Die verschiedenen Auferstehungen
Autor: Diverse | Kategorie(n): Entrückung, Tod & Auferstehung | 881 x gelesenVon Karl Geyer, Karl Merz, Heinz Schumacher, Paul Müller, Adolf Heller und Ernst F. Ströter — Zusammengestellt von Heinz Schumacher
Vorbemerkung: 1961 erschienen in mehreren Heften dieser Zeitschrift (Gnade & Herrlichkeit) Artikel von KARL MERZ zum Thema »Die verschiedenen Auferstehungen«. Darauf aufbauend und durch Texte anderer Autoren ergänzt, soll im folgenden von acht verschiedenen Auferstehungen die Rede sein. Es soll aber die Zahl 8 natürlich kein Dogma sein — der eine Schriftforscher wird weniger, ein anderer vielleicht noch mehr Auferstehungen zählen. Auch der Inhalt der Ausführungen soll kein Dogma sein, sondern eine Hilfe zum Glauben und zum weiteren Forschen. Uns ist bewußt, daß z. B. die »Ausauferstehung« von manchen Gläubigen gegenüber dem biblischen Befund überbewertet, von anderen als eine frühere oder fortlaufende Auferstehung ganz abgelehnt wird. Umstritten ist auch unter Gläubigen die Bedeutung der »Ersten Auferstehung« von Offb. 20. Von einer Wiederkehr der früheren Einwohner der Sündenstädte Sodom und Gomorra hört man in der Verkündigung fast nichts. — Wir meinen aber, daß unsere Leser dafür dankbar sein werden, daß einmal der Versuch unternommen wird, die verschiedenen Auferstehungen in einem Artikel zusammenfassend darzustellen. — Unberücksichtigt bleiben die alttestamentlichen Vorbilder der Auferstehung sowie überhaupt alle Auferweckungen, die vor der Auferstehung Jesu Christi stattfanden.
Heinz Schumacher
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1. Die Auferstehung Jesu Christi
Seine Auferstehung ist die grundlegende und wichtigste aller Auferstehungen überhaupt. Hier sei an das sieghafte Auferstehungskapitel 1. Kor. 15 erinnert. (Dr. Paul Müller hat es in seinem Buch »Unser Leben im Licht der Liebe Gottes« in feiner Weise ausgelegt.) In der Auferweckung Seines Sohnes erwies der Vater Seine ganze Macht (Eph. 1, 19), besiegte Er den letzten Feind, den Tod. Auch wenn die Menschheit nach wie vor eine sterbliche und unser Kosmos ein vergehender ist — der Anfang ist gemacht, und Gott wird nicht ruhen, bis »wie in dem Adam alle (Menschen) sterben, also auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden« (1. Kor. 15, 22). Dies geschieht aber nicht auf einmal, sondern in Abteilungen, Gruppen oder Ordnungen. Deshalb ist hier die Rede von mehreren, verschiedenen Auferstehungen. H. Sch.
KARL GEYER (1893-1955) schrieb über die Auferstehung Jesu Christi: Die Auferstehung Jesu Christi ist zunächst der Erweis dafür, daß Christus wirklich Gottes Sohn ist. Bis zu Seiner Auferstehung kam noch keiner im Auferstehungsleibe aus den Toten wieder. Lazarus z. B. wurde nur auferweckt, d. h. in den natürlichen Leib zurückgerufen. Christus ist der Erstgeborene aus den Toten. Vor Seiner Auferstehung konnte der Teufel die Menschen immer damit höhnen, daß ihr Glaube an ein Weiterleben bzw. an eine Auferstehung aus den Toten nur Einbildung sei, weil ja noch keiner von drüben wiedergekommen sei. Nach der Auferstehung des Herrn aber war Satan in dieser Behauptung als Lügner erwiesen.
Wäre Christus nicht mehr aus den Toten auferstanden, dann wäre das ganze Rettungswerk Gottes für die Welt gescheitert gewesen … Ohne die Auferstehung Christi wäre nicht nur die Hoffnung des Vaters, der ja der Gott der Hoffnung ist (Röm. 15, 13) und alle Seine Hoffnung auf Ihn, den Garanten und Bürgen für alle Gottesverheißungen (2. Kor. 1, 20), setzte, umsonst gewesen, sondern auch wir wären alle um jede Hoffnung betrogen. Wir wären die Elendesten unter allen Menschen (1. Kor. 15,19), zweimal betrogen, sowohl um die Lust dieser Welt, auf die wir um der Hoffnung der Auferstehung willen verzichtet hätten, wie dann auch um die Erfüllung dieser zukünftigen Hoffnung selbst.
2. Die Auferstehung vieler entschlafener Heiliger des Alten Bundes
KARL GEYER: Die Überwindung des Todes durch den Herrn des Lebens ist der größte Sieg der Weltgeschichte. Dieser Sieg brachte eine völlige Änderung der Lage im ganzen Kosmos mit sich. Satan ist gerichtet (Joh. 12, 31), der Tod ist besiegt, so völlig besiegt, daß er sogar die alttestamentlichen Heiligen aus ihren Gräbern gehen lassen mußte, so daß sie an jenem Ostermorgen den lebenden Heiligen in Jerusalem erscheinen konnten, als Zeugnis dafür, wer nunmehr die Schlüsselgewalt im Totenreich hat (Matth. 27, 51-53). Der Herr, der sie nunmehr besitzt, übte sie alsbald für die Seinen aus. Die, die zuvor auf Ihn gewartet hatten und zu ihrer Zeit die ihnen angebotenen Erleichterungen ihrer oft qualvollen Lage nicht annahmen und die Möglichkeiten ausschlugen, sich durch Untreue oder Kompromisse vor der Hinrichtung zu retten, die aushielten, weil sie auf eine bessere Auferstehung warteten als auf die allgemeine Auferstehung aller Gerechten zu Beginn des Tausendjahrreiches (Hebr. 11, 35), durften nach Seiner Auferstehung auch die Kammern der Unterwelt verlassen und an Seinem Siegeszug teilnehmen. Der Herr wurde ja, als Er durch alle Himmelswelten hinauffuhr, begleitet von der Herrlichkeitswolke aus ungezählten Myriaden von Engeln und dazu jenen alttestamentlichen Heiligen, die nach Seiner Auferstehung aus den Gräbern gingen. Sie lagern nun als Wolke von Zeugen um uns (Hebr. 12, 1), weil sie ja nicht ohne die Leibesgemeinde vollendet werden können (Hebr. 11, 39.40). Da sie nicht ohne uns vollendet werden können, sondern nur durch uns (2. Kor. 1, 20), so lagern sie um uns.
KARL GEYER hat auch in mehreren Liedern auf diese Auferstehung Bezug genommen:
Donnernd erbebte an Ostern die Erde;
Grüfte der Heiligen taten sich auf,
und auf des Erstlings gebietendes »Werde!«
stiegen die Leiber zum Lichte herauf,
wandten zur heiligen Stadt ihre Schritte,
traten in Kraft in der Gläubigen Mitte.
(Lobgesänge der Gemeinde 324, 4)
Er hat dem Tod genommen
die Zeichen seiner Macht,
befreit die vielen Frommen,
sie mit herauf gebracht.
Nun führt durch alle Welten
Er sie im Wolkenflug,
die als Sein Zeugnis gelten
in Seinem Ehrenzug.
(Lobgesänge der Gemeinde 853, 2)
3. Ausauferstehung (Exanastasis) oder fortlaufende Auferstehung
KARL MERZ (1890-1969) schrieb hierzu u. a. 1961: Vor kurzem sagte mir ein Bruder, daß man da und dort von der Entrückung als von einem Ereignis rede, das nicht im Vordergrund unserer Erwartung stehen dürfe. Es gelte, um einen anderen Kampfpreis zu ringen, nämlich daß wir entgegenkommen der Ausauferstehung aus den Toten. Anscheinend ist dies in einer Weise geschehen, daß unser Bruder sich mit Recht entrüstete. Man sprach mit Geringschätzung von den anderen, die nach der Wiederkunft des Herrn ausschauten und auf die Entrückung warteten.
Da wollen wir einmal fragen, ob wir überhaupt einen Schriftgrund haben, von einer Ausauferstehung oder fortlaufenden Auferstehung zu reden. Ich persönlich glaube: Ja. Doch wollen wir uns nicht in überheblicher Weise damit beschäftigen, sondern in geziemender Demut und in geistlicher Nüchternheit, die sich nicht von Wünschen und Gefühlen, sondern vom Wort her bestimmen läßt.
Als Schriftstelle kommt hier Phil. 3, 11 in Frage. Dort heißt es nach der Elberfelder Bibel: »… ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möchte zur Auferstehung aus den Toten.« In einer Fußnote sagt sie dann: »Eig. Aus- oder Herausauferstehung«. Wir wollen uns nicht dabei aufhalten, daß die meisten gläubigen Schriftforscher immer noch der Auffassung sind, daß es sich hier um dieselbe Auferstehung handle wie in 1. Kor. 15, 51.52; 1. Thess. 4, 15-17 oder Offb. 20, 4-6. Wir können diese Gleichung nicht vollziehen.
In Phil. 3 gibt Paulus einen Überblick über sein Leben und Streben. Er sagt — wenn wir es einmal so ausdrücken dürfen —, daß er die besten Aussichten gehabt hätte, es in der Welt zu etwas zu bringen — vor allem in der kirchlichjüdischen Welt. In Damaskus aber habe er erkannt, daß das, was ihm bisher als Gewinn erschienen sei, ihm geschadet habe, und zwar deshalb, weil es ihn von Christus ferngehalten habe. Um Christi willen habe er dann gern alles darangegeben. Dies sei heute noch sein Standpunkt. Was die Welt ihm zu bieten habe, komme ihm vor wie Dreck gegenüber dem, was Christus ihm sei. Es gehe ihm nur darum, Christus immer völliger zu gewinnen und in Ihm erfunden zu werden. (Statt »er«funden hat jemand sehr treffend gesagt: »ge«funden, also wo man ihn auch suche, möchte er immer bei Christus gefunden werden.) Er möchte mit dem Herrn leben und sterben. Diese völlige Hingabe hält er für nötig, wenn er an der Ausauferstehung teilhaben wolle. »Ob« ihm dies gelingen wird, weiß er nicht.
HEINZ SCHUMACHER: Phil. 3, 10-14 ist ein nicht leicht zu erfassender Text, und es gibt viele und verschiedene Auslegungen dazu. Manche Brüder, die ich schätze, wollen die in V. 11 genannte »Ausauferstehung aus Toten« im Sinne von Röm. 6, 3-6 nur geistlich verstehen, also in dem Sinn, als mit Christus Gekreuzigte und Auferstandene zu leben. Andere halten die dort geäußerte Hoffnung für die gleiche wie in 1. Thess. 4, 14-17 oder 1. Kor. 15, 51.52. In den beiden letztgenannten Stellen findet sich aber kein »Ob«, keine Unsicherheit. Diese liegt jedoch in Phil. 3, 11 vor — man kommt nicht darum herum. (Ich habe mehrere große griechisch-deutsche Wörterbücher zu diesem »ei poos« eingesehen.) Um was geht es Paulus?
Ich meine, es gelte in Phil. 3, 11-14 ein Dreifaches zu unterscheiden (es hängt miteinander zusammen, ist aber nicht dasselbe): Ausauferstehung — Ziel — Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben. So unterscheiden wir ja auch bei einem Wettlauf: Zeit, Ziel und Preis.
Das Ziel ist Jesus selbst und das Ihm-Gleichsein (im Sinne von 1. Joh. 3, 1-2). Die Ausauferstehung ist offensichtlich eine besondere, frühere, vielleicht fortlaufende Auferstehung, die eine besonders tief erlebte »Gemeinschaft Seiner Leiden« zur Voraussetzung zu haben scheint (den Märtyrertod?). Der Kampfpreis wird uns in 1. Kor. 9, 24-27 näher erklärt, einem Text, der viel Ähnlichkeit mit dem Philippertext besitzt, indem er auch vom Laufen (Jagen) spricht: er besteht in der unvergänglichen Krone (stephanos = Siegeskranz, Krone). — Was hier noch unerreichter Siegespreis des Wettkampfes ist, wird Paulus in 2. Tim. 4, 7.8 zur Gewißheit: Die Krone der Gerechtigkeit liegt ihm nun bereit. Das darf er gegen Ende seines Erdenlaufs wissen. Ist ihm zu jener Zeit auch die Exanastasis gewiß geworden? Er äußert sich dazu nicht, doch man darf es vermuten.
Hat es das Ziel mit Jesus selbst zu tun, die Ausauferstehung mit einer früheren Auferstehung, so der Kampfpreis mit Siegeskranz oder Krone, der Berechtigung, mit Jesus Christus zusammen zu herrschen in alle Äonen hinein, bis Ihm alles unterworfen ist. Dieser Kampfpreis ist es wahrlich wert, ihm nachzujagen. Er fällt uns nicht mühelos in den Schoß! Denn Bürger wird man zwar durch Geburt, aber Herrscher nur nach entsprechender Bewährung.
PAUL MÜLLER (1896-1983) schrieb zum Thema »Ausauferstehung«: Beim Sterben des Menschen vollzieht sich eine Trennung. Der eine Teil wird ins Grab gelegt und verwest. Der andere Teil gelangt in die unsichtbare Welt, in den Zustand zwischen dem Sterben und der Auferstehung. Je nach der geistlichen Reife kommt er in eine Schule mit dem letzten Ziel der Jesusähnlichkeit und damit der Reife zur Auferstehung in Geistleiblichkeit.
Mit dem Anfang des neuen Lebens, also mit der vorbehaltlosen Übergabe und Überlassung an Jesus Christus beginnt im Innern verborgen ein Wachstumsvorgang. Der geistliche neue Mensch lebt zunächst wie ein irdisches neugeborenes Kind klein und hilfsbedürftig. Durch Gebet, Bibellesen und Gemeinschaft mit anderen Gotteskindern erfolgt das Wachstum; wenn Gott es will, auch unter Leiden mancher Art. Im besten Fall gelangt der Mensch bis zu seinem Sterben in die Nähe der Jesusähnlichkeit. Dann besteht die Möglichkeit, daß bald nach dem Sterben die Auferstehung erfolgt und das Grab leer wird. Aus der Tatsache, daß man leere Gräber sehr selten findet, geht hervor, daß bei den weitaus meisten Menschen die Zeit zwischen ihrer Beerdigung und Ausgrabung kleiner ist als die Zeit, die sie bis zur Auferstehungsreife in Geistleiblichkeit brauchen.
Hier folge ein gut verbürgtes Beispiel eines leer aufgefundenen Sarges:
Der Weingärtner Johannes Fischer lebte von 1843 bis 1891 in Endersbach, Kreis Waiblingen. Er führte ein Leben des Glaubens und spielte in der M. Hahn´schen Gemeinschaft das Harmonium. Wenn man ihn am Schluß aufforderte, noch einen Gedanken zu sagen, lehnte er es gewöhnlich mit den Worten ab: »Es muß auch Tuner geben.« Damit wollte er betonen, es komme darauf an, zu tun, auszuführen, was man jetzt gehört habe. — 1922 sollte seine Tochter Luise Fischer in das Grab ihres Vaters gelegt werden. Das war 31 Jahre nach der Beerdigung von Johannes Fischer. Der Totengräber stieß auf einen gut erhaltenen Sarg, der völlig leer war. In seiner Überraschung rief er mehrere Zeugen herbei. Im Protokollbuch des Kirchengemeinderates findet sich mit den Unterschriften der Kirchengemeinderäte und des Pfarrers der Bericht über eine Verhandlung. Demnach muß der Eindruck, den dieses leere Grab auf die Leute machte, gewaltig gewesen sein. Die Reaktion darauf war sehr unterschiedlich. Die einen hätten am liebsten die Sache ganz verschwiegen. Andere versuchten eine natürliche Erklärung und sagten, Johannes Fischer habe in seiner Krankheit (Tuberkulose) sehr viele Arzneien einnehmen müssen; deshalb hätten sich die Knochen nicht erhalten. Dabei weiß jeder Chemiker, daß solche Arzneien niemals Knochen zersetzen. —
Pastor August Feldhoff zitiert in dem Buch »Der Universalismus« (Stuttgart 1861) u. a. eine Mitteilung Schuberts über Oetingers Leben. Schubert schrieb: »Hierbei erwähne ich noch eines merkwürdigen Zuges, welcher allerdings aus einer höheren Physik als die gewöhnliche erklärt werden kann. Der alte Kommandeur auf dem Asperg namens Rieger starb, und sein Leichnam wurde in der Nähe der Kirche zur Erde bestattet. Im nächsten Jahr sollte an der Kirche gebaut werden, und gerade da, wo das Grab war, ein Pfeiler in die Erde gesenkt werden. Man hatte bereits in der Nähe ein neues Grab geöffnet, um die Leiche des ehrwürdigen Mannes aus ihrer bisherigen Gruft heraus in jene zu versetzen. Da die Totengräber den Sarg aufheben, finden sie ihn zu ihrem Erstaunen ganz leicht, als sei er leer. Verwest konnte doch der Leichnam eines großen, starken Mannes in einem Jahr noch nicht sein, und der Sarg war noch frisch. — Sie öffneten diesen aus Neugierde, finden ihn ganz leer, ohne Spur eines Körpers. Da man’s Oetinger berichtete, sprach er: »Wie, wundert euch das? Habt ihr nicht gelesen von einer ersten Auferstehung der Toten? Zu dieser ist unser Seliger gelangt, dessen Leib — samt der Seele und dem Geiste — schon hienieden zu einem reinen und heiligen Tempel Gottes verklärt und geläutert war.«
KARL MERZ: Wertvoll mag uns auch sein, was Bibeltheologen der vergangenen Zeit zu unserem Thema gesagt haben. So lesen wir in dem Buch von Rinck »Vom Zustand nach dem Tod« im Anschluß an die Auferstehung jener vielen Leiber der Heiligen, die nach der Auferstehung des Herrn erschienen seien (Matth. 27, 52.53): »Es kamen also, sobald das große Werk der Erlösung vollbracht war, viele Heilige des Alten Bundes, die vor der Menschwerdung Christi oder wenigstens vor der Vollendung Seines Werkes entschlafen waren, zur Auferstehung; nicht nur ihre Seelen wurden von Christo in das aufgeschlossene obere Heiligtum versetzt, sondern sie gingen auch dem Leibe nach in die Vollendung ein, mußten nicht warten auf die Parusie Christi vom Himmel. Manche, besonders Theologen aus der Oetinger´schen Schule, schließen daraus, daß noch viel weniger die Heiligen des Neuen Bundes, die Apostel und viele andere, warten müssen bis zur Wiederkunft in den Wolken des Himmels, ehe sie zur Auferstehung gelangen; daß mit der Auferstehung Christi die Auferstehung der Gerechten beginne und durch alle Jahrhunderte fortgehe und bei der Wiederkunft Christi nur auf eine epochemachende Weise zum Abschluß komme. Schon Irenäus ist der Ansicht, daß nach dem Maße der Heiligung und Vollendung, welche die Gläubigen hienieden erreicht haben, sie früher oder später auferstehen werden.«
Es wäre bedauerlich, wenn die Frage nach der Entrückung und Ausauferstehung zu Spannungen oder gar zu Spaltungen in unseren Kreisen führen würde. So überzeugt wir selbst von der Ausauferstehung sein und so ernsthaft wir uns danach ausstrecken mögen, wollen wir doch beherzigen, was Paulus in Phil. 3 gleich nachher sagt: »Wohlan denn, sofern wir schon geistlich reif geworden sind, laßt uns in dieser Gesinnung (entschlossen dem Ziele zuzustreben) unseren Wandel führen! Wenn ihr aber noch in irgendeinem Punkt anders urteilt, wird es euch Gott auch noch offenbaren. Das, worin wir schon übereinstimmen, wollen wir auf jeden Fall festhalten« (Phil. 3, 15.16 nach Hans Bruns).
4. Die Auferstehung der Toten in Christus anläßlich der Entrückung der Gemeinde zum Herrn (auch genannt »Erstlingsauferstehung«)
KARL MERZ: Da wir aus der Erfahrung wissen, daß die angegebenen Schriftstellen in der Regel nicht gelesen werden, setzen wir die in Betracht kommenden im Wortlaut hierher:
— 1. Kor. 15, 51.52: »Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten in Christo werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.« (Frage: Denkt Paulus hier an die 7. oder letzte Posaune in Offb. 11, 15? Wir glauben: nein. Keinesfalls konnte Paulus auf diese letzte Posaune Bezug nehmen; denn die Offenbarung Jesu Christi ist erst viel später geschrieben und veröffentlicht worden. Gewiß wäre es an sich möglich, daß der Heilige Geist sowohl dem Paulus wie dem Johannes das von der letzten Posaune eingegeben hätte — ohne daß sie voneinander wußten. Wahrscheinlich ist eine solche Annahme jedoch nicht. Es liegt näher, bei Paulus an die verschiedenen militärischen Signale zu denken, die er während seiner Unterbringung in der Kaserne oft genug gehört haben mag. Das letzte Signal aber bedeutete: Marsch!)
— 1. Thess. 4, 15-17: »Das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben auf die Ankunft des Herrn, werden denen nicht zuvorkommen, die da schlafen. Denn Er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Danach wir, die wir leben und übrigbleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft.«
Wir haben schon gesehen, daß Ausauferstehung und Erstlingsauferstehung nicht eigentlich zu trennen sind. Sie lassen sich zwar sachlich und zeitlich unterscheiden. Sachlich: insofern als an der Ausauferstehung nur die Vollendeten teilhaben, während die anderen Gläubigen bei der Wiederkunft des Herrn auferstehen oder verwandelt werden, auch wenn die Verklärung in das Bild Jesu Christi bei ihnen noch nicht ganz erfolgt ist. Zeitlich: insofern die Ausauferstehung die ganze Zeit über geschieht, seitdem die Auferstehung jener vielen Leiber der Heiligen nach Matth. 27, 51-53 stattgefunden hat, während die Erstlingsauferstehung, wie wir sahen, »in epochemachender Weise« das Gros (oder den Rest) der Gläubigen umfaßt.
Wenn wir im folgenden von der Erstlingsauferstehung reden, so meinen wir jenes Ereignis, das bei der Wiederkunft des Herrn stattfindet und das wir für gewöhnlich als Entrückung bezeichnen. Fritz Hubmer nannte sie unlängst die Naherwartung der Kinder Gottes. Recht verstanden, werden wir ihm zustimmen dürfen. Es sei nur noch einmal erwähnt, daß wir dabei an die Auferstehung des Gros der Gläubigen denken, die auf »eine epochemachende Weise« ans Ziel gebracht werden.
Bei dieser Erstlingsauferstehung oder, wie wir im weiteren sagen wollen: der Entrückung, achten wir auf viererlei:
- Die Art,
- den Ort,
- den Zeitpunkt und
- die Teilhaber an der Entrückung.
Wichtig ist uns dabei, daß Paulus in den am Anfang genannten Schriftstellen nicht seine eigene persönliche Meinung wiedergibt, sondern daß er von einer Offenbarung spricht, die ihm durch den Herrn zuteil geworden sei.
1. Die Art der Entrückung. Am besten fragen wir da zuerst nach dem Sinne des Wortes »entrückt« oder »Entrückung«. Es sind zwei Worte, auf die wir hinweisen und von denen wir ausgehen möchten. So lesen wir in Apg. 23, 10, daß Paulus seinen Gegnern mit Gewalt entrissen worden ist. Im Grundtext steht das gleiche Wort wie in 1. Thess. 4, 17. Die Entrückung der Gläubigen bedeutet demnach, daß sie am Ende unserer Tage dem Fürsten dieser Welt gewaltsam entrissen werden. Aufschlußreich ist uns auch die Stelle in Apg. 8, 39. Dort lesen wir, daß der Geist des Herrn den Philippus »entrückt« habe und daß der Kämmerer ihn nachher nicht mehr gesehen habe. Philippus ist also auf eine »heimliche« Weise weggenommen worden. — Es ist uns bekannt, daß gerade gegen die »heimliche« Entrückung Sturm gelaufen wird. Pastor Herbst, jener von uns geschätzte Schrifttheologe, bezeichnet sie als menschliches Fündlein, das keinen Schriftgrund habe. Wie aber, so fragen wir, ist dann Hebr. 11, 5 zu verstehen? Dort heißt es doch, daß Henoch von Gott entrückt worden sei und daß man ihn nicht mehr gesehen habe und er darum gesucht worden sei. Seine Entrückung kann demnach doch nur »heimlich« geschehen sein. — Im übrigen wird die Entrückung nach 1. Thess. 4 wie folgt vor sich gehen: Zuerst werden die in Christus Entschlafenen auferweckt. Dann erfahren die in Christus Lebenden eine Verwandlung. Ob zwischen diesen beiden Vorgängen ein zeitlicher Zwischenraum besteht, wissen wir nicht. Manche Brüder nehmen an, daß es der Fall sein werde. Sie meinen, daß sich das wiederholen werde, was uns in Matth. 27, 53 berichtet wird. So wie dort die auferstandenen Heiligen vielen in der Stadt erschienen seien, würden bei der Entrückung die in Christo Gestorbenen und Auferweckten den in Christo Lebenden sagen, daß sie sich auf ihre Heimholung bereit machen sollen. Doch handelt es sich bei dieser Annahme mehr um eine Analogie (Vermutung aufgrund eines ähnlichen Falles) als um einen eigentlichen Schriftgrund. — Sobald beide Teile vereinigt sind, geht es offenbar in einem gemeinsamen »Zug« dem Herrn entgegen. Jetzt ist die Gemeinde Jesu, wie Erich Sauer treffend bemerkt, zum erstenmal vollzählig und unvermischt zusammen.
2. Der Ort der Entrückung. Die »Fahrzeuge«, die dabei benutzt werden, sind Wolken. Was die Weltraumforschung erstrebt (aber wahrscheinlich nicht erreicht, weil der Cherub mit seinem Schwert, dem Strahlengürtel, immer noch vor dem Paradies steht und sterbliche, sündige Menschen nicht hindurchläßt), wird dann geschehen. Das Ziel der Fahrt ist mindestens vorläufig der Himmel. Unter diesem verstehen wir den Lufthimmel, die uns umgebende Atmosphäre, wo bis dahin der Fürst dieser Welt mit seinem Stab und seinem Heer den Aufenthaltsraum und die Wirkungsstätte gehabt hat. Christus selbst kommt aus dem Lichthimmel. Karl Geyer macht einmal darauf aufmerksam, daß der Herr nicht Seine Diener sende, um die Seinen abzuholen, sondern daß Er dies persönlich tun werde. Welche Ehre wird uns da zuteil! Nach der Begegnung und — wie wir es uns nicht anders denken können — der Begrüßung versammelt Er sie dann vor Seinem Preisrichterthron. Hier wird ein jeder offenbar, wie er in seinem Leibesleben gelaufen ist und gehandelt hat, um je nachdem Lob oder Tadel zu empfangen. Dabei geht es jedoch nicht um die Frage, wer Seligkeit oder Verdammnis verdient habe, sondern wie und wo jeder einzelne in den künftigen Äonen verwendet werden kann. Doch darüber Näheres zu sagen gehört nicht in den Rahmen dieses Artikels.
3. Der Zeitpunkt der Entrückung. Der vorhin erwähnte Pastor Herbst (und mit ihm viele andere) vertrat die Auffassung, daß die Entrückung erst nach der großen Drangsal stattfinden werde. Er schloß dies aus der Tatsache, daß Gott Seine Kinder nicht schone. Zu denken wäre hier etwa an Hebr. 12, 7: »So ihr die Züchtigung erduldet, so behandelt euch Gott als Kinder; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind teilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder.« Oder wir werden an Apg. 14, 22 erinnert: »… daß wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssen«; sowie an 2. Tim. 3, 12: »… alle, die gottselig leben wollen, müssen Verfolgung leiden.« Er folgert daraus, daß uns demnach auch die große Trübsal nicht erspart bleiben könne und werde. Grundsätzlich ist dagegen auch kaum etwas einzuwenden. Dennoch müssen wir auf zweierlei hinweisen: Einmal haben nur die Gläubigen der letzten Zeit durch die große Trübsal hindurchzugehen. Wenn es sich also so verhielte, wie manchmal gesagt wird, daß es sich dabei um eine Art Abschlußprüfung handelte: wie wäre dann die Reife derer zu beurteilen, die vorher heimgerufen worden sind? So gesehen kann die große Trübsal keine allgemeine Notwendigkeit sein, um für die Seligkeit und die Aufgaben der kommenden Welt geläutert und geschickt zu werden. Wir bitten auch hier wieder sagen zu dürfen — und das ist das andere, was es zu beachten gilt —, daß es sich bei der großen Trübsal um etwas Besonderes und mehr oder weniger Einmaliges handelt. Dies geht schon aus dem Wortlaut hervor, wenn Offb. 7, 14 gesagt wird: »… aus der Trübsal, der großen.« Wir sehen die große Trübsal weniger als etwas Heilsmäßiges als vielmehr etwas Heilsgeschichtliches an. Sie bricht in erster Linie über die Juden und in zweiter Linie über die »Judengenossen« herein (die nach der Entrückung aus den Völkern Zurückgebliebenen, aber nun Entschlossenen, um jeden Preis dem Herrn ganz nachzufolgen). — Fritz Binde hat in einer Bibelstunde über »die Hoffnung des Evangeliums« sich wie folgt geäußert: »Er (gemeint ist der letzte Weltherrscher) wird offenbar als der »Gesetzlose«, sobald der Abfall von Gott ausgereift ist. Es wird nach der Entrückung der Gläubigen geschehen. Denn ehe der Gesetzlose geoffenbart werden kann, muß der hinweggetan werden, der sein Erscheinen zurückhält, und das kann nichts anderes sein als die gläubige Gemeinde, die ja das Licht der Welt und das Salz der Erde genannt wird.« Karl Geyer hat, wenn wir uns recht erinnern, den Standpunkt vertreten, daß die Entrückung mit dem Abschluß der Nationenzeit (Luk. 21, 25) erfolgen werde. Sobald die Vollzahl aus den Nationen (Röm. 11, 25) gewonnen sei, hole der Herr die Seinen heim. Diese Annahme scheint uns am meisten mit dem Heilsplan Gottes übereinzustimmen. Die noch ausstehende 70. Jahrwoche gehöre wieder Israel. — Es ist uns bekannt, daß Brüder, die wir lieben und schätzen, anderer Meinung sind. Dies stört unsere brüderliche Gemeinschaft jedoch in keiner Weise. Sie halten dafür, daß die Entrückung in der Mitte der letzten Jahrwoche stattfinden werde. Immerhin freuen wir uns, wenn wir auch in diesem Stück zur »Einzigkeit« nicht nur des Glaubens, sondern ebenso der Erkenntnis gelangt sein werden (so hat Pfarrer Eichhorn Eph. 4,13 übersetzt).
4. Die Teilnehmer an der Entrückung. Die in diesem letzten Punkt enthaltene Frage möchten wir am liebsten mit dem Liederreim beantworten: »Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?« Nach unserer Erkenntnis kommt es nicht auf dies und jenes, sondern darauf an, ob wir ein Glied am Leibe Jesu Christi sind. Ein solches wird man nicht durch die (Wasser-)Taufe. Ein Glied am Leibe Christi wird man nur durch die Innewohnung des Heiligen Geistes. Dadurch (und durch nichts anderes) wird die Lebensverbindung mit dem Haupte hergestellt. »Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein« (Röm. 8, 9). Paulus will dies im Sinne des Wohnens des Geistes Gottes in uns verstanden wissen. Wir sind hier an einem wichtigen Punkt angelangt. Es gilt zu unterscheiden zwischen dem Einfluß des Geistes Gottes auf uns und dem Wohnen in uns. Dies wird in unserer Verkündigung vielfach übersehen. Joh. Tob. Beck, der bekannte Tübinger Theologieprofessor, schrieb in seiner Ethik: »Der Geist wirkt erst durch das Wort und die Taten von außen auf und in dem Menschen, ehe Er innerlich dem Menschen als selbständiges Eigentum zuteil wird; ehe Er innewohnt. Die Einwirkungen des Geistes und die Innewohnung sind zu unterscheiden.« Ähnlich hat sich der ebenso geistvolle Professor F. Godet in Neuchatel zu Joh. 14, 17 geäußert: »Die Unterscheidung zwischen der vorbereitenden Einwirkung des Geistes auf den Menschen vermittelst Offenbarung von außen und Seiner wesentlichen Innewohnung im Menschen scheint dem christlichen Bewußtsein beinahe entschwunden zu sein.« — Die Frage nach der Teilhaberschaft an der Entrückung möchten wir darum so beantworten, daß wir ganz einfach sagen: Wer ein lebendiges Glied am Leibe Jesu Christi ist, wird entrückt werden; oder noch einmal so gesagt: in wem der Heilige Geist wohnt.
5. Die Auferstehung der Gerechten und der Märtyrer vor Beginn des Tausendjährigen Reiches (»Die Erste Auferstehung«)
HEINZ SCHUMACHER: Vor Beginn des messianischen Friedensreiches finden nach der Schrift mehrere Auferstehungen statt. (Auch die unter Punkt 6 genannte gehört dazu. Da es sich dabei aber nicht um Gerechte, sondern um gerichtete ungläubige Israeliten handelt, betrachten wir sie gesondert.)
Sprechen wir zunächst von der Auferstehung der Gerechten, und suchen wir zu erfassen, was der Begriff »Gerechte« dabei für eine Bedeutung hat!
Nach Matth. 13, 43 werden im Reiche Gottes des Vaters und Seines Sohnes, des Messias, »die Gerechten leuchten wie die Sonne«. Was sind dies für Gerechte? Auch in Matth. 25, 46 ist von ihnen die Rede. Sie gehen ein ins »Leben« — hier gleichbedeutend mit »Königreich« (vgl. V. 46 mit V. 34!). Nach Matth. 25 sind es Menschen, die den geringsten Brüdern Jesu Gutes getan haben, also die Barmherzigen, Aufrichtigen, nach göttlicher Gerechtigkeit von Herzen Hungernden und Dürstenden — man vergleiche die Kriterien (Kennzeichen, Gerichtsnormen) von Ps. 15; Ps. 24, 3-6 und Matth. 5, 3-10!
Es werden »Gerechte« aus Israel, aber auch aus den Nationen (von denen ja Matth. 25, 31-46 spricht), im Gottesreich auf Erden versammelt sein. — Werden aber nur die zu Beginn des Reiches auf Erden lebenden Gerechten diesen Vorzug genießen, die verstorbenen Gerechten dagegen nicht? Dies wäre nach unserem Empfinden ungerecht; es entspricht auch nicht den Planungen Gottes. Denn wir lesen in Luk. 14, 14 von einer Auferstehung der Gerechten, und nach Apg. 24, 15 wird es sowohl eine Auferstehung der Gerechten als auch der Ungerechten geben. Diese beiden Auferstehungen dürften zeitlich nicht zusammenfallen. So wie Gottes Gericht über die Lebenden vor den 1000 Jahren Seiner messianischen Herrschaft auf Erden und Sein Gericht über die Toten nach den 1000 Jahren erst stattfindet (Matth. 25, 31-46; Offb. 20, 11-15), so dürfte auch die Auferstehung der Gerechten vor Reichsbeginn, die Auferstehung der Ungerechten aber erst nach dem Tausendjährigen Reich stattfinden. (Hier sei noch einmal auf Offb. 20, 11-15 hingewiesen, ein Gericht, bei dem freilich auch noch Menschen dabeisein werden, die nicht dem Feuersee verfallen, sondern Leben erlangen werden, wohl »Gerechte« im Sinne von Röm. 2, 7.)
Vor Beginn des Tausendjährigen Reiches Jesu Christi auf Erden findet nach Offb. 20, 4-6 auch die »Erste Auferstehung« statt. Dieser Begriff ist leider schon oft mißverstanden worden, als gehe es hier um die erste Auferstehung überhaupt (während wir doch in unserer Zählung bereits bei Punkt 5 angelangt sind!) oder als müßten wir, die Glieder des Leibes Christi, unbedingt danach trachten, diese Auferstehung nicht zu verfehlen. Der Sinn ist aber ganz einfach der: In Offb. 20 ist von zwei Auferstehungen die Rede; davon ist die in V. 4-6 genannte die erste und die in V. 11-15 beschriebene die zweite und letzte! Die »Erste Auferstehung« ist also die erste von zweien (auf die in diesem Kapitel es ankommt) und nicht die erste überhaupt — das war ja die Auferstehung des Sohnes Gottes! Sie hat auch nichts mit der Gemeinde, die Sein Leib ist, zu tun (davon spricht der Text in Offb. 20, 4-6 mit keinem Wort, noch werden wir irgendwo in den Briefen der Apostel ermahnt, uns zu befleißigen, zur »Ersten Auferstehung« zu kommen!). Sie hat es mit Israel und den Märtyrern der antichristlichen Zeit zu tun. Wer darf im messianischen Reich zusammen mit Christus auf Erden herrschen? Zunächst einmal die Apostel Jesu Christi (in Erfüllung des Wortes Matth. 19, 28); dann auch die Gerechten Israels (Matth. 13, 43). Besonders tröstlich ist es aber, daß in Offb. 20, 4 nachdrücklich auf die Märtyrer der antichristlichen Zeit (mögen sie aus Israel oder den Nationen stammen) hingewiesen wird. Bedenken wir doch, welch hartes Entweder-Oder allen denen vom Himmel her durch einen Engel Gottes auferlegt wird, die diese Zeit durchleben müssen! Es wird ihnen aufs strengste untersagt, ein zwiespältiges Leben zu führen, wie es in der Hitlerzeit viele versucht haben (wenn nicht aus Leidensscheu oder Karrieresucht heraus, dann vielleicht um der mitbedrohten Familie willen!): innerlich dem Herrn zu gehören, zu beten und die Bibel zu lesen, aber äußerlich mehr oder weniger mitzumachen (Fahnen, Uniform, Ehrerweisungen gegenüber dem Diktator). Wer in jener Zeit (nachdem er die Entrückung »verpaßt« hat) zum Glauben kommt, hat es nicht leicht, zumal wenn er Familie hat: Es gibt nur das totale Ja zu Gott oder zum Antichristen! Wer sich zu Gott und Christus hält, darf »nur äußerlich« (mit Tieranbetung, Bildanbetung, Malzeichen) nicht mitmachen! Die »nur äußerliche« Hinwendung zum »Tier des Endes« wird von Gott als ganzes Nein gewertet! (Man vergleiche das Kapitel Dan. 3!) — Noch leben wir heute nicht in dieser Zeit, erwarten wohl auch nicht, als Glieder der Gemeinde in die eigentliche antichristliche Drangsalszeit hineinzukommen; doch sollten wir aus Offb. 14 eine Nutzanwendung mitnehmen: Es gefällt Gott nicht — auch bei uns nicht —, wenn wir zwar Gott und Jesus Christus gehören wollen, aber durch unser äußerliches Sein und Handeln (im Umgang mit Geld, Besitz oder Macht, Mode, Medien, Kunst usw.) das Gegenteil darstellen! Dies hat nichts mit »Gesetzlichkeit« zu tun (solange man nicht pedantisch Vorschriften macht), sondern betrifft ganz allgemein und grundsätzlich die Übereinstimmung unseres Äußeren mit dem Inneren.
Doch zurück zu Offb. 20! Es ist für mich sehr tröstlich zu wissen: Wer sich im Reich des Antichristen — mögen auch Gefängnis und Tod der eigenen Person und der Familie drohen — entschieden auf Gottes Seite stellt und dafür vom »Tier« getötet wird, dem schenkt Gott eine besondere Auferstehung und das Herrschendürfen zusammen mit dem Messias 1000 Jahre lang!
6. Die Auferstehung der beim Wüstenzug dahingestreckten Israeliten
Diese Auferstehung dürfte zeitlich mit der vorhergenannten zusammenfallen.
ADOLF HELLER (1895-1973) schrieb dazu: Als Israel durch die Wüste wanderte, murrte es und behauptete, Gott habe es nur deshalb aus Ägypten herausgeführt, um es in der Einöde elend zugrundegehen zu lassen. »Ich werde tun, wie ihr geredet habt!« (4. Mose 14, 28) verhieß der Herr und machte auch hier den wichtigen Grundsatz wahr, daß Er zunächst jedem Geschöpf nach seinem (d. i. des Geschöpfes) Glauben geschehen läßt.
Von den 600 000 waffenfähigen Männern, die der Herr unter Zeichen und Wundern mit starker Hand zum Erweis Seiner Macht und Seiner Liebe aus dem eisernen Schmelzofen Ägyptens herausgeführt hatte, erreichten nur zwei das Ziel der Bestimmung, das verheißene Land. Die andern 599 998 kamen in der Wüste um, und nur die Kinder, die unterwegs geboren worden waren, zogen unter Führung Josuas und Kalebs in das dem Volk versprochene Kanaan ein. Noch heute bleichen die Knochen der murrenden, ihrer Lust erlegenen Israeliten in den Wüsten, durch die sie wanderten.
Wer Gottes Wort und Herz nicht kennt, der bleibt bei diesem Tatbestand stehen und erklärt, daß Israel wegen seines Unglaubens und seiner Sünde das gottgewollte Ziel nicht erreichte, sondern aufgerieben und vernichtet wurde, was z. B. auch neben vielen andern Stellen 4. Mose 14, 29-33 bezeugt. Man lese dieses ergreifende Wort aus Gottes eignem Munde aufmerksam nach!
Gott läßt jedes Geschöpf eine Zeitlang seine eignen Irrwege gehen. Daß Er letztlich aber dennoch zu Seinem Ziele kommt, ist eine zweite, übergeordnete Wahrheit. Wenn der Herr sagt, daß Israel nicht zu Seiner Ruhe eingehen solle, so heißt das keineswegs, daß es nie den verheißenen Sabbat erreichen werde.
Der Zug des aus Ägypten erretteten Volkes war zunächst ein völliges Versagen, und zwar nicht nur ein Versagen Israels, sondern auch ein scheinbares Versagen Gottes, der ja wegen des Unglaubens Seines »erstgeborenen Sohnes« (2. Mose 4, 22) das nicht auszuführen vermochte, was Er verheißen und beschworen hatte.
Dabei bleibt es aber nicht! Schlagen wir nur etwa Hes. 37 auf, und lesen wir langsam und betend diese gewaltige, ergreifende Prophetie! Welch ein wunderbares Bild entrollt sich da vor unserm geistigen Auge, ein Anblick, wie ihn menschliche Erfindungskraft niemals zu entwerfen vermöchte.
Wüsten waren voller verdorrter Menschengebeine. Diese bildeten »das ganze Haus Israel« (Vers 11a). Sie selbst halten eine Wiederherstellung aus diesem ihrem Zustand für unmöglich und sprechen darum: »Unsre Gebeine sind verdorrt; unsre Hoffnung ist verloren; wir sind dahin (Kautzsch: Es ist aus mit uns!).« Ist das nicht die Meinung der Masse betreffs der von Gott Gerichteten und Dahingegebenen?
Was aber sagt der Prophet, als er gefragt wird, ob diese Gebeine je wieder lebendig werden? Wir sollen und können von seiner Antwort viel lernen! Da es ihm nicht geoffenbart war, konnte er es nicht wissen. Wir können ja nur das wesensmäßig begreifen und heilig verwalten und bezeugen, was uns von Gott aus Seinem Wort durch Seinen Heiligen Geist enthüllt ist. Darum sagt der Prophet in Demut und Bescheidenheit: »Herr, Du weißt es« (Vers 3b). Auf dieses Bekenntnis hin erhält er den Auftrag, über den Totengebeinen zu weissagen und ihnen das Wort Gottes zu verkünden (Vers 4). Nicht Eiferern und Schreiern, sondern Demütigen und Gehorsamen, die allein an Gottes Wort gebunden sind, werden Aufträge aus dem Heiligtum zuteil.
Des Volkes Antwort auf die Frage, ob noch eine Hoffnung für sie bestehe, lautete: »Mit uns ist es aus!« Der Prophet wagt, entsprechend der ihm zuteil gewordenen bzw. nicht zuteil gewordenen Offenbarung Gottes, weder eine bejahende noch eine verneinende Antwort zu geben. Was aber sagt Gott selbst? In Verse 5.6 lesen wir darüber: »So spricht der Herr, Jehovah, zu diesen Gebeinen: Siehe, ich bringe Odem in euch, daß ihr lebendig werdet. Und ich werde Sehnen über euch legen und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen, und ich werde Odem in euch legen, daß ihr lebendig werdet. Und ihr werdet wissen, daß ich der Herr bin.«
Nun vermag auch Hesekiel an die Wiederherstellung Israels zu glauben, und er weissagt nach Gottes Gebot. Er widerspricht nicht dem Herrn, indem er etwa sagt, das sei doch gar nicht möglich, das könne doch nicht sein, Israel habe das ja auch gar nicht verdient, es geschehe vielmehr den Getöteten recht, daß sie endlos und unwiederbringlich dahingegeben seien, und was dergleichen Einwände gegen die klaren Verheißungen der Rettungs- und Vollendungsabsicht Gottes mehr sind. Hesekiel tut das nicht. Er glaubt und gehorcht.
»Da entstand ein Geräusch, und siehe, ein Getöse: und die Gebeine rückten zusammen, Gebein an Gebein. Und ich sah, und siehe, es kamen Sehnen über sie, und Fleisch wuchs, und Haut zog sich darüber obenher. Aber es war noch kein Odem in ihnen« (Vers 7b.8).
Nun stand der gewaltige Heereszug von mehr als einer halben Million israelitischer Männer, der einst in der 40-jährigen Wüstenreise wegen seines Unglaubens und Trotzes aufgerieben worden war, wieder da! Welch ein Anblick wird das einmal sein, wenn sich das, was der Prophet im Geiste schaute, wer weiß, wie bald, buchstäblich und wirklich vollzieht!
Aber es war kein Odem, kein Geist (hebr.: ruach, griech.: pneuma) in ihnen. Hier haben wir ein prophetisches Vorbild dafür, daß Israel in der Endzeit zunächst einmal rein äußerlich, in seiner völkischen Substanz, gesammelt werden wird, aber noch nicht in seiner Gesamtheit vom Geiste Gottes erfüllt ist. Das wird nur bei israelitisch-christlichen Erstlingen der Fall sein. Das gilt es zu beachten. Ehe sich eine wirkliche Erneuerung durch den Heiligen Geist vollzieht, wird das Volk irdischer Wahl zunächst in der 70. Daniel’schen Jahrwoche dem Gegenspieler seines Messias-Königs, dem Antichristen, verfallen. Das bahnt sich jetzt an. Nur einzelne wirkliche Herolde, die Jesus kennen und das kommende Reich und seinen Herrscher verkünden, dürfen ihren Dienst tun.
Einst wird, wenn Gottes Zeit und Stunde gekommen ist, »ein überaus großes Heer« vom Geist des Herrn erfüllt sein und marschbereit zum Einzug in das verheißene Reich »auf seinen Füßen stehen« (Vers 10b). Dann ist erfüllt, was Gott so oft verheißen hatte: Er wird Sein irdisches Volk und Erbe an das Ziel bringen, das Er für es ausersehen hat.
7. Die Wiederherstellung der einstigen Bewohner Sodoms
Zu diesem gewaltigen und ergreifenden Thema schrieb seinerzeit Professor ERNST F. STRÖTER (1846-1922): In Hes. 16 findet sich in den Versen 46-52 ein sehr beachtenswerter Vergleich zwischen Jerusalem und ihren beiden Schwesterstädten im Norden und im Süden, zur Linken und zur Rechten, nämlich Samaria und Sodom. Wohl ist die ganze ernste Strafrede dieses Kapitels von Hurerei und Buhlerei bildlich zu deuten auf heidnische Greuel und Abgötterei, wie sie oft unter dem Bilde von Hurerei dargestellt werden. Aber Jerusalem ist das wirkliche geschichtliche Jerusalem, ihr Gericht so geschichtlich wie ihre Sünde und Schande. Ebenso sind unter Samaria und Sodom nicht etwa Bilder oder Symbole von geistigen Zuständen zu verstehen, sondern die wirklichen Städte mit ihren ebenso tatsächlichen Greueln und den nicht minder tatsächlichen Gerichten, womit sie heimgesucht wurden. Es liegt nicht der geringste Grund vor, bei Sodom oder Samaria an etwas anderes zu denken als an die so benannten Städte nördlich und südlich von Jerusalem.
Das Urteil Gottes lautet: »So wahr ich lebe, spricht der Herr, Jehovah, deine Schwester Sodom hat nicht so übel gehandelt, wie du und deine Töchter (Tochterstädte) gehandelt haben … Und Samaria hat nicht halb soviel gesündigt wie du; sondern du hast durch deine Greuel deine Schwester als gerecht hingestellt« (V. 48.51).
Nun lesen wir aber in den Versen 53-55: »Ich will aber ihre Gefangenschaft, die Gefangenschaft Sodoms und ihrer Töchter, die Gefangenschaft Samarias und ihrer Töchter, wenden; auch die Gefangenschaft deiner Gefangenen unter ihnen will ich wenden … Also werden deine Schwestern Sodom und ihre Töchter wieder in ihren vorigen Stand zurückkehren, auch Samaria und ihre Töchter sollen wieder in ihren vorigen Stand zurückkehren; und du und deine Töchter, ihr sollt auch in euren vorigen Stand zurückkehren.«
Da liegen eine Reihe von unleugbaren Tatsachen klar zutage:
1. Während die Gefangenschaft sowohl Samarias wie Jerusalems unzweifelhaft eine politische war, trug die Sodoms offenbar einen sehr verschiedenen Charakter. Waren doch seine Bewohner lebendig in die Feuerhölle (Scheol) gefahren, in das Gefängnis des Todes. Wir glauben nicht, daß eine ehrliche Schriftauslegung eine andere Erklärung hierfür finden wird. Damit deckt sich der Gebrauch des Wortes Gefängnis in Ps. 68, 19; Eph. 4, 8; 1. Petr. 3, 19 (man vergleiche Sach. 9, 11.12).
2. Die Wiederherstellung Jerusalems aus der babylonischen Gefangenschaft, in welcher sie damals noch waren, ist so gut bezeugt in den Schriften der Propheten, daß wieder ein ehrlicher Zweifel an der Bedeutung dieser Verheißung, die auf Rückkehr in den vorigen Stand geht, ausgeschlossen erscheint. Was die Rückkehr der Bewohner Samarias, des nördlichen Zehnstämmereichs betrifft, so ist eine wenigstens teilweise Erfüllung dieser Worte im gleichen Sinne mit der Rückkehr Jerusalems ebenfalls zu verzeichnen. Denn aus manchen Stellen im 2. Buch der Chronika, Esra und Nehemia geht deutlich hervor (und wird bestätigt durch Luk. 2, 36), daß an der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft bzw. an der Wiederherstellung und dem Wiederaufbau des Tempels und der Stadt unter den persischen Königen auch Angehörige der Zehn Stämme mit beteiligt waren. So sieht ja auch das ganze Neue Testament das wiederhergestellte Volk Israel im Lande durchweg nicht als ein nur zweistämmiges, sondern als ein zwölfstämmiges an. So Jesus in der Wahl der Zwölfe, die Apostel in etlichen Briefen usw.
Wir sind also keineswegs im Dunkel über den realen Sinn der Verheißungsworte Hesekiels, soweit es die aktuelle Wiederherstellung der Beteiligten in ihren vorigen politischen und religiösen Zustand angeht.
3. Nun ist aber Sodom mit den gleichen Worten, in derselben Deutlichkeit eine Rückkehr aus ihrer Gefangenschaft in ihren vorigen Zustand verheißen. Wir wiederholen, daß es uns scheint, als ob eine ehrliche Exegese nicht umhin kann, den betreffenden Worten den gleichen Sinn zu geben, den sie in den beiden andern Fällen haben. Die Gefangenschaft Sodoms aber war keine politische, kein Exil im fremden Lande, sondern eine Gefangenschaft im Kerker des Scheol, des Totenreiches. Aus diesem sollen sie nach dem Wort des Herrn durch Hesekiel zurückkehren in ihren vorigen Stand.
Gegen die Anerkennung dieser Tatsachen werden Einwendungen erhoben. Am erheblichsten klingt noch der Einwand, daß mit der Zusage, die Sodomiter sollten in ihren vorigen Zustand zurückkehren, noch längst nicht gesagt sei, sie würden auch alle gerettet werden. Denn der vorige Zustand sei unter allen Umständen kein sehr erfreulicher gewesen, sondern ein sehr fleischlicher und verderblicher. Das hat seine volle Richtigkeit. Und wir geben gern zu, daß mit der Verheißung der Wiederherstellung in den vorigen Zustand noch nichts Entscheidendes gesagt sei über eine wirkliche Erlösung aus aller Sünde und eine wirkliche Erneuerung zum ewigen Leben.
Doch es sei hier an die Worte Jesu in Matth. 11, 23.24 erinnert: »Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. Doch ich sage euch: Dem Sodomer Land wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.«
Diese Worte Jesu sprechen jenen Sodomitern zum mindesten einen Zustand der Bußfähigkeit zu, und unter günstigen Umständen sogar der Bußwilligkeit, wenn Gott ihnen Seinen Heiland zeigen werde, wie Er Kapernaum getan. Und wenn sie in denselben Zustand zurückversetzt werden, dann ist doch mindestens eine wohlbegründete Hoffnung auf ihre Errettung damit gesetzt.
Dazu kommt noch eine andere Erwägung: Ist wohl anzunehmen, daß bußfähige Menschen, die Jahrhunderte lang Höllenpein erduldet haben, nach ihrer Wiederherstellung aus ihr wohl geneigt sein möchten, das gnädige Anerbieten Gottes in Christo Jesu auszuschlagen, vorausgesetzt, es wird ihnen noch gemacht? (Ein solches wurde ja den Ungläubigen aus den Tagen Noahs nach 1. Petr. 3, 19.20 und 4, 6 durch den Auferstandenen gemacht.) Würden die Sodomiter ein solches Angebot der Gnade Gottes wohl ablehnen? Das Wort Gottes bestätigt eine solche Auffassung von der Unwirksamkeit göttlicher Gerichte nicht. Vielmehr lesen wir z. B. in Jes. 26, 9: »Sobald Deine Gerichte die Erde treffen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.«
HEINZ SCHUMACHER: Auferstehungen können ein sehr verschiedenes Gepräge tragen. Gott kann Menschen zu herrlicher Geistleiblichkeit, dem erstgeborenen Sohne gleich, auferstehen lassen (1. Kor. 15, 42-44), aber auch zu Schmach und Schande (Dan. 12, 2), je nachdem, was für ein Geist die betreffenden Menschen zu ihren Lebzeiten und bis zum Tag ihrer Auferstehung beherrscht und erfüllt hat. Gott kann aber auch aufs neue einen Erdenleib, wie wir ihn jetzt an uns tragen, erschaffen. Dies ist wohl so im Falle der Sodomiter, wenn sie »zurückkehren sollen in den vorigen Stand«. Dies aufgrund des Wortes Gottes zu glauben, hat überhaupt nichts mit irgendeiner Reinkarnationslehre zu tun; denn eine solche »Rückkehr in den früheren Stand (des Fleischleibes)« ist weder die Regel, noch sollte unsere Phantasie sich darauf stürzen, um sich irgendwelche Arten und Formen der Wiederverkörperung vorzustellen. Wo aber Gott es will — und im Falle Sodoms ist es offenbar Sein Wille —, kann Er längst Verstorbene und im Gerichtsfeuer Schmachtende in einen Erdenleib auf dieser Erde zurückkehren lassen. Ziel Seiner Wege ist das aber in jedem Falle nicht, sondern geistleibliche Verklärung in der Neuschöpfung.
8. Die Auferstehung aller Toten zum letzten Gericht
KARL MERZ: Der bekannte und gediegene Ausleger biblischer Bücher, Pastor Herbst, sagt in seiner Erklärung der Offenbarung Jesu Christi zu Kap. 20, 11ff.: »Alle, die in den Gräbern sind, werden hervorgehen«, sagt der Herr Jesus, »die da Gutes getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts« (Joh. 5, 28.29). Jenes ist die erste Auferstehung am Anfang der tausend Jahre, zum glückseligen Leben im Reiche des Herrn; dieses ist die zweite Auferstehung, am Ende der tausend Jahre, bei welcher die Auferstandenen vor Gericht gestellt werden. Diese bildet gleichsam den Abschluß des jüngsten, tausendjährigen Tages, den letzten Akt des Weltgerichts. Sie erfolgt gleichzeitig mit dem eigentlichen Weltuntergang. Wenn der Herr den Richterthron besteigt, um die Toten zu richten, entflieht vor Ihm Himmel und Erde, und ihnen wird keine Stätte gefunden, d. h. sie vergehen. Es wird ein allgemeiner Weltenbrand entstehen und so das ganze Weltgebäude krachend zusammenstürzen. Doch ehe die Erde verbrennt, wird sie noch die darin vergrabenen Toten alle hergeben müssen. Und sobald diese ihre Gräber verlassen haben, wird der Herr sie richten.«
So sehen auch wir die Dinge.
Wir fragen bei dieser letzten Auferstehung
- nach dem Zeitpunkt,
- nach den Beteiligten,
- nach dem Gericht und
- nach dem Aufenthaltsort (der diesen Auferstandenen zugewiesen wird).
1. Der Zeitpunkt. In der Reihe der Auferstandenen nimmt Christus die erste Stelle ein: »Der Erstling Christus« (1. Kor. 15, 23). Nach der Auferstehung Christi müssen wir nach dem biblischen Zeugnis die Ausauferstehungen ansetzen. Diese haben mit den »vielen Leibern der Heiligen« begonnen; Matth. 27, 52.53. Ihnen schließen sich im Laufe der Jahrhunderte die an, die zur Gleichgestaltung mit dem Ebenbild des Sohnes Gottes gelangt sind. Der Abschluß dieser Ausauferstehungen wird bei der Wiederkunft Jesu in einer »epochemachenden Weise« in der — so nannten wir sie — Erstlingsauferstehung oder Entrückung erreicht. Dann tritt eine Pause von sieben Jahren ein. Wenigstens stellt sich die Sache uns so dar. Bei diesen sieben Jahren handelt es sich um die letzte oder 70. Daniel’sche Jahrwoche. Während dieser Zeit stehen die Teilhaber an der Entrückung vor dem Preisgericht Jesu Christi und reifen die Dinge hier auf Erden vollends aus. Bei dem Kommen Jesu mit den Seinen erfolgt sodann die Erste Auferstehung. Sie bildet gleichsam die erste Regierungsmaßnahme des Königs Jesu Christi. Am Ende der tausend Jahre unternimmt Satan noch einmal für eine kurze Zeit einen letzten Versuch, doch die Herrschaft an sich zu reißen. Der feindliche Heereszug hat schon das Heerlager der Heiligen in Jerusalem umzingelt. Da fällt Feuer vom Himmel. Dieses verzehrt zunächst einmal die Aufrührer. Es scheint aber auch eine Art Kettenreaktion auszulösen, durch die die alte Welt in Brand gerät. Denn in Offb. 20, 11ff. wird uns gleich berichtet, daß die Erde und der Himmel vor Dem entflohen seien, der sich auf den großen, weißen Thron gesetzt habe. Die alte Erde und der alte Himmel sind also nicht mehr; und der neue Himmel und die neue Erde sind noch nicht da. In diesem gleichsam luftleeren Raum findet das jüngste oder letzte Gericht statt.
2. Die Beteiligten. Hier könnten wir einfach sagen, daß alle die auferstehen und gerichtet werden, die bisher noch nicht auferstanden und gerichtet wurden. Der Deutlichkeit halber seien sie aber im einzelnen noch einmal aufgezählt. Vor dem großen, weißen Thron haben nicht mehr zu erscheinen:
- Die Teilhaber der Aus- bzw. Erstlingsauferstehung;
- die Teilhaber der Ersten Auferstehung.
Dagegen haben alle anderen sich noch zu »stellen«. Wir denken hier an den Ausdruck in Offb. 20, 12: »Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott.« Keiner kann sich also verbergen oder drücken. Johannes spricht von Großen und Kleinen. Allgemein wird angenommen, daß dies sowohl im Sinne des Alters wie des Ranges und Standes zu verstehen sei. Wir werden dem zustimmen dürfen.
Johannes schildert in dem von uns angeführten Abschnitt in ausführlicher und feierlicher Weise, daß jetzt alle übrigen Toten aufzustehen hätten. Dabei mache es keinen Unterschied aus, ob sie ihr Grab auf einem Friedhof gefunden hätten oder ob sie von den Wellen des Meeres verschlungen worden wären. Man denke hier auch an alle, die ihren Tod auf den Schlachtfeldern gefunden haben und die als »vermißt« gelten.
3. Das Gericht. Die an der zweiten Auferstehung Beteiligten »stehen«, wie wir sahen, nun vor ihrem Richter. Ihm haben sie jetzt Rede und Antwort zu stehen. Sie können sich also nicht mehr verbergen oder drücken. In Offb. 20, 12 lesen wir von einer »Schrift in den Büchern«. Pastor Herbst denkt hier an das Gedächtnis Gottes, von dem in Apg. 10, 4 die Rede ist. Uns selbst würde es keine Schwierigkeiten machen, bei den Büchern an eine Art Akten zu denken, die tatsächlich für jeden angelegt sind. Die Naturwissenschaft sagt uns, daß im Weltall nichts verlorengehe; es könne höchstens seine Form verändern. Oder denken wir an den Rundfunk und an das Fernsehen. Wie viele Stimmen und Bilder können wir Menschen schon aufnehmen. Sollte Gott nicht ein »Gerät« besitzen, das alles registriert? — Fritz Hubmer berichtet in seinem »Heilsplan Gottes« die folgende Geschichte: »Der Mensch steht in völliger Durchsichtigkeit (gemeint ist: im Weltgericht). Von dem bekannten schweizerischen Schriftsteller Zschokke wird erzählt, daß er die eigenartige Gabe des Hellsehens besaß. Einmal übernachtete er in einem Hotel. Da setzt sich beim Abendbrot an seinen Tisch ein junger Mann, der ebenfalls im Hotel übernachten wollte. Im Verlaufe eines Tischgespräches stellte sich heraus, daß der junge Mann das Dasein einer übersinnlichen Welt leugnete. Um ihn auf den Irrtum seiner Anschauung aufmerksam zu machen, frug Zschokke: »Darf ich Ihnen etwas aus Ihrem Leben erzählen?« Der junge Herr erklärte lachend: »Wenn Sie das wollen, bitte!« Er fühlte sich ja dem Unbekannten gegenüber völlig sicher. Da schilderte Zschokke einen Kassendiebstahl in allen Einzelheiten, den der Mann in seinem früheren Leben tatsächlich begangen hatte. — Der junge Mann sei bleich geworden und habe noch in selbiger Stunde das Haus verlassen.«
Entscheidend ist bei dem letzten Gericht nicht der Glaube an Jesus Christus, sondern jetzt geht es nach den Werken. Bei dieser letzten Auferstehung handelt sich’s zunächst um Menschen, die entweder im Unglauben verharrt haben oder denen die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht angeboten worden ist. Man lese daraufhin einmal Röm. 2, 6ff. Wir denken dabei an die Menschen, die vor den 1000 Jahren gelebt haben. — Dazu kommt die wahrscheinlich sehr große Zahl von Menschen, die in diesen neuen Äon hinübergerettet oder in ihm geboren worden sind. Sie alle müssen noch beurteilt werden. Unter ihnen gibt es sicher viele, deren Namen in das Buch des Lebens eingetragen werden konnten. Ein solches ist nach unserem Dafürhalten auch während der 1000 Jahre geführt worden. Zudem scheint uns der gedankliche und geschichtliche Zusammenhang in Offb. 20 keine andere Deutung zuzulassen.
4. Der Aufenthaltsort. Wir halten also daran fest, daß es bei der letzten Auferstehung — und eigentlich nur da! — einen Spruch über Seligkeit und Verdammnis geben wird. Wohin die kommen, die im Buch des Lebens stehen, erfahren wir hier nicht. Wir neigen zu der Annahme, daß ihr Platz auf der neuen Erde sein werde. — Von den anderen wird uns gesagt, daß sie mit dem feurigen Pfuhl rechnen müßten. Dieser Ausdruck kommt in den wenigen Versen des von uns angeführten Abschnittes zweimal vor. Statt »feurigem Pfuhl« übersetzen andere »Feuersee«. In Offb. 20, 15 wird dieser auch als der »andere Tod« bezeichnet. Der Ausdruck »Feuersee« erinnert uns an Mark. 9, 43.44: »So dich aber deine Hand ärgert, so haue sie ab! Es ist dir besser, daß du als ein Krüppel zum ewigen Leben eingehest, denn daß du zwei Hände habest und fahrest in die Hölle, in das ewige Feuer, da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht.« Was den »anderen Tod« betrifft, so erfüllt sich hier Dan. 12, 2: »Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande.« Die Auferstehung, so haben wir früher schon einmal nach einem Wort von Böhmerle gesagt, bedeute immer die Auferstehung unseres Leibes. Dieser Leib verhüllt nun nicht mehr, sondern enthüllt die Sünden eines Menschen. Er muß so lange getragen werden, bis eine Erneuerung von innen her stattgefunden hat.
Damit kommen wir zu der so wichtigen Frage nach dem Ausgang des Lebens und der Welt überhaupt. Pfarrer Dr. Knappe hat in einer seiner Gemeinden die Offenbarung Jesu Christi ausgelegt. Bei der Frage nach dem »anderen Tod« ist er vier volle Stunden stehengeblieben. Er hat die verschiedenen Möglichkeiten und die Hauptvertreter dieser Anschauungen erwähnt, wie ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis; Vernichtung der Gottlosen und Allversöhnung. Knappe selbst fand noch keine letzte Antwort auf diese Fragen. Ob wir da sagen dürfen, daß wir sie haben? Wenn es nicht mißverstanden wird, dann möchten wir allerdings bekennen: Ja. Wir meinen dies nicht im Blick auf alle Einzelheiten. Aber in 1. Kor. 15, 28 ist unser Herz und unser Verstand zur Ruhe gekommen: »Auf daß Gott sein wird alles in allen (oder: allem).«
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 5/1994; Paulus-Verlag, Heilbronn)


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