Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Sünde wider den Heiligen Geist

Autor: Böhmerle, Theodor  |  Kategorie(n): Lehre  |  983 x gelesen

Immer wieder stößt man darauf, dass die Gläubigen sich bekümmern über die Sünde wider den Heiligen Geist. Wir hatten früher des öfteren Frageabende. Es konnte nicht einer sein, an welchem nicht nach der Sünde wider den Heiligen Geist gefragt wurde. Aber nicht nur fragend und Klarheit begehrend stehen viele der Sünde wider den Heiligen Geist gegenüber, sondern auch tief zagend und verzagend — in Nacht gehüllt. Es wird wohl kein Seelsorger sein, der nicht des öfteren auch mit dieser Frage zu tun gehabt hätte. Dabei tritt einem bei Fragenden und Zagenden eine furchtbare Unwissenheit und Unklarheit über das in der Bibel in betreff dieser Sünde Gesagte entgegen. Es wird aber jeder Gläubige bekennen müssen, dass er in dieser Sache durch falsche oder schiefe Auffassungen hat hindurchgehen müssen — oder dass er sie hat eben liegen lassen, weil er nicht Klarheit hatte. Es ist auch dem Schreiber dieses Aufsatzes nicht anders gegangen. Er wäre auch jetzt dieser Auslegung nicht nahegetreten, wenn nicht viele Anfragen gedrängt hätten. Der Mangelhaftigkeit unserer Erkenntnis wohl bewusst — und doch auch wieder in manchem Stücke klarer geworden, treten wir an die schwere Aufgabe heran. Es gilt hier, in Bescheidenheit und Demut, das bis heute gegebene Licht kundzugeben.

Schriftworte über die Lästerung des Heiligen Geistes

Wenn wir unser Augenmerk zuerst auf die drei Stellen in den drei ersten Evangelien richten, welche von dieser Sünde reden und in den Evangelien ganz allein von ihr reden, so tritt uns eine auffallende Sache entgegen. Es ist in allen drei Stellen nicht von der Sünde wider den Heiligen Geist die Rede, sondern von der Lästerung des Heiligen Geistes. Matthäus sagt Kap. 12, 31: “Die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben.” Wohl sagt er (Vers 32): “Wenn jemand redet wider den Heiligen Geist”, aber dieses “Reden wider” ist offenbar gleichbedeutend mit Lästern. Markus sagt (Kap. 3, 29): “Wer wider den Heiligen Geist lästert …”. Bei Lukas aber lesen wir (Kap. 12, 10): “Dem aber, welcher wider den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden.”

Worin besteht das Lästern des Geistes?

Was nun lästern wider den Heiligen Geist sei, sagt uns besonders deutlich Markus. Er schreibt: “Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.” Bei Matthäus aber knüpft die Rede des Herrn über die Sünde wider den Heiligen Geist an die Geschichte an, wo die Pharisäer den Herrn beschuldigen, Er treibe die Teufel aus durch der Teufel Obersten. Darauf nimmt ganz offenbar der Evangelist Markus Bezug, denn damit sagen die Juden, der im Herrn und aus dem Herrn wirkende Geist sei ein Geist von unten. Darinnen besteht also die Sünde wider den Heiligen Geist, dass man den Heiligen Geist einen unreinen, höllischen, teuflischen Geist heißt. Vergegenwärtigen wir uns die Lage! Der Herr hat Sich in Wort und Werk vor Seinem Volke und auch vor den Pharisäern und Schriftgelehrten geoffenbart. Jedermann hatte den Eindruck in Herz und Gewissen, dass ein hoher, heiliger, göttlicher Geist sich im Herrn offenbarte. Der Heiland hat Sich an Herz und Gewissen Seiner Juden wohl bezeugt. Die allerniedrigsten Geister, mussten sich Seiner Hoheit beugen. Ja, selbst die Teufel mussten Seine Gottessohnschaft stehen lassen. Es ist kein Zweifel, dass die Obersten und Pharisäer wohl wussten durch den in ihnen zeugenden Geist, wer in Jesus vor ihnen stand. Nikodemus verrät es ja, wenn er im Namen aller Obersten sagt (Joh. 3, 2): “Meister, wir wissen, dass Du von Gott gekommen bist; denn niemand kann die Zeichen tun, die Du tust, es sei denn Gott mit ihm.” Aber sie wollten sich diesem Heiligen Gottesgeist nicht beugen, weil sie hohe Herren in sich selbst bleiben wollten, und darum schmähten und lästerten sie den in ihnen zeugenden Heiligen Geist und nannten Ihn offensichtlich einen unreinen, unteren, teuflischen Geist. Sie redeten und lästerten wider Ihn.

So muss also, wo die Sünde wider den Heiligen Geist geschehen sein soll, überall ein Doppeltes sein: Es muss durch göttliches Wort und göttliches Werk Sich der Heilige Geist an einem Herzen und Gewissen bezeugt haben. Und es muss ein Mensch göttliche Lichteseindrücke empfan­gen haben. Er muss aber dann aus Selbst- und Eigensucht sich von diesen Lichteseindrücken völlig abgewandt haben und freiöffentlich die Geisteswirkungen als teuflische, gemeine und untere bezeichnet haben. Er muss das Heilige, das er gesehen hat, gescholten, gelästert, ins Gegenteil gezogen haben, und dies alles in der Absicht, bei andern das Wirken des Heiligen Geistes zu unterbinden. Fassen wir also zuerst: Die Sünde wider den Heiligen Geist ist ein Lästern des Geistes Gottes wider besseres Wissen und Gewissen, um eigensüchtigen Ich-Gewinnes willen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wollten ihren Einfluss nicht verlieren. Hier sehen wir schon, dass die übergroße Mehrzahl, ja wohl fast alle, welche zu uns kommen und sich der Sünde wider den Heiligen Geist beschuldigen, sie ganz gewiss nicht getan haben. Hätten sie dieselbe getan, so wären sie niemals traurig darüber. Wer diese Sünde tut, ist nicht traurig über sie, es ist ja sein Wille, den Heiligen Geist herabzusetzen, ja dem Reiche der Finsternis Ihn zuzuteilen — und dies, um andere von Seinen Einwirkungen abzuhalten. Reden und Lästern wider den Geist ist ja immer etwas öffentliches.

Dämpfen und Betrüben ist nicht Lästerung

Die meisten, welche sich der Sünde wider den Heiligen Geist anklagen, denken an das Dämpfen (1. Thess. 5, 19) oder an das Betrüben des Geistes (Eph. 4, 30). Dieses Dämpfen und Betrüben bei uns und anderen geschieht freilich durch unser sündiges, eigenes, verkehrtes Wesen. Aber schon die Ermahnung des Apostels, es nicht zu tun, oder es nicht mehr zu tun, zeigt ja an, dass es sich hier um Sünden handelt, welche in die Buße und Reinigung genommen werden können. Für Dämpfer und Betrüber des Heiligen Geistes gibt es bei Buße und Bekenntnis gewisslich Reinigung und Vergebung. Bei der Sünde wider den Heiligen Geist aber sind keine Einzelsünden, welcher Art auch immer, gemeint, sondern es ist eben das Lästern des Geistes, das Bezeichnen desselben als etwas Unreinen gemeint. Falsche Glaubensanschauungen, oder schwache, elende, an das Außerordentliche sich hängende und ins Selbstzerfleischen verfallene Nerven liegen fast immer vor bei den Selbstanklagen wegen der Sünde wider den Heiligen Geist. —

Kinder Gottes lästern den Geist nicht

Dann aber sind es meist Gläubige, Kinder Gottes, solche, welche den Heiligen Geist innewohnend haben, die sich dieser Sünde zeihen. Gerade sie aber geht diese Sünde gar nichts an. Ja, das Dämpfen und Betrüben des Geistes bei sich und andern — das sind Sünden von Kindern Gottes, die können nur da geschehen, wo der Heilige Geist wohnt. Die können aber auch vergeben werden und werden auch vergeben dem Bußfertigen. Die Sünde wider den Heiligen Geist, das Lästern desselben, gehört aber gar nicht auf den Boden der Kinder Gottes, denn sie, welche aus dem Geiste geboren sind, und in welchen der Heilige Geist innewohnend Chri­stum verklärt, können nicht öffentlich den Heiligen Geist lästern. Wo wir bei einem Menschen die Lästerung des Geistes hören würden, da müssten wir sagen — wenn wir ihn vielleicht zuvor für ein Kind Gottes gehalten hätten —: Wir haben uns getäuscht; er war keines.

Nur erleuchtete Ich-Menschen und Gesetzes-Menschen lästern den Geist Gottes

Die Sünde wider den Heiligen Geist ist eine Erscheinung auf dem Gesetzesboden. Das sehen wir schon an den Stellen, in welchen von ihr in der Bibel steht. Nur die drei ersten Evangelien, die Königreichs-Evangelien, reden von dieser Sünde — und auch diese nur je einmal. Die Briefe der Apostel oder das Johannes-Evangelium, die Gemeine-Bücher, reden nie von dieser Sünde. Die Stelle 1. Joh. 5, 16 gehört nicht ohne weiteres ins Kapitel der Geisteslästerung; dort ist bewusste, böswillige Sünde solcher gemeint, die sich äußerlich zur Gemeine halten; sie waren aber nicht wahre wiedergeborene Leute und werden dem Todeswesen verfallen, daher “Sünde zum Tode”. Der Hebräerbrief aber ist eben der Brief an die Hebräer, an die Juden, darum steht in ihm, aber in ihm ganz allein, wieder vom Lästern des Geistes (Kap. 6). Wir müssen das für sehr wichtig halten für das richtige Verständnis der Sünde wider den Heiligen Geist, dass sie gerade in diesen Gesetzes- und Königreichsschriften steht und in diesen ganz allein. Das zeigt, wo sie hingehört.

Wer waren denn die ersten, welche diese Sünde taten? Das waren die dem Herrn gegenüberstehenden Pharisäer. Das waren doch gewiss keine Kinder Gottes. Das waren Männer des Gesetzes; ja Männer des eigenen Ichs, welche Gesetz und Prophetie in einem aufgerichteten Ich-Wesen trugen. Diesen Männern hatte im Wort des Herrn und im Werk des Herrn der Heilige Geist ins Herz geblitzt. Es war ihnen klar geworden: Er ist der Ewige; Er ist der Prophet. Sie schoben aber diese Geistesblitze aus ihrem Herzen wieder hinaus. Wer waren sie, und wer blieben sie noch, wenn dieser der Herr in Israel würde? Er durfte es nicht werden. Und als kein anderer Weg mehr blieb, da fingen sie an, den Heiligen Geist zu lästern. Den Heiligen Geist lästerten sie, der aus Jesus in sie drang. Sie lästerten nicht den Heiligen Geist in ihnen. In ihnen hatten sie Ihn nicht. Sie lästerten den Heiligen Geist Jesu, der an sie gedrungen zwar, und der Jesum ihnen als den Herrn gezeigt hatte. Dasselbe sehen wir auch im Hebräerbrief (Kap. 6, 4-8). Dort sind die, welche diese Sünde begehen, Leute, welchen der Heilige Geist Christum gezeigt hatte, welche aber dann von diesen Erleuchtungen wieder abgefallen und ins Judentum zurückgefallen waren. Dabei haben sie den Heiligen Geist gelästert — sie haben das, was sich ihnen von außen her als Wahrheit bezeugt hatte, wieder abgestreift und als verkehrt und als Lüge bezeichnet. Das war die Sünde wider den Heiligen Geist. Wenn wir im Verlaufe der Zeiten nach solchen Umschau halten wollten, welche die Sünde wider den Heiligen Geist begangen haben, so müssen wir immer nach gesetzlichen Ich-Menschen sehen. Wir dürfen nicht nach Kindern Gottes suchen, da werden wir sie nicht finden. Aber wenn etwa gewaltige Zeugen des Herrn im Geist auftraten, und wenn die Wahrheit durch sie in manches Herz fuhr, wenn aber ihre Gegner dem Zeugnis der Wahrheit zuwider den von den Zeugen ausgehenden Geist als verkehrten und irrigen lästerten, und wenn sie dann die Zeugen verurteilten und töteten, dann haben sie die Sünde wider den Heiligen Geist begangen. Die ist oft begangen worden im Laufe der Geschichte. Sie ist aber nicht begangen worden von den Kindern Gottes, sondern an den Kindern Gottes, deren Geisteszeugnis einschlagend in die Herzen zündete, aber man hat es nicht gelten lassen. Man hat trügerisch dagegen gezeugt, — und den Heiligen Geist Irrgeist geheißen.

Warum ist das Lästern des Geistes schwerwiegender als Lästerung gegen Jesus?

Es könnte uns nun befremden, dass gerade die Sünde gegen den Heiligen Geist so schwer und tief geschätzt wird. Es könnte uns befremden, dass alle Sünde und Lästerung gegen Jesus Selbst vergeben wird. Doch ist das klar: an Jesu Person und Werk versündigen sich viele, gegen Jesu Person und Werk lästern viele, ohne eine innere Ahnung davon zu haben. Alle diese Menschen können Buße tun und Vergebung empfangen, wenn sie zur Einsicht kommen. Diese Menschen können und werden meistens sehr erschrecken, wenn ihnen durch den Geist die Augen aufgehen. Wenn aber jemand Geisteserleuchtungen gehabt hat und ist im trotzigen Ich-Wesen dagegen angegangen und hat den Geist gelästert, solche Leute tun nicht Buße — die sind verhärtet —, deren Weg geht durch die Gerichte. Das ist ja klar, dass wir in unserem Text bei dem Vergeben-Werden und Nichtvergeben­-Werden immer die Buße zwischenhineinsetzen müssen. Das ist doch der einzige Vergebungsweg. Der Hebräerbrief (Kap. 6) sagt auch ausdrücklich: sie können nicht erneuert werden zur Buße. Sie wollen eben auch nicht — ihr Lästern des Geistes hat einen Verstockungs-Zustand geschaffen.

Die Sünden gegen Jesus und das Reden und Lästern gegen den Sohn, wovon unser Text spricht, müssen wir also immer ohne Geisterleuchtung denken. Der Heiland wird genug solcher seichten, oberflächlichen Schwätzer um Sich gehabt haben. Auch heute gibt es genug solche. Diese können alle noch in den Zerbruch kommen. Dann wird all ihr Reden und Lästern wider den Sohn ihnen vergeben. Sie wussten ja nicht, was sie taten. Bei der Sünde wider den Heiligen Geist sind Erleuchtungen und innere Schmeckungen da, aber eben von außen nach innen. Da ist dann das Ich nicht zerbrochen. Bei der neuen Geburt ist das Ich gekreuzigt; wenn es auch alle Tage neu gekreuzigt werden muss, so ist es doch gekreuzigt. Jene angestrahlten, von der Wahrheit getroffenen Ich-Menschen können sich aber von der Wahrheit aus Eigensucht abwenden — und endlich gar gegen den Heiligen Geist, der ihnen so unbequem ist, lästern. —

Der Lästerer des Geistes verfällt dem Gericht

Wenn es nun bei einem Menschen zur Lästerung des Geistes gekommen ist, dann ist er gerichtsverfallen. Da muss es durch tiefe Gerichtszerbrüche gehen, wenn er zerbrochen und für die Gnade reif gemacht werden soll. Darum gibt es für solche Menschen keine Vergebung auf dem gewöhnlichen geistgewirkten Bußwege. Diese Menschen müssen warten bis auf den Tag des Gerichtes und müssen durch den andern Tod. Markus sagt: ihre Sünde sei eine ewige Sünde. Es ist falsch, wenn Luther in Markus 3, 29 übersetzt, sie seien schuldig des ewigen Gerichts. Es heißt: sie sind schuldig einer ewigen Sünde. Eine ewige Sünde ist eine solche, welche ihr Gericht vom Angesicht des Herrn und durch einen Urteilsspruch vom Munde des Herrn ausgehend empfangen muss. Ewig heißt ja immer vom Herrn ausgehend. Dasselbe sagt auch Matthäus. Bei ihm sagt der Heiland: Die Lästerung wider den Heiligen Geist werde nicht vergeben, weder in dem gegenwärtigen Äon, noch in dem kommenden Äon. Äon ist eine Gotthaushaltung. Es gibt zwei Haushaltungen der Vergebung. Der gegenwärtige Zeitlauf, in welchem die Kinder Gottes geboren und zugerichtet werden, ist eine Haushaltung der Vergebung, und die nächste Haushaltung, die des Königreichs, ist erst recht eine Haushaltung der Vergebung, wo vom Schauen zum Glauben in erleichterter Form Vergebung und Seligkeit erlangt werden wird von denen, die eines guten Willens sind. In diesen beiden Vergebungs-Haushalten, wo die Vergebung durch Buße hindurch ergriffen wird, kommen die Leute der Lästerung des Geistes nicht zur Buße und nicht zur Vergebung. Sie müssen auf die nächste Haushaltung warten, auf den Haushalt des Endgerichts. Dieser kommt nach Ablauf des Königreichs. In diesem Endgericht werden sie dann dem andern Tode überantwortet werden. In diesen Gerichten werden sie dann ihren Zerbruch erleben und auch ihre Knie beugen lernen vor dem und in dem, in welchem alle Knie sich beugen werden. Hier, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt, wo volles, ganzes Gericht ist, da werden sie reif werden für bußfertige Annahme des Heiligen Geistes. Es muss ja so gehen, sonst könnte nicht endlich alles, was Odem hat, den Herrn loben.

Auf Gesetzesboden reicht der Blick nur bis zum Endgericht

Der Herr redet in unseren Stellen, welche die Lästerung des Heiligen Geistes betreffen, von solcher Wiederbringung nichts. Das zeigt uns wieder so recht klar, dass die ersten Evangelien die Evangelien des Königreiches und des erfüllten Gesetzes sind. Unter dem Gesetze endet’s mit dem Gericht. Das ist bei jedem Gesetze so. Deshalb hat der Heiland zu der Masse der Juden in den Reden, welche die meisten Evangelien bringen, nie weiter hinaus geredet als bis zum Jüngsten Gericht. Erst die Gemeine hat den Heiligen Geist, welcher in alle Wahrheit leitet. Und die Gemeine-Schriften haben dann auch klipp und klar die Hinausweisung auf die Vollendung des Ganzen. Darum werden auch nur gottgeborene Geister diese Erkenntnis lebendig haben. Alle auf den Linien der Erweckung und Erleuchtung stehenbleibenden Geister schließen mit dem jüngsten Gericht ab. Das ist auch recht auf diesem Boden. Eines aber sagt auch der Heiland. Er redet nur vom gegenwärtigen und kommenden Äon. Er redet nicht von einer Unendlichkeit des Nichtvergeben-Werdens, sondern nur von einer Unmöglichkeit, durchs Evangelium zur Buße zu kommen. Es geht bei dem Lästern des Heiligen Geistes durch ewige Gerichte, aber die ewigen Gerichte sind nicht das Endziel Gottes (vergl. Judas 7 mit Hes. 16, 53.54!), sondern der schwere Weg für diese Geister. Gott will allewege nicht den Tod des Sünders, das bleibt in alle Unendlichkeiten, sondern dass der Sünder sich bekehre und lebe. Den Weg, auf welchem dies geschehen kann, baut sich der Sünder selbst. Für die Lästerer des Geistes geht er durch ewige, durch vom Angesichte Gottes ausgehende Gerichte. — Die Gläubigen in Christo dürfen aber einem solchen Königreichsworte die wunderbare Gnadenherrlichkeit anhängen, sie dürfen im Lichte dessen, was die Gemeine weiß und geoffenbart bekommen hat, auch für die Lästerer des Geistes weiter blicken. Dabei bleibt es aber bestehen, dass es schrecklich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

Wer über Sünde trauert, hat niemals den Heiligen Geist gelästert

Alle die, welche unter Tränen sich der Sünde wider den Heiligen Geist beschuldigen, haben dieselbe nicht getan. Der Lästerer des Geistes hat weder Tränen noch Buße. Er will die erkannte Wahrheit nicht und weist des Geistes Erleuchten lästernd zurück. Wie sollte da der Geist zu Tränen und Buße leiten können? — Die Selbstbeschuldiger wegen der Lästerung wider den Heiligen Geist sind sehr oft nervenkranke, innerlich überreizte, sich selbst zerfleischende Leute. Überempfindliche Nerven führen zur Selbstquälerei. Hier muss vielfach körperlich eingegriffen werden; geistlich und innerlich ist solchen Armen einfach zu sagen: du hast diese Sünde nicht getan. Und dieses Zeugnis muss sehr bestimmt geschehen.

Andere haben keine biblische Klarheit, ihnen ist die Schrift darzulegen, und in den Gehorsam der Schrift sind sie einzuleiten. Es ist ihnen sonderlich klarzumachen, dass ein Dämpfen und Betrüben des Heiligen Geistes durch Sünden, Fehler und Irrungen, oft auch durch länger fortgesetzte, keine Lästerung des Geistes ist. Ihnen ist zu bezeugen, dass Buße und neues Ergreifen der Gnade und einfältiges Folgen in der Kraft des Herrn sie wieder zurückbringen wird. Dabei ist zu betonen, dass Weinen und Trauern über eine Sünde schon ein Werk des Heiligen Geistes ist. —

Uns aber bewahre der Herr, wenn Er uns wahrhaftig gerettet hat, und vollende an uns Sein Werk bis auf Seinen Tag!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1960; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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