Die Leiden dieser Zeit im Licht der Ewigkeit (1)
Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiligung, Hingabe | 627 x gelesen“Denn ich halte dafür, daß die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden, (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat), auf Hoffnung, daß auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes” (Röm. 8, 18-21).
“Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überschwengliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit” (2. Kor. 4, 17).
“… die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen; auf daß die Bewährung eures Glaubens viel köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi” (1. Petr. 1, 6.7).
“Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit” (Kol. 3, 4).
“Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm gleich sein werden” (1. Joh. 3, 2).
Alles Lebendige sehnt sich nach Lebenserfüllung. Diese Sehnsucht ist eine echte, von Gott selbst in das Geschöpf gelegte Anlage der Seele.
Da das Geschöpf in sich selbst kein bleibendes, wahres, ewiges Leben hat, daher auch nicht zu geben vermag, weder sich selbst, noch anderen Wesen, sandte Gott, der allein Unsterblichkeit hat (1. Tim. 6, 16), den Sohn der Liebe, der Leben in sich selbst hat wie der Vater (Joh. 5, 26; 1, 4; 6, 33; 11, 23; 14, 6 u. a.), in diese Welt, damit wir Leben und volles Genüge haben, oder wörtlicher: Leben im Überfluß haben.
Erfülltes Leben bedeutet völlige Freude. Deshalb ist die Botschaft vom Leben die frohe Botschaft, die Freudenbotschaft Gottes an die Welt.
Ohne dieses Leben bleiben wir im Tode; ohne dieses Licht bleiben wir im Dunkel; ohne diese Freude bleiben wir im Leid.
Alle unerfüllte Sehnsucht bedeutet für uns Leid. Das Weltkind Goethe bekennt darum in echter Erkenntnis dessen, was die tiefste Ursache des Leides ist: “Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!”
Der Herr selbst schaut am Jakobsbrunnen (Joh. 4) in die Tiefe der Weibesseele und weiß, daß alle Irrwege dieses Weibes mit den sechs Männern die Irrwege falsch orientierter Lebenssehnsucht waren. Im Tiefsten suchte ihr Herz nach dem, der allein alles Sehnen des Herzens wahrhaft stillen kann. Sie bekennt: “Ich weiß, daß der Messias kommt, der Christus genannt wird, und wenn Er kommt, dann wird Er …” — Und dann offenbarte Er sich ihr, und ihre Seele genas, und das Lebenswasser, das Er durch Sein Wort in sie ergoß, ward in ihr zu einer Quelle lebendigen Wassers, das überquoll und den Durst vieler anderen stillte.
Sehnsucht ist der Drang nach Lebenserfüllung. Wer dieses in uns hineingelegte göttlich-ewige Begehren mit zeitlich bedingten Methoden und mit kreatürlichen Mitteln stillen will, wird bitter enttäuscht werden und durchbohrt sich selbst mit vielen Qualen und Schmerzen.
Leiden sind deshalb Signale zu echter Orientierung. Sie brauchen daher auch gar nicht durch bewußte eigene Schuld verursacht zu sein. Wo sie dies sind, gesellt sich zu ihnen die Bitterkeit der Selbstvorwürfe. Wo sie es nicht sind, wie vor allem bei dem Kreuzes- und Todesleiden des Herrn, sind sie Signale für die anderen, die Schuldigen, denen ohne diese Signalzeichen keine Orientierung mehr möglich wäre. Es ist ja meist so, daß zunächst einmal der Unschuldige leidet unter dem Schuldigen.
Leiden sind deshalb die deutlichsten, weil spürbarsten Kennzeichen für das Unrecht und das Ungeordnete und daher Nichterfüllte dieser Welt. Und darum gibt es solange Leid, bis das Erste vergangen ist (Offbg. 21, 1-5) und Gott ist alles in allein. Darin wird kein Leid und kein Geschrei mehr sein, kein Tod und kein Schmerz, keine Trauer und keine Tränen.
Die Leiden dieser Zeit sind so alt wie die Sünde. Christus aber ist älter als die Sünde. Er durchlebte alles Leid der Welt schon vor ihrer Grundlegung, als er zusammen mit dem Vater den Vorsatz der Äonen faßte und schon damals als Opferlamm ausersehen wurde für die Sünde der noch gar nicht vorhandenen Welt, die ja erst geplant war und noch nicht erschaffen. Als dann Welt und Sünde tatsächlich vorhanden waren, und mit der Sünde auch das Leid, wurde Christus geoffenbart zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer (Hebr. 9, 26). Wenn diese Abschaffung der Sünde vollendet ist, sind auch die Folgen der Sünde verschwunden, nämlich Leid und Tod.
Da Leid und Tod den schärfsten Gegensatz zur Freude des erfüllten Lebens bilden, sind sie für das Geschöpf die klarsten und eindeutigsten Kennzeichen des Nichterfüllten. Während der Mensch sich an das Angenehme verhältnismäßig schnell gewöhnt, so daß er es bald als selbstverständlich empfindet und daher kaum mehr Dankbarkeit aufbringt für das Gute, das er ständig genießt oder dauernd besitzt, z. B. Gesundheit usw., lehnt er das Unangenehme dauernd ab. Keiner, der tage- oder wochenlang Zahnschmerzen erduldet hat, wünscht sich, daß sie bleiben, weil er sich nunmehr daran gewöhnt habe. Wer jahrelang gut verdiente, gewöhnt sich nicht in ein paar Tagen oder Wochen, ja auch nicht in Jahren daran, daß er kein Geld mehr hat, d. h. er empfindet die Armut dauernd als drückend, wenn er auch vorher sich seines Wohlstandes kaum bewußt war. Und wer noch nie in seinem Leben Gott dankte für guten Schlaf, empfindet schon eine einzige schlaflose Nacht äußerst unangenehm. Und ähnlich so ist es mit dem Sattsein und dem Hungern. Jeder Mangel im Leben wird eben als unangenehm empfunden, während man sich vom Wohlsein und vom Überfluß meist gar keine Rechenschaft gibt.
Wie Fieber das Kennzeichen einer Unordnung im Körper ist, so sind Leiden ein Anzeichen für irgend etwas Ungeordnetes, sei es im Leben des Einzelnen oder der Familie oder irgendeiner Gemeinschaft oder des Volkes oder der Gesamt-Menschheit.
Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß im ältesten Buche der Bibel, dem Buche Hiob, das älteste Problem der Menschheit behandelt wird, das Leid, d. h. die Frage nach der Ursache des Leides, nach seiner Berechtigung überhaupt, nach seinem Sinn und Zweck und Ziel.
Die Frage des Leides ist so alt wie die Sünde. Sie kann daher auch vorn Menschen aus nicht in absolutem Sinne beantwortet werden. Deshalb stellt Gott selbst diese Frage ins Licht der Ewigkeit. Als Hiob in seinen vielen und langen Reden immer wieder betont, daß selbstverständlich niemand den Allmächtigen daran hindern könne, mit seinem Geschöpf, dem Menschen, so zu handeln, wie Er wolle, daß aber das Geschöpf wenigstens das Recht habe, über diese Behandlung Aufklärung zu verlangen, kommt Gott dem Hiob entgegen und läßt sich mit ihm auf eine Aussprache ein. Aber eine einzige Frage Gottes genügte, um dem Hiob alles Weiterreden vergehen zu lassen. Auf die Frage Gottes: “Wo warst du, als ich die Erde gründete, als die Morgensterne jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?” — war die Weisheit Hiobs restlos ausverkauft (Hiob 38, 4-7). Er bekennt: “So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte” (Hiob 42, 3).
Und in Hiob 39, 32-35 fragt Gott: “Will der Tadler rechten mit dem Allmächtigen? — Der, der Gott zurechtweist, antworte darauf!” — Und Hiob antwortet: “Siehe, zu gering bin ich; was soll ich Dir erwidern? — Ich lege meine Hand auf meinen Mund. Einmal habe ich geredet, und ich will nicht mehr antworten, und zweimal, und ich will es nicht mehr tun.”
Erst auf die Offenbarung Gottes hin sieht das Geschöpf alles Leid im Licht der Ewigkeit. Da erkennt es, daß der Töpfer um Seiner selbst willen an Seinem irdenen Gefäß, dem Menschen, in völliger Weisheit und vollkommener Liebe handelt, um es fähig zu machen, den Anteil am Erbe der Heiligen im Lichte auch in einer dieser Stellung entsprechenden Herrlichkeit und Würde zu verwalten. Dazu will er es erfüllen mit Seiner ganzen Gottesfülle (Eph. 3, 19), weil nur so das tiefste Sehnen des Geschöpfes gestillt wird und es hingelangt zum überfließenden Leben und zu völliger Freude.
Da verstummt die negative, falsche Kritik des Kunstwerkes an dem Künstler (Eph. 2, 10) und an ihre Seite tritt die positive Einsicht in den Sinn des Leides und die wesenhafte Erkenntnis der Notwendigkeit der Leiden.
Wie stellt sich uns nun diese positive Erkenntnis des Leides dar? —
Bereits im Jahrgang 1951 dieser Zeitschrift, Seite 274-285, wurde die Frage nach der dreifachen Stellung des Menschen zum Leid behandelt. Im Rahmen dieses Aufsatzes geht es nun nicht um die persönliche, praktische Einstellung zum Leid, sondern um den Sinn des Leides, den Gott ihm gab. Anders ausgedrückt: Warum ist im Heilsplan Gottes das Leid heilsnotwendig, und wozu benutzt es Gott?
Die Frage nach Ursache, Zweck und Ziel des Leides wird uns durch die Schrift in einer dreifachen Schau beantwortet:
- Die Leiden um unserer selbst willen.
- Die Leiden um der anderen willen.
- Die Leiden um Christi und Gottes willen.
Zu jedem dieser drei Hauptpunkte ergeben sich eine ganze Reihe von Unterpunkten. Bevor wir diese im einzelnen aufführen und darstellen, sei hier nur zunächst in Kürze das Wesentliche der drei Hauptpunkte genannt. Man gewinnt so leichter eine Gesamtschau, die hernach die Einzelheiten besser erkennen und einordnen läßt.
I. Die Leiden um unserer selbst willen
Der Mensch wird nur im Leid zum Charakter, zur Persönlichkeit, zum Vollmenschen. Dauerndes Wohlergehen verflacht. Gründung und Tiefe und Tiefgang erhält der Mensch nur in den Belastungsproben. Während das unbeladene Schiff im Sturm wie eine Nußschale auf dem Wasser tanzt und immer in Gefahr steht, umzukippen, zieht das schwerbeladene infolge seines Tiefganges eine ordentliche Kiellinie. Nur im Leid wird der Mensch richtig gewogen, und der Wert des Charakters bestimmt sich nach dem Gewicht des Opfers, das ein Mensch zu bringen bereit ist. — Christus wurde durch Leiden vollendet! Sein Opfer ist Höchstmaß der Persönlichkeit!
II. Die Leiden um der anderen willen
Nur im Leiden erlangt der Mensch die Fähigkeit zum Priesterdienst an anderen. Von Natur aus suchen alle das Ihre. Schiller sagt im “Tell”: “Ein jeder geht am andern kalt und fremd vorüber und fraget nicht nach seinem Schmerz.” — Nur in den Dingen, in denen wir selbst gelitten haben, bekommen wir Verständnis für die Not des andern. Das Geschöpf versteht eben in Wirklichkeit vom Leben nur soviel, als es selbst erlebt hat. Leben will gelebt und erlebt sein. Wenn der Sohn Gottes selbst an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte, obwohl Er der Sohn war (Hebr. 5, 8), und als Anführer unserer Errettung durch Leiden vollkommen gemacht wurde (Hebr. 2, 10), damit Er, der in allem den Brüdern gleich wurde, in Sachen mit Gott ein barmherziger Hoherpriester würde (Hebr. 2, 17), wievielmehr wir! “Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, vermag er denen zu helfen, die versucht werden” (Hebr. 2, 18). Priester wird man nur im Leid. Nur das Mitleiden wandelt unser eigensüchtiges Herz in ein opferwilliges Priesterherz um. Und nur soweit wir 0pfer werden, können wir einst Priester sein! Wie sollten wir einmal der harrenden Kreatur dienen können, wenn wir nicht ihr Seufzen verstehen?
III. Das Leiden um Christi und Gottes willen
Als Hiob noch ungeprüft war, behauptete Satan, der Knecht Gottes, Hiob, sei nur deshalb fromm, weil er mit seiner Frömmigkeit ein Geschäft mache. Solange er Gott diene, behüte dieser den Mann und seine Familie und sein Vermögen und mehre sein Ansehen und seine Habe. Sobald Gott aber die Unterstützung seines Frommen aufhören lasse, so daß Frömmigkeit keinen Gewinn mehr bringe, also kein Geschäft in Aussicht stelle, werde Hiob sich offen von Gott lossagen. Satan will darüber sogar mit Gott eine Wette eingehen! “Was gilt´s, ob er sich nicht offen von Dir lossagen wird!” — Da gibt Gott dem Satan den Auftrag, diese Prüfung an Hiob vorzunehmen und festzustellen, ob Hiob nach Verlust seiner Kinder und seiner Habe und seiner Gesundheit und seines Ansehens bei Freunden und Feinden sich tatsächlich von Gott lossagen würde. — Der Knecht Gottes bestand diese Prüfung. Er bekannte: “Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen! Der Name des Herrn sei gelobt!” — Da war der Feind als Lügner und Lästerer und Verleumder entlarvt. Der Glaube Hiobs wurde als rein erfunden, und die Größe und Erhabenheit Gottes stand unangetastet da. Er wurde um seiner selbst willen geliebt, nicht um seiner Gaben willen. Frömmigkeit war für Hiob kein Geschäft. Er liebte Gott nicht um der “Care-Pakete” willen, sondern um seines herrlichen Gotteswesens willen. In dem Bekenntnis des Psalmisten: “Dennoch bleibe ich stets an Dir! Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet. bist Du doch allezeit meines Herzens Trost und mein Teil!” kommt es ebenfalls deutlich zum Ausdruck, daß der wahrhaft Fromme Gott um seiner selbst willen liebt. Dieser Beweis kann nur im Leid erbracht werden. Nur im Leid kann man Lob “opfern”. Und mir diesen Ihm Lob Opfernden offenbart Gott die letzten Hindergründe seines Heilshandelns! Alle anderen lernen ihn nur ganz vordergründig kennen. — Wahrer Gottesdienst, wesenhafte Verherrlichung Gottes kann nur im Leid geübt werden. Alles andere ist ungeprüft und besitzt daher kein Gewicht.
Nach diesem kurzen Gesamtüberblick bringen wir nun die Gliederung mit ihren Unterpunkten:
I. Die Leiden um unserer selbst willen
- Leiden als Strafe für Verschuldung
- Leiden als Mittel zur Lösung von Sünde
- Leiden als Mittel zur Erkenntnis der Gerechtigkeit
- Leiden als Mittel zur Erkenntnis des Guten
- Leiden als Mittel der Erziehung zur Persönlichkeit
- Leiden als Mittel zur Erlernung des Gehorsams
- Leiden als Mittel zur Bewährung des Glaubens
- Leiden als Mittel zur Erweisung der Liebe
- Leiden als Mittel zu unserer Verherrlichung
- Leiden als Mittel zur Vollendung
- Leiden als Mittel zur Gleichgestaltung mit Christus
- Leiden zur Erlangung des Kampfpreises
- Leiden als Mittel zur Festigung im Ausharren
- Leiden als Mittel zum Fruchtbarwerden
- Leiden um der Erkenntnis willen
- Leiden als Mittel zur Bewahrung vor Selbstüberhebung
II. Die Leiden um der anderen willen
- Die Leiden um der Brüder willen
- Die Leiden um der Menschen willen
- Die Leiden um der Kreatur willen
- Die Leiden um der Engel willen
III. Die Leiden um Gottes und Christi willen
- Der Sohn verherrlichte den Vater durch Leiden
- Wir dürfen Gott durch Leiden verherrlichen
- Wir dürfen Christus durch Leiden verherrlichen
- Wir dürfen leiden um des Reiches Gottes willen
- Wir dürfen leiden um des Evangeliums willen
- Leiden als Erweis des Dienstes Christi
- Nur im Leiden ist reiner Gottesdienst möglich
Zu den einzelnen Punkten und Unterpunkten geben wir im folgenden einige kurze Hinweise, die keinesfalls eine ausführliche Darstellung sein sollen. Könnte man doch allein schon die Zahl der Unterpunkte noch erweitern. Eine einigermaßen umfassende Darstellung des Problems des Leides ergäbe natürlich ein ganzes Buch. Diese Arbeit müssen wir aber zurückstellen, bis der Herr Zeit und Gnade dazu schenkt.
I. Die Leiden um unserer selbst willen
1. Leiden als Strafe für persönliche Verschuldung
Gottes Auserwählte sind Heilige und Geliebte. In 1. Kor. 1, 2 nennt sie der Heilige Geist “die Versammlung Gottes, … die Geheiligten in Christo Jesu, die berufenen Heiligen”. Vergl. auch Kol. 3, 12 u. a.
In dieser aus der Welt herausgerufenen Versammlung Gottes, der Ekklesia, kamen nun unter den Heiligen Gottes, den Geheiligten in Christo Jesu, Dinge vor, wie sie selbst unter den Heidenvölkern der damaligen Zeit nicht üblich waren. Vergl. 1. Kor. 3, 1-5.
Das kann Gott um Seiner Ehre willen nicht hingehen lassen! Heiligkeit ist die Zierde Seines Hauses!
Aber auch die Liebe zu Seinem untreuen Kinde verpflichtet Ihn, jedes Mittel der Zucht anzuwenden, damit nach dem Verderben des Fleisches der Geist gerettet werde am Tage Christi (1. Kor. 5, 5), wenn die Heiligen vor dem Preisrichterstuhl Christi offenbar werden (2. Kor. 5, 10; 1. Kor. 3, 15).
Darum übergibt Paulus auch zwei Lästerer dem Lästerer (Satan), damit sie durch Zucht unterwiesen würden, nicht mehr zu lästern (1. Tim. 1, 20). Die Qual, die Satan ihrem Fleische bereiten darf (vergl. 1. Kor. 5, 5), soll sie zur Besinnung bringen. Denn wer im Fleische leidet, der steht ab von der Sünde (1. Petr. 4, 1-5).
Man vergleiche hierzu auch die Geschichte von Ananias und Sapphira in Ap. 5, 1-11. Weiterhin das Urteil über den Zauberer Simon in Ap. 8, 18-24.
Auch die Androhungen der Zucht in den Sendschreiben sind zu beachten. Siehe hierzu Off. 2, 5; 2, 16; 2, 20-23; 3, 3; 3, 19 u. a.
Unzählige Beispiele, die als Vorbilder für uns dienen, finden sich im Alten Testament. In 1. Kor. 10, 1-11 werden etliche aufgezählt. Von Adams Sünde im Paradies an, der die Strafe der Austreibung folgte, über Kains Verschuldung und sein Flüchtigwerden, weiterhin über das Gericht der großen Flut, das Gericht am Turm zu Babel, die Erziehungsgerichte an den Erzvätern, über Moses, der nicht ins Land der Verheißung hineinkommen durfte, über die Dahinstreckung der 600.000 Mann in der Wüste, über die Zuchtmaßnahmen zur Zeit der Richter, Könige und Propheten bis hin zur Ermordung des Sohnes Gottes auf Golgatha und dem Kommen des Zornes über Israel sehen wir die Folge von Verschuldung und Strafe in einer nicht abreißenden Kette von Leiden aller Art. Welche Bedeutung diese Vorbilder für uns haben, auf die die Endziele der Äonen gekommen sind, ersehen wir aus 1. Kor. 10, 1-11.
Diese Kette von Ursachen und Wirkungen wird erst ihr Ende gefunden haben, wenn das Fleisch sein Ende gefunden hat und die Sünde mit allen ihren Folgen und Auswirkungen abgeschafft und restlos beseitigt ist.
Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben. Dies nicht nur deshalb, weil das Fleisch schwach ist, sondern vielmehr noch um deswillen, weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott (Röm. 8, 7.8). Das Fleisch kann ja Gott nicht untertan sein, weil es sich dann selbst aufgeben müßte. Das kann und will es nicht. Es versucht sich deshalb außerhalb Gottes durchzubehaupten. Das aber ist Selbstvernichtung, Tod und Verderben.
Ohne Strafe würde das Fleisch immer ungehemmter den Weg der Feindschaft gegen Gott gehen. Die Strafe bedeutet daher zugleich aufhaltende und zurückbringende Gnade. (Ausführlicheres über dieses sehr wichtige Thema kann leider im Rahmen dieses Aufsatzes nicht gesagt werden. —
2. Leiden als Mittel zur Lösung von der Sünde
Schon im vorhergehenden Abschnitt: “Leiden als Strafe für Verschuldung” wurde gezeigt, daß der Zweck des Leidens bei Gott stets positiv ist. Es geht nicht nur darum, das Geschöpf fühlen zu lassen, was es getan hat, und welche Folgen sein Tun hat, sondern vielmehr darum, es von dem unseligen Hang zum Bösestun zu lösen. Deshalb lehrt der Herr ja Seine Jünger nicht nur beten: “Vergib uns unsere Schulden”, sondern auch: “Erlöse uns von dem Bösen!”
Damit das Geschöpf von dem natürlichen Hang des Fleisches, seine Begierden zu stillen, gelöst wird, muß es zunächst an den schmerzlichen Folgen der Sünde erkennen, wie töricht es im Letzten ist, zu sündigen. Darum läßt Gott den Menschen leiden.
Dies betrifft in erster Linie Seine Heiligen. Das Wesen der Heiligkeit besteht ja gerade darin, daß das Geschöpf von Sünde und Unreinheit abgesondert und dem reinen Dienste Gottes geweiht wird. Wie die Sünde Sonderung von Gott weg ist, so ist die Heiligung die Sonderung von der Sünde weg und die Neuweihe für Gott. Sie ist deshalb in untrennbarer Einheit mit dem Glauben verbunden, wie dieser mit der Buße.
Gerade den Heiligen, die ständig eine Wolke von Zeugen um sich haben, wird gesagt, daß sie noch nicht, wider die Sünde ankämpfend, bis aufs Blut widerstanden haben. Dies hemmt sie aber sehr stark in dem verordneten Wettlauf (Hebr. 12, 1-3). So sie aber im Fleische leiden, stehen sie ab von der Sünde (1. Petr. 4, 1-5). Dann können sie mit Hiskia sprechen: “Siehe, zum Heile ward mir bitteres Leid! Du, Du zogest mich liebevoll aus der Vernichtung Grube; denn alle meine Sünden hast Du hinter Deinen Rücken geworfen” (Jes. 38, 17).
Und so, wie Hiskia in der Zeit dankte, werden wir Gott in alle Ewigkeiten danken für solche Leidensgnade, die Er uns während unserer Lebens- und Schulungszeit schenkte.
3. Leiden als Mittel zur Erkenntnis der Gerechtigkeit
In einer Welt, deren Gott und Fürst der Satan ist, der Lügner und Menschenmörder von Anfang, ist es nicht verwunderlich, daß der Gerechte leiden muß von und unter allen denen, die Unrecht tun. Sie fühlen sich durch die Gegenwart der Gerechten gestraft und suchen sie daher zu beseitigen. Darum sagt schon der Psalmist: “Der Gerechte muß viel leiden” (Ps. 34, 20: nach Luther), oder: “Viele sind der Widerwärtigkeiten des Gerechten” (Psalm 34, 19; nach Elberfeld).
Diese Weissagung trifft am völligsten auf den Gerechten, den Christus zu. Petrus sagt von Ihm in Ap. 3, 14: “Ihr habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, daß euch ein Mann, der ein Mörder war, geschenkt wurde.”
Sollte es den Jüngern anders gehen, als dem Meister? — Und sollten die Glieder besser daran sein, als das Haupt? —
“Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen” (Joh. 15, 20). — “Und so wie damals der nach dem Fleische Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte, also auch jetzt” (Gal. 4, 29).
Wir dürfen uns bemühen, allenthalben Gutes zu tun, wir werden es doch nicht hindern können, daß wir um der Gerechtigkeit willen leiden (1. Petr. 3, 14).
Aber der Herr sagt in der Bergpredigt: “Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel!” (Matth. 5, 10).
4. Leiden als Mittel zur Erkenntnis des Guten
Während es für das Herz Gottes schmerzlich ist, Seine Kinder leiden zu sehen um ihres Bösestuns willen, ist es Seinem Vaterherzen wohlgefällig, wenn sie lieber um des Gewissens willen leiden, damit sie es nicht beflecken, als daß sie eine solche Befleckung leichtfertig hinnehmen, nur um sich vor Unannehmlichkeiten und Leiden zu bewahren.
Zu solchen Leiden ist in dem gegenwärtigen bösen Zeitlauf reichlich Gelegenheit gegeben. Christus selbst litt als der Gerechte für die Ungerechten (1. Petr. 3, 18). Er ging umher, wohltuend und heilend (Ap. 10, 38) und tat nur Gutes, so daß Er Seine Feinde fragen konnte: “Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?” — Und dennoch töteten die Ungerechten den Gerechten. Damit erwiesen sie aber, daß sie das Gute nicht ertragen konnten in ihrer Mitte. Der Gute strafte durch Seine Anwesenheit ihr Gewissen. Barrabas strafte nicht ihr Gewissen. Der Räuber und Mörder war ihnen als Genosse leichter tragbar, als der Reine, an dem sie ihre Unreinheit erkannten. Deshalb sagte ja auch der Hohepriester Kajaphas, es sei besser, wenn ein Mensch stürbe, als daß die ganze Nation durch ihn gefährdet sei (Joh. 11, 49). Er sah deutlich, daß es für ihn und seine Mitgenossen im Synedrium solange keine Ruhe gäbe, als dieser kompromißlose Zeuge der Wahrheit das Volk lehre. Also mußte er weg! — Damit aber erwies die religiöse Führerschaft Israels ihren Widerspruch gegen die Wahrheit. Christus aber wurde als Wahrheit erwiesen, als der Gerechte und Wahrhaftige und Gute inmitten der vom Bösen beherrschten Welt, und dies gerade dadurch, daß die Bösen Ihn nicht ertragen konnten.
Solches Leiden aber ist vor Gott wohlgefällig. “Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharret, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? “Wenn ihr aber ausharret, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden!” (1. Petr. 2, 20).
Unsere Berufung ist der unseres Herrn und Meisters entsprechend. Er ging umher, wohltuend und heilend. Und doch töteten sie Ihn. Aber sie konnten Ihn keiner Sünde zeihen. Er litt nicht um eigener Sünde willen, sondern um der Sünde der anderen willen. Und von diesen Leiden hat der Christus zurückgelassen für Seinen Leib. Wohl können wir, da wir von Natur aus selbst Sünder sind, nicht mit unserem unreinen Blut andere von Sünden reinigen, wie Er es tat. Nachdem wir aber Seinen Geist in uns tragen, spürt die Welt um uns, daß da eine andere Art ist. Und wenn wir auch in Reinheit und Lauterkeit wandeln und allen Menschen Gutes tun, soweit wir dies vermögen, so ist unsere Art für die Welt nicht tragbar, und sie versucht es immer wieder, uns für alle unsere Handlungen andere Beweggründe unterzuschieben und uns zu verdächtigen und aus der Welt hinauszutun.
Durch nichts anderes aber wird unsere Zugehörigkeit zu Christus so klar erwiesen, als daß wir in gleicher Weise und aus den gleichen Ursachen heraus leiden müssen. Alle, die in das Reich Gottes eingehen wollen, müssen Verfolgung leiden.
Wenn es nun für unseren Gott und Vater beschämend wäre, wenn Seine Kinder wegen strafwürdiger Vergehen hier auf Erden von der Obrigkeit verurteilt werden müßten, so ist es umgekehrt für Sein Vaterherz wohlgefällig, wenn die Nachgeborenen in die Fußstapfen des Erstgeborenen treten und gleichgestaltet werden Seinen Leiden und Seinem Tode, wie es Paulus in Phil. 3, 7-15 für sich geradezu begehrt. Das entspricht dem Zweck unserer Berufung. Denn insoweit wir mitleiden, insoweit werden wir auch mitverherrlicht werden. Und dulden wir mit, so werden wir auch mitherrschen (2. Tim. 1, 8.12; 2, 8-12; Röm. 8, 17; 2. Kor. 4, 16-18 u. a.).
Sollte also der Wille Gottes es wollen, daß wir in dieser Welt leiden müssen für die Wohltaten, die wir anderen erweisen, für das Gutestun aus wohlmeinendem Herzen, dann sind wir der Welt ein Schauspiel, Engeln und Menschen, und stellen gerade in diesen Leiden für das Gute die böse Regentschaft Satans und seiner Dämonen an den Pranger. Unser Leiden dient dann in dem großen Heilsplan Gottes der Offenbarmachung der Werke Satans, so wie der Sohn Gottes dazu geoffenbart wurde, die Werke des Teufels zu zerstören (1. Joh. 3, 8) und die finsteren Beweggründe allen falschen Handelns ans Licht zu bringen.
Die Heiligen sollen einmal die Welt richten (1. Kor. 6, 2.3). Dazu müssen sie das Böse an ihrem eigenen Leibe erfahren, und zwar nicht durch eigenes Bösestun, sondern durch Leiden um des Gutestun willen. Die Reinheit ihrer Beweggründe muß in allem erwiesen werden, damit sie nicht einmal als ungerechte und falsche Richter erfunden werden, sondern in allem rein erfunden werden.
Und wenn nun solche Leiden an uns herantreten, an Dich und an mich, was tun wir dann? — Wie stellen wir uns ihnen gegenüber ein? — Empören wir uns über das uns zugefügte offenbare Unrecht, oder sind wir dankbar, daß wir nicht mit schlechten Gewissen leiden müssen, sondern mit einem guten Gewissen leiden dürfen? — Und dies nach dem Willen Gottes!
“Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, auf daß, worin sie wider euch als Übeltäter reden, die zu Schanden werden, die euren guten Wandel in Christo verleumden. Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun zu leiden, als für Bösestun” (1. Petr. 3, 15-17).
5. Leiden als Mittel der Erziehung zur Persönlichkeit
Das beste und sicherste Erkennungszeichen wahrer Herzensbildung ist die unverkrampfte Selbstbeherrschung einer reifen und in sich gefestigten Persönlichkeit.
Nirgends aber kann der Mensch die Reinheit und Lauterkeit seines Charakters klarer und deutlicher erweisen, als im Leid.
Leiden sind der große Prüfstein der Persönlichkeit. Sie sind der echte Wertmesser des Charakters. Auf dieser Waage des Heiligtums stellt Gott das Ewigkeitsgewicht unseres Wesens fest. Der Glaube muß im Feuer bewährt werden. Im Leiden erweist es sich, ob unsere Frömmigkeit nur eine ichmäßige Glückseligkeitsduselei ist, die nur dann mit Gott zufrieden ist, wenn er unsere Wünsche erfüllt, oder ob wir mit einem Hiob sagen können, in mitten der tiefsten Leiden: “Der Name des Herrn sei gelobt!” Auch jetzt! Das bedeutet aber, daß wir den Erweis zu bringen haben, daß wir Gott nicht lieben um seiner guten Gaben willen, die er uns gibt, sondern weil er so groß und herrlich und heilig und gerecht und treu und vollkommen ist, so daß wir außer Ihm keinen kennen, mit dem wir lieber Gemeinschaft hätten, und daß wir diese dann auch haben wollen, wenn er uns leiden lässt. Wahren Persönlichkeiten geht es um Gemeinschaft mit einer großen Persönlichkeit, nicht um die Nutznießung ihrer Wertgegenstände. Den Erweis aber, daß es uns hierum geht, können wir nicht dann liefern, wenn wir gerade im Genuß der Gnadenerweisungen freundlicher Art sind, sondern nur dann, wenn uns diese entzogen werden. Das: “Ich will Dich lieben ohne Lohne, auch in der allergrößten Not!” kann man in Wahrheit nur im Leiden sprechen oder nach dem Erdulden der Versuchung. Sonst ist es nur Phrase. — Darum sollen wir es für lauter Freude achten, wenn wir in mancherlei Versuchungen fallen (Jak. 1, 2); und glückselig wird nur der Mann gepriesen, der die Versuchung wirklich erduldet, d. h. glaubend durchgestanden hat. Nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der Herr denen verheißen hat, die Ihn lieben (Jak. 1, 12). Denn nur der Liebende ist bereit, für den Geliebten zu leiden und alles zu erdulden um seinetwillen, nicht um der Gaben willen.
Nur durch die Liebe kommen wir zur Vollendung. Sie gibt sich ganz hin, so daß alle Wesenszüge unseres Charakters in sie eingetaucht und umgeschmolzen werden, so daß auch aus sonst minderwertigen Anlagen göttlich Großes geschaffen wird. Das ist die Verwandlung im Geiste unseres Gemüts, die Umwandlung der Sinnes- und Denkungsart der Gläubigen. — So, wie der Haß alle Eigenschaften eines Menschen gemein macht und zur Entartung bringt, so bringt die Liebe alles zur Aufartung, zur Fülle, zum Vollmaß, zur Vollendung. Die Liebe erbaut, ist auferbauend, der Haß zerstörend, vernichtend, beißend, fressend, auflösend.
Darum vermag auch nur die Liebe alles zu erdulden und alles zu ertragen und sich nicht erbittern zu lassen und das Böse nicht zuzurechnen sondern es zu tragen um des Andern willen.
Nur die Liebe harrt aus bis ans Ende, denn sie vergeht nimmer. Alles andere geht vorher in die Brüche. Darum wird zuletzt auch Gott alles in allem sein; denn Er ist die Liebe, und die vergeht nicht, sondern bleibt und harrt aus und vollendet das ganze All, bis Gott ist alles in allem.
Darum werden wir nur Vollpersönlichkeit durch das liebende Ausharren in den Versuchungen und Leiden dieser Zeit, so, wie der Herr selbst uns ein Beispiel gelassen hat in seinem Erdenleben.
Denn obwohl Er Sohn war, lernte Er an dem, was Er litt, den Gehorsam und ist allen denen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden (Hebr. 5, 8.9). Gott führt alle nachgeborenen Söhne die gleiche Bahn zur Vollendung, wie den Erstgeborenen der Brüder (Hebr. 2, 10), den Er durch Leiden vollkommen machte. Dies ist der dem großen, allwissenden und allweisen Rettergott geziemende Weg, wie es der vorgenannte Vers ausdrücklich bestätigt. Und den gleichen Weg führt Er alle Söhne (Hebr. 12, 4-11). In Off. 3, 19 bezeugt Er in gleicher Weise: “Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe:” Nur durch Ausharren gelangt man zur Gottseligkeit (2. Petr. 1, 6). Das im Feuer bewährte Gold ist schlackenlos. Und nur die im Leid bewährte Liebe ist rein und ohne ichsüchtige Hintergründe. Und nur durch diese reine Liebe führt Gott seine Geliebten zur Vollendung.
6. Leiden als Mittel zur Erlernung des Gehorsams
“Der in den Tagen Seines Fleisches, da Er sowohl Bitten als Flehen dem, der Ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht hat (und um Seiner Frömmigkeit willen erhört worden ist), obwohl Er Sohn war, an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte; und vollendet worden, ist Er allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden” (Hebr. 5, 7-9).
“Denn es geziemte Ihm (Gott), um deswilen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem Er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen” (Hebr. 2, 10).
“Denn gleichwie durch des einen Menschen Ungehorsam die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden” (Röm. 5, 19).
“Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu war, welcher, da Er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, sondern Sich Selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in Seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, Sich Selbst erniedrigte, indem Er gehorsam ward bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze” (Phil. 2, 5-11).
Gott allein hat Unsterblichkeit. Er ist der Unerschaffene und in Sich Selbst Seiende, der Unwandelbare, Bleibende, Ewige, Unverwesliche.
Er ist weder erschaffen, noch gezeugt, sondern der von jeher Daseiende, der “Ich bin, der Ich bin! Der Ewige, der Unveränderliche”.
Als Er Sein Leben mehren wollte, zeugte Er vor den Äonen, vor den Weltzeitaltern, vor Anbeginn der Schöpfung, den Sohn der Liebe aus Sich heraus.
Zeugung bedeutet Teilhaberschaft am Wesen des Vaters. “Ich und der Vater sind eins!” — “Wer mich sieht, der sieht den Vater.” — “Der Vater hat dem Sohne gegeben, Leben zu haben in Sich Selbst.”
Alles Erschaffene hat kein Leben in sich selbst. Wenn es nicht von oben her ins göttliche Leben und Wesen gezeugt wird, verfällt es dem Tode. Die Existenz alles Erschaffenen ist zunächst einmal zeitlich begrenzt. Ewige Dauer erhält das Geschöpf nur durch Zeugung. Daher wird einmal das All ins Leben gezeugt (zoogonountos ta panta). Diese Zeugung des Alls ins Leben findet statt durch die Gezeugten, die Söhne, die nach ihrer Vollendung einmal erkennen dürfen, gleichwie sie erkannt sind (1. Kor. 13, 12). Durch sie läßt der Sohn alle Gottes-Verheißungen, die in Ihm das Ja und das Amen sind, ausführen zum Lobe Gottes (2. Kor. 1, 20). Sie dürfen einmal in Seinem Auftrag den Kosmos (die Welt) und die Engel richten (1. Kor. 6, 2.3) und das All ins Leben zeugen. Darum wartet auch die gesamte Kreatur, die ganze Schöpfung, auf die Offenbarung (das Offenbarwerden, das Enthültwerden) der Söhne Gottes (Röm. 8, 18.22).
Die Herrlichkeit dieser Erwartung ist so groß, daß die Leiden der Jetzt-Zeit gar nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Man beachte doch nur einmal die Worte des Herrn Jesu in Joh. 14, 12: “Wahrlich, wahrlich (im Grundtext: Amen, Amen), Ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere tun als diese, weil ich zum Vater gehe.” —
Wer vermöchte es, die Tragweite dieser mit einem doppelten Amen beschworenen Verheißungen auch nur annähernd zu ermessen? —
Die Werke der Zukunft, die durch die Leibesgemeinde nach ihrer Vollendung einmal zeugungsmäßig getan werden dürfen, sind so groß, daß es im Raum der jetzigen Schöpfung nichts Gleichwertiges gibt. So, wie das himmlische Jerusalem größer und gewaltiger und schöner und erhabener und herrlicher ist, als das irdische, so läßt Gott das, was kein Auge sah und kein Ohr hörte und was in keines Menschen Herz kam, ausführen durch die Söhneschar, die Er dem Erstgeborenen zu Brüdern gab. Uns aber hat Gott dies geoffenbart durch seinen Geist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind (1. Kor. 2, 6-16).
Für diesen Dienst im kommenden Äon werden die Heiligen vollendet in der Jetztzeit (Eph. 4, 7-16). “Das Wesenhafte festhaltend in Liebe, bringen wir alles zum Wachsen in Ihn hinein, der das Haupt ist, der Christus! (Eph. 4, 15).
Von Natur aus ist kein Erschaffener zu solchem Dienste befähigt, Schon der erste Mensch, der von der Erde war, Adam, war kein ewiger Geist, sondern nur eine lebendige Seele (1. Kor. 15, 45-50). Daher war er auch nicht unsterblich, sondern sterblich. Er sündigte und starb Gott ab. Seitdem sind alle, die aus seinen Lenden hervorgingen, blutvergiftete, sündeninfizierte, dahinsterbende Menschen.
In dem ersten Adam sterben alle (1. Kor. 15, 22)! Also auch werden in dem Christus alle lebendig gemacht werden.
Christus ist der letzte Adam (1. Kor. 15, 45). Er ist ein lebendig machender Geist, nicht nur eine lebendige Seele.
Christus ist ja auch nicht der erschaffene Mensch, sondern der gezeugte Sohn des unerschaffenen Vaters.
Er ist nicht der Mensch von der Erde, wie Adam dies war. Auch ist Er nicht von Staub. Vielmehr ist Er der Mensch vom Himmel bzw. aus dem Himmel. Er war in Seinem ewigen Bestande schon von jeher, als noch keine Schöpfung da war. Er war! Alles andere ist geworden! Und Er war Gott von jeher, war als Gott in Gottgestalt beim Vater. Und alles, was geworden ist, das ward durch Ihn (Joh. 1, 1-3).
Er ist der Erstgeborene aller Schöpfung! (Kol. 1, 15). Nicht der Ersterschaffene! Alles Erschaffene ward durch Ihn! Deshalb kann es auch nur durch ihn erlöst werden. Als Er auf die Erde (oder besser: in die Welt) kam, kam Er ja in das Seinige; aber die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Alle Dinge bestehen auch nur in Ihm (Kol. 1, 17). Das All, das durch Ihn ward, hat in Ihm auch seinen Bestand. Durch Ihn ist es auch mit Gott versöhnt (Kol. 1, 13-23) Er vollendet und verherrlicht es auch.
Der Tod konnte wohl den erschaffenen Adam halten. Den gezeugten Adam vom Himmel konnte er nicht halten (Apg. 2, 24). Christus ist darum auch der Erstgeborene aus den Toten (Kol. 1, 18), damit dann alle anderen als Nachgeborene ebenfalls aus dem Tode hervorkommen. “Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden” (”. Kor. 15, 22).
Um das Werk des Dienstes in den zukünftigen Äonen, in denen Gott den überschwenglichen Reichtum Seiner Gnade in Güte über uns ausschütten bzw. gegen uns erweisen will (Eph. 2, 7), auch wirklich tun zu können, und zwar nach dem Maßstab von Joh. 14, 12 u. a., müssen die Glieder der Leibesgemeinde dem Christus in allem gleichgemacht werden. “Wie Er ist in der Welt, also auch wir!”
Die Einswerdung mit Christo beginnt mit der Neuschöpfung, dem Gezeugtwerden von oben. Ist jemand nicht von oben geboren bzw. von oben gezeugt, so kann er das Reich Gottes noch nicht einmal sehen, viel weniger denn hineinkommen. Ist aber jemand in Christo, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen! Siehe, alles ist neu geworden (2. Kor. 5, 17; Joh. 5, 3-8)! Wer aber Christi Geist nicht hat der ist nicht Sein (Röm. 8, 9).
Wer dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit Ihm (1. Kor. 6, 17). Der Geist Gottes, der im Erstgeborenen der Söhne wohnt, wohnt auch in den Nachgeborenen (1. Kor. 2, 16; 1. Petr. 4, 14; Joh. 17, 20-23; Röm. 5, 5 u. a.).
Die gezeugten Söhne aber sind Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 4), sind göttlichen Geschlechts (Apg. 17, 29), und werden von dem Erstgeborenen der Brüder selbst Götter genannt (Joh. 10, 34-36).
Zwar gehen wir jetzt noch im Leibe der Niedrigkeit umher, der ja als ein durch die Sünde befleckter Leib tot ist (Röm. 8, 10.11), Aber wir erwarten die Volloffenbarung der Sohnschaft, wenn Christus kommt und unseren Leib der Niedrigkeit verwandelt (Röm. 8, 23; Phil. 3, 20.21 u. a.). Dann, wenn der Herr erscheint und uns verwandelt, sind wir Ihm auch dem Leibe nach gleich in Geistleiblichkeit, im Herrlichkeitsgewand (1. Joh. 3, 1-3; Röm. 8, 29). Denn der, welcher heiligt, der Christus, und die, welche geheiligt werden, die Brüder, sind alle von einem, nämlich von einem Vater (Hebr. 2, 10.11).
Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch Er in gleicher Weise an denselben teilgenommen. Er musste in allem den Brüdern gleich werden. Denn worin Er Selbst gelitten hat, als Er versucht wurde, vermag Er denen zu helfen, die versucht werden (Hebr. 2, 14-18).
Der Weg der Hilfe aber ging durch den vollkommenen Gehorsam (Röm. 5, 19; Hebr. 5, 8.9).
Hätte der Sohn Gottes hier unten auch nur in einem einzigen Falle von Seinen Vorrechten als Gott Gebrauch gemacht, so wäre die Erlösung, die nur durch einen Menschen erfolgen konnte, wie ja auch die Sünde und der Tod durch einen Menschen kamen, hinfällig geworden. Schon gleich nach der Taufe versuchte es daher der Teufel, Ihn dazu zu bewegen, Sich durch die Verwandlung der Steine in Brot eine Erleichterung in Seinem Hungern nach dem vierzigtägigen Fasten zu verschaffen. Dann wäre aber der Wandel in vollkommener Menschheit durchbrochen, durchlöchert gewesen. Wenn Er, der Einzige, der uns erlösen konnte, auch versagt hätte, gäbe es keinen weiteren Weg zur Rettung mehr für uns.
Der Ungehorsam des ersten Adam brachte uns alle in die Stellung von Sündern. Der Gehorsam des letzten Adam, des zweiten Menschen, des Menschen vom Himmel, brachte uns alle in die Stellung von Gerechten.
Nach dem Ungehorsam des ersten Adam (und ebenso aller derer, die aus seinen Lenden kamen), mußte ein anderer Mensch als Anfang einer neuen Menschheit den Weg über diese Erde im völligen Gehorsam gegen den Willen Gottes gehen. Der völlige Gehorsam aber erweist sich zutiefst nur dort, wo uns durch das Beharren in ihm alles genommen wird, was uns das Leben hier auf dieser Erde wertvoll macht, und das ist zuletzt das Leben selbst im Sinne des Daseins einer Persönlichkeit. Darum hat der Sohn Gottes, obwohl Er Sohn war, gerade dort den Gehorsam gelernt, als Er durch das letzte und tiefste Leid in Gethsemane und Golgatha ging. “Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe!”
Dort, wo sie Ihn ohne Ursache haßten, hätte Er den Vater bitten können um Hilfe, und der Vater hätte Ihm mehr denn zwölf Legionen Engel gesandt, um die ganze Schlangenbrut zu vernichten, die sich um den Sohn gelagert hatte. Aber der Sohn wußte, daß niemals in der gesamten Geschichte der Welt der Vater so hoch verherrlicht wurde, als durch das Opfer am Kreuz. Deshalb erduldete Er alles um der Ehre und Herrlichkeit des Vaters willen.
In der Welt, dem gesamten Kosmos, kann nur Ordnung werden, wenn alles untergeordnet ist unter den allein vollkommenen Willen des Vaters. Auf diesem Wege zur Unterordnung aller ging der Sohn der Liebe allen voran. Das war kein frommes Scheintheater, sondern heilige, göttliche Wirklichkeit. Den Vollbeweis aber wird der Sohn zuletzt dadurch erbringen, daß Er nach der Unterordnung des Alls Sich Selbst dem Vater unterordnet, damit Gott sei alles in allem (1. Kor. 15, 28).
Ungehorsam ist Zaubereisünde, und Eigenwille ist Abgötterei und Götzendienst (1. Sam. 15, 22.23). Gehorsam aber ist besser denn Opfer, und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. Deshalb kam Er und sprach: “Siehe, ich komme, um Deinen Willen zu tun!” (Hebr. 10, 7.9; Psalm 40, 6-8).
Und wie Er ist in der Welt, also auch wir! Unserem natürlichen Bestande nach stammen wir von dem ersten Adam ab; dem neuen Wesen nach aber sind wir aus Gott geboren. Wir sind deshalb wohl noch in der Welt, aber nicht von der Welt. Dies bezeugt der Herr selbst in Joh. 17, 16: “Sie sind nicht von der Well, gleichwie ich nicht von der Well bin!”
Erkennst Du, Kind Gottes, was das bedeutet? — Dein neuer Mensch ist nicht von dieser Erde, so wenig der Christus, der letzte Adam, von dieser Erde ist! Unser Wandel und Bürgertum ist im Himmel (Phil. 3, 20.21). Wir suchen, wie einst ein Abraham, die Stadt, die Grundlagen hat (Hebr. 11, 10; vergl. Hebr. 11, 13-16 u. a.). Darum, weil wir unserem wahren Wesen nach göttlicher Natur sind und daher nicht von dieser Welt sind, haßt uns die Welt (Joh. 15, 17.18; 1. Joh. 3, 13; 4, 4-6 u. a.).
Unser Glaube, der Glaube der Auserwählten, ist in erster Linie Glaubensgehorsam (Röm. 1, 5; 16, 26 u. a.). Als Kinder des Gehorsams bilden wir uns daher nicht nach den vorigen Lüsten, sondern wie der heilig ist, der uns berufen hat, sollen auch wir heilig sein (1. Petr. 1, 14.15). Denn wir sind auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters durch Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi (1. Petr. 1, 2). Darum reinigen wir auch unsere Seelen durch den Gehorsam gegen die Wahrheit (1. Petr. 1, 22). Die Folge dieser Reinigung ist ungeheuchelte Bruderliebe. Wo keine echte Bruderliebe ist, hat man der Wahrheit nicht gehorcht und die eigene Seele nicht gereinigt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit. Darum verspüren auch solche ungehorsamen Kinder Gottes nichts von den Kräften der zukünftigen Welt, denn der Christus ist allen denen, die Ihm gehorchen, der Urheber äonischen Heils geworden (Hebr. 5, 8.9). Denn Gott gibt Seinen Geist denen, die Ihm gehorchen (Apg. 5, 32). Mit dem Geiste aber stehen alle Gaben und Kräfte und Segnungen und Heilserfahrungen im innigsten Zusammenhang und sind stets in voller Abhängigkeit von ihm.
Die Ungläubigen aber, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen, werden Strafe leiden, äonisches Verderben (2. Thess. 1, 8). Vergl. auch 1. Petr. 4, 17.
Alle aber, die nicht gehorchen, stoßen sich an dem Worte, wozu sie auch gesetzt sind (1. Petr. 2, 8).
Wer aber nicht gehorcht, darf auch nicht herrschen. Insoweit wir mitleiden, insoweit werden wir mitverherrlicht (Röm. 8, 17). Das ist das Teil der Kinder und Erben Gottes, der Miterben Christi Jesu. Dulden wir mit, so werden wir auch mitherrschen (2. Tim. 2, 12). Vergl. auch 2. Tim. 1, 8.12; 2, 8-12.
Darum nehmen wir jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam des Christus (2. Kor. 10, 5). Wenn uns die Welt haßt, ohne daß wir ihr eine Ursache dazu geben, so freuen wir uns dieser Leiden und Verfolgungen. Wir machen keinen Versuch, uns selbst zu rächen. Das überlassen wir dem Vater. “Gott ist es, welcher rechtfertigt!”
Die nachgeborenen Söhne leiden wie der Erstgeborene der Brüder, der Sohn der Liebe. Und der litt, obwohl er Sohn war! Und wie Er in diesem Leiden ohne Ursache den Gehorsam lernte, so dürfen auch wir denselben lernen und uns so in allem erweisen als Söhne unseres Vaters im Himmel (Matth. 5, 11.12; 5, 43-48) und als echte Brüder des erstgeborenen Bruders.
7. Leiden als Mittel zur Bewährung des Glaubens
“… die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt werdet in mancherlei Proben (oder: Versuchungen), auf daß die Bewährung eures Glaubens viel köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi” (1. Petr. 1, 6.7).
“… da in vielen Bewährungsproben der Drangsal das Übermaß ihrer Freude und die entsprechende Tiefe ihrer Armut überfließt in den Reichtum ihrer Großmut” (2. Kor. 8, 2; nach Knoch).
“Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, daß die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Zuversicht” (Röm. 5, 3.4).
“… weil ihr Bewährung des in mir sprechenden Christus sucht” (2. Kor. 13, 3; nach Knoch).
“Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, auf dass die Bewährten unter euch offenbar werden” (1. Kor. 11, 19) .
“Denn dazu habe ich euch geschrieben, auf daß ich eure Bewährung kennen lerne, ob ihr in allem gehorsam seid” (2. Kor. 2, 9).
“Denn nicht, wer sich selbst empfiehlt, ist bewährt, sondern der, den der Herr empfiehlt” (2. Kor. 10, 18).
“… indem sie durch die Bewährung dieses Dienstes Gott verherrlichen möchten” (2. Kor. 9, 13).
“Ihr kennt aber seine Bewährung, daß er, wie ein Kind dem Vater mit mir gedient hat am Evangelium” (Phil. 2, 22).
“Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, da ihr wisset, daß die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf daß ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt” (Jak 1. 2-4).
Alles Leben ist wachstümlich. Dies gilt schon für das natürliche Leben, das doch wieder vergeht. Viel mehr aber gilt es für das geistliche Leben, das ja erst das wesenhafte, bleibende, unvergängliche Leben ist.
So wächst sowohl der gesamte Christusleib, die Leibesgemeinde, das Wachstum Gottes (Kol. 2, 19; Eph. 2, 21; 4, 16), wie auch jedes Leibesglied als Einzelner wächst in der Erkenntnis Gottes (Kol. 1, 10). Wenn wir die Wahrheit festhalten in Liebe, so wachsen wir nicht nur selbst, sondern bringen auch alles zum Wachsen in Ihn hinein, der das Haupt ist, der Christus (Eph. 4, 15).
Wer aus dem Wort der Wahrheit, dem unvergänglichen und bleibenden Samen, wiedergezeugt ist (1. Petr. 1, 23), verspürt in sich das Verlangen und den Drang nach Entfaltung dieses Lebens. Denn die in uns ausgegossene Liebe des Christus drängt zu wesenhafter Erfüllung des neuen Seins. Darum ist das neugeborene Kindlein in Christo voll Sehnsucht nach der im Wort ihm dargebotenen unverfälschten Milch des Evangeliums, um durch diese zu wachsen zum Heil, d. h. um immer völliger in den ganzen Heilsratschluß Gottes und seine Auswirkungen in Zeit und Ewigkeit hineinzuwachsen (1. Petr. 2, 2).
Je mehr aber das Leben sich entfaltet, um so mehr trifft es auf allen Lebensgebieten mit anderen Mächten zusammen. Das Leben wird zum Lebenskampf. Und wie das natürliche Leben seine Kämpfe hat, so daß auch die Welt sagt: “Mensch sein, heißt: Kämpfer sein”, oder: “Man hat seinen Kampf in der Well”, so gilt dies auch in noch höherem Maße vom Leben des Glaubens. Das Leben des Gläubigen ist ein Glaubenskampf. So, wie das Wort der Wahrheit des Evangeliums in uns wächst (Kol. 1, 5.6; vergl. Apg. 6, 7; 12, 24; 19, 20), so wächst auch unser Glaube (2. Kor. 10, 15; Röm. 1, 8; 2. Thess, 1, 3); und mit ihm wachsen Gnade und Erkenntnis (2. Petr. 3, 18).
Alles Leben muß sich bewähren im Lebenskampf.
Jegliche Kraft wird gemessen in den Belastungsproben. Ohne Prüfen kann man kein Gewicht feststellen. Irgend ein Vergleichsmaßstab muß da sein.
Im Kampf des Glaubens wird die Kraft des Glaubens erprobt. Die Gewichtsteine auf dieser Prüfungswaage Gottes sind die Leiden dieser Zeit.
Zwar ist die Prüfung zeitlich, also abgekürzt, die durch sie bewirkte Herrlichkeit aber ewig; und im Vergleich zu dem überschwenglichen Ertrag an Herrlichkeit ist der Einsatz an Leiden leicht zu nennen (2. Kor. 4, 16-18), ja, überhaupt nicht des Vergleiches wert (Röm. 8, 18). Aber als Mensch sind wir schwach und meinen oft, unter der Drangsal zusammenbrechen zu müssen (2. Kor. 1, 8). Man lese nur einmal die Liste der Leidensproben in 2. Kor. 11, 23-33, um zu erkennen, daß unser Kampf des Glaubens wirklich ein Kampf der Leiden ist. Vergleiche hierzu 1, Tim. 6, 12 und 2. Tim. 4, 7 mit Hebr. 10, 32.33 und Hebr. 12, 1-4.
Der Wettlauf in der Rennbahn ist kein geruhsamer Spaziergang (1. Kor. 9, 24-27). Wer den Kampfpreis der Berufung erlangen will (1. Kor. 9, 24; Phil. 3, 14), muß zuvor gleichgestaltet werden Seinen (des Christus) Leiden und Seinem Tode (Phil. 3, 7-14).
Der Grund Christus wird in uns gelegt. Das ist völlig ein Akt der Gnade. Was wir aber darauf bauen, ist Zeichen der Bewährung (1. Kor. 3, 10-15). Auch der Unbewährte wird gerettet, weil die Rettung ans Gnaden geschieht. Aber er erhält nicht Lohn und Lob, nicht Kampfpreis noch Krone, d. h. er wird nicht mit Vollmacht zum Herrschen ausgestattet, sondern bringt mir das nackte Leben davon, gerettet wie ein Brand aus dem Feuer.
So einer aber auch kämpft, so wird er doch nicht gekrönt, er habe denn gesetzmäßig gekämpft (2. Tim. 2, 5), d. h. nach den Regeln und Ordnungen des Wettkampfes.
Deshalb erduldet Paulus alles um der Auserwählten willen, damit sie nicht nur selig werden, sondern auch herrlich (2. Tim. 2, 10; Kol. 1, 24-29: 2, 1-5), d. h. den Höchstertrag des Heils erlangen, zum Vollmaß der Herrlichkeit kommen.
Wie schwer dieser Kampf ist, geht daraus hervor, daß zu seiner Bestreitung und Durchführung die ganze Waffenrüstung Gottes selbst erforderlich ist (Eph. 6, 10-20). Nur in der Kraft der Stärke Christi und in der Ganzausrüstung Gottes vermögen wir diesen Kampf zu bestehen.
Kampf aber ist für jeden Glaubenden ein Beweis dafür, daß Gott ihn gewürdigt hat, mitzuhelfen an der Verwirklichung der Heilspläne Gottes mit der ganzen Schöpfung nach dem äonischen Vorsatz, den Gott in Christo gefaßt hat vor Grundlegung der Welt. Vergl. Eph. 3, 8-11 mit Eph. 1, 9-11; 2. Kor. 1, 20; Joh. 14, 12; 1. Kor. 6, 2,3 u. v. a. Darum ist das Mitkämpfen mit dem Glauben des Evangeliums ein besonderes Gnadengeschenk Gottes, das Er nicht allen gewährt (Phil. 1, 27-30; Kol. 1, 24-29).
Wir sollen alle uns dargebotenen Heilsmöglichkeiten auswirken (nicht bewirken) (Phil. 2, 12-16). Von den Kindern Israel erreichten das Hochziel zur Zeit des Auszuges und der Wüstenwanderung nur Josua und Kaleb. Diese Dinge sind Vorbilder für uns (1. Kor. 10, 1-11; Hebr. 3, 14; 4, 2). Vergleiche das Ringen des Paulus um den Kampfpreis der Berufung in Phil. 3, 7-15.
Noch einmal sei es gesagt: Es geht hier nicht darum, nur selig zu werden, sondern darum, auch das Vollmaß der Herrlichkeit zu erlangen.
Das Vollendungsziel soll erreicht werden, und zwar soll dies geschehen nach den Gesetzen oder Regeln und Ordnungen des Wettkampfes. Der aus Gott Geborene, der Glaubensmensch, der Mensch Gottes, soll für seine Zukunftsaufgabe vollendet werden, auf daß er vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt (2. Tim. 3, 17; Eph. 4, 11-16 u. a.).
Man vergleiche zu diesem Thema nur einmal die letzten Herzensanliegen, die der Apostel der Leibesgemeinde aus den Nationen, Paulus, in seinem letzten Brief, dem Abschiedsbrief, den er vor seiner Hinrichtung seinem Glaubenskind Timotheus schreibt, mitteilt (2. Tim. 1, 8.12; 2, 5.10.15; 3, 10-15; 4, 1-8)!
Die Menschen Gottes sollen vollendet werden und sich bewähren in allem, damit sie vollen Lohn empfangen (1. Kor. 3, 8.14; 1. Tim. 5, 18 b; 2. Joh. 8). Der Herr selbst will ihnen nach dem Maß ihrer Bewährung alles vergelten in einem dementsprechenden Erbteil (Kol. 3, 24). Vergl. hierzu auch 2. Thess. 1, 3-12.
Paulus hatte die Darreichung der Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen, sondern alle Möglichkeiten ausgeschöpft und nach Vollendung des Glaubenskampfes und des Glaubenslaufes auch Kronengewißheit erlangt. Das ist unendlich mehr als Heilsgewißheit. Vergl. 1. Kor. 15, 10 mit 2. Tim. 4, 6-8.
Hinsichtlich der Korinther und Philipper und Thessalonicher und Galater und anderer aber war er hiervon nicht immerfort überzeugt. Vergl. 2. Kor. 6, 1-10; Phil. 2, 16; Kol. 2, 8; 2, 18; 1. Thess. 3, 5; Gal. 4, 10.11. Er hatte Bedenken, ob nicht etwa seine Arbeit an ihnen und all sein Mühen für sie vergeblich gewesen sei. Vergeblich nicht etwa in dem Sinn, als ob sie verlorengingen, sondern in dem Sinn, daß auf den einmal gelegten Grund Christus nichts Bleibendes auferbaut werde, so daß sie nicht als Sieger die Kampfbahn verließen, sondern nur gerettet würden wie ein Brand aus dem Feuer.
Laßt uns füreinander um dieses beten, daß die Liebe überströmend werde bei uns allen, damit wir geistliches Prüfungsvermögen erlangen und volle Frucht (Phil. 1, 9-11), die unserem Herrn an Seinem Tage zum Preise gereicht. Dann werden wir als bewährt erfunden werden, und jedes glaubend durchstandene Leid wird zu einem überschwenglichen Gewicht an Herrlichkeit, die da bleibend an uns geschaut wird durch die Äonen.
=> zu Teil 2
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1954; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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