Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken    0

Acht Maßstäbe göttlicher Erstattung

Autor: Heller, Adolf  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre, Verwandlung & Erstattung  |  1,703 x gelesen

Christus ist nicht nur Schöpfer und Erlöser, Träger und Hohepriester, Richter und König Seines Volkes Israel und der Nationen, Seiner Leibesgemeinde und des Weltenalls — Er ist auch für alle Seine Wesen und Welten Erstatter und Vollender. Erst die zielführenden Ämter lassen uns Seine Glorie hell aufleuchten und befriedigen völlig das Herz des Glaubens. Wem Gott einmal den Blick dafür öffnen konnte, daß Er uns in Seinem Sohn Erstattung, Wiedergutmachung und Erneuerung sichergestellt hat, der lernt anbeten in heiliger, gelöster Freude.

Nach Gottes unantastbarem Wort gibt es nicht nur verschiedene Arten, sondern auch verschiedene, genau festgelegte Maßstäbe der Erstattung.

Erinnern wir uns zunächst an einige Gerichtserstattungen und Gnadenerstattungen. Gottes Tun ist nie zwecklos, sinnlos oder gar zielverfehlend. Wer das glaubt, kennt weder das Wort der Wahrheit noch die göttliche Dynamik. Es ergeht ihm wie den ungläubigen, spottenden Sadduzäern, denen der Herr zurief: »Ihr irret, indem ihr die Schriften nicht kennt noch die Kraft Gottes« (Matth. 22, 29).

Die Heiligkeit des Herrn erfordert Gericht und Strafe. Manche Gerichte treffen rasch ein, andre lassen lange auf sich warten. Aber einmal wird Gott alles ins Licht Seiner unbestechlichen Heiligkeit und Gerechtigkeit rücken. Zur rechten Zeit und auf die rechte Weise enthüllen sich Seine heiligen Gerichtserstattungen Menschen und Engeln.

So lesen wir z. B. von dem Dulder Hiob, der Gottes Wege und Methoden in vieler Beziehung besser kannte als wir, da er die Gerichtserstattungen geradezu begehrte, wenn er sie verdient habe, indem er ausrief: »Wenn mein Acker über mich schreit und seine Furchen allesamt weinen, wenn ich seinen Ertrag ohne Zahlung verzehrt habe und die Seele seiner Besitzer aushauchen ließ, so mögen Dornen statt Weizen und Unkraut statt Gerste hervorkommen.«

Man glaubt sich in eine moderne Großstadt oder sogar in einen Modesalon versetzt, wenn man die jahrtausendealten Worte von Jes. 3, 16-24 liest: »Der Herr sprach: Weil die Töchter Zions hoffärtig sind, einhergehen mit gerecktem Halse und blinzelnden Augen und trippelnd einhergehen und mit ihren Fußspangen klirren: so wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen und der Herr ihre Scham entblößen. An jenem Tage wird der Herr wegnehmen den Schmuck der Fußspangen und der Stirnbänder und der Halbmonde, die Ohrgehänge und die Armketten und die Schleier, die Kopfbunde (oder Hüte!) und die Schrittkettchen und die Gürtel und die Riechfläschchen (Parfüms!) und die Amulette, die Fingerringe und die Nasenringe, die Prachtkleider und die Oberröcke und die Umhänge und die Beutel, die Handspiegel und die Hemden und die Kopfbedeckungen und die Überwürfe (oder Schleier). Und es wird geschehen: statt des Wohlgeruchs wird Moder sein und statt des Gürtels ein Strick und statt des Lockenwerks eine Glatze und statt des Prunkgewandes ein Kittel von Sacktuch und Brandmal statt Schönheit.«

Fünfmal klingt das Wörtlein »statt« wie eine Gerichtsposaune durch den 24. Vers:

  • Moder statt Wohlgeruch!
  • Strick statt Prachtgürtel!
  • Glatze statt Lockenwerk!
  • Sack statt Prunkgewand!
  • Brandmal statt Schönheit!

Das sind schreckliche Gerichtserstattungen, die besonders in Kriegszeiten und bei Naturkatastrophen immer wieder über die Menschen, besonders über das eitle weibliche Geschlecht hereinbrechen. Daß auch die Männer ein furchtbares Gerichtsschicksal trifft, ersehen wir aus den letzten beiden Versen von Jes. 3.

In Jer. 51, 56 steht das ernste Wort hinsichtlich göttlicher Vergeltung geschrieben: »Ein Gott der Vergeltung ist der Herr, Er wird gewißlich erstatten!« Diese in erster Linie auf Babel zielende Drohung schließt mit der das Ende unsrer stolzen Kultur und gottfeindlichen Zivilisation kennzeichnenden Feststellung: »So mühen sich die Völker vergebens (Kautzsch: für nichts) und Völkerschaften fürs Feuer!« (Vers 58b). –

Größer und wunderbarer als diese zeitgebundenen Gerichtserstattungen sind die vielen Gnadenerstattungen, von denen die Schrift redet. Schlagen wir auch davon etliche nach und erfreuen wir uns im Glauben dieser köstlichen Zusagen Gottes!

Voll tiefer, prophetischer Ahnung ist das wunderbare Wort, das der von Simei verfolgte, aber mannhaft schweigende und duldende David in 2. Sam. 16, 12 sprach: »Lasse ihn, daß er (Simei) fluche, denn der Herr hat es ihn geheißen! Vielleicht wird der Herr mein Elend ansehen und mir Gutes erstatten dafür, daß mir geflucht wird an diesem Tage!«

Oder lesen wir nach, was Gott von Seinem Wort (rhäma = Rechtsverordnung oder Verheißungsausspruch!) sagt: »Mein Wort, das aus meinem Munde hervorkommt, … wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten (im Hebr. verstärkt; etwa: sicherlich ausrichten!), was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe. Denn in Freuden werdet ihr ausziehen und in Frieden geleitet werden; die Berge und die Hügel werden vor euch in Jubel ausbrechen, und alle Bäume des Feldes werden in die Hände klatschen. Statt der Dornsträucher werden Zypressen aufschießen, und statt der Brennesseln werden Myrten aufschießen!« (Jes. 55,11-13).

Das wird einmal eine wunderbare Erstattung sein, wenn anstelle der Dornsträucher der Sorge und Sünde die Zypressen des Friedens, des Wohlgeruchs und der Unvergänglichkeit (dafür war schon damals die Zypresse ein Sinnbild!) wachsen. Und statt der Brennesseln der Unreinheit, die sich an Schmutz- und Kothaufen ansiedeln, wird die liebliche Myrte der Reinheit erblühen.

Einst wird Gott gemäß Seinen unverbrüchlichen Verheißungen trotz des Widerspruchs der gottlosen und frommen Welt Sein Volk Israel von der »Missetat seiner Habsucht« und seiner Abtrünnigkeit heilen und ihm »Tröstungen erstatten« (Jes. 57, 16-18).

Oder lesen wir die herzerquickenden Erstattungsverheißungen Gottes in Jes. 61, 3. 7: »Der Herr hat mich gesalbt … und gesandt … zu geben Kopfschmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes … Statt eurer Schmach werdet ihr das Doppelte haben, statt ihrer Schande werden sie jubeln über ihr Teil.« Sind das nicht herrliche Zusagen, über die wir uns, obgleich sie uns, dem Leibe Christi, rein äußerlich-irdisch in erster Linie gar nicht gegeben sind, mit großer Freude freuen dürfen?

Noch eine gewaltige Erstattungszusage, die das ganze Weltall umschließt, sich auf Menschen und Engel bezieht und für deren Fülle und Reichtum uns, wie in so vielen andern Dingen, der Blick verlorengegangen ist, sei hier angeführt. Wer sie fassen und durch den Geist verstehen kann, wird verborgene Reichtümer und geheime Schätze kostbarer Art darin finden. Es ist Jes. 60, 15. 17. Dort lesen wir: »Statt daß du verlassen warst und gehaßt und niemand hindurchzog, will ich dich zum ewigen Stolz machen, zur Wonne von Geschlecht zu Geschlecht … Statt des Erzes werde ich Gold bringen, statt des Eisens Silber, statt des Holzes Erz und statt der Steine Eisen.« Wir wollen über diesen Zusammenhang nur wenige Andeutungen machen und es jedem einzelnen anheimstellen, sich von Gott aus dem Schriftganzen der heiligen Buchrollen Licht schenken zu lassen.

  • Eisen = Sünde
  • Silber = Erlösung
  • Erz = Gericht
  • Gold = Glaubensgerechtigkeit
  • Holz = Menschentum
  • Stein = Engelwelten

Wir sollten uns die Mühe machen, alle Schriftaussagen über Eisen und Silber, Erz und Gold, Holz und Stein gründlich und betend nachzuschlagen und zu durchdenken. Wer dann die Erstattungen von Jes. 60, 17 zu fassen vermag, der fasse sie, und wer nichts damit anzufangen weiß, der lasse sie ruhig liegen, bis Gott es Geist sie ihm erschließt und lebendig werden lässt.

Noch zwei Gnadenerstattungsverheißungen wollen wir nennen: Joel 2, 25. 27 und Sach. 9, 11. 12: »Ich werde euch die Jahre erstatten, welche euch die Heuschrecke, der Abfresser und der Vertilger und der Nager gefressen haben — mein großes Heer, das ich unter euch gesandt habe. Und ihr werdet essen, essen und satt werden und werdet den Namen des Herrn eures Gottes preisen, der Wunderbares an euch getan hat. Und mein Volk soll nimmermehr beschämt werden … Um des Blutes des Bundes willen entlasse ich auch deine Gefangenen aus der Grube, in welcher kein Wasser ist. Kehret zur Festung zurück, ihr Gefangenen der Hoffnung! Schon heute verkündige ich, daß ich dir das Doppelte erstatten werde.«

So köstlich es ist, die Gerichts- und Gnadenerstattungen Gottes zu betrachten und hinsichtlich ihrer Stärke und Dauer miteinander zu vergleichen, so ist es geradezu überwältigend, wenn wir einen Einblick in die unübertreffliche Genauigkeit der göttlichen Mathematik bekommen, sobald wir anfangen, die verschiedenen Maßstäbe der Erstattungen zu betrachten.

Wir wollen ihrer acht nennen und einiges, das uns wichtig dünkt, in Kürze darüber bezeugen. –

Erstattung eins zu eins

In 2. Mose 22, 14. 15 lesen wir: »Wenn jemand von seinem Nächsten ein Stück Vieh entlehnt und es wird beschädigt oder stirbt — war sein Besitzer nicht dabei, so soll er es gewißlich erstatten. Wenn sein Besitzer dabei war, so soll er es nicht erstatten.«

Das ist ohne Zweifel eine klare, durchsichtige Angelegenheit. Es liegt keinerlei bösartige Absicht oder schuldhafte Vernachlässigung vor. Da aber der Eigentümer um sein Tier bzw. um sein Gut gekommen ist (der Urtext redet ganz allgemein von etwas Geliehenem), so muß eine Erstattung eins zu eins geleistet werden.

Wenn aber der Eigentümer dabei war, als das von ihm gegen Entgelt Entliehene beschädigt wurde oder zugrunde ging, so ist keine Erstattung nötig. Die gezahlte Miete genügt, da jedenfalls ein verborgenes Gebrechen, ein nicht erkannter Fehler da war, deren Folgen unglücklicherweise erst jetzt zutage traten.

Jede gesunde Rechtsprechung wird in ähnlichen Fällen ebenso entscheiden, wie es hier dargelegt ist. Wenn nicht nur Israel, sondern auch die Nationen bewußter und williger aus Gottes Wort schöpfen und danach leben wollten, so wäre vieles in der Welt gerechter, vernünftiger und einfacher, als es jetzt ist.

Wir sollen also wohl wissen, von wem wir etwas entleihen, und sollten uns das Entliehene genau anschauen, damit wir es nicht, wenn es in unsern Händen zugrunde geht oder verdirbt, erstatten und mit vollem Preis bezahlen müssen.

Hier haben wir es mit der rein natürlichen Erstattung auf der äußeren praktischen Linie des täglichen Lebens zu tun.

Auf ein neutestamentliches Beispiel der Erstattung im gleichen Maße, also eins zu eins, sei hingewiesen. Wir lesen in Philem. 17-19 das herzergreifende Angebot, das Paulus dem Briefempfänger, seinem geliebten Mitarbeiter und Sohne im Glauben, bezüglich eines von ihm, dem Philemon, entlaufenen Sklaven machte: »Wenn du mich nun für deinen Genossen hältst, so nimm ihn (den durchgebrannten Sklaven Onesimus) auf wie mich. Wenn er dir aber irgendein Unrecht getan hat oder dir irgend etwas schuldig ist, so rechne dies mir an. Ich, Paulus, habe es mit meiner Hand geschrieben, ich will erstatten (oder bezahlen); daß ich dir nicht sage, daß du auch dich selbst mir schuldig bist.«

Wie war doch die Lage? Philemon, ein wohlhabender Christ in Kolossä, hatte einen Sklaven eingebüßt, der ihm aus irgendwelchen Gründen entlaufen war. Durch eine eigenartige Gottesfügung war dieser — er hieß Onesimus, auf deutsch: nützlich! — in das gleiche Gefängnis eingeliefert worden, in dem Paulus war, und durch den Dienst des Apostels zum lebendigen Glauben gekommen. Onesimus wurde bald entlassen und erhielt von seinem geistlichen Vater Paulus, der ja zugleich der geistliche Vater des Philemon, des Eigentümers des entlaufenen Sklaven war, ein empfehlendes Begleitschreiben. Das ist unser sogenannter Philemonbrief, ein Edelstein und Schmuckstück christlicher Briefliteratur.

Darin schreibt Paulus die ernsten, starken und doch so zarten Worte, die innige, sich selbst opfernde Liebe und zugleich heilige, apostolische Vollmacht atmen: »Obgleich ich große Freimütigkeit in Christo habe, dir zu gebieten, was sich geziemt, so bitte ich doch vielmehr um der Liebe willen … Ich bitte dich für mein Kind, das ich gezeugt habe in den Fesseln, Onesimus …, den ich dir zurückgesandt habe, ihn, das ist mein Herz … Ich wollte ihn bei mir behalten, auf daß er statt deiner mir diene … Aber ohne deinen Willen wollte ich nichts tun, auf daß deine Wohltat nicht wie gezwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht ist er deswegen für eine Zeit von dir getrennt gewesen, auf daß du ihn für immer besitzen mögest, nicht länger als einen Sklaven, sondern mehr als einen Sklaven, nämlich als einen geliebten Bruder … Ich weiß, daß du noch mehr tun wirst, als ich sage! «

Paulus betont: Mit meiner ganzen Person trete ich für deinen Sklaven Onesimus ein. Wenn er dir etwas schuldig ist und du ihn strafen willst, so nehme ich seine Schuld auf mich. (Entlaufene Sklaven wurden nach damaliger Gepflogenheit oft grausam gestraft: sie bekamen mit glühendem Eisen ein F [fugitivus = Flüchtling] auf die Stirn gebrannt, durften zu Tode gepeitscht werden oder wurden ins Pistrinum geschickt, wo sie lebenslang die Mühle drehen mußten. Manche Besitzer entlaufener Sklaven ließen diesen, wenn sie wieder eingefangen wurden oder zurückgekehrt waren, Metalltafeln um den Hals schmieden. Darauf stand die Adresse, wohin sie im Falle erneuter Flucht zurückgesandt werden sollten.) Ich bin bereit, die ihm von dir zudiktierte Strafe stellvertretend zu erdulden. Aber vergiß dabei nicht, daß ich dein geistlicher Vater bin und du dich selber mir schuldest! Dennoch gebiete ich dir nichts, sondern unterstelle mich deiner Entscheidung.

Das, wozu der Apostel in heiliger Liebesgesinnung bereit war, hat Gott in Christo wirklich und wesenhaft vollzogen: Er hat die Schuld der gesamten Schöpfung auf sich genommen und die Strafe aller selber getragen. Der Vater hat im Sohn alles erstattet und bezahlt, was irgend zu erstatten und zu bezahlen war. Er stand als einer für alle, damit dereinst alle für Ihn, den Einzig-Einen, stehen. Das ist im Vollsinn Erstattung eins zu eins! –

Der Glaube sieht sowohl an dem Gesetz der Erstattung bei dem verunglückten Tier (vgl. dazu noch 2. Mose 21, 33. 34!) als auch an dem vorbildlichen Verhalten des Apostels Paulus die grundsätzliche Bereitschaft Gottes, alles Elend und Unglück Seiner Schöpfung wieder selber in Ordnung zu bringen. Der Vater macht sich im Vorbild und Gesetz selber haftbar für alles, was irgend an Schuld und Not in der Welt ist.

Der Pharisäismus, der auf seine eignen, frommen Leistungen pocht, wird eine solche Schau immer bekämpfen, aber der sich selbst Gott opfernde Glaube lernt beseligt das Herz des Vaters im Sohne verstehen und darüber anbeten. –

Erstattung eins zu eineinfünftel

Einen zweiten Erstattungsmaßstab finden wir in 3. Mose 5, 14-26. Dort steht geschrieben: »Wenn jemand Untreue begeht aus Versehen und an den heiligen Dingen des Herrn sündigt, … so soll er erstatten und dessen Fünftel darüber hinzufügen … Wenn jemand seinem Nächsten ein anvertrautes Gut ableugnet … oder er hat Verlorenes gefunden und leugnet es ab und schwört falsch, … so soll er erstatten nach seiner vollen Summe und dessen Fünftel darüber hinzufügen.«

Hier handelt es sich um eine bewußte Sünde gegen Menschen (Vers 20-26) oder eine unbewußte Verschuldung an Gottes Gütern, an den »heiligen Dingen des Herrn« (Vers 14-19). Dabei finden wir die merkwürdige Anordnung, daß dem Wert des Gefundenen oder Unterschlagenen bei der Rückerstattung ein Fünftel des Wertes, also 20 Prozent, hinzugefügt werden sollen.

Warum das? Vielleicht gibt uns Hohelied 8, 11. 12 Licht darüber. Dort steht geschrieben: »Salomo hatte einen Weinberg zu Baal-Hamon. Er übergab den Weinberg den Hütern: ein jeder sollte für seine Frucht 1.000 Silbersekel bringen. Mein eigner Weinberg steht zu meiner Verfügung. Die tausend Silbersekel sind dein, o Salomo, und zweihundert seien den Hütern seiner Frucht.«

Salomo, ein Sohn Davids und König Israels, ist ein Vorbild auf den wahren, wesenhaften Salomo (zu deutsch: Friedensreicher, Friedensbringer oder Friedefürst), den Herrn Jesus Christus. Er hatte einen Weinberg. Der Weinberg ist ein oft und eindeutig gebrauchtes Bild des Volkes Israel (vgl. Jes. 1, 8; 5, 1-7; Luk. 20, 9-19). Dieser Weinberg befand sich zu Baal-Hamon (= Herr des Pöbels oder Herr der Menge). Israel war entartet und ging den Weg der Nationen. Darum stellt es Gott unter das Gesetz, das ja durch der Engel Geschäfte gegeben ist; Gott »übergab den Weinberg den Hütern« (Hohel. 8, 11). Diese sollten und wollten einen vollen Ertrag ernten. Die tausend Silbersekel sind ein Hinweis darauf, daß sie das Volk in die völlige Erlösung führen wollten. Denn Silber ist ein Symbol der Lösung oder Erlösung, während die Zahl tausend, die dreimal mit sich selbst vervielfachte zehn (= Zahl der Fülle) eine »voll erfüllte Fülle« darstellt.

Der den Hütern anvertraute Weinberg, das unter Gesetz gestellte Israel, sollte also volle Frucht bringen, die den Wert von tausend Silbersekeln hatte. Diese gehörten Gott (Vers 12 a!). Aber die Hüter sollten ein Fünftel darüber, nämlich zweihundert Silbersekel, erhalten (Vers 12 b).

Dann aber hätte das Gesetz etwas zur Vollendung geführt, wäre das, was allein Gottes ureigenes Werk sein sollte und konnte, in die Hände von Geschöpfen gelegt worden und die Ehre hätte nicht allein dem Herrn gehört. Das konnte und durfte nicht sein! Denn Gott ist ein eifersüchtiger Gott und gibt Seine Ehre keinem andern, wenigstens keinem geschaffenen, unerneuerten Wesen, wie es ja die gesamte Engelwelt noch ist.

Anders ist es bei der Gemeinde des Leibes Christi! Da kann und darf ein Apostel Paulus das unerhört kühne Wort schreiben: »Ich ergänze (oder erstatte) in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für Seinen Körper, das ist die Gemeinde, deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in bezug auf euch (Nationen) gegeben ist: den logos Gottes (das bedeutet sowohl das geschriebene als auch das fleischgewordene Wort!) in sein Vollmaß (Fülle oder Vervollständigung) zu führen« (Kol. 1, 24. 25).

Der Hebräerbrief lehrt sehr ernst und klar, daß das Gesetz nichts zur Vollendung führt oder in die Fülle gestaltet, wie das Paulus jedoch von seinem Dienst bezeugen darf, daß es vielmehr die schlafende Sünde reizt und weckt, daß es durchaus nicht dem Herzen Gottes entspricht, durch das Fleisch kraftlos ist, Engeldienst bedeutet, ein Amt des Todes und der Verdammnis darstellt und daher abgetan werden muß.

Erst wenn dieser überaus wichtige Zusammenhang erkannt wird, beginnt uns das Evangelium der Gnade und der Herrlichkeit innerlich aufzuleuchten. Nur so vermögen wir zu verstehen, warum Paulus »Engel vom Himmel« verflucht, wenn sie seine Botschaft vermischen und verdrehen wollen.

Die Hüter und Wärter des Weinberges, »die in der Stadt umhergehen«, schlugen die Braut, das treue Israel, verwundeten es und nahmen ihm seinen Schleier weg, d. h. entblößtem und entehrten es (Hohel. 5, 7).

Sagt nicht Jesus genau das gleiche in Matth. 21, 33-41? Dort lesen wir: »Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun um ihn setzte und eine Kelter in ihm grub und einen Turm baute. Und er verdingte ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen andern töteten sie, einen andern steinigten sie. Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten. Und sie taten ihnen ebenso. Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen. Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe, kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? — Sie sagen zu Ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andre Weingärtner verdingen, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit. «

Gott ist der Hausherr, der Weinberg ist Israel und der Zaun das Gesetz. Wenn wir nur diese drei einleuchtenden Symbole beachten, wird uns alles sonnenklar. Wohl sehen wir nicht sämtliche Zusammenhänge bis in die letzten Einzelheiten. Das ist aber auch gar nicht nötig. Wir bekommen aber einen Einblick und Überblick, eine »Zentralschau«, wie Michael Hahn und andre Väter des Glaubens sie nannten. –

Man kann mit Absicht sündigen. Vergleiche 3. Mose 4, 2. 13. 22. 27, wo jedesmal von einer Sünde »aus Versehen« die Rede ist, mit 3. Mose 5, 20. 24, wo von absichtlicher Verfehlung gesprochen wird! Auf der gleichen Stufe wie absichtliche Sünde gegen Menschen steht eine versehentliche Untreue und Versündigung »an den heiligen Dingen Jehovahs« (3. Mose 5, 15. 16). In beiden Fällen genügte es nicht, daß eine Wiedergutmachung eins zu eins erfolgte; vielmehr mußte hier ein Fünftel hinzugefügt werden. Denn die Sünde beleidigt nicht nur den Geschädigten, sondern auch den Gesetzgeber und die, die in der Handhabung der Gesetze irgendwie mitbeteiligt sind. Diese Linie werden wir noch klarer erkennen, wenn wir die Maßstäbe eins zu vier und eins zu fünf betrachten. -

Wir können sehr gut verstehen, daß viele Gotteskinder solch ein genaues Eingehen auf das Wort der Schrift langweilig oder nebensächlich finden und als zwecklose Spielerei betrachten. Wir möchten aber in heiligem Glaubensgehorsam von jedem Worte leben, das durch den Mund Gottes geht. Und dazu gehören eben auch diese genau festgelegten Erstattungsmaßstäbe. Daß wir die darin verborgenen Gottesoffenbarungen und Christusherrlichkeiten nicht sehen, liegt an unserer völligen Blindheit für die wesenhafte Welt Gottes. Erst wenn wir gründlicher erkennen, daß es größere, köstlichere Dinge gibt als Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung, Geld und Ehre, Genuß und eigne Leistung, dann leuchten uns die wirklichen, bleibenden Güter Gottes in wundersamem Licht auf und vermitteln uns Kräfte und Freuden aus himmlischen und überhimmlischen Sphären, von denen der natürliche Mensch nichts weiß, weil er sie ohne die Innewohnung Christi und das Licht des Heiligen Geistes unmöglich wissen kann. –

Erstattung eins zu zwei

Von Gerichts- und Gnadenerstattungen im Maßstab eins zu zwei lesen wir in vielen Zusammenhängen in Gottes Wort. Schlagen wir zunächst 2. Mose 22 auf. »Wenn etwas Gestohlenes lebend in eines Diebes Hand gefunden wird, es sei ein Ochse oder ein Esel oder ein Stück Kleinvieh, so soll er das Doppelte erstatten … Wenn jemand seinem Nächsten Geld und Geräte in Verwahrung gibt und es wird aus dem Hause dieses Mannes gestohlen — wenn der Dieb gefunden wird, so soll er das Doppelte erstatten … Bei jedem Fall von Veruntreuung soll die Sache vor den Richter kommen; wen die Richter schuldig sprechen, der soll seinem Nächsten das Doppelte erstatten« (Verse 4. 7. 9). Wir sehen also, daß bei bewußter Veruntreuung der Dieb das Doppelte als Wiedergutmachung erstatten muß.

Israel hat sich, da es so viele Gottesoffenbarungen besaß wie keine andere Nation der Erde, doppelter Sünde schuldig gemacht. »Zwiefach Böses hat mein Volk begangen: Mich, den Born lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszubauen, geborstene Zisternen, die kein Wasser halten« (Jer. 2, 13). Darum wird ihm seine Sünde auch doppelt vergolten, es wird doppelt gestraft: »Ich will zwiefach vergelten ihre Schuld und ihre Sünde, weil sie mein Land mit den Scheusalen ihrer Leichen entweiht und mein Erbteil mit ihren Greueln erfüllt haben« (Jer. 16, 18).

In diesem Zusammenhang sei auf eine eigenartige Anordnung Gottes hingewiesen, die den Leugnern der Inspiration der Schrift durch ihre scheinbare Sinnlosigkeit Wasser auf ihre Unglaubensmühle zu liefern scheint: 3. Mose 12, 2. 5. Dort gebietet Gott: »Wenn ein Weib empfängt und ein männliches Kind gebiert, so wird sie unrein sein sieben Tage … Wenn sie ein weibliches Kind gebiert, so wird sie zwei Wochen unrein sein.«

Während der Gemeinde des Körpers Christi in tieferem Sinn das Wort gilt: »Seid männlich und stark!« (1. Kor. 16, 13), wird Israel bzw. die wichtigste Auswahl aus Israel, immer als weiblich gekennzeichnet: in ihrer Treue als Braut, in ihrer Untreue als Hure, in ihrem Verlassensein als Witwe und in ihrer Wiederannahme als Braut und Weib Jehovahs. Israel läuft, wenn wir so sagen dürfen, auf der weiblichen Linie, die Nationengemeinde dagegen auf der männlichen.

Daß später einmal beide irgendwie vereinigt werden und die äonenlangen, wichtigen Unterschiede bezüglich ihrer Berufung, ihrer Sammlung, ihrer Zubereitung und ihrer Heilsdienste aufgehoben sein werden, ist eine zweite Sache, von der hier nicht die Rede sein soll.

Wir sahen, daß Israel doppelt gesündigt hat und darum doppelte Strafe erdulden muß. Das ist aber nur die eine, die negative Seite. Dazu kommt die positive Seite des Evangeliums: Weil Israel doppelt gestraft wird, wird es auch doppelt getröstet!

Nachdem das Volk irdischer Wahl von der Hand des Herrn »Zwiefältiges« für alle seine Sünden erhalten hat, klingt der ergreifende Ruf Gottes an das Ohr des Propheten: »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems und rufet ihr zu, daß ihre Schuld abgetragen ist!« (Jes. 40, 1. 2a; vgl. 61, 7).

Weil der Trost gleich der Sünde und Strafe doppelt sein wird, gebietet Gott nicht etwa: »Tröstet mein Volk!«, sondern »Tröstet, tröstet mein Volk!« Das ist des Herrn Weg für Sein untreues und dennoch begnadetes Volk: doppelter Segen, doppelte Sünde, doppelte Strafe, doppelter Trost.

Wem solche Dinge zufällig und nebensächlich erscheinen, der lasse sie liegen. Aber die tiefe Freude an Gottes köstlichem Wort und das wunderbare Licht in immer neuen Einblicken, Durchblicken und Ausblicken lassen wir uns von niemand nehmen.

Ein Zeitgenosse Abrahams hat haargenau die gleiche Erstattung eins zu zwei erlebt: Hiob. Ehe seine Leiden und Verluste über ihn hereinbrachen, besaß er 7.000 Schafe, 3.000 Kamele, 500 Joch Rinder und 500 Eselinnen (1, 3). Nachdem er alles, was ein Mensch nur verlieren kann, verloren hatte, Kinder und Besitz, das Herz seiner Frau und seiner Freunde, Ehre und Gesundheit, wurde ihm genau das Doppelte wiedererstattet.

Er bekam statt der 7.000 Schafe nun 14.000, anstelle der 3.000 Kamele 6.000, für die verlorenen 500 Joch Rinder 1.000 und für die eingebüßten 500 Esel ebenfalls 1.000 (42, 10-12). Gewiß! höre ich jemand sagen, das stimmt schon, aber wie war es mit seinen Kindern? Zehn verunglückten tödlich, und nicht zwanzig, sondern nur zehn wurden ihm wieder geboren (42, 13). Das war doch nur eine Erstattung eins zu eins!

Gemach! Werden ihm die ersten zehn Kinder in der Auferstehung nicht wiedergeschenkt? Sind es dann zusammen nicht zwanzig Kinder, die ihm Gott als Frucht seines Leibes gab? Wem das alles Zufall oder orientalische Dichtung ist, dem können wir nicht helfen. Wir glauben, daß die ganze Bibel Gottes Wort ist, und sehen überall köstliche Offenbarungen und Heilsprogramme herrlicher Vollendung. –

Erstattung eins zu vier

Je größer die Verschuldung eines Geschöpfes ist, um so höher ist naturgemäß die zu leistende Erstattung. Darum gibt es nicht nur eine Erstattung eins zu eins, wo keine bewußte Schuld vorlag, sondern auch eine solche von eins zu eineinfünftel, wo entweder eine Versündigung an göttlichen Dingen oder eine Tat aus böser Absicht geschehen war.

Nach doppelter Sünde folgte auch doppelte Strafe — aber hier haben wir es mit vierfacher Erstattung zu tun. Wir wollen zwei Beispiele vierfacher Gerichtserstattung nachlesen: eines aus den Evangelien und eines aus dem Leben Davids.

Zachäus (zu deutsch: der Herr macht rein!) gelobte dem Herrn Jesus: »Wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfältig« (Luk. 19, 8). Zachäus, ein Aufseher römischer Zollpächter, war Jude und half der Besatzungsmacht, sein eignes Volk auszubeuten. Dabei machte er falsche Anklagen, beging vielleicht Urkundenfälschungen, verbreitete Verleumdungen usw. Daß er ein Großteil, vielleicht das meiste seines Vermögens auf diese Weise erworben hatte, geht wohl daraus hervor, daß er sofort freiwillig die Hälfte seiner Güter den Armen zu geben bereit war.

Zachäus kannte in diesem Stück das Gesetz vielleicht ebensogut wie David, der auf die Erzählung Nathans von dem Reichen, der das einzige Schaf des Armen geraubt hatte, befahl: »Das Lamm soll er vierfältig erstatten, … weil er kein Mitleid gehabt hat« (2. Sam. 12, 6). Wo herzlo­ser, grausamer Betrug vorliegt, da genügt nicht mehr die doppelte Erstattung, da muß vierfältig wiedergutgemacht werden.

Laßt uns sehen, in welch tragischer Weise der heilige Gott Seinen geliebten, auserwählten David beim eigenen Wort nimmt! Der königliche Ehebrecher und Mörder hatte vor Nathan sein eigenes Urteil gesprochen. Und das führte Gott auch aus. Es ist geradezu erschütternd, mit welch heiliger Genauigkeit der Herr verfährt. Wehe dem, der glaubt, Sündenvergebung sei ein Freibrief zum Sündigen und die schließliche Zurechtbringung der ganzen Schöpfung schwäche die äonenlange Pein und Qual der Gerichte und Strafen ab!

Vier Kinder Davids starben, ehe sie die Zahl ihrer Jahre erfüllten, eines frühzeitigen oder unnatürlichen Todes, damit die vierfache Erstattung geleistet würde. Was das für einen jüdischen Vater, zumal für einen König bedeutet, versteht man erst richtig, wenn man bedenkt, daß doch aus seinem Samen der Messias kommen sollte.

Wer waren die vier Söhne Davids, die er nach seinem Urteil und Rechtsspruch als Erstattung opfern mußte? Zunächst der Sohn der Bathseba, die Frucht seines Ehebruchs. Darüber lesen wir in 2. Sam. 12, 15b-25: »Der Herr schlug das Kind, welches das Weib Urijas dem David geboren hatte, und es wurde todkrank. Und David suchte Gott um des Knaben willen; und David fastete und ging hinein und lag über Nacht auf der Erde. Und die Ältesten seines Hauses machten sich zu ihm auf, um ihn von der Erde aufzurichten; aber er wollte nicht und aß kein Brot mit ihnen. Und es geschah am siebenten Tag, da starb das Kind. Und die Knechte fürchteten sich, ihm zu berichten, daß das Kind tot sei, denn sie sprachen: Siehe, als das Kind noch am Leben war, haben wir zu ihm geredet, und er hat nicht auf unsre Stimme gehört; und wie sollen wir nun zu ihm sagen: Das Kind ist tot!? Er würde etwas Übles tun. Und David sah, daß seine Knechte sich zuflüsterten; da merkte David, daß das Kind tot war; und David sprach zu seinen Knechten: Ist das Kind tot? Und sie sprachen: Es ist tot! — Da stand David von der Erde auf und wusch und salbte sich und wechselte seine Kleider und ging in das Haus des Herrn und betete an; und er kam in sein Haus und forderte, daß man ihm Speise vorsetze, und er aß. Da sprachen seine Knechte zu ihm: Was ist das für ein Ding, das du tust? Als das Kind lebte, hast du um seinetwillen gefastet und geweint, und da das Kind tot ist, stehst du auf und issest? Und er sprach: Als das Kind noch lebte, habe ich gefastet und geweint, weil ich dachte: Wer weiß, ob der Herr mir nicht gnädig sein wird, daß das Kind am Leben bleibe? Nun es aber tot ist, warum sollte ich denn fasten? Vermag ich es wieder zurückzubringen? Ich gehe zu ihm, aber es wird nicht zu mir zurückkehren. — Und David tröstete Bathseba, sein Weib, und ging zu ihr ein und lag bei ihr, und sie gebar einen Sohn, und er gab ihm den Namen Salomo (= der Friedliche). Und der Herr liebte ihn. Und er sandte durch Nathan, den Propheten, und gab ihm den Namen Jedidjah (= Geliebter des Herrn), um des Herrn willen.«

In wieviel Gnade ist dieses erste Erstattungsgericht eingebettet! Nicht Verzweiflung und endlose, ziellose Depression, sondern Anbetung löste die erste Strafe Gottes bei David aus. Wußte er doch: Wenn Gott richtet, dann hat Er mich nicht verworfen, sondern bringt alles wieder in Ordnung. Welch eine tiefe, wesenhafte Erkenntnis der Wege und Gedanken Gottes hatte dieser Mann schon vor Tausenden von Jahren! Wie blind sind wir dagegen für Gottes Absichten und Liebesziele!

Der zweite Sohn, den David hergeben mußte, war Amnon. Darüber lesen wir in 2. Sam. 13, 28-33: »Absalom gebot seinen Knaben und sprach: Sehet doch zu, wenn Amnon fröhlichen Herzens wird vom Wein, und ich zu euch spreche: Erschlaget Amnon!, so tötet Amnon, fürchtet euch nicht! Bin ich es nicht, der es euch geboten hat? Seid stark und seid tapfer! Und die Knaben Absaloms taten dem Amnon, so wie Absalom geboten hatte.« Man lese das ganze tragische Kapitel 13, in dem Fleischeslust und Sinnentaumel auf der einen Seite und Rache, List und Mord auf der andern Seite so furchtbare Triumphe feiern.

Aber der Ausklang dieser erschütternden Begebenheiten ist die Liebessehnsucht Davids nach seinem mißratenen Sohn Absalom. Bricht hier nicht etwas von der grauenhaften Not des Menschseins auf?

Der dritte Sohn, den David vor der Zeit hergeben mußte, war dieser Absalom. Er hatte eine Verschwörung gegen seinen Vater angezettelt und wollte selber König werden. In dem daraus entstehenden Streit wurde er von zehn Knaben, den Waffenträgern Joabs, erschlagen (2. Sam. 18, 15).

Als David die Botschaft vom Tode seines rebellischen Sohnes hörte, »da wurde der König sehr bewegt, und er stieg hinauf in das Obergemach des Tores und weinte (das Tor ist die Stätte des Gerichtes). Und während er ging, sprach er also: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wäre ich doch an deiner Statt gestorben! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!« (2. Sam. 18, 33).

Noch ein vierter Nachkomme Davids, Adonija, starb eines unnatürlichen, frühzeitigen Todes. Auch hier offenbarte sich wieder eine grausige Familientragödie (1. Kön. 2, 13-25).

Vierfache Gerichtserstattung! Fürwahr: Gott ist heilig, und alle Seine Wege sind Gericht! Wenn wir nicht die Herrlichkeitsziele in Christo Jesu zu schauen vermochten, so müßten wir schier vergehen vor solch einem Übermaß von Fluch und Leid, die auf der Menschheit lasten. –

Erstattung eins zu fünf

In 2. Mose 22, 1 ordnet das Gesetz an: »Wenn jemand einen Ochsen stiehlt oder ein Stück Kleinvieh und schlachtet es und verkauft es, so soll er fünf Ochsen erstatten für den Ochsen und vier Stück Kleinvieh für das Stück.« Wie kommt es wohl, daß bei dem Diebstahl und dem Schlachten oder Verkaufen eines Ochsen fünf Ochsen, bei einem Stück Kleinvieh dagegen nur vier Schafe oder Ziegen erstattet werden mußten?

Wem die Schrift nicht ausnahmslos inspiriert ist, der hält es für töricht, solch eine Frage überhaupt zu stellen. Wenn wir aber glauben, daß das gesamte Wort Gottes in allen Einzelheiten geistgehaucht ist, dann haben uns auch solche Dinge, selbst wenn wir sie zunächst nicht ganz verstehen und nur dunkel ihren Sinn zu ahnen beginnen, etwas zu sagen.

Nach 1. Mose 34, 25 ermordeten Simeon und Levi alle Männlichen der Stadt Sichern. Auf diese Greueltat spielt der sterbende Patriarch Jakob an, wenn er in prophetischem Geiste sagt: »Simeon und Levi sind Brüder, Werkzeuge der Gewalttat (der Grausamkeit oder des Frevels) sind ihre Waffen (oder Anschläge). Meine Seele komme nicht in ihren geheimen Rat, meine Ehre (oder mein Köstliches, meine Seele) vereinige sich nicht mit ihrer Gemeinde! Denn in ihrem Zorn haben sie den Mann erschlagen und in ihrem Mutwillen den Stier gelähmt« (1. Mose 49, 5. 6).

Wenn wir glauben, daß »die Schriften«, also das gesamte Wort Gottes, von Christus zeugen (Joh. 5, 39b), dann gilt das auch für dieses Wort. Der von prophetischem Geist erfüllte sterbende Patriarch sprach ja nicht von erschlagenen Männern, obwohl es viele gewesen sein müssen, sondern von »dem Mann«. Ferner spricht er, in die Zukunft schauend (vgl. Vers 1b!), von dem Lähmen oder Verstümmeln eines Stieres oder Ochsen. Nun ist aber eines der vielen Christussymbole der Stier oder der Ochse oder das pflegende Kalb.

Der Herr wird ja im Bilde vieler Tiere dargestellt, je nachdem, von welcher Seite aus Er gezeigt werden soll. Denken wir nur an das Lamm, die Henne, die Schlange, den Wurm, den Adler, den Löwen usw. Von jeher hat man den arbeitenden Ochsen oder das pflügende Kalb als Sinnbild für das Markusevangelium gebraucht und auf den Herrn gedeutet.

Von Josef, diesem fleckenlosen prophetischen Christustyp, weissagt der sterbende, segnende Mose. Die Schrift nennt Josef in diesem Zusammenhang den Nasiräer, Abgesonderten, Gottgeweihten oder Gekrönten (5. Mose 33, 16) und sagt über ihn: »Sein ist die Majestät des Erstgeborenen seines Stieres, und Hörner des Wildochsen sind seine Hörner. Mit ihnen wird er die Völker niederstoßen allzumal bis an die Enden der Erde« (Vers 17).

Nun hat ja Josef nie »bis an die Enden der Erde« geherrscht und wird es auch nie tun. Aber auf Christus, auf den alle und jede Schrift zielt, trifft das zu. Er wird hier mit einem Stier und einem Wildochsen verglichen. Wir sehen also, daß der Ochse oder Stier ein Sinnbild für Christus ist.

Der Ochse, Stier oder Farre ist Christus, der für Gott Arbeit und Frucht schafft. Wer sich an Ihm versündigt, lädt größere Schuld auf sich, als wenn er sich nur an einem Stück Kleinvieh oder an andern Sachen und Dingen vergreift. Darum muß er nicht vierfach, sondern fünffach erstatten. –

Erstattung eins zu sieben

In Spr. 6, 30. 31 lesen wir: »Man verachtet den Dieb nicht, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert. Wenn er gefunden wird, kann er siebenfach erstatten, kann alles Gut seines Hauses hingeben.« Auf den ersten Blick scheint es sich hier um einfachen Mundraub zu handeln, der doch im allgemeinen nur leicht bestraft wird. Da muß eine siebenfache Erstattung als reichlich hoch betrachtet werden. Wenn die Wiedergutmachung für ein gestohlenes und geschlachtetes Tier viel geringer ist, dann dünkt uns diese Strafe doch übertrieben.

Nichts liegt uns jedoch ferner, als durch menschliche Erwägungen Kritik an Gottes Wort zu üben. Das wäre uns Sünde! Aber vielleicht müssen wir unter dem Begehren oder der Gier, von der im 30. Vers die Rede ist, doch etwas anderes verstehen, wenn wir das Wort in seinem ganzen Zusammenhang betrachten. Von Vers 24 ab ist in Spr. 6 von dem Begehren oder der Begierde des Herzens nach der Schönheit eines fremden Weibes die Rede. Diese Ermahnung und Belehrung wird durchgeführt bis Vers 35. Sollte da in diesem ganzen, geschlossenen Zusammenhang nur der 30. und 31. Vers von einem harmlosen Mundraub handeln? Wie dem auch sei: die Schrift kennt und nennt eine siebenfache Erstattung (vgl. Ps. 79, 12!).

Zwei solcher siebenfältiger, demütigender Wiedergutmachungen und Zurechtbringungen wollen wir nachschlagen: eine bei einem Weltherrscher und eine zweite bei einem Feldmarschall.

In Dan. 4 lesen wir von einem Traum Nebukadnezars, des Königs von Babel. Darin wird ihm in einem Bilde gezeigt, wie tief er wegen seines Hochmuts gedemütigt werden soll. Er erzählt: »Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel hernieder. Er rief mit Macht und sprach also: Hauet den Baum um und schneidet seine Zweige weg; streifet sein Laub ab und streuet seine Frucht umher. Die Tiere unter ihm sollen wegziehen und die Vögel aus seinen Zweigen. Doch seinen Wurzelstock laßt in der Erde, und zwar in Fesseln von Eisen und Erz, im Grase des Feldes; und von dem Tau des Himmels werde er benetzt, und mit den Tieren habe er teil an dem Kraut der Erde. Sein menschliches Herz werde verwandelt und das Herz eines Tieres ihm gegeben; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen« (Vers 10-13).

Daniel deutet diesen Traum mit folgenden Worten: »Dies ist die Deutung, o König, und dies der Beschluß des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, kommen wird: Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein; man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern und dich vom Tau des Himmels benetzt werden lassen. Und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, daß der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem Er will« (Vers 21. 22).

Genau so, wie es vorhergesagt worden war, »kam das alles über den König Nebukadnezar … Er wurde von den Menschen ausgestoßen und aß Kraut wie die Rinder und sein Leib wurde benetzt von dem Tau des Himmels, bis sein Haar wuchs gleich Adlerfedern und seine Nägel gleich Vogelkrallen« (Vers 25-30). Als er aber seine Augen zum Himmel erhob und sich vor Gott demütigte, vollzog sich eine wunderbare Wandlung an dem König von Babel, ein prophetisches Vorbild für alle Wesen und Welten, die ins Irdisch-Tierisch-Dämonische absanken und Gott völlig entfremdet wurden: »Am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder, und ich pries den Höchsten und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. Und alle Bewohner der Erde werden wie nichts geachtet, und nach Seinem Willen tut Er mit dem Heere des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der Seiner Hand wehren und zu Ihm sagen könnte: Was tust Du? — Zu derselben Zeit kam mir mein Verstand wieder, und zur Ehre meines Königtums kamen meine Herrlichkeit und mein Glanz mir wieder; und meine Räte und meine Gewaltigen suchten mich auf, und ich wurde wieder in mein Königtum eingesetzt, und ausnehmende Größe wurde mir zugefügt. Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Werke allesamt Wahrheit und dessen Wege recht sind und der zu erniedrigen vermag, die in Hoffart wandeln« (Vers 31-34).

Sowohl die Gerichtserstattung für die Gier seines Hochmuts, als auch die Wiederherstellung und Gnadenerstattung durch seine Demütigung vor Gott waren in sieben Zeiten zusammengefaßt. Gott ist vollkommen gerecht (die 7 ist in der Schrift die Zahl der Vollkommenheit!) in Gericht und Gnade, in Strafe und Erstattung! –

Ähnliches wird uns von Naeman, dem Heeresobersten des Königs von Syrien berichtet. Lesen wir darüber 2. Kön. 5! Naeman, zu deutsch: der Schöne, der Wohlgestaltete, war aussätzig, also genau das Gegenteil von dem, was sein Name sagte. Ein zwangsverschlepptes junges Mädchen aus Israel, das im Dienste der Gattin des Heeresobersten stand, machte seine Herrin darauf aufmerksam, daß der Prophet Elisa in Samaria ihren Herrn sicherlich heilen könne.

Doch lesen wir diese schöne, fesselnde Geschichte selber nach in all ihren köstlichen Einzelheiten, wenn wir sie nicht mehr ganz im Gedächtnis haben.

Es ist gewiß keine sinnlose Willkür, sondern, wie alles in der Schrift, von tiefer, symbolischer Bedeutung, daß Naeman gerade siebenmal im Jordan, dem Todesstrom, untertauchen mußte. In stolzer Empörung über solch eine Zumutung, sich in einem Fluß siebenmal hintereinander unterzutauchen, statt durch eine weihevolle Zeremonie oder mittelst heiliger Zaubersprüche geheilt zu werden, wandte er sich weg und wollte heimreisen. Dennoch überwand er sich und demütigte sich angesichts seiner Knechte zu der vorgeschriebenen Handlung.

In sieben Stufen wurde sein Zorn und Stolz gebrochen. Bei jedem neuen Untertauchen mußte doch in dem General die Befürchtung stärker werden, sich lächerlich zu machen, wenn die versprochene und erwartete Heilung nicht sofort einträfe. Aber siehe: »Da stieg er hinab und tauchte sich im Jordan siebenmal unter, nach dem Worte des Mannes Gottes. Da wurde sein Fleisch wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er war rein!« (Vers 14).

Diese siebenfache Untertauchung war Gericht und Gnade zugleich; es war eine siebenfache Demütigung und Erstattung des Sünders und die Gnadenwiederherstellung Jehovahs in einem. Wie wunderbar sind doch die Methoden unsres großen Rettergottes! Daß wir sie doch besser verstünden und williger darauf eingingen! –

Die Erstattungen, die wir bis jetzt betrachteten, waren meist Gerichtserstattungen, heilige Maßstäbe, nach denen Gott in Gericht und Gnade mit Seinen Geschöpfen, sonderlich Seinem Mustervolk Israel, verfährt. Jetzt wollen wir noch zwei Gnadenerstattungen erwähnen, die schon dadurch auffallen, daß das Verhältnis des Erweises der Güte und der Liebe Gottes zu den Bedürfnissen und der Not der Seinen viel gewaltiger ist als bei den seither betrachteten Maßstäben. Denn die Barmherzigkeit siegt über das Gericht (Jak. 2, 13), und Gnade und Liebe sind, wenn Gott sie einmal fließen läßt, überströmend (1. Tim. 1, 14). –

Erstattung eins zu hundert

In Mark. 10 begegnete dem Herrn ein reicher Jüngling, der Ihm wohl nachzufolgen begehrte, aber von seinem irdischen Reichtum innerlich nicht gelöst war. Das nahm Jesus zum Anlaß, Seinen Jüngern etwas über den ungeheuren Ernst völligen Vertrauens auf Ihn und gänzlicher Lösung von allen irdischen Gütern zu sagen. In Vers 27 weist der Herr darauf hin, daß das, menschlich gesehen, unmöglich, bei Gott jedoch durchaus möglich ist.

Der rasche, selbstbewußte Petrus ergreift das Wort und sagt: »Siehe, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt!« (Vers 28); der Herr aber belehrt Seine Jünger: »Wahrlich, ich sage euch: da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinet- und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfange, jetzt, in dieser Zeit, Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mit Verfolgungen, und in dem kommenden Äon ewiges Leben« (Vers 29. 30).

Erstattung eins zu hundert! Welch ein gewaltiger Maßstab! Das sind, nüchtern und rechnerisch betrachtet, 10.000 Prozent! Diese Erstattung zielt, wohlgemerkt, nicht auf ferne, kommende Äonen, sondern auf »diese Zeit«! Sie hat es durchaus noch nicht mit der Vollendung zu tun. Denn der Besitz und Genuß von Häusern und Brüdern und Schwestern, Müttern, Kindern und Äckern ist ja immer noch mit »Verfolgungen« verknüpft.

Erst das zukünftige Zeitalter, auf das zunächst alle israelitische Reichshoffnung zielt, das Millennium oder Tausendjahrreich, das die Schrift in den verschiedensten Bildern und in den leuchtendsten Farben schildert, auf das sich die Sehnsucht der Enterbten und Gequälten richtet und über das naturgemäß die erstarrte Schriftgelehrsamkeit der Pharisäer mitleidig lächelt, offenbart die Segenskräfte und Gottesfreuden des äonischen Lebens.

Dürfen wir ein solches Wort buchstäblich nehmen und in seinem Vollumfang glauben? Beweisen uns nicht Geschichte und Erfahrung, daß das nicht wörtlich gemeint sein kann und daß nur als ganz seltene Ausnahme, die die Regel des Gegenteils beweist, einmal Menschen das, was sie um Jesu willen opferten, so überreich wiedererstattet bekamen?

Diese Gedanken grenzen aber bereits an den listigen Einwurf der Schlange im Paradies: »Sollte Gott gesagt haben?« Auch wenn wir keine Erfüllung sehen, so bleibt dieses Wort Gottes Wort, bleibt unverbrüchliche Zusage und unantastbare Wahrheit. Im Lichte der Vollendung werden wir ohne Zweifel einmal erkennen, daß es wirklich eine Erstattung eins zu hundert gab, auch wenn sie den Augen der blinden Welt verborgen war. Wir leben nicht im Schauen, sondern im Glauben und stellen uns immer wieder auf den heilig-trotzigen Standpunkt des Dichters:

    »Und wenn mein Herz spräch tausend Nein!,
    Dein Wort soll mir gewisser sein!« –

Erstattung eins zu unendlich

Noch eine letzte Erstattung wollen wir betrachten: Drei Paulusworte, genauer gesagt: drei Zeugnisse des verherrlichten, erhöhten Christus durch den Mund Seines zum Fülleevangelium ausgesonderten Apostels, sollen uns dabei leiten: 2. Kor. 4, 17; Phil. 4, 19 und Eph. 3, 20.

In 2. Kor. 4, 17 werden wir belehrt: »Das schnell vorübergehende Leichte unsrer Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit.« Zwei Dinge werden hier miteinander verglichen und zueinander in Beziehung gesetzt:

  1. das schnell vorübergehende Leichte unsrer Drangsal,
  2. ein über die Maßen überschwengliches Gewicht von Herrlichkeit.

Von der Drangsal oder Einengung (Einquetschung), die wir alle, jeder auf seine Art, durchleiden, durchlieben und durchsterben müssen, wird ein Dreifaches ausgesagt:

  1. sie ist leicht,
  2. sie ist vorübergehend,
  3. sie ist schnell oder rasch vorübergehend.

Die sich aus ihr ergebende Herrlichkeit bewirkt unsre sich von Tag zu Tag vollziehende Umwandlung. Das ersehen wir aus dem vorhergehenden 16. Vers, der mit unserm 17. Vers durch das begründende Wörtlein »denn« verknüpft ist.

Wie aber ist diese Herrlichkeit, die durch unsre tägliche Einengung oder Bedrängnis bewirkt, veranlaßt oder zustande gebracht wird (das ist der Sinn des hier gebrauchten Wortes katergazomai!)? Sie ist »über die Maßen«, d. h. für sie gibt es gar keine irdischen Maßstäbe, überschwenglich, überfließend oder überströmend und von ewigem Gewicht (baros = Überfülle oder Bürde). Auf dieser Erstattungslinie dürfen wir also erwarten:

  • statt der Leiden — Herrlichkeit;
  • statt des Vergänglichen — Ewiges;
  • statt des Leichten — Bürde oder Überfülle;
  • statt des knapp Zugemeßenen — über die Maßstäbe hinaus!

Welch eine Erstattung harrt da unser! Was sind wir doch für armselige blinde Toren, wenn wir seufzen und stöhnen über die uns manchmal untragbar dünkende Last unsres Lebens! Winkt uns doch eine Erstattung von eins zu unendlich!

Allerdings hat diese Erstattung eine innere Voraussetzung: unsre tägliche Erneuerung und Umwandlung. Diese aber vollzieht sich nicht durch krampfhafte Bemühungen oder fromme Leistungen, sondern allein dadurch, daß wir den Blick vom Sichtbaren abwenden und die Augen des Herzens dankend und anbetend auf dem ruhen lassen, »was man nicht sieht« (Vers 18).

Was sieht man denn in dieser Welt? Hinter aller äußeren Schönheit stecken für den Sehenden unsagbare Grausamkeit, Enttäuschung und Mühsal, Sünde, Leid und Tod. Und was sehen die Augen des natürlichen, auch des natürlich-frommen Menschen nicht? Sie erkennen nicht das vollbrachte Erlösungswerk, die gleicherweise darin enthüllte Gerechtigkeit und Inbrunst der Vaterliebe Gottes, die endgültige Zielerreichung Seiner Heilsgedanken und Vollendungsabsichten. All das sieht das natürliche Auge nicht. Und gerade das sollen wir anschauen! Wollen wir es nicht viel gründlicher tun als seither? Gott helfe dir und mir und allen den Seinen dazu! –

In Phil. 4,19 finden wir eine gewaltige Erfüllungsverheißung, eine umfassende Gnadenerstattung, wie sie nie in eines Menschen Herz gekommen ist. Sie lautet: »Mein Gott wird alles, was ihr bedürft, erfüllen entsprechend Seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christo Jesu.« Es gibt keine Bedürfnisse, keine Notlage, keinen Mangel und keine Sehnsucht, die Gott nicht dereinst erfüllen, sättigen, stillen oder voll befriedigen wird (das ist der Sinn des hier gebrauchten Ausdrucks pleeroo). Statt Notdurft und Armut wirkt Gott Erfüllung jedweder Sehnsucht, Sättigung allen Glücksverlangens. Das wird dereinst eine wunderbare Erstattung sein!

Nach welchem Maßstab aber vollzieht sich hier die Befriedigung? Nach keinem irdisch-menschlichen oder engelsmäßig-himmlischen, sondern nach einem göttlichen: Gott erstattet und erfüllt die Freudensehnsucht Seiner Gemeinde nach »Seinem Reichtum an Herrlichkeit in Christo Jesu«.

Dieser Gottesreichtum an Herrlichkeit ist aber nicht wägbar noch meßbar, denn in Christo Jesu wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig! Und dies ist nach unsern mathematischen Begriffen unendlich. Nichts und niemand anders als Er selbst ist der Gottesmaßstab unsrer Segnungen und Seiner Gnadenerstattungen in der Vollendung. –

Epheser 3, 20 ist ein Lobpreis höchster Art. In scheinbarer Verzückung, die wie eine Übersteigerung aussieht (vgl. den Zusammenhang von Vers 19b mit unserm 20. Vers!), gibt uns der inspirierte Apostel eine Belehrung von größter Wichtigkeit und Nüchternheit. Er sagt nichts Geringeres als das: Gebraucht die kühnsten Maßstäbe eures Betens und erleuchteten Denkens, fleht um das Höchste und Gewaltigste, was Menschengeist zu sinnen und zu fassen vermag — Gott tut immer noch mehr! Seine Maßstäbe, nach denen Er erstattet und wiedergutmacht, begnadet und vollendet, sind eben göttlich und nicht menschlich, stammen nicht von der Erde, sondern aus den Überhimmeln Seiner eignen Allmacht und Herrlichkeit. Sie gehen ins unendliche …

Acht Erstattungsmaßstäbe für Gottes Walten in Gericht und Gnade haben wir zu bezeugen versucht. Wir konnten nur etwas andeuten von der mathematischen Genauigkeit, mit der der Vater aller Wesen und Welten verfährt, und von dem Überreichtum, den Er in der Zielerreichung Seiner letzten und tiefsten Gedanken, die Er der Gemeinde des Leibes des Christus enthüllt hat, einst darstellen wird.

Mögen wir nach Leib und Seele noch in einer von Schuld und Angst und Not gequälten Welt stöhnen, die den kosmischen Mächten und Gewalten verhaftet ist — mag der Lügner und Mörder von Anfang immer noch lügen und morden –, mag der Verwüster noch verwüsten und der Räuber noch rauben — einmal wird dennoch wahr, erfüllt sich dennoch in leuchtender Schöne und unvergänglicher Herrlichkeit, was Christus prophetisch durch den Mund Davids in Ps. 69, 5 gesagt hat: »Was ich nicht geraubt habe, muß (will oder werde) ich alsdann (Stück um Stück oder eines nach dem andern) erstatten!« –

Gelobt und gepriesen, gebenedeiet und gesegnet sei unser Herr und Haupt, der Schöpfer, Retter und Vollender, der Wiedergutmacher aller Wesen und Welten,

Christus, der Erstatter!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/1995; Paulus-Verlag; Heilbronn)

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wichtige Hinweise:
1.) Eingereichte Leser-Kommentare geben nicht zwangsweise die geistliche Sicht und Meinung des Betreibers dieser Website wider.
2.) Der Betreiber hält sich vor, dem Wesen und Anliegen dieser Website zuwiderlaufende Kommentare nicht freizugeben resp. zu löschen. Dies geschieht selbstverständlich auf jeden Fall bei Kommentaren mit antichristlichen, beleidigenden, obszönen oder anderweitig gegen die guten Sitten oder den christlichen Geist verstoßenden Inhalten. Eine kritische und/oder kontroverse Haltung zu einem der hier verfügbaren Artikel und Texte ist dagegen keineswegs Grund für eine Nichtfreigabe, solange diese sachlich erfolgt und begründet wird.
3.) Bitte erwarten Sie nicht, dass der Betreiber dieser Website generell auf jeden abgegebenen Leser-Kommentar eingeht.
4.) Gelegentlich landen Kommentare auch ohne Spam-verdächtigem Inhalt im Moderationsordner. Woran das liegt, wissen wir nicht. Erstkommentatoren gehen generell über die Moderation. In diesen Fällen bitten wir um Nachsicht und ein wenig Geduld. Ihr Kommentar wird schnellstmöglich freigeschaltet.
5.) Wenn Sie ggf. einzusetzende Links nicht über das Quicktag/den Button "link" einbinden, bitte die URLs vorher bei short4u.de oder tinyurl.com kürzen!


468 Artikel online •
3 Besucher online