Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Handauflegung im Lichte der Schrift

Autor: Heller, Adolf  |  Kategorie(n): Lehre  |  341 x gelesen

Nach Gottes Plan und Willen haben die verschiedenen Heilskörperschaften seiner Geschöpfe ihre besonderen Segnungen und Aufgaben. Diese zu unterscheiden ist von großer Wichtigkeit. Daneben aber gibt es viel mehr Gemeinsames, als man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt ist. Wer das nicht sieht, macht aus der gottgewollten Schriftteilung eine ungöttliche Schriftzerreißung.

Im Irdischen wie im Geistlichen gibt es Grundwahrheiten, Elemente oder Anfangsgründe. Ohne sie kommt man nicht aus. Aber es wäre verkehrt, bei ihnen stehen zu bleiben. Ein Mensch, der über den Zahlenraum von 1-20 oder über die einfachsten Buchstaben des Alphabets nicht hinauskommt, wird nie ein tüchtiger Kaufmann oder Beamter werden.

Genau so ist es im Geistlichen. Darum lesen wir auch über das Steckenbleiben in den Anfängen solch ernste Vorwürfe, wie wir sie in 1. Kor. 3, 1-3 und Hebr. 5, 12-14 finden. Zu den sechs Grundstücken oder Anfangsgründen des Glaubens, über die wir längst hinausgekommen sein sollten, gehört nach Hebr. 6, 1.2 auch die Lehre vom Auflegen der Hände. Was wissen wir aber vom Auflegen der Hände? Haben wir schon eine Handauflegung Gottes erfahren, wie sie David so erschütternd in Psalm 32 beschreibt, wenn er im vierten Vers sagt: “Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt ward mein Saft in Sommerdürre (oder: mein Lebenssaft verwandelte sich in Sommergluten)”?

Oder verstehen wir, was es bedeutet, wie tot zu den Füßen des auferstandenen und verherrlichten Gottessohnes niederzufallen und im Glauben zu erleben, was sein Lieblingsjünger Johannes erfuhr und bezeugte: “Er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches” (Offb. 1, 17.18)?

Wie die zur Faust geballte Hand Bitternis und Bosheit, Drohung und Fluch versinnbildlicht, so drückt die ausgestreckte Rechte Darreichung und Güte, Hilfe und Entgegenkommen aus. Gott schenke uns liebende, segnende Hände und bewahre uns davor, Menschen zu sein gleich einem Ismael, von dem geschrieben steht, daß seine Hand wider alle sein werde und die Hand aller gegen ihn (1. Mose 16, 12)!

Nach der Schrift ist die Hand ein Symbol des Anspruchs, der Besitzergreifung und der Macht. Denken, wir etwa an die tragische und demütigende Begebenheit von 1. Mose 38, wo von der Tamar, der Schwiegertochter des Juda, die von ihrem Schwiegervater Zwillinge erwartete, geschrieben steht: “Es geschah, während sie gebar, da streckte einer die Hand heraus, und die Hebamme nahm sie und band einen Karmesinfaden um seine Hand und sprach: Dieser ist zuerst herausgekommen” Und es geschah, als er seine Hand zurückzog, siehe, da kam sein Bruder heraus.”

Gleichwie Abraham “alles, was er hatte”, seinem Sohn Isaak übergab (1. Mose. 25, 5) und Potiphar “alles, was er hatte”, der Hand Josephs überließ (1. Mose 39, 6), so hat Gott, der Vater, seinem Sohn “alles in die Hände gegeben” (Joh. 13, 3). Doch nicht nur das! Auch “alle Gefangenen” des Kerkers in Ägypten waren “in der Hand Josephs” (1. Mose 39, 22)! Hat nicht so auch der wahre Joseph, Christus, die Schlüssel des Todes und des Totenreichs in Händen (Offb. 1, 18b)? Wie vielfältig und köstlich sind doch die prophetischen und symbolischen Vorbilder der, heiligen Bücher!

In ungezählten Zusammenhängen lesen wir von der starken Hand Gottes, die die Seinen aus der Knechtschaft führt (5. Mose 7, 8); von seiner guten Hand, die über seinem Volk ist (Esra 7, 9, Neh. 2, 8), und von der mächtigen Hand Gottes, unter die es sich zu demütigen gilt (1. Petri 5, 6)!

Ebenso spricht die Schrift von der “Hand der Plünderer” (Richt. 2, 16; 1. Sam. 14, 18), der “Hand der Feinde” (Richt. 2, 18; 8, 34), der “Hand der Bedränger” (Neh. 9, 27), der “Hand der Gewalttätigen” (Hiob 6, 23), der “Hand des Gesetzlosen” (Ps. 71, 4; 82, 4; 97, 10) u.v.a.m. Und doch dürfen alle diese Hände nur das tun, was Gott in seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe zum Heil seiner irrenden Geschöpfe beschlossen hat. Der Glaube, der “dem ins Herze sehen darf, der uns so geliebet hat”, versteht die ergreifende Klage des Herrn, die wir in Jer. 12, 7 lesen: “Ich habe mein Haus verlassen, mein Erbteil verstoßen, ich habe den Liebling meiner Seele in die Hand seiner Feinde gegeben.” Der Herr nennt das untreue, gefallene Israel immer noch den “Liebling seiner Seele”! Darum begreifen wir auch die folgenden Verse 14 bis 16 und fassen Röm. 11, 26, daß am Ende ganz Israel gerettet werden wird. — Die Hand, die sich gegen einen Propheten Gottes erhebt, verdorrt (1. Kön. 13, 4), und wer mit der Hand eine unnatürliche, widerliche Tatsünde begeht, dem soll sie abgehauen werden (5. Mose 25, 11.12).

Das Brot Gottes soll nie aus der Hand eines Fremden, d. h. eines Nichtisraeliten dargereicht werden (3. Mose 22, 25). Denn “was die Nationen opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott!” (1, Kor. 10, 20a). Gemeinschaft mit Dämonen sollen wir aber nicht haben (1. Kor. 10, 20b). Darum gilt es den Leib des Herrn zu unterscheiden, um nicht unter das Gericht der Schwachheit, der Krankheit und eines frühen Todes zu kommen (1. Kor, 11, 29.30). Das sind ernste, heilige Dinge, die der Gehorsam des Glaubens wohl zu beachten gewillt ist.

Wer heilige Hände zu Gott aufhebt (1. Tim. 2, 8), der nimmt an Stärke zu (Hiob 17, 9). Deshalb gilt es, Hände und Herzen immer wieder zu reinigen, wie Jak. 4, 8 geschrieben steht: “Reiniget die Hände, ihr Sünder, und reiniget die Herzen, ihr Wankelmütigen!” Bezieht sich dieses Wort, das eigentlich zunächst nur an die zwölf Stämme der Zerstreuung gerichtet ist, nicht auch auf uns Wankelmütige, oder Doppelherzige aus den Nationen?

Wohl uns, wenn wir etwas von dem wissen, was “Gottes Hand und Ratschluß” zuvorbestimmt hat, daß es geschehen sollte (Apg. 4, 28)! Dann lernen wir mit David sprechen: “Mögen wir doch in die Hand des Herrn fallen, denn seine Erbarmungen sind groß! Aber in die Hand der Menschen laß mich nicht fallen!” (2. Sam. 24, 14b). Denn wir dürfen das tröstliche Verheißungswort, das der Herr einst hinsichtlich seiner jüdischen Jünger sprach, auch auf uns beziehen: “Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben” (Joh. 10, 29).

Die heiligen Hände des Herrn haben alles geschaffen (Hiob 12, 9) und “ohne ihn ward auch nicht eines, das geworden ist” (Joh. 1, 3). “In seiner Hand ist die Seele aller Lebendigen und der Geist allen menschlichen Fleisches” (Hiob 12, 10). Was irgend Leben in sich trägt, hat eine Seele, also auch die Tiere. Der Mensch aber, obwohl auch er wie das Tier Fleisch ist, ist Träger des Geistes!

Sowohl die Tiefen der Erde sind in Gottes Händen (Ps. 95, 4) als auch die Herzensentschlüsse irdischer Machthaber; er leitet sie, wie er will (Spr. 21, 1). Und diese seine treuen, starken Hände streckt er seinen irrenden, ungehorsamen Geschöpfen entgegen und muß in die herzbewegende Klage ausbrechen: “Ich habe gerufen, und ihr habt euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat aufgemerkt, und all meinen Rat habt ihr verworfen und meine Zucht nicht gewollt!” (Spr. 1, 24.25).

Gilt nicht den meisten Menschen der “Christenheit” das Wort des Herrn, das im Vollsinn einmal einer endzeitlichen, judenchristlichen Gemeinde gelten wird: “Siehe, ich stehe an (oder vor!) der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen” (Offb. 3, 20)? “Siehe!” sagt Jesus; d. h.: öffne doch einmal deine Augen und erkenne die Lage, in der du dich befindest! Der Herr aller Herren, der Schöpfer, Erlöser und Vollender des Weltalls erniedrigt sich in seiner Liebe zum einlaßbittenden Fremdling! “Wenn jemand meine Stimme hört …” Hast du sie gehört? Hörst du sie immer? Hörst du sie heute? Tust du ihm die Herzenstür so weit auf, daß er dich “völlig (oder: mit allen Rechten!) bewohnen” kann (so wörtlich nach Eph. 3, 17)?

Ob der große, wunderbare Rettergott seine Hand umsonst ausstreckt? Wer das meint, weiß noch wenig von der Kraft der Liebe! Einst kommt der Tag, da sogar “die Tiefe”, d. h. die Totenbehältnisse der Unterwelt, ihre Stimme erschallen läßt und ihre Hände zur Höhe erhebt (Hab. 3, 10). Und der treue Vater der Liebe, der seine Gefangenen, die er wegen ihres Ungehorsams dort drunten in jenen Räumen der Finsternis aufbewahren läßt, keineswegs verachtet (Ps. 69, 33), wird sich ihrer erbarmen. Denn auch “die Bewohner der Finsternis, gefesselt in Elend und Eisen, weil sie widerspenstig waren gegen die Worte Gottes und verachtet hatten den Rat des Höchsten” (Ps. 103, 10.11), werden nach diesem Schriftzusammenhang (lies bis Vers 16!), wenn sie durch Mühsal gebeugt sind, straucheln und in ihrer Bedrängnis zu Gott schreien, aus ihrer Drangsal errettet, aus der Finsternis und dem Todesschatten herausgeführt und bekommen ihre Fesseln gelöst. Dann werden sie den, der die ehernen Türen zerbrach und die eisernen Riegel zerschlug (Erz ist das Symbol des Gerichtes und Eisen ein Sinnbild der Sünde!) preisen wegen seiner Wundertaten! —

Ehe wir nun auf den Zweck der Handauflegung eingehen, wollen wir noch einige wichtige, grundlegende Vorbemerkungen machen. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß das Auflegen der Hände keineswegs nur eine fromme Geste, keine bloße Form der Gottseligkeit ohne Sinn und Kraft ist, wie es für den oberflächlichen Beschauer den Anschein haben könnte. Handauflegung ist, wenn sie im Namen und Auftrag des Herrn geschieht, eine “Machttat” Gottes! Denken wir etwa an Mark. 6, 5! Dort lesen wir, daß Jesus in seiner Vaterstadt keine “Wunderwerke” oder “Machttaten” vollbringen konnte, “außer daß er einigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte”.

Auch durch die Hände des Paulus bewirkte Gott solche Machttaten, wie wir in Apg. 19, 11 lesen. Doch wollen wir hierbei nicht vergessen, daß das geschah, als der Apostel noch nicht den vollen, klaren Auftrag hatte, den logos Gottes in sein pläroma, in seine Vervollständigung oder seine Fülle zu führen (Kol. 1, 25), d. h. dem Sohn Gottes als Haupt eine Leibesgemeinde zu sammeln.

Da dieser Dienst der Hände von solchem Wert und solcher Wichtigkeit ist, durfte niemand, der einen Bruch an der Hand hatte, das Brot Gottes darbringen, d. h. am Altar dienen (3. Mose 21, 18-21). Erst im Licht des Neuen Testamentes verstehen wir die tiefe, wesenhafte Bedeutung der scheinbar oft so nebensächlichen und langweiligen Anordnungen des alten Bundes.

Handauflegung stand oft in Verbindung mit Fasten; fast immer war es verbunden mit Gebet (Apg. 13, 3; 6, 6 u.a.m.). Nur da, wo diese heilige Darreichung im Glauben ausgeübt und im Glauben empfangen wird, wird wesenhafter, bleibender Segen gewirkt. Eine Ausnahme bilden wohl Kinder, die ohne Zweifel durch das Auflegen heiliger Hände und das Gebet des Glaubens eine Abschirmung gegen die Finsternis empfangen und in den Lichtkreis der Gnade gerückt werden (vgl. dazu 1. Kor. 3, 14!). —

Ohne zwischen den Königreichsbotschaften der nichtpaulinischen Schriften einerseits und den Paulusbriefen, sonderlich den letzten Schreiben, andererseits zu unterscheiden, wollen wir eine Zusammenstellung der Zweckbestimmungen des Handauflegens zu geben versuchen. Das Auflegen der rechten Hand bzw. beider Hände bewirkt

  1. Abschirmung gegen Finsternismächte;
  2. Segensvermittlung;
  3. Heilung von körperlichen Krankheiten und Gebrechen;
  4. Austreibung böser Geister;
  5. Empfang des Heiligen Geistes;
  6. Weihe zum Dienst für Gott;
  7. Vermittlung besonderer Gnadengaben.

Diese verschiedenen Zweckbestimmungen sind keineswegs scharf zu scheiden. Manche fließen ineinander über, andre wiederum sind unlösbar miteinander verbunden. Sie sind auch keineswegs nur auf einen oder mehrere Gotteshaushalte beschränkt, obwohl sie in dem einen oder andern stärker hervortreten. So ist es z. B. offensichtlich, daß körperliche Heilungen durch Handauflegung in erster Linie zum vergangenen Gesetzes- und zukünftigen Königreichshaushalt gehören, während die Gnadengabe, die Paulus seinem geistlichen Sohn Timotheus vermittelte, durchaus dem Zeitalter der Gemeinde des Leibes Christi eignet. Um jedoch einen gewis­sen Durchblick und Überblick zu gewinnen, wollen wir die obengenannten Zweckbestimmungen des Auflegens der Hände der Reihe nach betrachten.

1. Abschirmung gegen Finsternismächte

Der natürliche Mensch steht viel stärker, als er ahnt und weiß, unter dem Einfluß finsterer Mächte. Ist doch “der Fürst der Gewalt der Luft”, nämlich Satan, wirksam (d. h. er treibt sein Werk!) in den Söhnen des Ungehorsams (Eph. 2, 2)! Gleichwie der Sauerstoff der Luft unedle Metalle zersetzt, so vermag dieser Geist solche, die nicht in Christo Jesu geborgen sind, anzutasten und in sein eigenes Finsterniswesen umzugestalten. Das ist eine gar nicht ernst genug zu nehmende Tatsache.

In seiner tiefen Symbolik spricht nun Gottes Wort von “offenen Gefäßen” (4. Mose 19, 11-16). Daß dieser Ausdruck “Gefäß” zunächst nach den israelitischen Reinigungsvorschriften ganz wörtlich zu nehmen ist, ist sonnenklar. Darüber hinaus aber gilt es zu bedenken, daß auch Völker und Menschen oft als Gefäße bezeichnet werden (Ps. 31, 12; Jer. 22, 28; 25, 34; 51, 34; Hos. 8, 8; Apg. 9, 15; Röm. 9, 21-23; 2. Kor. 4, 7; 1. Thess. 4, 4; 2. Tim. 2, 21; 1. Petri 3, 7 u.v.a.m.).

Gleichwie nun die oft in der Schrift erwähnten “offnen Städte” für angreifende Feinde, Rudel wilder Hunde oder Streifscharen von Räubern zugänglich waren, so ist auch der Mensch ein “offenes Gefäß”. Eine besondere Stellung des Verschlossenseins nehmen Kinder und solche Erwachsene ein, die noch ihre Jungfräulichkeit besitzen. Darum lesen wir, daß die Engel der Kinder allezeit das Angesicht des Vaters sehen und finden zum andern, daß die Schrift einen Unterschied macht zwischen einer Jungfrau und einer Verheirateten. So gebietet z. B. Paulus jungen Witwen, wieder zu heiraten, während er Jungfrauen empfiehlt, unverehelicht zu bleiben, wie auch er ist. Das sind Dinge von tiefer, wunderbarer Bedeutung, die weit wesenhaftere als nur medizinische und psychologische Hintergründe haben.

Vielleicht verstehen wir in diesem Zusammenhang auch den tiefen Sinn von 2. Sam. 13, 19. Tamar war von Amnon vergewaltigt worden. Dadurch, daß sie ein Fleisch mit ihm geworden war, war sie sein Weib geworden. Amnon aber hatte sie verstoßen. Damit wurde sie zu einem “offenen Gefäß”! In ihrer Not und Schande schüttete sie Asche auf ihr Haupt, zerriß ihr langes, vielfarbiges Jungfrauen- und Ehrenkleid und legte schreiend ihre Hand auf ihr Haupt. Sie schirmte sich gewissermaßen gegen die Mächte ab, denen sie jetzt geöffnet und preisgegeben war. Lautes Schreien wird ja heute noch bei vielen Naturvölkern als Abwehrmittel gegen Dämonen gebraucht. Die Handauflegung dagegen (man beachte die auf rein seelischer Wirkung beruhende wohltuende Berührung eines Kranken durch die Hand des Arztes!) ist eine heilige, göttliche Angelegenheit.

Weil nun niemand da war, der Tamar diesen Dienst des Trostes und der Schirmung hätte tun können, legte sie, vielleicht aus reinem Naturtrieb und einer gewissen göttlichen Ahnung heraus, sich selber die Hand aufs Haupt. Die geschändete Königstochter blieb einsam, und Amnons leidenschaftliche Tat bewirkte die Tragödie, die in 2. Sam. 13 so ergreifend geschildert ist.

Es ist dem Menschen als Ebenbild Gottes eigen, sich schützend und bewahrend vor die Schwachen und Angefochtenen zu stellen. Und das sonderlich dann, wenn es sich um das eigene Fleisch und Blut handelt. Finden wir nicht sogar bei Tieren Taten selbstopfernder Mutterliebe?

Selbst gottlose und verhärtete Menschen werden von der Unschuld und Reinheit eines Kindes innerlich ergriffen und stellen sich in irgendeiner Form als Beschützer neben und vor sie. Hat doch der Spötter Heinrich Heine, der im Blick auf die holde Schönheit eines jungen Mädchens von Wehmut bewegt war, da er bangte, ihre unschuldsvolle Reinheit könne geraubt werden, die herzbewegenden Worte gedichtet:

“Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt’,
betend, daß Gott dich erhalte
so schön und rein und hold.”

Wir sehen also, dass Handauflegung als Abschirmung gegen Finsternismächte etwas ist, was sogar dem natürlichen, sündigen Menschen eignet — wieviel mehr dem Gottesmenschen, der etwas von dem Geist und der Gesinnung seines Vaters in sich trägt! Werden doch Gott oder auch Dämonen und Menschen “Schutz” und “Schirm” genannt (4. Mose 14, 9; 5. Mose 32, 38; Ps. 91, 1). Vor seinem Sturz war Luzifer ein “schirmender” und gesalbter Engelfürst (Hes. 28, 14.16), wurde jedoch wegen seines Hochmuts und seiner Ichbezogenheit zum Feind und Verderber. Heute ist er deshalb nicht mehr Schild und Schirm, sondern er bedroht und befehdet Gottes Geschöpfe mit feurigen Pfeilen. Wo aber in Glaubensvollmacht heilige Hände auf ein Haupt und Leben gelegt werden, da muß Satans Macht brechen und weichen. Glückselig, wer das als Empfangender oder Darreichender erfahren darf!

2. Segensvermittlung

“Man brachte Kindlein zu Jesus, auf daß er sie anrühre … Und er nahm sie in seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie” (Mark. 10, 13.16). Je hilfsbedürftiger und ohnmächtiger ein Geschöpf ist, umso mehr steht es unter der besonderen Obhut Gottes. In der Welt ist es umgekehrt! Die Schwachen, Geringen und Armen werden verhöhnt, ausgebeutet und unterdrückt. Gott ist eben in jeder Beziehung “der ganz Andere”!

Der Schöpfer, Erlöser und Vollender aller Wesen und Welten hatte Zeit für kleine Kinder! Er wehrte den Jüngern, die sich wunder wie wichtig vorkamen (lies Vers 14 und 15), nahm die Kinder auf seine Arme und legte segnend die Hände auf sie. Er taufte sie nicht, sondern segnete sie. Warum machen wir es nicht ebenso? Sind die Kinder eines jüdischen Weibes etwa andere Lebewesen als die einer deutschen, amerikanischen oder russischen Frau? Wollen wir hier mit Äonen und Ökonomien, mit Bedeutungswandel und Kirchengeschichte operieren? Was haben wir doch oft für eine verkrampfte Frömmigkeit! Haben wir uns denn nie gedrungen gefühlt, einem Kind oder einem lieben, uns nahe stehenden Menschen die Hand aufs Haupt zu legen und ihn zu segnen? Wir sind doch keine Maschinen zum Geldverdienen, sind auch keine Kleiderständer und Eßbehälter (obwohl das für viele der Hauptlebenszweck zu sein scheint!), sondern nach Gottes Ebenbild geschaffene Menschen! Sind wir doch berufen, zu segnen, da wir ja selber Segen ererben sollen (1. Petri 3, 9)! Welchen irdischen Beruf wir neben unserer eigentlichen, göttlichen Bestimmung ausüben, ist dabei völlig Nebensache!

Lesen wir doch einmal anhand einer Konkordanz nach, was Gottes Wort alles über Segen und segnen sagt — unser Herz wird unaussprechlich froh und weit werden! Und alle diese Segnungen dürfen wir nicht nur empfangen, sondern auch weiterreichen, sie andern Menschen vermitteln und so deren “Retter” und “Heiland” werden, wie wir in manchen Zusammenhängen der Schrift lesen. Das ist die tiefste und eigentliche Not unseres oft so armen, gequälten Lebens, daß wir nicht mehr lieben und wohltun und segnen können, sondern nur noch zu sorgen und zu fluchen, zu begehren und zu raffen vermögen. Ach, wie jämmerlich und gottfern sind wir doch geworden, auch wenn wir noch so fromme Worte hören und wissen, sprechen und schreiben!

Weil wir die Wirklichkeit göttlichen Segens gar nicht mehr verstehen, sondern bestenfalls für frommes Gerede halten, begreifen wir solche Worte von geradezu dramatischer Wucht auch nicht, wie sie etwa von Esau berichtet werden, wenn wir in 1. Mose 27, 34.38 lesen: “Als Esau die Worte seines Vaters hörte, da schrie er mit einem großen und bitterlichen Geschrei über die Maßen und sprach zu seinem Vater: Segne mich, auch mich, mein Vater! … Hast du nur diesen einen Segen, mein Vater? Segne mich, auch mich, mein Vater! Und Esau erhob seine Stimme und weinte.” —

Vermittlung von Segnungen irdischer und geistlicher Art war meist mit Auflegen der Hände verbunden, wie wir aus vielen Stellen der Schrift wissen. Und zwar gilt das für die Heilskörperschaft des irdischen Bundesvolkes Gottes ebenso wie für die Gemeinde des Leibes des Christus. Daß Handauflegung mit Segnung zu einer bloßen Form erstarrt ist, darf uns nicht wundern. Alles Göttliche und Geistliche entartet ja in der Hand des Menschen, wenn es zum Betrieb und Geschäft wird.

Aus mancherlei Zusammenhängen des Wortes Gottes sehen wir, daß Segnende immer wieder selber gesegnet werden (1. Mose 12, 1.2; 27, 29b; 4. Mose 29, 9 b; Jer. 4, 2; Röm. 15, 29 u.v.a.m.). Wirklich glückselig ist nur der, der da, wo er geschmäht wird, segnet (1. Kor. 4, 12), der auch die, die ihm fluchen (Luk. 6, 28) und ihn verfolgen (Röm; 12,14), zu segnen vermag. Gehören du und ich zu diesen Glückseligen?

Dann dürfen wir auch überreich erfahren, was in Spr. 1, 25a verheißen ist: “Die segnende Seele wird reichlich gesättigt!” Doch hüten wir uns, daß nicht in irgendeiner Form Ps. 62, 4b auf uns zutrifft, wo von den Feinden Gottes geschrieben steht: “Mit ihrem Munde segnen sie und in ihrem Innern fluchen sie!” Denn Satan versucht auch das Heiligste anzutasten und in sein Gegenteil zu verzerren.

Wie tief es selbst in dem gefallenen Menschen liegt, zu segnen, durch Handauflegung einem geliebten Kinde etwas Bleibendes, Wesenhaftes zu vermitteln, ersehen wir aus einem ergreifenden Sechszeiler, der uns unser eigenes Herz und Wesen mit seiner Furcht und Sehnsucht mehr erschließt als lange psychologische und moralische Abhandlungen:

Er war ein Atheist. Sein graues Haupt
hat nimmermehr an einen Gott geglaubt.
Da zog sein einzig Kind in fernes Land.
Und zitternd legt er ihm aufs Haupt die Hand
und spricht aus tiefstem Herzen inniglich:
“Gott segne dich!”

3. Heilung körperlicher Krankheiten und Gebrechen

In Luk. 13, 11-13 lesen wir von einer verkrümmten Frau, die 18 Jahre “vom Satan gebunden” war (siehe Vers 16!). Jesus erblickte sie, erbarmte sich ihrer, sprach ein Wort göttlicher Vollmacht und legte ihr die Hand auf. “Alsbald wurde sie gerade und verherrlichte Gott.”

Wir lesen bei dieser Begebenheit nicht, daß der Herr zu seinem Vater gebetet habe; er gebot, auch nicht, wie er es in andern Fällen tat, den Dämonen bzw. dem Satan. Er sagte nur einen Satz, der aber für die arme Frau im Vollsinn des Wortes “Heilstatsache” war. Dann legte er ihr die Hand auf, und sie war gesund. Wir werden bei der Betrachtung verschiedener Heilungen sehen, daß es keineswegs eine feste Form, einen bestimmten Ritus gibt, nach dem man verfahren muß, um “Erfolge” zu erzielen. Hier ist alles geistgewirkt und originell; wenn man auf irgend einem Gebiet niemand etwas vorführen und beibringen, aber auch niemand etwas abgucken und nachmachen kann, dann auf dem göttlicher Vollmacht.

Menschen, die nicht in Wahrheit Gottbeauftragte sind, können höchstens erlernbare Formen schaffen, von deren Gebrauch sie eine magische Wirkung erhoffen. So entstanden und entstehen die verschiedenen “Religionen”, die meist ein Gemisch göttlicher, natürlicher und dämonischer Wahrheiten und Wirkungen sind. Das war bei dem Herrn und ist bei denen, die ihm wesenhaft angehören und von ihm beauftragt und bevollmächtigt sind, nicht der Fall. Sie werden ganz originell ausgerüstet und geführt; nicht zwei wirkliche Gottesmenschen werden in allen “Stücken der Erkenntnis und des Auftrags haargenau, wie in Schablonen gegossen, übereinstimmen; jedes Zeugnis und jeder Dienst, jede Gnade und Kraftwirkung, die von ihnen ausgehen, werden durch das Prisma ihrer Individualität gebrochen und darum verschiedenartig sein und so den Fürstentümern und Gewalten der Himmelsregionen etwas von der “buntfarbigen Weisheit” Gottes darstellen (Eph. 3, 10).

Daß Heilung körperlicher Krankheiten und Gebrechen wesensmäßig zur Königreichsbotschaft an Israel und durch Israel auch an die Nationen gehört, in der Gegenwart jedoch, wo der Leib Christi gesammelt und vollendet wird, nur gelegentlich und ausnahmsweise als besondere Gnade vorkommt, wollen wir als bekamt voraussetzen und daher am Rande erwähnen. Wer aber in besonderen Fällen die Freimütigkeit hat, im Glauben nach Mark, 16, 18b zu handeln, den möge man nicht schmähen! Tatsache ist, dass Gott in seiner großen, unergründlichen Liebe dieses Wort auch heute immer wieder bestätigt und erfüllt. Wie wird es aber erst sein, wenn es im Vollumfang im messianischen Königreich und in den darauf folgenden Äonen herrliche Wahrheit wird! —

Als man dem Herrn einen Tauben brachte und ihn bat, diesem die Hand aufzulegen, nahm ihn Jesus besonders (das tat er durchaus nicht immer!), legte die Finger in seine Ohren, spützte, rührte seine Zunge an, blickte gen Himmel, seufzte und gebot den kranken Organen: “Ephata!” (Tut euch auf!), wie wir in Mark. 7, 32-34 lesen. Wie wunderbar war die Antwort Gottes: “Sofort wurden seine Ohren aufgetan, das Band seiner Zunge wurde gelöst und er redete recht” (Vers. 35).

Hier war eine ganze Reihe von Tätigkeiten nötig, ehe der Kranke gesund wurde. Während andere Geheilte aufgefordert wurden, Zeugnis von dem abzulegen, was der Herr an ihnen getan hatte, wurde diesem ehemals Taubstummen geboten, niemand etwas von seinem Erleben zu sagen. Auch in diesem Stück handelte der Herr ganz unterschiedlich je nach dem vorliegenden Bedürfnis und der Individualität derer, denen er diente.

Nach Mark. 8, 22-25 mußte Jesus dem Blinden aus Bethsaida zweimal die Hände auflegen, das zweite Mal auf die Augen, bis dieser gehend wurde. Der Synagogenvorsteher Jairus wußte, daß der Herr seine im Sterben liegende Tochter durch Handauflegung retten konnte (Mark. 5, 22.23), ja, sogar die inzwischen Verstorbene durch Auflegen seiner Hände wieder ins Leben zurückrufen könne (Matth. 9, 18). Welche Machtwirkungen gingen doch vom Jesu heiligen Händen aus!

Daß in Menschenhänden Heilkräfte liegen, ist eine oft erwiesene Tatsache. Diese rein natürlichen Kräfte kann man sowohl dem Dienst Gottes als auch bewußt oder unbewußt dem Satan weihen. Hier gibt es oft Grenzgebiete, die sich auf den ersten Blick gar nicht klar durchschauen und beurteilen lassen. Auf jeden Fall gilt von dem Herrn, was wir in Hiob 5, 18 lesen: “Er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen!”

Seine Hände heilen! Darum ist es gut, sich im Glauben immer wieder in Gottes und Jesu Hände zu legen. Und wer die Gnadengabe und den Auftrag hat, andern je und dann die Hände aufzulegen, der möge es tun, ohne sich von rechts oder links bevormunden zu lassen. Hat doch auch unser Bruder und Lehrer Paulus erfahren, was in Apg. 9, 17-18 berichtet wird: “Ananias, ihm (d. i. Paulus) die Hände auflegend, sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Wege, den du kamst, damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt werdest. Und alsbald fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend, stand auf und wurde getauft.” Was er hier erfuhr, hat er später selber ausgeübt, sonderlich als er noch nur das Königreich verkündigte und ihm das Mysterium des Leibes Christi und seiner Sonderstellung im Plan Gottes noch nicht völlig enthüllt war. So lesen wir z. B. in Apg. 28, 8: “Der Vater des Publius, von Fieber und Ruhr befallen, lag danieder. Zu dem ging Paulus hinein, und als er gebetet hatte, legte er ihm die Hände auf und heilte ihn.” Als jedoch später sein geistlicher Sohn und Mitarbeiter Timotheus Schwierigkeiten mit seinem schwachen Magen hatte, legte er ihm nicht die Hände auf (wir lesen wenigstens nichts davon), sondern empfahl ihm, dann und wann ein wenig Wein zu trinken (1. Tim. 5, 23).

4. Austreibung böser Geister

Daß zur Austreibung böser Geister die Hände aufgelegt werden müssen, steht in dieser Form in Gottes Wort nirgends geschrieben, wie es ja, wie wir bereits sahen, keine klarumrissenen Anweisungen gibt, nach denen man verfahren muß, um ein beabsichtigtes Ziel zu erreichen. Aber aus einigen Zusammenhängen dürfen wir doch ersehen, daß die Handauflegung ohne Zweifel auch bei Exorzismen, d. h. beim Bannen böser Mächte üblich war. Warum sollte der Herr dem Knaben von Matth. 17, 14-18 nicht die Hände aufgelegt haben? Man darf durchaus annehmen, daß er es tat. Und das um so mehr, als es sich hier um eine Art von Dämonen handelte, die nicht durch bloße Berührung oder einen Anruf, sondern nur durch Gebet und Fasten ausfahren (Vers 21). Es ist ähnlich wie bei den verschiedenen Totenauferweckungen, die der Herr während seines Erdenlebens bewirkte. Bei dem Töchterlein des Jairus genügte eine leise, linde Berührung, um sie dem Leben wiederzugeben. Bei dem Sohn der Witwe zu Nain waren schon mehr Energien nötig, um ihn dem Tode zu entreißen: Jesus hielt den Leichenzug an und sprach allen vernehmbar zu dem Toten. Bei Lazarus hingegen ging der Herr durch seelische Erschütterungen. Er weinte, betete öffentlich, ließ den Stein von der Gruft entfernen und rief mit lauter Stimme.

So weichen auch manche Dämonen erst bei Handauflegung und Befehl nach Gebet und Fasten. Unter welchen Widerständen sich das vollziehen kann, ersehen wir vielleicht am besten aus Apg. 19, 11-16, Dort lesen wir: “Nicht gewöhnliche Wunderwerke tat Gott durch die Hände des Paulus, so daß man sogar Schweißtücher oder Schürzen von seinem Leibe weg auf die Kranken legte und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren. Aber auch etliche von den umherziehenden jüdischen Beschwörern unternahmen es, über die, welche böse Geister hatten, den Namen des Herrn Jesus anzurufen, indem sie sagten: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, welchen Paulus predigt! Es waren aber gewisse Söhne eines jüdischen Hohenpriesters Skeva, ihrer sieben, die dies taten. Der böse Geist aber antwortete und sprach zu ihnen: Jesum kenne ich, und von Paulus weiß ich; aber ihr, wer seid ihr? Und der Mensch, in welchem der böse Geist war, sprang auf sie los (griech.: ephalomenos) und bemeisterte sich beider und überwältigte sie, so daß sie nackt und verwundet aus dem Hause entflohen.” Der Ausdruck, den Luther mit “sprang auf sie”, die Elberfelder Übersetzung mit “sprang auf sie los” und Knoch mit “schnellte empor” übersetzt, hat als Vorsilbe das Wörtlein “epi”, das soviel wie “auf” oder “empor” bedeutet. Wir dürfen also ganz einfach und zwanglos so verdeutschen: “Der Mensch, in welchem der böse Geist war, sprang (oder schnellte) empor (oder auf).” Es ist also durchaus anzunehmen, daß der oder die Kranken niederknieten, während die Beschwörer Ihre Formel sagten, in denen die Namen Jesus und Paulus vorkamen, denen sie magische Wirkungen zuschrieben. Da das aber nicht in geistlicher Vollmacht sondern als Zauberei geschah, wurden die nicht von Gott ausgerüsteten Zauberer von den Dämonen überwältigt.

Ähnlich verhält es sich, wenn man einem Menschen, der sich nicht von jeder bewußten Sünde wirklich lösen lassen will, die Hände auflegt. Dadurch macht man sich fremder Sünde teilhaftig und kann in Verunreinigung oder gar unter den Bann einer Finsternismacht kommen. Jeder, der andern durch Handauflegung wirklich dienen durfte, wird etwas von der heiligen Furcht wissen, die einen dabei manchmal befällt. So verstehen wir die ernste paulinische Mahnung von 1. Tim: 5, 22: “Die Hände lege niemandem schnell auf und habe nicht teil an fremden Sünden; bewahre dich selbst rein!”

Durch Handauflegung identifiziert sich gewissermaßen der, der die Hand auflegt, mit dem, dem sie aufgelegt wird. Nur wenn bei beiden der entschiedene, heilige Wille zu völliger Reinheit und totalem Gehorsam Gott gegenüber vorhanden ist, kann diese Handlung von Segen sein. Andernfalls wird sie nicht nur zur Posse, sondern zum Unsegen und Fluch. Das sind gar ernste Dinge, die es sehr wohl zu beachten gilt. Wer nicht den Auftrag zum Hirtendienst (Eph. 4, 11; Kol. 1, 29) vom Herrn empfangen hat, wird auch niemand fürbittend die Hände auflegen und mit ihm im Geist gegen Finsternisanfechtungen kämpfen und ringen wollen und können. Möge er es unterlassen! Aber er sollte kein Urteil fällen über göttliche Dinge, die ihm nicht erschlossen sind und zu deren Ausübung er zufolgedessen auch keinen Auftrag hat. —

5. Empfang des Heiligen Geistes

In 5. Mose 34, 9 lesen wir: “Josua, der Sohn Nuns, war erfüllt mit dem Geiste der Weisheit, denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt.” Nach diesem klaren Zeugnis hatte die Handauflegung des Mose seinem Nachfolger Josua den Geist der Weisheit vermittelt, der einer der sieben Geister Gottes ist. Betet doch auch Paulus in Eph. 1, 17, daß seine Briefempfänger den Geist der Weisheit empfangen möchten, nachdem sie den Glauben an den Herrn Jesus und die Liebe zu allen Heiligen hatten, also wirklich gläubig waren.

Auch in diesem Zusammenhang müssen wir wiederholen, daß Geistesempfang durch Handauflegung vermittelt werden kann, aber durchaus nicht auf diesem Wege vermittelt werden muß. Denken wir doch nur etwa an Eph. 1, 13, wo Paulus drei Stücke nennt, die ohne jede Unterbrechung, ohne jede zu erfüllende Formalität hintereinander dargereicht werden: Hören, Glauben, Versiegeltwerden mit dem Heiligen Geist! Paulus selbst wurde allerdings auf Grund der Handauflegung des Ananias mit Heiligem Geiste erfüllt, wie wir bereits in Apg. 9, 17 sahen.

Später vermittelte er Geisteskräfte und Geisteswirkungen seinem Glaubenssohn Timotheus. Das geht aus dem begründenden Wörtlein “denn” hervor, das den 6. und 7. Vers in 2. Tim. 1 verbindet. Nach Vers 6 verlieh Paulus seinem jungen Mitarbeiter durch Handauflegung eine Gnadengabe. Diese gilt es nun anzufachen, neu zu beleben oder wieder zu entflammen. Dadurch schwinden Furcht und Beklemmung, die ein Kennzeichen des natürlichen Menschen sind, weicht die geheime Schwermut, die allem Geschöpflichen eignet. Daß Anmaßung, Frechheit und bewußte Sünde nichts anderes als verzweifelte, aber aussichtslose Versuche sind, aus dieser naturgegebenen seelischen Belastung herauszukommen, sei nur am Rande vermerkt. Erst wenn wir das verstanden haben, können wir andern wirklich seelsorgerlich dienen und helfen.

Der Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht erfüllten durch den Dienst der Handauflegung des Paulus den jungen Timotheus, dessen Aufgabe und Pflicht es jetzt ist, diese heiligen Gotteskräfte und Gnadengaben immer wieder anzufachen. Auch das ersehen wir aus dem Wörtlein “denn”, das die beiden Verse verknüpft, die vom Auflegen der Hände des Paulus einerseits und von der Geistesgabe Gottes andrerseits sprechen.

Gewaltig und wunderbar muß das Erlebnis von Apg. 8, 17 gewesen sein, da Simon Geld anbot, um ebenfalls der sich offenbarenden Vollmacht Gottes teilhaftig zu werden (Vers 18 und 19). Auch Apg. 19, 1-7 gehört in diesen Zusammenhang. Der Geist Gottes kam erst dann auf die erweckten zwölf Männer von Ephesus, als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte.

Es ist durchaus nicht so, daß man nur voll Geistes wird, wenn man die Hände aufgelegt bekommt. Eph. 5, 18-21 nennt andere, innerlichere, geistlichere Wege, wenn wir das Auflegen der Hände zunächst als nur äußeren, wenn auch durchaus gottgemäßen Weg bezeichnen wollen. Und doch — sollte es nicht Gott wohlgefällig sein, wenn Brüder miteinander und füreinander beten und sich bei wichtigen Anlässen gegenseitig die Hände auflegen, um mit Geist und Kraft angetan zu werden? Wir werden bei unsern beiden nächsten Punkten sehen, daß das durchaus paulinisch und gemeindemäßig ist! Die Gläubigen der Gegenwart stehen in einer solch erschreckenden Armut an Frieden, Freude und Vollgewißheit ihres Heils, an Vollmacht im Wandel und Zeugnis, in einem solchen Mangel an selbstloser Bruderliebe, daß wir nicht mit schulmeisterlich erhobenem Finger dozieren sollten, was Israel gehört und was der Gemeinde gilt. “Alles ist euer!” Das brennende Herz eines lebendigen “Königreichschristen” ist ohne Zweifel vor Gott angenehmer und den Menschen dienlicher als die kalte Besserwisserei und Rechthaberei solcher, die überall gleich Schwärmerei wittern, wo etwas nicht nach ihrem Schema geht.

Wieviele gottlose und fromme Methoden hat doch der Feind, um uns abzuhalten, mit Geist und Leben erfüllt zu werden! Lassen wir uns doch nicht in eine engherzige, fromme Knechtschaft führen! “Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit” (2. Kor. 3, 17)! Wenn wir das Schriftganze in Betracht ziehen, so dürfen wir wohl sagen, daß es eine Vermittlung des Heiligen Geistes durch Handauflegung gibt. Daß das sonderlich bei Israel der Fall war, ist offensichtlich. Weil aber alles unser ist, warum sollten wir da nicht in Kindeseinfalt des Glaubens die Mittel und Methoden benutzen dürfen, die Gott auch uns gab? Wer von diesen Möglichkeiten gegenseitiger brüderlicher Hilfe keinen Gebrauch machen will, der unterlasse es. Wir aber möchten nach biblisch-apostolischem Vorbild uns immer wieder antun lassen mit Kraft aus der Höhe, uns immer wieder füllen lassen mit Geist und Leben, auf daß das gewaltige, wunderbare Wort von Eph. 3, 19 auch in unserm Wandel und Zeugnis wahr werde, daß wir erfüllt sein dürfen, können und sollen “bis hinein in die ganze Fülle Gottes”! —

6. Weihe zum Dienst für Gott

Apg. 6, 1-6 gibt uns einen köstlichen Einblick in das Werden einer urbiblischen Gemeinde mit ihren menschlichen Schwächen und ihrer göttlichen Vollmacht. Wir sehen hier ein patriarchalisch-demokratisches System, wenn wir so sagen dürfen. Weder wurde nur von den “Führern” bestimmt und angeordnet, was rein patriarchalisch gewesen wäre, noch wurde von allen gewählt, was man als demokratisch bezeichnen müßte. Überhaupt finden wir in den Urgemeinden die verschiedensten Formen der Gemeindeverwaltung. Wir lesen einerseits vom Einsetzen von Ältesten und andererseits von Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern, die von Gott gegeben wurden. Daneben sollen die Gemeinden das anerkennen, was an Gnadengaben vorhanden ist; und doch ist es richtig und gut, wenn der Einzelne nach einem Aufseheramt “trachtet”. Es gibt eben keine neutestamentliche, fest umrissene, in allen Einzelheiten nachzuahmende Gemeindeordnung. Neben Beschlüssen von Konzilien finden wir eine weitgehende Selbständigkeit der Ortsgemeinden. Welch buntes, wechselndes Bild wahren geistlichen Lebens enthüllt sich uns im Neuen Testament!

Uns interessiert die Tatsache, daß die Apostel den zum Diakonendienst erwählten Männern die Hände auflegten, nachdem sie für den Dienst gebetet hatten. Der 7. Vers zeigt uns, wie wunderbar Gott sich daraufhin zur Jerusalemer Gemeinde bekannte, indem er ihr ein köstliches Wachstum schenkte. —

Einen tiefen Einblick in urchristliche Gemeindeverhältnisse gewährt uns auch Apg. 13, 1-4: “Es waren in Antiochien in der dortigen Versammlung Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene, und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, aufgezogen war, und Saulus. Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: “Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie berufen habe. Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geiste, gingen hinab nach Seleucia …” Fünf Propheten und Lehrer der Heidengemeinde zu Antiochien werden genannt, Paulus, der damals noch Saulus hieß an letzter Stelle. Diese fünf Männer dienten unter Fasten dem Herrn. Ob es das auch heute noch gibt? Gott sei Dank, daß er immer noch verborgene “Stille im Lande” hat, die ihm in Wahrheit dienen und ihn mehr lieben als ihr eigenes Leben! Während dieses Dienens und Fastens sprach der Heilige Geist. Er hat zwei Männer in besonderer Weise berufen, und diese sollen nun ausgesondert, d. h. bereitgestellt werden. Da fasteten die Brüder wiederum, beteten und legten den beiden zum Dienst verordneten Zeugen des Evangeliums die Hände auf.

Von wem waren nun Paulus und Barnabas ausgesandt, vom Heiligen Geist oder von Simeon, Lucius und Manaen? Der 4. Vers gibt uns die Antwort. Berufender und Aussendender ist der Geist Gottes; aber Menschen stehen in selbstloser, segnender Fürbitte hinter den Dienern des Herrn. Dabei spielt die Handauflegung eine wichtige Rolle. Sie ist gewissermaßen das Ja und Amen zu dem, was der Heilige Geist vorhat und tut.

So wird es immer sein und bleiben. Einzelgänger, die nicht eine sendende Gemeinde oder einen lebendigen Bruderkreis hinter sich haben, werden auf die Dauer keine wirkliche Legitimation Gottes erfahren. Sie mögen Erfolge, zahlende Anhänger und viele Bewunderer haben; wo aber die selbstlose Liebe, die in die Armut Christi hineinzusterben gewillt ist, nicht mehr die eigentliche und letzte Triebkraft ist, wo man sich auf irgendeine Weise zu bereichern sucht und groß werden will, da zieht sich der Heilige Geist zurück, und jener Tag wird es im unbestechlichen Lichte Gottes offenbar machen, wieviele letztlich sich selber dienten und “ihren Lohn dahin” haben! Möchten wir, du und ich, nicht zu diesen gehören! —

Im Laufe des Dienstes der Ausgesandten gab es Umgruppierungen. Bald wurde Paulus der führende Mann, und Barnabas trat in den Hintergrund. Beide Brüder blieben nicht immer beisammen, die Mitarbeiter des Nationenapostels wechselten. Es gab Spannungen und Zerwürfnisse, Trennungen und Treulosigkeiten, aber auch Zurechtgebrachtwerden und Wiedervereinigung. Denken wir nur an Paulus und Petrus, an Markus und Demas! Es war nicht viel anders als es heute ist.

Eines aber ist sicher: die Handauflegung auf die Ausgesandten war gottgewollt und gottbeglaubigt. Wie manchmal mag sie in Stunden der Furcht und Sorge erneuert und wiederholt worden sein! Geschieht das auch heute noch? Gott sei Dank ja!, sagen wir auch hier wieder. Wenn eine Gemeinde, eine Vereinigung, ein Bruderkreis noch nicht zur Organisation erstarrt ist, sondern von der Liebe Christi gedrängt und getrieben wird, wenn man wirklich Menschen zu Christus führen und die Gläubigen in den ganzen Reichtum des Evangeliums der Herrlichkeit einführen will, da erfährt man unter Gebet und Handauflegung treuer, begnadeter Brüder Kräfte und Ausrüstung zu dem gottverordneten Dienst. Das brauchen durchaus nicht offizielle Aussendungen und Amtseinführungen zu sein, nein, das kann ganz im Verborgenen in einer Dachkammer oder in einem Wohn­zimmer, in einer Sakristei oder in einem leeren Gebäudeschuppen geschehen, wie wir das oft erlebten und dabei köstliche Segnungen erfahren und vermitteln durften!

Was wir in Apg. 13, 1-4 lesen, hat ein alttestamentliches Vorbild in 4. Mose 8, 10.11. Dort wird uns berichtet: “Du sollst die Leviten vor den Herrn herzutreten lassen, und die Kinder Israel sollen ihre Hände auf die Leviten legen. Und Aaron soll die Leviten als Webopfer von seiten der Kinder Israel vor dem Herrn weben.” Weben bedeutet vor den Altar, also für Gott, und nach den vier Himmelsrichtungen, also für die Breite der Schöpfung, darstellen und weihen. So, wie hier die Leviten als Ausgesonderte aus Israel durch Handauflegung dem Heiligtum und damit dem Herrn zur Verfügung gestellt wurden, so wurden Barnabas und Paulus Gott zum Dienste geheiligt.

Wir sehen also, daß Handauflegung sowohl bei Israel als auch bei den Nationengemeinden Weihe zum Dienst für Gott bedeutet. Hast du, habe ich das eigene Leben auch, und sei es zum kleinsten und unscheinbarsten Dienst, durch Handauflegung und Gebet treuer Brüder dem geheiligt und zur Verfügung gestellt, der sich selbst für uns gegeben hat?

7. Vermittlung besonderer Gnadengaben

Noch eine letzte Zweckbestimmung der Handauflegung sei genannt. Wir wollen einige Schriftstellen aus den Timotheusbriefen zitieren, die uns wichtige Wegweisung geben können, wenn wir sie vorurteilslos glauben und befolgen.

“Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, welche dir gegeben worden ist durch Weissagung mit Händeauflegen der Ältesten … Die Hände lege niemand schnell auf und habe nicht teil an fremden Sünden; bewahre dich selbst rein … Ich erinnere dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir ist durch das Auflegen meiner Hände” (I. 4, 14; 5, 22; II. 1, 6).

Es gibt liebe Brüder, die der Auffassung sind, Handauflegung gehöre nicht in den Haushalt der Gnade, habe in der Sammlung und Vollendung des Leibes Christi überhaupt keinen Raum; es sei dies etwas rein Königreichsmäßig­Israelitisches. Dem kann man aber keineswegs vorbehaltlos zustimmen. Zugegeben, daß Handauflegung sowohl beim Opferkult in der Stiftshütte wie im Tempel einen breiten Raum einnimmt und bei der Heilung Kranker gemäß den Verheißungen für das Königreich von großer Bedeutung ist!

Aber damit ist doch keineswegs gesagt, daß wir, die wir aus den Nationen sind und den Körper Christi bilden, das Auflegen der Hände nicht mehr üben sollen oder dürfen! Wer das meint, der überspitzt den wichtigen und unerläßlichen Grundsatz der Schriftteilung. Laßt uns doch bedenken, daß obige Worte, die von der Vermittlung besonderer Gnadengaben durch Handauflegung berichten, nicht in den ersten, den Übergangsbriefen des Apostels Paulus zu finden sind, sondern in den letzten! Freilich gibt es Leute, die die Beweiskraft dieser Tatsache dadurch abzutun versuchen, daß sie behaupten, der alte Paulus habe nicht mehr den Schwung und die Klarheit wie in seiner Jugend gehabt und sei in Organisationswesen und jüdische Formen zurückgefallen.

Gegen solche Einwände soll man nicht ankämpfen; sie richten sich selbst. Wem die heiligen Schriften wirklich inspiriertes Wort Gottes sind, der findet in den letzten Paulusbriefen, die gewissermaßen ein heiliges, göttliches Vermächtnis an seine treuesten Mitarbeiter und Nachfolger und somit an die Gesamtgemeinde aller Gläubigen aus den Nationen darstellen, wichtige und köstliche Zeugnisse über die Handauflegung. Daran ist gar nichts abzumarkten! Wer nichts damit anzufangen weiß, der lasse sie einfach stehen. Es gibt ja noch so viele nicht angeschlagene Goldadern in den heiligen Büchern Gottes, von deren Reichtum und Schönheit wir nichts oder nur wenig wissen. —

Die Ältesten der Gemeinde hatten nach 1. Tim. 4, 14 dem jungen Mitarbeiter des Paulus die Hände aufgelegt und über ihm geweissagt. Von Gott inspiriert, hatten sie in prophetischem Geist den treuen, eifrigen Jüngling dem Herrn geweiht und ihm eine Gnadengabe vermittelt. Wie sich das alles zutrug, wissen wir im einzelnen nicht und sollen es wohl auch nicht wissen, da wir, wenn wir den Enthusiasmus der ersten Liebe verloren haben, geneigt sind, äußere Formen nachzuahmen, ohne die innere Kraft und Vollmacht zu besitzen, auf die es letztlich doch allein ankommt.

Nun war es Sache des Timotheus, diese Gnade nicht zu vernachlässigen, sie nicht unbeachtet links liegen zu lassen. Denn wenn Gott uns etwas anvertraut, so müssen wir es pflegen, müssen uns darin üben und es treu verwalten. Je größer und kostbarer eine Gabe ist, um so heiliger und ernster müssen auch die damit verknüpften Aufgaben ausgeführt werden. Wo das nicht geschieht, nimmt Gott die Gabe wieder weg. Dafür gibt es in der Entwicklungsgeschichte gläubiger Kreise — seien es nun Kirchen, Freikirchen, Vereine oder Hausgemeinden — und im Leben einzelner Gotteskinder viele schmerzliche und demütigende Bestätigungen. Halten wir fest, daß Gnadengaben durch Weissagung und Händeauflegen von Ältesten einer biblischen Gemeinde vermittelt werden können. Ob wir Gebrauch von dieser Möglichkeit machen, ist eine zweite Sache, die der Christusliebe und geistlichen Energie eines jeden Einzelnen überlassen bleibt.

Daß vor jedem Handauflegen zuerst geprüft werden soll (1. Tim. 5, 22), weil mit diesem heiligen Akt die Gefahr der Verunreinigung und des Teilhaftigwerdens fremder Sünden verknüpft sein kann, wurde bereits erwähnt. Nie werde ich den tiefen Eindruck vergessen, den ich bekam, als ich nach dem ersten Weltkrieg mit brennendem Herzen aus einer köstlichen Erweckung in englischer Kriegsgefangenschaft heimkam und den gesegneten Evangelisten Ernst Modersohn um Handauflegung bat. Er war zunächst sehr zurückhaltend und fragte mich, wie ich denn dazu komme, ihn um das Auflegen seiner Hände zu bitten. Als erfahrener Seelsorger forschte er nach den letzten und tiefsten Gründen meines Ansinnens. Erst als ich ihn einen Blick in mein Herz hatte tun lassen und er überzeugt war, daß ich nur auf Grund des Wortes, gedrängt und getrieben von der Liebe Gottes, Ausrüstung zur selbstlosen Mitarbeit am Evangelium neben meinem Lehrerberuf begehrte, tat er mir mit großer Freude und Vollmacht diesen apostolischen Dienst; und ich darf wohl sagen, daß ich noch heute, nach fast drei Jahrzehnten, von den damals vermittelten Kräften und empfangenen Segnungen zehre. —

In 1. Tim. 4, 14 lasen wir, daß eine durch Handauflegung verliehene Gnadengabe zum Dienst nicht vernachlässigt werden soll. Das ist eine Anweisung negativer Art. Sagt uns dieses Wort, was wir nicht tun dürfen, so weist uns 2. Tim. 1, 6 an, was wir tun sollen: die durch Handauflegung verliehene Gnadengabe anfachen, erwecken oder aufleben lassen! Es ist nicht damit getan, daß man ein Feuer anzündet; es muß auch unterhalten werden, damit es einerseits nicht erstirbt (wieviele Gemeinden und Gemeinschaften gleichen kalten Prachtöfen, in denen das Feuer echter Gottesliebe und das Licht lebendiger Christuserkenntnis längst erloschen sind!), andererseits aber auch nicht den schützenden, begrenzenden Herd biblischer Wahrheit und Klarheit verläßt und wild und hemmungslos um sich frißt als schwarmgeistige Bewegung, in der Göttliches, Menschliches und Dämonisches in einem in mancher Beziehung bezaubernden, aber gerade deshalb um so gefährlicheren Konglomerat vermengt sind.

Dabei wollen wir aber nicht vergessen, daß vieles als Schwarmgeisterei gebrandmarkt wird, was wirklich und wesenhaft Gottesleben ist! Wie werden einst die geschmähten, in den Schandwinkel der “Christenheit” gedrängten “Ketzer” (zu denen auch Jesus und Paulus zu ihren Lebzeiten zählten!) als Gottes Geliebte strahlend offenbar werden! Sie, die echten und wahren Glieder der Gemeinde des Christusleibes, hatten den Mut, “Narren um Christi Willen” zu sein und zu bleiben, und liebten ihren Herrn mehr als die ganze Welt und das eigene Ich. —

Je mehr die Vorendzeit, in der wir stehen, der eigentlichen Endzeit zueilt, umso bewußter und williger sollte die Gemeinde der wahrhaft Gläubigen all das ergreifen, was Gott den Seinen an heiligen Gnadenkanälen gegeben hat. Und dazu gehört ohne Zweifel auch das fast verloren gegangene Charisma der Handauflegung. Man soll Perlen weder vor die Säue werfen, noch darf man sie jemandem aufdrängen. Aber zeigen und anbieten möge man sie solchen, in deren Herz das heilige Feuer der Christusliebe lodert und die gewillt sind, in den ganzen Vollumfang des Heils und der Herrlichkeit hineinzusterben, um so der Fülle des Vaters in Christo Jesu teilhaftig zu werden.

Wer irgend des Geistes Gottes auch nur einen Hauch verspürt hat, wem die Kräfte und Freuden des Evangeliums wirklich erlösend ins Herz und Leben gedrungen sind, der kann gar nicht anders, als das, was ihn selbst so unsagbar selig machte, auch andern, die sich noch “unbefriedigt und dürstend in der Welt umhertreiben”, als wesenhafte Freuden und Reichtümer anzubieten. Dazu möge der Herr jedes Glied seiner Gemeinde befähigen und das köstliche Verheißungswort von 1. Mose 12, 2 in unserem Leben leuchtende Wirklichkeit werden lassen: “Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein!”

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 2/1983; Paulus-Verlag, Heilbronn)

— Herzlichen Dank an Martin Mohrlok für die Bereitstellung dieser vergriffenen Schrift! —

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