Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Wem gehört Jerusalem?

Autor: Herbst, Gerhard  |  Kategorie(n): Endzeit, Heilsgeschichte, Israel  |  896 x gelesen

»Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den Ich erwählt habe, Same Abrahams, meines Freundes; du, den Ich ergriffen habe von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe: Fürchte dich nicht, denn Ich bin mit dir; schaue nicht ängstlich umher, denn Ich bin dein Gott, Ich stärke dich, ja, Ich helfe dir. Siehe, es sollen beschämt und zuschanden werden alle, die wider dich entbrannt sind, es sollen wie nichts werden deine Widersacher. Fürchte dich nicht, du Wurm Jakob, du Häuflein Israel, Ich helfe dir, spricht Jahweh, und dein Erlöser ist der Heilige Israels« (Jes. 41, 8-14).

»So spricht Jahweh: »Ich kehre nach Zion zurück und will inmitten Jerusalems wohnen … Ich werde mein Volk retten aus dem Lande des Aufgangs und aus dem Lande des Untergangs der Sonne. Und Ich werde sie herbeibringen, und sie werden wohnen inmitten Jerusalems« (Sach. 8, 3.8).

Diese wunderbaren und trostvollen Gottesworte enthalten vier entscheidende Aussagen: 1. Kein anderes Land und keine andere Stadt dieser Erde haben derartige göttliche Zielverheißungen wie Israel als Ganzes und Jerusalem im Besonderen. 2. Garant für das Erreichen dieses Ziels ist Gott selbst durch Sein souveränes Eingreifen. 3. Auf dem Weg zur Erreichung dieses Ziels muss Israel und muss Jerusalem durch viel Trübsal gehen. 4. Auch in der größten Drangsal steht Gott zu Seinem Volk und hilft ihm, sodass es sich nicht zu fürchten braucht. Worauf beruht nun diese Sonderstellung Jerusalems?

Mit seinen heute rund 500.000 Einwohnern gehört Jerusalem zu den vielen mittleren Städten dieser Erde. Es liegt weder am Meer noch an einem Fluss, weder in einem landschaftlich reizvollen Gebiet noch in einem Industrie- und Wirtschaftszentrum. Für Gott aber ist es die wichtigste Stadt auf dieser Erde und der Gegenstand zahlreicher göttlicher Verheißungen. Hierfür gibt es gewichtige Gründe:

1. Jerusalem liegt inmitten »Seines Landes«, das Gott als Sein Eigentum bezeichnet und das Er Seinem auserwählten Volk Israel zum ewigen Besitz verheißen hat.

2. Jerusalem befindet sich nicht nur im geographischen Mittelpunkt, dem »Nabel der Erde« (Hes. 38, 12), sondern ist von Gott auch zum Mittelpunkt des Heilsgeschehens erwählt worden. Dort wurde der Sohn Gottes Mensch, dort stand das Kreuz, dort stand Er von den Toten auf. Vom Ölberg fuhr der Herr gen Himmel. Von Jerusalem nahm das Evangelium seinen Lauf nach Westen. Auf den Ölberg wird der Messias sichtbar wiederkommen und in Jerusalem wird Er den Thron Seines Vaters David besteigen. Unter der Herrschaft des Messias wird Jerusalem im 1000-jährigen Friedensreich Welthauptstadt werden.

3. Das irdische Jerusalem ist nur eine Abschattung des himmlischen Jerusalem. Ursprung und Vollendung der Stadt, die Gott zum Ort des Heilsgeschehens ersehen hat, sind deshalb von Geheimnissen umgeben. Zu der Zeit, als es dort nur einen Jebusiter-Flecken gab, begegnete dem Abram Melchisedek, der König von Salem und Priester Gottes, des Höchsten, und brachte Brot und Wein heraus (1. Mose 14, 18). In Hebr. 7, 3 lesen wir von Melchisedek, dass er »ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister war, weder Anfang noch Ende des Lebens hatte, und dass Er dem Sohne Gottes verglichen wurde.« Wir können deshalb annehmen, dass dieser Melchisedek (= König der Gerechtigkeit) kein anderer war als der Sohn Gottes, der dem Abram aus dem himmlischen Jerusalem entgegenkam. Dieser geheimnisvolle Anfang findet seine wesenhafte Vollendung auf dem letzten Blatt der Bibel, wo wir in Offb. 21 lesen, dass das neue Jerusalem, die heilige Stadt, aus dem Himmel von Gott herniederkommen wird auf die neue Erde. Und eine laute Stimme sagte: »Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen, und Er wird bei ihnen wohnen.« Von da an wird es nur noch ein Jerusalem geben.

4. Seitdem der König David Jerusalem zur Hauptstadt seines Reiches gemacht hatte (ca. 1000 v. Chr.), hat Gott sich diesen Ort als Wohnstatt und Ruheort ausersehen. Wenn wir in Jes. 66, 1 lesen: »Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße«, so grenzt David diesen Ort noch näher ein. 1. Chron. 28, 2: »Ich hatte in meinem Herzen, ein Haus der Ruhe zu bauen für den Schemel der Füße unseres Gottes.« Der Schemel der Füße Gottes befindet sich also auf dem Tempelberg in Jerusalem. Dieser Platz ist nicht nur das Zentrum des Heilsgeschehens, sondern wird auch einmal der Gerichtsort Gottes auf dieser Erde sein (Joel 3, 2), denn nach Hebr. 10, 13 hat »Er sich gesetzt zur Rechten Gottes, fortan wartend, bis Seine Feinde gelegt sind zum Schemel Seiner Füße.«

5. Auch Satan kennt den Heilsplan Gottes. Darum versuchte er mit allen Mitteln, die Heilsabsichten Gottes zu durchkreuzen. Durch den Kindermord von Bethlehem wollte er die Fleischwerdung des Sohnes Gottes verhindern, in Gethsemane wollte er Jesus vorzeitig zu Tode bringen, damit Er nicht am Kreuz Sein Leben freiwillig für die Sünden der Welt hingeben könnte. Und so versucht er in unserer Zeit, die nahe Wiederkunft des Messias und die Errichtung des jüdischen Tempels zu verhindern, indem er den Tempelberg und die Altstadt Jerusalems durch die Feinde Israels besetzen lässt. Auch dieser Plan wird ihm nicht gelingen.

6. Wenn auch die weltweiten Terroranschläge, die in unseren Tagen apokalyptische Ausmaße angenommen haben, von Satan selbst inspiriert und gesteuert werden mit dem Ziel, die Weltmeinung gegen Israel aufzubringen und die Jerusalem-Frage zum Weltproblem Nr. 1 zu machen, so geschieht das alles unter der Zulassung Gottes. Denn in Sach. 12, 2.3.9 lesen wir als ein Wort Jahwes über Israel: »Siehe, Ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum. An jenem Tage werde Ich Jerusalem zu einem Laststein machen für alle Völker. Alle, die ihn aufladen wollen, werden sich gewisslich daran verwunden. Und alle Nationen werden sich wider dasselbe versammeln.« V. 9: »An jenem Tage werde Ich alle Nationen zu vertilgen suchen, die wider Jerusalem heranziehen.« Wenn der Messias Israels bei Seiner Wiederkunft Seine Füße auf den Ölberg setzen wird (Sach. 14, 4), werden Ihn alle Stämme Israels sehen und bitterlich über Ihn leidtragen.

7. Zur Beantwortung der Frage, wem Jerusalem gehört, brauchen wir nicht auf uralte Verheißungen zurückzugreifen, die Gott Abraham und Mose gegeben hatte. Mit gewissem Recht machen ja Gegner Israels geltend, dass 4000 Jahre alte biblische Landverheißungen im Jahre 2000 n. Chr. nicht zur Lösung der heutigen Nahost-Probleme herangezogen werden könnten. In weiser Voraussicht — so könnten wir sagen — hat Gott die Lösung der Frage: Wem gehört das Land?, Wem gehört Jerusalem? nicht den Menschen, nicht den Politikern oder Militärs überlassen, sondern sie in Seine eigene Hand genommen. In zahlreichen Verheißungen, die in den atl. Propheten niedergelegt sind, hat Gott angekündigt, dass Er am Ende der Tage (des gegenwärtigen Zeitalters) durch Sein souveränes Handeln die unter alle Nationen zerstreuten Juden wieder sammeln und in das Land zurückführen werde, das Er Abraham, Isaak und Jakob verheißen hatte. Der Sohn Gottes, der Messias und Erlöser Israels wird nach Zion zurückkehren und in Jerusalem inmitten Seines Volkes wohnen. Das errettete, mit dem Geist Gottes erfüllte Volk Israel wird ein Segen für alle Völker sein und als Missionsvolk alle Nationen zu Jüngern machen (Hes. 36, 24-28; Sach. 8, 3.8; Matth. 28, 19.20).

8. Wir haben das Vorrecht, zu der Generation zu gehören, die im Jahre 1948 die Staatsgründung Israels als Beginn der Erfüllung der göttlichen Endzeitverheißungen miterlebt hat. Er, der in Seiner Souveränität begonnen hat, Seine Verheißungen zu erfüllen, wird nicht ruhen, bis Er Sein Ziel erreicht hat, denn »alle Verheißungen sind in Ihm das Ja und das Amen« (2. Kor. 1, 20). Bis zur Erreichung des göttlichen Endziels lässt Gott Sein Volk Israel noch durch große Drangsal und Not gehen. Der Engel Gabriel hat Daniel das Endzeitgeschehen um Israel erläutert und erklärt, dass erst am Ende der 70 Jahrwochen, die über Israel und die heilige Stadt Jerusalem bestimmt sind, »die Übertretung zum Abschluss gebracht, den Sünden ein Ende gemacht, die Ungerechtigkeit gesühnt und eine ewige Gerechtigkeit eingeführt wird. Bis ans Ende aber wird Krieg und Festbeschlossenes von Verwüstungen sein« (Dan. 9, 24.26). — Wenn es auch nicht Gottes Wille ist, dass das verheißene Land und Jerusalem wieder geteilt werden, so wird Er doch am Ende für eine gewisse Zeit eine Teilung zulassen. Der wiederkommende Messias wird jedoch die Völker, die Sein Land geteilt haben, im Tal Josaphat ins Gericht führen (Joel 3, 1.2). Nach Joel 3, 17 werden Fremde das heilige Jerusalem dann nicht mehr durchziehen. Drei neue Namen wird Jerusalem dann erhalten (Jes. 62, 1-4; Sach. 8, 3; Hes. 48, 35).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 4/2002; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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