Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der Richterstuhl des Christus

Autor: Diverse  |  Kategorie(n): Gemeinde, Gerichte Gottes  |  693 x gelesen

1.) Karl Geyer: Die Gemeinde vor dem Preisrichterstuhl Christi und Gottes

Wenn Paulus in dem 2. Brief an die Korinther schreibt (Kap. 5, 10), dass wir alle vor dem Bäma Christi, der Preisrichterbühne des Christus, offenbar werden müssen, so war dieser Ausdruck für alle, die den Apostel in Korinth gehört hatten, unmissverständlich. Als der Apostel, von Athen kommend, nach Korinth kam (Apg. 18, 1), ging er zuerst in die Synagoge. Als die Juden dort aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: »Euer Blut komme auf euren Kopf! Ich bin rein. Von jetzt an wende ich mich zu den Nationen« (Apg. 18, 6). »Und er ging von dannen fort und kam in das Haus eines Gewissen, mit Namen Justus, welcher Gott anbetete, dessen Haus an die Synagoge stieß« (Apg. 18, 7).

Korinth war damals eine Stadt von fast einer Million Einwohnern. Das heutige Korinth ist dagegen nur ein unbedeutender kleiner Platz. — Man hat nun in den vergangenen Jahrzehnten Korinth wieder ausgegraben und dabei auch das Pflaster der damaligen Stadt freigelegt und insbesondere auch das ehemalige Stadion, Gymnasium genannt. Neben diesem Gymnasium nun standen die Synagoge und das Haus des Justus. Die Grundmauern von beiden sind erhalten. Am Eingang des Gymnasiums, des großen Sportplatzes Korinths, befand sich ein erhöhter Platz, die Preisrichterbühne, von der aus die Preisrichter die Läufer in der Rennbahn beobachteten, ob sie nicht die Regeln des Wettkampfes gefährdeten, sondern ehrlich und sauber kämpften und einwandfrei das Ziel erreichten. Man hat daher am Eingang des Stadions, des Gymnasiums, eine große Tafel angebracht, auf der weithin sichtbar der Name Bäma steht. (Die Fotografie davon befindet sich in meinem Besitz. Ein lieber Freund, der das Haus, in dem Paulus damals wohnte, sowie den danebenliegenden Sportplatz besichtigte, besorgte sie mir.)

Da Paulus direkt neben dem großen Sportplatz wohnte, ist es auch nicht verwunderlich, dass er gerade den Korinthern, die ihn ja oftmals in jenem Hause besuchten, schon im 1. Korinther-Brief, Kap. 9, 24-27, schreibt: »Wisset ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? — Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, auf dass sie eine vergängliche Krone (oder einen vergänglichen Kranz) empfangen, wir aber eine(n) unvergängliche(n). Ich laufe daher also, nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe also, nicht wie einer, der die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft, auf dass ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.«

Schon in Kap. 3, 10-15 redete er von der gleichen Sache in einem anderen Bilde. Aber auch dort handelt es sich um den Lohn der Treue, der den Bewährten zuteil wird.

In ähnlicher Weise ermahnt er in seinem letzten Brief, der gleichsam sein Testament darstellt, im 2. Timotheusbrief, zweimal sein geliebtes Kind Timotheus: »Wenn aber auch jemand kämpft, so wird er doch nicht gekrönt (oder bekränzt), er habe denn gesetzmäßig gekämpft« (2. Tim. 2, 5). Vgl. dazu 1, 8; 4, 5-8.

Die Korinther wussten also, was es heißt, in der Rennbahn zu laufen oder den Ringkampf zu kämpfen. Paulus sah täglich durch sein Fenster alle diese Vorgänge und ebenso die Siegerehrung vor der Preisrichterbühne, dem Bäma. Die Korinther wussten also auch, was Paulus meinte, wenn er sie aufforderte, den Wettlauf in der Rennbahn zu laufen, damit sie gekrönt würden. Das ist ebenso unmissverständlich wie die Tatsache, die auch oft vergessen wird, dass der Glaubende gar nicht in das Gericht kommt (Joh. 5, 24), in dem einmal die Welt gerichtet wird vor dem großen weißen Thron, an dem über Leben und Tod entschieden wird (Offb. 20, 11-15), sondern dass wir vom Herrn gezüchtigt werden, damit wir nicht mitsamt der Welt verdammt werden (1. Kor. 11, 31.32). Wir, d. h. die Glaubenden, kommen nicht in das Gericht, in das die Welt kommt, sondern wir werden vor der Preisrichterbühne des Christus offenbar. Da wird nicht mehr über Leben und Tod entschieden, denn wir sind ja vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Vielmehr wird vor dem Bäma Christi darüber entschieden, wie wir den Wettlauf gelaufen sind und den Ringkampf gekämpft haben, oder, anders ausgedrückt, was wir mit den empfangenen Gnadengaben angefangen haben, wie wir sie verwandten zur Ehre des Herrn, oder ob wir sie vielleicht gar nicht anwandten oder unfair damit umgingen, unsere eigene Ehre damit suchten, nicht aber das Wohl der Brüder.

Wer die Stellen in den beiden Korintherbriefen im Zusammenhang liest, also 1. Kor. 9, 24-27; 3, 10-15; 4, 5 und 2. Kor. 5, 10, dem wird es ohne Schwierigkeiten klar, was Paulus mit dem Bäma und dem Offenbarwerden der Kinder Gottes, nicht der anderen, vor diesem Preisrichterstuhl meint.

Es ist also gerade für uns eine heilig-ernste Angelegenheit, die wir gar nicht ernst genug nehmen können, auf die wir uns innerlich einzustellen haben, weil dieses Offenbarwerden ein Müssen ist, dem keiner von uns ausweichen kann. Da nützt es nichts, wenn man irgendwelche theoretischen Gedanken-Konstruktionen macht über Erwählung und Gnade usw. Was Gott uns aus Gnaden geschenkt hat, die Rechtfertigung und das ewige Leben, nimmt niemand mehr von uns, auch Er, der Ewigtreue, nicht, denn Seine Gnadengaben und Berufungen sind unbereubar (Röm. 11, 29). Aber innerhalb jedes Standes der Berufung wird Treue gefordert, und wenn auch die den Leibesgliedern geschenkte Herrlichkeit gleich ist (vgl. Joh. 17, 22. 23; 1. Joh. 3, 2; Röm. 8, 29.30 u. a.), so ist doch die aufgrund der Bewährung und der Treue geschenkte Herrlichkeit verschieden, wie Stern von Stern verschieden ist an Herrlichkeit (1. Kor. 15, 41.42).

Und um diese verschiedene Herrlichkeit auf Grund der Bewährung geht es am Preisrichterstuhl Christi, nicht aber um Leben und Tod oder Zugehörigkeit zur Gemeinde; denn die, die dort stehen, gehören alle zur Gemeinde, sonst wären sie nicht entrückt worden. Denn wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein. — Der Geist aber ist das Unterpfand für unser Losanteil oder Erbe.

Heute vollendet der Christus Seinen Leib, indem Er im Auftrage des Vaters jedes Glied in die ganze Gottesfülle führt, damit sie alle befähigt werden, einmal größere Werke zu tun, als Er selbst sie im Stande der Niedrigkeit tat (Joh. 14, 12).

Bevor nun die Gemeinde ihr Amt im Kosmos antreten kann, den Kosmos und die Engel zu richten, stellt sich der Sohn, nachdem Er an Seinem Preisrichterstuhl, dem Bäma Christi, alles Brennbare von den Gliedern entfernt und sie in allem sich gleich gemacht hat, mit ihnen, Seinem Fülle-Leib, dem Vater dar am Preisrichterstuhl Gottes, dem Bäma Theou (Röm. 14, 10).

Dort beugen nun alle vor dem Vater die Knie, gleichwie sie diese zuvor vor dem Sohn gebeugt haben. Und ebenso bekennt dort jeder, dass der Vater Gott sei, wie sie zuvor alle bekannten, dass der Sohn Herr sei.

Vom Preisrichterstuhl Gottes aus kann dann der Zukunftsdienst der Gemeinde erfolgen, die in Seinem Auftrag, und ausgerüstet mit letzter Vollmacht von Ihm selbst, nun befähigt ist, den Kosmos und die Engel zu richten sowie alle Gottes-Verheißungen aus- und durchzuführen (2. Kor. 1, 20), weiterhin größere Werke zu tun, als sie der Sohn im Stande der Niedrigkeit während Seines Erdenlebens tat (Joh. 14, 12).

2.) Adolf Heller führte in einem Wortdienst in München über das Gericht vor der Preisrichterbühne des Christus aus:

Wenn Christus wiederkommt, dann werden (nach 1. Thess. 4) zuerst die Toten in Christo auferweckt und danach die lebenden Gläubigen verwandelt werden in einem Nu — en atomoo (1. Kor. 15, 52); danach werden beide zusammen, die auferweckten und die lebend verwandelten Gläubigen, vom Herrn hinaufgenommen und begegnen Ihm in der Luft; und sie werden dann von dem Lichtsfahrzeug, der Schechina Gottes, der Herrlichkeitswolke hinaufgenommen vor eine Richterbühne, die Preisrichterbühne des Christus. Dort wird dann alles, worüber wir nicht Buße getan haben, was wir nicht aufgedeckt haben, was wir nicht preisgegeben haben, was wir nicht losgelassen haben, von dem wir uns nicht durch Gericht und Gnade haben reinigen und befreien lassen, durch Feuer ausgeschmolzen werden (1. Kor. 3, 13-15).

Dieses Feuer ist kein Höllenfeuer; es wird aber ein schmerzlicher Prozess sein, wenn wir Jesus kannten in Seiner strahlenden Reinheit und Ihm gleich zu werden begehrten — aber durch Trägheit und Schwachheit und Torheit wurden wir es nicht! Das wird eine ernste Sache sein, zwar keine Verdammnis, aber doch ein ernstes, gerichtsmäßiges, vollendendes, zielführendes Wirken Gottes. Darum sollten wir bedenken:

    Was du jetzt aufdeckst, Bruder, Schwester, bleibt für ewig zugedeckt;
    aber was du jetzt zudeckst, verheimlichst, nicht wahrhaben willst, nicht zugibst, das wird dort oben aufgedeckt und ausgeschmolzen.

Dieses Gericht vor der Preisrichterbühne des Christus geschieht nicht »von heute auf morgen«; dort wird ja einmal der Tonfilm eines jeden Lebens laufen; und nur, was durch das Blut Jesu Christi ausgelöscht und durch Buße und Bekenntnis abgetan wurde, ist nicht existent, ist nicht mehr da; was aber nicht durch Buße und Bekenntnis abgetan wurde, erscheint dann auf der großen Leinwand. Dabei sind keine Engel und keine Dämonen zugegen; Gott der Vater ist auch nicht dabei; dieses Gericht betrifft nur den Sohn und die Söhne, das Haupt und die Glieder; so lehrt es die Schrift. Ich sage noch einmal: Wer aus Weltliebe oder Bequemlichkeit den Weg des Selbstgerichts (1. Kor. 11, 31; 2. Kor. 7, 1) hier unten nicht gehen wollte, wer hier noch gebunden und da noch gebunden ist, der wird dort oben erfahren müssen, dass das auf gerichtsmäßigem Wege ausgeschmolzen wird, wie durchs Feuer.

3.) Heinrich Langenberg schrieb Folgendes zu 2. Kor. 5, 10:

»Denn wir alle müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl des Christus, damit ein jeder als Entgelt erhalte das durch den Leib, für das er gewirkt, es sei gut oder schlecht« (2. Kor. 5, 10).

Der Ausdruck »bäma« kommt auch sonst im Sinne eines gewöhnlichen richterlichen Stuhles vor (Matth. 27, 19; Joh. 19, 13; Apg. 12, 21; 18, 12.16.17; 25, 6.10.17). Der Richterstuhl des Christus ist nur für Gläubige, während die Ungläubigen erscheinen müssen vor dem Thron Gottes (Offb. 20, 11). Vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen nicht nur Paulus und seine Mitarbeiter, sondern alle Gläubigen ohne Ausnahme (»wir alle«) und erfahren dort zweierlei: ein Offenbargemachtwerden und eine Vergeltung. — Offenbar gemacht wird eines jeden Leibesleben, nämlich sein Verhalten im Leib. Und die Vergeltung betrifft »das durch den Leib«, d. h. das, wofür ihm der Leib das Mittel gewesen ist, wofür er gewirkt hat. Im Zusammenhang mit den vorherigen Ausführungen des Apostels kann hierbei nur an das gedacht werden, wozu ein jeder sein Leibesleben gebraucht hat. Wenn Paulus von sich und seinen Mitarbeitern sagt: »Wir, die da leben, werden stets zum Tode überliefert« und: »Allezeit tragen wir die Ertötung des Jesus in dem Leibe umher« (Kap. 4, 10.11 wörtlich), so ist das etwas, das vor dem Richterstuhl des Christus seine Vergeltung finden wird. Was hier durch die Gebrechlichkeit der Gefäße, in denen der große Schatz enthalten ist (Kap. 4, 7), als ein Minus empfunden wird, wird sich dort in ein großes Plus verwandeln. Hier wird ausgesät, dort wird geerntet. Vor dem Richterstuhl des Christus findet die ausgleichende Gerechtigkeit ihre Vollendung. Aber es wird nicht nur Gutes, sondern auch Schlechtes offenbar gemacht und vergolten. Nicht die Frage des Seligwerdens wird hier entschieden, sondern der Wert des Leibeslebens für die Praxis des Gläubigen festgestellt.

Zu 1. Kor. 3, 12.13 schrieb Heinrich Langenberg:

»Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Rohr, wo wird eines jeglichen Werk kenntlich werden, denn der Tag wird es kundmachen, weil es sich vermittels Feuer enthüllt, und eines jeglichen Werk, welcher Art es ist, das wird das Feuer selbst erproben.«

Also darauf kommt es an, welcher Art eines jeglichen Werk ist. Am Tage des Herrn wird das endgültige Werturteil gefällt werden. Nur dieser Tag kann hier gemeint sein (Kap. 4, 5; 2. Kor. 5, 10). Gerade das, was mengenmäßig am meisten in die Augen fällt, wie Holz, Stroh und Rohr, wird die Feuerprobe nicht bestehen. Vier verschiedene Ausdrücke werden hier gebraucht für die Feststellung des inneren Wertes eines jeglichen Werkes: kenntlich werden, kund machen, sich enthüllen, erproben. Das erste ist ein allmähliches Werden, das zweite eine öffentliche Darstellung des Gewordenen, das dritte ein innerer Prozess und das vierte eine gerichtliche Entscheidung. Bei den beiden letzten ist das Feuer des Gerichts das Mittel. Schon das zeitliche Werden zeigt dem Geistlichen, der alles beurteilt, den inneren Wert eines Werkes; es wird bereits kenntlich, aber erst der Tag des Herrn macht es öffentlich für alle kund, weil es vermittels Feuer sich enthüllt. Das Feuer des Gerichts ist die endgültige Bewährungsprobe. Dieses Gericht für die Gläubigen ist wohl zu unterscheiden von dem Gericht über die gottlose Welt. Gemeint ist das Offenbarwerden der Gemeinde vor dem Richterthron des Christus, wovon Paulus 2. Korinther 5, 10 schreibt. Der Richter hat Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße sind gleich Glanzerz, das im Ofen glüht (Offb. 1, 14f.). Das Feuer ist nicht materiell, sondern ein Symbol der geistigen Durchrichtung. »Wenn jemandes Werk bleiben wird, was er darauf baut, so wird er Lohn empfangen« (V. 14). Der Lohnempfang ist hier derselbe wie in Vers 8. Er besteht nicht nur in dem Bleiben des Werkes, sondern in einer zusätzlichen Belohnung. »Wenn jemandes Werk verbrennen wird, wird er (den Lohn) einbüßen. Er selbst aber wird gerettet werden, aber so wie durch Feuer« (V. 15). Das Lebenswerk des Gläubigen bleibt oder vergeht. Das hängt davon ab, wie jemand auf den Grund Jesus Christus gebaut hat. Geht das Werk im Gericht am Tage des Herrn zugrunde, so geht auch der Lohn mit verloren. Aber der Mensch selber wird gerettet wie durch Feuer. Das ist nicht dasselbe wie »gerettet aus dem Feuer«, d. h. nur das nackte Leben wird gerettet. Das Feuer des Gerichts wird vielmehr zu einem Heilmittel. Es geht nach dem alten prophetischen Grundsatz: Kein Heil ohne Gericht und kein Gericht ohne Heil. Werk und Person sind nicht zu trennen. Geht das Werk im Feuer des Gerichts verloren, so kann die Person nur gerettet werden durch dasselbe Gerichtsfeuer: Das Offenbarwerden dient dann zu des Betreffenden Heil.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 4/2002; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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