Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Das Evangelium zuvorherheißen

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Das prophetische Wort, Wort Gottes (Bibel)  |  411 x gelesen

Die Vorausbotschaft Gottes über Seinen Sohn (Röm. 1, 2)

“… abgesondert zum Evangelium Gottes, welches er durch seine Propheten in heiligen Schriften zuvor verheißen hat.” (Röm. 1, 2)

“Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.” (Röm. 3, 21)

1. Pro-Evangelium und Evangelium

Das Evangelium Gottes, zu dem Paulus abgesondert war, das er auch im gleichen Brief in Kapitel 2, 16 und 16, 25 sowie in 2. Tim. 2, 8 sein Evangelium nennt, ist nach seinem eigenen Zeugnis hier am Anfang des Römerbriefes (1, 2) von Gott zuvorverheißen durch seine Propheten.

Diese Feststellung ist von größter Bedeutung und Wichtigkeit und bildet das Gegengewicht zu 2. Tim. 2, 15.

Während die letztgenannte Stelle die Notwendigkeit rechter Schriftteilung hervorhebt, ohne die kein Arbeiter im Werk des Herrn als bewährt sich ausweisen kann, weist die andere Schriftstelle (Röm. 1, 2) auf die Einheitlichkeit und Wachstümlichkeit der gesamten Gottesoffenbarung hin und wehrt so der Gefahr der Schriftzerreißung, in die leider viele gerieten, die 2. Tim. 2, 15 allein anwandten, ohne auf den Gegenpol zu achten.

Normale, gesunde Schriftbetrachtung kann sich jedoch nur zwischen diesen beiden Polen betätigen. Wer von einem dieser Pole aus extrem nach außen folgert, verlässt das eigentliche Spannungsfeld der Mitte. Er verliert den festen Boden des prophetischen Wortes und gerät auf die kometenhafte Bahn eigenwilliger Schlussfolgerungen außerhalb des zuverlässigen Fundamentes göttlicher Offenbarungen.

Damit ist aber auch das gesamte Glaubensleben auf eine ungesunde Bahn gedrängt; denn der Glaube kommt ja aus dem verkündigten Wort (Röm. 10, 17). Ungesunde Lehre erzeugt krankhaftes Glaubensleben (Tit. 2, 1.2.7.8). Und es gibt dessen mehr, als die meisten ahnen.

Alles Spezialistentum ist ein Heraustreten aus dem Ganzen und birgt die Gefahr der Einseitigkeit und damit der Entartung und der Entstellung in sich. Dieser Gefahr erliegen am schnellsten jene Typen, die aus Mangel einer auf bewussten Gehorsam begründeten Geisteszucht und geistesmäßigen Orientierung (Apg. 5, 32) und der daraus resultierenden Einführung in die Wahrheit als Ganzes (Joh. 16, 13; 1. Kor. 2, 10) sich in der Gemeinde nur auffällig machen können durch ohrenkitzelnde Spezialitäten. Gott aber hat die Klarheit und Festigkeit und Gewissheit des Glaubens dem Gehorsam und dem Fleiß vorbehalten (Apg. 5, 32; Eph. 4, 3; 2. Tim. 2, 15; Röm. 12, 11; 2. Petr. 1, 5.10.15; Jud. 3; 2. Kor. 8, 7).

Paulus selbst, der in Röm. 2, 16; 16, 25 und 2. Tim. 2, 8 die von ihm verkündigte Botschaft als sein Evangelium bezeichnet und damit eine deutliche Abgrenzung gegenüber anderen Freudenbotschaften Gottes an andere Heilskörperschaften vollzieht, ordnet hier ebenso klar und unmissverständlich sein Evangelium in die Gesamtoffenbarung Gottes ein, die stufenweise in vorausbestimmten Ordnungen sich vollzog.

Betrachten wir zunächst das Beispiel Abrahams!

Abraham wird in 1. Mose 20, 7 ein Prophet genannt, und in Joh. 8, 56 bestätigt es der Herr selbst, dass Abraham seinen Tag, den Tag des Herrn, den großen Gerichts- und Offenbarungstag Jesu Christi, sah, den Tag, den dann Johannes in seiner Apokalypse ausführlich beschreibt, an dem er auch im Geiste war (Offb. 1, 10), als er sich auf Patmos befand. Nun bezeugt der Herr in Amos 3, 7, dass er nichts tut, er habe denn zuvor sein Geheimnis seinen Knechten geoffenbart, den Propheten. Er kann deshalb auch dem Abraham nicht verbergen, was er tun will (1. Mose 18, 17-21). In einer Reihe von Offenbarungen verheißt der Herr dem Abraham irdische und himmlische Segnungen, irdischen und himmlischen Samen. In dem einen Samen aber, dem Christus (Gal. 3, 16), sind beide Verheißungslinien zusammengefasst. Er ist der Verheißungsträger für alle Verheißungen an Israel, wie auch für die Verheißungen der himmlischen Segnungen der Gemeinde aus den Nationen, die da ist sein Leib. Und gerade im Blick auf die Nationengemeinde wird in Gal. 3, 8 ausdrücklich bezeugt, dass dem Abraham dieses Evangelium zuvorverkündigt wurde (proeuanggelizomai). Er soll ja nicht nur der Erbe des verheißenen irdischen Landes sein, sondern der Welt Erbe, der Erbe des Kosmos (Röm. 4, 13).

Am deutlichsten aber wird der Zusammenhang der gesamten Heilsgeschichte und der ihr vorausgehenden Gottesoffenbarung durch die Tatsache, dass es der Sohn Gottes selbst war, der Christus, der sein eigenes Kommen in die Welt und seinen Weg und sein Heilswerk vorher verkündigte. Es war ja nach dem Zeugnis von 1. Petr. 1, 10-12 der Geist Christi, der in den Propheten war, der von den Leiden und der Herrlichkeit des Christus zuvor zeugte. So brauchte der Christus bei seinem Kommen ins Fleisch einfach nur das zu erfüllen, was er selbst seit Jahrtausenden seinen Propheten durch seinen Geist zuvorverkündigt hatte. Auf diesen Zusammenhang weisen daher auch alle jene Zeugnisse der Evangelien hin, die immer wieder feststellen: “… auf dass erfüllt würde, was durch den Propheten … gesagt ist.” (Vgl. hierzu: Matth. 1, 22.23; 2, 5.15.17.23; 3, 3; 4, 14; 8, 17; 12, 17; 12, 39; 13, 35; 21, 4; 26, 54.56; 27, 9; Mark. 1, 2; Luk. 3, 4; Joh. 1, 23; 12, 38; Apg. 8, 34; 28, 25. — Siehe auch Hebr. 1, 1; Luk. 1, 70; Apg. 3, 21; Luk. 24, 25-27.44.45; Apg. 7, 42; 13, 27; 15, 15; 24, 14; 26, 22; 28, 23; Röm. 1, 2; 3, 21.)

Vor allem beachte auch neben der bereits angeführten Stelle in Luk. 24, 25-27.44.45 die Stelle Joh. 5, 39, sowie Apg. 24, 14; 26, 22 und 28, 23. Bei den drei letztgenannten Stellen fällt es besonders ins Gewicht, dass Paulus dies bezeugte, nachdem er den Römer-Brief geschrieben hatte, bei der letzten sogar schon selbst in Rom anwesend war.

Sein Evangelium also, wie es ihm als Sonderauftrag von Gott gegeben wurde, dem es wohlgefallen hatte, seinen Sohn in ihm zu offenbaren, war zuvor verheißen in heiligen Schriften durch die Propheten. Dies zu sehen ist notwendig, um die Einheit des ganzen Schriftzeugnisses zu erkennen, das von vornherein den einen Zweck hatte, vom Sohn Gottes zu zeugen.

Pro-Evangelium und Evangelium sind also einheitliches Zeugnis des Geistes Christi; das erstere noch verhüllt, das letztere enthüllt.

Paulus kann daher noch etliche Jahre nach dem Schreiben des Römer-Briefes bezeugen, dass er nichts lehrt, außer dem, was auch Moses und die Propheten sagen (Apg. 26, 22-23) und kann dies in Rom selbst auch unter Erweis stellen (Apg. 28, 23). Vgl. auch Röm. 3, 21; Apg. 13, 14-41; 17, 1-3.10-13; 18, 24-28.

In Apg. 13, 32 umschreibt er den Inhalt der ihm anvertrauten Freudenbotschaft mit den Worten: “Wir verkündigen euch als Evangelium die zu den Vätern geschehene Verheißung.”

Selbstverständlich wissen die Propheten um dieses Evangelium Gottes nur insoweit, als es den Sohn Gottes selbst betrifft. Dass diesem Sohne eine Söhnegemeinde aus allen Nationen gegeben werden sollte, deren Segnungen weit über alle an Israel gerichteten Verheißungen hinausgehen würden, eine Herauswahl, eine Schar von Berufenen, die in gleicher Herrlichkeitsfülle und Gottesfülle (Eph. 3, 19) als seine Miterben und seine Miteinverleibten und als Mitteilhaber seiner Verheißung einmal Welt und Engel richten (1. Kor. 6, 2.3), das All ins Leben zeugen (Röm. 8, 17-23; 1. Tim. 6, 13; zoogonuntos ta panta) und alle Gottesverheißungen aus- und durchführen sollen (2. Kor. 1, 20), war jenen Generationen noch verborgen (Eph. 3, 1-11). Ja, auch den anderen Aposteln, mit denen der Herr in seinem Niedrigkeitsstande drei Jahre zusammenlebte, konnte er dieses von den Äonen her in Gott verborgene große Geheimnis nicht offenbaren. Ihnen galt: “Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen” (Joh. 16, 12). Vgl. hierzu Joh. 7, 37-39 mit Joh. 16, 13; Apg. 2, 33; 1. Kor. 2, 6-16; Kol. 1, 24-29 u. a.

Dieses Geheimnis war bis dahin im Himmel und auf Erden verhüllt. Die Engel begehren hineinzuspähen (1. Petr. 1, 12), und den Söhnen der Menschen war es nicht kundgetan (Eph. 3, 5), was die Verwaltung des Geheimnisses sei, das bis zu der durch den erhöhten Christus an Paulus gegebenen Offenbarung verborgen war in Gott, der nun durch die herausgerufene Gemeinde den Fürstentümern und Obrigkeiten in den Himmeln kundtun wollte seine mannigfaltige Weisheit, entsprechend dem Vorsatz der Äonen, den er in Christo Jesu gefasst hatte vor Grundlegung der Welt.

Mit diesem kosmischen Auftrag wurde das Evangelium auf sein Vollmaß gebracht, auf sein Füllemaß, sein Pläroma (Kol. 1, 25). So wurde das Wort Gottes vollendet.

Dieses kosmische Evangelium ist wachsend und fruchtbringend im ganzen Kosmos, wie auch unter uns (Kol. 1, 6); und gerade dieser Einbruch des Evangeliums von der Erde aus in den ganzen Kosmos erregt die Erbitterung der Kosmokratoren und bringt uns den Kampf mit den Machthabern und Vollzugsgewalten in den himmlischen Örtern (Eph. 6, 12). Vgl. hierzu auch Eph. 3, 9-11; 1. Kor. 6, 2.3; 1. Kor. 4, 9b.

Welch ein gewaltiger Unterschied besteht doch zwischen der Aneignung der Gnadenbotschaft zum persönlichen Heil und zur eigenen Glückseligkeit und demgegenüber der Erkenntnis und gläubigen Annahme und restlosen Bejahung des Auftrages, dessen Ziel es ist, das angstvolle Seufzen und sehnsüchtige Harren der Schöpfung durch die Offenbarung der Söhne Gottes überzuführen in den Zustand der gleichen Freiheit der Herrlichkeit, den die Söhne selbst als Erstlinge des Geistes empfangen, und den sie einmal zur Darstellung bringen dürfen (Vgl. hierzu die Schrift “Die Vollausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes”). —

Bei der ersten Art steht lebenslang der Zweck im Mittelpunkt, selbst glücklich sein zu wollen durch den Empfang alles Guten, das unserer Seele einen Lustgewinn verschafft. Bei der letzten Art geht es darum, zur geistlichen Reife zu gelangen unter voller Bejahung aller dahin führenden Leidens- und Sterbenswege, damit der Gottesmensch vollkommen werde, zu jedem guten Werke völlig geschickt (2. Tim. 3, 17), so dass Gott ihn hier schon zum Dienst an anderen gebrauchen kann als einen völlig an den Willen Gottes hingegebenen Sklaven Christi Jesu und später zur Ausführung aller Gottesverheißungen im ganzen All (2. Kor. 1, 20).

Zu dieser Art, gehört Paulus, dessen Sonderauftrag es war, das Wort Gottes zu vollenden und jeden Menschen zur geistlichen Reife zu führen (Kol. 1, 24-29; 2. Tim. 2, 9.10). Voraussetzung dafür war von Seiten Gottes die an Paulus ergehende Berufung. Von Pauli Seite aber war die bewusste Ganzhingabe als Sklave Christi Jesu erforderlich. Darum stellt er auch diese Notwendigkeit allen anderen voran und setzt sie in Röm. 1, 1 direkt neben seinen Namen als wesentlichste Selbstbezeichnung, die er sich, hinsichtlich seines Dienstes und seiner Stellung zum Herrn zu geben weiß.

Seinen Sklaven aber enthüllt der Herr sein Geheimnis (Amos 3, 7). Deshalb, weil Paulus ein völlig in den Willen Gottes hingegebener Sklave Christi Jesu war, konnte Gott ihm sein Geheimnis offenbaren, jenes große, bis dahin verborgene Mysterium der geheimen Verwaltung. Denn das Geheimnis des Herrn ist für die, welche ihn fürchten (Ps. 25, 14), und er erschließt es den Aufrichtigen, denen, die vertrauten Umgang mit ihm haben (Spr. 3, 32).

Gott gibt sich selbst nur kund an ihm völlig Hingegebene. Von ihnen lässt er sich schauen. Er redet durch seine Seher, seine Propheten.

Über diese Offenbarung hinaus geht nur seine Selbstoffenbarung im Sohn (Hebr. 1, 1), der von sich sagen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater.”

Die Propheten schauten in Gesichten, in Bildern und Symbolen; der Sohn schaut unmittelbar aus seiner Wesenseinheit mit dem Vater heraus. Was er den Vater tun sieht, das tut gleicherweise auch der Sohn (Joh. 5, 19).

Ohne prophetische Schau gibt es keine lebendige Offenbarung. Die Prophetie ist grundlegend für die Bildung der Gemeinde (Eph. 2, 20).

Deshalb sind auch die Paulus-Briefe als Offenbarung Jesu Christi (Gal. 1, 12.15-17) und als Grundlage jeglicher Lehrtätigkeit in der Söhnegemeinde aus den Nationen durchaus prophetische Schriften, wie Paulus selbst in Röm. 16, 25.26 sagt. Daher ist auch der Eifer des Apostels verständlich, mit dem er auf Offenbarung Christi Jesu hin die Gabe der Weissagung, das prophetische, Schauen und Reden an die erste Stelle unter allen Geistesgaben setzt (1. Kor. 14, 1-40).

Es ist ein großer Schaden für die Gemeinde Gottes, dass sie den prophetischen Charakter des Wortes Gottes (2. Petr. 1, 19-21) so wenig beachtet, vor allem gerade die Tatsache, dass der gesamte Lehrgehalt der Paulus-Briefe nach seinem eigenen Zeugnis prophetisch ist.

Die Verkündigung dieses Lehrinhaltes als Offenbarung Christi Jesu kann nur dann in wirklicher Vollmacht geschehen, wenn der Geist Gottes selbst in und durch uns redet, weil er der Einzige ist, der die Tiefen Gottes erforscht (1. Kor. 2, 6-16) und von dem Seinen nimmt und uns gibt und den Christus in uns verklärt. Niemand sonst kann den Christus in uns offenbaren und verherrlichen außer dem Heiligen Geist. Daher ist alles Reden ohne den Geist kein Reden im Auftrag Christi Jesu. Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein (Röm. 8, 9). Und wie kann jemand in Vollmacht des Geistes reden, der ihn gar nicht besitzt! Und auch dann, wenn wir ihn besitzen, können wir erst reden, wenn wir dazu beauftragt und gesandt sind (Röm. 10, 15). Alles andere Reden ist kein Reden im Geist, ist kein Reden in Vollmacht, ist kein prophetisches Reden.

Wo aber der Prophet schweigt, stirbt das Volk!

Prophetisches Reden aber ist Reden in Vollmacht und erzeugt Leben im Geiste.

Vor der Prophetie aber steht der Gehorsam des Glaubens (Apg. 5, 32), steht im Alten Testament die Bezeichnung “Knecht Jehovas” und im Neuen Testament die Bezeichnung “Sklave Christi Jesu”.

Den Hingegebenen vertraut er sich an. Sie dürfen im Voraus schauen, was er tun will. Der Geist verkündigt ja das Kommende (Joh. 16, 13). Darum schauen die Propheten voraus, was die anderen erst erkennen, wenn es da ist. Die Kinder Israel sahen wohl die Taten Gottes, nachdem sie geschehen waren. Moses aber, der Knecht (Sklave) Jehovas, schaute im Geiste bereits die Wege des Herrn mit seinem Volke voraus (Ps. 103, 7).

Alle Weissagung ist vorausgehender Heroldsruf, ist Ankündigung einer Gottesbotschaft, es sei eine Warnung vor dem Gericht oder eine Freudenbotschaft des Heils.

So hat Gott auch sein Evangelium, die Freudenbotschaft über seinen Sohn, zuvor verkündigen lassen durch seine Propheten, die diese Weissagungen niederlegten in heiligen Schriften.

Aus diesen Schriften vermag nur der Herr selbst das zu erschließen, was ihn betrifft (Luk. 24, 25-27.44.45).

Alle Schriften, anfangend von Mose über die Psalmen bis zu den Propheten betreffen ihn. Alle Schriften des Alten Testamentes zeugen von ihm (Joh. 5, 39).

Wer ihn nicht darin findet, hat keinen Weg und Zugang zum Alten Testament, denn Christus ist der Weg.

Wer ihn nicht darin findet, erfasst nicht das Wesenhafte im Alten Testament, die Wahrheit, denn Christus ist die Wahrheit.

Wer ihn nicht darin findet, findet auch das Leben nicht im Alten Testament und kann nicht aus ihm leben, denn Christus ist das Leben.

Was ist das Alte Testament ohne Christus? — Kein Gottesbuch, sondern ein Menschenbuch, keine Offenbarung der Wahrheit, sondern Weltanschauung, Menschenmeinung.

Nur der Christus, von dem es zeugt, macht es zum Pro-Evangelium, zur Vorausbotschaft der Gottesfreude. Nur mit Christus hat es mehr als zeitlichen Wert, hat es Ewigkeitsgehalt und Ewigkeitsbedeutung.

Hören wir einige dieser Christuszeugnisse des Alten Testamentes und zwar zunächst nur einmal die allgemeiner bekannten Weissagungen!

In 1. Mose 3, 15 wird dem Weibessamen verheißen, der Schlange den Kopf zu zertreten; sie aber würde ihm die Ferse zermalmen.

Christus, der dies dem Moses durch seinen Geist geoffenbart hatte (1. Petr. 1, 12), kam in diese Welt als Menschensohn, aber er kam nicht nach dem Willen des Mannes (Joh. 1, 13.14), wohl aber aus dem Samen des Weibes (Gal. 4, 4), geboren von der Jungfrau Maria (Matth. 1, 18-25; Luk. 1, 26-35). Den Biss der Schlange sollte er am Kreuze spüren. Dort sollte er aber, indem er für uns zur Sünde gemacht wurde, die Schlange selbst töten, die Sünde töten, dem Satan die Macht und die Wirkung nehmen. — In 4. Mose 21, 4-9 wird uns dieser Vorgang nochmals prophetisch vorgebildet. Der Herr selbst bezieht sich in Joh. 3, 14 hierauf, und in 2. Kor. 5, 21 bestätigt es der Geist nochmals.

So erfüllt sich die Weissagung vom Weibessamen und der Vernichtung der Schlange, der Sünde.

In den Kapiteln 1. Mose 12-25 gibt Gott dem Abraham eine ganze Reihe von Verheißungen. Schon bei der ersten Gottesoffenbarung an Abraham (1. Mose 12, 1-3) wird diesem eine siebenfache Verheißung zuteil:

  1. Ich will dich zu einer großen Nation machen
  2. und dich segnen,
  3. und ich will deinen Namen groß machen,
  4. und du sollst ein Segen sein!
  5. Und ich will segnen, die dich segnen,
  6. und wer dir flucht, den werde ich verfluchen;
  7. und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!

Diese Verheißungen aber und alle anderen sind an einen Samen geknüpft, durch den sie in Erfüllung gehen sollten. Vergl. 1. Mose 12, 7; 13, 15.16; 15, 5.18; 16, 10; 17, 7.8.9.10.12.19 u. a. Der eine Same aber, auf den alle diese Verheißungen hingingen und dem sie galten und zugesagt waren, war der Christus (Gal. 3, 16.19).

Wie zart und doch so deutlich hatte der Herr in Joh. 8, 56-58 diesen Zusammenhang schon angedeutet! Er, der vor Abraham da war, wusste, dass er, der Herr selbst, als Same Abrahams ins Fleisch kommen wollte, wie es sich auch nach dem ersten Vers des Neuen Testamentes erfüllte. Er, der Verheißungsgeber, der Herr, wusste aber auch, dass nur er selbst imstande sei, alle Völker der Erde zu segnen und dazu noch himmlischen Samen zu geben. Darum ließ er auch den Abraham seinen Tag, den Tag Jesu Christi, sehen. Und er gibt ihm Zeugnis, dass hierüber das Herz Abrahams mit Freude erfüllt wurde. So wurden alle Verheißungen an Abraham zum Pro-Evangelium.

Die Verheißungen an Isaak und Jakob sind die Fortführung der Verheißungen Gottes an Abraham. Man vergleiche hierzu nur 1. Mose 26, 24 und 28, 10-15 und 35, 9-15 mit Hebr. 11, 9.

Von den Weissagungen des 1. Buches Mose sei noch 1. Mose 49, 8-12 hier angeführt:

“Dich, Juda, dich werden deine Brüder preisen; deine Hand wird sein auf dem Nacken deiner Feinde, vor dir werden sich niederbeugen die Söhne deines Vaters. Juda ist ein junger Löwe; vom Raube, mein Sohn, bist du emporgestiegen. Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen? Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füssen hinweg, bis Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen. Er bindet an den Weinstock sein Eselsfüllen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin; er wäscht im Weine sein Kleid und im Blute der Trauben sein Gewand; die Augen sind trübe von Wein, und weiß die Zähne von Milch.”

Zunächst lese man hierzu den 1. Vers des Kapitels. Da wird uns gesagt, dass sich alle in diesem Segen Jakobs ausgesprochenen Verheißungen erfüllen werden am Ende der Tage.

Zu den Worten: “Juda ist ein junger Löwe” vergleiche Offb. 5, 5: “Es hat überwunden der Löwe aus Juda.”

Siehe weiter die Verheißung: “Nicht weichen wird das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füssen”, und lies hierzu Matth. 2, 6; Micha 5, 1; Hebr. 7, 14.

Zu den Worten: “Ihm werden die Nationen gehorchen” vergl. Ps. 2, sowie Offb. 19, 11-16.

Dann die Verheißung: “Er bindet an den Weinstock sein Eselsfüllen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin.” - Lies hierzu Matth. 21, 2; Joh. 12, 15 sowie Sach. 9, 9.

2. Verheißung und Erfüllung

Bei der Stelle Joh. 12, 15 beachte man auch den nächsten Vers. Aus ihm ist zu ersehen, dass die Jünger den Zusammenhang zwischen Weissagung und Erfüllung damals noch nicht kannten. Er selbst musste nach seiner Auferstehung ihnen das Verständnis hierfür öffnen, wie es in Luk. 24, 25-27.44.45 beschrieben ist. Und dann sandte er ihnen nach seiner Verherrlichung den Heiligen Geist (Apg. 2, 33), der sie in alle Wahrheit leitete (Joh. 16, 12.13) und von ihrem Leibe Ströme lebendigen Wassers fließen ließ (Joh. 7, 37-39).

An dieser Stelle wird auch der gewaltige Unterschied zwischen Verheißung und Erfüllung sichtbar. Die Bildung einer Heilskörperschaft, die als Erstling den Geist besitzt und so inmitten der ganzen Schöpfung zum Hoffnungsträger alles Erschaffenen wird (Röm. 8, 18-23), weil sie als Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 3.4), in deren Inneres der Geist und die Liebe Gottes ausgegossen sind (Röm. 5, 5), die Vorauszahlung Gottes an das ganze All ist, konnte erst stattfinden, nachdem der Geist ausgegossen war. Der Geist ist das Wesen. Alle Umwandlung erfolgt durch ihn. Vor seinem Kommen gab es wohl Verheißungen, aber die wesenhafte Erfüllung dieser Verheißungen wirkt er erst nach seinem Kommen. Man vergleiche hierzu Hebr. 11, 13.39.40 und ganz besonders die schon oben angeführte Stelle Joh. 7, 37-39 mit Apg. 2, 33! Da wird das “Noch nicht” der Verheißung ebenso deutlich sichtbar, wie das “Nachdem” der Erfüllung.

Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes wird die Erfüllung der Verheißungen, die in den Evangelien allein am Haupte und durch das Haupt geschieht, auch auf den Leib ausgedehnt. Nur durch den Besitz des Geistes gehören wir wesenseins zu dem Haupte und sind sein, des Herrn (Röm. 8, 9). Und nur durch den Geist sind wir alle zu dem einen Leibe hinzugetauft (1. Kor. 12, 11-27; Röm. 12, 4-8), sind wir Mitleib oder Miteinverleibte (Eph. 3, 6; 4, 3-6). Und vom Leibe aus soll die Erfüllung sich ausdehnen auf das ganze All. Erst dann, wenn Gott alles in allem ist, kann die Liebe ruhen in ihrer ganzen Wonne.

Aus all dem geht aber auch hervor, dass die Botschaft, die der erhöhte und verherrlichte Herr durch Paulus der Gemeinde gab, weit hinausgeht über die Anfangserfüllung in den Evangelien. Vgl. Apg. 1, 1; Hebr. 2, 3 mit Kol. 1, 24.25!

Erst der kosmische Auftrag an die Leibesgemeinde ist Volloffenbarung des Evangeliums, ist Füllebotschaft, ist Kundmachung der geheimen Verwaltung der kommenden Äonen. In diesem Auftrag ist das Ziel enthüllt, das sich Gott mit der Schöpfung des Menschen steckte.

Die Erfüllung der Verheißungen geht also etappenweise vor sich:

  1. Empfang der Verheißung
  2. Bildliche Vorausdarstellung in Israel
  3. Anfangs-Erfüllung in der Leibesgemeinde
  4. Ökumenische Erfüllung im Tausendjahrreich (durch Israel an den Nationen)
  5. Voll-Erfüllung im gesamten All (durch die Leibesgemeinde)
  6. Gott alles in allem.

Um zunächst nur ein Beispiel zu geben, sei die Verheißung genannt: “Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.”

Diese Verheißung ist am Haupte bereits erfüllt (Matth. 2, 13-15.19-21).

Vorher aber wurde sie schon vorbildlich an Israel erfüllt (Hosea 11, 1; 2. Mose 4, 21-23).

Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind uns zum Vorbild geschehen (1. Kor. 10, 11). Beachte den ganzen wichtigen Abschnitt (1. Kor. 10, 1-11). Vergl. auch Kol. 2, 16.17; Hebr. 10, 1 u. a.

Ägypten heißt ja Finsternis, und Pharao bedeutet Herrscher. — So hat der Herr auch uns aus der Obrigkeit (Herrschaft) der Finsternis versetzt in das Reich des Lichtes. Vergl. 1. Petr. 2, 9; 2. Kor. 4, 6; Eph. 5, 8; Phil. 2, 15; Kol. 1, 12.13.

Im Millennium (Tausendjahrreich) wird sich dies alles an Israel äußerlich und innerlich wiederholen. Vergl. Sach. 10, 9.10; Hos. 2, 14-23 u. a. Und auch die Nationen werden daran teilhaben (Jes. 19, 18-25; 11, 11.12; 42, 16; Micha 7, 15 u. a).

Und dann, wenn im Gericht Himmel und Erde vergangen sind, macht Gott alles neu (Offb. 21, 1-5). Dann ist die Finsternis vergangen, und es wird keine Nacht mehr sein (Offb. 21, 9-11.23.25); und es wird keinerlei Fluch und nichts Verbanntes mehr sein (Offb. 22, 3-5).

Dann wird Gott alles in allem sein (1. Kor. 15, 25-28).

Nehmen wir ein anderes Verheißungswort, das der Herr durch seinen Geist zuvorverkündigte, und das sich dann in seinem Erdenleben an ihm erfüllte!

In Ps. 22, 18 lässt er uns sagen: “Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.”

Vergleichen wir damit Joh. 19, 23.24: “Die Kriegsknechte nun nahmen, als sie Jesum gekreuzigt hatten, seine Kleider und machten vier Teile, einem jeden Kriegsknecht einen Teil, und den Leibrock besonders. Der Leibrock aber war ohne Naht, von oben an durchweg gewebt. Da sprachen sie zueinander: Lasst uns ihn nicht zerreißen, sondern um ihn losen, wessen er sein soll; auf dass die Schrift erfüllt würde, welche spricht: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen. Die Kriegsknechte nun haben dies getan.”

Die Erfüllung der Schrift ist für den Glauben immer sehr köstlich. Der Glaubende weiß, dass die Weissagung niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht wurde, sondern dass heilige Männer Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geiste (2. Petr. 1, 21). Es erfüllt uns deshalb auch immer wieder mit Anbetung, wenn wir schon sehen dürfen, wie das Leben des Sohnes Gottes von der Zeugung durch den Heiligen Geist und von der Jungfraugeburt an bis zum Leiden und Sterben unter der Führung des Geistes verläuft, der die Weissagung gab und nun die Erfüllung dazu wirkt, auf dass in allen Fällen die Schrift erfüllet würde. (Vergl. 1. Kor. 15, 3.4.) So auch in diesem Fall (Ps. 22, 18), da die Weissagung Davids, der nach dem Zeugnis des Petrus in Apg. 2, 30 (lies auch 2, 22-36) ein Prophet war und nach Vers 31 vorausschauend von der Auferstehung des Christus redete, wie auch hier von seinem Sterben und dem Teilen seiner Kleider, ihre wörtliche Erfüllung fand.

Und doch ist diese Erfüllung noch viel tiefer und reicher und vielfältiger und herrlicher, als es sich auf den ersten Blick zeigt, auf den hin man ja nur die historisch-reale Erfüllung wahrnimmt.

Beachten wir deshalb außer der Tatsache, dass die Weissagung sich erfüllt, auch die Art und Weise, wie sie sich erfüllt. Und achten wir weiter darauf, dass sie ja nicht nur mit klaren und präzisen Worten als Schriftlehre angezeigt ist, sondern dass sie auch im Vorbild bereits dargestellt wurde.

Hierzu kurz folgendes:

Die vier Kriegsknechte bekamen je ein Kleidungsstück als Anteil. Aber es war noch ein fünftes Stück da, der ungenähte Leibrock, der durchweg gewebt war. Sollten sie ihn zerschneiden oder zerreißen? — Das wollten sie nicht. Hätten sie es getan, so wäre ja nur die erste Hälfte der Weissagung erfüllt worden: “Sie haben meine Kleider unter sich zerteilt.” Der Geist Christi aber, der die Weissagung gab, wachte auch über ihre Erfüllung, d. h. hier, dass auch die zweite Hälfte sich wörtlich erfüllte: “und über mein Gewand haben sie das Los geworfen.” — So geschah es auch, so dass von den vier Kriegsknechten einer noch zu seinem Anteil den Leibrock als weiteres Stück dazu bekam.

Betrachten wir nun eines der Vorbilder der Schrift, in dem dies alles in seinen fünf Teilen vorgeschattet ist.

In 1. Mose 37, 2 lesen wir: “Dies ist die Geschichte Jakobs: Joseph …”

Das Wesen Jakobs, des Vaters, ist also dargestellt am Sohne, an Joseph. Joseph, der Sohn, macht das Wesen und die Art des Vaters kund. So hat auch der eingeborene Sohn den Vater kundgemacht. “Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kundgemacht” (Joh. 1, 18).

Joseph ist der Segensträger Jakobs (1. Mose 49, 1.2.26). Er ist der Abgesonderte, der Nasiräer unter seinen Brüdern. Und ebenso heißt es von dem Sohne Gottes, dass er Nazarener genannt werden solle. Im Grundtext von Matth. 2, 23; 26, 71; Luk. 18, 37; 24, 19; Joh. 18, 5.7; 19, 19; Apg. 2, 22; 3, 6; 4, 10; 6, 14; 22, 8; 24, 5; 26, 9 steht Nazoraios (von Nasar), d. h. der Geweihte, der Abgesonderte, der infolge eines Gelübdes abgesondert Lebende. - Außer in dem Segen Jakobs 1. Mose 49, 26 wird Joseph auch noch im Segen Moses in 5. Mose 33, 16 als Nasiräer bezeichnet.

Doch zurück zu 1. Mose 37, 2!

Hier wird uns gesagt, dass die Geschichte Jakobs an Joseph dargestellt ist. So hat auch der Sohn Gottes den Vater kundgemacht. Der Sohn ist der in die Geschichte eingegangene Gott. “Gott war in Christo” (2. Kor. 5, 19). Das ist ja gerade das kündlich große Geheimnis: “Gott geoffenbart im Fleische” (1. Tim. 3, 16). Und als der Auferstandene den Jüngern den Verstand aufschloss und ihnen die Schriften öffnete (Luk. 24, 25-27.44-49), da war die Grundlage ihres Gesprächs das, was in jenen Tagen geschehen war, die Geschichte des Vaters im Sohne, als Gott in Christo war und die Welt mit sich selbst versöhnte.

In 1. Mose 37, 16 gibt Joseph, dieses Abbild Christi, dieser Proto-Typ seines Weges “Durch Leiden zur Herrlichkeit”, als Grund seines Kommens den an: “Ich suche meine Brüder.”

Es ist wohl unnötig, hierüber viel zu sagen. Wer von der Gnade gefunden wurde, weiß auch, wer ihn suchte. Nie hat je ein anderer diese weissagende Darstellung völliger erfüllt, als der Sohn Gottes. Er allein kann in absolutem Sinne sagen: “Ich suche meine Brüder!” Er, der wahre Nasiräer, nennt alle, die er zu Nasiräern macht, d. h. dem Vater als Heilige, Geweihte, Abgesonderte darstellt, seine Brüder (Hebr. 2, 11). Er suchte uns und fand uns! Anbetung seinem Namen!

In 1. Mose 37, 14 wird uns bezeugt, dass dieses Suchen der Brüder auf den Willen des Vaters zurückging.

So hat auch der Sohn Gottes nie seinen eigenen Willen getan, sondern was der Sohn den Vater tun sah, das tat gleicherweise auch der Sohn (Joh. 5, 19).

Weiter wird uns in 1. Mose 37, 14 gesagt, dass die Sendung des Sohnes von Hebron aus erfolgte.

Hebron heißt zu deutsch: Gemeinschaft.

So war auch das Ur-bild Christus, von dem Joseph nur Ab-bild ist, ehe der Vater ihn in diese Welt sandte, droben in Gemeinschaft mit dem Vater. Ehe die Erde und die Berge wurden, war er Schosskind bei dem Vater und war dessen Wonne (Spr. 8, 22-31).

Von Hebron aus wird Joseph nach Sichem gesandt. — Sichem heißt Schulter und deutet die Tragkraft des Mannes an.

So kam auch Christus, um unsere Last auf seine Schultern zu nehmen und zu tragen. “Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern auf dass er diene …” (Matth. 20, 28; Mark. 10, 45). — “Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Die Strafe lag auf ihm, auf dass wir Frieden hätten …” (Jes; 53; Matth. 8, 17; Joh. 19, 5.17; Hebr. 9, 28; 1. Petr. 2, 24). Dafür aber, dass er seine Schulter unter unsere Last stemmte, wird auch die Herrschaft auf seine Schulter gelegt (Jes. 9, 6). Und in Jes. 22, 22 wird ihm der Schlüssel Davids auf die Schulter gelegt. Vergleiche mit dieser Stelle Offb. 3, 7. Siehe auch Luk. 15, 5 und 2. Mose 28, 12.

Von Sichem aus geht Joseph nach Dothan.

Dothan heißt: Gesetz.

Wohin sandte Gott seinen Sohn? — Siehe Gal. 4, 4.

In 1. Mose 37, 3 wird uns weiter berichtet, dass der Vater dem Sohne einen langen Leibrock machte, d. h. ein bis auf die Knöchel reichendes Unterkleid mit Armem und farbigen Rändern (Borden), wie es die Reichen und Vornehmen trugen.

Unter den Kleidern Jesu in Joh. 19, 23 wird auch der Leibrock besonders genannt.

Man vergleiche dazu Joh. 17, 5. Da bezeugt uns der Herr selbst, dass er, ehe die Welt war, vom Vater mit Herrlichkeit bekleidet war. Es war eine ihm vom Vater gegebene Herrlichkeit (Joh. 17, 22). (Vergl. hierzu auch Joh. 5, 26 sowie Phil. 2, 6.)

Dieses erste Kleid Josephs, das uns genannt wird, zogen ihm die Brüder aus und verkauften ihn nach Ägypten. Dort kommt er als Sklave in das Haus des Kämmerers (Eunuchen) Potiphar. In dessen Haus trug er als zweites Kleid das Sklavengewand. Dieses Gewand ließ er in der Hand des Weibes, als sie ihn verführen wollte (1. Mose 39, 12).

Potiphar ließ ihn daraufhin ins Gefängnis werfen (1. Mose 39, 19-23). Dort trug Joseph das Gefangenschaftskleid als drittes Gewand.

Als ihn der Pharao aus dem Gefängnis holen ließ, zog Joseph das Gefängniskleid aus und zog ein anderes Gewand an, in dem er vor dem Pharao erscheinen konnte (1. Mose 41, 14). Das war das vierte Kleid Josephs, von dem die Schrift berichtet.

Nachdem er dem Pharao die Träume gedeutet hatte, kleidete dieser ihn in Byssus (feinste weiße Baumwolle) (1. Mose 41, 42; siehe den ganzen Abschnitt 41, 37-46). Dies ist das fünfte Kleid Josephs, von dem die Schrift sagt.

Kleider sind Bilder oder Symbole für Leiblichkeiten. Siehe hierzu 2. Kor. 5, 1-9 und beachte vor allem das Entkleidetwerden und das Überkleidetwerden. Siehe auch Hebr. 10, 20, wo das Fleisch ein Vorhang genannt wird. Weiter beachte Offb. 6, 9-11; 19, 7.8.13.14; Matth. 17, 2; Mark. 9, 2.3 (beachte das: umgestaltet); Luk. 9, 29; Phil. 3, 21; Röm. 8, 23; 1. Kor. 15, 51; 1. Thess. 4, 15-17; Kol. 3, 4; 1. Kor. 15, 35-38; 1. Joh. 3, 2 u. a.

So trug auch das Urbild Josephs, der Christus, fünf Leiblichkeiten als Bekleidung, d. h. als Ausdruck seiner jeweiligen Stellung und seines dafür geltenden göttlichen Auftrages:

  1. Sein Herrlichkeitskleid beim Vater
  2. Sein Knechts- oder Sklavengewand der Niedrigkeit
  3. Das Gefängniskleid des Todes
  4. Den Auferstehungsleib
  5. Den Herrlichkeitsleib der Gemeinde, die da ist sein Leib.

Da wir ihm in allem gleich gemacht werden müssen, tragen wir ebenfalls fünf Leiblichkeitszustände:

  1. Das Paradieseskleid des Bildes Gottes
  2. Den Niedrigkeitsleib der Sünde (Sklavengewand)
  3. Das Gefängniskleid des Todes
  4. Das Zwischengewand bis zur Auferstehung (entkleidet, doch nicht nackt erfunden)
  5. Den Leib der vollen Sohnschaftsherrlichkeit (Röm. 8, 23; Phil. 3, 21).

Unsere Vollendung und Offenbarung ist aber nach Röm. 8, 17-23 die Vorauszahlung Gottes an die harrende Schöpfung. Auch die gesamte Kreatur durchläuft alle diese Stufen der Verwandlung:

  1. Die Kreatur als Gottesschöpfung unter den Segnungen des Menschen als des Bildes Gottes (1. Mose 2, 19.20)
  2. Die Tierwelt unter der Sklaverei der Furcht vor dem gefallenen Menschen (1. Mose 9, 2.3)
  3. Die Kreatur unterworfen der Vergänglichkeit und der Todesangst (Röm. 8, 19.20.22)
  4. Die Schöpfung freigemacht von der Knechtschaft (Sklaverei) der Verderblichkeit (Röm. 8, 24)
  5. Der Geist der Herrlichkeit ausgegossen über alles Fleisch (Joh 2, 28; 1. Kor. 15, 39; Jes. 11, 6-9; 65, 25; Offb. 21, 1.5; 5, 13)

Darum auch bezeugt das Markus-Evangelium am Anfang in Kapitel 1, 13: “Er war unter den wilden Tieren” und am Schluss in 16, 15: “Predigt das Evangelium aller Kreatur!” Auch hierzu ist es zuvorverheißen!

Ob ein Franz von Assisi diesen Auftrag vielleicht deshalb besser verstand, als viele andere, weil er von dem gleichen Geist der Weissagung inspiriert war, der die Weissagung gab, nämlich von dem Geiste Jesu Christi? — Wundert es uns dann, dass eine rationalistisch verseuchte Theologie, die weithin vom Liberalismus und Intellektualismus beherrscht ist, von diesem Geiste nicht einen Hauch verspürt? Und sollte der Geist Christi Jesu zu denen reden, die den Sohn Gottes seiner Sohnschaft entkleidet haben und sein Wort der Weissagung seiner Göttlichkeit berauben? - Wie sollten sie in den Schriften den finden, von dem die Schriften zeugen? —

Nur die, die das Wort bewahren, werden durch das Wort bewahrt! Vgl. Joh. 17, 6-8; Offb. 3, 10; 1. Thess. 2, 13 u. a.

Alles andere verfällt dem Gericht, mag es auch noch soviel Ehre und Anerkennung bei Menschen haben. Einer bleibt, wenn alles vergeht: Christus. Und mit ihm alle die, die in ihm sind!

Die Schrift, d. h. das Wort der Weissagung, wird erfüllt. Dafür bürgt der Herr, der es uns durch seinen Geist gab. Er, der selbst alle Wandlungen der Erscheinungsformen durchlebte, bereitete auch sein Abbild Joseph vor und ließ auch äußerlich die Weissagung erfüllen, dass vier Teile Kleider gemacht wurden und über den fünften Teil, den Leibrock, das Los geworfen wurde.

In diesem Zusammenhang konnten die Vorbilder der Kapitel 1. Mose 37-41 nur insoweit kurz gestreift werden, als sie direkt zu dieser Weissagung gehörten. Ob es möglich ist, diese Dinge noch einmal ausführlicher zu behandeln und die Wandlungen der Erscheinungsformen schriftlich darzustellen, weiß allein der Herr. Der Wille dazu ist vorhanden, aber Zeit und Kraft sind knapp bemessen.

Einer der Höhepunkte des Lebens Abrahams war seine Begegnung mit Melchisedek (1. Mose 14, 17-24). Er war größer denn Abraham, denn er segnete Abraham, und nach dem Zeugnis von Hebr. 7, 4-7 wird immer das Geringere von dem Besseren gesegnet.

Christus bereitete durch seinen Geist diesen Vorausdarsteller seines eigenen Hohenpriestertums so zu, dass er ihm in allem ähnlich gemacht war und so ein klares Abbild von ihm ergab. Siehe hierzu Hebr. 7, 1-28, vor allem den Schluss von Vers 3: “dem Sohne Gottes ähnlich gemacht”. — Darum durfte kein Geschlechtsregister von ihm gegeben werden, noch Geburt und Tod erwähnt sein, weil er das ewige Hohepriestertum Christi vorschatten sollte, der ja als Sohn Gottes weder Anfang des Lebens noch Ende der Tage hat.

Siehe hierzu auch Hebr. 5, 5.6 und vgl. diese Verse mit Ps. 2, 7 und Ps. 110, 4. In diesen beiden Stellen war die Gottessohnschaft als Zeugung durch den Vater zuvorverheißen, wie auch das ewige Hohepriestertum des Sohnes. Die Vorausdarstellung dieser Verheißung aber finden wir in dem zum Abbild und zeitlichen Vorbild des Wesens Christi gemachten Melchisedek.

So, wie die Zeugung aus Gott zuvorverkündigt wurde, so war auch die Jungfraugeburt zuvorverheißen. Vgl. hierzu Matth. 1, 23 mit Jes. 7, 14. Es sei auch in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Verheißung des Weibessamens hingewiesen (1. Mose 3, 15), die bereits weiter oben schon genannt wurde.

Auch der Ort seiner Geburt war zuvorverheißen. Vgl. hierzu Matth. 2, 6 mit Mi. 5, 1.

Sein Wegbereiter, Johannes der Täufer, war ebenfalls zuvorverheißen. Vgl. hierzu Matth. 3, 3 und Mark. 1, 3 mit Jes. 40, 3. Siehe weiter auch Matth. 11, 7-14 und Mark. 1, 2 sowie Mal. 3, 1.

Sein Aufenthalt in Kapernaum, das am See Genezareth liegt, im Gebiet von Zabulon und Nephtalim, sowie jenseits des Jordans, im heidnischen Galiläa, war zuvorverheißen. Vgl. Matth. 4, 12-17 mit Jes. 9, 1.2.

Die Heilung der Besessenen und Leidenden war ebenfalls zuvorverheißen. Vgl. Matth. 8, 16.17 mit Jes. 53, 4.

Ebenfalls zuvorverheißen war sein vollkommener Weg und Dienst als Knecht, an dem der Vater Wohlgefallen hatte. Vgl. Matth. 12, 14-21 mit Jes. 42, 1-4.

Zuvorverkündigt war auch sein Reden in Gleichnissen, in denen sich die eingehüllte Wahrheit nur den Glaubenden erschloss, den Ungläubigen aber verhüllt blieb. Vgl. Matth. 13, 10-17 mit Jes. 6, 9.10, sowie Matth. 13, 35 mit Ps. 78, 2.

Zuvorverheißen war sein Einzug in Jerusalem, der Tochter Zion, auf einem Esel und einem Füllen, des Lasttiers Jungen, sowie der Jubel der Volksmenge: “Hosianna, dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!” Vgl. Matth. 21, 1-11; Mark. 11, 1-11; Luk. 19, 28-38; Joh. 12, 12-16 mit Sach. 9, 9 und Ps. 118, 26. Beachte besonders auch den Vers Joh. 12, 16.

Die Tempelreinigung in Matth. 21, 12.13; Mark. 11, 15-17; Luk. 19, 45.46 war ebenfalls zuvorverheißen. Siehe hierzu Jes. 56, 7 und Jer. 7, 11.

Auch das Lob aus dem Munde der Kinder und Säuglinge war zuvorverheißen (Matth. 21, 15.16; Ps. 8, 2).

Er wusste auch von jeher, was sein Volk mit ihm, dem Einzigen, auf den es sein Heil gründen konnte, machen würde. Die Bauleute würden ihn, den Schlussstein des ganzen Weltenbaus, verwerfen, aber sein Vater würde ihn zum Haupt- und Eckstein setzen, mit dem der Pyramidenbau des gesamten Weltalls aufgehauptet würde. Vgl. Matth. 21,42 mit Ps. 118, 22.23. Siehe auch Eph. 1, 10.

Auch die Tatsache, dass Davids Sohn in Wirklichkeit Davids Herr ist, wurde von David in prophetischer Vorausschau zuvorverkündigt. Vgl. Matth. 22, 43.44; Mark. 12, 36; Luk. 20, 41-44 mit Ps. 110, 1.

Der Verrat des Judas war so deutlich angekündigt, dass sogar der Preis der dreißig Silberlinge zuvorbestimmt war. Vgl. Matth. 27, 9.10 mit Sach. 11, 12.13. - Und der Herr, der dies durch seinen Geist den Propheten geoffenbart hatte, wusste von vornherein, als er die Jünger auswählte, dass er auch den dazunehmen müsse, der ihn verraten sollte. Vgl. hierzu Joh. 6, 64 sowie Joh. 13, 10.11.18 mit Ps. 41, 9. - Vgl. weiter auch Apg. 1, 15-20 mit Ps. 69, 25 und Ps. 109, 8.

Und doch war dieses Leiden des Lammes Gottes vom Vater zuvorbestimmt vor Grundlegung der Welt, als es noch keine Geschöpfe gab, die auf diese Entscheidung einwirken konnten (1. Petr. 1, 18-20). Bei diesem Vorsatz, den Gott in sich selbst fasste, war niemand sein Mitberater (Röm. 11, 32-36). Er wusste, dass die Hand des Vaters ihm den Leidenskelch reichen würde, den er auch bereit war zu trinken (Joh. 18, 11; Matth. 20, 22; Mark. 10, 38), und er wusste, dass der Vater es war, der ihn, den Hirten schlug und die Schafe der Herde zerstreute (Mark. 14, 27), wie es in Sach. 13, 7 zuvorverheißen war durch seinen Geist.

Er wusste auch, dass der Vater, der ihn, den Hirten mit dem Richtschwert schlug, ihn auch als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trug, die Tiefe der Strafe der Gottverlassenheit des Sünders fühlen lassen musste, wenn die stellvertretende Sühne wirklich echte Sühne sein sollte. Darum kündigte der Herr es durch seinen Geist in Ps. 22, 1 (Luther: 22, 2) zuvor an, und als die Stunde des Verlassenseins als Sündenträger für die Welt am Kreuze kam, da rief er auch jenes zuvorverkündigte Wort wirklich aus (Matth. 27, 46; Mark. 15, 33.34).

Und wenn ihm einer der Übeltäter, mit denen er zusammen gekreuzigt war, damit die Schrift erfüllt würde (vgl. Mark. 15, 28; Luk. 22, 37 mit Jes. 53, 12), noch am Kreuze bezeugte: “Wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unrechtes getan (Luk. 23, 41), so bestätigte dieser Zeuge, was der Geist Christi ebenfalls zuvor in Ps. 69, 4 verkündigt hatte, und was der Herr selbst in Joh. 15, 23-25 bestätigte.

Ihm, dem reinen Lamm, das nie eine Sünde tat, sollte kein Bein zerbrochen werden, wie es Ps. 34, 20 geweissagt und 2. Mose 12, 46 vorbildlich dargestellt wurde. Und so erfüllte es sich auch (Joh. 19, 36).

Auch die Weissagung von Sach. 12, 10: “Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben” ging an ihm in Erfüllung (Joh. 19, 34.37).

Und was der Geist des Christus von der Bestattung des Herrn zuvorverhieß, dass er bei einem Reichen weilen sollte in seinem Tode (Jes. 53, 9), erfüllte sich, als der vornehme Ratsherr Joseph von Arimathia den Leib des Herrn in seinem neuen Grabe zur kurzen Rohe bettete (Matth. 27, 57-60; Mark. 15, 42-46; Luk. 23, 50-53).

In gleicher Weise war auch sein Wiedererstehen aus dem Grabe zuvorverheißen. Vgl. Apg. 2, 25-28 mit Ps. 16, 8-11. Siehe hierzu auch die bereits früher angeführte Stelle 1. Kor. 15, 3.4. Weiter auch Apg. 3, 13-26 mit 5. Mose 18, 15.18.19, sowie auch Apg. 13, 35 mit Ps. 16, 10.

Auch die Vereinigung der Nationen, die sich in Jerusalem zur Ermordung des Sohnes Gottes versammelten, war zuvorverheißen. Vgl. Apg. 4, 25-28 mit Ps. 2, 1.2.

Er aber, der Sündenträger und Sündentilger, ging als das Lamm Gottes seinen Weg zur Schlachtbank, wie über ihn geschrieben stand, d. h. so, wie er es durch seinen Geist den Propheten offenbarte, die es in heiligen Schriften niederlegten. Vgl. hierzu Apg. 8, 32.33 mit Jes. 53, 7.8. Anfangend von dieser Stelle, verkündigte Philippus dem Kämmerer von Äthiopien das Evangelium (Apg. 8, 35).

Die Hauptsache des Evangeliums ist nach der Lehre der Apostel der Sühnetod des Herrn am Kreuz und seine Auferstehung. Siehe hierzu 1. Kor. 15, 3.4; Röm. 4, 25; Apg. 1, 21.22; 2, 23.24.32; 3, 15.26; 4, 2.33; 5, 30-32; 10, 39.40; 13, 27-30; 17, 30.31 u. v. a.

Gerade diese Hauptsache des Evangeliums, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung und Himmelfahrt, seine Verherrlichung und seine Wiederkunft sind zuvorverheißen (1. Petr. 1, 10-12).

Lies hierzu außer 1. Kor. 15, 3.4 folgende Stellen:

  • Apg. 3, 18: “zuvorverkündigt durch den Mund aller Propheten”
  • Apg. 3, 20: “… und er euch den zuvor verordneten Christus sende”
  • Apg. 7, 52: “welche die Ankunft des Gerechten zuvor verkündigten”
  • Röm. 9, 29:. “Und wie Jesajas zuvor gesagt hat”
  • Gal. 3, 8: “Die Schrift aber, vorausschauend … verkündigte dem Abraham die gute Botschaft zuvor.”

Beachte hier, wie der Herr, der in 1. Mose 12, 1-3 zu Abraham sprach, in Gal. 3, 8 mit der Schrift gleich gesetzt wird! Er, der zu Abraham sprach, offenbarte dieses Gespräch durch seinen Geist dem Mose und konnte daher auch von der Schrift sagen: “Sie ist es, die von mir zeuget” (Joh. 5, 39). Das geschriebene Wort ist das Zeugnis von dem fleischgewordenen Wort (Joh. 1, 14) und zwar in doppeltem Sinne: Es ist von ihm gegeben und gibt Zeugnis von ihm, d. h. redet von ihm.

Vgl. zu “zuvorverkündigen” noch die Stelle Eph. 1, 12. Die Glaubenden aus Israel hofften zuvor auf den Christus, da er ihnen ja seit Jahrtausenden sein Kommen angekündigt hatte durch die Propheten.

Siehe hierzu auch Luk. 2, 26.38.

Ein wesentlicher Teil des apostolischen Lehrdienstes bestand daher auch darin, die Christusgläubigen zu erinnern an die von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worte (2. Petr. 3, 2) und den Suchenden aus der Schrift zu beweisen, dass dieser gekreuzigte Jesus der Christus Gottes sei, der zuvor angekündigte Heiland und Retter der Welt. Darum fing auch Philippus in Apg. 8, 35 seine erste Evangelisation an einem Heiden (Proselyten) mit der Weissagung aus Jes. 53, 7.8 an, indem er dem Kämmerer ihre Erfüllung durch den Christus Gottes vor Augen stellte.

Zu den bereits angeführten Stellen, die das Leiden und Sterben und die Auferstehung des Herrn voraus verkündigten, seien hier nur noch kurz einige Kapitel des Alten Testaments genannt, in denen die Vorausverheißung dieser Heilstatsachen für jeden Bibelleser klar und deutlich dargestellt ist.

Aus Mose nennen wir 1. Mose 22, 11-19, aus dem Psalter die Leidenspsalmen 22 und 69 und aus den Propheten das Kapitel Jesaja 53.

Beginnen wir mit 1. Mose 22!

Abram, der Vater der Höhe, soll ein Abraham, ein Vater der Menge werden. Gott, der wahre Vater der Höhe, will ebenfalls ein Vater der Menge werden und viele Söhne haben und zur Herrlichkeit bringen (Hebr. 2, 10; Eph. 1, 5; Röm. 8, 14-17; 1. Joh. 3, 1.2 u. a.). Dies ist nur möglich, wenn er den Eingeborenen, den Sohn der Liebe, den Träger aller Verheißungen (2. Kor. 1, 20; Gal. 3, 16.19) auf Golgatha zum Opferlamm für die Sünde der Welt macht. Auf dem gleichen Berge Morijah, auf dem später das Kreuz stand, muss Abraham im Vorbild diese Opferung darstellen. Aber während er sie nur im Geiste voraus durchlebt und durchleidet, an ihrem äußeren Vollzug aber von Gott verhindert wird, vollzieht Gott die Opferung seines Eingeborenen, auf dem nicht nur alle Verheißungen für die Welt ruhen, sondern die gesamte Hoffnung des Vaters für alle kommenden Äonen, in Wirklichkeit.

Den Vorsatz zu dieser Opferung fasste Gott vor Grundlegung der Welt (1. Petr. 1, 20). So frühe war er schon um die Erlösung der Welt bemüht, frühe am Weltenmorgen, ehe es Menschen und Engel und Teufel und Sünde gab. Darum stand auch das Abbild des Vaters der Höhe und des Vaters der Menge, Abraham, frühe auf am Morgen, nahm seinen Sohn und traf die Vorbereitungen zum Opfer.

Er belastete die Kreatur, sattelte den Esel, zum Vorbild für die Tatsache, dass um der Sünde willen bis zur Offenbarung der Vollerlösung die gesamte Kreatur unter der Knechtschaft der Vergänglichkeit seufzt (Röm. 8, 19-23).

Da durch das Opfer beides versöhnt werden sollte, was im Himmel und auf Erden ist (Kol. 1, 20), nahm er zwei Knaben (Knechte) mit als Vertreter der beiden Gruppen persönlicher Wesen, nämlich der Engel und der Menschen.

Zum Brandopfer muss das Holz zuvor gespalten sein.

Solange am Anfang der Menschheit, am Paradiesmorgen der Mensch noch ungespalten war, d. h. bevor Gott die weibliche Hälfte aus Adam herausgenommen hatte, hatte das Feuer der Versuchung keinen Angriffspunkt an dem Menschen. Sobald aber der Mensch in zwei Hälften gespalten war, machte sich die Schlange an den schwächeren Teil heran und verführte das Weib. Das gespaltene Holz fing leichter Feuer.

So musste auch der Sohn seine Gottgestalt aufgeben und als Weibessame auf diese Erde kommen, damit er überhaupt sterblich wurde und das Feuer der Versuchung und des Leidens erdulden konnte.

Und so, wie Abraham das Feuer und das Messer in seine Hand nahm, so konnten die, die den Sohn auf Erden opferten, nur das an ihm vollziehen, was die Hand Gottes und sein Rat längst zuvorbestimmt hatten (Apg. 4, 27.28). Gott hat und hält alles in seiner Vaterhand.

Dem Voraus-Darsteller der Opferung des Eingeborenen aber schwört Gott, dass er um deswillen, dass er den Einzigen nicht vorenthalten habe, Samen erhalten sollte wie die Sterne des Himmels an Menge und wie der Sand am Ufer des Meeres, und sein Same sollte das Tor seiner Feinde besitzen. So bezeugte es auch der Einziggeborene Gottes, dass er als Weizenkorn in die Erde fallen und sterben müsse, wenn er viel Frucht bringen solle (Joh. 12, 24). Und seit seinem Tode und seiner Auferstehung hat er den Schlüssel zur Unterwelt und gibt eine geöffnete Tür, und niemand schließt zu (Offb. 1, 18; 3, 7.8). So besitzt er das Tor seiner Feinde, das Tor des Todes, des Hades, und ihres Gewaltherrn, des Teufels (Hebr. 2, 14.15).

Es sind noch eine Reihe köstlicher Parallelen zwischen Isaak, diesem Abbild des Christus auf seinem Opferweg, und dem Urbild Christus vorhanden, der alles wesenhaft erfüllte. Sie können hier nicht alle im einzelnen wiedergegeben werden. Hier genügt der Nachweis, dass auch diese Hauptsache des Evangeliums Gottes über seinen Sohn zuvorverheißen und in einem bis in die Einzelheiten gehenden prophetischen Vorbild dargestellt war.

Wenden wir uns nun zu den Leidenspsalmen 22 und 69!

Schon der erste Vers des 22. Psalms (bei Luther der zweite Vers, da er die Überschrift als Vers zählt) führt uns mitten hinein in das Leiden des Herrn am Kreuz: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”; vergleiche hierzu Matth. 27, 45.46.

Ps. 22, 2: “Mein Gott! ich rufe des Tages, und du antwortest nicht; und des Nachts, und mir wird keine Ruhe” führt uns tief hinein in den Gebetskampf in Gethsemane.

Die Verse 6-3 (Luther 7-9) zeigen ihn unter dem Hohn und Spott seiner Feinde. Lies hierzu Matth. 27, 39-43! Gerade die Tatsache, dass er auf Gott vertraute, benutzen sie, ihn zu schmähen und zu lästern. Wenn er wirklich Gottes Sohn ist, an dem der Vater Lust und Wohlgefallen hat, so wäre ja jetzt nach ihrer Meinung der Beweis dafür angebracht und am Platze. “Er hat Gott vertraut! der errette ihn, wenn er Lust an ihm hat!” Das ist auch heute noch der Lästerruf der Feinde der Gläubigen. Und dort am Kreuz ertrug der Herr diese Schmähungen, weil er die Schmäher und alle seine Feinde erlösen wollte (Röm. 5, 6-10).

Vers 16 (Luther: 17) sagt uns: “Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt”. — In diese Nägelmale durfte Thomas seine Hände legen (Joh. 20, 20.27).

Vers 18 (Luther: 19): “Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.” Vgl. Joh. 19, 23.

Oder aus Ps. 69, 4 (Luther: 5): “Sie haben mich ohne Ursache gehasst.” Vgl. damit Joh. 15, 25.

Oder Ps. 69, 9 (Luther: 10): “Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.” Vgl. dazu Joh. 2, 17.

In Ps. 69, 21 (Luther: 22) sagt der Geist Christi im voraus: “Und sie gaben in meine Speise Galle, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.” Vgl. dazu Matth. 27, 34.

Die Einleitung zu Jesaja 53 bilden die drei vorausgehenden Verse Jes. 52, 13-15. Sie lauten:

“Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln.” — Nie handelte einer mit tieferer Einsicht, als sie der Sohn in den Willen des Vaters hatte!

Weiter: “Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein.” — Ja, er erhob sich aus dem Grabe, wurde erhöht in der Himmelfahrt und ist nun vom Vater sehr hoch erhöht als Herr über alles.

Weiter: “Gleichwie sich viele über dich entsetzt haben, — so entstellt war sein Aussehen, mehr als irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als der Menschenkinder, — ebenso wird er viele Nationen in Staunen setzen, über ihn werden Könige ihren Mund verschließen. Denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden; und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen.”

In Röm. 15, 18-21 beruft sich Paulus auf diese Stelle, um die Rechtmäßigkeit seiner Evangeliumsverkündigung unter den Nationen zu beweisen. So zeigt er, wie weittragend die in unserem Verse (Röm. 1, 2) genannten Zuvorverheißungen sind. Eine Reihe anderer Verheißungen werden dies später noch bestätigen.

Das Kapitel Jes. 53, das der erste Gläubige aus den Heiden, der Kämmerer der Königin Kandace, las, als ihm Philippus vom Herrn zu Hilfe gesandt wurde, ist von solcher Tiefe und prophetischer Klarheit und Erhabenheit, dass man ihm am besten keine menschlichen Erklärungen beifügt, um es nicht zu verwässern. Man sollte möglichst nur die Stellen des Neuen Testaments angeben, die seine Erfüllung zeigen.

Vers 1: “Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?” — Vgl. hierzu Joh. 12, 38; Röm. 10, 16. Weder das Volk noch seine Obersten wollten etwas von ihm wissen. (Joh. 1, 11; Matth. 2, 13; Joh. 8, 59; 11, 57).

Vers 2: “Und er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen, und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten.” — Siehe hierzu Jes. 11, 1-5.

Begehrten die Jünger Jesu seine Leidensgestalt? — Siehe Matth. 16, 21-23; Luk. 9, 44.45; 18, 31-34. Ärgerten sich nicht die Bewohner seiner Vaterstadt an seiner Niedrigkeitsgestalt? — Vgl. Matth. 13, 55; Mark. 6, 3. Und seine eigenen, leiblichen Brüder? — Siehe Joh. 7, 3-5. Und seine Eltern? — Luk. 2, 49.50; Joh. 2, 4. — Er war in seiner Niedrigkeitsgestalt das Zeichen, dem widersprochen wurde (Luk. 2, 34.35).

Jes. 53, 3: “Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet und für nichts geachtet.”

Vgl. hierzu Mark. 9, 12, wo der Herr diese Vorausanzeige nochmals selbst bestätigt, dass er für nichts geachtet werden würde. Und war nicht das ganze Leben dieses Schmerzensmannes eine einzige Passion, anfangend mit der Tatsache, dass um seiner heiligen Empfängnis willen sein Pflegevater Joseph schon das Kindlein mit der Mutter verlassen wollte, ehe es geboren war? (Matth. 1, 18-25). — Und dann der Kindermord zu Bethlehem und die Flucht nach Ägypten! Und dann immer weitere Leiden bis zum Tod am Kreuz. Siehe auch Mark. 14, 50.65; 15, 27-32; Matth. 26, 55.56; Hebr. 2, 10.

Jes. 53, 4: “Fürwahr er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt”. — Vgl. Matth. 8, 17; Apg. 8, 28-35; 1. Petr. 2, 21-24; Joh. 1, 29.

Jes. 53, 5: “Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserm Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.” Vgl. Sach. 13, 6: “Und wenn jemand zu ihm spricht: Was sind das für Wunden in deinen Händen? so wird er sagen: Es sind die Wunden, womit ich geschlagen worden bin im Hause derer, die mich lieben.” — Vgl. hierzu: 1. Petr. 2, 24; Joh. 20, 24-27; Matth. 20, 19; 27, 26-31; Mark. 10, 34; Luk. 18, 31-33; Joh. 19, 1-3.

Jes. 53, 6: “Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg; und Jehova hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.” — Vgl. 1. Petr. 2, 25; 3, 18; 2. Kor. 5, 21.

Jes. 53, 7: “Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf.” — Vgl. Apg. 8, 32; Matth. 27, 12.14; Mark. 14, 61; 15, 5; Luk. 23, 9; Joh. 19, 9.

Jes. 53, 8: “Er ist hinweggenommen worden aus der Angst und aus dem Gericht. Und wer wird sein Geschlecht aussprechen? denn er wurde abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen; wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.” — Vgl. Apg. 8, 33; Matth. 26, 36-39; Mark. 14, 32-36; Luk. 22, 44; Hebr. 5, 5-7; 2, 10. Siehe auch Joh. 11, 50-52; 12, 24; 2. Kor. 5, 14.15; Röm. 6, 9.10.

Jes. 53, 9: “Und man hat sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt; aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tode, weil er kein Unrecht begangen hat, und kein Trug in seinem Munde gewesen ist.” — Vgl. Mark. 15, 28 und Luk. 22, 37 mit Matth. 27, 57-60. — Siehe auch zu “Trug”: Joh. 8, 45-47; 1. Petr. 2, 22; 1, 19; 2. Kor. 5, 21; 1. Joh. 3, 5; Joh. 19, 4.

Jes. 53, 10: “Doch Jehova gefiel es, ihn zu zerschlagen; er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen, er wird seine Tage verlängern; und das Wohlgefallen Jehovas wird in seiner Hand gedeihen.” — Vgl. Joh. 12, 24; Offb. 1, 18; Hebr. 9, 22-28; Ps. 126, 6; Röm. 4, 8; 1. Petr. 1, 23; 1. Joh. 3, 9; Matth. 13, 37.38; 1. Kor. 15, 38; Ps. 89, 4 (Offb. 1, 18). — Zu “Wohlgefallen” siehe: Kol. 1, 19; Joh. 8, 39; Matth. 3, 17; 12, 18; 17, 5; Mark. 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petr. 1, 17; Eph. 1, 5; Kol. 1, 10; Luk. 2, 14; Röm. 12, 1.2; 14, 18; Hebr. 12, 28; 13, 20.21; 2. Kor. 5, 9; Eph. 5, 10; 1. Joh. 3, 22.

Jes. 53, 11: “Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, und ihre Missetaten wird er auf sich laden. — Vgl. Hebr. 2, 10; Röm. 5, 19; 2. Kor. 5, 14; Hebr. 8, 11.12; 1. Joh. 2, 13.14.27.29; 3, 19.24; Offb. 2, 23; Joh. 17, 23; Gal. 4, 9; 1. Kor. 1, 5; Kol. 1, 9.10; 2, 2.3; 3, 10.

Jes. 53, 12: “Darum werde ich ihm die Großen zuteil geben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen; dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist; er hat aber die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.” — Vgl. zu “Beute”: Ps. 2, 7.8; zu “den Übertretern beigezählt”: Mark. 15, 28; Luk. 22, 37; zu “für die Übertreter Fürbitte getan”: Luk. 23, 34.

Aus den wenigen angegebenen Parallelstellen zu den einzelnen Versen ist schon ersichtlich, dass in diesem Kapitel eine Weissagung steckt von solchem Ausmaß, dass die eingehendere Betrachtung einen Bibelkurs von Wochen ergäbe und ihre Niederschrift Bände füllen würde. Und doch ist dieses Kapitel nur ein kleines Stücklein des Pro-Evangeliums, des Zuvor-Evangeliums, der Vorausbotschaft Gottes über seinen Sohn. Was mag es für eine Offenbarung gewesen sein, als der Auferstandene den Jüngern den Verstand aufschloss und ihnen in allen Schriften das erklärte, was ihn betraf? —

Lasst uns noch ein wenig mit heiliger Ehrfurcht hineinschauen in die Schriften des Alten Testaments, die alle ihn betreffen, den Christus Gottes! Und lasst uns, wie er es mit den Emmaus-Jüngern tat, anfangen mit Moses!

In 1. Mose 1, 1 lesen wir: “Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.” — Das hebräische Wurzelwort für Anfang bedeutet Haupt. Es ist das Organ, von dem alles Leben, alles Sichentfalten, alle innere und äußere Bewegung ihren Anfang nehmen, wie dies bei der Bildung jedes Embryos sich vollzieht.

Das Haupt des Weltalls ist Christus. In ihm ist ta panta, das All, erschaffen, Himmel und Erde (Kol. 1, 16-20) (siehe auch die Anmerkung zu Vers 16 in der Elberfelder Bibel). Darum ist es auch aus ihm heraus in die Erscheinung getreten und ist für ihn da und bewegt sich zu ihm hin, bis er zuletzt als Haupt über das All es zu einer organischen Einheit zusammenfasst (Eph. 1, 10). Er, das Haupt, muss in allem den Vorrang haben. Darum ist er der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte (Offb. 3, 14; 21, 6; 22, 13).

Könnte am Anfang der Schrift ein anderes Wort stehen, als das Wort Anfang oder Haupt? — Und zwar nicht in zeitlich-räumlichem Sinne, sondern in göttlich-wesenhafter Bedeutung: Anfang als Person, nicht als Sache. Christus, der Anfang der Offenbarung Gottes: “Du bist mein Sohn! Heute habe ich dich gezeugt.” — Müssten wir uns nicht vielmehr wundern, wenn die Schrift, die von ihm zeugt, mit einem Anderen oder etwas Anderem beginnen würde, als mit ihm? — Als Er, der wesenhafte Anfang, anfing, seinen Jüngern die Schriften zu öffnen, anfangend von Mose, da stand er selbst am Anfang und war der Anfang.

In Ihm, dem Anfang, dem Haupt, schuf Gott Himmel und Erde (Kol. 1, 16). Deshalb wird er auch zum Haupt über Himmel und Erde (Eph. 1, 10), und deshalb versöhnte er auch Himmel und Erde bzw. Erde und Himmel (Kol. 1, 20; Hebr. 9, 23).

Sein erstes Schöpferwort heißt: “Es werde Licht” (1. Mose 1, 3). Dieser Vorgang wiederholt sich in jedem Glaubenden (2. Kor. 4, 6), damit die Lichtsherrlichkeit Gottes, die vom Angesichte Jesu Christi, dem Licht der Welt (Joh. 8, 12), dem Vater entgegenstrahlt, auch in uns als Erkenntnis aufstrahle und hinaufleuchte zu Gott, so dass der Mensch, der Anthropos, wirklich ein Hinaufgewandtstrahlender sei.

Weil der Vater Licht ist (1. Joh. 1, 5) und in einem unzugänglichen Lichte wohnt (1. Tim. 6, 16), deshalb ist der eingeborene Sohn, der ihn kundmacht, das Licht der Welt (Joh. 8, 12; vgl. Matth. 4, 16; Jes. 9, 2; 42, 6; 49, 6; Joh. 9, 5; 12, 35.36.46; 1, 4.5.9; siehe auch 1. Thess. 5, 5; 1. Joh. 1, 7; 2, 10).

Und weil das Erste, was offenbar wurde, Licht war, deshalb wird auch am Ende alles Licht sein, ja, er selbst wird das Licht der neuen Erde und des himmlischen Jerusalems sein (Offb. 21, 23; 22, 5).

Christus, das Licht der Welt, scheint in der Finsternis, aber die Finsternis erfasst es nicht (Joh. 1, 4). Das wird aber den Söhnen der Finsternis zum Gericht (Joh. 3, 19-21). Die Söhne des Lichtes und des Tages (1. Thess. 5, 5) können mit der Finsternis nichts gemein haben, sondern werden von ihr geschieden und abgesondert (2. Kor. 6, 14-18). Darum lehnte er, das Licht der Welt, bei der Versuchung in der Wüste auch Satan, den Fürsten der Finsternis, ab mit den Worten: “Hebe dich weg von mir, Satan!” oder: “Gehe hinweg, Satan!” (Matth. 4, 10).

Wir sind errettet aus der Gewalt der Finsternis (Kol. 1, 13; 1. Petr. 2, 9) und haben keine Gemeinschaft mit ihr (Eph. 5, 8-14; Joh. 12, 36; 1. Thess. 5, 4). Nichts ist verderblicher für unser inneres Wachstum und verdunkelnder für unser Zeugnis, als die Vermischung mit der Welt, denn die Söhne dieser Welt sind klüger, als die Söhne des Lichts (Luk. 16, 8), weil sie sich in der Finsternis und ihren dunklen Machwerken und Geschäften besser auskennen, als die Gläubigen. Durch die Gemeinschaft mit den Söhnen des Ungehorsams wird unser Glaubensgehorsam nicht gefördert, sondern gehemmt und untergraben. Deshalb haben wir uns von ihnen zu scheiden, so wie der Sohn sich der Welt und den Scheinfrommen nicht anvertraute und seine Jünger absonderte (Joh. 2, 24.25; Mark. 4, 34; Matth. 20, 17-19), wie es auch Paulus mit der Erstlingsgemeinde tat (Apg. 19, 9; 2. Kor. 6, 17; 2. Tim. 3, 5; siehe auch den Abschnitt 2. Kor. 6, 14-18), deren Zeugnis gerade durch die Reinheit so geistesmächtig war, dass sich von den übrigen niemand ihnen anzuschließen wagte (Apg. 5, 13). Und wie am Ende dieses Äons die Finsterlinge in die äußerste Finsternis hinausgestoßen werden (Matth. 8, 12; 22, 13; 25, 30), so wurden am Anfang dieser Weltzeit schon die Engel, die sündigten, Ketten der Finsternis überliefert (2. Petr. 2, 4; Jud. 6). Gott ist Licht, und gar keine Finsternis ist in ihm (1. Joh. 1, 5), und der Sohn ist das Licht der Welt, und darum scheidet Gott das Licht von der Finsternis (1. Mose 1, 4.5).

Und dann macht Gott eine Ausdehnung zwischen den Wassern und scheidet die Wasser von den Wassern (1. Mose 1, 6-8).

Auch hierüber können im Rahmen dieser Arbeit nur kurze Hinweise gegeben werden. Zu Wasser vgl. man zunächst einmal Offb. 17, 15; 19, 6; Jes. 17, 12.13; Luk. 21, 25; Offb. 20, 7-9; Dan. 7,2; Offb. 7, 1; 9, 13-15; Jak. 1, 6; Jud. 13. Da ist der einzelne Zweifler und Gottlose wie eine wilde Meereswoge und die Maße der Ungläubigen und Gottlosen wie das unruhige Meer. Nach dem Weltgericht (Offb. 20, 11-15), wenn die Gottlosen in den Feuersee geworfen sind, ist daher das Meer nicht mehr, (Offb. 21, 1). Diese Menschen sind seelische, natürliche Menschen, die den Geist nicht haben (Jud. 19). Gott aber scheidet auch heute noch durch sein Wort Seele und Geist, Psyche und Pneuma (Hebr. 4, 12.13). So sind auch Menschen und Engel geschieden, damit sie sich nicht gottwidrig mischen, wie in 1. Mose 6, 1-4, wie es auch bei der Wiederkunft des Herrn sein wird (Matth. 24, 37; Luk. 17, 26; 1. Tim. 4, 1-3); denn die Menschen sind lebendige Seelen (1. Mose 1, 30; 2, 7; 1. Kor. 15, 45), während die Engel dienstbare Geister sind (Hebr. 1, 14). Sie müssen unvermischt bleiben und werden daher geschieden, wie in uns Seele und Geist geschieden werden (Hebr. 4, 12). Die Seele gleicht dem See, dem Wasser, das vom Winde hin und her bewegt wird. Engel und Geister aber sind Winde (Hebr. 1, 4), die das Wasser draußen und auch das unserer Seele erregen (Joh. 5, 4; Offb. 16, 5), wenn ihnen der Herr nicht gebietet, stille zu sein (Luk. 8, 22-25; Matth. 8, 23-27; Mark. 4, 37-41; Ps. 107, 29). (Vgl. dazu die Gottlosen 2. Petr. 2, 17).

Er aber gebietet Wind und Meer und scheidet Seele und Geist und ebenso Seelen und Geister. Die unteren Wasser müssen geschieden bleiben von den oberen. Zwischen beiden ist eine große Ausdehnung, die er geboten hat durch sein Wort.

Noch größer aber ist die Ausdehnung zwischen den unteren Wassern (Offb. 12, 15) und dem Wasser des Lebens, dem Christus selbst (Joh. 4, 10-14; Offb. 7, 17; 21, 6; 22, 1.17; Joh. 7, 37-39). Vergleiche auch Psalm 23, 2, wo im Grundtext steht: “Wassern der Wiederbringung”!

Gott sei Lob und Dank und Ehre und Anbetung, dass er die salzigen und die süßen Wasser geschieden hat (Jak. 3, 12), die unreinen Wasser der Geschöpfe von dem kristallklaren Lebenswasser des Christus, der selbst das Wasser des Lebens ist!

Am dritten Tage der Schöpfung gebietet Gott nochmals den Wassern, und zwar den unteren Wassern, dass sie sich an einen Ort sammeln und so das Land freigeben, dass es trocken werden kann (1. Mose 1, 9-13).

So wird auch in uns das Seelische an seinen Platz gestellt, und das Geistliche, der Glaube, kommt zum Durchbruch. Mit unserer inneren Erleuchtung fing es an (2. Kor. 4, 6), mit der Scheidung von Seele und Geist ging es weiter, und nun erst kann es als dritte Stufe bei uns Geistesfrucht geben. Deshalb ist die Zahl 3 nicht nur die Zahl des Geistes, sondern im Natürlichen auch die Zahl der Frucht. Die Frucht des Geistes aber ist 3 mal 3 = 9 (vgl. Gal. 5, 22).

Hier, am dritten Tag der Schöpfung, steht auch dreimal das Wort Frucht.

Wie Joseph, jenes Abbild des Weges Christi “durch Leiden zur Herrlichkeit”, der Nasiräer unter seinen Brüdern, in 1. Mose 49, 22 Sohn eines Fruchtbaums am Quell genannt wird, so ist Christus, der wahre Fruchtträger, wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes (Hohelied 2, 3.4) Seine Frucht ist unserem Gaumen süß, und sein Panier über uns ist die Liebe.

Von Christus, dem wahren Fruchtbaum am Quell, lasen wir ja schon Jes. 53, 11: “Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen.” Er hört nicht auf, Frucht zu tragen (Jer. 17, 5-10). Christus ist der eine glückselige Mann, der nie wandelte im Rate der Gottlosen, und nie stand auf dem Wege der Sünder, und nie saß auf dem Sitze der Spötter, sondern seine Lust daran hatte, den Willen des Vaters zu tun. Darum ist er auch der Baum, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und alles, was er tut, gelingt wohl (Ps. 1, 1-3). Er wusste, dass er nur nach Mühsal der Seele Frucht sehen könne, und war bereit, als Weizenkorn in die Erde zu fallen, um viele Frucht zu bringen (Joh. 12, 24). Und nachdem er uns von der Gewalt des Scheols und des Todes befreite, bringt er Frucht unter den Brüdern (Hos. 13, 15) und kann jedem der Brüder sagen: “Aus mir wird deine Frucht gefunden” (Hos. 14, 8). Wer in ihm bleibt, bringt viel Frucht (Joh. 15, 1-16) und an der Frucht wird der Baum erkannt (Matth. 3, 10; 7, 16-20; Luk. 6, 44).

Gott, der da sprach: “Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut, das Samen hervorbringe, Fruchtbäume, die Frucht tragen nach ihrer Art, in welcher ihr Same sei auf der Erde” (1. Mose 1, 11), sah alsbald, dass die Erde dies alles hervorbrachte (1. Mose 1, 12). So wartet er auch heute noch als Ackersmann auf die köstliche Frucht der Erde (Jak. 5, 7), und die Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe sind die Geistgezeugten (Joh. 1, 18). Nachdem das Weizenkorn in die Erde sank und Frucht brachte, erwartet der Vater nun auch viel Frucht. Nunmehr sollen wir, in denen sein Same bleibt (1. Joh. 3, 9; 1. Petr. 1, 23), weiterhin auf Erden Frucht bringen (Mark. 4, 28), und zwar Gott (Röm. 7, 4), nicht dem Tode (Röm. 7, 5), wie ehemals (Röm. 6, 21). Er erwartet nun von uns die Frucht des Geistes (Gal. 5, 22), die Frucht des Lichtes (Eph. 5, 9), die Frucht der Gerechtigkeit (Phil. 1, 11; Joh. 3, 18; Hebr. 12, 11) und die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (Hebr. 13, 15).

Unsere Lippen aber bekennen: “Du bist der Fruchtbaum unter den Söhnen! Aus dir wird unsere Frucht gefunden! Außerhalb von dir können wir nichts tun! Wir sind die Frucht der Mühsal deiner Seele! Und deine Frucht bleibt in Ewigkeit!”

Am vierten Tage der Schöpfung ordnete Gott das System des Kosmos und brachte die großen und kleinen Lichter in ihre wirksame Konstellation zur Erde (1. Mose 1, 14-19).

Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit, die aufgeht mit Heilung unter ihren Flügeln (Mal. 4, 2; Luther: 3, 20). Ja, vor Damaskus strahlte er dem Paulus heller als die Sonne (Apg. 26, 13).Siehe auch Matth. 17, 2; Offb. 1, 16. So werden auch einmal die Gerechten leuchten (Matth. 13, 43).

Das kleine Licht aber, das die Nacht regiert, der Mond, ist ein Bild des Herrschers der Finsternis, der auch, wie der Mond, kein eigenes Licht hat und dessen Weg durch die Welt eine Schlangenlinie ist, gleichwie die Bahn des Mondes am Himmel in einer Schlangenlinie verläuft. Aber das Sonnenweib in Offb. 12, 1 hat den Mond unter den Füssen. In Offb. 12, 9-13 wird der große Drache, die alte Schlange, welche Teufel und Satan genannt wird, aus dem Himmel geworfen. Vgl. zu “Mond unter den Füssen” auch Röm. 16, 20.

Ja, die Himmel erzählen die Herrlichkeit (Ehre) Gottes, und die Ausdehnung (Feste) verkündet seiner Hände Werk (Ps. 19, 1).

Am vierten und fünften Tage der Schöpfung ließ Gott das Gewimmel lebendiger Wesen im Meer entstehen, das Gevögel des Himmels sowie Vieh, Gewürm und Getier der Erde (1. Mose 1, 20-25).

Sollten wir auch in ihnen sein Bild finden?

Ist nicht Satan der brüllende Löwe (1. Petr. 5, 8)? Musste nicht deshalb der Christus als der Löwe aus Juda überwinden (Offb. 5, 5)?

Musste nicht Christus, weil er der Schlange den Kopf zertreten sollte, selbst zur Sünde gemacht und als Schlange erhöht werden (2. Kor. 5, 21; Joh. 3, 14)?

Gibt es nicht ein Lamm, das redet wie ein Drache? (Offb. 13, 11). Was es an Verderben anrichtet, kann nur von einem reinen Lamm wieder gutgemacht werden, dem Lamm Gottes, das still leidet wie ein Schaf vor seinem Scherer und sein Blut und Leben gibt zur Rettung vieler (1. Petr. 1, 18-20; 2. Mose 12, 5; Joh. 1, 29.36; Offb. 5, 6.8.12.13). Allein in der Offenbarung gibt es 27 Stellen mit “Lamm”.

Wer ist der arbeitende Stier, der von der Arbeit und Mühsal seiner Seele Frucht sieht, nachdem er den Angriff der Stiere Basans (Ps. 22, 12) in Gethsemane in der Stunde der Gewalt der Finsternis erduldet hatte?

Und spricht nicht der gleiche Christus, der in Ps. 22, 1 (Luther: Vers 2) ausruft: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”, wenige Verse später in PS. 22, 6 (Luther: Vers 7): “Ich aber bin ein Wurm und kein Mann, der Menschen Hohn und der vom Volke Verachtete”?

Und sagt nicht der gleiche Christus, dessen Geist brütend über den Wassern der Schöpfung schwebte: “Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel?” (Matth. 23, 37).

Und stieg nicht auf ihn, den Christus Gottes, für den seine Eltern ein Paar junge Tauben opferten (Luk. 2, 24), der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube herab? (Luk. 3, 21.22).

Löwe, Schlange, Stier, Lamm, Wurm, Henne, Taube - alles Abbilder des Christus, alles Vorbilder bestimmter Tätigkeiten, die er ausübte, und besondere Wesenszüge, die er darstellte.

Salomo, der König mit der gottgeschenkten Weisheit, redete von all diesen Dingen (1. Kön. 4, 29-34), aber Christus stellte alles wesenhaft dar. Und wenn schon von Salomo die Königin von Scheba (Saba) bekannte: “Nicht die Hälfte hat man mir gesagt!” (1. Kön. 10, 1-9), wievielmehr wird dies einmal von dem Christus Gottes, den er auf seinem heiligen Berge zum König über das All salbte, gesagt werden! Denn in ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis, und ihn hat Gott uns zur Weisheit gemacht.

Und wenn schon die Schöpfung der Pflanzen, des Weizens, des Grases, des Apfelbaums und des Weinstocks, und die Erschaffung der Tiere von ihm redet und zeugt und ihn abschattet, wievielmehr der Mensch, von dem es in 1. Mose 1, 26-28 heißt: “Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis!”

Bezeugt es nicht Röm. 5, 14, dass Adam ein Bild des Zukünftigen war? — Und bezeugt nicht 1. Kor. 15, 45-49, dass der erste Adam nur ein Erschaffener war, eine lebendige Seele, der letzte Adam aber, der Christus, ein lebendigmachender Geist?

So redet und zeugt alles im ersten Kapitel der Schrift von ihm, anfangend vom Haupte, in dem Gott alles erschuf, bis hin zum vollen Menschen, in dem er sein Bild vorstellt.

Es dürfte aus diesen kurzen Hinweisen ersichtlich sein, dass kein Mensch die Fülle dessen beschreiben kann, aus dem das All hervorkam und in dem es auch aufgehauptet wird. Der unausforschliche Reichtum des Christus geht über alles weit hinaus, was je in eines Menschen Herz kam. In diese Fülle kann nur der Geist selbst hineinführen, und der Mensch des Glaubens steht schweigend und staunend still und betet an im Geist und in der Wahrheit.

Und welch eine gewaltige Zuvorverheißung, welch ein über die Maßen herrliches Voraus-Evangelium liegt allein schon in diesem Schöpfungskapitel 1. Mose 1!

Sind nicht alle, die ihren Platz in Christus, dem Haupte, eingenommen haben, eine neue Schöpfung (Luther: Kreatur), (2. Kor. 5, 17), für die kein Verdammungsurteil mehr gilt (Röm. 8, 1)? — Hat sich nicht der Geist aus dem Himmel zeugend einsgemacht mit unserem Menschengeiste und ist in unseren Leib als Tempel und Wohnung eingezogen? — Das Himmlische und das Irdische sind miteinander versöhnt in einem Leibe durch die Neuschöpfung. Ja, fürwahr, das Wort aus 1. Mose 1, 4 erfüllt sich an jedem, der da glaubt.

Gehen wir von 2. Kor. 5, 17 wenige Verse zurück nach 2. Kor. 4, 6, so finden wir, dass die Neuschöpfung weiterhin parallel verläuft zu der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1: “Der Gott, der aus der Finsternis Licht leuchten hieß, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi.” Und nach 2. Kor. 4, 4 kommt dieser Lichtglanz aus dem Evangelium der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist.” Adam war auch erschaffen im Bilde Gottes; aber dies Bild wurde durch den Fall geschändet und verdeckt. Und dennoch war er ein Bild des Zukünftigen, des Christus. In Christo aber, dem Strahlbild der Herrlichkeit Gottes, erglänzte dieses Bild in solch ungetrübter Reinheit und Klarheit, dass er sagen konnte: “Wer mich sieht, der sieht den Vater.”

Auf dem Berg der Verklärung brach diese Lichtsherrlichkeit des Wesens Gottes für kurze Zeit einmal ganz offenbarlich durch, so dass die drei Jünger, die mit ihm auf dem heiligen Berge waren, von dieser prachtvollen Herrlichkeit geblendet wurden. Es ist die gleiche Wesensherrlichkeit, zu der auch wir bestimmt, denn wenn es offenbar werden wird, was wir sein werden, werden wir ihm gleich sein (1. Joh. 3, 2). Zu dieser Gleichheit seines Ebenbildes hat er uns zuvorbestimmt (Röm. 8, 29.30).

Diese Zuvorbestimmung ist aber auch zuvorverheißen in dem Wort: “Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei!”

So geht bei der Neuschöpfung in uns alles aus dem Haupte, dem Christus, hervor, wird weitergeführt durch die Erleuchtung mit dem Lichtglanz des Evangeliums, wird fortgeführt in der Scheidung zwischen Lichts- und Finsterniswesen in uns, wird hingeführt zum Fruchttragen, dann unter Zucht gestellt, wobei Christus als die Lebenssonne unseren Lichts- und Tageswandel regiert, während Satan, das kleine Licht, das die Nacht regiert, das Fleischeswesen und die dunkle Seite im Dasein der Gemeinde unter Zucht nehmen darf nach dem Willen Gottes und Christi Jesu (vgl. 1. Kor. 5, 1-5; 1. Tim. 1, 20). Dazu leuchten als Sterne die Zeugen, die uns vorangingen und uns nun umlagern (Hebr. 11, 39.40; 12, 1.22-24; Dan. 12, 3; 1. Kor. 15, 40.41), damit wir ihren Glauben, ihren Wandel und ihr Ende anschauen. Von ihnen aber geht unser Blick hin auf das Sehnen und Seufzen der gesamten Kreatur, die durch die Offenbarung der Söhne Gottes zur gleichen Freiheit der Herrlichkeit erhoben werden soll. Und zuletzt wird alles umgestaltet in sein Bild, in das Bild Gottes, damit Gott sei alles in allem.

So liegt schon in dem ersten Kapitel der Schrift der gesamte Heilsweg eingebettet und vorgebildet, wie im Keimling des Samens die künftige Pflanze.

Das Evangelium Gottes zuvorverheißen! Niedergelegt in heiligen Schriften durch seine Propheten! Anfangend mit Mose!

Wer könnte das alles völlig entfalten, außer dem Christus selbst und seinem Geiste? — (Vgl. 1. Kor. 2, 9-15).

Lasst uns daher um immer tiefere Erfüllung mit dem Geiste bitten (Eph. 5, 18), ohne den kein Wort der Weissagung hervorgebracht wurde! Vgl. 2. Petr. 1, 19-21.

Und nun noch wenige Beispiele aus den vielen Hunderten von Kapiteln des Alten Testamentes!

In 1. Mose 2, 21-25 wird uns die Einheit von Mann und Weib vorgestellt. Das Wesen, von dem dieses Vorbild zeugt, finden wir in Eph. 5, 31.32. — Auch dies ist Voraus-Evangelium tiefster und höchster Art.

Auf die Voraus-Verheißung des Schlangentreters in 1. Mose 3, 15 wurde bereits hingewiesen.

Auch das Bild Noahs und seiner Zeit (1. Mose 6) wird bei der Wiederkunft Christi nochmals erscheinen (Matth. 24, 37; Luk. 17, 26.27). Ebenso die Ereignisse aus dem Leben Lots (1. Mose 19; Luk. 17, 28-32).

Über das Leben Abrahams, Isaaks, Jakobs und Josephs wurde schon weiter oben kurz gesprochen. Ihre Geschichte nimmt den größten Teil des 1. Buches Mose ein.

In 2. Mose 12, 5.43-49 (siehe auch das ganze Kapitel) wird uns von dem Passahmahl und dem Passahlamm berichtet. Vgl. damit 1. Kor. 5, 6-8 u. a. Auch dies ist Voraus-Evangelium.

Dann folgt der Auszug aus Ägypten, ebenfalls ein Vorbild auf den Christus, von dem wir in Matth. 2, 15 lesen: “Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.”

So erlebte das Volk sein Passah (= Verschonung, freier Durchzug), nachdem das Blut an die Pfosten gestrichen war. Ist es bei uns anders? Nachdem das Blut des Christus an die Pfosten des Kreuzes gestrichen war, konnten wir als Verschonte frei ausgehen. “Wir haben die Freilösung durch sein Blut.”

Von der Wüstenreise, die dann folgt, bestätigt uns 1. Kor. 10, 1-11 ausdrücklich, dass alle diese Dinge die jenen widerfuhren, Vorbilder sind, die zu unserer Ermahnung dienen.

Welch eine Reihe von Stationen der vierzig Jahre dauernden Wüstenreise! Welch eine große Zahl von Vorbildern für uns! Wieviele Abbilder der Führungen, die Christus geistlicherweise seiner Gemeinde angedeihen lässt! Alle zusammen eine ganze Bilderserie von Voraus-Evangelium!

Der Fels, aus dem sie tranken, war der Christus (1. Kor. 10, 4). Er hatte zugesagt, ihnen Wasser geben zu wollen in der Wüste. Wer hätte das sonst vermocht, außer ihm, dem Lebendigen, der da vermag, alle Dinge sich zu unterwerfen und das ganze All zu verwandeln? —

Das Brot vom Himmel, das Gott ihnen durch Moses gab, war Abbild des wesenhaften Brotes Gottes, des Christus, in dem Gott der Welt das Leben gab (Joh. 6, 31-33.48-51).

Von 2 Mose 25 bis 2. Mose 31 und in den Kapiteln 36-40 wird uns der Bau der Stiftshütte berichtet mit all den Einzelheiten ihrer Einrichtung, sowie dem Dienst des Hohenpriesters, den Opfern und der Amtskleidung Aarons und seiner Söhne. In Hebr. 8, 1-5 wird uns gesagt, dass der Dienst im irdischen Heiligtum nur ein Abbild des Dienstes im wesenhaften Heiligtum, der wahrhaftigen Hütte droben ist. Siehe auch Hebr. 9, 1 ff. Da wird das weltliche Heiligtum dem überweltlichen gegenübergestellt, von dem es nur ein Schattenbild ist. Nach Vers 8 ist es der Heilige Geist, der hierdurch die wesenhaften Dinge anzeigen will. Beachte auch Vers 23, der alle Dinge und Vorgänge im irdischen Heiligtum als Abbilder der Dinge in den Himmeln bezeichnet. Hebr. 10, 1 nennt das ganze Gesetz einen Schatten himmlischer Güter. Vgl. hierzu Kol. 2, 16.17, wo Speise und Trank, Feste, Neumonde und Sabbathe Schatten der zukünftigen Dinge genannt werden, die in Christo wesenhaft verkörpert sind. —

Welch ein Voraus-Evangelium!

Hierher gehört auch Röm. 3, 25, das uns den wahren Gnadenstuhl, den wesenhaften Sühnedeckel zeigt, von dem der Sühnedeckel auf der Lade der Stiftshütte nur ein schwacher Schatten war.

Ebenso ist die Kleidung des Hohenpriesters in allen Teilen ein wunderbares Vorbild der Tätigkeit des großen Hohenpriesters Christus. Wenn schon im irdischen Heiligtum der Hohepriester die Namen der zwölf Stämme Israels in Edelsteine geschnitten und in Gold eingefasst auf dem Herzen ins Allerheiligste hineintrug in die Gegenwart Gottes, wievielmehr tut dies der Christus mit den Namen der Seinen! Die Summe oder der Hauptpunkt der gesamten Darstellung des Hebräer-Briefes ist ja gerade dies: “Wir haben einen solchen Hohenpriester!” (Hebr. 8, 1).

Wenn uns dann im 3. Buch Mose die Opfergesetze überliefert werden, so sagt uns Hebr. 9, 6-14, dass das Blut des Christus erst das wahre, das wesenhafte Opfer ist. Vgl. auch die Verse 18-28.

3. Christus, die Erfüllung aller Zuvorverheißungen

Er ist die Erfüllung aller Zuvorverheißungen und Vorbilder des Alten Testamentes. In Tausenden von Schriftworten wird sein Weg im voraus angekündigt und durch seinen Geist festgelegt, und in ebenfalls Tausenden von Vorbildern wird sein Wesen, sein Werk und sein Weg zuvor dargestellt. Diesem allem durch die heiligen Schriften des Alten Testamentes im einzelnen nachzugehen und damit die im Neuen Testament berichtete Erfüllung zu vergleichen, bereitet dem gläubigen Herzen unendliches Wohlgefallen und heilige Wonne und vermittelt ihm tiefste Segnungen.

Gerade auf diesem Hintergrund der Schattenbilder erreicht das Lichtbild des Christus im Neuen Testament erst seine volle Plastik und erhabene Deutlichkeit und Klarheit.

Kein einzelner Gläubiger vermag die Summe aller Weissagungen und Vorbilder des Alten Testamentes völlig auszuschöpfen. Es bedarf dazu der vollen Hingabe an den, der durch seinen Heiligen Geist diese Schriften gab und auch heute noch erschließt, wie er es einst den Emmausjüngern tat. Und es bedarf dazu weiter der Liebe zu allen Heiligen. Denn erst nachdem diese vorhanden ist, erbittet der Christus als Haupt seines Leibes vom Vater für uns den Geist der Weisheit und Hüllenhinwegnahme (Eph. 1, 15-20). Völlig zu erfassen vermögen wir seine Liebe ja nur mit allen Heiligen (Eph. 3, 17.18). Darum gibt es auch völlige Freude nur in der Gemeinschaft mit allen Heiligen (1. Joh. 1, 3.4). Denn die Gemeinde ist ja die Herauswahl, die Herausgerufene des lebendigen Gottes, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit, des Wesenhaften (1. Tim. 3, 15).

So lasst uns denn mit überströmender Liebe die Christuszeugnisse des Alten Testamentes durchforschen in der Gemeinschaft mit allen Heiligen! Wir werden ein volles Leben dazu brauchen. Aber Ströme lebendigen Wassers werden von unserem Leibe fließen, wenn wir so an ihn glauben, wie die Schrift (und das ist ja bei seinen Lebzeiten die Schrift des Alten Testamentes gewesen) von ihm gesagt hat (Joh. 7, 38).

Alle vorstehend genannten Hinweise auf die Zuvorverheißung des Evangeliums sind nur ein geringer Bruchteil der Gesamtweissagung des Alten Testamentes, jener heiligen Schriften, die von Christus als dem Inhalt und Gegenstand der Freudenbotschaft Gottes zeugen.

Wenn er selbst einmal in der Herrlichkeit uns alles unverhüllt schauen lässt, was ihn betrifft, so werden wir verstehen, was Johannes im letzten Vers seines Evangeliums sagen will mit den Worten:

“Wenn alles einzeln niedergeschrieben würde, so würde die Welt (der Kosmos) die geschriebenen Bücher nicht fassen.”

(Quelle: Schrift; “Christlicher Verlag” Karlsruhe 1949; heute: Paulus-Verlag; Heilbronn)

— Herzlichen Dank an David Grebasch für die Bereitstellung dieses Artikels! —

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