Die prophetische Bedeutung der Bekehrung des Saulus
Autor: Czerwinski, Carl | Kategorie(n): Lehre, Paulus | 595 x gelesenPaulus vermeidet das Wort Bekehrung, wenn er davon Zeugnis gibt, wie der Herr nach Seiner großen Barmherzigkeit bei ihm eine Umwandlung bewirkt habe. Er sagt nie: »Ich habe mich bekehrt«, wie das in unsrer Zeit viele vielfach mit Vorliebe sagen. Er war zu sehr von der Überzeugung durchdrungen, dass es nur Erbarmen und Gnade Gottes sei, die ihn »bekehrt« habe, als dass er sich selbst dabei irgendetwas hätte zuschreiben können. In 1. Tim. 1 sagt er zweimal: »Mir ist Barmherzigkeit widerfahren« (V. 13 und 16), und Gal. 1, 16: »Da es Gott wohlgefiel, Seinen Sohn in mir zu offenbaren«, und Eph. 1, 6: »womit Er uns begnadigt hat in dem Geliebten«, und in Vers 8 redet er von der Gnade, »die Er reichlich ausschüttete auf uns«. In Eph. 2, 4.5 unterstreicht er ganz besonders die Tatsache, dass der erbarmungsreiche Gott auch ihn vom Tode zum Leben in der Einheit mit Christus gebracht hat.
Dieses Betonen der Gnade Gottes, durch die er wurde, was er als Apostel und Zeuge Christi war, ist kennzeichnend für die ganze Bedeutung der Darstellung der überragenden Gnade Gottes im Leben und Dienst dieses größten aller Zeugen des Sohnes Gottes.
Was Gott an ihm tat durch die mächtige, reine Gnade, als Er aus diesem ärgsten aller Feinde Christi einen so treuen und vorbildlichen Genossen Christi machte — in Bezug auf dessen Leiden und verheißene Herrlichkeit —, hat auch eine große prophetische Bedeutung und ist vorbildlich für die rettende und wiederherstellende Gnade bei allen, »die nach ihm (oder künftig) glauben sollten zum ewigen (äonischen) Leben« (1. Tim. 1, 16). Was Gott also seit der Rettung des Saulus vor Damaskus an Rettung durch Gnade getan hat und noch tun wird, bis alle, die für das äonische Leben in Betracht kommen, gerettet sind, geschieht nach jenem Typus oder Vorbild, welches Gott dort grundlegend gab. Das ist die prophetische Bedeutung seiner Bekehrung.
Paulus ist der Apostel Christi zur Herausrufung und Zubereitung »der Gemeinde, die Sein (Christi) Leib ist«, und darum wollen wir jetzt sehen,
1. wie seine Bekehrung prophetisch ist für die Gnade, die in der Leibesgemeinde Christi Jesu zur Darstellung kommt.
Wir können es gar nicht zu viel betonen, dass die Gemeinde des erhöhten Herrn — die Gemeinde, die Sein herrlich gemachtes Organ für Sein Herrschen, Richten und Vollenden sein wird in den kommenden Äonen — eine Gemeinde reinster Gnade ist. Wäre dies nicht so, dann würde kein Mensch in der Zeit seit Israels Verstockung bis zur Bekehrung dieses Volkes für das kommende Königreich des Herrn zur Rettung kommen. Die Nationen, aus welchen der größte Teil der Glieder dieser Gemeinde Christi Jesu herausgerettet wird, waren, ehe Paulus mit der Botschaft der mächtigen Gnade zur Rettung in sie hineinging, in einem überaus trostlosen Zustand, einfach dahingegeben (Röm. 1, 24.26. 28). Sie waren ohne Gott, ohne Christus, ohne Hoffnung, ohne Bund von Gott, sie waren ferne (Eph. 2, 11.12). Sie waren in der Finsternis und in der Gewalt Satans (Apg. 26, 18), tot in Sünden und Beleidigungen (Gottes) (Eph. 2, 1). Konnte es noch einen dunkleren Hintergrund, ein größeres Verderben als dieses geben? Wahrlich, hier hatten Verderben und Todesfäulnis ein gründliches Werk getan! Wären wir armen Adamskinder nicht so gewöhnt an das ganze Elend des Verderbens, wir würden jedes Mal bis ins Innerste hinein erschüttert sein und die bittersten Tränen würden über unsere Wangen rollen, sooft wir die oben erwähnte Beschreibung in der Schrift lesen.
»Aber Gott, reich an Erbarmen« ließ durch Paulus und sein Evangelium, das sich sehr deutlich von dem Königreichsevangelium der Zwölfe unterscheidet, einen Strom reiner und mächtiger Gnade in die Welt hineinfließen, wie sie ihn bis dahin noch nie erlebt hatte. Gewiss hatte Gott in den bis dahin schon dagewesenen Haushaltungen immer und viel Gnade den Menschen zukommen lassen, Gnade in Erbarmen und Vergebung, in Geduld und Langmut, Gnade auch in den Gerichten, die Er je und je verhängte. Und wie floss eine reiche Gnade in das auserwählte Volk hinein, als Christus im Fleisch in ihm wirkte und zeugte! Sagt nicht Johannes: »Aus Seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade«? Und wie bereit war der zum Vater gegangene Herr, im Pfingsthaushalt ein volles Maß von Gnade über das ganze Haus Israel, das solch furchtbaren Frevel gegen Ihn begangen hatte, auszuschütten! Ja, Er war gnädig, geduldig, barmherzig und von großer Treue gegen Sein Volk. Doch alles war umsonst; dies Volk hatte geschlossene Ohren, geblendete Augen und ein verstocktes Herz. Nun musste das verheißene und so nahe herbeigekommene Königreich hinausgeschoben werden (und ist jetzt noch aufgeschoben), und Gott hatte freie Hand, Sein Herzensgeheimnis zur Offenbarung Seiner allergrößten Gnade zu enthüllen und wirksam zu machen.
Und wenn wir nun so echt menschlich fragen: »Wo sollte Er denn damit anfangen?«, so gibt uns Apg. 9 die gewünschte Antwort. Bei Seinem ärgsten Feind fängt Er an! Ein schnaubender Wüterich ist Saulus gegen Christus. In der Tat, der war am besten geeignet als Objekt überragender Gnade! Verhandlungen mit ihm anknüpfen, ihm Vorschläge machen, Bedingungen stellen, Bedenkzeit geben und dergleichen hätte hier absolut keinen Wert gehabt und war auch völlig unnötig, da Gott nun die Zeit für gekommen hielt, die Großmacht Seiner freien Gnade zu offenbaren, die aufgrund der im Sohn Seiner Liebe gewirkten Versöhnung Seiner Feinde (Röm. 5, 10!) in einem besonderen Haushalt (Heilsverwaltung, Heilsökonomie) den herrlichsten Teil des ganzen Heilsplanes zustande bringen sollte.
Paulus sollte in diesem neuen Haushalt große Dinge kundtun: Er sollte ein Heil verkündigen aufgrund der Kreuzigung, Auferstehung und Erhöhung Christi, wie es vorher in keinem Haushalt kundgemacht und ausgeteilt wurde. Die Sünde hatte in Israel durch die Verwerfung Christi und die Schmähung des Heiligen Geistes, der gnädig in Jerusalem eingekehrt war, ein volles Maß erreicht; nun sollte die Gnade ein überfließendes Maß haben (Röm. 5, 20).
Diese Gnade will und benötigt keine Mithilfe vonseiten des Menschen — wie etwa Bündnistreue, Gelübde, Gehorsam im Halten von Geboten, Gerechtigkeit wirken und dergleichen. Sie will kein Verdienst oder irgendeine Leistung. Paulus leistete nicht das Geringste in der Richtung auf Gottes Wohlgefallen hin. Er nahm keinen Weg unter die Füße, um auf ihm irgendwelche Schritte zu machen, um Gott angenehm zu werden. Was Gott Seinem auserwählten Volk an Gesetz und Offenbarung gegeben hatte, diente diesem Gesetzeseiferer nur dazu, sein für Gott eiferndes Ich darin so völlig aufzurichten, dass er der wütendste Feind Christi wurde. Hier sehen wir, nebenbei bemerkt, das wahre Gesicht der Religion: Auflehnung gegen Christus!
Dieser Jüngling mit solcher Feindschaft war das auserwählte Organ für die Erweisung der beiden gewaltigen Teile des Heils, das er in Zukunft verkündigen sollte, nämlich Rechtfertigung aus freier Gnade ohne Mithilfe des Menschen — »aus Glauben (Christi Glauben) für Glauben (des Gläubigen)« (Röm. 1, 17) — und Versöhnung der Welt, ebenfalls völlig ohne Mithilfe von Menschen, »denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit Ihm selber« (2. Kor. 5, 19). So floss die Gnade über! Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen bisher in den Sinn gekommen war, wurde nun offenbart.
Dabei ist es Gottes Methode, nicht nur Sein Heil durch Seine Herolde zu verkündigen, sondern es auch an ihnen zur Darstellung zu bringen. So wird das wiederhergestellte Volk Israel Gottes Gerechtigkeit und Treue und Heiligkeit im Königreich darstellen. Die Gemeinde, die Christi Leib ist, aber wird nach Eph. 2, 7 in den kommenden Äonen den überragenden Reichtum der Gnade in Güte in Christus Jesus zur Darstellung bringen, und Paulus muss sie als Apostel der Gemeinde dieser selbst nicht nur verkündigen, sondern auch als Vorbild zur Anschauung bringen.
Man redet heute viel vom »freien Willen« des Menschen in Bezug auf seine Rettung und sagt immer wieder: »Wer nur will, kann es gleich erlangen, und wer nicht will, der muss es ewig büßen.« Gewiss hat Gott dem Menschen, diesem höchst Geadelten der Schöpfung, einen Willen gegeben, den er so oder so anwenden kann; aber wo steht das geschrieben, dass irgendein Geschöpf für sich seine endgültige Bestimmung treffen kann? Genau das Gegenteil bezeugt das Wort Gottes an schier unzähligen Stellen. Wer das in der Schrift noch nicht gesehen hat, hat sie sicher noch nicht in Bezug auf Gott und Sein Wesen gelesen, sondern immer nur in Bezug auf sich selbst und seine Bedürfnisse.
So ist auch die Gemeinde Christi Jesu, deren Herold und Verwalter Paulus war, nicht eine Gemeinde, deren Glieder sich selbst dafür bestimmen oder entscheiden nach ihrem »freien Willen«, die sich bekehren nach einer Wahl, die sie, wenn es ihnen gefällt, treffen, sondern die anbetenden Herzens in Eph. 1, 4 das Zeugnis des Paulus lesen, dass Gott sie erwählt hat in Christus vor Grundlegung der Welt und in Liebe (also vor dem Eintritt der Sünde in die Welt, sonst würde es heißen: in Erbarmen) sie zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft. Ebenso heißt es in Röm. 8, 30: »Die Er zuvor bestimmt hat, die beruft Er auch; die Er beruft, die rechtfertigt Er auch, und die Er rechtfertigt, die verherrlicht Er auch.« Er tut dies alles, weil Er die Liebe ist und zum Erweis Seiner Liebe die Erwählten im Sohn der Liebe mit überragender Gnade überschüttet. Paulus muss diese Gnade, die er der Gemeinde verkündigt, selber darstellen; deswegen bekehrte Gott ihn und nicht der Saulus sich selbst. Christus als der Verherrlichte zur Rechten des Vaters erschien ihm. Paulus soll diesen verherrlichten Christus Jesus der Gemeinde Seiner Glieder verkündigen, weil sie Ihn fortan nicht mehr dem Fleische nach (2. Kor. 5, 16), sondern der Herrlichkeit nach (Eph. 1, 21; 3, 16) kennen soll. Ihr Heil als Einheit mit Ihm, ihre Bestimmung für die Himmelswelt und ihr Ziel, ihre Gnade und ihre Ausrüstung, kurz alles, was sie ist und hat, hat sie als Wirkung Seiner Herrlichkeit, die Er beim Vater hat nach Seiner Erhöhung.
Wie mächtig wirkte gleich nach dem Offenbarwerden der Gnade, die der Herr dem Saulus schenkte, seine Veränderung! Es steht in Apg. 9, 21: »Es entsetzten sich aber alle, als sie es hörten.« So war seine Bekehrung ein Zeichen, ein Typus, eine Prophetie Gottes, ein Programm für die Söhnegemeinde, die alles der überragenden Gnade in Christus Jesus, dem Fülleträger Gottes, verdankt. Ihm hat der Vater alles und alle übergeben. Gepriesen sei Er für diese Gnade mit ihrer alles überwindenden Macht!
Wir wollen jetzt noch sehen,
2. wie die Bekehrung des Paulus eine prophetische Bedeutung hat für die endliche Errettung des Volkes Israel.
Er war ein Jude, und zwar ein »Hebräer aus den Hebräern« (Phil. 3, 5), aus dem bevorzugten Stamm Benjamin (»Sohn des Glückes«). Sein Dienst als »Bekehrter« galt zunächst seinen Brüdern nach dem Fleisch. An ihm konnten sie es nun sehen – und nicht nur von ihm hören —, was die Macht Gottes in Gnade getan hatte. Zeichen wollten die Juden immer sehen; hier war nun eins, ein ganz besonderes. Sie hatten gespottet über die Ohnmacht Jesu am Kreuz, nun konnten sie die neuschaffende Gnaden- und Geistesmacht des Auferstandenen und Erhöhten an Paulus sehen. Ja, sie entsetzten sich über ihn und trachteten bald danach, ihn umzubringen (Apg. 9, 23). Sie mussten ihr Sündenmaß auch in der Feindschaft gegen ihn voll machen und ausreifen für das Gericht. Und doch war des Paulus Bekehrung auch für sie und ihre Nation eine Prophetie, ein Programm.
In. 1. Kor. 15, 8.9 sagt er: »Zuletzt erschien Er auch mir, der ich gleichsam eine Frühgeburt bin; denn ich bin der Geringste der Apostel, nicht würdig, ein Apostel genannt zu werden.« Die andern Apostel konnten für sich eine solche Bezeichnung nicht gebrauchen. Der Herr hatte sie, als Er in Fleischesniedrigkeit auf Erden war, in Seine Nachfolge gerufen. Ihre Bekehrung — wenn man dieses Wort in Bezug auf sie überhaupt gebrauchen darf — war ganz anderer Art als bei Paulus. Der Herr rief sie, und sie kamen zu ihm, ohne sich darüber völlig klar zu sein, was das für sie bedeutete und als Folge haben würde. Erst im Verlauf der drei Jahre des Zusammenseins mit ihrem Meister lernten sie Seine Sendung und Seine Absicht mit ihnen kennen. Und wie viel Not haben sie Ihm in ihrer Lernzeit bereitet! Aber wir müssen bedenken, dass damals der Herr im Fleische war. Da war der Sieg durch Sein Sterben und Seine Auferweckung noch nicht errungen. Da war Er noch nicht erhöht durch die »überwältigende Größe der Macht Gottes« (Eph. 1, 19.20), um mit dieser Ihm nach Seiner Erhöhung zur Verfügung stehenden Macht als lebendig machender Geist (1. Kor. 15, 45) eine neue Schöpfung (2. Kor. 5, 17) aus dem Todeszustand der alten Schöpfung zu schaffen. Was Er damals »im Fleische« wirkte und tat, so groß es auch war, war alles Vorbereitung, gleichsam der Auftakt zu Seinem Sieg und Aufstieg zur Rechten Gottes. Die Schrift nennt jene Zeit der Wirksamkeit des Heilandes »Tage Seines Fleisches« (Hebr. 5, 7), um Ihn in Seiner Entäußerung und Schwachheit zu kennzeichnen; denn die Tage Seines Fleisches sollten am Fluchholz und am Grab enden nach dem vorbedachten Rat Gottes.
Ganz anders war die Lage nach Seiner Auferstehung und Erhöhung zur Rechten Gottes. Auch hier könnte man das Wort anwenden: »Das Alte (an den Anfang Gehörende) ist vergangen; siehe, ein Neues ist geworden.« Nun war der Herr der Inhaber aller Macht im ganzen Universum und der Träger der ganzen Fülle Gottes. Nun konnte Er auch in Herrlichkeit mit solcher Lichtmacht erscheinen, dass der Glanz dieses Lichtes schon genügte, einen schnaubenden jungen Mann vom Ross zu werfen und ihm für drei Tage das Augenlicht zu rauben. Ja, diese Herrlichkeit des erhöhten Herrn, Christus Jesus, hat es dem Paulus angetan! Fortan steht dieser Verherrlichte, dieser Erstgeborene aller Kreatur und der Erstgeborene aus den Toten, der das Ebenbild des unsichtbaren Gottes und das mächtige Haupt vom ganzen All ist (es seien Throne, Herrschaften, Fürstentümer oder Gewalten), im Mittelpunkt Seines geistlichen Gesichtsfeldes (Kol. 1).
Durch des Herrn herrliche Erscheinung kam der große Wendepunkt (was wir Bekehrung nennen) bei ihm zustande. Es war aber mehr als Bekehrung; es war ein gewaltiger Akt der Neuschöpfung durch die Macht des Lebens Christi Jesu in Seiner Herrlichkeit.
Hierin liegt die Prophetie dieser »Bekehrung« im Blick auf die endliche Errettung der jüdischen Nation. Israel ist jetzt noch im Fluch und im Tod. Es läuft jetzt nicht positiv in der Lebenslinie des lebendig machenden Geistes, Christus, wie z. B. Seine Gemeinde, die Sein Leib und Seine Fülle ist. Infolge dieses Fluchzustandes ist Israel seit der Verwerfung Christi ein Volk von Feinden (Röm. 11, 28). Doch ist und bleibt trotz allem dieses Volk »das auserwählte Rüstzeug« Jehovahs zum Heil der Nationen im kommenden Königreich, wie Paulus das auserwählte Organ für die Gemeinde war.
Es wird ein Tag kommen, da wird plötzlich am Himmel das Zeichen des Menschensohnes, die Schechina, die Wolke der Lichtherrlichkeit Jehovahs, mit blendender Macht erscheinen. Furcht und Schrecken wird das in Palästina versammelte Heer des Antichristen ergreifen. Da wird jedes Auge Ihn sehen, auch die Ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen Seinetwegen alle Stämme des Landes, ja, Amen (Offb. 1, 7).
Das ist der große Tag der Wiederkunft Christi als Menschensohn in Macht und Herrlichkeit über Jerusalem. Dieser Tag bringt dem erwählten Volk Israel die gewaltige nationale Rettung, um fortan in der Hand Gottes der Segensträger unter den Nationen zu sein. Letztere haben dann auch ihren Lauf im Dahingegebensein (Röm. 1, 24.26.28) mit allem Jammer und Elend durchlaufen und sind unter dem letzten großen Weltherrscher zu ihrem Riesenzusammenbruch gekommen.
Was wird dieser Tag des Herrn für eine große Wende bringen! Israel, der Feind des Gekreuzigten, das so lange in der Hand Satans war, wird als Volk gerettet durch die Macht der Herrlichkeit dessen, dem es einst nicht das Recht gab, einen natürlichen Tod zu sterben in der Stadt, sondern den sie hinaustaten als einen gemeinen Verbrecher und den sie zwischen Erde und Himmel an den Schandpfahl nagelten!
Welch eine Wendung, welch eine Rettung, welch eine Wiedergeburt des auserwählten Volkes! In 2. Mose 4, 22 lässt Gott dieses Volk Seinen »erstgeborenen Sohn« nennen. Also war es fortan als eine Erstgeburt Gottes anzusehen. Doch ist dieser »Erstgeborene« später immer wieder Fehlwege gegangen und war ein ungeratener und verlorener Sohn. Darum redet der Heiland zu Nikodemus im Blick auf die notwendige und schon längst in den Propheten verheißene Erneuerung dieses Volkes von der Wiedergeburt: »Ihr (ihr alle, die ihr zum jüdischen Volk gehört) müsst von neuem geboren werden« (Joh. 3, 7; vgl. Matth. 19, 28).
Retten ist Gottes Sache. Er will ein Retter sein, ein Retter-Gott, weil Er im Retten sich selbst als Liebe offenbart. Niemand kann Ihn daran hindern, sich selbst zu offenbaren. Niemand — auch nicht die jüdische Nation im Fluchgericht — kann es Ihm verwehren, Seine Rettermacht zu offenbaren. Aber hat dieses Volk Ihn denn wirklich nicht gehindert bisher? Stand es Ihm denn nicht im Wege und machte es Ihm nicht einen Strich durch Seine Rechnung? — Nein, niemals! Das Versagen dieses Volkes bedeutete noch größeres Heil für Nationenleute, die erwählte Erstlinge für Christus waren, ohne dass sie es wussten. Seine Feindschaft gegen Christus wurde das Mittel zur Versöhnung der Welt (Röm. 11, 15; 2. Kor. 5, 18-21). Seine Torheit veranlasste Gottes mannigfaltige Weisheit, in der Gemeinde auf den Plan zu treten, damit die Fürstentümer und Gewalten in der Himmelswelt diese kennen lernen. Und der jetzige Fluch, unter dem Israel nun schon bald 2000 Jahre liegt, ist wiederum die dunkle Folie für das mächtige und herrliche Rettungswerk der Gnade, das der verherrlichte Herr nun wahrscheinlich in Bälde an diesem Volk tun wird mit großer Macht vom Himmel her, so wie Er es in der Rettung des Saulus damals offenbarte. Seine Rettung war wie das Eintreten einer Frühgeburt. Israels Rettung durch seinen mächtigen Goël (Erlöser) vom Himmel her wird die richtige Geburt sein zur normalen Zeit, »die der Vater in Seiner eigenen Macht festgesetzt hat« (Apg. 1, 7).
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/2003; Paulus-Verlag Heilbronn) — 1932 in “Das Prophetische Wort” erschienen)


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