Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Offenbarung der Personalgeheimnisse Gottes

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde  |  401 x gelesen

In der Zeit, da der Herr in der Niedrigkeit des Fleisches auf Erden wandelte, schulte Er Seine Jünger, die Zwölfe, die einmal in Seiner kommenden Königsherrschaft auf Erden auf zwölf Thronen um Ihn sitzen und die zwölf Stämme Israels richten sollen (Matth. 19, 28), für ihren Dienst im kommenden Königreich des Menschensohnes auf Erden, dem Tausendjahrreich. Die Grundsätze der Regierungsordnung des kommenden Königreiches hat Er ihnen besonders in der Bergpredigt kundgetan. Darüber hinaus aber gab Er ihnen in den Königreichsgeheimnissen (Matth. 13) den gesamten Entwicklungsplan dieses Reiches. Dort erschloß Er ihnen die Geheimnisse des Reiches der Himmel. Sie betreffen nicht Seine Person, sondern Sein Reich, sind also nicht Personalgeheimnisse, sondern Sachgeheimnisse. — In diesem Reich soll einmal der Wille Gottes, der heute schon im Himmel durch die Engel, die gewaltigen Täter Seines Wortes, die Seiner Stimme gehorchen, ausgeführt wird, in gleicher Weise auch auf Erden geschehen. »Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel!« Dies gehört untrennbar zu der anderen Bitte: »Dein Königreich (oder: Deine Königsherrschaft) komme!« (Matth. 6, 10).

Während nun die Zwölfe im Millennium, im Tausendjahrreich, die zwölf Stämme Israels richten, die dann das Recht hinausbringen zu den Nationen der Erde, soll die Gemeinde den Kosmos und die Engel richten (1. Kor. 6, 2.3). Denn in der zukünftigen Welt, der neuen Schöpfung, sollen nicht mehr die Engel herrschen, sondern die Söhne Gottes, die als Gemeinde des Leibes oder Körpers Christi mit Ihm auf Seinem Throne sitzen und mitherrschen (Hebr. 2, 5-10; Röm. 8, 18-22; 2. Tim. 2, 12; Röm. 8, 16.17; 1. Joh. 3, 1-3 u. a.).

Für diese kosmische Aufgabe soll die Gemeinde des Leibes Christi heute zugerüstet werden (Eph. 4, 12). Deshalb darf sie sich nicht abbewegen lassen von der Hoffnung des Evangeliums, das dem Paulus geoffenbart wurde und in seiner Reichweite nicht auf die Erde beschränkt ist. Vielmehr soll ja in der Jetztzeit den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Örtern an der Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes dargestellt werden (Eph. 3, 10). Denn wir sind ja ein Schauspiel dem Kosmos, Engeln und Menschen (1. Kor. 4, 9 b). In diese Dinge begehren Engel hineinzuschauen (1. Petr. 1, 12 b), die doch hinsichtlich der Dinge des Reiches besser orientiert sind als die Menschen (Dan. 4, 13.17.26; 9, 20-27; Apg. 7, 30.35.38.53; Gal. 3, 19; Hebr. 2, 2; Offb. 11, 15; 14, 6.7 u.v.a.). Aber hinsichtlich des Geheimnisses, daß schwache Menschlein an dem Herrlichkeitsleibe des Sohnes Gottes Mitleib sein sollen, sind sie unwissend. Dieses Geheimnis war den Fürsten dieses Äons verborgen und blieb von vor den Äonen an von Gott selbst verwahrt zu unserer Herrlichkeit. Deshalb begehren die Engel nun in diese Zusammenhänge hineinzuschauen, weil ihnen das zeugungsmäßige Mitteilen des Lebens und der Natur Gottes an Geschöpfe verhüllt ist, weil sie selbst ja keine gezeugten Söhne sind, sondern Söhne der Erschaffung (Hebr. 1, 5; 1, 13.14).

Dieses Anschauen der fortwährenden Lebensvermittlung des Vaters an die Söhne und des Hauptes an die Glieder, an die Erstlinge, die im gesamten Kosmos den Geist tragen (außer dem Vater und dem Sohn), trägt im Kosmos bereits seine Frucht. Das Evangelium ist wachsend und fruchtbringend im ganzen Kosmos, wie auch unter uns (Kol. 1, 6). Und von der Verkündigung dieser großen Hoffnung für die gesamte Schöpfung (Röm. 8, 18-22) dürfen wir uns nicht abbewegen lassen, wenn wir einmal heilig und tadellos und unsträflich vor unserem Herrn und Haupt bzw. vor Seinem Preisrichterstuhl stehen wollen (Kol. 1, 23).

Da die Zwölfe für den Dienst im Königreich des Menschensohnes auf Erden bestimmt sind, brauchten sie auch nicht für die kosmische Aufgabe geschult zu werden. Für ihren Dienst im Tausendjahrreich war es vordringlichste Aufgabe, mit den Sachgeheimnissen des Reiches vertraut zu werden. Für uns aber ist es notwendig, mit den Personalgeheimnissen Gottes vertraut zu werden, da wir ja mit dem Haupte in Personalunion stehen und Seine ausführenden Organe bei der Erfüllung aller Gottesverheißungen sind (2. Kor. 1, 20).

Die Personalgeheimnisse Gottes wurden daher auch vor der Erhöhung und Verherrlichung des Sohnes des Menschen nicht geoffenbart. Sie waren den vorhergehenden Generationen oder Geschlechtern verborgen, für die sie sowieso untragbar gewesen wären (Joh. 16, 12). Wie hätten die Jünger es auch verkraften wollen, daß das Reich Gottes nicht alsbald erscheinen sollte? (Luk. 19, 11; Apg. 1, 6 u. a.). Hatten sie doch alles verlassen und waren Ihm nachgefolgt. Was sollte ihnen nun dafür werden, wenn das Reich nicht kam? — Und daß gar noch das gesamte Volk, dem doch die Heilsmitteilung an die Völker der Erde aufgetragen war, für Jahrtausende beiseitegesetzt werden sollte, war für sie ein völlig untragbarer Gedanke, solange sie nicht durch den Empfang des Geistes selbst die Kraft von oben empfingen, die auch solches tragen und ertragen konnte, weil der Geist tiefere Einsicht in die gesamte Heilsordnung gab. Erst nach der Ausgießung des Geistes konnten sie erkennen, daß in der Jetztzeit nicht Israel an der Reihe ist, sondern zuerst ein Volk aus den Nationen genommen wird auf den Namen des Christus. Er, Christus, der Gesalbte. Sie, die Christen, die Gesalbten. So sollten sie als Glieder den gleichen Namen tragen wie das Haupt. Erst nach ihrer Vollendung, wenn die Vollzahl aus den Nationen eingegangen ist, kommt Israel wieder an die Reihe, damit dann durch seinen Dienst auch die Übriggebliebenen der Menschen die Heilsbotschaft hören (Apg. 15, 14-17).

Solange aber der Geist nicht da war, konnten auch die Dinge, die in den Tiefen der Gottheit verborgen waren, nicht enthüllt werden. Die Offenbarung der Personalgeheimnisse Gottes, deren Verwalter wir sein sollen (1. Kor. 4, 1), konnte erst nach der Ausgießung des Heiligen Geistes erfolgen. Und außerdem war für diese geheime Verwaltung mit ihren ganz anderen überirdischen, kosmischen Aufgaben eine völlig anders geartete Belehrung notwendig, als es diejenige war, die der Herr zur Zeit Seines Erdenwandels den Zwölfen gab. Er selbst mußte zuerst erhöht und verherrlicht sein, ehe Er das Evangelium der Herrlichkeit an einen Sondergesandten kundmachte, der es hinausbringen sollte zu den Nationen, damit aus allen Heidenvölkern der Erde etliche herausgerufen und in den Organismus des Christusleibes eingegliedert würden.

Welches sind nun die Personalgeheimnisse Gottes?

Es gibt deren im ganzen vierzehn, die nachfolgend in einer zusammenhängenden Aufstellung genannt werden sollen.

Das griechische Wort mysterion = Geheimnis kommt im Grundtext des Neuen Testaments 27mal vor. Dreimal steht es in den Evangelien. Viermal gebraucht es die Offenbarung. Zwanzigmal finden wir es bei Paulus. Die insgesamt sieben Stellen der Evangelien und der Offenbarung reden von den Geheimnissen des Königreiches, in dem ja die Zwölfe eine führende Rolle spielen. Sie handeln also von den Sachgeheimnissen. Paulus dagegen gebraucht das Wort nicht für die Geheimnisse des Reiches, sondern für die Personalgeheimnisse Gottes, über die ihn Gott zum Verwalter oder Haushalter einsetzte.

Um jedem Schriftforscher die Nachforschung zu erleichtern, setzen wir alle 27 Stellen, an denen das Wort Geheimnis vorkommt, hierher:

  • Die drei Stellen in den Evangelien: Matth. 13, 11; Mark. 4, 11; Luk. 8, 10.
  • Die vier Stellen der Offenbarung: Offb. 1, 20; 10, 7; 17, 5; 17, 7.
  • Die zwanzig Stellen in den Paulusbriefen: Röm. 11, 25; 16, 25.26; 1. Kor. 2, 7; 1. Kor. 4, 1; 1. Kor. 13, 2; 1. Kor. 14, 2; 1. Kor. 15, 51.52; Eph. 1, 9.10; 3, 3; 3, 4; 3, 9; 5, 32; 6, 19; Kol. 1, 26; 1, 27; 2, 2.3; 4, 3; 2. Thess. 2, 7; 1. Tim. 3, 9; 3, 16.

Von den 20 Stellen der paulinischen Briefe reden etliche ganz allgemein von unserer Einstellung zu den Geheimnissen überhaupt, z. B. 1. Kor. 4, 1, daß wir Haushalter oder Verwalter über Gottes Geheimnisse sind, oder 1. Kor. 13, 2, daß das Wissen aller Geheimnisse ohne die Liebe nichts nützt, oder 1. Kor. 14, 2, daß der in einer Sprache Redende im Geiste Geheimnisse redet usw. Die anderen Stellen aber reden von ganz bestimmten Geheimnissen, die voneinander klar unterschieden sind. Es sind 14 Geheimnisse, die unter sich in Beziehung stehen, aber deutlich voneinander abgegrenzt sind, oft Gegensätze ausdrückend:

  1. Das Geheimnis der Verstockung und Beiseitesetzung Israels (Röm. 11, 25).
  2. Das Geheimnis: Glaubensgehorsam unter allen Nationen (Röm. 16, 25.26).
  3. Das Geheimnis des Nichtentschlafenmüssens und der Verwandlung (1. Kor. 15, 51.52).
  4. Das Geheimnis: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol. 1, 24-29).
  5. Das Geheimnis der Weisheit Gottes (1. Kor. 2, 7).
  6. Das Geheimnis des Willens Gottes (Eph. 1, 9).
  7. Das Geheimnis des Evangeliums (Eph. 6, 19).
  8. Das Geheimnis des Glaubens (1. Tim. 3, 9).
  9. Das Geheimnis: Die Nationen Mitleib (Eph. 3, 1-12).
  10. Das Geheimnis des Eins-Seins (Eph. 5, 32).
  11. Das Geheimnis Gottes, des Vaters (Kol. 2, 2).
  12. Das Geheimnis des Christus (Kol. 4, 3).
  13. Das Geheimnis der Bosheit (2. Thess. 2, 7).
  14. Das Geheimnis der Gottseligkeit (1. Tim. 3, 16).

Für die Gemeinde, die da ist Sein Leib, besteht die gegenwärtige Wahrheit in der Verwaltung der Personalgeheimnisse Gottes. Sie bilden den Hauptinhalt des Evangeliums der Herrlichkeit, wie es der erhöhte Herr vom Himmel her dem Paulus anvertraute und durch ihn auch uns (1. Kor. 4, 1; Eph. 3, 9; Kol. 1, 26).

Sollen darum die Heiligen vollendet werden für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi (Eph. 4, 12), so gilt es, die Wahrheit festzuhalten in Liebe und heranzuwachsen in allem zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, aus welchem der ganze Leib Darreichung empfängt, durch die alle Glieder befähigt werden, in gegenseitigem Zusammenwirken die Selbstauferbauung des Leibes zu vollenden in Liebe (Eph. 4, 12-16).

Laßt uns darum die Wahrheit festhalten in Liebe und das, was wir durch Paulus von Christus gelernt und empfangen haben, einander in Treue anvertrauen, damit wir fähig werden, auch andere zu lehren (2. Tim. 2, 2). So ehren wir den Dienst, der uns gegeben wurde, und man wird uns dafür halten, wofür Gott selbst uns bestimmte: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse (1. Kor. 4, 1).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1/1994; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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