Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Todesüberwindung durch Jesus Christus und ihre heilsgeschichtliche Bedeutung

Autor: Heinemann, Karl  |  Kategorie(n): Heilsgeschichte, Tod & Auferstehung  |  812 x gelesen

Keine Religion in dieser Welt hat eine befreiende Antwort auf die drängende Frage der Menschheit nach dem Sinn des Lebens und der beherrschenden Macht des Todes.

Nur die Bibel — und hier insbesondere das Neue Testament — hat eine göttliche Antwort auf dieses existenziell so wichtige Problem.

Wie unbefriedigend ist doch — um nur eine religionsbedingte Lösung unter anderen anzuführen — die Lehre Buddhas, die die Reinkarnation (Wiederverkörperung) als endgültige Zielperspektive anbietet. Nicht Erlösung, sondern Eigenleistung ist die Kernaussage dieser Religion. Und je nach moralischer Einstellung und Verhaltensweise in diesem Leben muss der Mensch in der jeweils erneuten Erscheinungsweise die Frucht des vorherigen Lebens auskosten. Und das, bis nach irgendeiner der zahlreichen Reinkarnationen als Ziel »ein seliges Nichts« (Nirwana) erreicht werden kann.

Das Wort Gottes hingegen lässt als frohe Botschaft (Evangelium) eine lebendige Hoffnung aufleuchten, die zunächst den an Christus Gläubigen geoffenbart wird und schließlich, wenn auch nach Äonen und entsprechenden Gerichten, der gesamten Menschheit und Schöpfung eine herrliche Zielvollendung in Aussicht stellt.

Welche Erkenntnisse und Einsichten uns zu dieser Gewissheit des Glaubens und der Hoffnung führen, soll nun in diesem Artikel anhand der Bibel dargestellt werden. Dabei wollen wir zunächst auf die verschiedenen Aspekte und Bedeutungen des Begriffs Tod eingehen. Danach soll die Person des Todesüberwinders und seine totale Erlösung aufgezeigt werden. Und schließlich wollen wir die gewaltigen, das ganze Universum (All) umfassenden Folgen bedenken.

A. Der Tod

Das im Urtext verwendete Wort für Tod (thanatos) wird in dem jeweiligen Kontext oft mit unterschiedlichem Bedeutungsinhalt gebraucht. Die vier entscheidenden Begriffsbedeutungen sollen im Folgenden kurz und präzise beleuchtet werden.

1. Der erste Aspekt bezieht sich auf den geistlichen Tod des Menschen. Durch den Sündenfall ist, wie es Gott Adam und Eva angedroht hatte, der Tod eingetreten. Sünde als Prinzip ist Trennung von Gott. Die Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Paradies ist ein sinnenfälliges Zeichen der getrennten Gottesbeziehung. Als Folge dieses Geschehens trat dann auch der leibliche Tod bei Adam und Eva ein. Aber nicht nur die ersten beiden Menschen waren dem Gesetz von Sünde und Tod unterworfen, sondern die gesamte Menschheit bis zur Gegenwart steht darunter. Das wird in Zukunft ebenso weiterhin der Fall sein, bis der Herr schließlich die verschiedenen Heilskörperschaften zu unterschiedlichen Zeiten (Äonen und Ökonomien) als Folge Seiner Todesüberwindung in das göttliche Leben umgestalten wird.

»Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, also ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben« (Röm. 5, 12). Und das bereits angedeutete Ziel wird in 1. Kor. 15, 21 so beschrieben: »Wie durch einen Menschen der Tod kam, so durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.«

2. »Nichts ist so sicher wie der Tod« hört man oft in Gesprächen, wenn es um Themen wie »Gewissheit« geht. An dieser Behauptung ist viel Wahres dran, wenn man insgesamt die Hoffnungslosigkeit der meisten Menschen im Blick auf das Lebensende spürt. Und was nach dem Ableben kommt, ist bei bibelunkundigen Menschen nur eine vage Vermutung.

Gott sei Dank dürfen wir erlösten Christen Genaues über den Zusammenhang von Sünde und Tod, aber auch Zuversichtliches über die göttliche Lösung des Todesproblems erfahren. Das Gesetz der Sünde und des Todes wird vom Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (Röm. 8, 2) außer Kraft gesetzt. Das gilt allerdings zunächst in diesem Äon nur für die Auswahlgemeinde des Leibes Christi. Für alle anderen Menschen ist der Lohn der Sünde der Tod (Röm. 6, 23). Dieses Ergebnis wird uns immer wieder vor Augen geführt, wenn Menschen sterben und ihre irdische Hülle, der Leib, in das Grab gesenkt wird. Rein vordergründig betrachtet, ist im Blick auf den leiblichen Tod kein Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen erkennbar. Denn der äußere Mensch, der Leib (Körper) ist der Vergänglichkeit unterworfen.

Nur wer einen inneren, neuen Menschen besitzt, hat bereits die Herrschaft des Todes überwunden. Denn die Gnadengabe Gottes ist schon in dem irdischen Leben in den Gläubigen durch Christus Jesus vorhanden. Deshalb spricht Paulus in 1. Thess. 4, 14 hinsichtlich des Sterbens der Erlösten vom Entschlafen. Er kann diese Behauptung durch einen Siegesruf bekräftigen, indem er bezeugt, dass weder Tod noch Leben ihn von der Liebe Gottes zu scheiden vermögen (Röm. 8, 38).

Der Prozess des Abscheidens aus diesem irdischen Leben kann unterschiedlich schwer oder leicht erscheinen. Welche Erziehungs- und Leidenswege in dieser letzten Phase des biologischen Seins zu durchschreiten sind, kann nur Gott ermessen. Ihm dürfen wir erlösten Christen auch noch in der Endphase vor unserem »Heimgang« vertrauen. Denn wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirken muss (Röm. 8, 28).

So ist also unter dem Aspekt des physischen (leiblichen) Todes festzuhalten: Alle Menschen — ob gläubig oder ungläubig — gehen den Weg des »Fleisches«. Der äußere Mensch wird durch sein Sterben als vergänglicher, verweslicher Teil der Gesamtperson der Erde preisgegeben. Ob der »Entschlafene« danach aber schon die prinzipielle Todesüberwindung erfahren darf, wird durch die Tatsache entschieden, ob er einen neuen, inneren, unvergänglichen Geistesmenschen besitzt oder nicht.

3. Nach den Dimensionen des geistlichen und körperlichen Todes setzen wir uns nun mit der Macht bzw. Herrschaft des Todes auseinander. In Hebr. 2, 14 heißt es: »Weil nun die Kindlein Gemeinschaft mit Fleisch und Blut gehabt haben, hat auch Er in gleicher Weise an ihnen teilgenommen, damit Er durch den Tod den entmachtete, der die Gewalt des Todes hat, das ist der Teufel (diabolos)«. Der Teufel ist also der eigentliche Machthaber, d. h. er übt im Herrschaftsbereich des Todes seine Macht aus.

Mit der Erscheinung Jesu Christi ist aber seit dem Kreuzestriumph die Todesherrschaft prinzipiell gebrochen. Das Leben und die Unverweslichkeit sind nun an das Licht gebracht durch das Evangelium. Da ist zunächst ein juristischer Akt geschehen, der seine Auswirkungen vorerst in der Gemeinde Jesu Christi hat (2. Tim. 1, 10). Erst nachdem der Tod und der Hades (Totenreich) in den Feuersee (Zweiter Tod) geworfen sind, kann die letzte Etappe des Siegeszuges Jesu Christi beginnen, bis schließlich der letzte Feind, der Tod, abgetan wird (1. Kor. 15, 26) und Gott sein wird alles in allen (V. 28).

Wir müssen aber nach dem Gesamtzeugnis der Schrift differenzieren, auch anhand der bereits oben erwähnten Stellen. In Offb. 20, 14 wird der Tod in den Feuersee geworfen. Der erste Tod wird also dem zweiten zum Gericht überantwortet. Der Herrscher »Tod« wird durch diesen Akt entmachtet, nachdem er (der erste also) zuvor seine Opfer herausgeben musste (Offb. 20, 13). Man kann sagen, der zweite Tod als Nachfolger hat den ersten verschlungen.

4. Mit dem zweiten Tod, dem Feuersee, wird dann nach Gottes Zeitplan die letzte Phase der Gerichte eingeleitet. Neben dem ersten Tod, dem Hades, denn Teufel, dem wilden Tier (dem letzten Weltverführer) und dem falschen Propheten werden nach dem Gericht vor dem »weißen Thron« auch diejenigen dem Feuersee übergeben, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wurden (Offb. 20, 13-15). Das bedeutet für die unerlösten Seelen: Sie sterben (nach dem physischen Tod) ein zweites Mal.

Gott sei Dank dürfen wir vom gesamt-prophetischen Zeugnis herwissen, dass auch dieses Gericht im Feuersee nicht endlos währt. Wie lange diese Gerichtszeit dauert, können wir uns mit irdischen Zeitmaßen nicht vorstellen. Mindestens aber ein Äon — nach göttlicher Rechnung — ist für diese Phase für die Seelen der Menschen vorgesehen. Das Ziel aber ist nach 1. Kor. 15, 26: »Der letzte Feind, der abgetan wird, ist der Tod.« Damit kann nicht der erste Tod gemeint sein, sondern der zweite, der letzte.

B. Jesus der Todesüberwinder

Nun wollen wir uns der Person zuwenden, die die Todesüberwindung in allen vier Bereichen vollbracht hat: Jesus Christus. Als Er am Kreuz ausrief: »Es ist vollbracht«, hat Er den völligen Triumph über alle Mächte, Fürstentümer und Gewalten errungen. Das gilt insbesondere auch für Satan und Tod. In Kol. 2, 15 bezeugt Paulus diese Siegesbotschaft wie folgt: »Er hat die Herrschaften und Obrigkeiten abgetan, Er hat sie öffentlich zur Schau gestellt und sie im Triumph einhergeführt.« Jesus Christus ist der totale Sieger von Golgatha. Er hat durch Seinen Tod am Kreuz den Tod und seinen Herrscher, Satan, überwunden. Und Er hat damit das göttliche Leben in dem gesamten All ans Licht gebracht.

Jesus Christus bezeichnete sich schon während Seines Erdenlebens als »die Auferstehung und das Leben« (Joh. 11, 25). Er hat diese Behauptung durch die Auferweckung des Lazarus als Typus für die grundsätzliche Todesüberwindung dokumentiert.

Jeder, der an Jesus Christus in diesem Erdenleben glaubt, hat bereits ewiges (äonisches) Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben eingedrungen (Joh. 5, 24).

Unser Heiland und Erlöser hat diesen Sieg über alle satanischen Mächte und Todeswesen allerdings in einem Erniedrigungs- und Gehorsamsprozess ohnegleichen vollzogen. Er verließ die Herrlichkeit des Vaters, nahm die Gestalt eines Menschen und Sklaven an, erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz (Phil. 2, 6-8).

»Darum hat Gott Ihn auch überaus hoch erhöht und Ihn mit dem Namen begnadet, der über jedem Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge, der Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne: Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters« (V. 9-11).

Wie tröstlich ist doch diese Gewissheit für uns Christusgläubige in einer Zeit, in der durch Katastrophen und Kriege sowie Verfolgungen und Märtyrertode von Christen das irdische Leben gewaltsam beendet wird. Diese lebendige Hoffnung stärkt uns auf dem Weg zum göttlichen Ziel auch in Leidenszeiten.

Wir wollen den Todesüberwinder noch in einer anderen Gestalt beschreiben: als Lamm Gottes. Vor allem den Israeliten (Hebräern) wurde durch die Apostel der Beschneidung — und hier insbesondere durch Johannes — diese Gestalt Jesu nahe gebracht. Denn über die Bedeutung der Opfer nach dem Gesetz waren die meisten Israeliten gut unterrichtet. Besonders in Verbindung mit dem Sünd- und Schlachtopfer war das geschlachtete Lamm dem alttestamentlichen Gottesvolk Inbegriff des stellvertretenden Sühneopfers.

Johannes der Täufer weist in Joh. 1, 29 auf das Lamm Gottes hin, das der Welt Sünde trägt. Damit zeigt er den Überwinder der Todesursache in der Person Jesu an.

In Offb. 5 beten die um den Thron stehenden himmlischen Wesen das Lamm an und geben ihm die Ehre: »Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, zu nehmen Macht und Reichtum, Weisheit und Stärke, Preis und Verherrlichung und Lob« (V. 12). Und im folgenden Vers 13 stimmen auch alle Geschöpfe im Himmel, auf Erden und unter der Erde in diesen Lobpreis ein. Sie beten den Überwinder an als den Lebenden von Äonen zu Äonen. Das Lamm Gottes wurde bereits vor Grundlegung der Welt »geschlachtet« (Offb. 13, 8). D. h.: Der geliebte Sohn hat bereits im prääonischen Zustand Seinen Todesweg zur Erlösung der gesamten Schöpfung in Hingabe an den Vater bewusst eingeplant. Dass diese Gestalt des Sohnes Gottes und des Messias dem Psychikos (seelischer Mensch) sowohl unter den Nationen als auch den Juden eine Torheit bzw. ein Ärgernis bedeutet, ist in Geschichte und Gegenwart immer wieder festzustellen.

Aber die Weisheit Gottes hatte diese Gestalt — keine ästhetische Schönheit am Kreuz — ausgewählt, um durch den grausam Getöteten den Todesüberwinder darzustellen. Aus dem Lamm wird so auch der Löwe aus Juda, der einen herrlichen Triumph über alle Finsternis- und Todesmächte errungen hat und auch sichtbar beweisen wird.

C. Bedeutung und Folgen der Todesüberwindung

Nun sollen in diesem Abschnitt Bedeutung und Folgen der Todesüberwindung aufgezeigt werden. Denn diese Einsichten sind sowohl im persönlichen Glaubensleben als auch heilsgeschichtlich von entscheidender Konsequenz.

Während einer Bahnfahrt kam ich mit einem liebenswürdigen älteren Herrn ins Gespräch. Es stellte sich bald heraus, dass er zu den Anthroposophen gehörte. Erstaunlich offen bezeugte er seinen Glauben. Das habe ich ebenso klar aus meiner biblischen Sicht heraus getan. In der Frage der Erlösung und ihrer Bedeutung für das Leben nach dem Tode schieden sich dann aber ganz klar die Geister: Mein Gegenüber vertrat die Reinkarnation (Wiederverkörperung) nach R. Steiner. Da durfte ich ihm in aller Liebe und Wahrheit widersprechen und meine Glaubensgewissheit und Erwartung bezeugen: Durch Jesus Christus dürfen wir wissen, dass wir nach unserem Ableben bei Ihm in der Herrlichkeit sein werden, ohne auf Rückkehr ins Diesseits rechnen zu müssen. Sichtbar bewegt nahm mein Gesprächspartner diese Botschaft auf. Das weitere Geschehen darf ich Gott überlassen. Den meisten Zeitgenossen und auch sogenannten Gläubigen fehlen Erkenntnis und Weisheit in der existenziell und heilsgeschichtlich so wichtigen Fragestellung im Blick auf Todesursache und -überwindung.

Die gesamtbiblischen Aussagen lassen uns hingegen nicht im Unklaren über diese Thematik. So eindeutig wie in dem ersten Abschnitt (I.) die Todesursachen und -umstände erhellt wurden, so gewiss ließ uns der zweite (II.) die Todesüberwindung durch Jesus Christus aufleuchten. Und ebenso klar und frohmachend sollen die Folgen — wenn auch teilweise schon angedeutet — dargelegt werden.

1. Persönliche Folgen der Erlösung in Bezug auf die Todesüberwindung Jesu Christi. Paulus ruft in Röm. 7, 24 klagend aus: »Ich elender Mensch! Wer wird mich retten (erlösen) von diesem Leib des Todes?« Im folgenden Vers (25) gibt er bereits die befreiende Antwort: »Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!«

In dem anschließenden Kapitel 8 bezeugt er, dass es für die, welche in Christus Jesus sind, keine Verurteilung gibt (V. 1). Die Begründung dafür liefert er sofort nach, indem er die Tatsache bekundet: »Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich befreit vom Gesetz der Sünde und des Todes« (V. 2). Eine weitere Begründung lautet: »Denn was dem Gesetz unmöglich war, tat Gott, indem Er Seinen Sohn in der Gleichheit des Fleisches der Sünde und wegen der Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte« (V. 3).

Die erlösten Gläubigen dürfen nun in einer neuen Gesetzmäßigkeit »des Geistes des Lebens in Christus Jesus« das alte Gesetz der Sünde und des Todes überwinden.

Geistlicher Tod (= Trennung von Gott) und Herrschergewalt des Todes sind für den neugeborenen Christen bereits überwunden. Wir sind im Glauben gewiss, dass wir den Tod nicht mehr fürchten müssen, denn er ist durch Christus bereits zunichte gemacht (Hebr. 2, 14.15). Und im Römerbrief bezeugt Paulus, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer uns von der Liebe Gottes zu scheiden vermögen (Röm. 8, 38.39). Voraussetzung für diese Gewissheit ist das vertrauende Annehmen der göttlichen Heilstatsachen, die uns Christus durch Sein Sterben und Auferstehen erworben hat. Wir sind mit dem Christus bereits:

  • mitgestorben, mitgekreuzigt (Röm. 6, 6.11)
  • mitauferweckt (Eph. 2, 6)
  • mit in die himmlischen Örter versetzt (Eph. 2, 6) / gr.: syn = zusammen mit

Unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott (Kol. 3, 3) und unser Bürgertum ist in den Himmeln (Phil. 3, 20). Diese herrlichen Tatsachen sind auch die Grundlagen für das Erwartungsgut der Gemeinde: die Verwandlung des Leibes der Niedrigkeit in den Leib der Herrlichkeit (Phil. 3, 21).

Wir haben in unserem gegenwärtigen Leben diese göttlichen Verheißungen zunächst angeldhaft, aber real wesenhaft. Die Vollendung unseres Lebens im Sinne einer ganzheitlichen Verwandlung nach Geist, Seele und Leib steht noch aus und findet statt, wenn der Gesamtleib des Christus (seine Gemeinde) dem Vater »ohne Flecken und Runzeln« verherrlicht dargestellt wird. Noch »warten wir auf unseres Leibes Erlösung« (Röm. 8, 23 b), dürfen aber jetzt schon die »Kraft der Auferstehung« im vergänglichen Leib erfahren (Röm. 8, 11). Wir möchten allerdings — wie auch Paulus — lieber »überkleidet« als »entkleidet« werden. Denn der Sterbensweg kann oft schmerzlich und leidvoll sein, da der natürliche, vergängliche Leib noch den Gesetzen dieses Kosmos — wie bei Saat und Ernte — unterworfen ist (vgl. 1. Kor. 15, 35 ff.). Aber die Siegeszuversicht bleibt trotzdem bestehen, dass durch unseren Herrn Jesus Christus der Tod bereits »verschlungen« ist (1. Kor. 15, 55.57). Endgültig ist dieses Ziel im Erlebnisbereich erst dann erreicht, wenn das Verwesliche die Unverweslichkeit und das Sterbliche die Unsterblichkeit anziehen wird (V. 53).

2. Die Auswirkungen der völligen Erlösung durch Jesu Christi Tod am Kreuz und Seine Auferstehung umfassen auch andere Heilskörperschaften als die Ekklesia des Leibes Christi. Die persönlichen, individuellen Folgen dieser herrlichen Befreiung haben wir bereits oben aufgezeigt. Alle, die dieser Erlösung im vollgültigen Sinne bereits teilhaftig geworden sind, gehören zu der Auswahlgemeinde und Erstlingsschar der vor Grundlegung der Welt durch Gott selbst zuvor bestimmten Heilskörperschaft. Diese zur Sohnschaft berufenen Erstlinge dürfen mit den Segnungen in den himmlischen Örtern durch den Vater unseres Herrn Jesu Christi bereits in diesem irdischen Leben rechnen. Sie dürfen hier ihre Zubereitung für ihre eigentliche Aufgabe in den zukünftigen Äonen erfahren, bis Gott sein wird alles in allen (Eph. 1, 3.4; 1. Kor. 15, 28).

Es hat in früheren Haushaltungen (Ökonomien) bereits Überwinder des Todes — auch im körperlichen Bereich — gegeben. Im Gegensatz zu den Totenauferweckungen durch Jesus und die Apostel haben Henoch (1. Mose 5, 24; Hebr. 11, 5) und Elia eine Entrückung in die himmlische Welt erfahren. Die nur leiblich Auferweckten mussten den Sterbensprozess dennoch zum zweiten Mal durchleiden. Henoch ist gewiss ein Typus für die Entrückung der Gemeinde, während der Prophet Elia für die Erst­lingsschar des Volkes Israel als Vorbild einzuordnen ist.

Ein jeglicher wird nach Gottes souveränem Heilsplan (Vorsatz) in seiner Ordnung zur Vollendung gelangen (1. Kor. 15, 23).

Wir wollen nun im Folgenden auf die wichtigsten Heilskörperschaften bzw. Ordnungen eingehen:

  • der Leib Christi,
  • das Volk Israel,
  • die übrigen Völker,
  • die gesamte Schöpfung.

2.1. Der Leib Christi, die Auswahlgemeinde, ist ein Geheimnis, das in seiner ganzen Fülle insbesondere dem Nationenapostel Paulus enthüllt worden ist. Die einzigartige Bestimmung und Aufgabe geht über das im AT und den Evangelien Geoffenbarte hinaus. Diese Heilskörperschaft ist nicht primär für diese Erde, sondern für die Himmel bestimmt. Ihr Bürgertum (politeuma) ist in den Himmeln (Phil. 3, 20).

Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass Paulus seine Offenbarung von dem erhöhten Christus erhielt, der als Erlöser und Todesüberwinder bereits inthronisiert und somit vom Vater als Beherrscher des ganzen Alls le­gitimiert war. Wesenhaften Anteil an dieser Überwinderfunktion hat angeldhaft die Leibesgemeinde bereits in dieser Zeit. Vollgültig wird ihre Aufgabenbestimmung aber erst in den kommenden Äonen nach ihrer Vollendung sein. In dieser Zeit sollen die Glieder des Leibes Christi bereits hier auf Erden die »überfließende«, »überschwängliche« Gnade (Röm. 5, 15; Eph. 1, 8; 2. Kor. 9, 14) der Herrlichkeit Christi kennen lernen und bezeugen. Das beinhaltet die Überwindung des Gesetzes der Sünde und des Todes. Wir wandeln zwar noch im Glauben und noch nicht im Schauen. Der Glaube aber ergreift schon jetzt die Wirklichkeit der Verheißung: »Ihr seid in Ihm zur Fülle gebracht, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist« (Kol. 2, 10).

Der zukünftige Aufgabenbereich liegt — im Gegensatz zu Israel — in den himmlischen Welten. Die Glieder der Gemeinde sollen den Kosmos und die Engel richten. Aus dieser Aufgabenstellung und -teilung leitet sich auch das Erwartungsgut für die Gemeinde ab. Wir ersehnen nicht zuerst die Wiederkunft Jesu Christi auf diese Erde, sondern die Entrückung Ihm entgegen in der Luft (1. Thess. 4, 13-18). Aber nur diejenigen werden diese Offenbarung Christi und Seiner Gemeinde erleben, die an die Befreiung von Sünden- und Todesmacht glauben.

Diese Gewissheit ist weit mehr als ein Glaube, der »nur die Errettung vor der Hölle« erstrebt. Die Vollendung der Gemeinde nach ihrem Offenbarwerden vor dem Richterstuhl (bäma) Christi (1. Kor. 3, 11-15) führt dann diese Heilskörperschaft in die eigentliche Funktion ein, die gesamte Schöpfung in die Befreiung von der Vergänglichkeit bis hin zur endgültigen Zielbestimmung zu bringen (Röm. 8, 23; 1. Kor. 15, 28). Der letzte Feind, der überwunden werden muss, ist der Tod (1. Kor. 15, 26).

2.2. Das Erstlingsvolk als Auswahl aus allen Nationen ist Israel. Wenngleich es seine Bestimmung nach dem Gesetz des AT wegen seines andauernden Ungehorsams nicht erlangen konnte, so ist doch dieses Volk nicht endgültig aus der Heilsgeschichte verbannt, sondern nur während der Haushaltung der Gemeinde beiseite gesetzt worden.

Paulus enthüllt in Röm. 11 ein Geheimnis, Israel und die Vollzahl der Nationen betreffend. Er bezeugt in V. 25 und 26: »Blindheit (Verstockung) ist Israel teilweise widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist und so das ganze Israel errettet wird.« Das bedeutet: Nach der Vollendung der Leibesgemeinde wendet sich Gott dem Volk Israel als Ganzes wieder zu. Eine kleine Auswahl aus Israel gelangt zusammen mit den Gläubigen aus den Nationen zur Entrückung. Diese bilden den einen Leib Christi. Danach erfolgt die Zubereitung Israels durch Gericht und Gnade.

Bereits in Hes. 37 wird die Wiederannahme Israels in anschaulicher Weise dargestellt. Der Prophet schaut im Geist ein weites Feld voller Totengebeine (V. 1). Diese Gebeine werden nun in mehreren Phasen durch von Gott gebotene Weissagungen Hesekiels zu neuem Leben erweckt. In der ersten Phase werden die Gebeine wieder vollständig zusammengeführt. Danach erhalten sie Fleisch, Sehnen und Haut (V. 7.8). Nach einer weiteren Weissagung kommt der Odem Gottes in die Todesleiber, und sie werden wieder lebendig (V. 10). Gott erklärt dazu dem Propheten: »Du Menschenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel« (V. 11). Er will die Gräber auftun und Sein Volk aus ihnen herausholen und in das Land Israel bringen (V. 12).

Dieser Prozess hat seit 1948 begonnen (Bewegen und Sammeln von Totengebeinen) und wird schließlich im Friedensreich des Messias einen vorläufigen Abschluss finden. Dann wird Israel (nach Geistesempfang) das Segensvolk sein und von Zion (Jerusalem) aus wird den Nationen für 1000 Jahre das Heil vermittelt.

Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern sind nur auf diesem prophetischen Hintergrund zu verstehen. Der Prophet Sacharja deutet für die Endzeit den eigentlichen Streitpunkt im Nahen Osten wie folgt: »Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher machen für alle Völker ringsum« (Sach. 12, 2). Und im folgenden Vers 3 heißt es: »Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein allen Völkern, die ihn heben wollen. Sie sollen sich daran zerschneiden; denn es werden sich alle Nationen auf Erden wider sie versammeln.« Diese zweite Perspektive wird sich nach Sach. 14, 2 in einem letzten großen Weltkrieg erfüllen. Aber der Herr wird gegen die Nationen streiten und siegen (V. 3). Und schließlich wird der Messias, wie auch in Apg. 1, 11 verheißen, auf den Ölberg sichtbar zu Seinem Volk kommen und es erlösen. Bis zu dieser Zeit der Aufrichtung des Friedensreiches mit dem Regierungssitz Jerusalem wird das noch nicht geistlich wiederhergestellte Volk Israel durch manche Gerichte zubereitet werden müssen. Dass dann in diesem 1000-jährigen Friedensreich und auf der neuen Erde Israel einen wesentlichen Beitrag zur völligen Genesung (auch Todesüberwindung) der Völker leisten wird, geht aus manchen Stellen der Offenbarung hervor.

Vornehmlich die Repräsentanten dieses Volkes, die 12 Apostel, werden nach dem Gericht über die 12 Stämme Israels an diesem Heilungsprozess mitwirken.

Das neue Jerusalem besitzt 12 Tore, Namen von 12 Engeln, die Namen der 12 Stämme und 12 Apostel. Ein Tempel ist im neuen Jerusalem nicht mehr vorhanden. Dieser Tempel Gottes ist die Gemeinde des Leibes Christi, dem in Sonderheit der Apostel Paulus dienen durfte und bis zur Schöpfungsvollendung dienen wird.

2.3. Die übrige Völkerwelt wird nach Zurechtbringung und Dienstbeauftragung Israels, des Erstlings aus den Völkern, wie bereits schon angedeutet, auch noch in das Heilsgeschehen einbezogen.

Bereits im AT wird diese Hoffnung den Völkern in Aussicht gestellt: »Es danken Dir, Gott, die Völker; es danken Dir alle Völker« (Ps. 67, 4). Ja, alle Völker freuen sich und jauchzen und der Herr regiert sie auf Erden (Ps. 67, 6).

Zu jener Zeit war das Geheimnis der Leibesgemeinde (Israel- und Nationengläubige) noch verborgen. Die Erlösung der Völker in ihrer Gesamtheit führt nach göttlicher Heilsplanung zuerst über Israel. Das hat sich grundsätzlich in der prophetischen Schau nicht geändert. Zwar werden in der jetzigen Haushaltung der Gnade vorrangig Gläubige aus den Nationen der Auswahlgemeinde zugetan, aber von Völkerbekehrung ist in der gegenwärtigen Heilszeit in der Gemeindeprophetie nirgends die Rede. Wenn sogenannte Propheten der charismatischen Bewegung ganz Deutschland, ja ganz Europa in einem geistlichen Aufbruch sehen (z. B. John Mulinde aus Nigeria), können sie sich nicht auf eschatologische (endzeitliche) Weissagungen für den zu Ende gehenden bösen Äon berufen. Im Gegenteil: Für diese Endphase sind Abfall (1. Tim. 4, 1-5), Verführung (2. Thess. 2) und Gerichte (bes. die Posaunen- und Zornschalengerichte in der letzten Jahrwoche) nach Offb. 8-16 zu erwarten. Wer hier heilsgeschichtlich nicht klar sieht und entsprechend differenziert, kann leicht der Verführung anheim fallen.

Wir dürfen also festhalten, dass auch der Völkerwelt Gottes Verheißungen und Segnungen gelten, wenn auch nach schweren Gerichten.

Als typisches Beispiel und konkreter Beleg für diese Völkerhoffnung sei Jes. 19, 24.25 angeführt: »Zu der Zeit wird Israel zu dritt sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mitten auf der Erde. Denn der Herr Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbe.«

Die Zurechtbringung aller Völker nimmt ihren Anfang im Friedensreich Christi, dann wird der Missionsbefehl von Matth. 28 voll zur Auswirkung kommen, sodass Völkerscharen zum Glauben kommen. Und noch auf der neuen Erde — nach den 1000 Jahren Friedensreich — werden die Nationen gesunden, wenn die Blätter der Bäume des Lebens ihnen zum Heilmittel dienen (Offb. 22, 2).

2.4. Auch die gesamte Schöpfung darf auf Erlösung von der Vergänglichkeit hoffen. Noch wartet die Kreatur in ängstlichem Sehnen auf ihre Freiheit. Sie ist der Vergänglichkeit ohne ihren Willen unterworfen. Aber sie darf Hoffnung haben. Zunächst jedoch müssen die Söhne Gottes vollendet und geoffenbart werden. Danach wird die ganze Schöpfung vom Dienst der Vergänglichkeit, des Todeswesens, befreit werden (Röm. 8, 19-22).

Wie konkret dieses bange Harren aller Geschöpfe zu verstehen ist, wird uns durch die zahlreichen Mitteilungen der Medien über Naturkatastrophen, Unglücke und kriegerische Ereignisse vermittelt. Die Vergänglichkeit der Schöpfung wird uns ständig durch diese Informationen und oft: auch dramatischen Ereignisse in unserer Umgebung vor Augen geführt. Der Schöpfer Himmels und der Erde hat diese Leidens- und Sterbenswege aber bewusst in Seinen Heilsplan mit einbezogen.

Die Gemeinde des Leibes Christi ist modellhaft ebenso in Leiden, aber überströmend auch in Gnade und Herrlichkeit hineingenommen (Röm. 8, 17). Was durch das Heil in Christus Jesus geschenkt wurde, darf dann auch dank ihrer Mitherrschaft das gesamte All in allen Bereichen erfahren: »Gott wird sein alles in allem bzw. allen« (1. Kor. 15, 28).

Zusammenfassung

Die in Seufzen und Todeswehen liegende Menschheit und Schöpfung ist durch die Trennung von Gott unter die Herrschaft Satans und des Todes geraten. Durch die vollgültige Erlösung in Christus Jesus darf sie aber schlussendlich Hoffnung auf totale Befreiung vom Todeswesen haben.

In den verschiedenen Heilsordnungen und -offenbarungen werden zuerst die Leibesglieder, danach Israel, die Völker und zum Schluss auch das gesamte All in die Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt.

In diese göttlichen Geheimnisse und Zielsetzungen dürfen wir Erstlinge schon jetzt eingeführt werden und Gott, unseren Vater, staunend anbeten. —

Wie soll doch Israel zur Ruhe kommen,
Eh’ Du die »volle Zahl« an Dich genommen,
Die aus den Völkern bildet Deinen Leib?
Und aller Völker tiefes, dunkles Sehnen,
Heraus aus Tod und Jammer, Blut und Tränen,
Wird’s auch gestillt, eh’ Israel Dein Weib?

So mach’ Dich auf! Entleere Du die Grüfte!
Mit nie geahntem Jubel füll’ die Lüfte,
Da wir in Wolken bilden Dein Geleit!
Zu Deinem Bild lass unsern Staub erglühen!
Lass unsre Ohnmacht Majestät anziehen,
Vollende uns zu Deiner Herrlichkeit!

E. F. Ströter

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 3/2002; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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