Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Dinge, die zuvorbestimmt waren, wieder hinweggetan zu werden

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte  |  304 x gelesen

“Gott hat uns tauglich gemacht zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn aber der Dienst des Todes, mit Buchstaben, in Steine eingemeißelt, in Herrlichkeit begann, so dass die Söhne Israels nicht unverwandt in das Angesicht des Moses schauen konnten, um der Herrlichkeit seines Angesichts willen, die hinweggetan werden sollte, wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit bestehen? Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit ist, so ist vielmehr der Dienst der Gerechtigkeit überströmend in Herrlichkeit. Denn auch das, was verherrlicht war, ist in dieser Einzelheit nicht verherrlicht, der überschwenglichen Herrlichkeit wegen. Denn wenn das, was hinweggetan werden sollte, mit Herrlichkeit eingeführt wurde, wievielmehr wird das Bleibende in Herrlichkeit bestehen!” (2. Kor. 3, 6-11)

“Wenn nun die Vollkommenheit durch das levitische Priestertum wäre (denn in Verbindung mit demselben hat das Volk das Gesetz empfangen), welches Bedürfnis war noch vorhanden, dass ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstünde, und nicht nach der Ordnung Aarons? Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendigerweise auch eine Änderung des Gesetzes statt.” (Hebr. 7, 11.12)

“Denn da ist eine Abschaffung des vorhergehenden Gebotes seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen, denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht.” (Hebr. 7, 18)

“Indem er sagt ‘einen neuen’, hat er den ersten alt gemacht; was aber alt wird und veraltet, ist dem Verschwinden nahe.” (Hebr. 8, 13)

“Er nimmt das Erste weg, auf dass er das Zweite aufrichte.” (Hebr. 10, 9b)

Der Dienst des Gesetzes, in Steine eingegraben, war von Gott von vornherein dazu bestimmt, wieder hinweggetan zu werden.

Das Gesetz kann ja nichts zur Vollendung bringen. Es fordert Leistungen von dem Menschen, die das Fleisch nie vollbringen kann (Röm. 8, 3).

Wer aber nicht bleibt in allem, was das Gesetz fordert, ist verflucht (Gal. 3, 10). So wirkte sich das Gesetz als Fluch für uns aus (Gal. 3, 13). Es brachte uns unter ein Verdammungsurteil und wird daher ein Dienst des Todes und der Verdammnis genannt.

Ziel und Ende der Wege Gottes sind aber nicht Tod und Verdammnis, sondern Leben und Heil (Joh. 12, 49.50). Darum ist Christus des Gesetzes Ende, aber des Lebens Anfang. Das Gesetz aber sollte nach Erfüllung seines Zweckes, nachdem es die Sünde überströmend gemacht und Erkenntnis der Sünde gewirkt und ein Zuchtmeister auf Christum hin geworden war, wieder hinweggetan werden.

Ehe das Gesetz kam und mit ihm das levitische Priestertum, wurde Abraham von Melchisedek gesegnet, der als Priesterkönig größer war denn Abraham (Hebr. 7, 1-10). Sein Hohepriestertum ist ungleich größer als das Levis bzw. Aarons.

Gott hatte von vornherein die Absicht, das levitische Priestertum wieder abzuschaffen und ein besseres einzuführen nach der Weise Melchisedeks (Hebr. 7, 11-28; 8, 7-13).

Das Gesetz ist nur ein Zwischenakt zwischen Verheißung und Evangelium. Das Evangelium ist die gradlinige Fortführung der Verheißungen. Paulus verkündigt auf seiner ersten Missionsreise in Antiochien in Pisidien: “Und wir verkündigen euch als Evangelium die zu den Vätern geschehene Verheißung” (Apg. 13, 32). Das Gesetz ist aber nur zwischenhineingekommen (paraiserchomai) (Röm. 5, 20 — vergl. Gal. 3, 19; Apg. 7, 53; Hebr. 2, 2). Es sollte seinen Dienst als Zuchtmeister (griechisch: paidagogos = Knabenführer) auf Christus hin tun (Gal. 3, 23-26).

Solange dieser Schattendienst, der nicht wirkliche Sühnung tun konnte und die Herzunahenden nicht vollkommen zu machen vermochte, noch bestand, war der neue und lebendige Weg ins Allerheiligste noch nicht geoffenbart (Hebr. 9 und 10). Vergl. bes. 9, 8-10 mit 10, 1.2 und 10, 19).

Christus nimmt das Erste weg, auf dass er das Zweite aufrichte (Hebr. 10, 9). Dies tut er ausdrücklich deshalb, um den Willen Gottes zu tun!

Obwohl es also von jeher, d. h. von vor Grundlegung der Welt an, im Willen Gottes feststand, dass Gesetz und levitisches Priestertum nicht bleiben sollten, führte er das, was wieder hinweggetan werden sollte, mit Herrlichkeit ein; und er nennt das, was wieder hinweggetan werden sollte und ausdrücklich als nur “zwischenhineingekommen” bezeichnet wird, ein “ewiges” Priestertum und das damit verbundene Gesetz einen “ewigen” Bund.

Das, was auf die beiden Tafeln des Gesetzes in Steine eingegraben war, war nicht das Zeremonialgesetz, d. h. die äußeren Ordnungen und Verrichtungen, sondern die zehn Gebote einschließlich des Sabbaths! Und diesen Dienst, der für das Fleisch unerfüllbar war, sondern es nur verurteilen konnte, nennt Paulus einen Dienst des Todes und der Verdammnis! Und dieser Dienst sollte hinweggetan werden, und zwar nach dem Willen Gottes von jeher!

Von den vielen Stellen, an denen das Alte Testament von einem ewigen Bunde oder einer ewigen Satzung redet in Verbindung mit dem Priestertum Aarons, seien nur wenige hier zum Zeugnis angeführt.

In 2. Mose 29, 9 lesen wir: “… und umgürte sie mit dem Gürtel, Aaron und seine Söhne, und binde ihnen die hohen Mützen um; und das Priestertum sei ihnen zu einer ewigen Satzung.”

2. Mose 40, 15 sagt: “Und du sollst sie salben, so wie du ihren Vater gesalbt hast, dass sie mir den Priesterdienst ausüben. Und ihre Salbung soll geschehen, um ihnen zu einem ewigen Priestertum zu sein bei ihren Geschlechtern.”

In 4. Mose 25, 12.13 sagt der Herr: “Darum sprich: Siehe, ich gebe ihnen meinen Bund des Friedens; und er wird ihm und seinem Samen nach ihm ein Bund ewigen Priestertums sein.”

Als der Herr dem Mose die beiden Tafeln des Gesetzes gab (2. Mose 31, 18), redete er vorher ausdrücklich mit ihm über das Gebot der Heiligung des Sabbaths und sagte: “Und die Kinder Israel sollen den Sabbath beobachten, um den Sabbath zu feiern bei ihren Geschlechtern: ein ewiger Bund” (2. Mose 31, 16).

An jedem Sabbath sollten zwölf neue Schaubrote in zwei Schichten auf den reinen Tisch vor Jehova gelegt werden. “Sabbathtag für Sabbathtag soll er (Aaron) es beständig zurichten vor Jehova; ein ewiger Bund von seiten der Kinder Israel” (3. Mose 24, 8).

Eine ganze Anzahl weiterer Vorschriften des Gesetzes werden eine ewige Satzung genannt, so 3. Mose 16, 29; 16, 34; 17, 7; 16, 31; 4. Mose 15, 15; 19, 10; 19, 21 u. a.

Ein ewiges Priestertum! Ein ewiger Gesetzes-Bund! Ewige Satzungen!

Und alle diese ewigen Dinge waren von Gott selbst von vornherein dazu bestimmt, wieder hinweggetan zu werden! Er nimmt das Erste weg, auf dass er das Zweite aufrichte (Hebr. 10, 9).

Wenn Gott etwas, das nur für eine ganz bestimmte Zeit Dienst tun sollte, um dann wieder hinweggetan zu werden, “ewig” (bzw. äonisch) nennt, so ist der Sinn des Wortes “äonisch” oder “ewig” von Gott selbst gebraucht in der Bedeutung: “Gültig für die Zeit, für die es bestimmt ist.”

Einer der besten Kenner des hebräischen Textes, Prof. König in Bonn, gab daher die Bedeutung des Wortes “Ewig” mit den gleichen Worten wieder: “für die Zeit gültig, für die es bestimmt ist.”

Den gleichen Sinn gibt Prof. Deißmann, der allgemein und unbestritten als eine Autorität auf dem Gebiete des griechischen Grundtextes gilt, für “aion” bzw. “olam” an.

Weitere Zeugnisse über die Bedeutung von “ewig” (= äonisch) folgen weiter unten.

Die Sachlage ist jedoch auch ohne Autoritäten völlig klar. Das Gesetz ist nur etwas “Zwischenhineingekommenes” und von vornherein von Gott dazu bestimmt, wieder hinweggetan zu werden. Gott wußte, dass das Gesetz nichts zur Vollendung bringen konnte und hatte die Wiederabschaffung des levitischen Priestertums und des Gesetzes-Bundes und der Satzungen von jeher zuvorbestimmt. Das ganze Gesetz, auf Steine geschrieben, war dazu bestimmt, wieder hinweggetan zu werden. Und dennoch nennt er es “ewig” (äonisch)!

Wenn etwas, das wieder hinweggetan werden soll, äonisch genannt wird, so geht daraus klar hervor, dass der Gesetzgeber diese Bestimmung nicht für endlos und immerwährend gab. Man kann nicht etwas für “immerwährend” und “endlos gültig” geben und dabei zugleich bestimmen, dass es nach etlichen Jahrhunderten wieder abgeschafft und hinweggetan werden soll, und zwar nach dem Worte Gottes selbst seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen (Hebr. 7, 18), seiner Unvollkommenheit wegen (Hebr. 7, 11.12). Den Widerspruch in sich selbst haben Menschen hineingetragen, die ihr menschlich geformtes Dogma retten wollen.

Hätte Gott, als er den Gesetzesbund für “ewig” gab, dieses “ewig” (= äonisch) im Sinne von endlos gemeint, dann könnte es nie heißen: “zwischenhineingekommen”. Wenn Gott bei der Einführung des “ewigen” Priestertums und des “ewigen” Gesetzes-Bundes und der “ewigen” Satzungen dies in dem Sinne von “endlos”, “immerwährend”, “unabänderlich bleibend” getan hätte, dann wäre die Wiederabschaffung des Gesetzes der Beweis dafür, dass Gott seine eigenen Anordnungen, die für endlos gelten sollten, nicht durchzusetzen vermochte und sie ihrer Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen wieder abschaffen mußte. Er hätte dann erst nachträglich eingesehen, dass es auf diesem Wege nicht geht. Eine solche Herabsetzung der Allwissenheit Gottes, der sich aller seiner Werke von jeher bewußt ist, wäre eine Lästerung! Gott braucht nie etwas nachträglich zu ändern, weil er selbst damit Schiffbruch gelitten hätte! Er leidet nie Schiffbruch! Er wußte, wie lange die Zeit sein sollte, für die er etwas bestimmte. Und er nennt diese betreffende Zeit “Äon”, weil er, der die Äonen erschaffen ließ durch den Sohn (Hebr. 1, 2 — Grundtext), nach dem Vorsatz der Äonen alles zuvorbestimmte, was in den einzelnen Äonen oder Zeitaltern geschehen sollte. Und nur in diesem, von Gott selbst bestimmten Sinne, gilt etwas für “äonisch”.

Hätte Gott bei der Einführung des “ewigen” Priestertums Aarons und des “ewigen” Gesetzes-Bundes vom Sinai und der “ewigen” Satzungen und der “ewigen” Herrschaft der Fürsten dieses Äons diese Dinge alle im Sinne von endlos gemeint, dass sie unabänderlich bleiben sollten, dann hätte er auch nie vorher etwas anderes erwählen können, was an ihre Stelle gesetzt werden und für immer bleiben sollte. Nie hätte er dann schon vor Grundlegung der Welt die Gemeinde des Leibes Christi auserwählen und zuvorbestimmen können, in den kommenden Äonen die Herrschaft anstelle der Engel auszuüben (Hebr. 2, 5-10). Vergl. hierzu auch Eph. 2, 7.

Es ist unmöglich, etwas für immer und endlos gültig einzuführen und gleichzeitig zu bestimmen, dass es nur ein Zwischenakt sein soll, der wieder beendet und hinweggetan wird. Das wäre ein sinnloser Widerspruch in sich selbst.

Unter solchen Umständen gäbe es keine Zuvorbestimmung und keinen souveränen und unfehlbaren Gotteswillen. Das Handeln Gottes wäre dann keine freie Berufung aus dem Berufenden, sondern die Berufung der Gemeinde des Leibes Christi wäre dann eine aus dem Versagen Israels zwangsmäßig sich ergebende nachträgliche Notstandsmaßnahme. Gott hätte dann nur nach dem Scheitern seines “Versuchs” mit Israel einen neuen “Versuch” mit den Nationen in die Wege geleitet, um aus den Trümmern der Welt noch zu retten, was an kümmerlichen Resten zu retten ist bzw. sich retten lassen möchte! Da aber auch dieser Versuch genau so daneben gehen könnte, wie der erste, so gäbe es nie mehr eine Heilsgewißheit und keinerlei Garantie, dass die Welt überhaupt jemals zu einem vernünftigen und gottgewollten und seiner würdigen Ziele gebracht würde.

Leider ist diese armselige menschliche Auffassung die Meinung vieler Gläubigen. Sie übertragen ihre eigene Denkweise, die abgeleitet ist aus der Kleinheit und dem Versagen des Geschöpfes, auf den Schöpfer selbst und schreiben dem Unerschaffenen in seinem Handeln die Wesenszüge und Charaktermerkmale des Geschöpfes zu!

Wahrlich, eine hohe Ehre für den Unwandelbaren und Vollkommenen, der von sich bezeugt: “Soviel der Himmel höher ist als die Erde, sind meine Gedanken höher denn eure Gedanken und meine Wege höher denn eure Wege!”

Jede dieser Herrlichkeitsberaubungen ist eine Lästerung dessen, der in seiner Gottes-Majestät ein unzugängliches Licht bewohnt, da niemand hinkommen kann. All dieses der Erhabenheit Gottes unwürdige Reden ist ungeziemend, und wie er darüber urteilt, läßt er die drei Freunde Hiobs verspüren (Hiob 42, 7.8).

Ja, fürwahr: Gott ist kein Ding unmöglich! Ihm ist nichts zu tun verwehrt! Alles, was er will, das tut er auch! Er hat geschworen:

“Zu keinem meiner Worte wird man die Erfüllung vermissen!” Und weiter: “Der ich von Anfang an das Ende verkündige, und von alters her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und all meinen Willen vollführe ich.” Und weiter: “Es wird nichts davon zurückgenommen werden.” Ja, “all meinen Willen mache zur Tat ich.” Und: “Er wirkt alles nach dem Rate seines Willens.” Und: “Er führet das Gericht hinaus zum Siege”, und: “Er führet alles herrlich hinaus.” Und: “Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht.”

Das ist der Gott, der Unwandelbare, der durch den Sohn die Äonen erschuf (Hebr. 1, 2 — Grundtext).

Die Äonen sind also etwas Erschaffenes!

Alles Erschaffene aber hat einen Anfang. Wie kann man da behaupten, es sei endlos? — Etwas Erschaffenes als “ewig” in absolutem Sinne zu bezeichnen, ist eine völlige Sinnwidrigkeit.

Bevor die Äonen erschaffen wurden durch den Sohn, erwählte uns der Vater zu Söhnen für sich selbst und bestimmte seine eigene geheime Gottesweisheit vor den Äonen zu unserer Herrlichkeit (1. Kor. 2, 6-10)!

Die Gemeinde ist voräonisch und besitzt das voräonische Wesen und die voräonische Herrlichkeit Gottes und Christi (vergl. hierzu auch Joh. 17, 5 mit 17, 22.23).

Was kann “äonisch” für einen Sinn haben, wenn es “Voräonisches” gibt? —

Die Äonen haben aber auch ein Ende. In Matth. 24, 3 lesen wir: “Sage uns, wann wird dieses sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und das Ende des Äons!” — Wenn Äon gleich Endlosigkeit wäre, müßten die Negativisten übersetzen: “Was ist das Ende der Endlosigkeit?” — Über diese Sinnlosigkeit dürfte weiter nicht zu streiten sein.

Satan ist der Fürst dieses Kosmos, d. h. der jetzigen Welt, nicht der vorigen und auch nicht der kommenden (vergl. 2. Petr. 3, 5-13). Er ist daher auch in diesem jetzigen bösen Äon (Gal. 1, 4), in dem er die Herrschaft hat, der Gott dieses Äons (2. Kor. 4, 4). Seine Helfer unter der Geisterwelt sind “äonische Fürsten”, die Fürsten dieses Äons. Obwohl sie äonische Fürsten sind, hört ihre Herrschaft auf. Der letzte dieser äonischen Fürsten, der hinweggetan wird, ist der Tod (1. Kor. 15, 24-26). Auf der neuen Erde herrscht in den kommenden Äonen der Mensch (Hebr. 2, 5-10; Eph. 2, 7).

Also, auch die “äonische” Herrschaft der Engel gehört zu den Dingen, die wieder hinweggetan werden, obwohl wir in Dan. 4, 13.17.26 lesen, dass “die Himmel herrschen”.

So, wie es nach dem jetzigen Kosmos den neuen Kosmos geben wird, so gab es vor dem jetzigen Kosmos den damaligen Kosmos, der durch eine Katastrophe unterging. Und ebenso gab es vor dem Jetzigen Äon “die Äonen, die vor uns gewesen sind”. Und nach dem jetzigen Äon folgen “die kommenden Äonen” (vergl. Pred. 1, 10 mit Eph. 2, 7).

Obwohl also die Schrift bezeugt, dass es vor dem jetzigen Äon eine Mehrzahl von Äonen gab und dass es ebenso nach dem jetzigen Äon eine Mehrzahl von Äonen geben wird, behaupten gewisse Dogmatiker, dass es nur den jetzigen Äon gäbe und einen kommenden. Sie wissen es besser als die Schrift! Und dabei behaupten sie noch, Äon bedeute “Endlosigkeit”. Dann müßte es ja so sein, wie wir schon oben sagten: “Was ist das Ende dieser Endlosigkeit?” — Denn wenn Äon gleich Endlosigkeit ist, gibt es überhaupt nur eine Endlosigkeit. Dann könnte es nicht heißen: “Weder in dieser Endlosigkeit noch in der kommenden!” Denn so müßte man dann ja übersetzen!

Also, die Äonen sind erschaffen!

  • Sie haben einen Anfang!
  • Sie haben ein Ende!
  • Es gibt Dinge vor den Äonen!
  • Es gibt Äonen, die vor uns gewesen sind!
  • Es gibt kommende Äonen!

Lassen wir aber außer den bereits angeführten Übersetzungen bzw. Begriffsbestimmungen von Prof. König und Prof. Deißmann noch eine Reihe weiterer Zeugen hören. Nehmen wir zunächst an dritter Stelle die Übersetzung der sog. Textbibel von Kautzsch-Weizsäcker. Um nur eine Stelle aus ihr zu nennen, weisen wir auf Hebr. 1, 2 hin: “durch welchen er auch die Weltzeiten gemacht hat.”

4. Die Elberfelder Bibel gibt “aión” fast durchweg mit Zeitalter wieder. Dabei verweise ich besonders auf die Fußnoten. So gibt sie u. a. Pred. 1, 10 folgendermaßen wieder: “Gibt es ein Ding, von dem man sagt: Siehe, das ist neu? — Längst ist es gewesen in den Zeitaltern, die vor uns gewesen sind.” — Hierzu die Fußnote a: “Eigentlich nach Ewigkeiten, unabsehbar langen Zeiträumen gemessen.” — Vergl. hierzu auch in der Elberfelder Eph. 2, 7.

5. Die sogenannte konkordante Übersetzung von Knoch gibt das Wort Äon überall einfach in dieser Form wieder. Dies ist die auch heute allgemein beim Übersetzen hervortretende Tendenz, so entscheidende Worte des Grundtextes gar nicht zu übersetzen, sondern sie einfach stehen zu lassen, wie wir ja z. B. das Wort Evangelium auch nicht übersetzen und so am wenigsten Fehler machen und die Begriffe nicht verbiegen.

6. Menge sagt in Eph. 2, 7: “um in den kommenden Weltzeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch Güte … erkennen zu lassen.” — Pred. 1, 10 übersetzt er: “… in den Zeiträumen, die vor uns liegen”.

7. Die Züricher Bibel gibt den Ausdruck: “die kommenden Äonen” so wieder: “in den kommenden Zeiten” (Eph. 2, 7).

8. Luther übersetzt Eph. 2, 7 so: “in den zukünftigen Zeiten”.

9. Storr (katholisch): Eph. 2, 7: “in den Zeiten, die da kommen werden”.

10. Rösch (katholisch): “in den kommenden Zeiten” (Eph. 2, 7).

11. van Eß (katholisch): “in den folgenden Zeiten” (Eph. 2, 7).

12. Schlachter (Miniaturbibel): “in den darauf folgenden Zeiten” (Eph. 2, 7) und “vor den Zeiten zuvorbestimmt” (1. Kor. 2, 7) und “in unbekannten Zeiten, die vor uns gewesen sind” (Pred. 1, 10).

13. Schlatter: “in den kommenden Zeiten” (Eph. 2, 7).

14. Lange: “in den kommenden Zeiten” (Eph. 2, 7). Er bemerkt dazu in seinem Bibelwerk: “Der Plural markiert eine Reihe, das Wort aiónes Zeitperioden, … nämlich dem Kontext gemäß die der Tatsache der Erlösung in der Auferstehung Jesu Christi als dem Anfange sich nacheinander anschließenden Zeitperioden (temporibus instantibus) und die Präpositionen diese als Zeiträume, in denen das Erzeigen geschieht, in denen wirklich, ein Fortschritt ist.”

15. Albrecht: “in den kommenden Zeiten” (Eph. 2, 7).

16. Wiese: “auf dass er erzeige in den darauf folgenden Weltzeiten” (Eph. 2, 7).

17. Mülheimer Übersetzung: “in den zukünftigen Zeitaltern” (Eph. 2, 7).

18. Stuttgarter Jubiläumsbibel: “in den zukünftigen Zeiten”.

19. Langenscheidts Taschenwörterbuch (l. Teil Griechisch-Deutsch): “aion” = Zeitdauer, Zeitraum, Weltzeit, Menschenalter, Lebenszeit, Ewigkeit.

20. Benseler, Griechisch-Deutsches Schulwörterbuch: a) Lebenszeit, Zeit, Zeitdauer, Lebenslos, überh. Leben; b) lange Zeit, Ewigkeit.

21. Neutestamentliches Wörterbuch von Ralf Luther: “Für “Ewigkeit” steht im griechischen Text “aion”; für ewig: “aiónios”. — Äon bedeutet nicht endlose Dauer, sondern Zeitalter, Zeitlauf. — Das Neue Testament sieht aber nicht nur das eine kommende Zeitalter, sondern eine ganze Folge oder Fülle von Zeitläufen. Das Wort Äon steht oft in der Mehrzahl.”

22. Theologisches Wörterbuch von Prof. Dr. Gerhard Kittel, Band 1, Seite 199, Zeile 23-25: “Der Plural (von aión) setzt allerdings voraus, dass man von einer Mehrzahl von aiónes weiß, von Zeitaltern, Zeiträumen, deren unendliche Reihe die Ewigkeit konstituiert.” — Dazu weiter auf Seite 202 des gleichen Bandes, Zeile 20-25: Abschnitt C: “aión” in der Bedeutung “Weltzeit”. — 1. “aión” als Weltzeit: das Ende des aión. — “In den pluralischen Aion-Formeln geht die Bedeutung von aion in die des langen, aber begrenzten Zeitraumes über. Ein Sonderfall dieser Auffassung des aion ist die Bedeutung Weltzeit, Weltdauer, d. h. die durch Schöpfung und Ende begrenzte Zeit.”

Diesen 22 Zeugnissen, die nur eine kleine Auslese aus vielen darstellen, könnten wir eine Reihe weiterer anfügen. Den einseitig festgelegten Dogmatikern des “Zwei-Äonen-Systems” aber werden auch Hunderte von Zeugnissen ebensowenig sagen, als die angeführten 22, obwohl eigentlich schon ihre zwei Äonen ihnen sagen mühten, dass der Ausdruck: das Ende des Äons mindestens bedeutet, dass er nicht endlos ist!

Anstelle trockener und meist unfruchtbarer grammatischer Auseinandersetzungen möchten wir lieber das lebendige Zeugnis der Schrift treten lassen, da es auch von dem einfachsten Bibelleser nachgeprüft werden kann. Fahren wir daher fort, von den Dingen zu reden, die hinweggetan werden sollen.

Um gleich mitten in die Sache hineinzukommen und sie an ihrem wichtigsten Punkte darzustellen, nehmen wir das Beispiel des “ewigen Gerichts”.

In dem Judas-Brief lesen wir im 6. und 7. Verse: “und Engel, die ihren ersten Zustand (oder: ihr Fürstentum, ihre Oberherrschaft) nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Ketten unter der Finsternis verwahrt. Wie Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die sich, gleicherweise wie jene, der Hurerei ergaben und anderem Fleische nachgingen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie des ewigen (= äonischen) Feuers Pein leiden.”

Wenn “ewig” endlos bedeutet, dann bleiben Sodom und Gomorra für immer in des ewigen Feuers Pein. Dann haben wir uns im Glaubensgehorsam ganz einfältig und schlicht unter diese göttliche Anordnung zu stellen, ob wir sie verstehen oder nicht, ob sie unseren Wünschen entspricht oder nicht. Bei den göttlichen Maßnahmen kommt es ja gar nicht darauf an, dass das Geschöpf sie versteht, sondern dass es sie bejaht und anerkennt als die allein richtigen.

Nun sagt aber schon der Herr in Matth. 10, 15; 11, 23.24; Luk. 10, 12, dass es Sodom und Gomorra im Gericht erträglicher gehen wird, als den Städten Israels, die seine Wunderwerke sahen. Denn sie hätten in Sack und Asche Buße getan, wenn sie seine Wunderwerke hätten sehen dürfen! Warum ließ er sie dieselben dann nicht sehen?

Da nach Hes. 16 Jerusalem seine Sünden mehr als doppelt so groß gemacht hat als Sodom und Gomorra, so sind Sodom und Gomorra gerechter als Jerusalem und seine Tochterstädte. Er will aber ganz Israel erretten. Darum muß er auch Sodom und Gomorra erretten.

In Hes. 16, 44-55 beschreibt nun der Herr, dass er die Gefangenschaft Sodoms und ihrer Töchter wenden will und dass er sie trösten will und dass er sie zu ihrem früheren Stande wieder zurückführt.

Also: Sodom und Gomorra, die des ewigen Feuers Pein leiden, werden aus der Gefangenschaft entlassen, werden getröstet und werden wieder eingesetzt in ihren früheren Stand und werden gerechtfertigt!

Die Gerichtszeit Sodoms geht also zu Ende! Wenn sein Gerichtsäon abgelaufen ist, kommt es wieder heraus aus dem äonischen Feuer!

Nach dem Zeugnis des Judas-Briefes ist aber das Gericht Sodoms und Gomorras, die des ewigen Feuers Pein leiden, das Beispiel für alle Gerichte Gottes überhaupt! Sodom und Gomorra liegen als ein Beispiel vor, indem sie des ewigen (= äonischen) Feuers Pein leiden. Ihr Leiden im Gericht des ewigen Feuers ist ein Beispiel des göttlichen Gerichtsverfahrens überhaupt.

Wir möchten hier nur noch einmal darauf hinweisen: Wenn äonisch endlos bedeuten würde, kämen Sodom und Gomorra, die des ewigen Feuers Pein leiden, nie mehr aus diesem Feuer heraus. Wir hätten uns dann einfach darunter zu beugen, auch wenn wir es nicht verstünden.

Da sie aber herauskommen und entlassen werden aus der Gefangenschaft der Grube, in der kein Wasser ist (vergl. Luk. 16, 24 mit Sach. 9, 11.12), nachdem ihnen die gute Botschaft verkündigt wurde, dass sie nach dem Gericht über das Fleisch nunmehr dem Geiste nach gerettet werden sollen (1. Petr. 4, 6; vergl. auch 3, 18-20; Eph. 4, 8-10 u. a.), machen sich alle die, die zwar das Hineinkommen in das Gericht predigen, aber das Herauskommen unterschlagen und gar verneinen und bekämpfen, schuldig am Blut der Brüder, weil sie nicht den ganzen Ratschluß Gottes verkündigen (Apg. 20, 26.27). Sie glauben ja heute nach der Auferstehung Christi und der Hadespredigt noch nicht einmal soviel, wie Hanna, die Mutter Samuels, schon vor mehreren Jahrtausenden glaubte, als sie in 1. Sam. 2, 6 bekannte: “Der Herr tötet und macht lebendig. Er führt in die Hölle (Scheol) und auch wieder heraus!”

Er zerschlägt ja, um zu heilen! Und er belebt das Herz der Zerschlagenen. Darum sagt er auch von sich: “Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein, denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich ja gemacht habe” (Jes. 57, 16).

Er führet das Gericht hinaus zum Siege! Und er führet alles herrlich hinaus! Und die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht! So bezeugt er selbst in seinem Worte!

Wie gründlich der Herr seine Gerichte ausführt, bis sein Zorn (Grimm) vollendet ist, sehen wir aus Stellen, wie 2. Petr. 3, 7 ff.: “Die jetzigen Himmel aber und die Erde sind durch sein Wort aufbewahrt, für das Feuer behalten auf den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen. … Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden … indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, dessentwegen die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst und die Elemente im Brande zerschmelzen werden. Wir erwarten aber, nach seiner Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.”

Vergleichen wir dazu nur einmal aus den vielen Gerichtsverheißungen des Alten und Neuen Testamentes den Propheten Zephanja, der beschreibt, wie Gott zuerst alles wegrafft, was auf Erden ist, dann die Erde selbst: “Ich werde alles von der Fläche des Erdbodens gänzlich wegraffen, spricht der Herr (Jehova); ich werde Menschen und Vieh wegraffen, ich werde wegraffen die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres und die Ärgernisse samt den Gesetzlosen; und ich werde die Menschen ausrotten von der Fläche des Erdbodens” (Zeph. 1, 2.3). Und weiter in Zeph. 3, 8: “Darum harret auf mich, spricht Jehova, auf den Tag, da ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden.” — Vergleiche hierzu Off. 20, 11: “Und ich sah einen großen weißen Thron, und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.” Und in Vers 12: “Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben stand.”

Nachdem aber diese großen und furchtbaren Gerichte vollendet sind, lesen wir bei Zephanja im nächsten Verse (Zeph. 3, 9): “Denn alsdann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.”

Und in Off. 21, 1 lesen wir, dass ein neuer Himmel und eine neue Erde nach dem Gericht entstehen. Und dann, nachdem sie da sind, lesen wir in 21, 3: “Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und zu mir spricht er: Schreibe, denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig!”

Auf der neuen Erde dürfen die Erlösten die Früchte des Lebensbaumes essen, weil sie dazu passend und fähig gemacht sind. Die Blätter des Lebensbaumes aber dienen zur Heilung (Therapie) der Nationen, die draußen vor der Stadt warten müssen, weil sie noch nicht vollendet sind und noch nicht in die heilige Stadt eintreten dürfen, in die nur die Heiligen und Vollendeten hineingehen können (Off. 22, 2). Aber das Gericht ist beendet und keinerlei Verdammtes mehr ist da (Off. 22, 3).

Er führt Ja das Gericht hinaus zum Siege! Und er führet alles herrlich hinaus! Und die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht!

Darum wird er auch einmal sein alles in allen, nicht in etlichen, wie die Lehrer der endlosen Qual es darstellen.

“Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam (oder: Unglauben) eingeschlossen, auf dass er alle begnadige. O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvorgegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin ist das All (ta panta)! Ihm sei die Herrlichkeit für die Äonen! Amen!” (Röm. 11, 32-36).

Darum werden auch alle Knie sich ihm beugen und alle Zungen bekennen und sagen: “Nur im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke” (vergl. Jes. 45, 22-24 mit Phil. 2, 5-11). “Und jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: “Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht für die Äonen der Äonen!” (Off. 5, 13).

Alles Fleisch soll das Heil Gottes sehen (Luk. 3, 6). Und er gießt seinen Geist aus auf alles Fleisch (Joel 2, 28). Das ist bis heute nicht geschehen. Denn Petrus bezeugt ausdrücklich in Apg. 2, 16-20): “Und es wird geschehen in den letzten Tagen, dass ich von meinem Geiste ausgießen werde auf alles Fleisch.” Das war also nur der Frühregen. Der Spätregen, der wirklich auf alles Fleisch kommen wird, steht noch aus. Dann wird sich Psalm 65, 2 erfüllen: “Hörer des Gebets! zu dir wird kommen alles Fleisch.”

Wenn Christus einmal dem Vater das ganze All zurückbringen und zu Füßen legen wird, dann ist nach dem Zeugnis der Schrift nichts ausgenommen! Denn keinerlei Verdammtes wird mehr sein.

Er, der die Menschen und Tiere von der Erde ausrottet, der alles von der Fläche des Erdbodens gänzlich wegrafft, wird, nachdem er die ganze Erde verzehrt hat durch das Feuer seines Eifers, alsdann die Lippen der Völker umwandeln in reine Lippen, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen (Zeph. 1, 2.3; 3, 8.9).

Darum sagt auch der Leidenspsalm 22 in Vers 27: “Es werden eingedenk werden und zu Jehova umkehren alle Enden der Erde; und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen.”

So hat er schon dem Abraham verheißen: “… und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!” (1. Mose 12, 2.3).

Dann werden auch die scheinbaren Widersprüche in all jenen Stellen klar; in denen einerseits gesagt ist: “Die Erde hat er festgestellt auf ewig (= äonisch) ; sie wird nicht wanken”, und den anderen, in denen uns gesagt wird: “Die Erde wankt wie ein Trunkener. Sie fällt, und steht nicht wieder auf.” — Wenn “ewig” bzw. “äonisch” gleich endlos wäre, dann wären diese Stellen Widersprüche in sich selbst. So aber wissen wir: “Äonisch bedeutet: Gültig für die Zeit, für die es bestimmt ist.” Daraus ersehen wir, dass die Erde feststeht für diesen Äon. Am Ende des Äons wird sie hinweggetan. Dann kommen ein neuer Himmel und eine neue Erde.

In Psalm 89, 20 lesen wir von David: “Ich habe David gefunden, meinen Knecht, mit meinem heiligen Öle habe ich ihn gesalbt.” — In Vers 35-37 lesen wir: “Einmal habe ich dem David geschworen bei meiner Heiligkeit: wenn ich dem David lüge! Sein Same wird ewig sein, und sein Thron wie die Sonne vor mir; ewiglich wird er feststehen wie der Mond, und der Zeuge in den Wolken ist treu.” — In Psalm 72, der für Salomo geschrieben ist, wie die Überschrift besagt, lesen wir: “Man wird dich fürchten von Geschlecht zu Geschlecht, so lange Sonne und Mond bestehen” und: “In seinen Tagen wird der Gerechte blühen, und Fülle von Frieden wird sein, bis der Mond nicht mehr ist.” Oder: “Sein Name wird ewig sein; so lange die Sonne besteht, wird fortdauern sein Name” (siehe Ps. 72, 5.7.17). — In all diesen Stellen ist “ewig” oder “äonisch” begrenzt durch die Dauer von Sonne und Mond.

Oder nehmen wir den Moabiter-Äon. — In 5. Mose 23, 3 lesen wir: “Es soll kein Ammoniter und Moabiter in die Versammlung des Herrn kommen; auch das zehnte Geschlecht von ihnen soll nicht in die Versammlung Jehovas kommen ewiglich.” — Nun sehen wir im Buche Ruth, wie Ruth, die Moabitin, durch Boas aufgenommen wird in die Versammlung Jehovas. — Wie ist das möglich, gegenüber dem Verbot des Herrn? — Wer aufmerksam liest, wird sehen, dass der Gerichts- oder Verwerfungs-Äon der Moabiter auf zehn Geschlechter beschränkt ist. Vergleicht man damit das Geschlechtsregister Jesu Christi in Matthäus 1, so finden wir, dass von dem Urvater Abraham ab zehn Generationen lang kein Moabiter erscheint. Im elften Glied aber steht Boas, der den Obed zeugte von der Ruth. Also, im elften Glied darf eine Moabitin aufgenommen werden in das Geschlechtsregister Jesu Christi und in die Versammlung des Herrn, Jehovas, weil der Moabiter-Äon, der auf zehn Geschlechter begrenzt war, um ist. — Wir können nur wieder die Worte von Prof. Deißmann und Prof. König darunterschreiben: “Gültig für die Zeit, für die es bestimmt ist!

Alle diese Dinge können hier nur kurz berührt werden. In einer späteren Arbeit sollen alle Stellen der Schrift, in denen die Worte “aion” oder “äonisch” vorkommen, angeführt und nach Möglichkeit auch einzeln behandelt werden. Bis dahin verweisen wir auf die Schrift des Verfassers: “Ewiges Gericht und Allversöhnung“, in der beide Seiten zu Worte kommen, das Gericht und die Allversöhnung, ohne dass eine Seite zugunsten der anderen irgendwie verkürzt wird, sondern beide zu ihrem Redete kommen. — Wir weisen auch hier nachdrücklich auf das Buch von Prof. Michaelis hin: “Die Versöhnung des All”, das ebenfalls durch den Paulus­Verlag ausgeliefert wird.

Durch nichts wird die Ehre und Herrlichkeit Gottes so verkleinert und geschmäht und verlästert, als durch die Lehre von der endlosen Qual seiner Geschöpfe, die er wohl erschaffen konnte, die er aber nach dieser Lehre nicht zurechtzubringen vermag, sodass er sie ohne jeglichen positiven Endzweck in alle Endlosigkeiten nur immerdar quälen kann, ohne je an ihrem Verdammungszustand auch nur das Geringste ändern zu können. Und dies, obwohl die Schrift, nachdem sie das Verdammungsurteil am großen weißen Thron bekanntgegeben hat und dessen Vollzug berichtet: “Der Rauch ihrer Qual steigt auf von Äon zu Äon” (Off. 20, 10-15), in Off. 21, 5 weiterfährt: “Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!” und in Off. 22, 3 bezeugt: “Und keinerlei Verdammtes wird mehr sein!”

Gott bezeugt, dass nach den Gerichtsäonen keinerlei Verdammtes mehr sein wird. Die Verkündiger der endlosen zwecklosen Qual behaupten aber trotzdem: “Es werden immer Verdammte da sein, und ihre Verdammnis wird nie aufhören in alle Endlosigkeit!”

Diese Entleerer der Hoffnung wissen es also besser als Gott selbst, und wo die Schrift sagt: “Es wird keinerlei Verdammtes mehr sein!”, da sagen sie: “Es wird trotzdem Verdammtes da sein, und zwar immer und endlos!”

Gegen das klare Zeugnis der Schrift behaupten sie: “Gott möchte wohl gerne allen helfen, aber er kann nicht, weil er sonst mit seiner Gerechtigkeit in Widerspruch käme.” — Erstens ist dies ein ganz armes menschliches Denk-Fündlein, das ohne jede Schriftbegründung dargeboten und behauptet wird. Sodann hat Gott seine Gerechtigkeit voll am Sohne erwiesen, als dieser ans Kreuz ging. Die Folgen des Unglaubens aber müssen alle Ungehorsamen im Feuersee äonenlang verspüren, bis auch der letzte Heller bezahlt oder abgebüßt ist. Eher kommen sie nicht heraus. — Wo Gott sagt: “Nicht eher!”, da sagen die Hoffnungslosigkeits-Verkünder: “Niemals!”

Als ob es in Gottes Wesen überhaupt einen Widerspruch gäbe! Und als ob seine Gerechtigkeit gewahrt bliebe und verherrlicht würde durch ein in alle Endlosigkeiten nutzloses Tun! Und als ob es für den Töpfer eine Ehre wäre, sein mißratenes Gefäß nun endlos zu zerstampfen, anstatt aus ihm ein neues Gefäß zu machen zu seiner Ehre!

Oder meinen wir vielleicht, bei Gott hieße das Recht, was der Mensch darunter versteht? — Als ob der Gerechtigkeit Gottes überhaupt durch ein Geschöpf Genüge getan werden könnte!

Wenn aber Gläubige behaupten, wie das erst neuerlich wieder geschah, “es sei ihnen für alle Zeiten eine Genugtuung, wenn sie sehen dürften, wie ihre ungehorsamen und ungläubigen Kinder für ihren Unglauben Tag und Nacht in alle Ewigkeiten gequält würden”, oder wenn ein Kirchenvater behauptet: “Das wird die Seligkeit der Seligen ja gerade noch erhöhen, dass sie die Qualen der Verdammten sehen dürfen!”, dann kann man nur mit Schauder und Entsetzen fragen, was solche Gesinnung der Menschen noch mit Glauben zu tun hat oder mit Barmherzigkeit oder mit dem, was bei Gott, der Liebe ist, Recht und Gerechtigkeit heißt.

Kann die Gerechtigkeit Gottes irgendwie befriedigt werden durch ein Handeln, bei dem in alle Ewigkeiten nie etwas Positives herauskommt? — Er, bei dem alles lauter “Ja” ist, soll auf einmal in das Gegenteil verfallen und ein endloses “Nein!” zu der Mehrzahl seiner Geschöpfe aussprechen und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten, in die Äonen der Äonen keinen Weg wissen, ihren Zustand zu ändern? — Ja, wenn er einen solchen Weg wüßte, diesen gar nicht gehen wollen, um ja nicht bei seinen “Gläubigen” in den Verdacht zu kommen, er sei nicht konsequent genug und sei im Widerspruch zu seiner eigenen Gerechtigkeit?!

In Gott gibt es keinen Widerspruch gegen sich selbst und mit sich selbst. Er ist das einzige Wesen, das sich von jeher aller seiner Werke bewußt ist, das im Voraus weiß, was es will und kann. Sein Wort bezeugt: “Gott will, dass alle Menschen gerettet werden’”, und dasselbe Wort bezeugt: “Und alles, was er will, das tut er auch!”

Da ist alles lauter “Ja” und “Amen” und alles volle Harmonie in sich selbst (2. Kor. 1, 19.20).

Die Negativisten aber, die Verkündiger der Zwecklosigkeits-Qual, sagen: “Gott will wohl, — aber er kann nicht, weil er sonst mit sich selbst in Widerspruch käme.”

Über solche “Ehrung” von seiten der “Gläubigen” wird Gott ja entsprechend erfreut sein und sie auch dafür entsprechend wieder ehren (siehe Apg. 20, 26. 27)!

Dass jede Sühne-Lehre ohne positiven Endzweck unendlich viel ärmer ist als das Gesetz, das zwar nichts zur Vollendung bringen konnte, aber doch ein Zuchtmeister auf Christum hin war, bedenken diese Lehrer der endlosen Qual nicht. Das Gesetz hatte ein Endziel: Christus. Und dennoch wurde es, seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen, hinweggetan. Gott läßt nichts Nutzloses bestehen, weil in ihm und seinem Christus alles lauter “Ja” ist. Die Lehre von der endlosen Qual und ihrer immerwährenden Nutzlosigkeit aber hat kein Endziel und keinerlei positiven Endzweck. Ohne Zweck und ohne Ziel geht die Qual endlos weiter!

Und eine solche Lehre des Grauens und der Hoffnungslosigkeit und Zwecklosigkeit nennt man auch noch “Evangelium”, d. h. Frohbotschaft, Freudenbotschaft, Freudenkunde!

Nun denn, ihr Gläubigen, die ihr diese Drohbotschaft verkündet, in der es keinen Ausgang gibt und nicht den blassesten Schimmer einer Hoffnung, weder für Gott, dem doch alles möglich sein soll, noch für euren Glauben, dem doch auch alles möglich sein soll, — freut euch, dass es für eure ungläubigen Kinder und Enkel und Urenkel und für eure ungläubigen Geschwister und Eltern und Großeltern und für alle eure ungläubigen Verwandten und Freunde nie eine Änderung der Pein gibt und ihr für alle Endlosigkeiten die “glückselige” Aussicht habt, sie nutzlos leiden zu sehen in endloser Qual! Und betet heute schon Gott dafür an!

So grauenhaft verzerren Menschen das Wesen Gottes, in deren Bibel doch steht: “Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen und das All (ta panta) mit sich selbst zu versöhnen” (Kol. 1, 19.20). Und weiter: “Und ich, wenn ich aus der Erde erhöhet bin, werde alle zu mir ziehen!” (Joh. 12, 32). Und weiter: “Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden” (1. Kor. 15, 22). Und weiter: “Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt wurden, also werden auch durch den Gehorsam des einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.” Und weiter: “Also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, also auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens” (Röm. 5, 18.19). Und weiter: “Und keinerlei Verdammnis wird mehr sein!” Und weiter: “Gott wird sein alles in allen!”

Dafür beten wir Gott heute schon an und tun neben Fürbitte und Gebet auch bereits Danksagung für alle Menschen!

Wir wollen ihm alle seine Verheißungen ohne jeden Abstrich ganz schlicht und einfältig glauben und mit dem Dichter bekennen: “Was er sich vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel!

Und ebenso: “Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht! Sein wird die ganze Welt!”

(Quelle: Sonderdruck aus der Zeitschrift “Gnade und Herrlichkeit”; Paulus-Verlag; Heilbronn)

— Herzlichen Dank an Martin Mohrlok für die Bereitstellung dieses Artikels! —

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