Hat der Mensch einen freien Willen?
Autor: Großmann, H. | Kategorie(n): Lehre | 677 x gelesenDiese Frage hat Philosophen und Christen schon viele Jahrhunderte beschäftigt. Sie wurde und wird auch heute noch verschieden beantwortet. Bei unserer Betrachtung soll uns das nicht beschäftigen, was die Philosophen dazu gesagt haben. Wir wollen versuchen, aus der Schrift heraus eine klare Antwort auf unsere Frage zu geben. Für uns ist ja nicht die Philosophie, sondern die Schrift allein maßgebend.
Unter den Christusgläubigen wird vielfach betont, dass der Mensch einen freien Willen habe. Der Schreiber dieser Betrachtung hat das nie recht glauben können. Schon vor dreißig Jahren schrieb er, dass der Mensch nur einen gewissen Bewegungskreis hat, über den er nicht hinaus kann. Er brauchte, um das zu illustrieren, ein Bild. Wenn man einen Hund an einer zwei Meter langen Kette auf freiem Felde an einem Pfahle befestigt, dann kann der Hund einen Kreis schlagen, der vier Meter Durchmesser hat. Innerhalb der Peripherie des Kreises ist der Hund frei, aber über die Peripherie (Kreislinie) kann er nicht hinauskommen. Das Bild ist vielleicht nicht schön gewählt, wir wollen den Menschen auch gar nicht mit einem Hunde vergleichen. Das Bild kann uns aber dienen. Der Mensch hat einen von Gott bestimmten Bewegungskreis, über den er auch niemals hinauskommen kann. — Wenn wir hier nun versuchen, unsere Frage aus der Schrift zu beantworten, dann werden wir sehen, dass das Bild zutreffend ist.
Um eine Antwort auf unsere Frage aus der Schrift zu bekommen, müssen wir uns gründlich mit der Schrift beschäftigen und mehrere Fragen aus derselben beantworten lassen. Wir bitten alle hier angeführten Schriftstellen in der sog. Elberfelder Bibel nachzulesen!
1) Wer hat einen absolut freien Willen?
Alle Gott- und Christusgläubigen sind wohl darin einig, dass Gott allein absolut — unbedingten, unbeschränkten — freien Willen hat. Gott, als der alleinige Gott, ist souverän, d. h. unabhängig, unumschränkt, der Höchste! Er ist Gott, der “Gott des Himmels und der Erde”. Es gibt sonst keinen Gott neben Ihm.
“Ich bin der Herr (Jehova), und sonst ist keiner, außer mir ist kein Gott! Ich gürtete dich, und du kanntest mich nicht: — auf dass man wisse vom Anfang der Sonne und von ihrem Niedergang her, dass außer mir gar keiner ist. Ich bin der Herr, und sonst ist keiner! Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe; Ich, der Herr (Jehova), bin es, der dieses alles wirkt!” (Jes. 45, 5-7; vgl. Jes. 45, 22; Amos 3, 6.7)
“Denn von Ihm und durch Ihn und für Ihn sind alle Dinge (das All); Ihm sei die Herrlichkeit für die Äonen! Amen” (Röm. 11, 36).
“So ist doch für uns ein Gott, der Vater, von welchem alle Dinge sind, und wir für Ihn, und ein Herr, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind, und wir durch Ihn.” (1. Kor. 8, 6)
“Denn durch Ihn sind alle Dinge (das All) erschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne, Herrschaften, Fürstentümer oder Gewalten: alle Dinge (das All) sind durch Ihn und für Ihn geschaffen. Und Er ist vor allen, und alle Dinge (das All) bestehen zusammen durch Ihn.” (Kol. 1, 16.17)
“Alles ward durch dasselbe — durch Ihn —, und ohne dasselbe — Ihn — ward auch nicht eines, das geworden ist” (Joh. 1, 3).
“Denn Du hast alle Dinge (das All) erschaffen, und Deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden.” (Offenb. 4, 11)
Studieren wir einmal diese Schriftworte! Ohne jede Auslegung sagen sie uns, dass alles, das ganze All, aus Gott, für Gott ist, und dass “alle Dinge (das All) zusammen bestehen durch Ihn” (Kol. 1, 17). Gott ist allein Gott! Lernen wir es doch endlich, an Gott als den alleinigen Gott zu glauben! Wir werden dann Sein Wort besser verstehen. Wir wissen uns dann ganz in Seinen Händen und ganz allein abhängig von Ihm!
Unser Gott kann alles tun, was Er will, weil Er souverän, d. h. unabhängig, unbeschränkt ist! Er ist der Höchste, Er ist allein Gott!
“Aber unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut Er” (Ps. 115, 3). “Alles, was Jehova wohlgefällt, tut Er in den Himmeln und auf der Erde, in der Meeren und in allen Tiefen.” (Ps. 135, 6)
Wenn Gott “in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen” alles tut, was Ihm wohlgefällt, kann Ihn dann irgendein Geschöpf daran hindern? Nein! Denn Er hat einen absolut freien Willen, Er ist souverän! “Er hält alle Dinge, das All im Gange, überein mit dem Ratschluss Seines Willens.” (Eph. 1, 11b, wörtlich) Das heißt, dass Er das Weltall im Gange hält, damit der Ratschluss Seines Willens zustande kommt. — Glauben wir das wirklich? — Wenn ja, dann glauben wir, dass Gott der alleinige Gott ist, dass das Weltall jetzt gerade so ist, wie Er es im Gange hält, “überein mit dem Ratschluss Seines Willens”, nach dem der Christus das Haupt des Alls werden wird, wie uns Eph. 1, 9 und 10 sagt. Wenn wir das verstanden haben, dann hören wir auf, über die Verhältnisse, wie sie auf Erden sind, zu klagen. Und wir entschuldigen unsere Mängel in der Arbeit im Werk des Herrn nicht mehr mit den gegenwärtigen “Verhältnissen”, wie es leider, leider vielfach geschieht. — Wir glauben dann an Gott, den Allmächtigen! Wir glauben, dass der Herr Jesus Christus immer noch alle Gewalt hat “in den Himmeln und auf der Erde” (Matth. 28, 18). In unserem Glauben an Gott stehen wir über den Verhältnissen, rechnen mit dem lebendigen Gott, der “das All im Gange hält, überein mit dem Ratschluss seines Willens” (Eph. 1, 11), und der immer noch in den Seinen wirkt (Phil. 1, 6; 2, 13; vergl. Hebr. 13, 20.21!). Schauen wir nicht auf die Verhältnisse hier auf Erden, sondern auf den lebendigen Gott! — Sein Wort sagt uns:
“Für die Äonen, Jehova, steht Dein Wort fest in den Himmeln; von Geschlecht zu Geschlecht währt Deine Treue; Du hast die Erde festgestellt, und sie steht. Nach Deinen Verordnungen stehen sie heute da, denn alle Dinge — das ganze All, das Universum — dienen Dir!” (Ps. 119, 89-91; siehe Fußnote zu Vers 91 in der Elberfelder Bibel!).
Wenn alles, das ganze Universum, Ihm dient, ist es dann richtig, über uns widrig scheinende Verhältnisse zu klagen? Nein! Lernen wir es, Ihm zu glauben, alles aus Seiner Hand zu nehmen und Ihm dankbar zu sein für alles (Eph. 5, 20; 1. Thess. 5, 18)! Dann verstehen wir Röm. 8, 28-34 und wissen, dass Gott einen absolut freien Willen hat, dem niemand widerstehen kann.
In seiner Souveränität hat Gott etwas getan, was nur sehr wenige Gläubige anfangen zu verstehen. Sehen wir, was uns die Schrift weiter sagt:
“Die Schrift aber hat alles unter die Sünde eingeschlossen …” (Gal. 3, 22). “Denn Gott hat alle zusammen in den Unglauben — Widerspenstigkeit — eingeschlossen, auf dass Er alle begnadige” (Röm. 11, 32).
Wenn nun nach Psalm 119, 89-91 das ganze Universum Ihm dient, dann dienen Ihm doch auch die, die Er “alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen” hat, da sie ja im Weltall sind! Weiter steht hier: “Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen, auf dass Er alle begnadige”. “Gott hat alles unter die Sünde eingeschlossen”, “alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen”, um nach Seinem Willen alle zu erretten (1. Tim. 2, 4: “Auf dass Er alle begnadige”). Sprach der Wille des Menschen dabei mit, als Gott “alles unter die Sünde eingeschlossen” hat? — Nein! Gott rechnete schon mit der Sünde “vor Grundlegung der Welt”, wie aus Petr. 1, 29 klar hervorgeht. Hier steht also der Wille Gottes über dem Willen des Menschen! Oder haben wir etwas dazu getan, dass wir durch Adam unter den Tod gebracht wurden, wie uns Röm 5, 12 ff. sagt? — Nein! In Römer 11, 32 sagt Gott nun ganz klar: “Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen”, warum? “Auf dass er alle begnadige” — Hier steht auch der Wille Gottes über dem Willen des Menschen! — Gott, der die Liebe ist, hätte das erste in Römer 11, 32 sicher nicht getan, wenn Er das zweite: “Auf dass Er alle begnadige ” nicht auch trotz dem Willen des Menschen durchführen könnte. — Also Gottes Wille steht über dem Willen des Menschen! Lies einmal denkend Jesaja 55, 8-11!
2. Der Mensch hat nur einen relativ freien Willen!
Wer den obigen Abschnitt gründlich studiert und durchdenkt, der muss zugeben, dass der Mensch keinen absolut freien Willen hat! Ja, es gibt keinen absolut freien Willen des Menschen, weil er ein Geschöpf ist, abhängig vom Schöpfer. —
Trotzdem gibt es Menschen, die doch behaupten, dass der Mensch einen freien Willen habe. In ihrer Torheit glauben diese Lieben sogar, dass der Wille des Menschen nicht nur dem Willen Gottes gleich sei, sondern noch — stärker sei, als der Wille Gottes. Gott will zwar alle erretten, aber, wenn der Mensch seinen Willen dagegen setzt, dann kann Gott das eben doch nicht tun. — Schämt man sich nicht, als ein angeblich gläubiger Mensch, so zu reden!? —
Ist Gott, dem das ganze Universum dient (Ps. 119, 89-91), denn wirklich vom Willen eines elenden Menschen abhängig, wenn Er Seinen Retterwillen durchführen will?
Hat man denn ganz vergessen, dass der Mensch Staub ist (Ps. 103, 14)? — Ein Prediger sagte uns letztens, dass 1. Mose 2, 26 doch stehe: “Lasset uns Menschen machen in unserm Bilde, nach unserm Gleichnis”. Er zitierte nach Luther: “Ein Bild, das uns gleich sei.” Hiermit wollte er beweisen, dass der Mensch im Willen Gott gleich sei. Zuerst beachten wir: Hier steht nicht “ein Bild, das uns gleich sei”, sondern “nach unserm Gleichnis” (Elberfelder Bibel). Gott beherrscht das ganze All (Ps. 119, 89-91; Hebr. 1, 3). Dem Menschen gab Er die Erde (Ps. 115, 16), damit er sie und die Tiere beherrsche (1. Mose 1, 26-28). “Nach unserm Gleichnis”, das heißt nun nicht “Gott gleich sein”, sondern gleichwie Gott zu herrschen. Gott beherrscht das ganze All. Die Erde gab Er dem Menschen, um hier zu herrschen. Hier ist also gar nicht gesagt, dass der Mensch “Gott gleich sei”. Der Mensch ist nicht “Gott gleich”, er ist weder allwissend noch allmächtig. Er besitzt auch keinen absolut freien Willen. Er wurde wohl im Bilde Gottes geschaffen, war Gott ähnlich. Er soll “dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig sein” (Röm. 8, 29). Der Gläubige ist auf diesem Wege (2. Kor. 3, 18). Erreicht wird dieses Ziel, wenn der Herr erscheint (1. Joh. 3, 2). Jetzt hat noch niemand, der hier im Fleische lebt, dieses Ziel erreicht. Adam, vor dem Ungehorsam, hatte es auch noch nicht erreicht, er stand am Anfange des Weges, der da hin führen sollte. Der Mensch ohne Gott, ohne Christus, steht unter dem Tode, ist nicht einmal auf dem Wege zu diesem Ziel. Es ist darum töricht, zu behaupten, dass der Mensch im Willen Gott gleich sei! Der Herr Jesus, der sagen konnte: “Wer Mich gesehen hat, hat den Vater gesehen” (Joh. 14, 9), der hatte nicht einen Willen, der dem Willen Gottes gegenüber stand, nein, im Gegenteil, Er sagte: “Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe” (vgl. Joh. 6, 38!).
Der Mensch hat nur einen relativ freien Willen! Das heißt, er hat nur einen durch die Verhältnisse bedingten, beschränkten freien Willen. Das sollte eigentlich jedem klar und verständlich sein. Jeder Mensch wird durch seine Geburt in Verhältnisse, in eine Umgebung gestellt, die er nicht gewählt hat, die ihn in seinem Denken und Tun auch beeinflussen. Er kann sich denselben nie ganz entziehen. Außerdem erbt er von seinen Vorfahren auch noch das, was man heute Erbmasse nennt. Diese Erbmasse, diese Verhältnisse — Rasse, Nation, Familie, Geschlecht — bestimmen seinen Willen viel mehr als er glaubt und ahnt. Es ist aber doch Gott, der Rasse, Nation, Familie, Geschlecht und Umgebung des Menschen bestimmt! Der Mensch selber wählt sie dieses alles doch nicht! Und wer nicht an die Bestimmung Gottes glauben will, und das alles als Zufall ansieht, der muss, wenn er etwas denkt, doch zugeben, dass Rasse, Nation, Familie, Geschlecht und Umgebung seinen Willen geformt haben. Wir als Gläubige wissen aber doch, dass es eine Vorausbestimmung Gottes gibt. Wir lesen im Worte Gottes:
“Meinen Keim sahen Deine Augen, und in Dein Buch waren sie eingeschrieben, die Tage, die vorentworfen waren, als nicht einer von ihnen war” (Ps. 139, 16; siehe Fußnote in der Elberfelder Bibel!). — “Was entsteht, schon längst war sein Name genannt; und es ist bekannt — gewusst von Gott —, was ein Mensch sein wird, und er vermag nicht mit dem zu rechten, der stärker ist als er” (Pred. 6, 10). Menge übersetzt den Vers so: “Alles, war geschieht, ist längst im voraus bestimmt worden, und von vornherein steht fest, wie es einem Menschen geben wird, und niemand vermag den zur Rechenschaft zu ziehen, der stärker ist als er.”
“Denn wir sind Sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln” (Eph. 2, 10). — “Was soll ich tun, Herr? Der Herr sprach aber zu mir: Stehe auf und gehe nach Damaskus, und daselbst wird dir von allem gesagt werden, was dir zu tun verordnet ist (Ap. 22, 10).
Diese Schriftworte sagen uns ganz klar, dass es eine Vorausbestimmung Gottes für unser Leben gibt. Mithin haben wir keinen freien Willen. Wir haben nur einen relativ — bedingten, beschränkten — freien Willen, innerhalb des Bewegungskreises der Vorausbestimmung Gottes. Und über diesen Bewegungskreis kommt niemand hinaus! Gott hat schon dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. — Man denkt im allgemeinen vom Menschen viel zu groß, macht aus ihm einen “Gott” und aus Gott macht man einen — Menschen. Was sagt Gottes Wort?
“Ja, als ein Schattenbild wandelt der Mensch einher; ja, vergebens ist er voll Unruhe; er häuft auf und weiß nicht, wer es einsammeln wird.” (Ps. 39, 6) “Strafst Du einen Mann mit Züchtigungen für die Ungerechtigkeit, so machst Du, gleich der Motte, seine Schönheit vergehen; ja, ein Hauch sind alle Menschen (Ps 39, 12). “Der Mensch gleicht dem Hauche; seine Tage sind wie ein vorübergehender Schatten” (Ps. 144, 4). “… wieviel weniger der Mensch, der Wurm, und das Menschenkind, die Made” (Hiob 25, 6).
Diese Worte zeigen uns, wie der Mensch doch so nichts ist vor Gott! Wie töricht ist es nun, zu meinen, dass der Mensch mit seinem Willen Gott widerstehen könnte! Der Mensch hat nur einen bedingten, beschränkten freien Willen. Er kann durchaus nicht alles tun, was er will. Jeremias sagt:
“Ich weiß, Herr, dass nicht beim Menschen sein Weg steht, nicht bei dem Manne, der da wandelt, seinen Gang zu richten” (Jer. 10, 23).
Wir könnten hier noch viele Schriftworte hersetzen, die da ganz klar sagen, dass der Mensch nicht tun kann, was er will, weil er in der “Gefangenschaft des Gesetzes der Sünde” ist. Man lese einmal Röm. 7, 14-23; Joh. 8, 34; Eph. 2, 2; Gal. 5, 17! Der Gläubige, der seine Stellung in Christo Jesu eingenommen hat und versteht, der kann auch nur dann tun, was er will, wenn für ihn der Wille Gottes das Höchste und Wichtigste ist, wenn er will, was Gott will. Im andern Falle kann er nicht, was er will (Gal. 5, 17).
3. Was sagt die Schrift über den Willen des Menschen?
Da Gott als Schöpfer nur allein einen absolut freien Willen hat, kann der Mensch, wie wir gesehen haben, nur einen relativ — bedingten, beschränkten — freien Willen haben; denn er ist ja ein Mensch, ein Geschöpf, aber nicht Gott.
Der Mensch mit seinem relativ freien Willen ist aber noch nicht einmal in dem Bewegungskreis, der ihm durch Gottes Voraussehung gegeben ist, ganz frei. Auch in diesem Bewegungskreise steht er noch unter der Kontrolle Gottes. Die wahren Gläubigen, die doch nur wollen, was Gott will, sagen darum: “Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses und jenes tun” (Jak. 4, 15). Sie wissen sich auch in ihrem Wollen abhängig von Gott, der jederzeit eingreifen und unsern Willen, der an sich gut und richtig sein mag, durchkreuzen kann.
Gott wirkt auf den Willen der Gläubigen und der Ungläubigen ein, lenkt und dirigiert den Willen so, dass Er das Weltall “im Gange hält, überein mit dem Ratschluss Seines Willens” (Eph. 1, 11). Hören wir, was Gottes Wort darüber sagt:
“Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber Jehova lenkt seine Schritte” (Spr. 16, 9).
“Das Los wird in dem Busen geworfen, aber alle seine Entscheidung kommt von dem Herrn — Jehova” (Spr. 16, 33).
“Viele Gedanken sind in dem Herzen eines Mannes, aber der Ratschluss Jehovas, er kommt zustande” (Spr. 19, 21).
“Des Mannes Schritte hängen ab von dem Herrn; und der Mensch, wie sollte er seinen Weg verstehen?” (Spr. 20, 24).
“Gleich Wasserbäche sind der Könige Herzen in der Hand des Herrn; wohin immer Er will, neigt Er es. Jeder Weg des Mannes ist gerade in seinen Augen, aber der Herr wägt — reguliert — die Herzen” (Spr. 21,1.2).
“Jehova, Du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen; Du hast mich ergriffen und überwältigt” (Jer. 20, 7).
“Warum, Jehova, lässt Du uns von Deinen Wegen abirren, verhärtest unser Herz, dass wir Dich nicht fürchten?” (Jes. 63, 17).
“Und Gott sandte einen bösen Geist — richtiger: einen “bösen Willen” — zwischen Abimelch und die Bürger von Sichem” (Richt. 9, 23).
“Von dem Herrn werden befestigt des Mannes Schritte, und an seinem Wege hat er Wohlgefallen; wenn er fällt, wird er nicht hingestreckt werden, denn der Herr stützt seine Hand” (Ps. 37, 23.24).
Studieren wir einmal denkend diese Schriftstellen! Dann können wir sehen, dass der Herr selbst den relativ freien Willen des Menschen noch korrigiert und beeinflusst. Wie töricht ist es darum, wenn man von einem freien Willen des Menschen redet. Gott hat alle Menschenkinder noch immer in Seiner Hand! Er allein ist absolut frei, souverän und alles, dass ganze Weltall, dient Ihm (Ps. 119, 89-91). Fürwahr, Gott allein ist sehr groß, und der Mensch ist sehr klein, er ist Staub vor Ihm (Ps. 103,14).
Aber auch die Völker, die Nationen, sind in Seiner Hand! Auch deren Willen lenkt Er, der souveräne Gott:
“Denn vom Herrn war es, dass sie ihr Herz verhärteten zum Kriege mit Israel, damit sie vertilgt würden, ohne dass ihnen Gnade widerführe …” (Josua 11, 20).
“Aber Amazja hörte nicht, denn es war von Gott, damit Er sie preisgebe …” (2. Chron. 25, 20).
“Der Herr — Jehova — macht zunichte den Ratschluss der Nationen, Er vereitelt die Gedanken der Völker. Der Ratschluss Jehovas besteht für die Äonen, die Gedanken Seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht … Jehova blickt von den Himmeln herab, Er sieht alle Menschenkinder. Von Seiner Wohnung schaut Er auf alle Bewohner der Erde; Er, der da bildet ihr Herz — ihren Willen — allesamt, der da merkt auf alle ihre Werke” (Ps. 33, 10-15).
“Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, Seinen Sinn zu tun und in einem Sinne zu handeln und ihr Königreich dem Tier — Antichristus — zu geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden” (Offenb. 17, 17).
Aus allen diesen Schriftworten sehen wir, dass der Wille des Menschen, ja die Gedanken der Völker, in Seiner Hand sind. Wenn Gottes Wort eben Gottes Wort ist, dann hat der Mensch keinen freien Willen! — Er hat nur einen relativ — bedingten, beschränkten — freien Willen, der ihm einen Bewegungskreis nach der Vorausbestimmung Gottes gibt. Aber selbst in diesem Bewegungskreise steht der Wille des Menschen noch unter der Kontrolle Gottes. “Viele Gedanken sind in dem Herzen des Menschen; aber der Ratschluss Jehovas, er kommt zustande” (Spr. 19, 21). Wer nach einem Studium der hier angeführten Schriftworte noch von einem freien Willen des Menschen redet, dem ist nicht zu helfen, der hat noch nie vor Gott im Staube gelegen, der muss sich zuerst von seinem — Größenwahn bekehren, um Gott auch Gott sein zu lassen.
Auch Luther lehrte, dass der Mensch keinen freien Willen habe. Nach Römer 7-11 hat er in seiner Schrift gegen die Hypothese des Erasmus vom “freien Willen” betont, dass alle geschöpflichen Wesen nur einen total versklavten, unfreien Willen haben. In seinem bekannten Werk vom “verjochten, versklavten Willen” spricht er das sehr deutlich aus. Bis heute hat noch niemand das mit der Schrift widerlegen können! — Hören wir noch, was Hiob sagt:
“Denn Er wird vollenden, was über mich bestimmt ist; und dergleichen ist vieles bei Ihm. Darum bin ich bestürzt vor Seinem Angesicht; erwäge ich´s, so erschrecke ich vor Ihm. Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und der Allmächtige mich in Bestürzung versetzt” (Hiob 23, 14-16).
4. “Ja, wo bleibt da dann aber die Verantwortlichkeit!?”
So werden jetzt einige Leser fragen. Zuerst möchten wir hier noch sagen, dass es im griechischen Text kein Wort gibt, das direkt “freiwillig” bedeutet! — Wir finden nur Worte, die man mit: herzenswillig, gutwillig, bereitwillig, böswillig wiedergeben kann. Von einem “freien Willen” oder “freiwillig” finden wir nichts im Grundtext der Schrift gesagt. Der Mensch kann auch gar keinen freien Willen haben, denn wie wollte und sollte Gott dann Sein Ziel erreichen? —
Der Mensch als Geschöpf untersteht dem Schöpfer, folglich kann Gott auch den Willen des Menschen begrenzen und leiten. Die Schrift sagt uns das ja auch ganz klar, wie wir oben unter Punkt 3 sahen.
“Ja, wo bleibt dann aber die Verantwortlichkeit?” — Nun die Schrift redet auch gar nicht von einer Verantwortlichkeit des Menschen! Schauen wir einmal in die Schrift! Luther redet in seiner Übersetzung achtzehn Mal von “Verantwortung” und “verantworten”: Hiob 13, 6; 15, 3; 23, 4; 40, 2; Luk. 21, 14; Apg. 19, 33; 22, 1; 24, 19; 25, 16; 26, 2.24; 2. Kor. 7, 11; 12, 19; Phil. 1, 7.17; 2. Tim. 4, 16; 2. Petr. 3, 15.
In der Elberfelder Bibel finden wir “Verantwortung” nur elf Mal. Siebenmal übersetzt sie anders als Luther, und zwar: Hiob 13, 3 “Rechtfertigung”; Hiob 13, 15 “rechtfertigen”; Hiob 15, 3 “Reden”; Hiob 23, 4 “Rechtssache”; Hiob 40, 2 — in Elberfelder Bibel 39, 32 — “rechten”, Phil. 1, 7 und 17 (16) “Verteidigung”.
Menge bringt in seiner Übersetzung nur zweimal “verantworten” (2. Kor. 12, 19 und Petr. 3, 15). Alle andern Stellen übersetzt er anders mit: “verteidigen”, “Verteidigung”, “Verteidigungsrede”, “Entschuldigung”, und “Vernehmung”. Man prüfe einmal bei Menge die 18 Stellen!
Und die zwei Stellen, in denen Menge “verantworten” übersetzt, die reden von einem “verantworten” vor Menschen, nicht vor Gott. Richtiger müsste man 2. Kor. 12, 19 “verteidigen” und 1. Petr. 3, 15 “Verteidigung” lesen.
Die Schrift redet also gar nicht von einer Verantwortung des Menschen vor Gott! — Die Schrift sagt nur, dass der Mensch Gott “Rechenschaft” geben muss. Lesen wir einmal: 1. Petr. 4, 5; Matth. 12, 36; Röm. 14, 12; Hebr. 13, 17!
Was ist nun der Unterschied zwischen Verantwortung und Rechenschaft? Verantwortung hat doch nur derjenige, der ein Amt oder eine Aufgabe freiwillig übernimmt. Wir haben aber unser Leben nicht freiwillig übernommen! Wir haben weder Rasse, Nation, noch Familie oder Geschlecht — Mann oder Weib — wählen können! Wir wurden als Nachkommen Adams geboren und stehen ohne persönliche Schuld unter Sünde und Tod (Röm. 5, 12 ff.). Es gibt eine Vorausbestimmung Gottes für unser Leben (Pred. 6, 10; Ps. 139, 16; Eph. 2, 10; Apgesch. 22, 10; vgl. auch dazu 2. Thess. 2, 13.14!). Auch die Boten Gottes haben ihren Dienst im Werke des Herrn nicht freiwillig übernommen, sondern dienen auf Grund Seiner Bestimmung, die unserer Berufung vorausging (Gal. 1, 15.16; 1. Kor. 9, 16-18; Jer. 1, 4-10; 20, 7-18; Apg. 22, 10). Der Herr fordert darum auch nicht Verantwortung, sondern “Rechenschaft” (Hebr. 13, 17; Röm. 14, 12). Auch Jesaja, der sich scheinbar freiwillig zum Dienst meldete (Jes. 6, 8), war vom Herrn dazu berufen, darum schenkte ihm der Herr die Offenbarung, die ihn zur Meldung zum Dienst bewegte (Jes. 6, 1-8).
“Rechenschaft” ist etwas ganz anderes als “Verantwortung”! Das Wort “Apologia” bedeutet eigentlich nicht einmal Rechenschaft, sondern Verteidungsrede, Entschuldigung, Schutzrede, bei der die Gründe unseres Handelns vorgebracht werden. — Rechenschaft fordern kann auch nur Gott, denn Er allein kennt alle uns unbewussten Bindungen, Hemmungen durch Vererbung, Umgebung, falsche Belehrung usw. Er kennt unsere Beweggründe ganz, die wir nie restlos kennen (1. Kor. 4, 5; 1. Sam. 16, 7; Ps. 7, 9 — bei Luther 10). Er ist es, der “den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit”, wir können das nicht tun (Apgesch. 17, 31). Wir glauben schon gerecht zu sein, wenn wir nach unserem Sehen und Hören urteilen. “Er wird nicht richten nach dem Sehen Seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem Hören Seiner Ohren; Er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit” (Jes. 11, 3.4).
5. Sind wir dann nicht verantwortlich für unsere Errettung?
Jetzt könnte jemand sagen: “Ja, das mag wohl so sein, dass wir nur einen relativ — bedingten, beschränkten — freien Willen haben, den Gott noch korrigieren, verändern kann, aber für unsere Errettung sind wir doch verantwortlich?” — Wir sagen auf Grund der Schrift: Nein! Prüfen wir einmal, was die Schrift sagt!
a) Durch Adams Ungehorsam sind alle Menschen unter den Tod gekommen und in die Stellung von Sündern gestellt worden, so sagt Röm. 5, 12 und 18.19. — Wir haben persönlich gar nichts dazu getan. Ohne eigene persönliche Schuld stehen wir unter dem Tode und sind Sünder! Hören wir, was Gottes Wort sagt:
“Denn da durch einen Menschen — Adam — der Tod kam, so auch durch einen Menschen — Jesus Christus — die Auferstehung der Toten. Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden” (1. Kor. 15, 21.22).
Die Auferstehung liegt nicht begründet im Menschen, sondern kommt, wie hier klar geschrieben steht, allein durch Christus!
b) Gleichwie Adam durch eine Übertretung alle Menschen unter den Tod und in die Stellung von Sündern gestellt hat, so hat Christus durch eine Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens für alle gebracht, und es werden alle in die Stellung von Gerechten gesetzt werden (Röm. 5, 18.19). Hierzu haben wir auch nichts getan. Die Errettung durch Christus ist Gnade, eine Gabe (Eph. 2, 8.9). “Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden” (1. Kor. 15, 22).
c) Millionen von Menschen sind gestorben, ohne irgend etwas von Christus gehört zu haben, ohne erleuchtet worden zu sein. Da der Herr alle Menschen erleuchtet, wie Joh. 1, 9 sagt, und Er allen die Möglichkeit des Glaubens gibt, muss diesen Verstorbenen nach der Auferstehung die Erleuchtung gegeben werden, weil sie sie ja im Leben nicht hatten (Apg. 17, 31). [Wir empfehlen zum Studium: "Ist Gott der Retter aller Menschen?" vom Herausgeber]
d) Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass sich jetzt, in diesem Zeitalter das Los aller Menschen für die Ewigkeit, im Sinne von Unendlichkeit, entscheidet. Jetzt können und werden auch nicht alle zum Glauben kommen. Nach Apostelgeschichte 15, 14-18 werden die Menschen in verschiedenen Gruppen gerettet. Jetzt rettet der Herr “ein Volk aus den Nationen für Seinen Namen” (Apg. 15, 14.15). “Nach diesem”, wenn “das Volk aus den Nationen für Seinen Namen” gerettet ist, kommt der Herr wieder, wie Apostelgeschichte 15, 16 sagt, um weitere Gruppen zu retten (Apg. 15, 16-18). Es werden also jetzt nicht alle gerettet, sondern nur “ein Volk aus den Nationen für Seinen Namen”. Dieses sind die Auserwählten, von denen das Neue Testament spricht (Eph. 1, 4; Röm. 8, 28-34; 1. Kor. 1, 26-30; Kol. 3, 12; 2. Tim. 2, 10 und besonders 2. Thess. 2, 13.14).
Heute bekehren sich darum auch nur die, die “zum ewigen — äonischen Leben verordnet waren” (Apg. 13, 48). Nach dem Grundtext sagt diese Stelle, dass sich nur nach einem “bestimmten Vorsatz” in einer “gewissen Reihenfolge” Bekehrungen vollziehen können. Darum sagt Paulus auch: “Gott hat uns errettet und berufen mit heiligem Rufe, nicht nach unsern Werken, sondern nach Seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter — der Äonen — gegeben ist” (2. Tim. 1, 9).
e) Der Mensch kann sich nur bekehren, wann Gott es will. “Der natürliche Mensch — seelische Mensch — vernimmt nicht, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird” 1. Kor. 2, 14). Glauben wir das? Dann wissen wir auch, dass der seelische Mensch sich nicht so ohne weiteres bekehren kann, denn “er kann es nicht erkennen”. Die Dinge des Geistes Gottes sind “ihm eine Torheit”. — Und der Herr sagte: “Niemand kann zu Mir kommen, es sei denn, dass der Vater, der Mich gesandt hat, ihn ziehe” (Joh. 6, 44). Die Auserwählten, die “von Anfang auserwählt sind” (2. Thess. 2, 13), die hat der Vater dem Sohne in erster Linie gegeben (Joh. 6, 37; 17, 2.6.12.20.24.); diese, die Er berufen hat “zum Besitz der Herrlichkeit unseres Herrn Jesu Christi” (2. Thess. 2, 14), die kommen auch jetzt zur Bekehrung. Nicht auf Grund ihres Wollens, sondern “nach Seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo vor den Zeiten der Zeitalter gegeben ist” (2. Tim. 1, 9). Der Mensch kann sich erst bekehren, wenn, wie der Herr sagte, “der Vater, der Mich gesandt hat, ihn ziehe” (Joh. 6, 44), wenn er den “heiligen Ruf” Gottes hört (2. Tim. 1, 9). Vorher ist eine Bekehrung unmöglich. Dieses “Ziehen des Vaters zum Sohne”, diesen “heiligen Ruf” vernehmen nur die Auserwählten, die Gott von Anfang auserwählt hat zum Besitz der Herrlichkeit unseres Herrn Jesu Christi (2. Thess. 2, 13.14; 2. Tim. 2, 10.12). Alle anderen Menschen vernehmen nichts vom Geiste Gottes, denn “der natürliche — seelische — Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn er kann es nicht erkennen” (1. Kor. 2, 14).
Gott will, “dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen” (1. Tim 2, 4), weil Er der Retter aller Menschen ist (1. Tim. 4, 10.11). Aber jetzt, in dieser Haushaltung, bis zum Kommen des Herrn, werden nur die Auserwählten gerettet, die von Anfang auserwählt sind zum Besitz der Herrlichkeit unsers Herrn Jesu Christi (2. Thess. 2, 13.14; 2. Tim. 2, 10). Nach dem Kommen des Herrn werden, wie Apostelgeschichte 15, 15-18 sagt, die andern Menschen gerettet werden. Diese kommen aber nicht “zum Besitz der Herrlichkeit unsers Herrn Jesu Christi”, nicht zum Richten und Herrschen mit dem Herrn (1. Kor. 6, 2.3; 2. Tim. 2, 10.12).
Wenn der Mensch sich nur bekehren kann, wenn der Vater ihn zum Sohne zieht, wenn er den “heiligen Ruf” Gottes hört (Joh. 6, 44; 2. Tim 1, 9), wie kann er dann gerettet werden? — Gott hat uns nicht die Liste der Auserwählten gegeben. Er will, dass wir allen das Evangelium bringen. “Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort” (Röm. 10, 17). Der Glaube des Menschen kommt aus der Verkündigung des Wortes Gottes! Die Verkündigung kann aber nur Glauben zustande bringen, wenn sie dem Worte Gottes gemäß ist. Durch solche Verkündigung öffnet Gott den Menschen die Augen (Apgesch. 26, 17.18), zieht sie zum Sohne, lässt sie den “heiligen Ruf” hören (2. Tim. 1, 9), tut ihnen das Herz auf, dass sie verstehen können und sich bekehren (Apgesch. 16, 14; 26, 17.18). Der Bekehrung geht also eine Erleuchtung voraus, die Gott schenkt, so dass der Mensch den “heiligen Ruf” hört und zu Christus kommt. Und diesen “heiligen Ruf” hören und vernehmen nur die Auserwählten, die Gott “nach Seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben ist”, ruft (2. Tim. 1, 9).
Die Auserwählung ist nicht eine Auserwählung zur Errettung. Die Errettung ist nach 1. Tim. 2, 4 und 4, 9-11 für alle Menschen, denn der Herr gab sich selbst “zum Lösegeld für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte” (2. Tim. 2, 6). Die Auserwählung ist eine Auserwählung “zum Besitz der Herrlichkeit Jesu Christi” (2. Thess. 2, 13.14), eine “Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu” (Phil. 3, 14), eine Berufung zum Dienst, um ein Segen zu werden (1. Thess 1, 9.19; 1. Mose 12, 1-3; Eph. 2, 4-10). Die Auserwählten sind “berufen mit heiligem Rufe”, aus dieser Welt, — Grundtext: Äon — herausgenommen worden (Gal. 1, 4), um die “ecclesia”, d. h. die “Herausgerufenen”, die Gemeinde Gottes darzustellen.
6. Einige Fragen und Einwendungen
Am Schluss unserer Betrachtung wollen wir noch auf einige Fragen und Einwendungen kommen.
a) Kann Gott einen Menschen retten, der nicht will?
Ja, das kann Gott! “Unser Gott ist in den Himmeln; alles, was Ihm wohlgefällt, tut Er” (Ps. 115, 3). “Alles, was Jehova wohlgefällt, tut Er in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen” (Ps. 135, 6). “Der Ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen und allen Meinen Willen werde Ich vollführen” (Jes. 46, 10). “Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden (Matth. 28, 18). Gott kann, was Er will! Er korrigiert und lenkt den Willen des Menschen, wie wir es in Punkt 3 aus der Schrift sahen. Saulaus ist ein Beweis dafür. Saulus wollte auch nicht! Er war auf dem Wege, die Gläubigen zu verfolgen. Der Herr trat ihm entgegen, offenbarte sich ihm, und dann “wollte” Paulus (Apg. 9, 1 ff.). Ein eigenartiges Wort sagt Paulus in 1. Tim. 1, 15; Elberfelder Bibel. Er nennt sich dort “den Ersten”, den Christus gerettet hat. — Paulus war doch nicht der erste Gläubige! Vor ihm waren doch schon viele gläubig geworden! — Was will er damit sagen? Paulus war “der Erste”, dessen Errettung “ein Vorbild” sein sollte “für die, welche an Ihn glauben werden zum ewigen — äonischen Leben” (1. Tim. 1, 15.16.). Warum ist seine Errettung “ein Vorbild”? Sie ist darin “ein Vorbild”, dass er gerettet wurde, ohne es zu wollen. Gott kann erretten, wen Er erretten will (Röm. 9, 14-21). Er will und wird alle erretten, aber die Auserwählten, die jetzt gerettet werden, ruft Er nach “Seinem eigenen Vorsatz” (2. Tim. 1, 9).
Wer auf die Frage: Kann Gott einen Menschen retten, der nicht will? mit “Nein” antwortet, der sollte einmal folgendes bedenken! Wir werden 1. Tim. 2, 1 aufgefordert, für alle Menschen zu beten. Setzt das nicht voraus, dass Gott den Willen des nichtwollenden Menschen beeinflussen kann? Wenn Gott das nicht kann oder nicht will, warum fordert Er dann von uns “Fürbitte für alle Menschen?” — Hier in 1. Tim. 2, 1-6 handelt es sich um die Errettung aller Menschen (Verse 4.6.). Es steht also fest: Wenn Gott einen Menschen nicht retten kann, weil er nicht will, dann hat es auch gar keinen Zweck, für alle Menschen zu beten! Warum fordert Gott das dann aber?
Gott soll angeblich nichts tun können, wenn der Mensch nicht will. Warum glauben dann aber gewisse Evangelisten, dass sie den Willen des Menschen beeinflussen können? — Können diese mehr als Gott? — Wie drängen, pressen gewisse Evangelisten in Nachversammlungen die Menschen, drängen immer wieder zum Aufstehen oder Vorkommen, treiben — wie einmal jemand sagte — “Seelenmassage”, damit Menschen gerettet werden wollen! — Und dabei behauptet man dann: Gott kann nichts tun, wenn der Mensch nicht will! — Glauben diese gewissen Evangelisten denn, dass sie etwas können, was — nach ihrer Meinung — Gott nicht kann? — Diese Klasse Evangelisten sollten einmal Joh. 6, 44; 1. Kor. 2, 14; Apg. 26, 17.18 und 16, 14 gründlich studieren und sich auf ihren Religionsunterricht besinnen, dann würde ihnen einfallen, dass Luther im Katechismus gesagt hat: “Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Kraft und Vernunft an Jesus Christus glauben oder zu Ihm kommen kann usw.”
Wenn Gott einen Menschen rettet, dann fängt Er Sein Werk in ihm an (Phil. 1, 6; vgl. Hebr. 12, 2). Er wirkt dann in ihm “das Wollen”, d. h. den Willen, und auch “das Vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen” (Phil. 2, 13). Auch in Jer. 24, 7 und Hes. 36, 26 sagt Gott, dass Er die Errettung vollzieht. “Ich will ihnen ein Herz geben, Mich zu erkennen, dass Ich Jehova bin” (Jer. 24, 7).
“Wir sind Sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln” (Eph. 2, 10). Wenn Gott einem Menschen “die Augen auftut” und “das Herz öffnet”, dann will der Mensch auch (Apg. 26, 17.18; 16, 14), weil Gott anfängt, in Ihm zu wirken, “das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wollgefallen” (Phil. 2, 13). Unsere Errettung ist nicht unser Verdienst, sie ist allein Gnade, eine Gabe (Eph. 2, 4-10, bes. 8.9).
b) Aber der Herr sagte doch einmal: “Ihr habt nicht gewollt!” (Matth. 23, 37).
Hier ist gar nicht vom Seligwerden, von der endgültigen Errettung die Rede, sondern davon, dass der Herr Israel sammeln wollte, das damals schon, wenigstens die zehn Stämme, unter die Nationen zerstreut war. Er wollte Israel sammeln, um dann das Königreich Gottes aufzurichten. Dieses wollte Israel nicht, darum kam auch das Königreich Gottes noch nicht auf der Erde zustande. Statt: “Ihr habt nicht gewollt!” kann man auch lesen: “Ihr waret dem nicht zugeneigt”. In Vers 39 sagt der Herr dann, dass sie später doch sprechen werden: “Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!” (Matth. 23, 37-39). Hieraus geht klar hervor, dass es sich hier nicht um die endgültige Errettung handelt. Israel wird ja einmal ganz gerettet werden, wie Paulus Röm. 11, 25-36 bezeugt.
c) “Ja, wenn jetzt Gott nur die Erwählten errettet, dann braucht man eigentlich doch nichts zu tun. Gott rettet diese ja nach Seinem Willen.”
So und ähnlich sprechen manche Gläubigen, die — Gott noch nicht verstanden haben. Beachten wir doch: Gott wirkt “das Wollen und das Vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen”. Wenn Er das wirklich tut, wird jeder Gläubige, “das Wollen und das Vollbringen” haben. Es wird keiner die Hände in den Schoß legen. Weil jeder weiß: “Wir sind Sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln” (Ephes. 2, 10). Ein Auserwählter stellt sich darum ganz Seinem Herrn zur Verfügung, lässt sich vom Geiste Gottes leiten (Röm. 6, 13.19; 8, 14), um die Werke zu tun, die Gott zuvor für ihn bereitet hat. Auserwählte rechnen nicht mit sich selber, sondern mit dem lebendigen Gott! Sie leben, “wirken ihre Errettung aus mit Furcht und Zittern” (Phil. 2, 12), in dem Bewusstsein, dass Gott in ihnen wirkt, “das Wollen und das Vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen”. (Phil. 2, 13)
d) Inwieweit ist der Mensch in seinem relativ freien Willen frei?
Die Vorausbestimmung Gottes gibt jedem Menschen einen begrenzten Bewegungskreis. Lies bitte Psalm 139, 16; Pred. 6, 10; Eph. 2, 10; Apg. 22, 10!
In diesem Bewegungskreis korrigiert Gott noch Seinen Willen, wenn Er es für notwendig hält! Außerdem steht er unter dem “Gesetz der Sünde”. Die Sünde knechtet seinen Willen (Röm. 7, 23; Joh. 8, 34; Gal. 5, 17).
Dadurch ist sein Bewegungskreis sehr begrenzt und klein. In demselben kann er handeln, wie er will. Aber er muss vor Gott dafür Rechenschaft geben (Matth. 12, 36.37; 1. Petr. 4, 5). Frei ist er nicht. Jeremias sagt: “Ich weiß, Herr, dass des Menschen Tun steht nicht in seiner Gewalt, und steht in niemands Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte” (Jer. 10, 23).
Der Gläubige, der in Christo Jesu ist, steht auch nach der Vorausbestimmung Gottes in einem begrenzten Bewegungskreis. Gott korrigiert auch seinen Willen.
Aber vom “Gesetz der Sünde und des Todes” ist er befreit, weil er in Christo Jesu ist (Röm. 8, 2). Er wandelt “im Geiste” und kann tun, was er will (Gal. 5, 16.17).
Für ihn gibt es aber eine weitere Begrenzung seiner Freiheit durch die “guten Werke, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln” (Eph. 2, 10 und Apg. 22, 10). Wir sind Gefangene, Gebundene, Sklaven des Herrn Christus (Eph. 4, 1). Wir leben Seinetwegen und für Ihn (Joh. 6, 57; 2. Kor. 5, 15).
Wenn wir das verstanden haben, dann sehen wir, dass der Bewegungskreis für unseren Willen sehr klein ist.
Für alle unsere Handlungen müssen auch wir Rechenschaft geben (Matth. 12, 36.37; 1. Petr. 4, 5; Röm. 14, 12; Hebr. 13, 17).
Wir können auch die uns von Gott zuvor bestimmten guten Werke mangelhaft oder nur teilweise tun. Geschieht das, dann greift Gott richtend in unser Leben ein! (1. Kor. 11, 31.32; vgl. 1. Kor. 3, 11-15!). Paulus musste Evangelium verkündigen. Er sagt: “… denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte” (1. Kor. 9, 16).
Weiter haben wir die törichte “Freiheit”, das Ziel zu verfehlen, um “den Kampfpreis” zu kommen (Kol. 2, 18; 1. Kor. 9, 24-27; 2. Tim. 2, 5). Wir können auch “freiwillig” dem Leiden und Ausharren aus dem Wege gehen und die Herrlichkeitsstellung und das Herrschen verlieren (Röm. 8, 17; 2. Tim. 2, 12). Paulus wollte das nicht, darum handelte er so, wie er es uns Phil. 3, 7-21 sagt.
Auch die Gläubigen werden vor dem Preisrichterthron des Christus offenbar (2. Kor. 5, 10). Der Mensch ist keine Maschine, kein Uhrwerk! Er hat, ob ungläubig oder gläubig, seinen von Gott begrenzten Bewegungskreis, in dem er handeln kann, wie er will. Wir sollten aber niemals vergessen, dass alle Menschen vor Gott Rechenschaft geben müssen (Matth. 12, 36.37; 1. Petr. 4, 5; Röm. 14, 12; Hebr. 13, 17). Dieser Bewegungskreis ist klein, weil der Mensch klein ist (Jes. 51, 12; Ps. 103, 14-16; Ps. 39, 12; 144, 6; Hiob 25, 6).
Der Mensch ist kein Gott! Glauben wir einmal wirklich an Gott! Er ist der allmächtige, souveräne Gott! Er beherrscht das ganze All! “Er hält das All im Gange, überein mit dem Ratschluss Seines Willens” (Eph. 1, 11)! Das ganze All dient Ihm (Ps. 119, 89-91)!
“Unser Gott ist in den Himmeln; alles was Ihm wohlgefällt, tut Er in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen” (Ps. 135, 6). Gott ist allein Gott (Jes. 45, 5-7)!
(Quelle: Mir unbekannt; Schriften Johannes Ullmann)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 