Anlass genug sein zu jauchzen. Sach. 2, 10: »Juble und freue dich, Tochter Zion, denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen.« Diesen Jubelruf hatte Jesus schon Seinem Volke angekündigt. Mt. 23, 39: »Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Baruch ata, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn.«

Zum Schluss wollen wir noch einen kurzen Blick auf die Neue Erde werfen. Auch dort wird Gott eine Wohnstätte haben. Offb. 21, 2.3: »Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott. Und ich hörte eine laute Stimme sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden Sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.« Alle Konfessionsunterschiede werden dann abgetan sein. Gott selbst wird bei den Menschen, inmitten Seiner ausgesöhnten Menschheit wohnen.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/2001; Paulus-Verlagr; Heilbronn)

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