Das Geheimnis des Nichtentschlafenmüssens und der Verwandlung
Autor: Geyer, Karl | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Entrückung, Gemeinde, Verwandlung & Erstattung | 643 x gelesen“Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.” (1. Kor. 15, 51.52)
“Wir wollen aber nicht, Brüder, daß ihr in Unkenntnis seid in betreff der Entschlafenen, auf daß ihr nicht betrübt seid, so wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus starb und auferstand, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen. Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, werden die Entschlafenen keineswegs überholen. Denn der Herr selbst wird mit Befehlsruf, mit der Stimme eines Engelfürsten und mit der Posaune Gottes herabsteigen vom Himmel, und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen zusammen entrückt (weggerafft) werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft, und also werden wir immerdar mit dem Herrn zusammen sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.” (1. Thess. 4, 13-18)
Alles Erschaffene ist der Vergänglichkeit unterworfen. Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen bis jetzt. Auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes (Röm. 8, 19-23).
Wenn schon die Söhnegemeinde seufzt, die doch als Erstling Gottes aus allem Erschaffenen den Geist trägt, d. h. die erste Heilskörperschaft ist, die, solange die Welt steht, Teilhaber der göttlichen Natur ist, Anteil hat an seinem Wesen, weil der Geist Gottes in ihr wohnt (und der Geist ist das Wesenhafte, die Wahrheit), — wievielmehr müssen die seufzen, die den Geist noch nicht haben! Ihnen fehlt damit die Teilhaberschaft an der göttlichen Natur, ihnen fehlt die innere Wesenseinheit mit Gott, ihnen fehlt die Heilsgewißheit, ihnen fehlt die Versiegelung mit dem Geiste, ihnen fehlt das Unterpfand für ein Erbe im Licht. Das ist doch der völlige Mangel an allem Wesenhaften, an allem Bleibenden. Sollten sie nicht seufzen, wenn wir dies doch noch tun, die wir alle diese Stücke schon haben durch den in uns wohnenden Geist? — Wir sind doch bereits im Geiste erneuert und stehen in Wesens- und Lebensgemeinschaft mit Gott. Nur unser Leib wartet noch auf Erlösung. Sie aber haben noch keinerlei Unterpfand und empfinden noch nicht, was es heißt, freigemacht zu sein vom Gesetz der Sünde und des Todes (Röm. 8, 2). Darum liegt noch die Knechtschaft des Verderbens und der Vergänglichkeit wie ein lähmender Bann auf allem und hält alle Wesen ständig in der geheimen Angst und in der Sklaverei der Todesfurcht (Hebr. 2, 15).
Gott aber hat die gesamte Schöpfung nicht hoffnungslos der Vergänglichkeit unterstellt, sondern er hat sie auf Hoffnung unterworfen, auf daß auch sie einmal freigemacht wird von dieser Knechtschaft und erhoben zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Diese Hoffnung ist es, die trotz aller Leiden der Jetztzeit dem Leben Sinn und Inhalt gibt. Ohne diesen Ausblick auf die kommende Befreiung alles Erschaffenen von jedem Todesbann und aller Schwachheit des Vergänglichen wäre die Last des Daseins für die Schöpfung untragbar. So aber wird im Blick auf das herrliche Ziel der Verklärung aller Erschaffenen das Leiden sinnvoll, und die Nöte der Wandlungen, durch die wir zu gehen haben, erscheinen als Tore der Hoffnung, hinter denen die Erfüllung aller Sehnsucht wohnt und wartet.
Dies gilt auch uns, den Gläubigen. Ohne den vollen Sieg des Lebens über den Tod wäre unser Dasein nur ein qualvolles Hindämmern zu den dunklen Abgründen der Unterwelt, aus denen es kein Wiederkommen gäbe. Was hätte da alles Leben und Mühen und Arbeiten und Kämpfen überhaupt noch für einen Sinn? — So aber, weil die volle Sohnschaftswürde unserer wartet, in die wir eingeführt werden durch die Verwandlung des Leibes, ist es der Mühe wert, sich völlig einzusetzen in der Arbeit für das Werk des Herrn, da nach der großen Wandlung alle Bemühungen der Liebe in überströmender Weise vom Herrn denen vergolten werden, die um seinetwillen fest und unbeweglich blieben und wirkten und opferten. Darum schließt auch der ganze Abschnitt dieses herrlichen Geheimnisses mit der Ermahnung zu überströmendem Dienst und leitet diese Ermahnung ein mit dem Wort: “Daher …” (1. Kor. 15, 58).
Wie köstlich ist es doch, daß wir an dieser Stelle sehen dürfen, wie der Einblick in die Geheimnisse Gottes unser praktisches Leben befruchtet und bereichert, indem er alles Wirken und Schaffen in das Licht der Ewigkeit stellt und den tiefen Sinngehalt alles Weltgeschehens aufleuchten läßt auf dem Grunde der Hoffnung! Damit wird die Erkenntnis der Geheimnisse zu einem wichtigen Faktor unseres inneren Lebens, weil wir durch die Erkenntnis Gottes wachsend und fruchtbringend werden in jedem guten Werk (Kol. 1, 9.10). In besonderer Weise aber gilt dies gerade von dem Geheimnis des Nichtentschlafenmüssens und der Verwandlung, wie uns 1. Kor. 15, 58 zeigt.
Dieses herrliche Geheimnis stellt die Krone des ganzen Auferstehungskapitels 1. Kor. 15 dar. In den vorausgehenden 50 Versen zeigt der Apostel, daß ohne die Auferstehung das Leben sinnlos ist. Der Glaube wäre vergeblich (eitel), und wir wären die Törichsten unter allen Menschen, weil wir im Diesseits nicht auf unsere Rechnung gekommen wären und dann auch weiter nichts mehr zu erwarten hätten, wenn es keine Auferstehung gäbe, durch die allein wir Anteil am Jenseits und damit an allen Segnungen der kommenden Äonen erlangen. Ja, wenn es überhaupt keine Auferstehung gäbe, wäre ja auch Christus nicht auferstanden, und die Apostel wären alle Lügner, weil sie etwas bezeugt hätten, was es gar nicht gäbe; denn der Kern der Apostellehre ist das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn (1. Kor. 15, 13-19; siehe auch Apg. 1, 22; 2, 24; 2, 32; 3, 14; 3, 26; 4, 2; 4, 10; 4, 33; 5, 30 u. v. a.).
Nun ist aber Christus auferstanden und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen (1. Kor. 15, 20; Kol. 1, 18; Off. 1, 5), der Erstgeborene aus den Toten. Und wie einst der erste Adam den Tod in die Menschheit einführte durch seinen Fall, so bahnte der letzte Adam, Christus, den Ausgang aus dem Tode durch seine Auferstehung. Vergleiche hierzu die herrlichen Worte der Schrift in Röm. 5, 12-21; 1. Kor. 15, 20-28; 15, 40-49.
Bevor Christus aus den Toten auferstand, war noch keiner der Menschen jener furchtbaren Macht entronnen, die als der letzte Feind alles Lebendigen die Tore der Unterwelt verschließt und verriegelt hinter allem Fleisch, das nach Beendigung seiner kurzen Erdenzeit hinabfährt in die Grube. Selbst jene drei Auferweckten, die der Herr während seines Erdenlebens in dies irdische Leben zurückrief, mußten später wieder sterben. Es waren nur Auferweckungen, aber keine Auferstehungen. Denn in der Auferstehung bricht ein anderes Leben durch, über das der Tod keine Gewalt mehr hat. Es erscheint auch nicht mehr in der Form des sündlichen und daher vergänglichen Fleisches, sondern im unvergänglichen Wesen der Geistleiblichkeit. Dieses Leben besah vor Christus keiner, und so wurde er der Erstgeborene aus den Toten. Denn auch für ihn war die Auferstehung eine Wandlung der Daseinsform bzw. der Erscheinungsform. Sein Auferstehungsleib war wohl noch sein voriger Leib, aber in einem neuen Zustand, so daß er bei verschlossenen Türen und Fenstern den Jüngern erscheinen konnte. Wie die Röntgenstrahlen durch Mauern und Schränke und Behälter und Körper dringen, so vermag der neue Leib in seiner Lichtsgestalt durch alle Erdenstoffe hindurchzugehen, ohne aufgehalten werden zu können. Der Sieg des Geistes über den Stoff (die Materie) ist nirgends so deutlich offenbar geworden, als in der Auferstehung.
Der Tod aber hat nur Gewalt über Erschaffenes. Über Göttliches, Unerschaffenes hat er keine Gewalt. Er ist ja selbst nur ein Geschöpf. Die Millionen von Geschöpfen, die nach Ablauf ihrer irdischen Daseinsfrist zu ihm hinabkamen in sein dunkles Reich, schloß er in die Kammern der Unterwelt ein, und niemand vermochte sich seiner Herrschaft zu entziehen und zu entwinden, die er nach göttlichen Gesetzen und Ordnungen in der Schöpfung ausübt. Als aber Christus, durch den Gott das All erschuf (Kol. 1, 14-16; Hebr. 1, 2; Joh. 1, 1-3 u. a.), hinabkam in das Reich des Todes und der Toten, vermochte der Tod ihn nicht zu halten. Zwar hatte Satan alles getan, um die Ausgänge aus der Unterwelt sicher zu verschließen, indem er sogar das Grab versiegeln ließ und eine Wache davor stellte. Aber es war unmöglich, daß Christus von dem Tode gehalten werden konnte (Apg. 2, 24), denn der Tod war ja sein Geschöpf und konnte den Herrscher des Weltalls, den Herrn der Herren und König der Könige nicht halten.
Der Tod ist der Kerkermeister des Totenreiches. Die Toten sind seiner Obhut unterstellt (Psalm 49, 14; bei Luther Vers 15). In seinem dunklen Reiche in der Unterwelt gibt es viele Abteilungen. Die Schrift nennt uns 11 verschiedene Aufenthaltsorte der Toten:
- Hades (im NT); Scheol (im AT),
- Tartarus,
- Abyssos,
- Abaddon,
- Grube,
- Kerker (Gefängnis),
- Tod,
- Die unteren Teile der Erde,
- Meer,
- Gehenna (Hölle, Feuerhölle),
- Feuersee.
Wenn die Schrift u. a. vom tiefsten Tartarus redet, so zeigt sie damit an, daß es auch weniger tiefe Verließe im Tartarus gibt; und wenn sie unterscheidet zwischen unteren Teilen der Erde und den untersten Teilen der Erde, so macht sie damit auf verschiedene Tiefen aufmerksam. Die 11 genannten Aufenthaltsorte der Toten haben also noch Stockwerke, d. h. verschieden, tiefe Abteilungen.
In diesen Abteilungen gibt es Kammern des Todes. Die Kammern haben Tore oder Türen oder Pforten des Todes. Diese Zugänge sind doppelt gesichert durch Riegel und Schlösser. Die Schlüssel befanden sich bis zum Tode und der Auferstehung Jesu im Besitz des Kerkermeisters der Unterwelt, des Todes.
Der Tod hat das Recht und die Pflicht, jeden Menschen, der gesündigt hat, nach Ablauf seines Lebens in eine der Kammern der Unterwelt, die dem Sündenzustand des Betreffenden entspricht, einzuschließen. Dies gilt auch heute noch für alle, über die das Verdammungsurteil (katakrima) noch nicht aufgehoben ist (vergl. hierzu Röm. 8, 1.2). Der Tod ist der Sünde Sold (oder Lohn), und er ist es heute noch für alle, die noch in ihren Sünden sind. So hat Gott es festgesetzt. Wo Sünde ist, hat der Tod ein Anrecht. Hiervon gibt es keine Ausnahme. Von Natur aus stehen alle unter dem göttlichen Ablehnungsurteil, das er über alles Fleisch aussprach. Fleisch und Blut sind unbrauchbar für sein Reich und können es nicht ererben.
Wäre Christus unter den gleichen Bedingungen gestorben, unter denen wir sterben, dann hätte es keine Auferstehung und keine Erlösung gegeben. Hätten Satan und Tod an dem Lamm Gottes auch nur einen Hauch von Sünde entdeckt, dann hätte Christus um seiner eigenen Sünde willen sterben müssen. Dann hätte auch sein unsagbarer Wert als Sohn Gottes und Schöpfer des Alls uns nichts genützt, wenn er um eigener Sünde willen in den Tod gemußt hätte und dadurch nie mehr herausgekommen wäre.
Aber er war der Sündlose und Reine und Heilige und Gerechte, der Sünde nicht tat, Sünde nicht kannte und im Blick auf sich selbst von Sünde nichts wußte. Ehe er sein Leben, das niemand von ihm nehmen konnte, freiwillig in den Tod gab, kamen Satan und Tod, um in Gethsemane, bevor er an das Kreuz ging, das Lamm Gottes zu sichten, ob es wirklich den Bedingungen von 1. Petr. 1, 18-20 entspräche, oder ob sie etwas an ihm fänden. Der Sohn Gottes wußte, daß diese Prüfung käme und sagte im Voraus: “Der Fürst dieser Welt kommt, aber er hat nichts in mir!” (Joh. 14, 30). Mochte Satan auch in jener Stunde der Gewalt der Finsternis (siehe hierüber das Heft “Gethsemane” vom gleichen Verfasser), als die Hölle Sturm lief gegen das Lamm Gottes, seinen grausigen Fürsten der Unterwelt, den Tod mitbringen, daß er, der schon ungezählte Millionen und Milliarden von Menschen auf ihren Sündenzustand untersucht und durchforscht hatte, um ihnen dann ihren Aufenthaltsort in der Tiefe anzuweisen, nun auch den Leib des Gotteslammes in allen Kammern durchwühlen, ob er etwas Todeswürdiges fände, — er fand in dem dreimaligen ringenden Kampfe nichts, was ihm irgend ein Anrecht an dieses Opferlamm gegeben hätte oder ihm Macht über Christus verliehen hätte. Die Untersuchung war negativ verlaufen. Die Reinheit Christi war von seinen eigenen Feinden erwiesen. Auch die Häupter Israels konnten auf die Frage des Herrn: “Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?” ihn nicht beschuldigen und belasten, und selbst der Heide Pilatus mußte bekennen: “Ich finde keine Schuld an ihm!”
Als der Herr dann sein Haupt in den Rachen des Todes legte, vermochte dieser ihn nicht zu halten (Apg. 2, 24). Hier war der Erste hinabgekommen, über den kein Schuldurteil vorlag. Ohne dieses Urteil aber darf der Tod keinen in seine Kammern einschließen. Für Schuldlose ist der Tod nicht zuständig. Gott sorgt dafür, daß in seiner Weltregierung alles ordnungsgemäß zugeht. So wenig es eine Ausnahme von der Regel gibt: “Die Seele, die sündigt, soll sterben!”, ebensowenig darf es im weiten Weltall irgend eine Macht wagen, gegen einen Gerechten eine Anklage zu erheben. Hierfür ist Gott allein zuständig (vergl. Röm. 8, 31 ff.)!
Der einzige Schuldlose und Reine, der hinabkam in die Unterwelt, war aber nicht nur Menschensohn, sondern zugleich auch Gottessohn. Und als solcher war er der Erstgeborene vor aller Kreatur, vor aller Schöpfung. Durch ihn hatte der Vater das All erschaffen lassen, auch die Throne und Herrschaften und Fürstentümer und Gewalten (Kol. 1, 16). Kein Ding im weiten Weltall ist ohne ihn geworden (Joh. 1, 1-3), auch nicht Satan und Tod. Und als der Herr hinunterkam ins Totenreich, da mußte der Tod anerkennen, daß da sein Schöpfer vor ihm stehe, vor dem er ja nicht mehr war, wie der Ton vor dem Töpfer. Und dieser Schöpfer, der Christus, war der Reine, der Tod aber ist neben Satan das unreinste Wesen und wird einmal in den Feuersee geworfen (Off. 20, 14). Da gab der Unreine dem Reinen, zum Zeichen dafür, daß er dessen Macht und Recht anerkenne, die Schlüssel des Totenreiches ab. Sie sind nun in der Hand des Lebensfürsten, nicht mehr in der Hand des Todes. Seitdem herrscht Christus auch über die Toten (Röm. 14, 9). Er war tot und ist lebendig und hat die Schlüssel des Todes und des Totenreiches (Hades) (Off. 1, 17.18). Er gibt eine geöffnete Tür, und niemand schließt zu.
Nach dieser Veränderung der Lage im Totenreich immer nach Stellen aus Prediger, Psalmen oder Hiob anzuführen, um den jetzigen Zustand im Totenreich damit beweisen zu wollen, ist (bei aller Anerkennung der historischen Tatsache der Auferstehung) die praktische Leugnung der Folgen der Auferstehung und besonders bedauerlich, wenn sie von Leuten vollzogen wird, die sich sonst rühmen, paulinisches Fülle-Evangelium zu verkündigen. Während sie sonst geradezu peinlich bemüht sind, die sogenannte Reichslinie überall auszuschließen, so daß sie selbst die Vorbereitungsbriefe usw. nicht mehr voll gelten lassen, holen sie zur Stützung ihrer “Auferstehungshoffnung” ihre Stellen aus den ältesten Schriften des AT Dabei gibt es eine lebendige Hoffnung überhaupt erst seit der Auferstehung Jesu Christi aus den Toten (1. Petr. 1, 3), und die Mitteilhaber seiner Verheißung (Eph. 3, 6) sollen an sich selbst die gleiche wirksame Kraft erfahren, mit der der Vater ihn aus den Toten wiederbrachte. Das soll unsere dauernde Erfahrung sein.
Die Überwindung des Todes durch den Herrn des Lebens ist in Wahrheit der größte Sieg der Weltgeschichte. Dieser Sieg brachte eine völlige Änderung der Lage im ganzen Kosmos mit sich. Satan ist gerichtet (Joh. 12, 31), der Tod ist besiegt, so völlig besiegt, daß er sogar die alttestamentlichen Heiligen aus ihren Gräbern gehen lassen mußte, so daß sie an jenem Ostermorgen den lebenden Heiligen in Jerusalem erscheinen konnten als Zeugnis dafür, wer nunmehr die Schlüsselgewalt im Totenreich hat (Matth. 27, 51-53). Die Tore der Unterwelt stehen offen für seine Heiligen. Die Mächte der Finsternis und des Todes sind völlig entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt (Kol. 2, 15). Die Heiligen sind vollendet in Christo, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist (Kol. 2, 10). Ihre Vollmacht ist größer, als je eine andere Heilskörperschaft sie vor ihnen besaß. Sie sind ja Teilhaber seiner Verheißungen, und der Christus der Herrlichkeit lebt in ihnen.
Nur der, der diese Lageveränderung im Glauben schaut und anerkennt, erlebt praktisch das Sehnen der Kreatur mit, die sich sehnt, daß endlich an den Heiligen auch die äußere Strukturveränderung erfolgt, die Erlösung des Leibes (gemäß Röm. 8, 23), durch die dann die volle Sohnschaft in Erscheinung tritt.
Was sind alle anderen Siege der Weltgeschichte gegen diesen Sieg, den Christus in der Auferstehung erfocht? —
Alle anderen Siege in den großen Völkerkriegen kosteten ungezählte Menschenleben. Hier aber wurde das Leben aller Menschen aus der Vernichtung durch Satan und den Tod gerettet. Der Lebensfürst nahm dem Tode und dem Teufel die Macht. Die Auferstehung ist der Triumph des wahren Lebens über die Vergänglichkeit des Erschaffenen.
Wie vollständig dieser Sieg ist, zeigte sich ja unmittelbar nach seiner Auferstehung an der bereits oben angeführten Auferstehung der Heiligen des Alten Bundes. Der Herr, der nunmehr die Schlüsselgewalt im Totenreich hat, übt sie alsbald aus für die Seinen. Die, die zuvor auf ihn gewartet hatten und zu ihrer Zeit die ihnen angebotenen Erleichterungen ihrer oft qualvollen Lage nicht annahmen und die Möglichkeiten ausschlugen, sich durch Untreue oder Kompromisse vor der Hinrichtung zu retten, die so vielen Propheten und Glaubensmenschen Israels widerfuhr, die aushielten, weil sie auf eine bessere Auferstehung warteten, als auf die allgemeine Auferstehung aller Gerechten zu Beginn des Tausendjahrreiches (Hebr. 11, 35), durften nach seiner Auferstehung auch die Kammern der Unterwelt verlassen und an seinem Siegeszug teilnehmen. Ihr erstgeborener Bruder übte sein neuerworbenes Recht und seine Macht sofort zugunsten seiner Brüder aus, und niemand konnte ihn daran hindern. Der letzte Feind war besiegt!
Die Krönung seines Sieges über den Tod ist aber die wunderbare Tatsache, die er uns in dem Geheimnis des Nichtentschlafenmüssens kundtut.
Solange der Herr noch nicht wiederkommt, ruft er zwar die Seinen nach Vollendung ihrer Daseinsfrist auf dieser Erde ab. Aber er tut dies selbst! Der Tod hat keine Macht mehr über sie. Sie unterstehen in allem ihrem Herrn und Haupt, dem Christus. Das Gesetz des Todes ist für sie aufgehoben (Röm. 8, 2). Der Herr selbst ruft sie heim! Sie entschlafen nicht durch den Tod, sondern durch Jesum (Grundtext: dia Jesu; 1. Thess. 4, 14). Deshalb sind sie auch nicht Tote im Tode, sondern Tote in Christo (1. Thess. 4, 16). Darum auch sind die Toten, die in dem Herrn sterben, glückselig (Off. 14, 13). Das Sterben ist seit der Auferstehung Jesu Christi Gewinn geworden (Phil. 1, 21). Bei Christo zu sein ist weit besser, als hier auf Erden zu leben, so daß in dem, der solches erkannt hat, die Lust erwacht, abzuscheiden und bei Christo zu sein (Phil. 1, 23). Mit dem Ausheimischwerden aus dem Leibe werden wir ja einheimisch beim Herrn, und dort brauchen wir nicht zu schlafen, sondern dort bemühen uns ebenso, ihm wohlzugefallen, wie wir es hier im Leibe taten. Ob einheimisch oder ausheimisch, in beiden Fällen geht unser Bemühen darauf hin, sein Wohlgefallen auszuführen (2. Kor. 5, 6-9). Wenn er aber eines Tages mit dem gebietenden Zuruf (Befehlsruf, Kommandoruf), mit der Stimme eines Erzengels (eines Engelfürsten) und der Posaune Gottes hernieder kommt vom Himmel, werden nicht nur die Toten in Christo auferstehen, sondern die Lebenden, die bis zu diesem Zeitpunkt auf der Erde übrig blieben, werden in einem Nu verwandelt, in einem Augenblick, und beide Abteilungen, die Auferstandenen und die Verwandelten, werden zusammen weggerafft von der Erde und dem Herrn entgegengerückt in die Luft, begleitet von den Wolken von Zeugen, die uns jetzt schon täglich umlagern, um die Vollendung der Gemeinde zu beobachten, weil sie nicht ohne uns vollendet werden können (1. Thess. 4, 16.17; Hebr. 11, 35.39.40; 12, 1; Matth. 27, 51-53; Hebr. 12, 22-24).
So gewiß der Christus durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte (Hebr. 2, 9), ebenso gewiß wird jeder, der sein Wort bewahrt, den Tod nicht schmecken ewiglich (Joh. 8, 51.52). Mag auch der Leib tot sein der Sünde wegen, der Geist ist Leben der Gerechtigkeit wegen. Christus, der Auferstandene, lebt in ihnen, und der kann nicht mehr sterben.
Für die Gläubigen der Jetztzeit ergibt sich also die kostbare Tatsache: Wir können wohl noch sterben, d. h. die Trennung von Geist, Seele und Leib erfahren, denn unser Leib ist ja tot der Sünde wegen. Aber wir müssen nicht mehr sterben, d. h. selbst die vorübergehende Trennung von unserer armen Leibeshütte ist nicht mehr notwendig, nicht mehr Gesetz. So, wie der Tod keine Macht mehr über den auferstandenen Christus hat, so auch nicht mehr über die Seinen. Ob wir leben oder sterben, wir sind des Herrn (Röm. 14, 8). Über uns hat sonst niemand mehr Verfügungsrecht, am wenigsten Satan und Tod. Was bei uns noch zu ordnen ist, ordnet der Christus selbst, auch unseren Abruf aus diesem Leben hin zu ihm selbst.
Als der Herr sein Leben freiwillig ließ, übergab er seinen Geist in die Hände des Vaters. Stephanus rief vor seinem Tode: “Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!” (Apg. 7, 59). So geht auch der Geist der Gläubigen zum Vater, wo ihn der Herr aufnimmt. Der Geist aber ist Träger des gesamten Bewußtseinsinhaltes (1. Kor. 2, 11). Die Seele des Menschen (und des Tieres) ist nur Träger des Ichbewußtseins und des Umweltbewußtseins, aber nicht Träger des Persönlichkeitsbewußtseins und des Gottesbewußtseins. Alles Seelische ist kosmisch gebunden, alles Geistliche aber ist göttlich gebunden. Die Seele ist erschaffen, der Geist ist gegeben aus Gott. Nur der Geist weiß, was im Menschen ist. Und unser Geist ist ins neue Leben gezeugt und daher für Gott erwacht, ist Leben und lebt ein bewußtes Leben. Und dieser ins bewußte Gottesleben erhobene Geist geht zum Vater und wohnt mit seinem ganzen Bewußtseinsinhalt dort bei Christo, wo es weit besser ist, und bemüht sich dort weiterhin, ihm wohlzugefallen. Da wir dann aber ausheimisch sind vom Leibe, bekommen wir für die Zeit bis zur Entrückung, in der unser Leib aufersteht, eine Behausung aus dem Himmel, damit wir dann, wenn wir entkleidet sind vom Erdenleib, nicht nackt erfunden werden in der Gegenwart Christi. Diese himmlische Behausung tragen wir solange, bis unser eigener Leib, den man zu Grabe trug, nach der Verzehrung alles Sterblichen und Verweslichen bei dem Kommen des Herrn wieder aus dem Grabe gerufen wird, bevor die Lebenden verwandelt werden. Dadurch kommen die Lebenden den Entschlafenen keineswegs zuvor und können sie nicht überholen. Vielmehr müssen die Lebenden warten, bis die Leiber der Entschlafenen auferstanden sind und wieder vereinigt sind mit den Geistern der Heiligen, die ja mit dem Herrn hernieder kommen. Dann erst werden die Lebenden verwandelt, und beide Gruppen vereinigen sich und sind allezeit bei dem Herrn.
In ähnlicher Weise erhalten auch in der großen Drangsalszeit die jüdischen Märtyrer (Off. 6, 9-11) für die Zeit ihres Wartens ein weißes Gewand, bis auch aus den Nationen die unzählbare Schar aus der Drangsalszeit vollendet ist (Off. 7, 9-17).
Zu beachten ist bei der Auferstehung ja stets, daß sie sich nicht auf den Geist bezieht, denn der geht zu Gott, wie dies schon im Alten Bunde ganz allgemein für alle Menschen festgestellt wird (Pred. 12, 7). Dann ist der Leib ohne den Geist tot (Jak. 2, 26). Der Leib muß daher auch wieder lebendig gemacht werden in der Auferstehung, während dies für den Geist nicht notwendig ist. Man beachte hierzu doch Matth. 27, 51-53, wo uns ausdrücklich gesagt wird: “die Leiber vieler Entschlafenen Heiligen wurden auferweckt”. Weiter beachte man doch die Hoffnung und Erwartung der Gemeinde, daß der Herr bei seinem kommen den Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, daß er ähnlich werde seinem Leibe der Herrlichkeit (Phil. 3, 20.21). Ebenso bezeugt Röm. 8, 11, daß unsere sterblichen Leiber lebendig gemacht werden. Der Geist ist an und für sich als etwas Unerschaffenes schon unsterblich, und bei dem Gläubigen ist er außerdem noch durch Zeugung ins göttliche Leben erhoben.
Die Auferstehung der Leiber der Entschlafenen und die Verwandlung der Leiber der noch Lebenden bei der Entrückung ist doch gerade derjenige Teil unserer Erlösung, den wir noch nicht haben. Es gibt eine Erlösung durch sein Blut. Die haben wir, seit uns die Sünden vergeben wurden (Eph. 1, 7). Und es gibt eine Erlösung durch den Geist, nämlich die Verwandlung oder Erlösung des Leibes, und die erwarten wir (Röm. 8, 23; siehe auch 8, 11). Wie wenig wird doch von dieser zweiten Erlösung geredet, durch die ja die erste Erlösung erst vervollständigt oder zur Fülle gebracht wird! Darum verstehen die meisten Gläubigen auch gar nicht, warum es überhaupt noch eine Auferstehung geben soll, wenn doch der Geist der Gläubigen sowieso schon beim Herrn sein soll. Sie halten nicht auseinander, daß sich Auferstehung nicht auf den Geist bezieht, sondern auf den Leib, denn das Erschaffene muß durch Tod und Verwandlung umgestaltet werden, der Geist aber als Unerschaffenes nicht.
Die Toten in Christo haben also für die Zwischenzeit bis zur Entrückung ein himmlisches Zwischengewand. Wenn dann ihr eigener Leib auferweckt und verherrlicht ist, bedürfen sie des Zwischengewandes nicht mehr. Darum sehnen sie sich nach dem endgültigen Zustand, in dem sie fortan ihre eigene Behausung bewohnen, an der für alle Zeiten sichtbar ist, was die Gnade aus uns gemacht hat. Die Herrlichkeit dieser Leiber ist verschieden, wie Stern von Stern verschieden ist an Herrlichkeit. Dann wird das unsichtbare Wesen des Geistes für alle Äonen geschaut an der kristallklaren Lichtsherrlichkeit des Geistleibes.
Wenn Oetinger sagt: “Geistleiblichkeit ist das Ende aller Wege Gottes”, so stimmt das mit Röm. 8, 19-23 überein, wo uns bezeugt wird, daß erst mit der Erlösung des Leibes die volle Sohnschaftswürde geoffenbart wird. Die Erstlinge des Geistes aber, an denen diese Herrlichkeit der neuen Schöpfung zunächst dargestellt wird zum Vorbild für alles Erschaffene, sind die Söhne Gottes, die Leibesgemeinde. Auf ihre Offenbarung harrt darum die gesamte Kreatur mit vorgerecktem Halse, weil sie erst dann zur gleichen Freiheit der Herrlichkeit erhoben werden kann wie die Söhne Gottes auch wenn diese vollendet und mit ihrem Haupte vereinigt sind, so daß der ganze Christus, Haupt samt Gliedern, als Lebensmittler und Segensträger für das All geoffenbart wird und in Tätigkeit tritt, um alle Gottesverheißungen, für die das Haupt die Bürgschaft übernahm, zum Lobe Gottes hinauszuführen (2. Kor. 1, 20 ).
Die Enderträge der Äonen werden zunächst an den Erstlingen des Geistes geschaut, denn auf uns sind sie gekommen (1. Kor. 10, 11). Darum harrt auch die ganze Schöpfung mit solcher Sehnsucht aus in ihren Geburtswehen und erwartet mit vorgerecktem Halse die Kundmachung der gewaltigen Tatsache, daß der erste Schritt zur Umwandlung des Alls getan ist, und daß diese neue Wesensart fortan an den Erstlingen geschaut werden kann als unumstößlicher Beweis dafür, daß es eine Verwandlung des Erschaffenen aus dem Schema des Vergänglichen in das Wesen des Unvergänglichen gibt (1. Kor. 7, 31; Off. 21, 1.5 u. a.).
Gott beginnt die Umwandlung der gesamten Schöpfung bei der Leibesgemeinde. Darum ist unsere Verwandlung das nächste große Ereignis, das in seiner Bedeutung für uns und das gesamte All von keinem anderen Ereignis auch nur annähernd erreicht wird. Zum ersten Male wird hier der hoffenden Schöpfung dargestellt, daß der Tod endgültig überwunden ist und zwar so restlos, daß die dann lebenden Gläubigen überhaupt nicht mehr sterben müssen.
Dies ist die herrlichste Auswirkung der Auferstehung Jesu Christi überhaupt, und darum steht auch dies Geheimnis als krönender Abschluß des großen Auferstehungskapitels 1. Kor. 15.
Das Nichtentschlafenmüssen und die Verwandlung der Leibesglieder bedeutet darum für den Herrn selbst den öffentlichen Triumph seines Sieges über den Tod. Er begann mit seiner eigenen Auferstehung und wird vor der gesamten Welt offenbar gemacht bei der Offenbarung der Söhnegemeinde (2. Thess. 1, 10), die bei der Entrückung nochmals für kurze Zeit von dieser Erde weggenommen wird, um vor seinem Preisrichterstuhl offenbar zu werden zum Empfang des Lohnes der Treue, um sodann vor dem Preisrichterstuhl Gottes dargestellt zu werden ohne Flecken, ohne Makel oder des etwas, und um dann mit dem Haupte in Herrlichkeit vor der Welt offenbar zu werden, damit das Haupt bewundert wird in allen seinen Heiligen und verherrlicht in allen denen, die geglaubt haben.
Weiter bedeutet die Entrückung der Gemeinde für den Herrn, daß er nunmehr in den Besitz aller Glieder seines Fülleleibes kommt, durch die er alle seine Verheißungen im All zur Ausführung bringen läßt.
Für ihn selbst aber bedeuten die Heiligen noch den herrlichen Reichtum seines Erbes, das der Vater ihm als Sondergabe aus aller Schöpfung heraus zubereitet hat. (Man beachte: Es geht hier nicht um unser Erbe in den Himmeln, sondern um sein Erbe in den Heiligen; Eph. 1, 18).
Das Haupt selbst erhält also bei der Entrückung
- sein Vollmaß (sein pläroma),
- seine Herrlichkeitsfülle (seine doxa),
- sein Erbteil oder Losteil (kleronomia),
- seinen Körper (soma) bzw. die Glieder seines Leibes.
Für die Glieder bedeutet die Entrückung die Vereinigung mit ihrem Herrn, dem Haupte seines Leibes, sowie die Überwindung der letzten Reste des Todes- und Vergänglichkeitswesens in ihren eigenen Leibern, die durch die Verwandlung völlig umgestaltet werden in sein Bild und seine Herrlichkeit. Dadurch werden auch sie befähigt, als seine ihm entsprechenden Organe jeden Dienst zu verrichten, der in ihre Zukunftsaufgabe im All eingeschlossen ist.
Die Glieder erhalten also bei der Entrückung und Verwandlung
- ihr Haupt,
- ihre Herrlichkeitsfülle,
- ihr Erbteil,
- ihren neuen Körper.
Für die Schöpfung bedeutet die Entrückung, in der die Gläubigen unversehens, in einem Nu, in einem Augenblick weggerafft werden, das Hinwegnehmen des letzten aufhaltenden Momentes gegenüber der Macht der Lüge und Bosheit (Gesetzlosigkeit). Keinerlei Lichtskraft hemmt mehr die Finsternis, keinerlei Salzkraft hält dann noch das schnelle Voranschreiten der Fäulnis in der gesamten Völkerwelt auf. Ungehindert bricht die bis dahin im Verborgenen oder Geheimen wirkende Macht der Bosheit völlig durch und offenbart sich im Antichristentum in ihrer letzten und gesteigertsten Form. Übermenschentum und Gotteshaß gehen Hand in Hand und erheben die Sünde in der Art des eigenwilligen und ungehinderten Auslebens aller Triebe zur Religion, zum Kultus des Menschen der Endzeit, der Letztzeit, dessen hervortretendste Züge außer Lüge und Gewalttat die sind: “Es wird sein wie in den Tagen Noahs. Die Menschen werden essen und trinken und freien und sich freien lassen”, wobei zu beachten ist, daß die Worte des Grundtextes stärker reden, als die Übersetzungen dies allgemein wiedergeben. So wird die Entrückung die Hinwegnahme des letzten Bollwerks gegen die Sünde, die hinfort freie Bahn hat zur Erreichung auch ihres Vollmaßes (vergl. Dan. 9, 24 u. a.). Damit aber wird auch der Mensch der Endzeit in satanischem Tempo reif zum Gericht. Und doch liegt auch in diesem abgekürzten Verfahren (Röm. 9, 28) ein göttliches Erbarmen, weil die Verhältnisse die Grenze dessen erreichen, was überhaupt für erschaffene Wesen tragbar ist. Gott aber läßt niemand über Vermögen versuchen.
Die Gerichte aber sind der Weg der Zurechtbringung für alle, die in den vorausgehenden Zeiten die Gnade nicht annahmen. Nun müssen sie ernten, was sie gesät haben, damit sie völlig zuschanden werden an sich selbst und allem Vertrauen auf Fleisch und geschöpfliches Wesen. Dadurch wird jeder Mund verstopft, und beschämt kehren alle zu ihm um, die wider ihn entbrannt waren. Denn der Christus hat auch Gaben empfangen für Widerspenstige, damit Gott auch unter ihnen eine Wohnung habe (Ps. 68, 18; bei Luther Vers 19). Vergl. auch 1. Sam. 2, 6; Eph. 4, 8-10; 1. Petr. 3, 18-20; 4, 6; Ps. 107, 10-16; Sach. 9, 11.12 u. a. — Und dann, nach der völligen Ausführung aller Gerichte und des ganzen Zornes Gottes, wird er nicht mehr hadern, noch ewiglich Zorn halten, aber seine Güte währet ewiglich. Vielmehr führt er das Gericht hinaus zum Siege, und zwar führet er alles herrlich hinaus, und dann wird die Barmherzigkeit triumphieren über das Gericht (Jak. 2, 13).
Bis dahin aber, bis nach allen Gerichten des Feuersees, des zweiten Todes, kein Tod mehr sein wird, kein Leid und kein Geschrei, kein Schmerz und keine Tränen, keinerlei Fluch und nichts Verbanntes und nichts Verdammtes mehr, — bis dahin steht die entrückte und verherrlichte Gemeinde inmitten des Weltalls und aller seiner Geschöpfe als das dauernde und untrügliche Zeugnis Gottes für die Ausführung jener gewaltigen Verheißung: “Den Tod verschlingt er auf ewig! Tod, wo ist dein Stachel? — Wo ist, o Tod, dein Sieg? — Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!”
Von diesem Punkte aus verstehen wir das sehnsüchtige Harren der gesamten Kreatur, die mit vorgerecktem Halse auf die Offenbarung der Söhne Gottes wartet, auf die Kundmachung jener gewaltigen Tatsache, daß mit der Erlösung des Leibes der Erstlinge die Pforte, die durch die Auferstehung Jesu Christi aufgetan wurde, weit aufgerissen wird zum Durchgang für alle und alles. Denn “alles Fleisch soll das Heil Gottes sehen” (Luk. 3, 6).
Damit wird die Entrückung zum Ausgangspunkt aller kommenden Ereignisse. Der Vater wartet darauf, dem Sohne alles zu geben, was er ihm in uns zubereitet. Der Sohn wartet darauf, mit uns vereinigt zu werden. Wir warten auf unser Haupt und unseren neuen, verherrlichten Leib. Die gesamte Schöpfung wartet auf unsere Offenbarung. Israel wartet, daß es nach unserer Hinwegnahme von der Erde wieder an die Reihe kommt, um endlich seinen Auftrag an den Nationen zu erfüllen, den es weder unter dem Gesetz noch bei dem ersten Kommen des Herrn in Niedrigkeit zu erfüllen vermochte (vergl. Apg. 15, 14-17; Röm. 11, 11-15 und 11, 25-29). Von der Wiederannahme Israels hängt auch die Hoffnung der Nationen ab, denn auch das Ersehnte aller Heiden soll kommen, und für sie kommt es erst im Tausendjahrreich durch Israel.
Alles wartet! Der Vater wartet, der Sohn wartet, die Gemeinde wartet, Israel wartet, die Nationen warten, alles Erschaffene im ganzen All wartet!
Sollte diese Sehnsucht der ganzen Schöpfung nicht am stärksten aufbrechen in den Erstlingen, an denen Gott die todesüberwindende Macht des neuen Lebens und die das All verwandelnde Kraft des Christus zuerst darstellen will? —
Der da gesagt hat: “Siehe, ich mache alles neu!” beginnt diese Erneuerung des Alls mit der Verwandlung der Leibesglieder des Christus.
Sollte uns diese Offenbarung des bis dahin verborgenen Geheimnisses nicht zur Anbetung treiben, damit wir den segnen, der uns so gesegnet hat? — (Eph. 1, 3)
Ja, “Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!”
(Quelle: Nachdruck aus “Gnade und Herrlichkeit”, Paulus-Verlag; Heilbronn)
— Herzlichen Dank an Martin Mohrlok für die Bereitstellung dieses Artikels! —


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 