Vom Totalsieg des Lichtes über die Finsternis
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Andachten, Erkenntnis & Wesen Gottes | 574 x gelesen(Abschrift einer Tonbandaufnahme eines Wortdienstes in München)
Meine lieben Freunde, meine Brüder und Schwestern,
ihr Heiligen und Geliebten Gottes!
Das Thema dieser Abendstunde lautet: »Vom Totalsieg des Lichtes über die Finsternis«, wir könnten auch sagen: »Der totale Sieg der Gnade, der Liebeszuneigung Gottes über die Bosheit der Finsternismächte.«
Ich lese dazu zwei Schriftstellen, einen Schriftzusammenhang aus dem Propheten Jesaja (Kap. 9, 1-7) und ein Epheserwort (5, 8). Zunächst Jesaja 9. Das Kapitel beginnt mit den Worten: »Nicht bleibt Finsternis …« — Das ist ein gewaltiges Wort. Es gibt Dinge, die bleiben, die unvergänglich sind und nie ihren Charakter und ihr Wesen verlieren, und es gibt andere Dinge, die bleiben nicht, die vergehen und zerfallen, zerbrechen in sich selbst, und dazu gehört auch die Finsternis; dazu gehört auch die Sünde; dazu gehört auch der Tod. »Nicht bleibt Finsternis.« Diese drei Worte können dem, der anfängt, etwas von ihrer Weite und ihrer Tiefe zu ahnen, zu einem unaussprechbaren Trost werden.
Wenn du in Finsternis steckst, Bruder und Schwester, wenn dein Herz belastet und gequält ist, dann glaube: Nicht bleibt Finsternis, oder umgestellt: Finsternis bleibt nicht! Aber es gibt Dinge, die bleiben, die hören nimmer auf. Wißt ihr etwas, das nimmer aufhört? (Zuhörer: die Liebe.) Jawohl, die Liebe Gottes höret nimmer auf! Auch Gott hört nicht auf und ändert sich nicht. Er bleibt derselbe, voll abgrundtiefen Erbarmens, voll von Inbrunst und Zuneigung, von Kräften und Segnungen, von Güte und Barmherzigkeit, die kein Menschenmund auszusprechen vermag.
»Nicht bleibt Finsternis.« — Aber das erste Wort des Kapitels Jesaja 9 lautet nicht »nicht«, sondern »doch« oder »denn«; und wenn wir in unserer Bibel ein widersprechendes »doch« oder ein begründendes »denn« finden, dann müssen wir lesen, was vorher steht. Wir müssen in großen Schriftzusammenhängen denken lernen und nicht nur einzelne Stellen herauspicken, die uns besonders gefallen, die uns besonders süß dünken und unser Herz ansprechen. »Denn nicht bleibt Finsternis« oder »Doch nicht bleibt Finsternis.« Und deshalb wollen wir einmal sehen, was Gott unter Finsternis in diesem Zusammenhang versteht, indem wir die vorhergehenden Verse 19-22 des 8. Kapitels lesen. Dann erst werden wir die unerhörte dynamische Kraft des 9. Kapitels verstehen.
Was ist denn das für eine Finsternis, die nicht bleibt? Ich lese: »Wenn sie zu euch sprechen werden: Befraget doch die Totenbeschwörer und die Wahrsager, die da flüstern und murmeln —, dann sollt ihr sprechen: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen?« — Man soll seine Probleme nicht zu den Kartenlegerinnen tragen und zu den Totenbeschwörern, sondern man soll seine Probleme und Fragen, seine Spannungen und Nöte, die man allein nicht mehr tragen kann, zu Gott bringen! »Soll man für die Lebenden die Toten befragen?« — Nein, tun wir es nicht! Denn die meisten Totenbefragungen sind ein Betrug der Dämonen! Wenn angeblich verstorbene Angehörige erscheinen, so treten in den allermeisten Fällen nicht verstorbene Menschen auf — wie sie sagen —, sondern betrügerische Dämonen, die die Menschen unter einen Druck und Zwang bringen, sie dahin bringen, daß sie nicht mehr beten können oder wollen, keine Bibel lesen wollen, kein Gotteswort mehr hören wollen und sich dem Abwegigen, dem Finsteren gegenüber nicht mehr wehren können und daran zugrunde gehen. Das steht in keiner Zeitung, das sagt keine Rundfunksendung, das berichtet kein Fernsehen, und doch sind das die furchtbarsten Dinge, die es gibt, wenn ein Mensch mit der Finsternismacht bewußt oder unbewußt Kontakt bekommt und daran zugrunde geht.
Jeder von uns kann das, wenn er will, zustande bringen: daß irgend jemand ihm erscheint und sich ausgibt: »Ich bin dein Großvater oder deine Großmutter oder deine Schwiegermutter oder dein verstorbenes Kind« — ich warne dringend davor! Tu das nicht! Man gerät dadurch in furchtbare Depressionen bis zur Geistesgestörtheit, bis zur Zwangsvorstellung und zum Zwangswillen der Selbstvernichtung. Tun wir’s nicht! Das alles führt zu Gereiztheit, Nervosität, Schwermut und Explosionen in der Familie. Wie viele Kindertränen habe ich schon gesehen, auch in meiner 40Jährigen Zeit als Lehrer, wie viele Kindertränen über Familientragödien, die oft ihre Wurzel hatten in diesen Zaubereisünden.
Fraget nicht die Toten! »Zum Gesetz und zum Zeugnis!« Das ist die Bibel, Gottes Gesetz und Gottes Zeugnis. Dorthin laßt uns gehen! »Wenn sie nicht nach diesem Worte sprechen, gibt es für sie keine Morgenröte!« — da geht die Nacht in immer schlimmerem Ausmaß weiter und verschlingt sie. Es gibt für uns keine Morgenröte, bis wir zurückkehren zum Worte Gottes, zurückkehren zum Gebet, zurückkehren zur Gemeinschaft der Heiligen, zurückkehren zum Liebeskontakt und zur Lebenshingabe an den lebendigen Herrn und Heiland. Dann gibt’s Morgenröte, dann geht die Sonne auf, dann fliehen die Schatten! Dann schweigen die dunklen Stimmen des Wahnsinns und der Zwangsvorstellungen, unter denen viel mehr Menschen leiden, als wir ahnen. Die Medizin ist diesen Dingen gegenüber hoffnungslos und ungläubig. »Ja, da kann man halt nichts machen.« Gottes Wort sagt anders! Es gibt eine Lösung, es gibt für jeden von uns eine Morgenröte, so daß er spricht: »Da ging mir die Sonne auf«, die alles durchglühende, alles erfüllende Sonne JESUS CHRISTUS. Wo man nicht spricht: »Zurück zu Gottes Gesetz und Zeugnis«, da gibt es keine Morgenröte!
Vers 21 spricht dann von dem Volk, das nicht fragt nach Gottes Wort. In erster Linie ist hier Israel gemeint, es gilt aber auch für dich und für mich: »Und es wird darin umherziehen, schwer gedrückt …« Man nennt dies Gedrücktsein mit einem Fremdwort Depressionen. Die meisten Gläubigen leiden unter gewissen Depressionen, sie werden gedrückt von Sorge, Furcht und Angst und werden gar nicht froh! Es gibt auch christliche Redner, die starren in ein Loch und strahlen keine Lösung und Freude aus. — »Schwer gedrückt und hungernd.« Viele hungern im Grunde nach Liebe und nach dem lebendigen Gott und nach dem Brot des Lebens und müssen doch immer wieder nörgeln und kritisieren und richten. Das ist schlimm, dieser ungestillte Hunger, zu lieben und geliebt zu werden! Auf der untersten Stufe empfand das schon Goethe:
»Doch welch ein Glück, geliebt zu werden, und lieben, Götter (das heißt: Engel, da ruft er die Engel und Dämonen an!), welch ein Glück!« — »Glücklich allein ist die Seele, die liebt.«
Du bist insoweit glücklich, als du lieben kannst, deine Freunde und deine Feinde. Wer aber nicht alle lieben kann, der ist ein armer und unerlöster Mensch. Die zu segnen, die uns lieben und uns anerkennen, das ist kein Kunststück, das tun auch die Heiden; aber wenn du deine Schwiegermutter und deine Schwiegertochter und deinen Schwiegersohn und deine bösen Untermieter oder Hausbesitzer lieben kannst — nicht indem du ihnen Honig um den Mund schmierst, aber so, daß du innerlich keine Opposition gegen sie hast —, dann bist du ein erlöster Mensch und kannst ein Siegesleben führen!
»Und es wird geschehen, wenn es Hunger leidet, so wird es erzürnt sein und seinen König und seinen Gott verfluchen.« — Ein Volk verflucht seinen König und seinen Gott! Das hat Israel getan, und deshalb irrte es mehrere Jahrtausende lang hungernd und gedrückt umher und erlitt die Dinge, die Gott vorausgesagt hatte und die die von Gott erwählten Gerichtswerkzeuge ausführen mußten. Aber diese Werkzeuge haben dabei jeweils die göttlichen Normen überspannt, haben maßlos, brutal und gehässig gehandelt, und deshalb verfielen sie selbst dem Gericht. Siehe Adolf Hitler! Auch der war in gewisser Weise ein Werkzeug Gottes. Ohne ihn gäbe es heute keinen Staat Israel! Ohne ihn wären sie nie zurückgekehrt, nachdem sie all ihr Besitztum verlassen und verloren hatten. Aber dieser besessene Mann drangsalierte Israel über die Maßstäbe Gottes hinaus und suchte es auszurotten, er handelte maßlos und vermessen! Gott hatte verheißen: »Ich werde die bösesten der Nationen gegen dich senden, wenn du nicht gehorchst«; das hat Gott getan, und nach dieser Skala gehören auch wir Deutschen zu den bösesten der Nationen. Wir haben nicht, wie Gott es tut, mit Maßen gezüchtigt, sondern maßlos und vermessen gehandelt, und das gereichte uns selber zum Gericht.
Gott hat uns durch zwei Dinge bitter bestraft — ihr werdet sehr erstaunt sein:
- durch den verlorenen Krieg und die folgenden Notzeiten, und
- durch das Wirtschaftswunder!
Ich habe neulich mit Männern gesprochen, die einen Einblick und ein geistliches Urteil haben. Sie sagten: Das Wirtschaftswunder mit seinen Folgen — dem Fressen und Saufen, der Unzufriedenheit, der Frechheit, dem dauernden Mehrhabenwollen: weniger Arbeit, mehr Freizeit, mehr Geld, mehr Genuß! und mit dem Absinken ins Tierische — ist eine größere Strafe für uns als der verlorene Krieg und der Hunger! Das stimmt!
Wenn wir das Wirtschaftswunder mit Dankbarkeit aus Seinen Händen genommen hätten, so hätte Gott uns eine Segenszeit ohnegleichen geben können. So aber ruinieren wir uns und gehen als Volk langsam, aber stetig als Sklaven der Sünde und der Dämonen einen furchtbaren Gerichtsweg. Pastor Ernst Modersohn, mit dem ich jahrelang zusammenarbeitete vor 40 und mehr Jahren, sagte einmal: »Was wir dankbar aus Gottes Händen nehmen, es sei Freude oder Leid, wird uns zurr Segen. Was wir nicht dankbar aus Gottes Hand nehmen, es sei Wohlergehen oder Not, wird uns zum Fluch!« Das Entscheidende ist nicht, ob es uns gut geht oder schlecht; das Entscheidende ist nicht, ob du ein großes Vermögen, ein Auto und eine Villa hast oder ein armer Mann bist auf einer Einzimmerwohnung, ob du ein »hohes Tier« bist oder ein kleiner Hilfsarbeiter — das Entscheidende ist, meine Freunde, und das möchte ich euch jetzt ins Herz hinein sagen, daß du das, was Gott in dein Leben fügt, dankbar aus Seinen Händen nimmst und lernst danksagen allezeit und für alles! Und wenn du das tust, gereicht dir das Gute und das Wohlergehen, gereicht dir aber auch das Böse und der Jammer und das Leid zum Besten (Römer 8, 28), zum herrlichsten Ziel! Deshalb ist einem Menschen nicht damit geholfen, daß man ihm einen Scheck ausschreibt über 100.000 Mark — sondern damit, daß wir ihm sagen: »Sieh einmal, der große, wunderbare Gott, der dich unendlich liebt, der Seinen Sohn für dich gegeben hat, der dir die größten und herrlichsten Verheißungen gegeben hat, dessen Herz von tiefer Liebe bewegt ist und der sich danach sehnt, dich unendlich glücklicher zu machen, als du dir selber es ausmalen könntest — dieser Gott schickt dir nicht mehr an Freude und Leid, als du brauchst zur Vollendung!« Freunde, nehmen wir das mit!
Es gibt also Menschen und Völker, die ihren König und ihren Gott verfluchen. Weiter Vers 22: »Und es wird aufwärts schauen, und es wird zur Erde blicken: und siehe, Drangsal und Finsternis, angstvolles Dunkel; und in dichte Finsternis ist es hineingestoßen.«
Das gilt für den einzelnen, das kann für dich gelten und für mich, wenn wir nicht bleiben an Ihm, der das Licht ist; und das gilt für ganze Völker, das gilt für die ganze Erde, das gilt für Menschen und Engel und Dämonen, für alle Lebewesen. »Hineingestoßen in dichte Finsternis« — wenn sie Gott nicht gehorchen, wenn sie nicht anfangen, die Quellen des Wortes Gottes und des Gebetes und der Gemeinschaft sich erschließen zu lassen.
Das sind die vier Verse, die gewissermaßen das Milieu schildern, die Lage darstellen, in die nun die Verse Jesaja 9, 1-7 hineingesprochen werden, die mit den Worten beginnen: »Doch nicht bleibt Finsternis!« — Wer von uns hat in seinem Leben nicht Zeiten gehabt, wo ihm zumute war, als sei er hineingestoßen in dichte Finsternis? Er blickt zum Himmel — keine Antwort! Und er schaut auf die Erde und die Menschen — keine rettende Hand, keine Hilfe! Hineingestoßen in Finsternis! Jeder von uns hat das einmal durchlebt. Und da gilt dann das Wort: »Doch nicht bleibt Finsternis!« Da kann man aufatmen. Die Finsternis ist nicht das Endgültige! Die Finsternis ist ein Werkzeug in der Hand Gottes zum Heil, aber niemals das Ende! Das Ende ist immer Licht und Freude, Heil, Gnade und Herrlichkeit. Und deshalb kann man auch für die Finsternis danken, weil sie dazu dient, daß in uns ein Heilshunger entbrennt, ein Hunger nach der Reinheit, der Freude, dem Frieden, die nicht von dieser Welt sind, sondern aus den oberen Welten stammen und wesenhaft beglücken und erfreuen.
»Doch nicht bleibt Finsternis dem Lande, welches Bedrängnis (oder: Drangsal) hat.« — Ich sage noch einmal: Das gilt in erster Linie für Israel. Aber auch jeder einzelne kommt in Bedrängnis. Und wenn du in der Bedrängnis dann sprechen kannst: »O Gott, Du führst mich schwere Wege; ich verstehe Dich nicht, warum Du mir mein Kind genommen hast; warum ich einen geisteskranken Mann habe, oder eine geisteskranke Frau; warum ich in meinem Geschäft kein Gelingen habe; oder warum ich minderwertiger begabt bin als ein anderer — ich verstehe das nicht, aber ich danke Dir dafür; weil Du mich lieb hast, hast Du mir genau das gegeben an Gaben und Kräften und Segnungen und Seligkeiten, aber auch an Leid und Mühe und Not« — Bruder und Schwester, wenn du dich dazu durchgerungen hast, wenn du das Gott sagst und klagst und nennst und bekennst, dann strömen lösende Kräfte der Erlösung in dein Leben, daß du frohlocken lernst! Das bezeuge ich hier mit großer Freude aus meinem Leben und aus dem Leben — nicht von Hunderten, von Tausenden!
»Um die erste Zeit hat Er das Land Sebulon und das Land Naphtali verächtlich gemacht; und in der letzten bringt Er zu Ehren den Weg am Meere, das Jenseitige des Jordan, den Kreis der Nationen. Das Volk, das im Finstern wandelt, hat ein großes Licht gesehen; die da wohnen im Lande des Todesschattens, Licht hat über sie geleuchtet.« — Das Volk, das im Finstern wandelt, ist zunächst Israel. Israel ist wieder ein Volk geworden, eine Nation, ein Staat. Es ist über Nacht, in einer Nachtstunde, ein Volk geworden! Das wissen die wenigsten von uns, wie sich das ereignet hat. Wir waren damals, 1948, als das geschah, zu sehr mit unseren eignen deutschen Nöten beschäftigt und waren gerade dabei, den verlorenen Krieg zu einem Wirtschaftswunder umzuschmelzen. — Das Volk, das im Finstern wandelt, ist in erster Linie Israel. Aber auch du und ich, wir sind entweder noch in der Finsternis oder — und das ist sehr ernst — stehen in Gefahr, wieder in die Finsternis zurückzugleiten.
Ich glaube, daß nicht sehr viele heute abend in diesem Raum sind, die bewußt in der Sünde leben — einzelne vielleicht ja, und die möchte ich erschüttern und packen und im Namen Jesu ihnen sagen: »Wache auf, der du schläfst, und dein Licht soll leuchten, und dein Leben soll neu und hell und sauber und glücklich werden!«
Vers 3: »Du hast die Nation vermehrt, hast ihr groß gemacht die Freude; sie freuen sich vor Dir, gleich der Freude in der Ernte, wie man frohlockt beim Verteilen der Beute.« — Wenn es heißt »die Nation«, ist immer Israel gemeint. Israel war ein kleiner Haufe, Gott vermehrt sie stark. Und einmal wird Israel zum Glauben kommen, wenn Gott den Geist des Gebets und der Buße ausgießt und des Weinens und Wehklagens, es wird erwachen für Christus! Das kann über Nacht kommen. So plötzlich, wie die Entstehung des Staates geschah, in einer Nachtstunde, ebenso plötzlich kann die Erneuerung Israels erfolgen. Und dann wird Israels Freude groß sein. Dann wird es große Beute haben. Israel hat schon einmal große Beute bekommen; es brauchte sie sich gar nicht zu nehmen, sie wurde ihnen gebracht: Gold und Silber und alles mögliche — wann geschah das? Beim Auszug aus Ägypten. Da sagte Gott: Die Ägypterinnen sollen euch ihr Gold und ihr Silber und ihre Ohrringe und Halsbänder und Armspangen und Fußketten bringen — diesen übertriebenen Schmuck, der mehr oder weniger eine Bindung an den Satan bedeutet. Darüber könnte ich vieles erzählen, über Erlebnisse mit Geschmeide aller Art — ich will aber bei meinem Thema bleiben. Damals also bekam Israel die Schätze der Ägypter, und diese Schätze, die im Dienste der Dämonen, der Eitelkeit und des Hochmutes gestanden hatten, wurden umgeschmolzen und daraus die Geräte der Stiftshütte gebildet! Das ist wunderbar! Wer etwas ahnt von der Symbolik des Wortes Gottes und der göttlichen Handlungen, der weiß: So benützt Gott das Böse, das Dunkle, das Schwere, die Last und den Jammer unseres Lebens, um daraus Herrlichkeiten erstrahlen zu lassen. Du wirst einmal für das, worüber du jetzt weinst, für all den Jammer deines Lebens, danken können, weil Gott es benützt hat, um lauter Herrlichkeiten daraus zu machen! Gott wirft das Böse nicht einfach weg, sondern Er verwandelt es; die Finsternis verwandelt Er in Licht. Das ist ein tiefes Geheimnis, unfaßbar für unseren Verstand; denn dann sagen die Leute: Wenn das so ist, will ich recht viel sündigen und recht viel Finsternis treiben, damit Gott recht viel Licht machen kann. Wer so redet, der hat’s nicht verstanden! Denn: Die Trauer über die Finsternis, die Gott in Herrlichkeit verwandelt, ist ja nicht die Trauer über unsere bösen Taten, sondern die Trauer über die Anlage dazu, die wir im Herzen tragen. Wer vor Gott einsieht: »Ich habe ein böses Herz — ich bin ja ein schrecklicher Mensch — ich bin ja ein fürchterliches Frauenzimmer« — wer das einsieht und daran zerbricht, den kann Gott verwandeln und zu Glanz und Würde führen. Man muß das alles nicht erst kennenlernen und ausleben, wie manche meinen! (Römer 5, 20 - 6, 2)
Israel wird einmal Beute verteilen. Den letzten Weltkrieg hat Israel gewonnen. Die Amerikaner meinen, sie hätten ihn gewonnen — sie täuschen sich. Und die Russen meinen, sie hätten ihn gewonnen — die täuschen sich noch mehr! Den letzten Krieg hat Israel gewonnen, und Israel wird aufgrund seiner göttlichen Berufung und Führung nach der Drangsal tief beseligt werden und alle Schätze der Erde bekommen. Das kommt! Du wirst es sehen mit deinen Augen!
Ich lese weiter: »Denn das Joch ihrer Last und den Stab ihrer Schulter« (wir denken an Israel in Ägypten und an die Ghettos im Mittelalter), »den Stock ihres Treibers hast Du zerschlagen wie am Tage Midians.« (Der eine wird getrieben vom Alkohol, der andere vom Nikotin, der andere von seiner Sexualität — wir aber dürfen uns vom Heiligen Geist verwandeln und treiben lassen!) »Denn jeder Stiefel der Gestiefelten im Getümmel, und jedes Gewand, in Blut gewälzt, die werden zum Brande, ein Fraß des Feuers.«
Und jetzt kommt die Hauptsache. Jetzt kommt eine zwölffache Begründung, warum das alles so kommt, warum wir aus den Zaubereisünden, warum wir aus dem Fluch gegen Gott und das Schicksal herauskommen können und müssen, warum die Finsternis nicht bleibt, warum die Todesschatten weichen und es zu einem Totalsieg des Lichtes kommt.
Warum kommt es dazu? Weil die Finsternis zu schwach ist? Weil wir so brav sind? Weil wir es verdient haben? Nein, aus einem ganz anderen — 12fachen Grund. Ich lese die Verse 6 und 7 in Jesaja 9. Sie beginnen wieder mit einem begründenden »denn«:
»Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf Seiner Schulter; und man nennt Seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker El (El heißt: der über alles verfügende, alles verwaltende, alles für Seine Zwecke benützende Gott), Vater der Äonen, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft (dieser Gottes-, Geistes-, Gnadenherrschaft) und der Friede werden kein Ende haben (die Finsternis wird ein Ende haben, aber die Mehrung der Herrschaft und des Gottesfriedens nicht) auf dem Throne Davids und über sein Königreich (jetzt wird wieder Israel ins Blickfeld gerückt, aber alles, was Israel geschieht, ist ein Vorbild für uns und alle anderen Wesen und Welten), um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen (des Herrn, der sowohl die Heerschar der Finsternis als auch die Heerschar des Lichtes für Seine Zwecke benützt) wird dieses tun.«
Und nun will ich diese 12 Punkte oder Gründe nennen:
1. Ein Kind ist uns geboren. — Das Fest, das am meisten gefeiert wird und am schönsten ist, bei alt und jung, ist das Weihnachtsfest. Und das, was am wenigsten verstanden wird, was sogar in sein Gegenteil verdreht wird, ist die Geburt Jesu! Die Geburt Jesu war kein Freudenakt, ihr ging eine Zeit schrecklicher Schmach und Angst voran. Denn: Ein 17jähriges Mädchen, verlobt, wird schwanger. Der Mann fragt: Wie kommt das? Meine reine Maria trägt ein Kind unter dem Herzen. Woher? Er denkt: Ich muß sie jetzt melden, und dann wird sie gesteinigt nach dem Gesetz! Aber meine reine Maria? Ich kann’s gar nicht fassen. Nein, ich melde sie nicht! Ich verschwinde. Ich lasse sie sitzen und gehe fort. Das wollte Joseph tun. Das war eine edle Gesinnung. Da kommt der Erzengel und sagt zu ihm: Halt! Das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist! — Kann man so etwas glauben? — Ich habe gelesen, daß Bischof Robinson in England — von den Lästerern und Leugnern Gottes, die es heute gibt, einer der größten — gesagt hat: Es gibt Dinge, die sind für uns unzumutbar. Dazu gehört die Jungfrauengeburt. Man soll glauben, daß ein Mädchen ein Kind empfängt durch den Heiligen Geist? Das kann man uns nicht weismachen, dazu sind wir viel zu aufgeklärt! Die Wahrheit der Parthenogenesis, d. h. der Jungfrauzeugung, wird heute nur noch von wenigen geglaubt, und selbst solche, die es verkündigen, glauben’s nicht — ich weiß da erschütternde Dinge.
2. Ein Sohn ist uns gegeben. — Als Sohn ist der Herr Jesus eine Gabe des Vaters der Herrlichkeit. Als Sohn hat Ihn der Vater der Schöpfung gegeben. — Als Kind sehen wir Ihn in der Gleichgestalt des Menschen in allem Fluch, in aller Angst, in allem Elend; Jesus war zeitlebens ein Verfolgter und Gejagter; Er war »eine Hirschkuh, die frühe gejagt wird«; als Sohn ist Er die Offenbarung der Herrlichkeit und der Kraft des Vaters. Unser Evangelium hat immer diese beiden Seiten, die Niedrigkeits- und die Herrlichkeitsseite. Auch wir sind nach außen die Ärmsten, die Elendesten, die Dümmsten, Verfolgte, Gehaßte, Niedrige, Elende; aber in den Augen Gottes sind wir die Träger des Lichtes, das das All erneuert.
3. Die Herrschaft ruht auf Seiner Schulter. — Es gibt keinen anderen Herrn! Auch die größten und gewaltigsten Herrschaften der Erde, die Diktatoren und Tyrannen, die Kaiser und Könige, und die Fürstentümer und Gewalten in den Himmelsregionen sind nicht die eigentlichen Träger der Herrschaft. Der Träger der Herrschaft ist das Kind, das geboren ist, der Sohn, der gegeben ist, unser Herr JESUS CHRISTUS! Wenn du das glauben würdest, hättest du vor keiner Finsternismacht mehr Angst!
4. Sein Name ist: Wunderbar. — Das Wort »wundern« hat die Bedeutung von einem angstvollen Harren und einem jubelnden Frohlocken. Sein Name ist »Wunderbar«, das heißt, Er tut Dinge, daß wir sagen: »Herr Jesus, wie kannst Du denn so etwas machen? Wie kannst Du das zulassen? Warum muß ich solche Sterbenswege gehen?« — Es heißt aber auch: »Herr, Du kannst tun, was Du willst; auch all Deine Gerichte und Strafen führen zum Heil und zur Herrlichkeit; Du machst keine Fehler; ich bete Dich an!«
5. Er heißt: der Berater. — Es gibt im Weltall keine Katastrophe, kein Verbrechen, kein scheußliches, grauenhaftes Erleben, das nicht vorher beraten wurde und dem Gott nicht vorher Seine Einwilligung gab. Denn »Er lenkt das All nach dem Ratschluß Seines Willens«. Darum: Alles, was an dich herankommt, muß zuerst an Gott vorbei. Es gibt keinen Jammer und keinen Schmerz, kein Elend und keine Verzweiflung in deinem und in meinem Leben, die nicht von der Liebe Gottes und von der Weisheit des Herrn geprüft sind und wovon Er sagte: Jawohl, jawohl, das darf geschehen! — und Er läßt dir dann daraus ein Übermaß an Herrlichkeit werden. Das heißt Berater!
6. Er heißt: starker El. — Wir müßten übersetzen: Allverfüger. Es gibt nichts, was nicht unter der Leitung, unter der gebietenden Macht Gottes steht. Und was Er tut, das sind Barmherzigkeiten, auf wieviel Seiten? — Auf allen Seiten.
7. Er wird genannt der »Vater der Äonen« (Zeitalter). — Jesus ist in verschiedener Beziehung »Vater«, und eine Seiner Vaterschaften ist die Vaterschaft über die Äonen, über die Ewigkeiten. Die Ewigkeiten oder Äonen, Weltzeiten, sind nicht zufällig geworden, sondern von Jesus gezeugt und geboren; Er ist ihr Vater; denn im Göttlichen bedeutet Vaterschaft zugleich — Mutterschaft. Denn Gott sagt nicht: »Ich will euch trösten, wie ein Vater sein Kind tröstet« — die Väter können nicht so gut trösten, sie können besser verhauen; aber die Mütter können trösten, und deshalb sagt Gott: »Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.«
8. Er heißt: Friedefürst. — Satan wird genannt der »Fürst der Gewalt« (der Luft), aber Jesus ist nicht der Fürst der Gewalt; Er ist der Fürst des Friedens. Wie oft habt ihr gesungen:
Der Fürst meines Friedens ist nahe; Sein Antlitz ruht strahlend auf mir. O horcht Seiner Stimme; sie rufet: Den Frieden verleihe Ich dir!
Wer von euch hat schon gebetet: »Herr Jesus, Du bist der Fürst des Friedens; Herr Jesus, die Herrschaft ruht auf Deiner Schulter; Herr Jesus, Du bist der Vater der Äonen!«? — Der gegenwärtige Äon, in dem wir stehen, ist der schlimmste Äon, den es gibt; der böse Äon, der gefährliche Äon; er ist der schrecklichste von allen; aber auch er hat als Vater den Herrn Jesus! Und alles, was in diesem Äon erlitten wird, wird vergolten und erstattet über alle Maßen. Harre noch ein wenig aus, Bruder und Schwester! Bleib unter dem Druck mit Loben und Danken! Reiß dich los von der inneren Finsternis, und du wirst auch das äußere Licht und die äußere Freude finden!
9. Die Mehrung der Herrschaft. — In der Welt finden wir nur Zerfall der Herrschaft. Alle bisherigen Herrschaften dieser Welt sind zerfallen, sie sind alle an den gleichen Symptomen zugrunde gegangen. Wenn wir jetzt eine Stunde Zeit hätten, würde ich euch einen Vergleich vor Augen führen zwischen der Weltmacht Rom vor 2000 Jahren, und seinem baldigen Zerfall danach, und Deutschland heute, und ihr würdet staunend erkennen, daß dieselben Dinge, an denen damals Rom zugrunde ging, und vor ihm Griechenland, Assyrien, Babylonien, Medien, Persien — nämlich Wohlleben, Genußsucht, Hurerei, Gottlosigkeit und Hybris — heute wieder da sind, und da stehen wir drin, aber da machen wir nicht mit!
Die Herren dieser Erde gehen, aber unser Herr kommt!
10. Friede ohne Ende. — Wie viele Friedensschlüsse hat es in der Welt schon gegeben, und wie wenig haben sie standgehalten! Aber der Friede, den Gott macht, der Friede ohne Ende, das ist Sein Sohn. ER ist unser Friede.
11. Der Thron Davids. — Damit ist das Tausendjährige Reich gemeint, die Segenshöhe Israels. Darin dürfen wir auch sein. Gewisse Leute sagen: »Das Tausendjährige Reich geht mich nichts an« — das wäre ja so, wie wenn ein Mann sagen würde: »Die Küche geht mich gar nichts an; da ist meine Frau drin!« Das wäre ein schöner Vater. So geht uns auch das Tausendjährige Reich sehr viel an, denn wir sind ja der Körper des Christus! Und der Christus wird im Tausendjährigen Reich sein. Aber Er wird dann auch dem David als dem Stellvertreter Seinen Thron überlassen, um mit uns in die anderen Welten hineinzugehen.
Wir werden Millionen Meilen in einem Augenblick durcheilen, wenn wir aus Licht gebildet sind. Dann brauchen wir nicht solche komplizierten, gefährlichen Apparate zu konstruieren mit 138.000 Teilen, wie sie heute die Weltraumfahrt benützt, wenn wir im Lichtkleid der Herrlichkeit Christi durch die Welten gehen, um das Evangelium dorthin zu tragen, und in die Totenräume und die Finsternisräume und -reiche, um den Gefangenen zu sagen, daß sie frei sein sollen, und um die Gefesselten aus ihrem Kerker zu entlassen (Jesaja 61, 1).
12. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies tun. — Ich lese dazu ein Wort aus einem der schönsten, lieblichsten, innigsten, aber auch mißverstandensten Bücher der Bibel, das ist das Hohelied. Ich lese aus Kapitel 8 die Verse 6b und 7, um zu beweisen, was der Eifer des Herrn der Heerscharen ist, der alles heimbringt ins Licht, so daß keine Finsternis, keine Angst, keine Nacht, kein Schmerz, kein Grauen, kein Tod mehr bleiben wird: »Die Liebe ist gewaltsam wie der Tod, hart wie das Totenreich ist ihr Eifer, ihre Gluten sind Feuergluten.« — Die Hölle hat Feuergluten, und die Liebe hat auch Gluten, und die Gluten der Hölle, des Hades und des Feuersees, sind zutiefst Gluten der Liebe! Wer es zu fassen vermag, der fasse es; wer es nicht zu fassen vermag, der lasse es liegen!
»Ihre Gluten sind Feuergluten; eine Flamme des Herrn.« Eine Flamme des Herrn! Aber Gott ist Liebe! Und alles, was Er tut, sind Barmherzigkeiten. Und wenn Gott zu uns sagt: »Alles bei euch geschehe in Liebe« — das wird den Korinthern einmal gesagt —, wenn Er von uns verlangt, daß alles, was wir tun, aus den Wurzeln und Quellen der Liebe ströme und zur Vollendung der Liebe diene, glaubt ihr dann, daß Er selber auch so handelt? Glaubt ihr, daß Gott nicht mindestens auch so fromm ist, wie wir sein sollen?! An diesem Wort, meine lieben Freunde, sollten wir offene Augen bekommen! — »Große Wasser vermögen nicht die Liebe auszulöschen, und Ströme überfluten sie nicht. Wenn ein Mann allen Reichtum seines Hauses um die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.« — Wenn uns Gott Gesundheit und Kraft und Leben und Reichtümer und Genüsse und Freuden geben würde, aber nicht sich selbst, Sein innerstes Herz, Seinen Sohn, Sein Leben —, wenn Er das machen würde, dann müßte Er nach Seinem eigenen Wort verachtet werden.
Ich habe auch einige Male, wenn ich an meinem Schreibtisch saß vor einem Stoß von Arbeit, und irgendein armer Mensch kam zu mir und sagte: »Ach, Bruder Heller, ich wollte Sie mal besuchen und mal mit Ihnen reden« — ich habe nicht oft, aber doch einige Male, wenn mir ein Schwätzer die Zeit stehlen wollte, gesagt: »Ach, ich habe jetzt leider keine Zeit; hier haben Sie fünf Mark; gehen Sie mit Gott, aber gehen Sie!« — Ich tue das nicht gern. Meine Liebe ist da für die andern! Unsere Zeit und Kraft sind da für die andern, ohne daß wir uns ausbeuten lassen.
Meine Lieben, wenn Gott uns alle Schätze Seines Weltenbaues geben wollte, aber Seine Liebe, Sein innerstes Wesen zurückhalten wollte — »Ich gebe dir alles mögliche, aber laß mir meine Ruhe« —, Er wäre verächtlich in Seinen eigenen Augen. Aber das ist Gott nicht! —
Gottes Licht und Liebe und Güte siegen über jede Finsternis! Und nun nimm das für dein Leben und lobe und danke!
Ich schließe mit einem neutestamentlichen Wort aus dem Epheserbrief, Kap. 5, 8: »Ihr waret einst Finsternis; jetzt aber seid ihr ein Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichtes!«
Wir alle waren Finsternis, und wir alle dürfen jetzt Lichtesmenschen sein! Gott segne euch, daß keiner mehr hier sei, der die Sünde, das Böse, heimlich festhält. Tu es nicht! Du gehst daran zugrunde nach Geist und Seele und Leib. Wage es, zu Jesus zu kommen, und du wirst genesen und frei und glückselig werden nach Geist und Seele und Leib. Das bezeuge ich aufgrund der Schrift; das bezeuge ich aufgrund meines persönlichen Lebens; das bezeuge ich aufgrund hundert- und tausendfacher Erfahrungen und Erlebnisse. Gott segne euch, meine lieben Freunde, vollende euch und mache euch zu strahlenden, begnadeten Lichtsmenschen. Amen!
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1956; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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