Vom Verheißungsinhalt der paulinischen Lehre — Das Geheimnis des Willens Gottes
Autor: Heck, Hanns | Kategorie(n): Allversöhnung, Paulus | 644 x gelesenEpheser 1, 9-10
Wir wollen in der heutigen Abendversammlung über ein besonderes Geheimnis des paulinischen Zeugnisses eine erklärende Aussage machen, über die schon viel Streit, ja Abgründe zwischen Geschwistern entstanden sind. Paulus ist ja der Apostel mit dem weitesten Blick. Er bezeugt uns in 1. Kor. 15, 27-28, daß Gott einmal alles in allen sein wird. Wenn wir diese Aussage am Schluß unseres “Äonenplans” machen, dann leuchtet beim einen und anderen Teilnehmer unserer Jugendkonferenzen immer wieder einmal die Frage auf: “Ja, werden denn einmal alle Menschen selig?” Das ist dann für mich das Stichwort, ganz behutsam, aber auch ganz klar ein Ja zu sagen, zugleich aber das Gegenteil vom Seligsein — das Verlorensein und die Gerichte Gottes — so massiv herauszustellen, daß denen, die vielleicht leichtfertig an dieses Geheimnis herangehen, die Lust vergeht, noch weiterhin hier oberflächlich zu denken.
Eine Lehrmeinung oder ein Lehrunterschied sollte niemals Bruder von Bruder trennen. Nur wenn durch eine Lehre Gott erniedrigt wird, wenn Er klein gemacht wird, könnte ich an eine Scheidung denken. Ich müßte dann einem solchen Bruder sagen: “Du schmälerst Gott, du erniedrigst Ihn. Wir sind Brüder in Christo, aber wir können keine Arbeitsgemeinschaft haben.” — Trennung soll es nur geben, wo ein Bruder oder eine Schwester unordentlich wandelt; mit einem solchen sollten wir nach 1. Kor. 5, 11 nicht einmal essen.
Warum gibt es eigentlich das große Geschrei um das verpönte Wort “Allversöhnung”? — Ich will mit zwei Schriftstellen antworten. Die eine steht in Apg. 19, 32: “Die einen nun schrieen dieses, die anderen jenes; denn die Gemeinde war in Verwirrung, und die meisten wußten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren.” Und ich möchte auch im Blick auf unsere Frage sagen: die meisten wissen gar nicht, warum sie schreien. Dazu noch ein Beleg aus Matth. 27, 39: “Die Vorübergehenden aber lästerten Ihn, indem sie ihre Köpfe schüttelten …” Ich habe den Eindruck, daß auch in dieser Frage die lautesten Schreier diejenigen sind, die am wenigsten von der Sache wirklich Kenntnis genommen haben, die am wenigsten eingedrungen sind in das, was Gott und nicht was Menschen sagen. Auf die Aussage Gottes kommt es ja letzten Endes an. Auch hier gilt wohl Gal. 6, 12-13: “So viele im Fleische wohl angesehen sein wollen, die nötigen euch, beschnitten zu werden, nur auf dass sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden … sie wollen, daß ihr beschnitten werdet, auf daß sie sich eures Fleisches rühmen.” Wißt Ihr, ich gebrauche jetzt einmal ein “deutsches Fremdwort”: In dieser Frage gibt es einen Fraktionszwang. Wißt Ihr, was das ist? Wenn in einer Partei irgendeine Frage zur Diskussion steht, die im Bundestag behandelt wird, dann kann es sein, daß eine ganze Fraktion, sei es SPD oder CDU, gleich abstimmen muß, ob die einzelnen damit einverstanden sind oder nicht. Und mir scheint, daß hierin in der Gemeinde Gottes ein großer Fraktionszwang herrscht. Wenn der “Parteivorsitzende” die Richtung angibt, dann reden das alle nach, und ohne zu prüfen, wird das übernommen. Das ist eine Sünde! Das sollten wir mit der Bibel nicht machen!
Ich wüßte aber noch einen Grund für das Geschrei: Die oberflächlichsten der oberflächlichen Gotteskinder — deren gibt es leider eine Menge — sagen: “Ja, wenn am Schluß einmal alles zurechtkommt, warum habe ich mich dann bekehrt? Da hätte ich doch hier unten herrlich und in Freuden leben können!” — Wenn es jemand so wenig ernst meint, dem würde ich glatt ins Gesicht sagen: Dann leb’ doch weiter, wie du willst; dann geh’ doch deinen Weg; du kannst ja die Probe aufs Exempel machen, was billiger für dich gewesen wäre: entweder hier umzuschwenken und drüben auf der rechten Seite zu stehen, oder hier unklar zu bleiben und drüben von Gott in ein sehr ernstes Gericht hineingeführt zu werden! Und dann füge ich noch einen Vergleich hinzu und sage: Streck mal deinen Finger eine Sekunde lang in die offene Gasflamme. Das machst du ein zweites Mal nicht! Willst du Jahrmillionen vielleicht mit dem ganzen Körper im Gerichtsfeuer sein? Wenn du das willst, bitte, dann mach’s doch! Wenn du meinst, daß die Bekehrung solch eine lächerlich kleine Angelegenheit ist, dann mußt du es eben so machen. Aber dann hast du dich um den Preis deiner Seele getäuscht (Jer. 42, 20a)!
Daß Gott mit allen zum Ziel kommt, ist ein Geheimnis für die Gläubigen (Eph. 1, 9). Es wäre m. E. falsch, in einer Evangelisationsversammlung so etwas zu sagen. Aber weil es eine zentrale biblische Wahrheit ist, deshalb darf sie nicht verschwiegen werden. Bengel, Oetinger, Michael Hahn und Philipp Matthäus Hahn, Jung-Stilling und viele andere Gottesmänner waren alle aus der Schrift, nicht aus einem Parteizwang heraus, überzeugt, daß Gott zum Ziel kommt. Und ich möchte fragen: Wo wird Gott mehr geehrt, wenn man lehrt, daß Er mit allen zum Ziel kommt, oder wenn das nicht der Fall wäre?
Darüber schrieb schon seinerzeit Friedrich Rückert das folgende Gedicht:
Was ist Seligkeit?
Die Seligkeit ist nicht, nur selig selbst zu sein;
Die Seligkeit ist nicht allein und nicht zu zwei’n.
Die Seligkeit ist nicht zu vielen, nur zu allen;
Mir kann nur Seligkeit der ganzen Welt gefallen.
Wer selig wär und müßt’ unselig andre wissen,
Die eigne Seligkeit wär ihm dadurch entrissen.
Und die Vergessenheit kann Seligkeit nicht sein,
Vielmehr das Wissen ist die Seligkeit allein.
Drum kann die Seligkeit auf Erden nicht bestehn,
Weil hier die Seligen soviel Unsel’ge sehn.
Und der Gedanke nur gibt Seligkeit auf Erden,
Daß die Unseligen auch selig werden.
Wer dieses weiß, der trägt mit Eifer bei sein Teil
Zum allgemeinen wie zum eignen Seelenheil.
Gott aber weiß den Weg zu aller Heil allein;
Drum ist nur selig Gott; in Ihm nur kannst du’s sein.
Wenn nun die Leute sagen, einer, der im Kreis der Gläubigen die Allversöhnung verkündige, habe keine Vollmacht mehr zu evangelisieren, dann möchte ich euch nur einen Namen — Adolf Heller — nennen, durch den viele Hunderte, ja Tausende zum Glauben kommen durften. Und er gilt ja als einer der ersten Verkündiger der Allversöhnung, und als einer, der wie wenige diese Fragen bis ins letzte biblisch durchdacht hatte! Auch auf unseren Jugendfreizeiten, wo wir dies alles besprechen, kommen immer wieder Menschen zum Glauben! Also dieser Einwand geht fehl.
Ich möchte nun heute über unser Thema in 6 Punkten etwas sagen:
- Erklärung des Ausdrucks “Allversöhnung”
- Zwei Voraussetzungen
- Schriftworte, die scheinbar dagegen sprechen
- Schriftworte, die dafür sprechen
- Innere Begründungen
- Der Sinn der Finsternis
- Dem möchte ich dann noch ein persönliches Zeugnis anschließen.
1. Erklärung des Ausdrucks “Allversöhnung”
Dazu lese ich zuerst die Stelle 2. Kor. 5,18. 19: “… alles aber (kommt) von dem Gott, der uns mit Sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und hat uns den Dienst der Versöhnung gegeben, nämlich, daß Gott in Christo war, die Welt mit Sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt.” Da wimmelt es nur so von dem Wort “Versöhnung”! Das Wort heißt im Griechischen katallassoo, es ist zusammengesetzt aus kata (von oben herab) und allassoo (anders werden). Kata kennen wir von “Katastrophe”. Wenn mir ein Backstein von oben herab auf den Kopf fällt, dann ist das eine Katastrophe, nicht wahr?
Versöhnen heißt: von oben her anders machen. Trauen wir das unserem Gott zu? Wir wünschen es ja auch für uns, als Gotteskinder, daß Er uns anders macht und besser macht. Trauen wir es Gott zu, daß Er das bei allen fertigbringt? Das wäre die erste Frage. — Und nun gibt es noch eine Verstärkung zu diesem Wort, die finden wir in Kol. 1, 20: “… und durch Ihn das All mit sich zu versöhnen”. Da steht vor dem Wort katallassoo noch das Vorwort apo: apo-katallassoo. Apo (wie in Apotheke) bedeutet: von weg. Dieses Wort bedeutet also: Gott macht mich von meinem eigenen Wesen los und macht mich von oben her anders. Soll ich Ihm das nicht zutrauen? Ich möchte es, nicht allein bei mir, sonst wäre ich ja arg selbstsüchtig, sondern auch bei anderen.
Nun komme ich zu dem zweiten Punkt. Zu diesem göttlichen Zurechtbringen gibt es
2. zwei Voraussetzungen
Die erste heißt Wiederherstellung. Wir lesen dazu Apg. 3, 19-21: “So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeitpunkte der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und Er den euch zuvorverordneten Jesus Christus sende, welchen freilich der Himmel aufnehmen muß bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem …” (Da muß man also trotzdem Buße tun, wenn Gott alles richtig macht? Ich denke ja!)
Hier steht nun: “bis zu den Zeiten der Wiederherstellung …”, griechisch: apo-kata-stasis, das erinnert an Statik, Gleichgewicht. Wenn ein Trinker in den Graben gefallen ist und ich hole ihn heraus und stelle ihn wieder auf seine Füße, dann ist das eine “Wiederherstellung”, apo-kata-stasis, er hat seine Statik wiedererlangt. Ist er dadurch schon von seiner Trunksucht befreit? Nein, vielleicht liegt er morgen schon wieder im Graben, aber er steht jetzt wenigstens, und das ist auch schon etwas.
Nun nenne ich als zweite Voraussetzung die innere Seite, und dazu schlagen wir Matthäus 19 auf. Dort lesen wir vom reichen Jüngling (V. 16 ff.), der “mit hängenden Ohren” das Weite sucht. Bei diesem Anblick bricht Petrus in die Worte aus: “Wir aber, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt, was wird uns nun werden?” Jesus antwortet: “Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt (palingenesia), wenn der Sohn des Menschen sitzen wird auf Seinem Thron der Herrlichkeit, auf 12 Thronen sitzen, richtend die 12 Stämme Israels.” Zur Wiederherstellung muß die Wiedergeburt kommen. Wenn man den Trinker aus dem Graben herausholt, ist er immer noch von seiner Trunksucht befallen; wenn er aber wiedergeboren wird, geschieht etwas in seinem Inneren. Beides zusammen sind zwei Faktoren, zwei Komponenten, die die Voraussetzung bilden für das, was man “Allversöhnung” nennt.
3. Schriftworte, die scheinbar dagegen sprechen
Es geht hier besonders um das Wort “ewig” oder “Ewigkeit”.
Schon der Lehrer weiß, wenn er zum Schüler sagt: “Du brauchst aber ewig, bis du deine Rechnung gemacht hast”, daß das nicht endlos ist, sondern irgendeine Zeit bedeutet. Zeit aber hat immer eine Grenze. Auch die Bibel spricht deutlich von den Grenzen dessen, was Luther und andere fälschlich mit “Ewigkeit” übersetzt haben, nämlich “Äon” (griechisch) = Zeitalter. Dieses Wort kommt in der Bibel häufig in der Mehrzahl vor; wenn aber ein Äon, ein Zeitalter, eine “Ewigkeit” endlos wäre, dann weiß ich als Mathematiker: unendlich ist unendlich; es kann nicht zweimal oder dreimal unendlich geben. Wir finden durch die Bibel hindurch das Zeugnis von den Äonen, und das ergäbe keinen Sinn, wenn ein Äon schon endlos wäre. Des weiteren finden wir eine Begrenzung, wenn die Schrift in Gal. 1, 4 vom “gegenwärtigen Äon” spricht. Gibt es einen gegenwärtigen, dann gibt es auch frühere und hintendrein noch weitere! Äonen sind begrenzt und haben ein Ende (”Abschluß des Äons”: Matth. 13, 39 / 24, 3 / 28, 20; “Abschluß der Äonen”: Hebr. 9, 26).
Erklärt uns die Schrift vielleicht einmal, was sie unter “ewig” (aioonios, äonisch) versteht? O ja, denn wir lesen im Judasbrief in V. 7 von Sodom und Gomorra: “die als ein Beispiel vorliegen” — aber nicht zur Nachahmung! “Indem sie des ewigen Feuers Strafe leiden”. Wiederum steht aber in Hes. 16, 53: “Und ich werde ihre Gefangenschaft wenden, die Gefangenschaft Sodoms und ihrer Töchter …” — Ja, wie ist es nun? Leiden sie des ewigen Feuers Strafe, oder wird ihre Gefangenschaft gewendet? Beides muß gelten, und deshalb ist “ewig” nicht “endlos”. Gerade solche Stellen muß man den Gotteskindern zeigen, die man zum Denken anregen will.
Nun kommt aber eine ernste Frage. Wenn “ewig” nicht “endlos” ist, was ist dann mit dem “ewigen Leben”? Ist dann auch das “ewige Leben” nicht endlos?
Der Jude nennt das Tausendjahrreich, das kommende Zeitalter der Herrschaft des Messias auf Erden, “den Äon”. Das ist vorerst der wichtigste Äon für ihn. Und das Leben in diesem Äon nennt die Schrift “äonisches (ewiges) Leben” (man vergleiche in Matth. 25 die Verse 46 und 34). — Wenn nun aber dieses Tausendjahrreich vorbei ist, was geschieht dann mit dem “ewigen Leben” dessen, der hineinkommt? Gott wird ihm dieses Leben nicht nehmen, und so bekommt der Ausdruck dann eine erweiterte Bedeutung: “ewiges Leben” ist nicht nur das Leben in jenem einen Äon, sondern auch in den weiteren Äonen. — Und nach dem Abschluß aller Äonen wird das “äonische Leben” in das endlose Leben Gottes übergehen. — Machen wir die gleiche Rechnung nun mit der Verdammnis, der “ewigen Pein”. Ewige (äonische) Verdammnis bedeutet vorerst: in dem Äon, dem Tausendjahrreichsäon, druntenbleiben im Gericht. — Danach kommen alle herauf zum weißen Thron des Weltgerichts (Offb. 20, 11-15). Wer dort nicht im Buche des Lebens geschrieben gefunden wird, bleibt weiter drunten im Gericht, Äonen, Äonen… Ja, bleibt man also endlos drunten? Ja, man bliebe endlos drunten, wenn nicht Gott diesen letzten Gedanken abgeschnitten hätte durch die höhere Tatsache, daß Ihn einmal alle preisen werden, daß jedes Knie sich vor Ihm beugen und jede Zunge bekennen wird, daß Jesus Christus Herr ist (Phil. 2, 11). Und “bekennen” bedeutet hier keineswegs: “mit der Faust in der Tasche”, sondern: aus tiefstem Herzen (ex-homologeomai = aus tiefstem Herzen bekennen; das Wort steht auch in Ps. 138, 1 und Matth. 11, 25).
Seht, das bedeutet für mich “ewiges Leben” und “ewige Verdammnis”: vorerst in dem Äon (Tausendjahrreich), dann durch die Äonen; danach kann es übergehen in die Bedeutung endlos, wenn nicht Gott selbst etwas anderes dagegenstellt. Und das hat Er getan, was die Gerichte betrifft.
4. Schriftworte, die dafür sprechen
Phil. 2, 10-11 habe ich gerade genannt; eine ähnliche Stelle ist Jes. 45, 23-24. In 1. Tim. 2, 3-4 lesen wir: “Denn dieses ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.” Wir kennen den üblichen Einwand: Ja, wenn aber der Mensch nicht will? — Schlagt einem solchen Fragesteller sofort Röm. 9, 19 auf: “… Warum tadelt Er noch? Denn wer hat Seinem Willen widerstanden?” Da steht sogar das schwächere Wort bouläma, während hier in 1. Tim. 2, 4 das stärkere Wort theloo steht: “der, welcher sich entschlossen hat, alle Menschen zu retten”. Und; dann kommt der Mensch und sagt: “Ich entschließe mich nicht”? Das kommt mir vor, wie wenn’s Marienkäferchen sich vor den Elefanten hinstellt und hinaufpiepst: “Ich habe mich entschlossen, dich totzutrampeln!” Das wäre nur ein kleines Abbild von dem, was wir Menschen da machen. Meinen wir wirklich: Wenn ich das nicht will, dann kann Gott auch nicht? Nach 1. Kor. 15, 28 wird einmal “Gott alles in allen” sein. Ist dann noch etwas anderes übrig? Gibt es dann daneben noch eine Separathölle? — Nach Jak. 2, 13 triumphiert die Barmherzigkeit über das Gericht. Die Menschen sind viel “päpstlicher als der Papst”, sie sind viel unbarmherziger als der barmherzige Gott. — Ich nenne jetzt nur noch Ps. 115, 3: “Aber unser Gott ist in den Himmeln; alles, was Ihm wohlgefällt, tut Er”, und Ps. 135, 6: “Alles, was Jehova wohlgefällt, tut Er in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen.”
5. Innere Begründungen: Alles kommt von Ihm, alles dient Ihm
Ich nenne hierzu mehrere Schriftstellen: Wir lesen in Spr. 16, 4: “Jehova hat alles zu Seiner Absicht gemacht, und auch den Gesetzlosen für den Tag des Unglücks.” — Ps. 119, 91: “… denn das All dient (sklavt) Dir.” — Jes. 45, 6-7: “… Ich bin Jehova, und sonst ist keiner; der Ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe; Ich, Jehova, bin es, der dieses alles wirkt.” — Er läßt es nicht etwa nur zu, sondern Er wirkt es. Darum das wunderbare Wort aus Ps. 74, 16 (und jetzt kommen wir schon ein Stücklein in praktische Allversöhnung hinein): “Dein ist der Tag, Dein auch die Nacht; den Mond (Bild auf den Satan) und die Sonne (Bild auf Christus) hast Du bereitet.” Dazu noch das Wort aus Amos 3, 6: “… oder geschieht ein Unglück in der Stadt, und Jehova hätte es nicht bewirkt?”
Gott kann nicht nur aus Gutem, sondern auch aus Bösem Frucht schaffen. “Ihr gedachtet es böse zu machen”, sagte Joseph zu seinen Brüdern, “aber Gott gedachte es gut zu machen” (1. Mose 50, 20). Daher dürfen wir wissen: Das All dient Ihm. Gilt das wohl auch für uns? In Röm. 8, 28 lesen wir: “… daß denen, die Gott lieben, alle Dinge (nicht etwa nur die guten Dinge) zum Guten mitwirken”. Da haben wir einen Bruder in Stuttgart, der hat mir kürzlich gesagt, er hätte Jubiläum gefeiert. Ja, was für eins? Er lag 50 Jahre gelähmt im Bett! An der Wand hatte er ein Bild hängen, darauf stand: “Alle Dinge dienen zum Guten”, auch die 50 Jahre der Krankheit, sein stellvertretendes Leiden für die Gemeinde (Kol. 1, 24).
6. Der Sinn der Finsternis
Welches ist der Sinn der Finsternis und des Todes? Im Gleichnis in Luk. 15 haben wir den “verlorenen” und den “nicht verlorenen” Sohn. Der nicht verlorene Sohn hat nicht gewußt, was ihm gehört, er hat dem Vater Vorwürfe gemacht: “Mir hast du nie ein Böcklein gegeben …” Der verlorene Sohn aber kannte die Liebe seines Vaters, er hat sie erlebt. — Der Sinn der Finsternis und der Sinn des Todes ist das Leben, d. h. Gott will, daß wir von der bloßen Kenntnisnahme zum Erleben Seiner Liebe kommen. Denken wir doch nur an Kol. 1, 13: “der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes Seiner Liebe”. Denken wir auch an Jes. 38, 17: “Siehe, zum Heil ward mir bitteres Leid”, oder an Jes. 26, 9-10: “Mit meiner Seele verlangte ich nach Dir in der Nacht (in der Nacht! nicht bei Tage); ja, mit meinem Geiste in meinem Innern suchte ich Dich frühe; denn (erst!) wenn Deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises. Wird dem Gesetzlosen Gnade erzeigt, so lernt er nicht Gerechtigkeit …” — V. 16: “Jehova, in der Bedrängnis haben sie Dich gesucht; als Deine Züchtigung sie traf, flehten sie mit flüsterndem Gebet.” — Und da will einer sagen, wir wollten um Gottes Gerichte herumspazieren? Im Gegenteil! Von den Zielen Gottes her bekommen die Gerichte ihren Sinn! Röm. 11, 32: “Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, auf daß Er alle begnadige.”
7. Ich möchte jetzt nicht mit diesen 6 Lehrpunkten schließen, ohne ein persönliches Zeugnis zu geben:
Was ist Allversöhnung für mich? Ich denke da an Ps. 46: Wenn’s drunter und drüber geht, wenn ich nicht mehr ein noch aus sehe, dann weiß ich: ER bleibt der Sieger! Und ER wird es immer bleiben; dafür wollen wir Ihm die Ehre geben und Ihn loben und preisen und Ihm danken mitten heraus aus der Nacht. Wenn es keine Allversöhnung gäbe, so würde Gott auch mich nicht zurechtbringen! Das ist praktische Allversöhnung, wenn man in der Dunkelheit das Licht sieht und weiß: Der Herr macht es trotzdem wunderbar, Er führt alles herrlich hinaus! Lernen wir, auf Seine Zurechtbringung zu warten!
(Vom Verfasser durchgesehene Nachschrift)
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1981; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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