Der Vorsatz der Äonen in Christus Jesus nach Eph. 3, 11
Autor: Frey, Otto | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte | 602 x gelesenTeil 1
Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Wir wollen uns unter das Wort aus Eph. 3, 8-12 stellen: »Mir, dem bei weitem geringstem aller Heiligen, wurde diese Gnade gegeben, den Nationen den unausspürbaren Reichtum des Christus als Evangelium zu verkündigen und alle darüber zu erleuchten, was die Verwaltung des Geheimnisses betrifft, das von den Äonen an in Gott verborgen gewesen war, der das All erschaffen hat, damit nun, durch die herausgerufene Gemeinde den Fürstlichkeiten und Obrigkeiten inmitten der Überhimmlischen die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde entsprechend dem Vorsatz der Äonen, den er in Christus Jesus, unserem Herrn, gefasst hat, in welchem wir, durch seinen Glauben, den Freimut haben und mit Vertrauen den Zutritt zum Vater.«
In Christus sehr geliebte Brüder und Schwestern. Wenn die Menschen einen Vorsatz fassen, stützen sie sich bestenfalls auf Worte, auf Ratschläge von Freunden. Und sie vermuten, dass sie ihren Vorsatz, ihren Plan werden ausführen können. Jeder Vorsatz, der nicht vom Heiligen Geist gewirkt wird, ist wertlos. Gottes Vorsatz wirkt hin auf das Ziel seines Willens und seiner Absichten.
Dies wird bei Paulus’ Seefahrt über Kreta und Melitta, dem heutigen Malta, nach Rom veranschaulicht. Apg. 27, 9-12. Da der sonst ausgezeichnete Hafen zum Überwintern ungeeignet war, gab die Mehrzahl entgegen dem von Paulus Gesagten, den Rat, nach Phönix zu segeln. Da es vom Süden her sanft wehte meinten sie, ihr Vorsatz habe sich gehalten, aber dieser wurde zunichte gemacht, sie gelangten nie dorthin. So ist es mit der menschlichen Weisheit. Die Leute wussten nichts von dem Sturm und dem Schiffbruch, sonst hätten sie ihren Vorsatz geändert. Im Gegensatz dazu hatte Paulus sich vorgesetzt, nach Rom zu gehen. Röm. 1, 13. Da dies Gottes Wille war, Apg. 23, 11, konnte dieser weder durchkreuzt noch verhindert werden. Paulus gelangte nach Rom. Gottes Vorsatz wird immer verwirklicht. Der Apostel Paulus lobt seinen Mitwirker Timotheus, dass er seinem Vorsatz vollends gefolgt sei, 2. Tim. 13. Welches Wort könnte Paulus als seinen Vorsatz gemeint haben? Im Philipperbrief finden wir einen Abschnitt, der sich auf Erkenntnis, Wandel und Dienst bezieht, Phil. 13-15: »… seinem Tod gleichgestaltet werden — ich jage aber danach, ob ich wohl ergreifen möge, wovon ich ergriffen wurde, ich vergesse was hinter mir liegt und strecke mich aus.« Kurz zusammengefasst lautet der Vorsatz des Apostels und Sklaven Paulus:
- Christus zu erkennen,
- Zu erkennen die Kraft seiner Auferstehung,
- Zu erkennen die Gemeinschaft seiner Leiden,
- Zu vergessen, was hinter ihm lag und sich auszustrecken nach dem, was vor ihm lag,
- Zu jagen dem Ziele zu nach dem Kampfpreis der Berufung Gottes droben in Christus Jesus.
Möge dieser Vorsatz auch der unsrige sein.
Würde Gott nicht im voraus bestimmen, wie seine Geschöpfe sich verhalten werden, so wäre eine Vorhersage unmöglich und alle Prophezeiung ein Ratespiel. Die Nichtigkeit, die Fruchtlosigkeit menschlicher Bemühungen können weder den Vorsatz noch die Verheißungen Gottes ungültig machen. Obgleich die Summe aller Hallungen der Vielen, nämlich der Menschen, wirkungslos, eitel und ergebnislos ist, bringen die Taten des Einen, nämlich Christus Jesus, alles das zum Ziel, was Gott sich vorgesetzt hat.
Allein in der Heiligen Schrift finden wir die Lösung, nach der Philosophen trachten. Nur in Christus ist die Erfüllung aller Probleme des Lebens, in ihm, der die Weisheit Gottes ist. Die Endphase des Vorsatzes Gottes ist der Christenheit verborgen. Alles menschliche Sinnen und Trachten ist darauf gerichtet, einen Zustand der Glückseligkeit zu erreichen. Unzweifelhaft ist dies auch Gottes Absicht. Und sein Vorsatz sieht darauf, dass diese Glückseligkeit einmal in jedes Menschenherz einzieht. Anfangs war das auch der Normalzustand, doch diese Glückseligkeit schwand mit der Übertretung, mit dem Eintritt der Sünde und der Verderbtheit des Menschen dahin. Die Wunder der Natur, die uns umgeben, sagen nichts über das Herz Gottes aus. Seinen göttlichen Vorsatz, den Sinn und Zweck, seine Handlungen und sein wunderbares Ziel. Uns aber ist es ein ständig wachsendes Verlangen, Gott als Gott wahrhaft zu erkennen und mit allem geistigen Verständnis, aller geistigen Weisheit erfüllt zu werden. Dahin gelangen wir, je mehr wir das Geheimnis des Christus erfassen. Je gewaltiger und größer es uns aufleuchtet. Sein Wirken, sein Vorsatz und seine Liebe sind mit heißem Sehnen davon erfüllt, seine Schöpfung zu sich selbst zu ziehen.
Noch ist die Sünde wirksam, doch die Rettung dringt zu allen durch und erfasst das All, seine Sehnsucht wird in unvorstellbarem Maße gestillt und erfüllt werden, so wie es mit seinem Liebeswesen vereinbar ist. Die Welt, wie sie sich heutzutage darstellt, ist anormal. Sie liefert keine Voraussetzung, keinen Grund, auf den man bauen könnte. Der Gott dieses Äons hat die Gedanken der Ungläubigen geblendet, damit ihnen der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus nicht erstrahlt, 2. Kor. 4, 4. Gott wird aber in seinem Geliebten und durch ihn, seinen weisheitsvollen Vorsatz, der sein Herz bewegt, ausführen. Alles, was Gott hierzu braucht, um seine Pläne zu verwirklichen, ist in Christus vorhanden und steht zur Verfügung. Wenn auch wir an diesem köstlichen Werk Anteil haben, so ist es allein in ihm. Eph. 1, 23. Aus uns selbst würden wir nur Negatives hervorbringen, alles Aufbauen, alles Ausrichten zum Vater hin geschieht durch Christus und die Seinen. Gott braucht keine menschliche Hilfe. Er ist allgenugsam in sich selbst. D. h. er führt alles nach seinem Vorsatz zu seiner Zeit selbst aus. Es war niemand, mit dem sich Gott hätte beraten können. Da war sein Wille, sich zu enthüllen und sein ureigenster Ratschluss, in welchem er von niemandem beeinflusst worden war und demgemäß fasste er einen Vorsatz und plante alles bis zur Vollendung, so dass er dann alles in allem werde. Gottes Wille führt also zu Gottes Ratschluss und dieser wiederum zu Gottes Vorsatz und Plan, der alle und alles umfasst, Jes. 40, 14. Im Römerbrief lesen wir von einem Vorsatz der Äonen, den er in Christus Jesus, unserm Herrn, gefasst hat, Eph. 3, 11. Wir sehen hieraus, dass Gott im voraus wusste, wie viel Zeit das Werk der Schöpfung und ihre Erlösung und Aussöhnung erfordern werde. Hat er doch schon damals einen Plan der Äonen gefasst und festgelegt.
Im Hebräerbrief vernehmen wir, dass Gott durch den Sohn die Äonen machte, Hebr. 1, 2. Diese Äonen sind der Schauplatz der Sünde, sie waren Zeugen ihres Eintritts in die Schöpfung und gipfeln in ihrem Austritt aus ihr. Sie hatten einen bestimmten Anfang und enden mit einem bestimmten Abschluss, auch genannt die Vollendung, 1. Kor. 15, 24. Gott hat sich ein Ziel gesetzt und danach die Äonen geplant und ihren Verlauf bestimmt. Dies ist also vor den Äonen in Christus Jesus geschehen, vor dem Dasein der Welt. Dort liegt die Wiege aller Segnungen die unser sind in Christus Jesus, dem Sohn der Liebe Gottes. Dort schon ist er für uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Freilösung gemacht worden, 1. Kor. 1, 30. Er ist es um so mehr heute, der sich auch für uns bei seinem Gott und Vater verwendet, Röm. 8, 34. Wenn wir davon sprechen, was vor den Äonen geschah, so reden wir von dem, was existierte, bevor Gott seinen Vorsatz in die Tat umsetzte. Bereits vor den Äonen bedachte Gott uns in Christus mit der unfasslichen Gnade, die uns heute zuteil wird in ihm. Nicht nur, dass wir von Gott zuvor erkannt worden, bevor er noch seinen Vorsatz in die Tat umzusetzen begann, sondern es wurde auch unser Platz und der Zeitpunkt von ihm zuvorbestimmt. Paulus schreibt darüber in Röm. 8, 29: »Denn die er zuvor erkannte, die verherrlicht er auch«. Und an die Epheser schrieb er, dass Gott uns in Christus vor dem Niederwurf der Welt auserwählt hat, damit wir Heilige und Makellose vor seinem Angesicht seien. In Liebe hat er uns für sich zum Sohnesstand durch Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen seines Willens zum Lobpreis der Herrlichkeit seiner Gnade die uns in dem Geliebten begnadet, Eph. 1, 4-6. Wenn wir uns dieser Liebe und Zuneigung bewusst werden, wird uns das Verständnis mehr und mehr dafür aufgehen, was/dass Gott für uns ist. Unvorstellbar groß sind die Dimensionen der Liebe des Vaters. Der voräonische Vorsatz ist ein großer, alles umschließender Plan, vor den Äonen gefasst, sich durch alle Äonen hindurchziehend und den im letzten Äon erreicht. Dieser Vorsatz erklärt das Dasein der Äonen, er bindet sie zusammen und wenn er vollendet ist, verschwinden sie, indem sie keine Existenzberechtigung mehr haben.
Der Gesichtskreis in den Briefen des Apostels Paulus ist in bezug auf Zeit und Raum viel weiter als in den sonstigen Schriftoffenbarungen, 1. Kor. 15, 24-28. Er ist nicht auf die Erde beschränkt, sondern umfasst das All, Eph. 1, 9-10; Kol. 1, 20. Er wird auch nicht vom Anfang und Ende der Äonen begrenzt, sondern hier wird uns ein Vorsatz enthüllt, schon vor ihrem Beginn gefasst, 2. Tim. 1, 9. Und wir dürfen Blicke tun in das, was nach ihrer Vollendung sein wird, 1. Kor. 15, 28. Wir dürfen einer Entwicklung gewahr werden, die lange vor dem Schöpfungsbericht beginnt und sich über das letzte Gesicht der Enthüllung Jesu Christi, genannt Offenbarung Johannes, weit hinaus erstreckt. Der Vorsatz Gottes zielt darauf hin, dem Universum nicht nur seine Gnade zu erzeigen, sondern alle Geschöpfe mit dem Vater auszusöhnen. Dafür wurde die Körperschaft Christi herausgerufen. Das ist die Aufgabe, zu der wir berufen sind. Wir sind dazu da, als die Vervollständigung des Christus, Gottes Vorsatz in die Tat umzusetzen und zu dem überragenden, beglückenden Endziel zu bringen beim Abschluss der Äonen. Als Christi Vervollständigung sind die Heiligen ein unentbehrlicher Bestandteil in Gottes Vorsatz. Durch sie wird das Wort vom Kreuz bekannt gemacht und in ihnen wird Gottes Gnade für alle sichtbar. Die endliche Lösung aller Rätsel ist der Vorsatz Gottes. Leid, seelischer Druck und Seufzer sind auf dem Weg zum Ziel.
Gott führt seinen Vorsatz aus trotz schwerem Geschick und harter Bedrängnis, menschlicher Schwachheit und Vergänglichkeit. Welch eine befreiende Erleuchtung war es doch für unser Herz, als wir es zum erstem Mal erfassten, dass Gott einen Vorsatz, einen Fahrplan hat. So weiß und erkennt er alles schon vorher, eben weil er es war, der alles erschuf, und weil er es ist, der alles bewirkt nach dem Ratschluss seines Willens. Sein Vorsatz umfasst absolut alles, was er auch bewirkt, so dass überhaupt nichts einem blinden Zufall überlassen bleibt. Im Blick auf das All gibt es nur einen Vorsatz Gottes, den er in Christus hinausführt, damit er seine Kraft zur Schau stelle und dass sein Name auf der gesamten Erde kundgemacht werde, Röm. 9, 17. Dieser Vorsatz Gottes wird uns von Paulus nach gewissen untergeordneten Teilgebieten beschrieben. Diese beschreibt er gewöhnlich mit dem Ausdruck »gemäß dem Vorsatz«. Beispiele: »Und in ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben« (Eph. 1, 11-12). Und das zweite Beispiel: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach [seinem] Vorsatz berufen sind« (Röm. 8, 28). Welch ein köstlicher Zuspruch für alle Gläubigen in Christus! Alles wirkt Gott zum Guten zusammen! Sind wir nicht manchmal bereit, hier Abstriche zu machen? Wie ist es mit dem Üblen, den Ungerechtigkeiten, die besonders Gläubige oft ertragen müssen? Darauf kann sich doch dieses Wort nicht beziehen? Aber der Glaube weiß, dass wenn die Schrift »alles« sagt, sie ganz gewiss auch »alles« meint. Ja, alles, auch die oft unbeschreiblich langen Leiden mancher Kinder Gottes, die Nöte des Zusammenlebens mit gottfeindlichen Menschen. Zusammenwirken meint doch, die verworrensten Ereignisse, die rätselhaften Führungen, Licht und Dunkel in unserem Leben, Annehmbares und Widerwärtiges zu einem Gott wohlgefälligen Ausgang zu führen. Gott gebraucht alles, das Negative und das Positive, um seinen festgelegten Vorsatz zu erreichen. Keine für uns vorgesehene Prüfung bleibt uns erspart. Auch wenn wir nach unserem Fleisch allem Leiden und aller Einengung aus dem Wege gehen möchten. In allen Prüfungen seien wir uns bewusst, dass Gott stets das Maß und den Ausgang vorgesehen hat und dass wir ihm in allen Stürmen rückhaltlos vertrauen dürfen. Wir sollten immer Gottes Absicht im Auge haben.
Er erwählt für unser geistliches Wachstum das Allerbeste. Es kommt bei unserem Ausharren in der Erprobung darauf an, ob wir anbetend und dankend warten können, bis er den Ausgang schenkt. In der Vollgewissheit, dass er es in allen Lagen tun wird, jedoch zu einem Zeitpunkt und in einer Weise, die stets ihn verherrlicht. Die Frage nach einem warum ist völlig überflüssig. Denn unsere Aufgabe erstreckt sich durch alle himmlischen Dimensionen. So wäre es nahezu Kleinglaube, wollten wir die Gründe oder auch den Ausweg im Irdischen suchen. Glückselig wird der Mensch genannt, der ausharrt. Nehmen wir Gott bei seinem Wort, indem wir aus Glauben Täter des Wortes werden. So werden wir seine Wahrheit und seine in Christus geoffenbarte Liebe mehr und mehr erfassen. Paulus sagt von sich selbst im Philipperbrief, 4, 11-13: »Ich habe gelernt, in jeder Lage und Situation, in dem Christus mit genügen zu lassen.« Können wir das auch von uns sagen? Wie er seine Absicht für das All und den einzelnen Gläubigen durchführt, mag unser Fassungsvermögen übersteigen. Wir können aber in der Gewissheit Ruhe finden, dass er stets die Wege und Methoden anwendet, die ganz bestimmt das zum Ziel bringen, was er sich vorgesetzt hat. So stimmen unsere Herzen mit ein in den Ruf: »O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes, wie unausforschlich sind seine Urteile und wie unausspürbar seine Wege!«
Treue und Vertrauen gehen Hand in Hand mit dem Glauben. Im Urtext soll es für diese drei Begriffe nur einen Ausdruck geben. Es gibt keinen festen, wahren Glauben ohne Vertrauen, aus dem die Treue erwächst, sowenig wie es bedingungslose Treue ohne glaubendes Vertrauen gibt. Eines bedingt das andere. Ein treuer Diener Jesu Christi kann nur der sein, dessen vertrauender Glauben in Christus Jesus gewurzelt und gegründet ist. Wenn wir ein glückseliges, friedvolles Leben führen wollen, müssen wir in jeder Lage und in jedem Augenblick auf Gott vertrauen und uns dessen bewusst sein, dass er uns umsorgt, Matth. 6, 32-33. Dass er alles ordnet, alles lenkt, alles beherrscht. Gott lenkt ja nicht nur das unermessliche Universum, er kümmert sich um jedes einzelne seine Geschöpfe. Und Christus, der Sohn, trägt das All durch sein machtvolles Wort, Hebr. 1, 3. Der Vater und Sohn sind eine Einheit. Nichts entzieht sich ihrer Kontrolle, nichts geht an ihrem Herzen vorbei, nichts ist ihnen zu groß oder zu gering, sie kümmern sich um alles und sorgen für alles. Zu wissen, dass wir vollkommen in Gottes Hand geborgen sind, Kol. 1, 13; 2. Thess. 3, 2, schenkt uns unzerstörbaren Frieden des Herzens und der Gedanken. In Röm. 8, 31 lesen wir: »Wenn Gott für uns ist …« Es besteht kein Zweifel darüber, dass Gott für uns ist. Da er für uns ist, wirken selbst diejenigen, die gegen uns sein möchten, zu unserem Besten mit. Niemand und gar nichts vermag, wider uns zu sein. Gegen jeden Widerstand der Welt, des Fleisches, des Widerwirkers steht Gott auf unserer Seite. Wir leben in einer gefährlichen und über die Maßen unruhigen Zeit. Keine dieser Wirrungen vermag die uns gegebenen Verheißungen zu beeinflussen. Denn auch die Dinge des gegenwärtigen bösen Äons sind von Gott vorher ausersehen worden, Gal. 1, 4. Es gibt keine wirklich Freiheit, die diesen Namen verdient, solange wir unseren vermeintlichen eigenen Willen tun. Wahre Freiheit findet sich nur in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, dem wir uns freudigen Herzens unterordnen. In der Vollendung werden alle seine Geschöpfe ihm den rechten Platz in ihren Herzen und ihrem Leben einräumen. Er wird ihr Alles werden. Niemand wird etwas beschließen, als nur Gott allein. Es wird keinen Zwang mehr geben, weil es keine Gegnerschaft mehr gibt. Er wird alle zu sich selbst ziehen und alle werden ihm untergeordnet sein. Es ist die Aufgabe des Sohnes, alle in diese Unterordnung zu bringen, selbst er wird diese Stellung einnehmen. Die festgesetzte Frist hierfür sind die Äonen.
Kennen wir Gott als unseren Unterordner und Verfüger, der durch alle Wirrsal der Menschheitsgeschichte und ungeachtet allen Übels und aller Sünde, die sein All zu zerstören trachten, alle bei der gesegneten Vollendung zu sich ziehen wird? Kennen wir ihn als unseren Gott, der uns befähigt, ihm zu nahen und ihm zu dienen, obwohl wir es von uns aus nicht können oder auch gar nicht wollen? Wenn wir doch alle lernen könnten, dass wir nichts, er aber unser alles ist. Dann, nur dann, werden wir uns dessen bewusst sein, dass wir einen Gott und Vater haben. Es ist eine Tatsache, dass die Kraft aus Gott ist und nicht aus uns heraus. Es gereicht zur Verherrlichung Gottes in der herausgerufenen Gemeinde, dass er uns, in welcher Lage wir uns auch befinden, unentwegt führt und leitet. Ihm fällt aller Ruhm zu, nicht uns. Wie weit würde denn schon unsere Kraft reichen, wie weit unsere Weisheit, Eph. 1, 17; Kol. 2, 3; Jak. 1, 5. Über dies, woher hätten wir die Kraft, wenn wir sie nicht von ihm erhalten hätten? 2. Kor. 4, 7; Kol. 1, 11. Er, der Vater, ist in seiner allumfassenden Liebe einzig darauf bedacht, dass sich seine Geschöpfe ihm gänzlich anvertrauen. Seine Kraftquellen sind unerschöpflich. Sie sind für uns da, um ihm die Verherrlichung zu geben. Mögen wir auch in allem bedrängt werden, sind wir doch nicht eingeengt. Wir mögen ratlos sein, aber nicht verzweifelt, verfolgt, aber nicht verlassen. Werden wir niedergeworfen, kommen wir doch nicht um, 2. Kor. 4, 8-9. So wahr Gott getreu ist in Gegenwart und Zukunft, können wir auf ihn bauen, er verlässt uns nicht, er vergisst uns nicht, er ist unsere Stärke und unsere Zuversicht.
Haben wir erkannt, dass Gott unsere guten Werke zuvor bereitet hat? Sie entspringen seinem Vorsatz, erst dann legt er sie uns ins Herz, damit sie zur Darstellung werden. Ihm allein gebührt der Rum, zumal wir dafür noch gesegnet werden und Lob und Lohn empfangen. Viel größer wird unsere Dankbarkeit, wenn wir für etwas gelobt werden, was tatsächlich von ihm kommt und in uns und durch uns gewirkt wurde durch seine Kraft. Wie wird es Gott zur Freude gereichen, wenn er sein Tagwerk/Tatwerk in uns sieht! Wir sind nicht unser Tagwerk/Tatwerk, sondern das seine. Er will in uns zur Schau stellen, was er zu tun vermag, deshalb erschuf er uns in Christus Jesus. Kein besseres Bild könnte gebraucht werden um zu zeigen, dass es ohne jedes Zutun oder irgendeine Hilfe unsererseits geschah. Alles hat seinen Ursprung in Gott und nicht in uns. Wir sind nur Geschöpfe, er aber ist der Schöpfer. Gott bewirkt für uns die Entschlüsse, damit unser Wollen mit seinem Willen übereinstimmt. Danach verbringt er sein Werk durch uns. Indem wir dann sein Wille und sein Werk sind, sind wir ihm nicht nur annehmbar, sondern sein ganzes Wohlgefallen. Der Gläubige kennt seinen Zwang, er freut sich vielmehr der Gemeinschaft und Übereinstimmung mit ihm. Wir werden erfreut, wenn wir seinen Willen und nicht den eigenen tun. Als Gott spricht er die Entscheidungen, überlässt nichts dem Zufall oder dem Dafürhalten unsererseits. Das ist die Wirksamkeit und das Wesen der Gottheit. Soweit für heute. Amen.
Teil 2
In Christus sehr geliebte Brüder und Schwestern!
Wie bei einem Hausbau alles auf den Bauplan des Architekten ausgerichtet sein muss, so ist das göttliche Wirken im All auf den Vorsatz Gottes ausgerichtet. Er können nicht mehrere Pläne für ein und dieselbe Sache sein, andererseits wäre ein zielbewusstes Aufbauen unmöglich. Das, was Gott sich vorsetzte, entspricht allein seinem Willen und ist in Christus geplant, wird in Christus fort und fort durchgeführt und in ihm allein auch zum Ziel gebracht. Gott hat die Gemeinde als eine besondere Körperschaft seinem Vorsatz gemäß mit voräonischer Gnade in Christus ersehen, um in der Verwaltung der Gnade Glied um Glied zu berufen. Diese besonderen Segnungen, welche uns in der Vorschöpfungsperiode des Alls nach Gottes Wohlgefallen aufs Innigste mit Christus verbunden haben, Eph. 1, 11; 2. Tim. 1, 9, sind das Fundament unserer heutigen Stellung in ihm, Eph. 1, 3; 1. Kor. 1, 30-31. In dieser Auserwählung und Berufung bis hin zur Verherrlichung inmitten der Überhimmlischen nimmt die herausgerufene Gemeinde des Körpers Christi eine bevorzugte Stellung vor allen übrigen Geschöpfen Gottes ein, Eph. 2, 6-7. Der Ratschluss ist unerschütterlich und unverrückbar, Hebr. 6, 17. Kein Bitten und Flehen des Menschen kann jemals Gottes Willen und Absicht abändern oder aufheben. Dies gilt für alle Zeiten. Nie kann sich ein Geschöpf auf Dauer gegen seinen Schöpfer durchsetzen, während der Äonen ebenso wenig wie nach den Äonen. Gott geht seinen Weg nicht suchend und tastend und der Ratschläge sterblicher Menschen bedarf er nicht. Es wäre doch äußerst unweise von ihm, wollte er sich nach den Gebeten seiner Kinder richten, die nur zu geringem Teil etwas von dem ahnen, was er sich vorgesetzt und geplant hat, um alles dem herrlichen Endziel entgegenzuführen. Wenn Gott der Vater seinen Sohn in Gethsemane erhört hätte, dann hätten wir heute kein Kreuz, keinen Retter, keine Erlösung und keine Versöhnung. Gottes Vorsatz wäre zunichte geworden. Von Gottes Plänen ist uns nicht alles enthüllt, denn das würde unser Begriffsvermögen übersteigen. Aber dass Gottes Vorsatz nicht nur auf die Umrisse, auf die großen Linien beschränkt ist, sondern bereits viele Einzelheiten in sich schließt, sehen wir an manchen Prophezeiungen, die die Zukunft betreffen und viele Einzelheiten eingehend beschreiben. Es geschieht auf dieser Welt und im All nichts, das nicht mit dem Plan oder Ratschluss Gottes übereinstimmen würde. Die Kinder dieser Welt und auch oberflächliche Gläubige mögen dies bestreiten, das Wort Gottes drückt dies aber an vielen Stellen ganz klar aus. So lesen wir z. B. In Eph. 1, 11: »… der alles nach dem Ratschluss seines Willens bewirkt.« Zu diesem Wirken schafft sich Gott selbst seine Werkzeuge, mit denen er das Endziel seines Planes erreichen wird. Sehr wichtige Werkzeuge in Gottes Hand sind aber gerade die Glieder der Körperschaft Christi, die er auch im gegenwärtigen Leben so führt, dass sie ganz in Übereinstimmung sind mit seinem Plan und seiner Wirksamkeit. So dürfen wir also das beglückende Wissen in uns tragen, dass wir uns in einem göttlichen Plan und Programm der Liebe und Weisheit bewegen und darin leben. Unser Leben ist Tag für Tag geplant. Glaubst du das? Um der Absicht Gottes gemäß zu verlaufen. Kein Zufall spielt darin eine Rolle. Und Gott erreicht sowohl mit uns selber als auch durch uns sein großes, die Allaussöhnung umfassendes, endgültiges Ziel. Darum ist auch unser Leben mit all seinen Drangsalen und Leiden nicht nur ein Glaubenskampf, sondern auch die fortschreitende Erfüllung einer göttlichen Bestimmung. Und dieses Wissen, dass jedes Kind Gottes ein Werkzeug seiner Gnade und Liebe sein darf und als solches einen göttlichen Plan auslebt, bringt Würde und Kraft in das scheinbar unbedeutendste Leben. Unser Gott ist ein großer Gott, 1. Tim. 1, 17; 1. Tim. 6, 16, und nicht wie ein kleinlicher Mensch mit geringem Horizont und voll ungerechtfertigter Vorurteile. Gott kommt mit jedem Menschen zum Ziel.
Die unserer Meinung nach im Widerspruch zu uns stehen, wenn Gläubige anderer Ansicht sind als wir, so will das noch gar nichts besagen. Gott kann sie nach seinem Vorsatz und Plan so gebrauchen, wie weder sie noch wir es uns vorstellen können. Es hieße die Göttlichkeit Gottes leugnen, wenn wir dies bezweifeln, Luk. 1, 37; Röm. 1, 20. Alles führt zur Verherrlichung seines Namens. Alles dient zum Lobpreise seiner Herrlichkeit.
Wie wenige verherrlichen Gott wirklich als Gott? Joh. 12, 43. Es ist nicht leicht, einzusehen, warum es weitaus wichtiger ist, in Schwachheit gehalten zu werden. Des Apostels Paulus Ketten in Gewahrsam in Rom dienten dazu, um Paulus in der Demut zu halten. Denn warum sonst wurden ihm die herrlichsten Offenbarungen in den Vollkommenheitsbriefen in einer derart menschenunwürdigen Lage zuteil? Wir fragen uns, weshalb wir, die wir weder angekettet noch eingesperrt sind, sosehr in der Verkündigung dieser überragenden Wahrheiten beschränkt sind und diese Botschaft so wenig Aufnahme findet, 1. Kor. 16, 9? Selbst Fürbitten großer Zahl vermögen offenbar den Herrn nicht umzustimmen, die Beschränkungen aufzuheben, damit alle Gläubigen zu der Erkenntnis des paulinischen Evangeliums kommen, 2. Kor. 10, 15; 1. Thess. 13. Die Antwort kann nur lauten: Es ist wichtiger, dass seiner Diener in der Niedrigkeit gehalten werden, als dass sie frei sind nach eigenem Wunsch und Willen zu wirken. Alles, was in unser Leben bricht, dürfen wir mit ganz anderen Augen ansehen, nachdem wir erkannt haben, dass Gott selbst alles bewirkt und leitet, insbesondere die Gegebenheiten, die außerhalb unseres Einflusses stehen. Unser Gott verfügt, veranlasst und bewirkt einen Weg für uns, der in Übereinstimmung mit seinem Willen steht. All diese Wirksamkeiten sind Segnungen für uns, derer wir häufig nur bruchstückhaft gewahr werden. Noch ehe wir ihn gebeten haben, hat er bereits Wege zubereitet, von denen wir nichts ahnten, die uns verborgen waren. Er schuf das Böse, um einen Hintergrund für den Segen zu schaffen und sich selbst zu enthüllen. Warum suchen viele Gläubige, Gott zu beschirmen und von jeder Beziehung zum Bösen reinzuwaschen, wenn er selber sagt: »Alles vollbringe ich für meinen Zweck und sogar der Frevler wird bewahrt für den Tag des Bösen«, Spr. 16, 4.
Wenige Gläubige kennen den Unterschied zwischen Sünde und Übel. Sünde ist Zielverfehlung, Übel hingegen ist das Gegenteil des Guten und etwas völlig anderes, als Sünde. Gott erschuf das Übel, das Böse, aber nicht die Sünde. In Jes. 45, 6-7 lesen wir: »Ich bin Gott, und sonst keiner. Ich bilde das Licht und erschaffe das Finstere, bewirke das Gute und erschaffe das Böse.« Er hat vielerlei Übel über sein auserwähltes Volk Israel gebracht, um es zu erziehen. Er hat die Menschen aber niemals zum Sündigen ermuntert oder verleitet. Sobald wir es erfassen, dass Gott in der Tat der Allgenugsame ist, wird das Problem des Bösen und der Sünde sich lösen. Sowohl zu unserer eigenen Befriedigung als auch zu Gottes Ehre. Durch das Kreuz Christi, seines geliebten Sohnes, der für unsere Sünden litt, wird Gott alles Üble in Gutes verwandeln. Er wird die Sünde dazu gebrauchen, der Schöpfung sein Innerstes Herz zu offenbaren. Ein tiefes Überzeugtsein von der Gottheit Gottes und seiner Macht, sein Ziel zu erreichen, das er sich vorgesetzt hat, von seiner Fähigkeit, sowohl das Gute als auch das Böse seinem Endzweck dienstbar zu machen. Das ist von größtem Wert, wenn es gilt, den Wandel recht zu gestalten und Freude und Glück zu hegen. Niemand, der klar erkannt hat, dass die gegenwärtige Gnade dem größten Unglück entspringt, das je auf Erden geschah, nämlich die Verwerfung des Messias durch sein eigenes Volk, wird noch verfehlen, in jedem Leide eine Gelegenheit für Preis und Danksagung zu sehen.
Gott gibt Christus als Haupt über alles die herausgerufene Gemeinde, die seine Körperschaft ist, die Vervollständigung dessen, der das All in allem vervollständigt, Eph. 1, 22-23. Christus ist bereits hoch über allem und jedem. Er ist das Haupt über allem. Wenn Christus jetzt bereits hoch erhöht ist, dann ist es zwangsläufig auch die herausgerufene Gemeinde, weil auch uns in ihm das Los getroffen hat, Eph. 1, 11. In Kol. 3, 3-4 drückt Paulus diesen Tatbestand aus. Er stellt fest, dass unser Leben zusammen mit Christus in Gott verborgen ist. Und er fügt hinzu, dass, wenn Christus, unser Leben, geoffenbart wird, auch wir zusammen mit ihm in Herrlichkeit geoffenbart werden. Ist das nicht über alles Verstehen groß und wunderbar? Christus kann nicht in Erscheinung treten, kann nicht offenbar werden, ohne dass seine herausgerufene Körperschaft gemeinsam mit ihm in Herrlichkeit offenbar wird. Nun können wir auch verstehen, weshalb die gesamte Schöpfung mit uns ächzt und Wehen leidet bis jetzt, Röm. 8, 22. Sie wartet sehnsüchtig auf die Enthüllung der Söhne Gottes. Die Glieder seiner Körperschaft können nur mit ihm zusammen geoffenbart werden und mit ihm zusammen wirken. Deshalb wird auch im 2. Kapitel des Epheserbriefs von der herausgerufenen Gemeinde gesagt, dass sie gemeinsam in Christus niedergesetzt ist inmitten der Überhimmlischen.
Gott weiß von Anfang an den Ausgang. Er kennt den Weg und das Ziel. Nach seinem Vorsatz laufen die Äonen ab. Seine Liebe überwindet alle Feindschaft, alle Entfremdung, sie bewirkt die Aussöhnung aller, zieht alle an sein Herz und er wird in der Vollendung alles in allen sein in vollkommenem, immerwährendem Frieden.
Wir sind nicht länger einfach nur Geschöpfe des großen Schöpfers, wir sind Glieder der Familie Gottes, Kinder des liebenden, für alle sorgenden Vaters. Er ist voller Güte und Gnade. Er gibt uns Frieden und Freude und überströmenden geistlichen Segen durch die Aussöhnungstat unseres Herrn Jesus Christus. Er ist unser Friede, denn er hat uns nicht nur mit Gott ausgesöhnt durch sein Blut und sein Kreuz, er hat auch alle Schranken zwischen den Gläubigen beseitigt. Es gibt keine Unterschiede mehr. Beschneidung oder Unbeschnittenheit zählen nicht. Alle Gläubigen sind einsgemacht in ihm, sind eines Geistes und eines Glaubens, haben das gleiche Erwartungsgut und die gleichen Segnungen, sind alle Glieder einer Körperschaft, herausgerufene Gemeinde Christi, die seine Vervollständigung ist. Dafür können wir nicht genug danken und ihn lobpreisen.
Heute sind unsere Segnungen geistlicher Art, im Glauben, Eph. 1, 3. Wir dürfen uns auf die Verheißungen stützen, 2. Kor. 1, 18-20 und ein stilles, von der Welt abgeschiedenes Leben führen in Christus Jesus, unserem Herrn, Kol. 3, 4. Unsere Segnungen sind in den Überhimmeln. Sie treten erst in den kommenden Äonen zutage. Dann werden wir nicht länger schwache und müde Sterbliche sein, sondern starke und verherrlichte Unsterbliche, 1. Kor. 15, 54, an denen sich die besondere Güte Gottes offenbart und deren ehemalige Unfähigkeit und Sündhaftigkeit einen vollkommenen Hintergrund für den alles übersteigenden Reichtum der Gnade Gottes bildet. Wir sind Gesegnete mit jedem geistlichen Segen, das ist eine unumstößliche Tatsache. Damit wir auch Gebrauch machen von diesem Gnaden-Segensreichtum bedarf es der geistlichen Weisheit und Enthüllung, damit wir wissen, was das Erwartungsgut seiner Berufung ist, was der Reichtum der Herrlichkeit Seines Losteiles der Heiligen und was die alles übersteigende Größe seiner Kraft ist, die wir glauben, Eph. 1, 17-19. Lobpreis und Gebet sind eine Einheit, sie gehören zusammen. Sie ergänzen sich. Dafür ist dieses Lob- und Dankgebet des Apostels ein hervorragendes und nachahmungswertes Beispiel. Wenn wir unseren Gott und Vater preisen für den unermesslichen Reichtum seiner Segnungen, dann sollten wir nie vergessen, ihn auch um geistliche Weisheit und geistliches Verständnis zu bitten, damit uns die ganze Fülle dieses Reichtums wenigstens annähernd bewusst wird und sich in uns auswirken kann zur Verherrlichung seines Namens.
Unsere Segnungen, so überragend sie auch sind, sind nichts im Vergleich zu der Erkenntnis, dass wir, die Körperschaft Christi, eine Segnung für den großen Eigner sind. Er hat uns in eine Stellung versetzt, in der wir die höchste Form der Weisheit wiederspiegeln dürfen, 1. Kor. 1, 18-31; 1. Kor. 2, 6-10. Nicht allein, dass Gott alle Menschen durch und durch kennt, er weiß auch alle zu gebrauchen und zeitlich begrenztes Übel in endlosen Segen umzuwandeln.
Den meisten von uns mangelt es an Weisheit. Daraus entspringt unser Versagen. Gott jedoch weiß auch die schlimmste Zielverfehlung in den größten Segen zu verwandeln. Dies erwies er während der vergangenen Äonen vielfältig und er wird dies ebenso in Zukunft in unvorstellbarem Ausmaß beweisen.
Der Ausdruck »Vorsatz der Äonen« kommt nur ein einziges Mal in der ganzen Schrift vor. Es ist ein Wort von unschätzbarem Wert, denn es wirft ein helles Licht auf die Bestimmung der Menschheit im Vorsatz Gottes, nämlich alle darüber zu erleuchten, was die Verwaltung des Geheimnisses betrifft, dass von den Äonen an in Gott verborgen gewesen war, der das All erschaffen hat, Eph. 3, 9-11. Im Römerbrief gibt es Hinweise auf den Vorsatz Gottes, doch im Epheserbrief wird uns offenbart, dass alle Äonen darin eingeschlossen sind, vom allerersten Anfang bis zur Vollendung, er umfasst alles, was zeitlich begrenzt ist, was also einen Beginn und ein Ende hat. Dabei wollen wir beachten, dass es heißt: »inmitten der Überhimmlischen« soll die Weisheit Gottes bekannt gemacht werden und zwar nicht nur allgemein der großen Schar in diesen Bereichen, sondern vor allem ihren Fürstlichkeiten und Obrigkeiten, denen also, die gegenwärtig herrschen und Macht haben. Mit Ausnahme des Herrn selbst gibt es keine höheren Wesen in der Schöpfung als diese. Und es ist die Aufgabe der herausgerufenen Gemeinde, der Körperschaft Christi, die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt zu machen. Das ist das größte aller Wunder, dass durch uns die Erhabensten im Weltall die Lektion lernen müssen, die Gott sie lehren will. Das ist überwältigend. An unserem Werdegang und an unserem Verhalten soll den himmlischen Intelligenzen gezeigt werden, was Gottes Gnade zu leisten vermag, die aus so verderbten und verkommenen Sündern, wie wir es waren und trotz der uns durch das Fleisch noch anhaftenden Schwierigkeiten Kinder des Lichts macht, die dem Vater in jeder noch so schweren Situation völlig vertrauen und ihn darüber noch preisen und anbeten.
Der Vorsatz umfasst die Offenbarung der Wesenzüge Gottes an die gesamte Schöpfung. Was könnte uns wohl mehr mit Dank und Freude erfüllen, als dass Bewusstsein, dass Gott uns braucht, um sich bekannt zu machen. Nicht nur enthüllt er sich uns, sondern auch durch uns. Wenn wir dies erkennen, hört unsere Errettung auf, eine selbstsüchtige Privatsache zu sein. Unsere Heilgewissheit ist nun in Gottes Vorsatz verankert, ist notwendig zu seiner Verherrlichung und zum Wohle seiner anderen Geschöpfe. Die Tatsache, das Gott seine alles übersteigende Gnade durch uns in den beiden kommenden Äonen zur Schau stellt, Eph. 2, 6-7, sollte uns in den Staub demütigen. Denn die Gnade fordert nicht unsere Werke oder ein Gutestun unsererseits, sondern unsere Erniedrigung in der Erkenntnis, nichts aus uns selbst zu vermögen. Wenn wir meinen, selbst nötig zu sein, so beweist dies nur, dass wir uns haben betrügen lassen und das Herz Gottes, das sich an Christus Jesus geoffenbart hat, noch nicht erkannt haben. Die Gnade muss hier wirksam werden, um uns in die rechte Demut zu führen. Die überwältigende Gnade, 1. Tim. 1, 14; Eph. 2, 8-9, der wir teilhaftig wurden, bezweckt gegenwärtig nicht unsere Erhöhung, schon gar nicht in den Augen der Welt. Gott bereitet jetzt einen Hintergrund, vor dem er seine Gnade zur Schau stellt. Daher beruft er nicht viele Weise, Mächtige oder Vornehme dem Fleische nach, 1. Kor. 1, 26, so dass sich niemand zu rühmen vermag, außer dem Herrn allein. Seine Diener werden in Niedrigkeit gehalten, um so seine Gnade offenkundig zu machen.
Wie er uns gesegnet und begnadet hat und uns liebt, dass ist der überzeugendste Anschauungsunterricht für die gesamte Schöpfung. Einstmals waren wir genauso verloren und voll Schlechtigkeit, wie alle Menschen. Was die Bewohner der himmlischen Bereiche zu sehen bekommen, wenn sie auf die Menschheit in all ihrer Verderbtheit und Gewalttätigkeit als Ganzes herabblicken, muss sie erschrecken und entsetzen. Dass aber fällt ihr Blick auf die herausgerufene Gemeinde und sie sehen, dass Gott uns gerechtfertigt hat und wir in seiner Gnade stehen. Und sie werden voll Dankbarkeit und Freude erkennen, dass diese Gnade, die Gott in seiner Liebe und Güte auf uns ausgegossen hat, auch für sie ist.
Es ist Gottes Vorsatz, dass das All, also Himmel und Erde und alles in ihnen, in Christus aufgehauptet wird in der Vervollständigung der Christen, Eph. 1, 10. Alle von ihm erschaffenen Wesen werden ihm dann freudig untertan sein. Ein jedes wird alsdann aus tiefstem Herzen bekennen, dass Gott alles in ihnen ist. In Christus allein kann dieses Ziel Gottes erreicht werden. Christus führt es hinaus. Denn als das Lamm Gottes nimmt er die Sünde der Welt auf sich, Joh. 1, 29. Die Güte, die Gott uns, den Sündern und Feinden erwiesen hat, ist der Beweis seines Vorsatzes, dass er seine Gnade auch über die Abgeirrten des ersten Äons ausgießen wird. Wir sehen also, dass die Menschheit zu dem Zweck und Bild und in der Gleichheit Gottes erschaffen wurde, um als Segenskanal, als Segensträger zu wirken, damit durch sie einmal das Universum mit Gott ausgesöhnt wird.
Bei all dem dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Menschheit nur ein Instrument in der Hand Gottes ist, nicht aber die treibende Kraft, die alles lenkt. Der Ruhm gebührt Gott allein. Er entscheidet, er hat den Vorsatz gefasst, er führt seinen Plan durch zu seiner Verherrlichung. Diesen Ruhm wird er niemals jemand anderem überlassen. Selbst sein geliebter Sohn konnte nur das ausführen, was sein Gott und Vater ihm zu tun gegeben hat.
Wenn unsere Sterblichkeit anzieht Unsterblichkeit, 1. Kor. 15, 54, dann stehen wir völlig in seinem Dienst, nicht nur in der Anbetung, sondern in der Ausführung seines Vorsatzes, jedes Knie in Anbetung zur Beugung zu bringen. Gottes Gnade und Liebe den Überhimmlischen nicht nur durch die Worte enthüllt, die wir reden werden, sondern aus dem Unterschied, was wir einst waren und was aus uns durch Gottes Gnade geworden ist. Als einst Unwürdige und Unfähige, nun aber Befähigte und Erhöhte, sind wir eine einmalige Zurschaustellung der Wirksamkeit seiner Gnade, eine Enthüllung der Kraft seiner Liebe. Die Abschließung der Äonen finden dereinst nicht lediglich ein Ende, sondern gipfeln in der Vollendung des Vorsatzes Gottes, Eph. 3, 11, zu dessen Durchführung und Erfüllung sie geschaffen wurden, Hebr. 1, 2. Beim Abschluss der Äonen wird er die Sünde ablehnen, ebenso wie er den Tod aufheben wird, Eph. 1, 10; 2. Tim. 1, 10; Hebr. 9, 26.
Bruder Wilhelm Prolingheuer hat in seinem Lied »Gott ist Einer in dem All« im 3. Vers den Vorsatz wie folgt festgehalten: »Aus ihm, durch ihn, zu ihm ist das, was sichtbar und verborgen. Ihm dient Finsternis und Licht, sein ist Gestern, Heute, Morgen. War der Anfang groß und hehr, Gottes Ziel ist’s umso mehr!«
Amen.


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