Lass los von dir selbst!
Autor: Bayer, Rupprecht | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Hingabe | 1,301 x gelesenMark. 8, 35: “Wer sein Leben verliert (loslässt) um meiner- und des Evangeliums willen, der wird es gewinnen.”
Luk. 14, 33: “Wer nicht absagt allem (alles loslässt), kann nicht mein Jünger sein.”
Gal. 2, 20: “Ich bin mit Christus gekreuzigt; ich lebe, aber nun nicht mehr ich (ich habe mein Ich losgelassen), sondern Christus lebt in mir.”
Vor nicht allzu langer Zeit las ich den folgenden Spruch an einem Haus, der mit großen Lettern quer über die ganze Hauswand geschrieben war: “Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut.” Vielleicht mag diese These für manchen verblüffend klingen; wer aber etwas darüber nachdenkt, merkt, dass die Aussage in mancherlei Hinsicht nicht stimmt. Das “liebe Ich” darf hier nicht angetastet werden. Wehe, man tut diesem Ich etwas zuleide, dann zieht es sich zurück! Da will doch einer sein Ich nicht loslassen! Wir sind schnell dazu bereit festzustellen, dass dies der Wahlspruch eines “Weltmenschen” ist. Eines Weltmenschen? Besitzen wir so viel Selbsterkenntnis, um einzugestehen, dass auch wir schnell beleidigt sind, wenn man unserem Ich zu nahe kommt? Im Gespräch, bei Meinungsverschiedenheiten, bei Urteilen, in Streitfragen, am Arbeitsplatz, bei Krankheit und Kummer, in Leid und Trübsal. Ist unser selbstherrliches Wesen nicht jederzeit bereit, eine “Igelstellung” einzunehmen?
Die oben angegebenen Gottesworte sollten wir, auch wenn sie uns zur Genüge bekannt vorkommen, gründlich durchdenken und betend bewegen. Es sind nur einige von denen, die uns etwas zu sagen haben vom Loslassen unseres Ichs … Es geht im Neuen Leben um die Ausgestaltung des Christuswesens in uns, und das geht immer auf Kosten des Ichwesens. Das Wort Gottes ist stets gegen unseren alten Adam gerichtet. Ich muss ihn deshalb loslassen; denn er ist mit Christus gekreuzigt und gestorben. Wer sein Ich nicht loslässt, ist Sklave seines Ichs. “Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes” (1. Kor. 2, 14); deshalb lass den alten Adam los!
Die große Gefahr für unser Glaubensleben ist unser Mischwesen. Deshalb heißt es, alles loslassen, was den Glaubenskampf aufhält, was vor Gott nicht bestehen kann, was das Leben im Geist hindert, dämpft und betrübt. “Je zerbrochener unser Ichwesen, desto mehr haben wir Leben von IHM” (Böhmerle).
“Immer, wenn andere mir, statt dem Christus in mir, begegnen, dann bekommen sie Tod und nicht Leben zu fassen” (Watchman Nee). “Das größte Hindernis, ein Leben in Christus zu führen, sind nicht ungünstige Verhältnisse, widrige Umstände oder schwierige Menschen. Das größte Hindernis bin ich mir selber. Mein Ich steht mir am meisten im Wege” (aus R. Bayer, Christsein im Alltag, Seite 10). Deshalb lassen wir es los! Sich selbst loslassen bedeutet: nicht mehr eigener Herr sein wollen. Nicht mehr ich stehe im Mittelpunkt, sondern Er, Er allein! Wer das wagt, wird wahrhaft innerlich beglückt, und er wird erfahren: “Wen der Sohn frei macht, der ist wahrhaft frei” (Joh. 8, 36). “Im Loslassen erfahren wir triumphierend, dass wir nichts verlieren, sondern alles gewinnen” (aus R. Bayer “Gott spricht, wir antworten”, Seite 33).
Lass deine Vergangenheit los
Es gibt keine echte Hingabe, ohne alles loszulassen, was den Glaubenslauf aufhält. Wie viele kommen von Belastungen der Vergangenheit nicht los! Wenn sie aber durch Vergebung, Erlösung und Versöhnung in Jesus Christus geordnet wurde, dann ist das Zurückliegende bereinigt, dann kann ich das Vergangene loslassen und darf es vergessen. Nur so kann Paulus bekennen: “Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziele, hin zu dem Kleinod (Kampfpreis) der Berufung Gottes in Christo Jesu” (Phil. 3, 14).
Lass die Zukunft los
Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft und vor dem, was sie bringen mag (Atomkrieg, Krebserkrankung oder dergleichen). Sie rennen deshalb zu Astrologen und Zukunftsdeutern. Der Gläubige aber ist in dem glückseligen Stande, dass er alle Furcht vor der Zukunft loslassen kann. Er weiß: Ich bin völlig in Gott geborgen und bin darum frei von Angst und Furcht (2. Tim. 1, 7). Es kann nichts an mich herankommen, was letztlich nicht von IHM ausgegangen ist. “Es kann mir nichts geschehen, als was Er hat ersehen und was mir heilsam ist”. — “Furcht ist nicht in der Liebe; die völlige Liebe treibt die Furcht aus” (1. Joh. 4, 18). — “Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht! Der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem” (Josua 1, 9). Christen haben keinen Grund, sich in Panikstimmung hineintreiben zu lassen. Wir besitzen doch eine himmlische Orientierung, und da sehen wir das, was sich auf der Erde zuträgt, mit ganz anderen Augen. (Siehe auch Schumacher: “Die atomare Bedrohung und der allmächtige Gott.”) Gerade, was die zukünftigen Ereignisse anbelangt, sind wir von unserem Herrn und Meister gefragt: “Wo ist euer Glaube?“ (Luk. 8, 25). “Wir haben ein für allemal unsere Zukunft mit allen ihren Entscheidungen in die Hand eines anderen gelegt” (Karl Heim). Deshalb dürfen wir auch das Bangen um die Zukunft fallenlassen, loslassen!
Lass deine Gegenwart los
Lass die Last deiner Vergangenheit los, lass die Furcht vor der Zukunft los, lass die Probleme der Gegenwart los, wirf alles auf den HERRN! Sei dankbar für die Kraft, die dir der Herr für heute zuteilt!
“Ich gehe oder liege, so bist Du um mich. Du siehst alle meine Wege. Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir” (Ps. 139, 1-10). — “Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?” (Ps. 118, 6). — “Denn wir haben nicht den Geist eines Sklaven empfangen, dass wir uns fürchten müssten, sondern wir haben den Geist der Kindschaft (des Sohnesstandes) empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater” (Röm. 8, 15). — “Die Du mir gegeben hast, die habe ich bewahrt” (Joh. 17, 12).
Welch kostbare Verheißungen sind das! So werde ich täglich bewahrt und hindurchgetragen. Da kann ich mich wirklich loslassen und alles auf IHN werfen (1. Petr. 5, 7). “Ich muss nur Gewissheit haben, in Gottes Händen, nicht in Menschenhänden zu sein, dann ist alles leichter, auch die härteste Bewährung” (Bonhoeffer). Da gilt für jeden Tag, was Joseph seinen Brüdern sagte: “Ich stehe unter Gott” (1. Mose 50, 19). So schieben wir alle Bedenken beiseite, lassen alle “Wenn und Aber” los, denn wir sind in Gottes Ruhe eingegangen (Hebr. 4, 1) und haben Frieden in IHM (Eph. 2, 14). Schon der Psalmist weiß zu singen: Der HERR ist mein Hirte, Er weidet mich, Er führet mich, Er erquicket mich, Er tröstet mich, Er bereitet mich zu, Er salbt mich (Ps. 23). Deshalb lasse ich die Gegenwart los und überlasse sie dem Herrn. So geborgen bin ich in IHM!
Lass dich los in deiner Denkweise
Wir leben im Gefängnis unserer eigenen Denkweise und halten uns selbst für klug. Dabei kreisen wir mit unserem Denken um uns selbst. Das lähmt unser Glaubensleben. In meinem Gedächtnis hat sich seit vielen Jahren die Aussage eines gläubigen Astronomen eingeprägt. Sie lautet: “Die Kraft, die imstande wäre, die Umdrehung unseres Planeten aufzuhalten und herumzuwerfen in die entgegengesetzte Bahn, müsste wohl eine große kosmische Kraft genannt werden, und sie ist doch klein im Verhältnis zu der Kraft, die nötig ist, uns Menschen in unserer selbstischen Umdrehung aufzuhalten und uns herumzuwerfen in die entgegengesetzte Bahn der Selbstlosigkeit.” Dieser ungemein drastische Vergleich soll veranschaulichen, welch eine unerhörte, noch nie dagewesene Neuschöpfung es ist, in Christus zu sein.
Wir blicken so oft in die falsche Richtung, auf uns selbst, anstatt auf den Herrn zu schauen. “Indem wir die Herrlichkeit des Herrn anschauen, werden wir verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit” (2. Kor. 3, 18).
Wer sich täglich übt, sein Ich loszulassen, klagt nicht mehr, er werde nicht verstanden, er werde falsch beurteilt. Solange wir an der Denkweise des anderen Anstoß nehmen, haben wir uns noch nicht losgelassen. Zu sagen, “der oder jener steht mir im Wege, ist ebenso lächerlich, als wenn man sagen würde, der oder jener steht mir in der Sonne” (Steinberger). Wir haben gerade so viel Frieden in uns, als wir bereit sind, auch unsere Denknormen loszulassen, d.h. den Sterbensweg zu gehen.
Gewiss: Ich muss mich unbedingt so annehmen, wie ich bin, so wie mich Gott geschaffen hat. Erst dann bringe ich es fertig, nicht mehr an mir selber hängenzubleiben. Selbstannahme ist die Voraussetzung zur Selbstverleugnung.
Auch der geistliche Mensch ist stets in Gefahr, fleischlich zu denken (Phil. 3, 18-19). Es gibt aber keinen größeren Gegensatz als Fleisch und Geist (Gal. 5, 17). Beide Denkweisen sind unüberbrückbar. Es gibt keine Kompromisse. Deshalb gilt es, die alte Denkweise loszulassen (2. Kor. 10, 3-5). Wenn wir unser Denkvermögen Jesus Christus unterstellen, erhält unser Denken eine völlig neue Richtung. Das bewirkt eine gänzlich neue Orientierung und Aktivierung des Denkens und Wollens und schafft die größte Weite des Denkens!
Lass dich los im Gespräch mit anderen
Kannst du dich völlig loslassen bei Gesprächen mit anderen? Wieviel Zeit bringen wir damit zu, anderen zu beweisen, dass wir recht haben! Wenn ich einen anderen wirklich verstehen will, der ganz anders geartet ist als ich, muss ich mich loslassen können. Wir wissen alle, wie hässlich es ist, wenn sich jemand in seinen Gedanken und Äußerungen sowie in seinem Verhalten ständig um sich selbst dreht. Wenn der Apostel Paulus bezeugt: “Ich vermag alles durch Den, der mich mächtig macht, Christus” (Phil. 4, 13), dann bedeutet das ein völliges Gelöstsein von sich selbst.
Wie oft ist unser Urteilen ein Verurteilen des Andersartigen! Wenn bei Streitfragen verschiedene Meinungen auftreten, kann ich dann meine Meinung loslassen? Haben wir alles rechthaberische, selbstherrliche Wesen losgelassen? “Mit ihrem alten Ich können Christen sich streiten über die Taufe, die Bibel, ewiges Heil, Frauen auf der Kanzel usw. usw. … Damit rücken sie die Tatsache, dass Jesus Christus die Mitte des Glaubens ist, an den Rand” (Eugenia Price). Die Aufzählung strittiger Punkte könnte beliebig erweitert werden, wo fleischlicher Eifer sich in seiner Überheblichkeit, Rechthaberei, Verständnislosigkeit, Geltungs- und Kritiksucht über den andern erhebt! Das Wort Gottes aber sagt: “Haltet euch nicht selbst für klug” (Röm. 12, 17), und: “Wir lieben den Andersartigen” (Röm. 13, 8; konkord. Übers.). Um das wirklich zu können, muss ich mich loslassen! Hat bei gegensätzlichen Meinungen immer die Liebe das letzte Wort? “Liebe, und du handelst immer richtig” (Karl Geyer)!
Lass dich los im Gespräch mit Gott
Kannst du dich völlig loslassen beim Hören des Wortes und beim Lesen in der Bibel? Kannst du dich ganz in IHN und Sein Wort versenken? Kannst du da von deinen Maßstäben absehen? Kannst du dich restlos, ohne Wenn und Aber, mit den göttlichen Maßstäben identifizieren?
Kannst du dich völlig loslassen beim Beten? Oder macht dein Gebet immer wieder selbstische Umdrehungen? “Ich möcht’, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken!” Gehören wir zu denen, die selbst im Gespräch mit Gott so stark vorprogrammiert sind, dass sie einfach nicht von sich loskommen? Ich weiß, wie schwer das manchem fällt.
Gespräche mit Gott in Seinem Wort und in der Anbetung sind ein Lebensvorgang, bei dem der Gläubige immer mehr eins wird mit seinem Herrn. Dann trete ich immer mehr in den Hintergrund und gebe IHM die Ehre. Das ist das ganz Grosse und Überwältigende, dass ich mich loslassen darf, um auf IHN zu hören, wirklich auf IHN zu hören. Das ist das Lebenselement des Christen!
Lass dich los und lebe aus Seiner Kraft
Wenn wir in eigener Kraft uns hindurchbringen wollen, verschmähen wir Seine Kraft, die in uns wirken möchte. Die Kraft, die ich aber brauche, steckt nicht in mir selber, sie kommt von außen, von oben, von Gott. In unserer Schwachheit ist Seine Kraft mächtig (2. Kor. 12, 9). Seine Allmacht verbindet sich nur mit unserer Ohnmacht. Seine Gotteskraft in uns hineinströmen zu lassen, ist das Geheimnis, das unser Leben verändert. Jesu wirksame Kraft gibt auch die Energie, gegen den Strom zu schwimmen. “Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwengliche Kraft sei von Gott und nicht von uns” (2. Kor. 4, 7).
Wir stehen immer in der Gefahr, uns in den Sog der eigenen Kraft hineinziehen zu lassen und damit aus dem Machtbereich Gottes auszuscheren. Deshalb: Lass dich los und lebe aus Seiner Kraft!
Lass dich los mit all deinen Sorgen und deinem notvollen Leid
Es ist erschreckend, wie sich Gotteskinder immer wieder über Nichtigkeiten absorgen und aufregen, weil sie Dinge festhalten, die sie längst loslassen sollten. Stellen wir es wirklich dar, dass Christsein im Leid geläutert wird? Stellen wir es dar, dass sich in den Zerreißproben die Echtheit unseres Glaubens bewährt? Haben wir die Gewissheit, dass das, was uns den Blick trüben möchte, vor Gott glasklar ist?
Wenn Gott in der “Gluthitze des Hochofens” unseren Glauben prüft, wird sichtbar, wie weit noch Eigenwille in uns lebt, wie weit wir unser Ich noch nicht losgelassen haben. Wenn wir Gott zutrauen, dass Er weiß, was für uns das Richtige ist, dann hört die Selbstbemitleidung auf. “Indem der äußere Mensch verdirbt — zerbricht —, wird der innere von Tag zu Tag erneuert” (2. Kor. 4, 16). Je mehr wir das alte Ich loslassen, desto mehr kommt das Neue Sein in Christus zum Vorschein. Das Neue Leben verdrängt das Alte!
Das Höchste, wozu ein Mensch fähig ist, besteht darin, im Zerbruch den Herrn zu verherrlichen. Das kann aber keiner aus eigener Kraft, das vollbringt der Christus in uns, wenn wir unser Ich losgelassen haben. So können Leidenswege zu gewaltigen Segenswegen werden! Deshalb lerne es in den notvollen Lebensführungen immer mehr, dein Ich loszulassen.
Lass dich los bei deiner Arbeit
Die Arbeit bringt manchen Ärger mit sich: Ungehaltensein, Aufregung, Nervenproben. Das alles aber verliert an Bedeutung, wenn du dich mit deiner ganzen Arbeit loslassen kannst und in Jesu Arme fallen lässt. Haben wir es nicht zur Genüge an uns selbst erfahren, dass uns bei so mancher Arbeit die Geduld fehlte, die “Nerven durchgingen”? Da kann es zu sehr beschämenden Situationen kommen. Wer hätte das nicht schon durchlebt und durchlitten! Was sind das für Siege in der Schule des Herrn, wenn wir es zunehmend lernen dürfen, unsere Arbeit in Gottes Hand zu legen!
Wenn wir bei unserem Tun und Schaffen an Verdrießlichkeiten hängenbleiben, dann machen wir Nebensachen zu Hauptsachen! Dabei sollten wir dann erkennen, wie unsere Gesinnung noch egozentrisch und nicht christozentrisch ist. Dadurch wird aber unser Glaubensleben blockiert. Deshalb: Lass dich los, auch bei der Arbeit! Leg deine Tätigkeiten total in Gottes Hand! Lass IHN wirken, und du erlebst bei deiner Arbeit Wunder über Wunder!
Lass los von dir selber und lass dich führen
“So viele vom Geist Gottes geführt werden, diese sind Söhne Gottes” (Röm. 8, 14). Der Zusammenschluss mit Jesus Christus bedeutet völligen Verzicht auf jegliche Selbstführung. Wenn unsere Hingabe an IHN wirklich echt ist, dann hört ein Leben der Selbstbestimmung auf. Ich habe doch mein Ich losgelassen und habe IHM die Führung meines Lebens übergeben. Er führt “mich an der Hand bis ins Vaterland“.
Sowohl in kleinen Dingen des Alltags als auch in schweren Tagen dürfen wir die Führung Jesu erfahren. Dann mag kommen, was will, der Ausgang liegt in Jesu Hand. Jede Situation ist Seine Angelegenheit. Er sorgt dafür, dass wir hindurchkommen! “Die größte Sünde ist, die Liebe Gottes zu verschmähen. Wir verschmähen Seine Liebe, wenn wir uns selbst helfen“ (Wasserzug). In der Gewissheit, geführt zu werden, komme ich zur Ruhe. Ich kann von mir selber lassen und IHM alles überlassen. “Er weiß den Weg für mich, das ist genug” (H. v. Redern).
Lass los von dir selber und lass dich von Gottes Liebe durchdringen
“Eine der schlimmsten Formen menschlicher Selbsttäuschung besteht darin, dass Frömmigkeit und Liebe zu Gott zur Tarnung für Eigenliebe missbraucht wird” (Theol. Begriffslexikon zum NT). “Tarnung für Eigenliebe” — welch ernste Gefahr! Deshalb: Lass los von dir selber! “Der Schlüssel zum Herzen der Menschen wird nie unsere Klugheit, sondern immer unsere Liebe sein” (Karl Geyer). Deshalb: Lass los von dir selber! Die Liebe achtet den anderen höher als sich selbst (Phil. 2, 3), deshalb: Lass los von dir selber! Die natürliche Liebe meint vorwiegend sich selbst, besteht in Eigenliebe. Die Gottesliebe meint den anderen; sie will nicht zuerst glücklich sein, sondern glücklich machen; deshalb: Lass los von dir selber!
Was mein bisschen Menschenliebe nicht vermag, das vollbringt Seine göttliche Liebe in mir und durch mich. So stellt Gottes Liebe unser Leben auf eine ganz neue Grundlage. Je durchdringender wir uns von Seiner Liebe entzünden lassen, desto klarer unterscheidet sich unser Leben von den Normen und Methoden der Welt. Deshalb lassen wir uns los und lassen uns von der Liebe Christi bestimmen.
“Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen” (Matth. 5, 44). Das kann niemand aus sich selbst, auch kein Angehöriger einer “Friedensbewegung”. Das kann nur Jesus in uns wirken, wenn wir uns loslassen, konsequent und völlig loslassen von uns selber. Dann kann die Gesinnung Jesu Christi uns erfassen und durchdringen (Phil. 2, 5).
Gerade, was das Erfülltwerden mit göttlicher Liebe betrifft, möchte ich mich loslassen und das Alltägliche nicht im üblichen Alltagstrott verrichten, sondern in brennender Liebe zum Herrn! “Deshalb richte der Herr eure Herzen zu der Liebe Gottes” (2. Tim. 3, 5). In Seiner Liebe zu stehen, ist das Fundament des Neuen Lebens. Deshalb lass dich los und “ziehe über alles — vor allem — die Liebe an” (Kol. 3, 14).
Lass von dir selber los, und du wirst im Glauben wachsen
Wenn wir uns unter das, was wir bisher vom Loslassen erkannt haben, darunterstellen, dann dringen wir durch zu einem kostbaren Darüberstehen, und wir erfahren Wachstum im Glauben. Bei diesem Lebensvorgang müssen wir es uns gefallen lassen, dass der göttliche Winzer das Messer anlegt und die wilden Triebe abschneidet; das dient unserem Ablegen und Loslassen. Wehre dich nicht dagegen! Gehe positiv darauf ein! Viele Gläubige schieben das Loslassen ständig vor sich her. Was wir mit 25 Jahren nicht ablegten, ist mit 50 Jahren bleischwer. Was wir mit 30 Jahren nicht losließen, hat sich mit 60 Jahren massiv verdoppelt. Wovon wir uns mit 40 Jahren nicht lossagten, obwohl es unseren Glaubenslauf belastete, das werden wir mit 80 Jahren kaum noch loswerden. Durch Ablösen und Loslösen, durch Ablassen und Loslassen, gewinnen wir in Christus alles. Das ist im Glaubenswachstum eine sieghafte Feststellung. Deshalb, lass von dir selber los! “Leg ab, leg ab, und warte nicht, bis du 70 bist! Und sorg’ beizeiten dafür, dass nicht nur eine fromme Dressur in deinem Leben vorhanden ist, ein frommes und kirchliches Leben, sondern dass der Geist Gottes in deinem Leben etwas Neues schaffen konnte” (Manfred Mössinger)! Dann wirst du staunend und beglückend erfahren: Loslassen von dir selber bewirkt zunehmend Wachstum im Glauben.
Lass los von dir selber, und du wirst verwandelt
Es gibt keine Umgestaltung in IHN hinein ohne Absage. Wer sich ganz loslässt und die Kraft des Wortes Gottes in sich hineinwirken und von der Macht der Liebe Gottes sich durchdringen lässt, der erlebt das Wunder der Verwandlung. Der natürliche Mensch stellt sich in seiner Denkweise dem Zeitgeist dieser Welt gleich, der geistliche Mensch aber lässt sich umgestalten durch die Erneuerung des innersten Denksinns (Röm. 12, 2).
“Äußerlich mag ein Sünder scheinbar behaglich und üppig leben, aber er kann sich niemals von der Unruhe seines Herzens befreien. Selbst wenn er in den Himmel einginge, so wäre auch das für ihn die Hölle, denn die Hölle ist in seinem eigenen Herzen. Er kann in das Reich Gottes erst dann eintreten, wenn sein Herz verwandelt ist” (Sadhu Sundar Singh). Deshalb lass los von dir selber, lass alles los, was in deinem Herzen ist. Unter Herz versteht die Bibel das Zentrum der menschlichen Persönlichkeit, die Empfangs- und Sendestation aller Lebensäußerungen. “Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf” (1. Mose 8, 21). “Aus dem Herzen kommen arge Gedanken” (Matth. 15, 19). Dieses böse und arge Herz muss daher von Gott zerbrochen werden. “Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind” (Ps. 34, 19). Nun gestaltet Gott neu. Er heilt die zerstoßenen Herzen (Luk. 4, 18), Er erleuchtet (Eph. 1, 18), Er reinigt (Ps. 51, 12), Er verwandelt sie. Je konsequenter das Loslassen des alten Lebens im Glauben erfolgte, desto beglückender die Umgestaltung in das Neue Leben. Davon wird der ganze Mensch erfasst, nichts bleibt ausgeschlossen. Gott verwandelt nicht bruchstückhaft, Er macht alles neu. “Völlige Erneuerung findet nur dann statt, wenn alles Ungöttliche aufgedeckt und herausgegeben — losgelassen — wird. Dann nur wird es im Leben licht” (A. Heller).
Lass los von dir selber, und du gewinnst alles
Das Leben in Christus machen nur die wirklich offenbar, die ihr Ich loslassen und sich ganz in Seine Arme fallen lassen. Sie sind mit IHM gekreuzigt und mitgestorben (Röm. 6, 1-11).
Es ist schlimm, wenn Gläubige das immer wieder unbeachtet lassen. Wenn der Herr sagt: “Ohne Mich könnt ihr nichts tun” (Joh. 15, 5), dann heißt das in letzter Konsequenz: Es gilt, sich selbst völlig loszulassen, um in IHM alles zu gewinnen.
Dieses Loslassen ist ein lebenslanger Prozess. Wieviel Ichsucht, Eigenwille, Geiz, Neid, Ehrsucht, Selbstbemitleidung, Überheblichkeit, Kritiksucht, Richtgeist, Rechthaberei müssen losgelassen werden, zerbrochen werden! Was soll schon unser ganzer Glaube, wenn wir in unserem Alltagsleben nicht aus dem Schema dieser Welt ausbrechen? Es gibt keinen göttlichen Wandel, der den Verhaltensweisen dieser Welt gleichgeschaltet ist (Röm. 12, 2).
Gott will nichts mehr von mir, Er sucht den Christus in mir! Das ist das Entscheidende unseres Christseins, das ist Leben im Geist!
“Unser Leib wird einmal so schön und strahlend sein, als wir jetzt bereit und gewillt sind, uns Gott zu erschließen und IHM hinzugeben” (A. Heller).
Sich loslassen bewirkt, ins Vaterherz Gottes zu schauen. Meine Christusgesinnung hängt vom Loslassen ab. Lasse ich mich nicht los, dann wirke ich; lasse ich mich los, dann wirkt Er! Wer gesinnt sein will wie Jesus Christus (Phil. 2, 5), der muss alles loslassen können, der geht den Weg des Zerbruchs.
“Nur wer sich ganz zerbrechen lässt,
der lernt die Sünde hassen
und hält nicht mehr sich selber fest
und darf die Fülle fassen.
Sein Stolz und Wahn ist abgetan;
erlöst vom eignen Wesen,
kann völlig er genesen” (A. Heller).
Der Text einer Spruchkarte kam mir nicht mehr aus dem Sinn: “Im Loslassen liegt das Geheimnis überströmenden Empfangens.” Lassen wir uns davon durchdringen!
Karl Geyer erzählte einmal folgende selbsterlebte Begebenheit: Bei einer Hochzeit soll ein kleines Mädchen dem Brautpaar ein Blumengebinde überreichen. Die Eltern gehen mit dem Kind zum Tisch des Paares, aber das Mädchen hält den Strauss fest in der Hand und übergibt ihn nicht. Alle Aufforderungen, die Blumen der Braut zu überreichen, sind vergeblich. Unverwandt blickt die Kleine auf den schönen Strauss und umklammert ihn immer fester. Er ist ihr zu prächtig, um ihn herzugeben. Doch nun geschieht folgendes: Der Bräutigam nimmt von dem nahestehenden Obstteller eine große Weintraube und zeigt diese dem Mädchen. Da lässt das Kind das Blumenbukett los und ergreift die Trauben! Das ihm so köstlich Erscheinende hat das Kind für noch Köstlicheres losgelassen!
Ist das nicht ein anschauliches Bild für unser “Ablegen”? Wir haben so einzigartige Verheißungen im Glauben, dass Paulus demgegenüber alles andere für “Kot” erachtet (Phil. 3, 8)! Je mehr wir lernen, das den Händen entgleiten zu lassen, woran sie sich bisher klammerten, desto kostbarer wird uns, was Erlösung und Befreiung heißt! Im Loslassen liegt das Geheimnis überströmenden Empfangs!
(Quelle: Paulus-Verlag Heilbronn)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 
Grüß Gott,
gibt´s dazu eine praktische Anleitung, Gebet, tägliches Loslassen wie funktioniert das???
Gelobt sei Jesus Christus
Franz