Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die wunderbare Zentralstellung der Kinder Gottes zur gesamten Kreatur

Autor: Böhmerle, Theodor  |  Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte  |  671 x gelesen

Text: Römer 8, 18-26

Es ist nach dem ersten Kapitel des Epheserbriefes Gottes Wohlgefallen von Ewigkeiten her, daß in Seinem eingeborenen Sohn alles zusammengefaßt würde, oder besser gesagt: das All zusammengefaßt würde als unter einem Haupt, es sei das in den Himmeln oder das auf Erden. Diesem alles zusammenfassenden Haupt, welchem Gott nach demselben Epheserbrief das All unter die Füße getan hat, hat der Vater die Gemeine zum Leib gegeben (Epheser 1, 22), und dieser Leib ist nun die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

Gleichwie die Fülle der Gottheit leibhaftig im Sohn wohnt, so wohnt die Fülle des Sohnes leibhaftig in der Gemeine; und gleichwie der Vater alles wirkt durch den Sohn, so wirkt der Sohn alles durch die geistgeborene und geistvollendete Gemeine — das ist durch Seinen Leib. Somit hat die Gemeine Christi dieselbe Stellung zur Gesamtkreatur, wie sie das Haupt Jesus Christus auch hat.

Das ist auch ausgedrückt in den Worten des Johannes, daß wir Ihm gleich sein werden, wie Er ist, oder in den Worten des Apostels Paulus, daß wir mit Ihm herrschen werden in Seinem Reich. Die Gemeine teilt die Zentralstellung, das heißt die Mittelpunktstellung des Sohnes Gottes zu aller Kreatur, mit diesem ihrem Haupt.

Diese wunderbare Zentralstellung und Segensstellung der Gemeine zu aller Kreatur führt nun der Apostel Paulus in unseren heutigen Versen uns näher vor Augen. Es ist für alle, welche in Christus Jesus im Glauben stehen, von grundlegender und allergrößter Bedeutung, diese wunderbare Stellung der Kinder Gottes recht ins Auge und ins Herz zu fassen; denn wer solche Hoffnung in Ihm hat, der reinigt sich. Die Erkenntnis der Größe unserer Berufung in Christus Jesus schafft die kräftigsten Antriebe, diese Berufung und Erwählung festzumachen, und macht allein tüchtig, würdig dieser himmlischen Berufung zu wandeln.

Wie kann jemand sich praktisch standesgemäß verhalten, wenn er nicht seinen Stand in voller Klarheit erfaßt hat? Hier fehlt es vielen Gliedern auch unserer Gemeinschaften: sie haben nicht innerlich erfaßt, was der Heiland aus ihnen macht und machen will; darum haben sie auch die Kraft nicht, mitten in der Welt berufungsgemäß zu stehen und zu gehen. Darum wollen wir uns mit Fleiß versenken in die geistgewirkte Darlegung des Apostels von der wunderbaren Stellung der Erstlinge zur ganzen Kreatur.

Zuvor die Tatsache der Erstlingsgemeine und Glaubensgemeine voraus! Mit einer unwidersprechlichen Klarheit zeichnen unsere vorliegenden Verse wieder die Auswahlgemeine und damit den Plan Got­tes in Christus für unsere Tage. Wenn wir unsere Textstelle aufmerksam durchlesen, so tritt uns in jedem Vers, ja in jedem Versglied, ganz klar eine aus der gesamten Kreatur herausgenommene Schar entgegen.

Der Apostel redet von der Herrlichkeit, welche an uns soll geoffenbart werden, nämlich an den jetzt Leidenden. Das ist ganz deutlich die gläubige, jetzt Schmach tragende Gemeine. Er redet weiter von den Kindern Gottes oder besser von den Söhnen Gottes, auf welche die ganze Kreatur harrend warte. Also ist hier eine völlig klare Gegenüberstellung der Kinder Gottes und der ganzen anderen Kreatur.

Weiter spricht unser Gotteswort von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, zu welcher die ganze Kreatur noch hindurchdringen wird. Wie klar ist also hier gesagt, daß einstweilen nur ein kleiner Ausschnitt aus der Gesamtkreatur herausgeholt, in die Kindschaft versetzt und zur Herrlichkeit durchgeführt werde. Von der ganzen anderen Kreatur ist ausdrücklich gesagt, daß sie jetzt noch warten müsse, und zwar im Knechtsdienst des Verderbens.

Wie verkehrt erweist sich hier wieder die in unseren Tagen immer kräftiger sich entfaltende falschprophetische Linie, welche immer und ständig auf die Gewinnung der ganzen Völker gerichtet ist und krampfhaft die ganzen Nationen unter die Herrschaft Christi jetzt schon bringen will. Schon die Praxis weist es ja aus, daß dies ein falscher Weg ist; denn die Völker lassen sich nicht unter Christi Joch beugen — nicht jetzt vor ihrer Zeit. Die Massen der Nationen haben nach der klaren Schrift jetzt noch eine Wartezeit unter zunehmendem Fluch des Todesverderbens.

Aber eine Kindschaftsgemeine soll herausgerufen und zubereitet werden als ein Leib des Hauptes, um nach eigener Vollendung ihre Zentral-Segensstellung für alle Kreatur anzutreten. Es ist ein Fehlweg, jetzt Völkerrettung zu erstreben und alle Nöte der Völker aufheben zu wollen, welche doch gerade zu ihrem Zerbruch dienen sollen. Statt dessen soll mit lautem Wächterruf das Evangelium von der Wahl der Gnade, von der herausgerufenen Gemeine, von dem sich bereitenden Leib verkündigt werden.

Gleichwie Gott nach Seinem eigenen Ratschluß in den ganzen Zeiten bis auf die Geburt Seines Sohnes die Gesamtheit der Nationen laufen ließ und nur ein Volk zubereitete, so geht es auch jetzt in diesen Tagen: Die Masse läuft zunächst dahin in Gerichten zu ihrem endlichen Heil; aber das ist ihr Weg.

Aus ihr heraus ruft das Wort ein Volk, und dessen Weg läuft aus in der zweiten Ankunft des Herrn in Herrlichkeit. Ganz klar redet unser Text in Vers 23 von denen, welche haben des Geistes Erstlinge, und stellt sie der ganzen übrigen Kreatur gegenüber. Unter Kreatur aber kann nach dem ganzen Zusammenhang der Stelle nichts anderes verstanden sein als alles, was Geschöpf heißt, also nicht etwa bloß Pflanzen und Tiere, sondern alles, alles, was Geschöpf heißt, ausgenommen die Kinder Gottes.

Damit ist schon ganz klar den Kindern Gottes eine Zentral- oder Mittelpunkts- oder Herzstellung innerhalb der ganzen Kreatur zugewiesen. Das zu erfassen ist nun schon von großer Bedeutung, nicht nur für jede Art von Reich-Gottes-Arbeit, welche dadurch ganz andere Richtlinien bekommt, sondern auch für die Stellung der Gläubigen innerhalb der Welt.

Vergegenwärtigen wir uns innerlich die vorliegenden Schriftwahrheiten, so haben die Gläubigen eine Freistellung innerhalb der ganzen Kreatur, eine befreite und losgelöste Stellung innerhalb der noch gebundenen Kreatur und aller ihrer Gebilde. Kinder Gottes sind Vertreter der Gottwelt und ihrer ewigen Linien innerhalb der Fluchwelt und ihrer traurigen Todesgesetze. Dabei ist es klar, daß das Höchste und Edelste wie das Niedrigste und Gemeinste an der Eitelkeits-Kreatur in gleicher Weise dem Verderben unterworfen ist. Deshalb stehen Kinder Gottes wohl natürlich in der Welt und haben da ihre Aufgaben; aber sie stehen in der Welt als nicht von der Welt — in allen Stücken gegenweltlich. Darum hat alles Tun und Lassen der Kinder Gottes in dieser Weltzeit etwas Passionsmäßiges.

Damit sind wir nun schon beim ersten Punkt angelangt, nämlich bei der Art, wie die Zentralstellung der Kinder Gottes sich auswirkt: zunächst nämlich leidentlich. Darum beginnt auch der Apostel unsere Verse mit den Worten: “Ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden nicht wert sind der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden.”

Die Zentralstellung der wiedergeborenen Gläubigen ist eine Stellung gegenüber einer gefallenen und dem Verderben unterworfenen Welt. Sie sind durch Wort und Geist herausgehoben und auf einen festen Grund inmitten der umgebenden, wankenden Kreatur gestellt. Sie sind als Gottgeliebte und Gottliebende mitten in einer sich selbst liebenden Kreaturen-Welt. Da strahlen nun auf diesen Gottmittelpunkt der geretteten Entronnenen alle die Verderbensausstrahlungen der Kreatur. Der kreisende Meeresstrom der in sich selbst wesenden Nationenmassen speit seine Wasser gegen das in ihm sich sammelnde Gotteslicht und sucht es auszulöschen, weil dieses Licht bestimmt ist, die Nationen-Meeres-Wassermassen umzugestalten zu göttlichen Gebilden. Daraus kommt als erster Zug in der Zentralstellung der Gläubigen zur Kreatur das Leidentliche.

Unter den Leiden dieser Zeit meint ja der Apostel nicht die Kreaturen-Leiden, sondern die Gotteskindschafts-Leiden. Den Kreaturen­Leiden sind ja die Kinder Gottes auch noch unterworfen — soweit sie eben auch noch kreatürlich sind; aber sie haben ihre besonderen Gotteskindschafts-Leiden, welche aus ihrer neuen, gottgegebenen Stellung gegenüber aller Kreatur herauskommen.

So war ja auch die Stellung ihres Hauptes, des eingeborenen Sohnes Gottes, von dem Augenblick an, wo Kreaturen sündigten, das heißt: sich in sich selbst stellten, eine leidentliche. Die Passion des Sohnes Gottes hat schon in viel früheren Äonen begonnen als in dem Äon Seiner Menschwerdung. Oder meinen wir, um nur ein Beispiel zu nehmen, es sei kein Leiden für den Sohn Gottes gewesen, zum gefallenen Menschen ins Paradies zu gehen und ihn zu suchen? Drum ist’s klar, daß schon an den Pforten des Paradieses das blutige Opfer steht.

Wenn der Sohn Gottes Seine Zentral-Segensstellung an einer gefallenen Kreatur zur Durchführung bringen will, so kann Er das nur leidentlich. “Mußte nicht Christus solches leiden und zu Seiner Herrlichkeit eingehen?” Wer Ertrinkende retten will, muß ins Wasser; wer Brennende retten will, muß ins Feuer — und wird dabei durchnäßt oder verbrannt.

So ist die wunderbare Zentralstellung der Kinder Gottes gegenüber der der Eitelkeit unterworfenen Kreatur zunächst eine leidentliche. Das ist die hohe Würde der Kinder Gottes, daß sie teilhaben dürfen am Leiden Christi. Der erste Adam schon hätte ein frei Leidender unter Satans Listen und Schikanen und ein frei Sterbender unter Satans Todesstreich sein sollen und hätte dann als Überwinder in des Gottessohnes Kraft und als Auferweckter in des Vaters Kraft Satan überwunden. Der Mensch fiel — nun muß der Sohn selbst für ihn, den gefallenen Menschen, diesen Weg gehen. Und Er ist ihn gegangen.

Aber — und das ist das Wunderbare und das Gewaltige — Er läßt eine Auswahlgemeine von Menschen, die sich rufen lassen, doch noch am ursprünglichen hohen Beruf teilnehmen. Er erhebt sie zur Zentralstellung von Leibesgliedern und läßt sie erst mitleiden und dann mit herrlich werden zur Überwindung der Sünde.

Das ist das unglaublich Große, was Paulus in Kolosser 1, 24 ausspricht. Er freue sich des Leidens, das er für den Leib Christi leiden dürfe; er freue sich das noch Mangelnde an den Leiden Christi an seinem Teil und an seinem Fleisch leiden zu dürfen; er freue sich, die Gegenfülle, die Ganzfülle der Leiden Christi mit heraufführen zu dürfen, indem er, von Christi Leidensliebe durchdrungen, auch sein Teil Leiden freudig auf sich nehme.

So dürfen wir an der Zentral-Leidensstellung Christi teilnehmen, um auch zur Zentral-Herrlichkeitsstellung und zur Zentral-Segensstellung durchzudringen. Siehe, drum freue dich, wenn dein Glaubensweg dir allerlei Leiden bringt, und fürchte und scheue dich nicht. Geh getrost im Glauben die inneren und äußeren Sterbenswege — sie sind ein Anzeichen, daß du auch in die Zentralstellung eingetreten bist. Halte es mit Paulus dafür, daß dieser Zeit Leiden, das heißt die Leiden des gegenwärtigen Glaubens-Äons, nicht würdig sind, nicht einzuschätzen sind gegenüber der Herrlichkeit, welche an uns offenbart werden soll.

Fürwahr, die Herrlichkeit unserer Zentralstellung ist eine große. Paulus sagt, die ganze Kreatur warte gespannt unter ihrem Eitelkeitsfluch auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Er sagt, die Kreatur sei der Nichtigkeit — Luther: der Eitelkeit — unterworfen, und zwar um deswillen, der sie unterworfen habe. Unterworfen hat sie ja der Herr.

Der Fluch, der auf der Sünde lastet, ist vom Mund des Herrn ausgesprochen (siehe 1. Mose 3). Und gottlob, daß er ausgesprochen ist; denn ohne Fluch wäre die Sünde unausrottbar, und der Verderbensstrom flösse unendlich und immer tiefer. Der Fluch ist der Segensvorbereiter, der Segensschrittmacher. Und gottlob, daß er vom Herrn ausgesprochen ist — jetzt ist Hoffnung vorhanden. Die Kreatur, das heißt alles, was geschaffen ist, wird noch frei werden vom Dienst der Eitelkeit; denn der hat den Fluch gesprochen, bei welchem jedes Gericht Rettungsabzweckungen hat.

Die Kinder Gottes dürfen nach ihrer eigenen Vollendung die Segens- und Heilsträger für alle Kreatur sein. Sie dürfen ihr die Lebenskräfte einströmen, die sie wieder mit göttlichem Leben füllen und die die Todesgesetze überwinden. Darum wartet alle Kreatur auf sie. Es ist eine unbegreiflich hohe Würde, zu welcher arme Selbstsünder berufen sind in Christus. Wenn das Wort es nicht sagte, würden wir es nie und niemandem glauben; so aber wollen wir’s demütig, anbetend nehmen und es uns zum feurigsten Ansporn dienen lassen, zu wachsen an Ihm, dem Haupt, und der Vollendung entgegenzureifen. Ja, was bedeuten da Leiden, so schwer sie sind!

Und vergeßt es nie: Seht, jede Pflanze, jedes Tierlein sieht euch flehend an und ruft: Macht, daß ihr fertig werdet, ihr Gotteskinder, wir warten auf euch! Und die ganze arme, unter dem Fluch sich windende und stets umsonst an der Eigenbefreiung schaffende Menschheit, sie ruft uns zu: Nehmt’s ernst, ihr Gotteskinder, euer Tag ist unser Tag!

Und noch höher steigt’s: Die Kreatur, sagt Paulus, wird frei werden vom Dienst der Eitelkeit hin zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Sie seufzt jetzt (Vers 22), aber all ihre Seufzer sind Geburtswehen auf den Tag, da sie auch neu wird. Und wenn sie neu wird, dann wird sie zum Bild der Kinder Gottes neu. Welch wunderbare Stufenfolge! Der Sohn Gottes wird vatergleich, die Kinder Gottes werden sohnesgleich, und die Kreatur wird gotteskindergleich. Der Sohn ist selig in der Vaterherrlichkeit, die Er vermehrt; die Kinder Gottes sind selig in der Sohnesherrlichkeit, die sie vermehren; die Kreatur ist selig in der Gotteskinderherrlichkeit, die sie vermehrt. Dahinan will der Herr uns bringen.

So sehen wir, daß die Kinder Gottes jetzt nicht auf ein Rennen und Laufen, nicht auf ein Jagen, nicht auf ein Vieltun und Vielarbeiten angewiesen sind, welches das innere Werden stört und hemmt, sondern erst auf ein Werden. Dann, wenn sie geworden, kann ihr Zentralsegen ausbrechen.

Eine Menge Reich-Gottes-Arbeit unserer Tage ist Voreiligkeitsarbeit, Unreifearbeit, weil ihre Träger viel weniger aufs Werden als auf Tun gerichtet sind. Wer mehr tut, als er wird, kriegt die geistliche Schwindsucht. Du sollst nicht jetzt die Kreatur gewinnen, sondern du sollst sie ruhig warten lassen, bis du etwas bist — sie ist bestimmt zu der seligen Freiheit der Kinder Gottes. Erst in deiner vollendeten Freiheitsherrlichkeit kann sie selber selig werden. Bring du nur die Frucht, welche deinem jeweiligen Werdensstand entspricht — da hast du gerade genug zu tun.

Was Frucht ist, macht dich selber reicher; was Getue ist, macht dich leerer. Das Hauptaugenmerk der einzelnen Kinder Gottes ist darum auf ihr eigenes Wachsen und Werden gerichtet, das Hauptaugenmerk der Gemeine auf den Tag Jesu Christi, und darunter bricht dann die Liebe aus und geschieht die geistgezügelte Arbeit, welche reichen Segen, nämlich Frucht schafft. In allerlei Frucht äußert sich die Zentral-Segensstellung schon jetzt und lehrt uns hoffen auf den größeren Tag.

Ja, auf Hoffnung, das sagt Paulus zuletzt, sind wir angelegt, die Berufenen zu so großer Stellung. Wir tragen nämlich in dieser Welt unseren Schatz in irdenen Gefäßen. Uns hängt noch der Leib dieses Todes, der Leib der Niedrigkeit, an. Wir haben auch noch zu seufzen und zu harren. Wir müssen auf unseres Leibes Erlösung noch warten. “Damit die Kraft, die überschwengliche, sei Gottes und nicht von uns”, sind wir noch Niedergehaltene. Es muß erst alle Selbsthöhe ausgefeuert sein, ehe wir fähig sind, solche Würden zu tragen. Die Selbsthöhe wird aber sehr kräftig durch des Fleisches und Leibes Elend geniedrigt. Darum leben viele Kinder Gottes in sonderlicher Elendsgestaltung. Dadurch wird die Hoffnung erweckt, und wir warten unserer großen Endzentralstellung in Geduld. Aber berufen sind wir, und hinausführen wird’s der Herr. Und fest und unbeweglich wird angesichts so großer Gnaden der innere Entschluß:

Drauf wollen wir’s denn wagen,
es ist wohl wagenswert,
und gründlich dem absagen,
was aufhält und beschwert.
Welt, du bist uns zu klein;
wir gehn durch Jesu Leiten
hin in die Ewigkeiten:
es soll nur Jesus sein!

(1923)

(Quelle: “Der Wunderbau der Geistesgemeine”; Verlag des Evangelischen Vereins für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses e. V.; Karlsruhe)

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